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—
Mh ud Ahr
Helden-Sagen.
Vebersetzt bon Friedrich Beinrich bon der Bagen.
Dritter Band,
Völlig umgearbeitet
von
Dr, Anton Edzardi,
Dorenten an der Univerjität Leipzig.
— — ——
Stuttgart. |
Berlag don Ulbert Heiß.
1880.
Bolfunge: und Ragnars-Saga
nebjt der
Geſchichte von Nornageſt.
Vebersetzt bon Friedrich Beinrich bon der Bagen,
Zweite Auflage. |
Böllig umgearbeitet
von
Dr. Anton Edzardi,
Docenten an der Univerfität Leipzig.
Hs — —-
Stuttgart.
Verlag von Albert Heibß.
1880.
vorwort.
Seitdem v. d. Hagen's Ueberſetzungen der Vol-
ſungaſaga und der Nornageſtsſaga, die einzigen
deutſchen Ueberſetzungen und doch ſchon ganz ver-
altet, vergriffen waren, machte ſich das Bedürfniß
nach einer zeitgemäßen Erneuerung derſelben fühlbar.
Dieſe Arbeit übertrug mir der Herr Verleger.
Wir waren darüber einig, daß zunächſt *) nicht
eine freie Uebertragung in elegantem Stil, zu flüd-
tigem Durchleſen bejtimmt, herzuftellen jet — was
ja leicht gewejen wäre —, fondern ein Werf von
wiffenihaftlihem Werth. Daher war e8 mein Be-
itreben, nicht fo jehr elegant als vielmehr möglichſt
getreu zu überjegen, ohne doch dadurd) meine Ueber⸗
fegung geradezu unbeholfen werben zu laſſen. Wo
ih, um dies zu vermeiden, freier überfeßte, habe
ih die wörtlihe Weberfegung (zuweilen auch den
*) Eine Separat=Ueberfeßung der Polfungafaga in
freierer UÜebertragung und ohne den Apparat der Unmer-
ungen bebalte ic) mir vor für den Fall, daß eine folde
wünſchenswerth erjcheinen jollte.
Driginaltert) in Sternnoten angemerkt. So glaube
ih einen zuperläffigen *) deutſchen Text ge-
Ihaffen zu Haben, der allen denen das Original zu
erjegen im Stande iſt, die ſich mit der Nibelungen-
fage beichäftigen wollen, den altnordiſchen Text aber
nit oder doch nur mit Schwierigkeiten leſen können.
Die Ragnarsfaga (die übrigens feit 1829 über-
haupt nicht mehr überſetzt tft) konnte wegen ihrer
Bufammengebörigfeit mit der Volſungaſaga nicht von
diefer getrennt werden. Auch bier ift meine Ueber⸗
jegung eine wortgetreue, wenn ih auch hier eher
einmal eine freie Ueberſetzung meines Vorgängers
jtehn ließ.
Im Allgemeinen bemerfe ih noch, daß Er-
gänzungen in [—] gejett find, in (—) Hingegen
Worte, welche dem Texte entſprechen, in der Ueber⸗
ſetzung aber beſſer fortfallen. Letztere Klammern
find auch bei dem einer Rede eingejhobenen „jagte
er” u. dgl. angewandt. Bei’ den Citaten ift zu be-
achten, daß Hinter den Seitenzahlen die obenftehn-
ven Heinen Ziffern ſich allemal auf die Ziffernoten,
die nah einem Komma in der Zeile folgenden
Biffern aber fih auf die Zeilen der Seite beziehn.
*) Aus diefem Grunde find auch die meiſt unbedeutenden:
Uenderungen und Ergänzungen, Die ſich aus der Nachver—
gleihung mit dem Originaltert ergaben, gemwifjenhaft in den
Nachträgen zufammengeftell. Bejonders bitte ich die Nach-
trüge zu 24,13; 40,1; 42,3; 55,10; 78,6; 97,1 in den
Tert einzutragen.
Bei der Verbeutihung der Namensformen tft die
Nominativ-Endung r überall fortgelaffen, bei den
ſchwachen Maskulinen dag ältere e ftatt i eingeführt;
ftatt des fpätern Umlauts 6 (früher 0) ſteht das
urjprünglide a, älterer Umlaut ift durch o (mit
ö) wiedergegeben.
Die Strophen der Eddalieder in der Voljunga-
ſaga und der Geihichte von Nornageſt habe ich eben⸗
falls weniger gefhmadvoll als vielmehr getreu über-
fegen wollen, fofern ſich nicht beides vereinigen ließ.
Auch find die Lesarten unjerer Sagahandſchriften
zu Grunde gelegt, wo fie nicht ficher verderbt er-
ſchienen; wo eine Lesart der Lieder⸗Edda zu Grunde
liegt, ift dies wohl immer angegeben. Bei einer
Veberjegung der Eddalieder als folder würde ich
ſelbſtverſtändlich anders verfahren.
Bei den Strophen der Ragnarsfaga war eine
wortgetreue Weberfegung durch die im Deutſchen
nicht gut wiederzugebende ſkaldiſche Ausdrucksweiſe
ausgejchloffen. Ich Habe hier finngetreu zu -über-
jegen mich bemüht. Freilich iſt bei der jchlechten
Ueberlieferung, obwohl ich gerade auf die Strophen
unverhältnigmäßig viel Zeit und Mühe verwendet
habe, ſelbſt der Sinn nicht immer ficher feitzuftellen
gewejen, und zweimal habe ich gar feine Ueberſetzung
gewagt. In diefer Hinficht verweiſe ich auf die
umfängliden Bemerkungen in den Nahträgen. Daß
Herr Prof. Möbius mid bei mehreren Strophen
freundlicft unterftügt hat, indem feine Mittheilungen
theils meine Anſichten in willlommener Weiſe be»
ftätigten, theils neue Auffalfungen an die Hand
gaben *), fet hier no mit Dank erwähnt.
Da ih nit eine ganz neue Ueberſetzung zu
liefern, ſondern die v. d. Hagen's umzuarbeiten hatte,
jo habe ih, wo es irgend anging, feine Worte bei-
behalten, obwohl auf manden Seiten kaum eine
Zeile unverändert geblieben ift, und eine Neube-
arbeitung fat leichtere Mühe gewejen wäre als die
Umarbeitung. Dadurch mögen Heine Ungleihmäßig-
fetten des Stils und auch wohl der Orthographie
(für die übrigens nicht ich verantwortlich bin) ent-
ftanden fein. Auch das hat die Gleihmäßigfeit der
Veberfegung vielleicht Hier und da geftört, daß eine
ſchwere Erkrankung meine Arbeit unterbrad und
aufhielt, fo daß die Volſungaſaga nun ſchon faft
ein Jahr Yang fertig gebrudt Liegt. Auch manche
Nachträge find aus diefem Grunde nöthig geworden.
Für die Volfungafaga und die Geſchichte von
Nornageft konnte ih die durchaus zupverläffige Aus-
gabe von Bugge zu Grunde legen, für die Ragnars⸗
ſaga war ih auf den gewiß verbefjerungsbedürf-
tigen Text Rafn's angewiefen. Denn, da es ji
nit um eine Ausgabe, ſondern nur um eine Ueber⸗
jegung handelte, würde die Zeit, welche ich auf die
vollſtändige Vergleihung der 3. Th. recht ſchwierig
zu lefenden Hoſchr. hätte verwenden müffen, in
gar feinem Verhältniß geſtanden haben zu dem Ge-
*) Letzteres ift namentlich) der Tall bei Str. 3,1—4;
23,6; 24,2; 28,3 f.
winne, den die Meberfegung daraus etwa hätte
ziehen können.
Die Sternnoten find im Allgemeinen für folche
Lejer beitimmt, die ohne fachwiljenihaftlihe Vor⸗
fenntniffe die Sagas doch gründlich und mit Xer-
ſtändniß leſen wollen. Doc dürften einige derſelben
auch für meine Fachgenoſſen Intereſſe haben.
Während die Sternnoten der Erklärung dienen *)
ſollen, jollen die Ziffernoten das zujammenitellen,
was die Kritik des Textes betrifft, ſoweit es ſich
um das BVerhältniß zu anderen Quellen handelt.
Doch glaubte Kb bei der Scheidung zwiſchen beiderlei
Anmerkungen Keine, aus praftiihen Gründen wün⸗
ſchenswerthe Inconſequenzen nicht allzu peinlich ver-
meiden zu jollen, weil beide doch untereinander ftehn
und mit Einem Blick überjehen werben können.
Die Ziffernoten geben nun für die Volfunga-
und die Nornageits-Saga ein fortlaufendes Ver⸗
zeihniß der Quellen und wichtigen Barallelitellen.
Dies Verzeihniß ſoll einerfeits das Verhältniß beider
Saga’8 zu ihren Quellen überfichtlich darftellen und
die felbitändigen Zuſätze der Verfaſſer zur An-
ſchauung bringen; andrerjeits wird es hoffentlich für
die Geſchichte der nordiſchen Nibelungenſage ein brauch⸗
bares Hülfsmittel werden, freilich hauptſächlich nur
für den, welcher die citirten Stellen im Original
*) Doch ſind auch die Parallelſtellen in nerhalb der
Sagas dort zuſammengeſtellt.
vergleichen Tann. Die in |-) meiner Meberjegung
eingefügten Seitenzahlen der zu Grunde gelegten
Texte (j. ©. IV. VII) werben die Vergleichung biefer
Driginaltexte erleihtern. — Die jüngeren Volks⸗
lieber find in der Regel nur da angeführt, wo feine
älteren und echteren Quellen vorliegen, neben den
jelben aber — um die Weberfihtlichleit nicht zu
ftören — nur ausnahmsweife.*) Die Volfungs-
rimur find, weil feine ältere Ueberlieferung zur
Seite: ftand und aus dem ©. XXV angeführten
Grunde, fortlaufend verglichen.
Für die Ragnarsſaga lag Vollſtändigkeit der
verzeichneten Parallelſtellen urſprünglich nicht in
meiner Abfiht. Da es mir aber [päter wünſchens⸗
werth erſchien, die wichtigen Paralleldarftellungen
pollftändig zur Vergleichung heranzuziehn, iſt Manches
nachzutragen gewejen. Namentlich bitte ich die Ver⸗
gleihung der Herraudsjaga zu S. 233—236 und
Saxo's zu ©. 322—31 (auf ©. 438) fowie des
Nth. zu ©. 300 bis 301 einzutragen.
Das Perſonenregiſter wird für die nordiſche
Nibelungenſage, wie ich Hoffe, eine nützliche Material»
Sammlung darbieten, zumal zu jeder citirten Stelle
in den Biffernoten die Quellen und Paralfelitellen
zufammeengeftellt find. Wielleicht hätte Hier und da
noch ein Zug aufgenommen werden können, aber
Wefentliches wird nicht fehlen. Ich darf dies Ver⸗
*, Mon wolle übrigens die Nachträge zu ©. 58, 11 f; ;
67’; 74; 3771 (auf ©. 438) beachten.
zeihniß als zuverläffig bezeichnen, da die Citate
wiederholt nahvergliden find.
Die Einleitung follte in fnapper Form über
die wichtigen ragen orientiven, welche fih an die
überjegten Sagas knüpfen. Dies war aber nur
da möglich, wo ich auf meine eigenen Schriften oder
die Anderer Bezug nehmen konnte. Wo ich dagegen
bie grundlegenden Unterfuchungen ſelbſt erit anzu⸗
ftellen hatte, mußten dieſe in die Einleitung aufs
genommen werden; doch habe ih mich bemüht, den
gelehrten Apparat, joweit thunlich, in die Anmerkungen
zu verweifen. Der längere Abſchnitt über die Ein-
beit der Volſunga⸗Ragnarsſaga nebft den einjchlägigen
Einzelunterfuhungen fowie die Bemerkungen über
das Verhältniß der Ragnarsſaga zu den verwandten
Darftellungen des Stoff und zu den Strophen
jeten der Beachtung der Fachgenoſſen empfohlen. —
Die kurze ſagengeſchichtliche Skizze ſoll lediglich dem
in der Geſchichte der Nibelungenſage nicht bewan⸗
derten zur Orientirung dienen und rechnet auf nach⸗
ſichtige Beurtheilung der Mitforſcher, inſofern ſie
hier in knappeſter Form und ohne Begründung er⸗
ſcheinen muß. Ueber einzelne Punkte hoffe ich mich
bald einmal ausführlicher ausſprechen zu können.
Leipzig,
im September 1880.
A. Edzardi.
Inhalt.
Seite
Einleitung . . » 2... N ee
Handſchriften, Ausgaben, NEE der Vols.-Ragn.
s. I und des Nth. VI, Literatur VIII. — Eddalieder X,
Liederfammlung XIII, Berhältniß der Vols. s. zu ihr XV,
Ergänzung der Lücke (XV) XIX; die erften Kapitel XXII,
Bolfungssrimur XXV. Einbeit der Vols.-Ragn. s. XXVI,
Stilgleihheit XXX, Berbältniß zur Thidrelsfaga XXXVI.
Berſchiedene Ueberlieferungen der Ragnarsfaga XLI, die
Strophen L. Alter der Vols.-Ragn. s. LVIII. Verhält⸗
niß des Nth. zur 2iederfammlung (SigurdSfaga) LXII;
Einkleidung der Erzählungen LX VIII, Alter des Nth.LXX.
— Hauptgeftaltungen der Nibelungenfage LXXI; Abriß ihrer
älteften Geſchichte LXXII, Yorteutwidelung im Norden
LXXVII; erneute Einwanderung deutiher Sage LXXIX.
Ueberſetzung der BoljungasRagnarzfaga . . . . . 1
Veberfegung der Bolfungafaga ra
Veberfegung der Ragnarsfagn. . . . .... 221
Veberjegung der Gejchichte von Nornagett . . . . 38
Nachträge nebſt einigen Berichtigungen . . 398
Erklärung der in den nn gebuchten Ab⸗
fürzungen . . . . 407
Sachregiſter zu den Sternnoten eine 409
Perſonenregiſter für die —— und > Lt ber
Nornageitsfaga . - - . ; 415
@inleitung.
— — ——
Die Volſunga⸗ und Ragnars⸗Saga ift und nur
in Einer vollftändigen alten Handſchrift der Kal.
Bibliothek zu Kopenhagen (Cod. reg. 1824 B. 4°)
überliefert, die gegen Ende des 14. Jahrhunderts ge-
ihrieben zu fein fcheint. Wegen der Befchaffenheit
des Pergaments iſt fie theilweife jchwierig zu leſen.
Für die VBolfungafaga ift fie von Bugge für feine
Ausgabe forgfältig verglichen, die Ragnarsſaga bedarf
noch einer jorgfältigen Vergleichung. Außer den beiden
unmittelbar zujammenhängenden*) Saga’3 enthält Die
Handſchrift noch die Kräkumsl (ſ. unten ©. LI).
Alle anderen Handichriften find junge Papier-
abſchriften eben diejer Handſchrift, alfo ohne felb-
Ständigen Werth.
Ganz neuerdingd ift nun aber in dem Cod.
*) Ragn. s. fchliefst fich mitten auf der Seife an Vols. s.
a
II
AM. 147. 40 der Univerſitätsbibliothek zu Kopen⸗
hagen ein leider faſt ganz ausradirter und dann
überſchriebener Text der Ragnarsſaga entdeckt worden. *)
Herr Profefjor Bugge**) theilt mir darüber Folgendes
mit: „Cod. 147. 4° enthält jeßt Werke juriftifchen
Inhalts (Jonsbok etc.), die von verjchiedenen Händen
wahrſcheinlich im 15. Sahrhundert gejchrieben ' find.
Arni Magnusfon erhielt ihn von Bjarni Sigurdarjon
zu Heyned. Ein großer Theil war früher befchrieben,
die Schrift ift aber ausradirt. Auf den 19 lebten
Blättern find am Nande, oben und unten Reſte
lesbar von einer Handichrift der Ragnars saga Lodh-
brökar, was Gudbrand Vigfusfon zuerit entdedte.
Die Hand jcheint von der zweiten Hälfte des 14. Jahr⸗
Hundert. Es ftehn meift 24 oder 25 Beilen auf
der Seite, durchſchnittlich faſt 1%, Seiten des Drucks
in Fas. entſprechend. — Auch die Krakumal finden ſich,
und ziwar mit anderer Strophenfolge als in Fas.
Unmittelbar auf Krafumal folgt: „..... medh
hreysti mikilli (= Fas. 1, 352, 3. 23 [Rath.], vgl.
*) Eine kurze Notiz darüber gab ſchon G. Storm, Ragn.
Lodbr. ©. 1071.
x**) Derjelbe bat mir auf das Liebenswürdigſte die wejent-
lichiten feiner Notizen zur Verfügung geftellt und gütigjt er-
laubt, diefelben zu veröffentlichen, wofür ic) ihm hiermit auch
Öffentlich meinen herzlichen Dank ausſpreche.
III
Fas. 1, 283, 3.1). Die übrigen Blätter, bexen In⸗
halt annähernd beftimmt werden Tann, fcheinen Alles
umfaßt zu haben, was zwiſchen Fas. 1, 240 und
292*) liegt. Doch hat Profeſſor Bugge einzelne Stüde
bisher nicht gefunden. Den Inhalt der verjchiedenen
Blätter zu beſtimmen ift deshalb ſchwierig, weil der
Tert im Cod. 147 zumeilen ander? geordnet ift
als in Fas. Die Redaction im Cod. 147 hat an
mehreren Stellen dem Rsth. näher gejtanden als
dem Texte der Saga in Fas. und zeigt ſich öfter
kürzer al3 Diefer letztere. Die Strophen find im
Ganzen im Cod. 147 in beſſerer Form aufgezeichnet
al3 in der bekannten Haupthandfchrift der Ragnars⸗
ſaga. Voran gehn in der Handfchrift noch eine
Menge Blätter, auf denen früher etwas gejchrieben
war. Aber Hier ift die urſprüngliche Schrift fo
forgfältig ausradirt, daß Profeſſor Bugge bisher
auf feinem einzigen diefer Blätter auch nur ein ein-
ziges Wort mit Sicherheit hat leſen können. Es ift
demnach noch nicht zu beftimmen, ob und in wie weit
die Volfungafaga auf Blättern des Cod. 147 ge
ſchrieben geweſen ift oder nicht.“ **)
*) Die Iehte Seite (f. ©. XLV) iſt niet überjhrieben.
**) Diefe Angaben find alle Herrn Brofefior Bugge's
Rotizen entnommen, aber non mir felbftändig — jedoch unter
möglichftem Anſchluß an feine Worte — redigirt.
a*
IV
Herauögegeben find beide Saga's mehrfadh*),
und zwar jede für fih, aber unmittelbar nad
einander bon
Biörner, Nordiska Kämpadater, Stodholm
1737, XI und XIL
v. d. Hagen, Altnordiſche Sagen und Lieder,
welche zum Yabelfreiß des Heldenbuchs und
der Nibelungen gehören (S. 17—186), II
und II. Breslau 1814.
[Beruht auf Biöruer’8 Ausgabe.)
NRafn, Fornaldar sögur Nordhrlanda, Band 1,
©. 113—299. Kopenhagen 1829.
[Na neuer Vergleichung der Hanpiärift.] **)
Die Bolfungafaga allein ift dann noch heraus-
gegeben von
Bugge, Norroene Skrifter af sagnhistorisk Ind-
hold (Heft 2), S. 81 —199. Chriftiania 1865.
Dazu Nachträge und Berichtigungen auf dem Umſchlage des
eftes. Eine neue, a TR ee der Handichrift Liegt
Wilken, die profaifche Edda im Auszuge nebit
Volsunga-Saga und Nornagests-thättr, ©. 147
bis 234. Baderborn 1877.
[Im Weſentlichen genauer Abdruck des Bugge'ſchen Tertes.]
*) Abdrücke einzelner Abſchnitte (in Xejeblichern ꝛc.)
ſind hier nicht berückſichtigt.
**) Dieſer Text liegt meiner Ueberſetzung der Ragnars—
ſaga zu Grunde, und beziehn ſich die in ||—) eingefügten
Geitenzahlen auf ihn.
ir) Auf Diefem Text beruht meine Ueberſetzung der VBol-
fungafaga, und beziehn ſich die in ||—) eingefüigten Geiten-
zahlen auf ihn,
’ V
Die Ragnarsſaga iſt ſeit 1829 nicht wieder
herausgegeben und bedarf dringend einer neuen Aus⸗
gabe nach neuer Vergleihung der Handichrift.
Ueberſetzungen giebt es, namentlich in dänischer
Sprade, zahlreihe von der Volſungaſaga, näm-
ih von |
(Däniſch. Rafn, Nordiske Kämpe-Historier, I, B:
Volsunga-Saga eller Historien om Sigurd
Fafnersbane. Kopenhagen 1822.
(Nach Biörner’3 Tert.]
Rafn, Nordiske Fortids Sagaer, Band I, ©.
106— 217. : Kopenhagen 1829.
[Diefer zweiten Heberjegung — liegt ſein Text in Fas. zu
runde.
Ullmann, Sagaen om Völsungerne. Kopen-
hagen 1873.
Winkel Horn, Nordiske Heltesagaer, ©. 1
bi3 91. Kopenhagen 1876.
Shwedifh:] Arwidsſon, Historia Volsungorum
svetice reddita.. Abox 1820.
Engliſch; Eirifr Magnusfon und Morris,
Völsunga Saga. The Story of the Völsungs
and Niblungs etc. London 1870.
[Deutfch:] v. d. Hagen, Nordiſche Heldenromane,
Band IV: Bolfunga-Saga oder Sigurd der
Safnirstödter und die Riflungen. Breslau 1815.
[Berubt auf Biörner’8 Tert. Als vollftändig umgearbeitete
zweite Auflage diefer Ueberſetzung erſcheint vorliegendes Bud.)
Raßmann in feinem Buche „Die deutſche Helden-
jage und ihre Heimath‘‘, Band I (Hannover
1857) hat die Volfungafaga überjegt, aber
VI
nicht vollſtändig und zuſammenhängend, ſondern
in einzelne Stücke zerriſſen und theilweiſe in
die Ueberſetzung der Eddalieder eingefchoben.*)
Bon der Ragnarsſaga giebt ed nur die fol-
genden Weberjeßungen von °
[Dänifch:] Rafn, Nord. Kämpehist. I, C: Ragnar
Lodbroks Saga, Krakemaal, Fortelling om
Norna Gest etc. ©. 1—81. Kopenhagen 1822.
Rafn, Nord. Fort. Sagaer, Band I, 219— 276.
[S. oben ©. V.)
Deutſch:) dv. d. Hagen, Nordiſche Heldenromane,
Band V: Ragnar-Lodbrofd-Saga und Norna-
Geſts-Saga, S. 1—112. Brelau 1828.
[Hiervon ift meine ee eine vollftändig umgearbeitete
zweite Be
Die Nornageft3faga (thättr af Nornagesti,
mit Nth. bezeichnet) iſt als Epifode der ausführ-
lichſten Redaction der Olafs saga Tryggvasonar in
zwei alten Handjchriften überliefert, die nicht uner-
heblich von einander abweichen, nämlich in
S, d. i.Cod. AM. 62 Fol., nad) Bugge, der Diele
Hdſchr. feiner Ausgabe mit Recht zu Grunde
gelegt Hat, bald nach der Mitte des 14. Jahr⸗
hunderts gefchrieben.
*) Daß Raßmann auch das „Webergangskapitel” (I,
©. 289 ff.) ſowie einzelne Theile der eigentlichen Ragnars⸗
faga und des Nth. überjegt hat, ſei hier erwähnt.
VII
F, d. i. Flateyjarbok*) jener befannten, umfäng-
lichen Hoͤſchr, die um 1380 geſchrieben ift.
Andere Handichriften Haben feinen felbjtändigen
Werth.
Folgende Ausgaben des thättr find zu ver-
zeichnen:
Biörner, Nord. Kämpadater — ſJ. oben
v.d. Hagen, Altn. Sagen u. Lieder IV. &
Rafn, Fornaldar Sögur 1, 311—342.| S- IV:
[Rah einer von F abhängigen Handidrift.]
Bugge, Norroene Skrifter af sagnhistorisk Ind-
hold (Heft 1), ©. 45—80. Chriftiania 1863.
[Rad der Handſchrift 8.]**)
Willen, die prof. Edda ꝛc.; ©. 235—261.
Paderborn 1877.
[Willen Iegt mit Unrecht ***) die Hoſchr. F zu Grunde.]
Außerdem ift der Nth. als Theil der ganzen
Dlafsfaga (abgefehen von einer alten Ausgabe von
1690) gedrudt in der Ausgabe Der Flateyjarbok,
Bd. 1, S.346— 359. (Genauer Abdrud der Handſchr.)
Ueberſetzt ift die Öefchtchte von Nornageft von
[Dänifh:] Rafn, Nord. Kämpehistorier, I. C (f. oben
©. VI), ©. 97—132. Ropenhagen 1822.
*) Herausgegeben in drei ſtarken Bänden, Chrijtiania
186068.
**) Diefer Tert liegt meiner Ueberſetzung zu runde,
und beziehn ſich die in | —) eingefügten Seitenzahlen auf ihn.
+) S. Willen © LXXXVI ff. und dagegen Germ.
24, 353 f. und Zichr. f. d. Bhil. 12, 87—92.
VIII
Rafn, Nord. Fort. Sagaer, Band I, ©. 289 bis
316. Kopenhagen 1829.
[Rah dem Tert in Fas.]
(Deutfh:] v. d. Hagen, Nordiſche Heldenromang,
Bd.V, ©.113—171 (f. 0. S.VI). Breslau 1828.
Die Literatur*) über die Volſunga-Ragnars⸗
faga und den Nth. iſt micht eben bedeutend, wenn
wir die Schriften über die Sage**) ausſchließen.
Ueber Volfungafaga und Nornageitsfaga Handelt
P. E Müller in feiner Sagabibliothef, Bd. I,
S. 36—145 [in der Weberfegung von Lange**)
©. 1—107]; ©. Bugge in der Einleitung zu feiner
Edda-Ausgabe S. XXXIV—XLIV und in den An-
merfungen Hinter feiner Ausgabe der Volſungaſaga
© 193—199; befonderd aber B. Sijmond in
feinen gründlichen und gehaltvollen „Unterfuchungen
— — — Ö
*) Gelegentlihe Bemerkungen und fürzere Be-
ſprechungen werden Hier nicht berückſichtigt. Nur das Wid-
tigfte ift, befonders mit Rückſicht auf meine Citate, Hier zu:
fammengeftellt.
**) Meil die Nibelungenjage für fich allein jchon eine
umfänglicjhe Literatur hat.
er „Unterſuchungen über die Geſchichte und das Ber-
hältnig der nordischen und deutſchen Heldenfage, aus P.
E. Müller's Sagabibliothet II. Band... überfegt und
fritiich bearbeitet von Georg Lange.” Frankfurt a. M. 1832.
IX
über diefogenannte Bölfungafaga* (Beitr. 3, 199-303).
Gegen diefe Abhandlung wendet ſich die Einleitung zu
Wilken's Schrift „Die profaifche Edda im Aus⸗
zuge nebit Volſungaſaga und Nornageitö-thättr“,
Paderborn 1877. Hier ift S. VI—LXXXV über
die VBolfungafaga, ©. LXXXV-—CIH über den Nth.
gehandelt. Willen 3 Widerſpruch ift aber im
Weſentlichen ungerechtfertigt und fein Standpunkt ein
jo eigenartiger, daß feine Auffaffung in der Haupt-
fahe und in den meiften Einzelheiten als verfehlt
gelten muß.*) Die Urtbeil habe ich Germ. 24,
353—363 ausführlich motivirt, womit Sijmons'
noch eingehendere Recenſion in der Bir. f. d.
Phil. 12, 83—113 im Wefentlicden übereinftimmt.
In beiden Anzeigen, namentlich in der leßteren, findet
fi beachtenswerthes Material für die Beurtheilung
der Volſunga⸗ und der Nornageft3-Saga. Den Eingang
der Volſungaſaga (Kap. 1—12) behandelt Müllen-
hof unter dem Titel „Die alte Dichtung von den
Nibelungen. I: Bon Sigfrid's Ahnen“, H. Zſchr. 23,
113— 173.
Ueber die Ragnarsfaga handelt in Sijmong’
Unterfuchungen gelegentlih der erfte Abichnitt (©.
200 — 215). Hierher gehören ferner Rafn's
*) Das Buch ift deshalb nur felten von mir angeführt.
X
Anmerkungen in Kämpehistorier I. C, ©. 155—165,
fowie feine Bemerkungen zu den Strophen ebenda
©. 177—247. Ah G. Storm's mehrfach von
mir citirte Schrift „Ragnar Lodbrok og Lodbroks-
sönnerne“, Chriftiania 1877*), obwohl zunächſt Die
Sage behandelnd, nimmt mehrfach auf die isländischen
Bearbeitungen des Stoffed Bezug. Dedgleichen fommt
die ſchwediſche Ueberjeßung de Ragnars sona thättr
von Söderjtröm”**) für die entiprechenden Bartien
der Saga und namentlich) für die Strophen in Betracht.
Endlih ift auf die betreffenden Abfchnitte in
R. Keyſer's Literaturgefchichte (Efterladte Skrifter
1,346—65.391— 99), Sagabibl.2,264—82, fowie in
Munch's Det norske Folks Historie I, 1 zu verweifen.
Die Volfungafaga beruht zumeiſt auf alten nor-
dilchen Heldenliedern, die und zum großen Theil
noch in jener alten Liederſammlung erhalten find,
welche wir die Lieder-Edda (Sämund’3 Edda) zu
*) Aus (Norsk) Historisk Tidskrift, 2. folge I,
371-491.
**) 'Thättr af Ragnars sonum. Sagostycke om Rag-
nars Söner, frän Isländskan öfversatt och belyst. Akad.
Afhandling .... Örebro 1872.
Al
nennen pflegen, obwohl der Name „Edda“ eigentlich
nur der profaifchen (Snorre’3) Edda zukommt. Dieſe
Lieder-Edda ift eine Sammlung von Liedern gleichen
oder doch ähnlichen Charakters, aber ſehr verjchiedenen
Alter? und Werthes. Die Eddalieder find nicht
eigentlich Volkslieder, aber ſie find die Ausläufer
einer älteren Boll3dichtung, der einzelne Lieder ganz,
andere wenigſtens theilweife noch ziemlich nahe jtehn.
Ya e3 fcheint, als ob in den beſſern Eddaliedern
Umdichtungen (Bearbeitungen, wenn man jo jagen
darf) älterer Volkslieder vorliegen, von denen oft
einzelne Strophen und Strophengruppen ziemlich um-
verändert beibehalten fein mögen. Unter diejen Um:
ftänden ift eine genaue Altersbeſtimmung diejer Lieder
ſehr Schwierig; doch wird man nicht weit fehl greifen
mit der Annahme, daß in der vorliegenden
Geſtalt keines derfelben vor dem 9. Sahrhundert*)
und keins (zwei oder drei Lieder etwa ausgenommen)
nad) dem 11. Sahrhundert entjtanden ift, die meijten
aber ihre jebige Geftalt im 10. Jahrhundert erhalten
haben und zwar auf Sland**) — mo fie aud)
*) Daß Theile einzelner Lieder älter fein können, it
nad) dem eben Sefagten damit natürlich nicht ausgeſchloſſen,
vielmehr ift es fehr wahrſcheinlich.
**) Die neueite Theorie Gubbrand Vigfusſon's (in jeiner
Ausgabe der Sturlunga, Proleg. OLXXXVI ff.), daß die
XII
geſammelt wurden — und in deſſen Nebenländern.
Einzelne Lieder mögen immerhin in Norwegen ent⸗
itanden oder in älterer Geftalt von Norwegen nad)
land mitgebradt und dort umgedichtet fein.
Kann man die Eddalieder nun auc nicht ſchlecht⸗
weg Volkslieder nennen, jo darf man dieſe ganze
Dichtung doch gegenüber der überfünftlicden Stalden-
dichtung getroft al3 volksthümlich bezeichnen, in-
fofern ſie auf alten Volksliedern beruht und an-
ſcheinend, im Gegenja zur Skaldendichtung der
höfifchen Kreife, vorzugsweiſe in den reifen‘ des
Volkes gepflegt worden ift,.wie denn auch alle dieje
Lieder „verfafjerlo8“ find. Der Unterſchied beider
Dichtungsarten in der Form ift neueren Theorien
gegenüber *) durchaus feitzuhalten, wenn man aud)
Eddalieder auf den noröbritifchen Inſeln und Küften (Orknöen,
Hebriden, Nordfüjten Schottlands und Irlands) von nor=
diſchen Dichtern verfaßt feien, ift eine geiftreiche, aber nicht
ſtichhaltige Vermuthung, wie ich nächftens andern Ortes aus⸗
führlich zu zeigen gedente.
*) Sehr entichieden Haben fih Willen (Gött. gel.
Anz. 1878, ©. 77—89) und Gieverd (Beitr. 6, 298)
Dagegen ausgeſprochen, daß „in formeller ... Beziehung
irgendwie eine fefte Grenze zwiſchen „eddiſcher“ und „ſkal⸗
diſcher“ Dichtung fich ziehen Läßt“. Gegen Sievers' Theorie
babe ich mich im Literaturblatt f. germ. und rom. Phil. 1,
Sp. 166—69, ausführlich ausgeſprochen.
XIII
unleugbar in ſpäterer Zeit denſelben zu verwiſchen
trachtete.
Bon dieſen volksthümlichen Götter⸗ und Helden⸗
liedern ward nun etwa um 1240*) eine größere
Zahl in einer Sammlung vereinigt, indem der Sammler
erläuternde profaifche Bemerkungen, namentlich Ein-
leitungen, binzufügte und innerhalb der Lieder ver-
gefjene Strophen durch proſaiſche Zwiſchenſätze erjeßte.
Dabei hat er oft genug, wie der noch erhaltene Stab-
reim und die poetiſche Ausdrucksweiſe zeigt, die in
ihrer metriſchen Form ihm nicht mehr erinner-
lihen Strophen inhaltlich getreu in Proja-Auflöfung
wiedergegeben. Für die SHeldenlieder jollten wir
eigentlich richtiger von profaifhen Erzählungen mit
eingejchobenen Liedern umd Liedfragmenten — von
*) Dies bat Bugge in der Einleitung zu feiner Edda⸗
Ausgabe (S. LXVI ff.). feitgeftellt. Die Sammlung jcheint
nämlich nad) Snorre’3 (+ 1241) Thätigfeit an der nad) ihm
benannten Snorra Edda entitanden zu fein, da fie dort weder
in der Gylfaginning noch im Staldffaparmal benugt, Snorre
alfo unbekannt gewejen ift, während andrerfeit3 die Snorra
Edda ziemlich fiher in der Sammlung benußt ift (vgl. Bugge
a. 0. ©. XXXf.; Germ. 24, 367; Bichr. f. d. Phil. 12, 108).
Da nun die Snorra Edda als Ganzes etwa um 1230 ver-
faßt ift, andrerfeit® aber im Prolog der Thidreksſaga höchft
wahrſcheinlich auf unfere Sammlung angefpielt wird (Bugge
a. a. ©. LXVIM), fo muß die Sammlung zwifchen 1230
und 1250, aljo ettva um 1240 entitanden fein.
XIV
Heinen Saga's alſo — al3 von einer Liederfammlung
reden. Wenigftend ift das fogenannte „Lied von
Helge Hiorvardsſon, wie man jchon richtig erfannt
hat, nicht® andere al3 eine Heine Saga, die größere
und kleinere Fragmente von 4 Liedern zujammenfaßt,
welche einen Liedercyfluß von Helge Hiorvardöfon
bildeten. Nicht anders fteht es mit dem jogenannten
„zweiten Liede“ von Helge dem HundingStödter (Helg.
Hund. I): auch dies ift eigentlich eine Heine Helga
saga Hundingsbans , in welche Fragmente von min-
deſtens 3, eher wohl von 4—5*) Liedern aus einem
Liedercyffiuß von Helge dem Hundingstödter einge
fchoben find. Ebenſo wird der Abjchnitt von Sigurd's
Geburt bis zu Brynhild's Tode ſchon als „Sigurd$-
ſaga“ für ſich beſtanden haben und als Ganzes
der Sammlung einverleibt ſein, wie ich weiter unten
ausführen werde. Leider fehlt gerade hier in der
Hdſchr. der Sammlung, welche dieſen Theil allein
*) 1 (Käruljödh? vgl. Beitr. 4, 194 ff.): vom Anfange
bis ©. 163, Profa, 3. 2 (Hild.). — Dahin gehört 2: Str. 38
nebſt vorhergehnder Proſa (Fragment eine Scheltgejprächa
mit Hunding, vgl. Beitr. 4, 171 f.). Dann folgt 3 (oder
vielleicht gehörte 3 dazu?): ©. 163, Proſa, 3.2 bis Str. 12
Ende. — 4 (Volsungakvidha in forna): bi8 Str. 27 Ende.
— 5: Proſa nad Str. 27—37 incl. + Proja nad) Str. 38
bis Str. 50 (oder find auch dies Nefte zweier Lieder?).
XV
erhalten hat*), ein beträchtliches Stüd, und mir
find Hier faſt ausschließlich auf die Ergänzung ange:
wiefen, welche glücklicherweiſe die Volſungaſaga bietet.
Die Volſungaſaga hat nämlich, wie erwähnt,
die Liederſammlung, die wir Edda nennen, benutzt,
und zwar eine ältere, vielfach beſſere und vor Allem
vollſtändige Hdſchr. derſelben. Auch abgeſehen
von der Lücke hat die unſerm Verfaſſer vorliegende
Hoſchr. einen vollſtändigeren *), beſſer geordneten ***)
oder in anderer Weile urjprünglicheren}) Text
enthalten (vgl. meine gelegentlichen Bemerkungen in
Germ. 23, 176 ff. 314 ff. 326 ff. 407 fi). Am
wichtigften ift aber natürlich der Umitand, daß
Kap. 23—29 den in der Lücke des Cod. reg. ver-
lorenen Theil der „Sigurdsſaga“ wiedergiebt, und
zwar die hier eingejchoben geweſenen Lieder und
Liedftüce faft ausnahmslos in Proja-Auflöfung. Es
*) Es ift der berühmte Codex regius (d. h. Handichrift
der Kgl. Biblisothek in Kopenhagen) n’ 2365. 4°,
**) 3. B. 43°. 48°. 85°, 89°. 91°, 95° und 96' (mo
Sigurd als der beftimmte Erlöfer erjcheint, vgl. Fjölsvinns-
mäl 42-49). 99%. (163°), 183° (Germ. ‘23, 409). 190° *
(Germ. 28, 410 f.). 195? (Germ. 23, 407 f.). 202%. (211°) x.
“+, Bgl. Germ. 23, 176 f. 314 f. 316 ff.
+) 8. 8. 91: .(Germ. 23, 318 f.); 51, 15 «eitt ftatt
eitr, Sinfj..3. 7.); 53° x.
XVI
iſt daher ſehr wichtig feſtzuſtellen, in wie weit wir
hier eine getreue Wiedergabe des Verlorenen zu
erwarten haben.
Dieſe Frage zu beantworten giebt es zwei Mittel.
Zunächſt können wir die kurze Skizze in der Snorra
Edda*) heranziehen, ferner Gripisſpa und Sig. sk. 1—4,
welche Darjtellungen ebenfal$ den verlorenen Theil
der Sammlımg benußt haben. Genaue, theilweiſe
wörtliche Uebereinftimmungen fprechen bier für eine
verhältnißmäßig getreue Wiedergabe. **)
Sodann hat man namentlich zu beobachten, wie
der Sagafchreiber bei der Benugung feiner Quellen
da verjährt, wo diefe Quellen erhalten find, fo daß
wir ihn controliren können. Hierüber hat B. Sijmond
in feiner oben genannten Schrift (Beitr., Bd. 3) eine
gründliche Unterfuhhung angeftellt. Dieſe bat ergeben,
*) Im Skaldſkaparmal (dem Abſchnitt, welcher Die poetiſche
Ausdrucksweiſe behandelt) iſt zur Erklärung der Umſchreibung
„Otterbuße“ für „Gold“ die „Vorgeſchichte des Hortes“ er⸗
ztihlt. Eine ſpütere Bearbeitung der Snorra Edda Hat dieſe
kurze Darftellung unter Benutzung der Liederſammlung zu
einem Abriffe der ganzen Ribelungenjage erweitert; f. Sij⸗
mons, Beitr. 3, 209 ff. und Zſchr. f. d. Phil. 12, 103 fi.
fowie meine Ausführungen Germ. 24, 356 ff.; im Allge⸗
meinen auch die gründliche Unterfuchung von Mogk in ben
Beitr. 6, 477 ff.
*x) Germ. 23, 174*, 826 ff. 24, 369. Bichr. f. d. Phil.
12, 106. .
XVIl
daß der PVerfaffer der Saga feinen Quellen, den
Liedern (bezw. der Sigurdsſaga) bald freier, bald
treuer ſich anfchließt, vielfach wortgetreu, faft immer
finngetreu, fofern er feine Quellen nicht mißverftand,
was allerdingd mehrfach nachweisbar iſt.) Wenn
. übrigen3 feine Darftellung zumeilen unbeholfen, ab-
geriſſen und ſchwerfällig erſcheint, fo hat dies darin
feinen Grund, daß er grade an folchen Stellen feinen
Quellen am getrenften fich anjchloß.**) Abſichtliche
Abweichungen beftehn in erläuternden Zuſätzen, er-
weiternden Ausführungen (3. B. Kampfſchilderungen)
u dgl.*) Außerdem aber find abſichtliche Abe
weichungen feiner Darftellung don den Quellen auf
folgende zwei Motive zurüdzuführen: auf dad Streben,
widerftreitende Berichte zu vereinigen und auf Die
Tendenz, die Ragnarsſage mit der Volfungenfage zu
verknüpfen.
*) Vgl. 3. B. die Anmerkungen 48*. 48**. (52*),
170+. 171}. 2024. 214”.
**) Das ift beionders in Wechjelgejprächen der Yall.
“er DB, 56, 4-57, 2. 80, 6-81, 12; ferner 52%.
157,6 f. 2c. Uebrigens ift nicht Alles, was nicht auf der
Sammlung beruht, willfürliche Erfindung des Verfaſſers,
fondern derfelbe muß auch neben der Sammlung nod) hier
und da aus der lebendigen Volksüberlieferung gejchöpft
haben, ſ. u. ©. XXVIII f.
b
XVIII
Der Verfaſſer wollte nicht eine Zuſammenſtellung
verſchiedener Berichte, ſondern eine zuſammenhängende
Erzählung liefern. Da nun aber in der Sammlung
Lieder von ſehr verſchiedener Sagenauffaſſung ver⸗
einigt ſind, ſo laſſen ſich die verſchiedenen Berichte
oft, nur gewaltſam vereinigen. Außerdem finden ſich
Parallellieder, die zwar im Wefentlichen übereinftinmmen,
im Einzelnen aber abweichen. Auch in ſolchen Fällen
hat der Verfaffer die einzelnen Züge der verichiedenen
Darftellungen oft nicht ohne willfürliche Aenderungen
und Zufäße combiniren können. Lehrreich find in diefer
Hinſicht befonderd die Kapp. 33—38, die aus Atlam.
und Akv. combinixrt find, aber aud) Rapp. 30—31,
denen eine Combination auß Sig. sk. und Sig. 1.
(= Brot) zu Grunde liegt. *)
Die Tendenz, Ragnar's Geſchlecht, d. h. das
norwegiſche Königshaus, an die Volſunge zu
knüpfen, äußert ſich namentlich in der Einführung
*) Bon dieſem Geſichtspunkte aus iſt es z. B. zu be
urtheilen, daß der Verfaſſer Atle von den Gjukungen in die
Halle drängen läßt 194* (vgl. daf. und 192%. Daß Hialle
zweimal ergriffen wird 1977 (vgl. 196*); dab das An—
zünden der Halle erſt nach dem Begräbniß Atle’3 erfolgt
207*** ꝛc. Der Sag 180* bildet den Mebergang von Akv.
zur Gituation in Atlam. Vgl. noch 205* und dazu Germ.
24, 3594.
XIX
der Aslaug als Tochter Sigurd's. Diefer zu
Liebe ift die Verlobung mit Sigrdrifa-Brynhild (die
bei der Verfchmelzung Sigrdrifa’3 mit Brynhild ala
jeltjame ‚‚Vorverlobung ‘ erfcheint) und ein intimes
Verhältniß beider erfunden, während die echte Sage
und mit ihr die Quellen der Volſungaſaga Sigurd’3
Verhältniß zu Brynhild (bezw. Sigrdrifa) durchaus
als ein keuſches auffaſſen.
Dies nachweisbare Verhältniß des Verfaſſers
zu ſeinen erhaltenen Quellen gilt mit Wahrſcheinlichkeit
auch für fein Verhältniß zu den verlorenen Quellen,
Auch Hier wird er feine Quellen inhaltlich (und z. TH.
wörtlich) getreu wiedergegeben haben, ſoweit nicht
etwa die beiden erwähnten Gründe ihn zur Ab-
weihung veranlaffen konnten. Und dieſe Auffaffung
findet, wie gejagt, ihre Beftätigung in den wörtlichen
Berührungen mit jenen anderen DVarftellungen, die
aus derjelben Quelle jchöpften. Welchen Raum auf
den verlorenen Blättern die Proſa der Sigurdsſaga
einnahm, läßt fich leider nicht mehr feititellen. Sicher
aber umſchloß fie auch Hier mehrere Lieder und
Liedfragmente, auf deren Charakter, Anhalt und
Umfang die PBrofa- Auflöfung noch einige Schlüſſe
geftattet. Mehrfach zeigt die poetiiche Sprache nebjt
durchſcheinenden Stabreimen, daß Verſe ziemlich un-
b *
XX
verfehrt erhalten find*); mehrfach finden ſich aud)
Anklänge an Verſe erhaltener Lieder **) oder mas
ſehr zu beachten ift, an das Nibelungenlied***), d. h.
an die dem Nibelungenliede zu Grunde Tiegenden
alten deutſchen Volkslieder. Vornehmlich bei den
Wechſelgeſprächen zeigt e3 ſich noch deutlich, daß Diefe
ursprünglich ftrophiih waren }), fo namentlid 112 f.
114 ff. 131 f. 137—140. 147—151. Endlich find
vereinzelt (S. 130, 138, 152) noch volljtändige
Strophen der benußten Lieder citirt. FF)
x) 8.8. 111 f. 115 f. 122. 128, 5 ff 145, 10 f.
147,1 ff. ꝛc.
**) 8.8.110:: Helr. 6,Grip. 27, 1—4; — 110°: vgl.
Grip. 5; — 111, & f. (vgl. 108 FF): Rigsth. 35, bejonders
Gudr. IL, 18, 9 ff, wo die dort unpaſſenden Verſe aus dem
verlorenen Liede von Sigurd's Beſuch bei Heimi zu ſtammen
ſcheinen; — 112, 8—10: Gudr. II, 5,5 f.; — 113, 10: Grip.
30,5 f. (Germ. 23, 327); — 115 ***: vgl. Häv. 83 [liegt eine
Str. zu Grunde, die urfprünglich zu Sigrdrifumal gehörte 7]; —
128°: Kalfsvisa in Sn. E; — 132°: Grip. 39, 5—8. Sig. sk.
4, 1—5 (vgl. Brot 20, 1-4); — 134°: Grip. 45,1 f.; — 139°:
Sig. sk. 27, 7 f., Gudr. I, 25,3. H. H. I, 33, 5 und
Grip. 31, 7.
***) 117 f. 122°. Bol. ähnliche Vebereinftimmungen
190?, 194 F}. 197 *** ꝛ⁊c.
7) In diefen Geſprächen entjpricht erfichtlich jede Rede
und Gegenrede je einer Strophe, ſodaß man bier jogar die
Zahl der. benugten Strophen feititellen kann.
Tr) Dazu kommt vielleicht nn Gudr. II, 18, 9—12;
j. oben Anm, a
XXI
Es gab gewiß ein Lied von Sigurd’3 Beſuch
bei Heimi und feiner Berlobung mit Brynbild
(Rap. 23—24); ein zweites, welche Sigurd's Auf-
enthalt bei den Gjufungen bis zur Vermählung mit
Gudrun (Rap. 26) beſang; vielleicht auch Gunnar's
Werbung und Sigurd’3 Blammenritt (Rap. 27), was
doch wohl eher in einem befondern (dritten) Liede
behandelt war, von dem zwei jchöne Strophen er-
halten find. Ein viertes’ Lied, deſſen Anfang ſich
ſcharf marfirt, handelte vom Zanf der Königinnen,
und was demfelben unmittelbar folgt (Rap. 28) *);
auch Hiervon ift eine Strophe erhalten.**) Es folgen
dann fünften? ***) die Wechſelgeſpräche Gunnar's und
*) Bol. jedoch unten Anm. ***.
**) Ueber die Stellung diefer Strophe |. Germ. 24, 359.
***) Daß mit Kap. 29 die Benußung eines neuen Liedes
beginnt, glaube ih aus folgendem Grunde: Es tft durchaus
natürlich, daß Brynhild unmittelbar nach der vernichtenden
Erffärung Gudrun’3 [alfo nad) 136°) voll Zorn und ſtumm
vor Schmerz ſich zu Bette legt. So heißt es denn auch
136, 9: „Brynhild ging Heim und ſprach fein Wort
“(= Thidr. s. 2, 307 unten) — am Abend.” Dies „am
Abend“ jcheint unjer Verfaſſer Hinzugefügt zu haben, weil
er nah einer andern Quelle nod) ein Gefpräd Bryn=-
Hild’3 mit Gudrun am folgenden Morgen zu berichten
Hatte. Mit Kap. 29 geht er offenbar wieder zu einer andern
Duelle über, die inhaltlich an 136° antnüpft. Der Anfang von
Kap. 29 ficht aus, als begönne hier ein neues Lied, doch
kann auch fchon Kap. 28 big 136° bemjelben Liede folgen.
XXII
Sigurd's mit Brynhild, die in zornigem Schmerz
ſich auf ihr Lager geworfen hat (Kap. 29), ver⸗
muthlich einem und demſelben langen Liede angehörig,
dem „langen Sigurdsliede“, deſſen Schluß, das ſog.
Brot (d. h. Bruchſtück), nach der Lücke im Cod. reg.
erhalten iſt.) Außerdem iſt noch ſechſtens im
Kap. 25 ein Lied von Gudrun's Träumen benutzt,
richtiger wohl zwei: ein älteres und ein jüngeres
Parallellied (ſ. S. 121**). Es werden alſo 6 bis
7 Lieder oder Theile von ſolchen in der Lücke ver-
Ioren fein. Für die Auffaffung des Verhältniſſes
Brynhild's zu Sigrdrifa, welches gerade Hinfichtlid
des Flammenrittes in Verbindung mit der Verlobung
einigermaßen dunfel iſt, ift dieſer Verluſt beſonders
zu beklagen.
Eine kurze Beſprechung erfordern noch die
erften acht Kapitel nebſt Kay. 11 und 12. Wie
der Darftellung von Sinfjotle's Tode (Kap. 10) un
zweifelhaft ein Lied zu Grunde liegt, welches auch
im Sinfjötlaloek der Sammlung benußt, aber in
fnapperer Form wiedergegeben ift**); fo beruht aud
*), Außerdem gehört dazu die Strophe auf ©. 152 f.;
vgl. dazu 151 **,
**) So auch Miüllenhof, H. Zſchr. 28, 133.
XXIII
Sigmund’8 Geſchichte, wenigjtens theilweije, offenbar
auf Liedern, bie bier und da deutlich genug durch
den profaifchen Text Hindurchicheinen, 3. B. bei den
Erſcheinen Odin's in Volfung’d Halle 14 ff.“); in
Hjordis' Geſpräch mit dem fterbenden Sigmund 58. **);
in Signy's letzten Worten 39 — ein Lied, zu dem
wahrſcheinlich die Halbitrophe auf S. 38 gehört, und
welches demnad) Sigmund’3 und Sinfjotle’3 Verſuch
der Rache und ihre] Einſchließung und Befreiung,
fowie die Ausführung der Rache enthielt.***) Aber
auch fonft zeigen fih in der Geſchichte Sigmund's
und Volſung's deutlich Spuren poetifcher Duelley. +)
Und felbft für die Geſchichte Sige's und Reri's, wo
die Proſa nichts mehr von poetifchen Quellen ver-
räth, ift es wahrſcheinlich, daß fie einmal in alten,
zur Zeit des Sageſchreibers freilich ſchon verichollenen
Liedern gefungen ward. Jene verlorenen, vom Ver:
faffer der Saga aber noch benubten Lieder oder
*) Bu 15° vgl. Hdl. 2, 7 f.
**) Zu 59° vgl. Grip. 23, 5—8. 41, 5-8; zu 59**
vgl. Herv. s. (Bugge) 312. — ©. 58, 14 ff. find Anfangs
faft vollftändige Berfe und nachher noch die Stabreime erhalten.
er) Bol. H. Zſchr. 23, 132 f.
+) Val. H. Zihr. 23, 130 ff. Zu 22, 5 f. vgl. na=
mentlich H. H. II. 33, 1—4; aber auch Oddr. 10, 1 f.;
Herv. 3. (Bugge), ©. 216, 1 f.; [Lokas. 47, 1 f.] u. j. w.
XXIV
Liedrefte muß derjelbe zugleich mit den Sagen, denen
fie angehörten, aus der lebendigen Volkstradition
gefhöpft haben.) Wir Haben und Dieje feine
Quellen für die in Rede ftehenden Kapitel etwa fo
zu denken, wie die Quellen der Thidreksſaga, d. }.
Sagen in ungebundener Rede untermijcht mit Liedern
und Liedftüden, dev Art, daß in wichtigen Ge
fprächen und überhaupt bei wefentlihen Momenten der
Sage die poetiſche Form ſich am längiten hielt. **)
Daß auch neben der Liederfjammlung, d. 5. in den
Abſchnitten, wo er dieſer hauptſächlich folgt, der
Sagaſchreiber noch aus der lebendigen Volksüber⸗
lieferung ſchöpfte, dafür ſpricht Manches: Bugge
(Einl. zu ſeiner Edda-Ausgabe XXXVIII) hat es
wahrſcheinlich gemacht, daß ein Halbvers, der in der
Sverrisſaga (Fms. 8, 409; bei Unger 183) kurz
vor Fafn. 6, 4—6 citirt wird, von unjerm Ber:
faffer ©. 68, 6—10 und 83, 2—4 benußt ift.
©. 81, 21— 82,1 klingt eine poetiſche Quelle durch,
vielleicht diefelbe. In der Ermanrichſaga ift ver-
ſchiedentlich (212 2—®. 2134-6. 217, 2185-5,
219, 2 f. 2192) die Volksſage neben der Sammlung
benußt (vgl. Zichr. f. d. Phil. 7, 383). Zu 1556 ent-
*) Vgl. jet auch Sijmons', Zſchr. f. d. Phil. 12, 101%
**) Vgl. darüber meine Bemerkungen Germ. 23, 97;
25, 65 f.
XXV
ſprechen die ſpäteren Volkslieder ꝛc. Auch die verderbte
Bariante zu Brot 4 auf ©. 156 iſt zu beachten.
Die Bolfungsrimur*) des Stalden Kalf, eine
poetifche Bearbeitung unjerer Volſungaſaga [von Ende
de3 14. oder] aus den 15. Jahrhundert, haben offenbar
einen Text der Saga bemußt, der dem und erhaltenen
ſehr nahe ftand, Doch ſchwerlich gerade unjere Hand-
ſchrift. Eine andere Handſchrift Tonnte aber manche
in der unfrigen fehlende Züge und abweichende Les⸗
arten enthalten**), die jehr wohl hier und da der
abweichenden Darftellung der rimur zu Örunde liegen
fönnen; und die rimur. find daher für die Texts
kritik nicht unbedingt werthlos. Darin aber gebe ich.
Sijmond gegen Möbiud und Willen Recht, daß
ebenfo gut alle Abweichungen und BZuthaten vom
rimur- Dichter herrühren können und aljo keines⸗
wegs mit Nothwendigfeit auf eine abweichende Faſſung
der Saga zurückweiſen.
*) Herausgegeben von Th Möbius (Edda Sæ-
mundar, S. 240 ff. 301 f. (vgl. dort die Einl. ©. XII ff.).
Die rimur find am Schluffe unvollitändig überliefert.
**) Wenn z. B. Cod. AM. 147. 4°, wie wahrſcheinlich,
auch die VBolfungafaga enthielt ,. jollte jener Text Hier nicht
auch wenigjtend annähernd die Selbitändigfeit wie in der
Ragnarsjaga gezeigt haben? Vgl. Bugge, Ein. zur Edda
Ausgabe, S. XXXV.
XXVI
Für die Ermanrichfage (Rap. 39—42) ift außer
der Liederfammlung noch eine ausführlichere, der
Quelle Saro’3 naheitehende Ueberlieferung benußt,
die der Verfaffer wahrjcheinlih aus der Volksſage
ihöpfte Vgl. Bugge, Bichr. f. d. Phil. 7, 383 f.
Wenn oben dem Berfaffer der Saga die Ten:
denz zugefchrieben ward, die Ragnarsſage mit der
Volfungenfage zu verknüpfen, fo ift damit daS Ber:
hältniß der Volſungaſaga zur Ragnarsſaga ſchon
angedeutet: die Ragnarsſaga ift eigentlich feine Saga
für fi, fie Hat niemals für fich beftanden*), ſondern
ihre Entftehung fällt mit der der Bolfungafaga zufammen.
Mit anderen Worten: die Volfungafaga ift al3 eine
Art Vorgeſchichte zur Ragnarsſaga entftanden ; beide
gehören zujammen und rühren von einem umd dem
ſelben Berfaffer her.*) Das Hat zuerft Sijmond
eingehend dargelegt (Beitr. 3, 201 ff.) und ich habe
verfchiebentlih***) meine Zuftimmung ausgefproden.
Da nun auch G. Storm (Ragn. Lodbr. ©. 109)
*) Vgl. aber unten &. XLIX**, LVII***.,
**) Willen hat (Prof. Edda, Einl. S. XII ff.) Be
denken dagegen geäußert; vgl. aber Sijmong’ Erwiderung,
Zſchr. f. d. Phil. 12, 107.
er) Mamentlich Germ. 24, 356.
XXVI
Diefelbe Anficht geäußert Hat, fo Habe ich feinen
Anftand genommen, zum erjten Mal die Einheit
beider Saga's auch äußerlich hervortreten zu laſſen,
zumal wiederholte und eingehende Beichäftigung mit
dem Gegenſtande mich in meiner Anficht nur bejtärft
bat, jo daß ih in der Lage bin, die von Sijmons
(und früher von mir felbit) borgebrachten Gründe
weſentlich zu verſtärken.
Außer dem von Sijmons beſonders betonten
Momente, daß die Einführung der Aslaug nur auf
dad Streben nad) Verknüpfung beider Sagenfreife
zurüdgeführt werden Tann, fommt die eigenthümliche
Stellung des Uebergangskapitels in Betracht, welches
recht eigentlich die Verbindung zwiſchen beiden Sagen-
‚reifen heritellt durch Aslaug's Hinüberführung nad)
Norwegen, d. h. durch Anknüpfung der zu diefem Zwecke
erfundenen*, Tochter Sigurd’3 an die unter anderm
in Norwegen lofalijirte Sage von der „Eugen Bauern-
*) Daß diefe Erfindung eben vom Perf. der Saga
berrührt, ift nad) Siimons’ Ausführungen (a. a. DO. 205—213)
mehr als wahrſcheinlich. Daß aber die Neigung, die norwegifche
Königsreihe irgendwie auf Sigurd zurüdzuführen, ſchon früher
beftand, dafür jpricht die von Sijmons ©. 212 (vgl. daſ.
auch S. 213) befprochene Stelle der Niala, fowie, daß in den
Eirefsmal (Möbius, Edda ©. 231) Sigmund und Sinfjotle,
anfcheinend als Ahnen Eirek's, des Sohnes Harald Schön-
haars, diefen Eirek in Walhall empfangen.
XXVIII
tochter“ (vgl. S. 248**), die der Verfafjer der Saga
dort wohl ſchon an die Perſon Ragnar’3 geknüpft
fand. Hinter der Voljungafaga, zu welcher man
dies Kapitel gewöhnlich zieht, erweiſt es ſich hin—
ſichtlich des Sagenſtoffes offenbar als fremdartiger An-
wuchs. Zur Ragnarsſaga kann man es noch weniger
ziehn, weil dieſe, ſofern es ſich überhaupt um eine
ſelbſtändige Ragnarsſaga handeln könnte, erſt S. 231
(mit Kap. 1) beginnen müßte.“) Dennoch ſteht das
fragliche Kapitel mit letzterer Saga in weit engerem
Zuſammenhange als mit der Voljumgafaga**), ja es
wird in Rap. 4 ff. der Ragnarsfaga durchaus zum
Verſtänduiß vorausgeſetzt.***) Daher kann man —
abgejehen von anderen Gründen) — nit mohl
*) Bol. auch den Anfang des Rsth. und den Schluß
der Herv. s.
=) Wie denn auch unfere Hdſchr. die Ueberſchrift Saga
Ragnars Lodhbrökar vor dag Uebergangskapitel ge-
jest hat.
***) Bol. 3. B. 249, 3. 10 f 254, 21 ff. — Sijmonsg,
Beitr. 3, 202.
7) Dahin gehört es, daß in dem Uebergangskapitel ſich
diejelbe Tendenz geltend macht, wie in der Einführung As—⸗
laug’3 in die Volſungaſagga. Sodann kommen die Ueber-
einftimmungen des Stils in Betracht: z. B. 2277, vgl. mit
260**. 263 7; 228* vgl. mit 237*; 230*** gl. mit 336% sc,
XXIX
onnehmen, da3 Kapitel fei etwa zur Verbindung
einer ſchon fertigen Volſungaſaga mit einer ebenfalld
Ihon vorhandenen Ragnarsfaga fpäter eingefchoben.
Höhftens könnte man fich die Sache jo denken, daß
die VBolfungafaga ſchon für fich beftanden habe, dann
aber vom Verfaſſer der Ragnarsſaga interpolirt und
mit feiner Saga durch das Uebergangsfapitel ver-
bunden ſei. Das war die Anfiht P. E. Miüller’s.*)
Indeſſen ſprechen hiergegen triftige Gründe. Einmal |
nämlih greift die Einführımg Aslaug's zu tief in
den Bau der PVolfungafaga ein, als daß man fie
auf Rechnung eine® Bearbeiter ſetzen fünnte: Die
Verlobung Sigurd’3 mit Sigrdrifa-Brynhilb (bie
jogenannte „Vorverlobung“) ift ihr zu Liebe er-
funden u. f. w. (f. Sijmond ©. 204).
In dieſem Zuſammenhange ift auch der auf-
fallende Barallelismus zwifhen Volſunga- und
Ragnars-Saga in einzelnen Zügen zu erwähnen,
infofern er nämlid vom Verfaſſer herrühren Tann,
bezw. von ihm weiter ausgedehnt zu fein fcheint.**)
Schon auf die Entwidehmg der Sage feheint
*) Sagabibl, 2, 97 —= Lange S. 58°. — Keyſer
©. 394 meinte umgefehrt, dab eine ältere Ragnarsſaga
(vgl. übrigens unten S. LVII***) vom Bearbeiter der Vol⸗
ſungaſaga benußt ſei. |
**) Bol. Simons a. a. O. 205.
XXX
Einfluß der Nibelungenfage fich geltend gemacht zu Haben.
Namentlich) gehört Hierher, daß Ragnar wie Gunnar
im Schlangenhofe jtirbt, jeine Thaten rühmend*),
jowie dad Ritzen des Blutaars 330**, weil dieſe
Züge fi) auch bei Saro finden; jchwerlich aber
Ragnar's Draddenlampf, wie Sijmond a. a. O. ver-
muthete. Der Sagafıhreiber jcheint diefen Paralle-
lismus noch mehr ausgedehnt zu haben: die Art,
wie Adlaug ihre Söhne, die ſich zuerſt weigern, zur
Rache ihrer Stiefjühne aufreizt, erinnert lebhaft an
Gudrun's Aufreizung Hamdi's und Sorle's (282 *});
Aslaug will die Stimmen der Vögel veritehn wie
Sigurd, ihr Vater 267 ***,; Sigurd's Erflärung für
da3 keuſche Beilager (133*) jcheint aus einem Zuge der
Ragnarsſage entnommen zu fein u. |. w.
Sodann fommt die Gleichheit des Stils
in Betradt. Daß in dem größten Theil der Vol-
fungafaga der Stil von dem der Ragnardjaga ver:
fchieden ift, Hat ſchon Sijmons ©. 204 f. mit
Recht daraus erklärt, daß der Berfafier hier un-
jelbftändig arbeitete, indem er ſich den benußten
Liedern oft recht getreu anſchloß. Wo er indeffen
jelbftändig fchreibt, zeigt ſich ein ziemlich ftereotyper,
zur Bormelhaftigfeit neigender Stil, der weſentlich
*) Vgl. ©. 311 f. und dazu Krafumal; ferner 200**,
3104. 313 *. 353 *,
XXXI
mit dem der Ragnarsſaga übereinſtimmt, wie ic)
Ihon Germ. 24, 356 an einigen Beijpielen zeigte.
Ich kann jet Die Belege bedeutend vermehren.
Auf die Formelhaftigkeit des Stils, foweit der Ver-
fafjer jelbftändig erzählt, Hat ſchon Siimond ©. 229
gelegentli) hingemwiejen. Sie läßt fi aber durch
die ganze Saga hindurch nachweijen.*) Dafjelbe gilt
von der Ragnarsſaga und zwar au den angeführten
Gründen in noch höherem Grade. Namentlic) kehren
hier beitimmte Wendungen wieder, wo feindliche
Ueberfälle, Heeregaufgebote zur Vertheidigung, der Zu⸗
jammenftoß der Heere, der Kampf ſelbſt und deſſen
Ausgang gefchildert werden **), aber auch in anderen
*) Hier nur wenige Belege, da fi unten S. XXXII ff.
mehr finden: 38** — 25'. 58%. 77**. — 17,11 = 14811.
176 1. — 157 %* — 159 **, 181%, 186°. 1914. — 64,7. —
107, 10 ff. — 21*-" vgl. 194 F7 bi? 195°. — Wenn hier
ın Einem der verglichenen Fälle nachweislich eine Liedquelle
zu Grunde liegt, fo ift died allerdings auch in den anderen
Fällen möglid; doch kann aud) der Verfaffer jene, in dem
Einen Falle auf feiner Duelle beruhende Ausdrucksweiſe an
den anderen Stellen nachgeahmt Haben.
**) Ich wähle bier zu Belegen nur Beifpiele für die
eriten beiden Kategorien aus, indem id) für die anderen auf
S. XXXII ff. verweiſe: 273, 10 ff. (Fas. 260, 8 ff.): lands-
menn urdhu varir vidb [= 44,15) ... ok segja Eysteini
konungi, at herr var kominn f landit [vgl. 79, 15] = 290,
10 f. (Fas. 270, 10 f.): menn komast undan & fund Ey-
XXXII
Fällen.“) Sehr Häufig greifen nun ſolche Ueber:
‚einftimmungen au der Boljungafaga in die Ragnard-
ſaga hinüber; für diefe Fälle, weil für die in Rede
ftehende Frage am wichtigften, will ich hier reich
lichere Belege zufammenftellen. Am beiten denfe id}
die Formelhaftigkeit der Ausdrucksweiſe zu veran—
Ihaulichen, indem ich die beiden Tängjten Kampf-
ſchilderungen nebeneinanderstelle und in Biffernoten
darunter die übrigen Parallefftellen anführe:
56,5—57,2; 57,8—-10(8.| 80,2—81,1;81,5—7.9—14
107, 3—14): settu upp mer- (B. 118, 2—23): stefnir til
ki sin!, ok var thä& bläsit {|sin Ööllum theim mönnum er
'lüdhra®?. Sigmundr konungr |honum vilja lidh veita’®;
steins konungs ok segja honum, at i riki hans var kom-
inn mikill herr. — 308° vgl. 48,5 f. — konungrinn
lsetr fara örvarbodh um riki sitt (273, 13 f. — Fas. 260,
10; 291 * — Fas. 270, 17 f.; vgl. 79,21 f. = B. 118, 1;
48° = 3. 104,1 f.) ok stefnir öllum. til, theim er hans
menn eru ok honum vilja lidh veita (291,2 ff. = Fas
270,18 ff.; 321,9 — Fas. 287, 19) ok skildi megu valda
(291, 3 f. = Fas. 270, 20; vgl. 808,6 fi. = Far.
280, 22: er skildi mä& valda ok hesti at ridha ok thori
at berjast; 320** — Fas. 28712; 491 — B. 102, 2 f.:
siti sä& engi heima, er berjast vili). Dieje Wendungen
finden fih mehr oder minder wörtlid) in Thidr. s. wieder,
ſ. u. ©. XXXVII*.
*) 2.8. 231,10 fi. — 263, 1 ff. — 273 + — 290*.
296**, 320*. — 279,8 ff. — 316,9 ff. — 239 —
292 **. — 285 ** — 328*,
XXXIII
lætr nü vidh kvedha sitt Kemr nü & möt Sigurdhi
horn...*) [ok eggjar sina |medh allmikinn her'®...
menn°; hafdhi Sigmundrlidh | tekst thar in hardhasta orr-
miklu minna?; tekst thä nü | osta medhtheim°; mätti thar
hördh orrosta°, ok... bardh- | & lopti sjä& mart spj6t ok örv-
ist hann nü hart ok var|armargar°, öxi hart reidda,
jafnan fremstr sinnamanna®°; |skjöldu klofna ok brynjur
heizt hvärki vidh honum | slitnar, hjalma skffdha, hausa
skjöldr ne brynja”’, ok gekk |klofna ok margan mann
hann jafnan i gegnum lidh | steypast til jardhar.**) [Ok
üvinasinnaä theim degi®....| er orrostan hefir svä stadh-
mart spjöt var thar & lopti it mjök langa hridh '®, soekir
ok örvar°; en... hann vardh | Sigurdhr framm um merk-
ekki särr!®, ok engi kunmnilin... ok hefir bädhar hendr
töl. hversu margr — blödhgarttilaxlar?*, ok stökk
fell fyrir honum!!; hann | undan folk, thar sem hann
hafdhi bädhar hendr blödh- | för'”, ok helzt hvärki vidh
gar til axlar!*; ok er orr- |hjalmr n& brynja”, ok engi
ostan hafdhi stadhit um | madhr thöttist fyrr set hafa
hridh, th&’®..... sidhan | thvilikan mann"? ... fell thar
sneri mannfallinu ... ok fell|svä& mart fyrir Hundings-
mjök lidhit fyrir honum '. | sonum at engi madhr vissi töl
Konungrinn... eggjadhi mjök | &'!.... Sigurdhr höggr til
lidhit?... [ok lykstmedh thvi | Lynga konungs ok klyfr
sj& bardagi, at!°... 38.100, | hjalm hans ok höfudh ok
22]... fell Sigmundr ko- |brynjadhan bük, ok sidhan
nungr.... fööndverdhri fylk- |höggr hann Hjörvardh ...
ingu [= Fas. 261, 12] ok | sundr { tvä& hluti***), ok thä
mesti hluti lidhs hans?*, [drap hann.... mestan hluta
lidhs theira!*,
*) gl. Thidr. s., wo ſolche Wendungen oft begegnen (Germ. 25,153).
**) Wörtli übereinfiimmende eg ae Jan ns formelhaft
in der Thidr. s. (f. Germ. 235, 152 und unten 1*).
***) Hierzu vgl. gleiche und les Saiterungen Me der Thidr. s.
(f. Germ. 25, 152 und unten ©. X I*).
C
XXXIV
1) Vgl. ©. 329, 3. 6 der Sternnoten. — 2) 321, 8 (Pas.
287, 19). — 3) 1943 (8. 175,10); 212 (B. 91,18 f.). —
4) 309, 9 I: (Fas. 281, 6); Ragnarr hafdhi miklu minna
lidh umd er. diter. — 5) 49,5 (8. 104, 5 f.); 21,2 f.
(B. 91,12 f.); 41, 11 Se 100, 20) 21. — 6) 41,12 f. (8.
100, 20 f.); 42, ı f. (B. 100,26 f.): ok gengr Helgi i
gegnum fylkingar theira bradhra (vgl. Anm. 8) ok
scekir at merkjum sona Hundings konungs ok feldi ...
(vgl. ©. 104, 6. 8-10); 192, 8—11 (B. 174,14 f. 18%
329,8 f. (Fas. 291, 30): ganga their hart fram synir
Ragnars i gegnum fylkingar Elia konungs (vgl. Anm. 8).
— 7) 309, 14—17 (Fas. 281, 10—12). — 8) 21,5 f. (©. 91,
14 ff.): Völsungr konungr ok synir hans gengu ätta
sinnum i gegnum fylkingar Siggeirs konungs um dag-
inn; 42,1 f. (8. 100,26); 49, 5 (®. 104,6); 192,8 f.
(8. 174, 16): Gunnarr ok Högni gengu i gegnum fylking-
ar Atla konungs; 275,12 ff. (Fas. 261, 12 %): Eirekr ok
Agnarr vöru i öndverdhri fylkingu thann dag, ok opt
gengu their i gegnum fylkingar Eysteins konungs;
309, 13 f. (Fas. 281, 9): ok gekk hann i gegnum fylk-
ingar thann dag; 329, 8 f. (Fas. 291, 30). — 10) 309,
17 ff. (Fas. 281,12 ff.); vgl. 2194. — 11) Bgl. 321 **
(Fas. 287, 21 f.) — 13) 309, 10 f. (Far. 381, 7); 329, 8. 7
der Biffernoten: en er skamma stund hefir stadhit bar-
daginn, th& ... — 14) 329, 3. 8f. der Biffernoten ; 21,9.
(B. 91,17 ff.), vgl. 194 (B. 175, 14 f.): ok lykr sva,
at fellr allt lidh theira bredhra; 310, 2 ff. (Fas. 281,
14 f.): hann drap mikinn fjölda af lidhi Ella konungs,
en tho lauk avä bardaga theirra, at allt idh Ragnars
fell; 41, 13 (B. 100, 22): ok lykst medh thvi sj& bardagi, at
Helgi fersigr; en Hundingr konungr fellr ok mikill hluti
lidhs hans. — 15) 291, 2 ff. Fas. 270,18 ff.): stefniröllumtil, °
theim er... honum vilja lidh veita; 321, 9 (Fas. 287,
19): bidhr til sin öllum mönnum, er honum vilja fylg-
ja; 486 (B. 104,1—3). Aehnliche Wendungen f. oben ©.
XXXIL**. — 16) .21,1 f. (®. 91,12). — 17) 309, 12 f.
(Fas. 381, 8 f.); 294, 15—17 (Fas. 272, 23—25). — 18) Bgl.
1955 (®. 175, 21)., 1102. 192, 3 ff. — 19) 295, 1 f. (Fas.
272,27): ok nü lykr svä theirra bardaga, at Eysteinn
konungr fellr, en, their bradhr hafa sigr; 3212 (Fas.
287, 23): ok sv& lykr theirra bardaga, at synir Ragnars
koma & fiötta, en Ella konungr hefir sigr; 3292 (Fas.
292, 4 f.); 41, 12 (8. 100, 22), ſ. Anm. 14.
Hierher gehören noch folgende formelhafte Wen-
dungen:
219% (B. 186, 24 f.): their vördhust vel
ok drengiliga ok urdhu mörgum manni at skadha,
vgl. 36, 2 ff. (8. 98, 10); 275, 10 f. (Fas. 261, 11);
[310! (Fas. 281, 13)]. — 36, 4 f. (®. 98, 12):
verdha their ofrlidhi bornir ok verdha handteknir;
XXXV
1952 (B. 175, 22): vardh hann ... ofrlidhi
borinn ok höndum tekinn; 275, 17 f. (Fas. 261, 17):
verdhr hann ofrlidhi borinn ok handtekinn etc.
Diefe Zufammenftellimg, die fich leicht vermehren
ließe, zeigt, daß die Kampfſchilderungen aus formel:
haften Wendungen zufammengefegt find und für Die
längeren derartigen Schilderungen in der Ragnars-
ſaga (294, 11— 295,2; 309, 8—310,5;329, 7—14:c.)
Satz für Sab zahlreiche Parallelitellen aus der Vol-
ſunga- und Ragnard-Saga fi) beibringen laſſen.
Aber auch) außer den Kampfichilderungen find
die Uebereinſtimmungen zahlreid. Was Die Kriegs⸗
botfhaft und das Aufbieten des Heeres betrifft, vgl. oben
S. XXXI**. Ferner ift anzuführen: 56,18 (B.107,12
engi kunni töl, hversu margr madhr ... .) vgl. 81*
(B. 118, 16 f.: fell svä& mart, at engi madhr vissi
tl a); 321** (Fas. 287, 21 f.: svä& mikit lidh,
at engi madhr mätti tölu &koma). — 124* (B.142,24:
meira enn menn vissi demi til) vgl. 79, 16 f.
(8. 117, 22: meira enn demi finnist til). 204*
(8. 180, 12: verra enn menn viti doemi til); [277*
(Fas. 262, 11)]; 335** (Fas. 295, 6: engi vissi
demi til, hv& mikit). — 64, 11=235***. —
81, 15 —18 = 2557. — 200% (8. 178, 13: thar
let hann sitt liff medh mikilli hreysti) vgl. 27817
(Fas. 263, 13: nü lætr hann lif sitt medh mikilli
c*
XXXVI
hreysti); 313* (Fas. 283, 1: nü lætr hann lif sitt
[medh hreysti mikilli, Cod. AM 147 — Rsth.]). — Eine
ähnliche Situation wird ähnlich geſchildert 211, 4 f-
8f. B. 183, 19 f. 22 f.) und 251} (Fas. 247, 15—17.
— Bu 111*. 114, 3 (vgl. 316, 7 f). — 122
1673. 208%. 232°. — 10N1=167!. 26TH. —
Diefe durchaus nicht erichöpfenden Zufammenftellungen
mögen hier genügen.
Sehr wichtig, und ein fchlagender Beweis für
die Einheit beider Saga’3, ift ihr gleiches Ver—
halten zur Thidreksſaga. Nachdem Sijmons
ſelbſt ſeine entgegengeſetzte Anſicht zurückgenommen
hat (Zſchr. f. d. Phil. 12, 107 f.) find nun wohl
alle Forſcher*) darin einig, daß die auffallenden
wörtliden Berührungen der Volfungafaga mit der
Thidrelsfaga ſich durch Entlehnung der Volſungaſaga
aus leßterer (nicht umgekehrt) erklären, daß alfo die Vol⸗
fungafaga namentlid) das ganze, Wort für Wort überein
ſtimmende Kapitel 22, außerdem aber auch Heinere Stellen
mebr oder minder wörtlich auß Thidr. s. entlehnt
bot. Es betrifft das namentlich folgende Stellen: 1597.
1671. 181°. Es ift num von befonderer Wichtigkeit,
daß fich diefen au eine Stelle der Ragnarsjagn
Hinzugejellt, nämlich 232**, wie ic) Germ. 25, 262
*) Wilten S. LXXVII ff. ift freilich andrer Anfict.
XXXVII
gezeigt habe. Ferner finden ſich die in der Thidreks⸗
ſaga formelhaften Wendungen für das Aufbieten eines
Heeres (Germ. 25, 153) ſowie für Kampfſchilderungen
(ebd. ©. 152) in der Volſunga-Ragnarsſaga (ſ. oben
©. XXXIII** und*** wieder”); deögleichen fehrt die
*) Bu den oben ©. XXXT** mitgetbeilten Stellen (lsetr
hann fara örvarbodh um riki sitt ok stefnir til sin öllum
theim er honum vilja lidh veita ok skildi megu valda
ok hesti at ridha ok thori at beriast) vgl. die Germ.
"25,153 mitgetheilten Stellen, namentlich: sendir hann bodh
um allt sitt riki (gft), at allir menn skyldi til hans koma,
er honum vilja lidh veita ok thördhi at beriast (Unger
264,7; 273,13) ... at allir skulu til hans koma, their er
skildi megu valda (Unger 271,6 ff. 89, 19 ff. 31, 1 ff.) ok
thori at beriast; vgl. Unger 31, 1 ff.: hverr madhr ... svä
gamall .... at hann mä ridha hest sinn ok bera skiold
sinn edha thori at beriast. — Zu ©. 80, 8 ff. (B. 118):
mätti thar sjä... . skjöldu klofna, brynjur slitnar, bjalma
skifdha, hausa klofna ok margan mann steypast til
jardhar .... vgl. namentlich Unger 221 f.: set hefi ek
fyrr hjalma klofna, skjöldu skifdha (fo A), brynjur sundr-
adhar, ok menn steypast af sinum hestum höfudhlausa
[til jardhar Unger 8, 9 f.], aber auch die andern, Germ.
25,152 zufammengejtellten Stellen. — Zu 81,9 ff. (B. 118):
Sigurdhr höggr til Lynga konungs ok klyfr hjalm hans
ok höfudh ok brynjadhan bük, ok sfdhan höggr hann
Hjörvardh .. .. sundr f tv& hluti vgl. Unger 340, 3:
höggr til Ingrams ok ... klyfr hann bjalminn ok höfudh-
it ok bukinn ok brynjuna (=linger 290, 28 f. 103, 9 f. ꝛc.).
Desgleihen für das Zerhauen in zwei Stüde find Germ.
25, 152 zahlreiche Belege angeführt. Auch) die Wendungen
XXXVIII
in der Thidreksſaga zweimal (Germ. 25, 154) vor⸗
kommende Wendung ok svä& fast kreistir hann hönd-
ina, at blödh stökk undan hverjum nagli (Unger
134, 18; ähulich 22, 20) in der Ragnardjaga 3177
(Fas. 285, 21 f.) wörtlich wieder: ok hann kreisti
hana svä fast, at blödh stökk undan hverjum nagli.
Allgemeine Anklänge des Stils an den der Thidr. s.
finden fich auch fonft in der Volfinga-Ragnarsjaga*).
Die Kenntniß der früheren böfen Rathſchläge Bicke's
(S. 212*) hatte der Verfaſſer doch wohl aus der’
Thidrefsfaga, und die mehrfady (35, 4. 230***. 336*)
zum Berbergen des Gefichted gebrauchten**) tief
berabreicdenden Hüte werden gleichfal3 in der Thid-
reksſaga mehrfach erwähnt.***) Die Bezeichnung des
Wurm ald Iyngormr, die fi) ſowohl in der Vol—
ſunga- wie in der Nagnard-Saga findet, ift nach
höggr b&dhi menn ok hesta 80, 14 (8. 118, 10) und
höggva & tveer hendr 21? (8. 91, 16) finden fich häufig in
der Thidrefsfaga, 3. B. Unger 147, 16: höggr & tvaer hendr
bædhi menn ok hesta ꝛc. (vgl. Germ. 25, 153).
*) 125*, 170%. 67, 15 ff. (ſ. d. Nachtr.). 279*. —
i nordhrhalfu heimsins 64, 11. 235*** — Thidr. s. Unger
82,13. 248,5.
*x) Much bei Odin erwähnt. (14, 23 f. 57,2 f.), der
ebenfalls auf diefe Weile unerfannt den Sterblichen zu
erfcheinen liebt.
x) 3.9, 1,215; 2,361 u. ſ. w.
XXXIX
G. Storm (Ragn. Lodbr. 75 f.) wahrſcheinlich erft
durch die Thidrefsfaga in der altnordifchen Literatur
befannt geworden. Das Blafen der Hörner (lüdhrar)
©. 56, 6. 321, 8 wird in der Thidreksſaga Häufig
erwähnt (ſ. Germ. 25, 153). Die Bemerkung, daß
Sigmund auf feinem friedlichen Zuge zu Eylime
überall Kaufgelegenheit geboten wurde (var sett
torg) erinnert ftarf an Thidr. s., Unger 40, 7 f.
(nur in M2N): ok ekki rena their. ok eru theim
allt torg sett at kaupa allt that er their thyrva.
Dur) das bißher Angeführte ijt meiner An—
fiht nach erwielen, daß Die beiden Saga's zu-
fammen Ein Wert bilden und denfelben Verfaſſer
haben. Es Tiegt aber überhaupt gar fein Grund
bor, dieſe Thatjache zu bezweifeln; vielmehr fpricht
auch ſonſt Alles dafür. Sn der alten Hodſchr., auf
welhe unfere gejammte Weberlieferung zurüdgeht,
find beide al3 ein Ganzes überliefert, und auch in
der neuentdecten Hdfchr. kann die Volſungaſaga jehr
wohl der Ragnarsſaga voraufgegangen fein, ja es
it da8 wahrjcheinlic), wenn es ſich aud vorläufig
noch nicht feſtſtellen Täßt.*)
Ein ausdrücliched Zeugniß kommt Hinzu. In
*) Vgl. oben ©, III.
XL
der Saga von Halfdan Eyſteinsſon (Fas. 3, 521)
heißt es nämlich von einem gewiſſen We: „man ſagte
von ihm, daß er der Bruder Heime’3 wäre, des
Pflegevaters Brynhild's, der Tochter Budle’3,
deffen in der Saga von König Ragnar Lod—
brof erwähnt wird.” In dem Theile des ganzen
Werkes, welchen wir als NRagnarsfaga zu bezeichnen
pflegen, wird aber Heimi's nur ©. 254 gelegentlich
gedacht; als Pflegevater Brynhild’3 ift er jedoch nur
in der fogen. „Volfungafaga” erwähnt. Wir haben
hier aljo ein ausdrückliches Zeugniß dafür, daß man
damals das ganze Werk mit Einfchluß der fogen. *)
„Bolfungafaga” als „Ragnar-Lodbrofd- Saga” be=
zeichnete. — In diefem Zufammenhange ift auch noch
zu erwähnen, daß in Halfdan Einarsſon's Scia-
graphia (ſ. Möbius, Edda ©. XII) rimur des Arni
Bödvarsfon (c. 1770) erwähnt find, welche „his-
toriam Volsungorum, Budlungorum, Giukungorum
et Ragnaris Lodbrok“ behandelten; ferner, daß
auf den Färden neben den Liedern, welche auf die
Bolfungafaga zurüdgehn **), fi) auch zwei ***)
finden, welche Theile der Sage von Ragnar behan-
*) Der Titel „Volsunga saga“ iſt nämlid) nirgends
überliefert, aud) wird nirgends eine VBolfungafaga citirt.
**) S. Lit. Gentralbl. 1877, Sp. 1447; Germ. 22, 445 f.
*x*) Ragnars tättur und Gestsrima.
XLiI
dein, und zwar unjcheinend nach einem älteren, theil⸗
weile urfprünglicheren Text der Saga (f. unten ©.
XLV** und ***).
Haben wir alſo ftreng genommen fein Recht,
von einer Bolfungafaga und einer Ragnarsſaga als
Zhbeilen des ganzen Werled zu veden, fo empfiehlt
e3 ji doch, dieſe einmal eingebürgerten Bezeich-
nungen aus praftiichen Gründen beizubehalten.
Daß unfere Weberlieferung der Ragnarsſaga
(im engern Sinne) jedenfall3 nicht überall den ur-
ſprünglichften Text der Saga bietet, zeigt die Ver-
gleihung der verwandten Ueberlieferungen
des Stoffes. Es fommen aber dabei. in Betracht:
thättr af Ragnars sonum (Rsth.), der färöiſche Rag-
nars tättur nebjt der Gestsrima, fodann der in Cod.
AM. 147. 4° neuentdedite Text der Saga; ferner
für den Drachenkampf der Schluß der Herraudsfaga
[und etwa nod) der thättr von Nornageft für die
beabfichtigte Romfahrt der Ragnarsföhne).
Lehrreich ift zunächſt eine Vergleichung des erjten
Kapitel3 mit dem Anfange des Rsth. und dem Schluſſe
der Herraudsſaga (H).*) Dieje beiden Berichte find
*) Ich beſpreche dies Kapitel fo eingehend, weil grabe hier
ein Urtheil über den Werth unferes Sagatertes zu gewinnen iſt.
XLII
weſentlich kürzer als unſer Text der Saga (R) und
ſtimmen darin mehrfach, zuweilen auch in Zuſätzen
und Abweichungen untereinander gegen R überein.
Ein ſchlagendes Beiſpiel fei hier angeführt: Rsth.
fügt als Bedingung des Jarls Hinzu edha thyrdhi
at ganga til tals vidı hana fyrir orminum = H:
sem thyrdhi at ganga i skemmuna til mäls vidh
hana. Dies fehlt in R, ift aber gewiß echt, weil in
R (nidht aber in den beiden fürzenden Auszügen, die
grade diefe Bedingung bewahrt haben) nachher Rag—
nar mit Thora fpricht, und zwar in einer Strophe.*)
*) Unter diefen Umjtänden verdienen auch Kleinere
llebereinftimmungen Beachtung: einum manni H 233, 23=
Rsth. 346, 1; gipta Rsth. und H, gefa R; deögleichen
kürzere Faffungen, in denen Rsth. und H gegen R zu-
jammentreffen: Statt der umftändlichen Erzählung R 237, 18
bis 238, 4 (Fas. — 233, 8—16 der Ueberfeßung) heißt es
im Rsth. einfacher und natürlicher: thessi ormr vardh svä
mikill um sidhir, at hann l& i kring um skemnm-
una [ok beidh f spordh ser (der legte Sag =R und Ragn.
t., fehlt in H); H: ok 6x hann avä mikit, athann 1A
i hring um skemmu hennar. (®gl. R.... hann 6x
mikit... ok liggr nü {hring um eskit...nü
liggr hann ütan um skemmuna, svä at saman tök
höfudh ok spordhr). Dem fürzeren Tert des Bath.=H
entipricht aud) der Ragn. t. Der Zug, dab das Gold unter
ihm wächſt, fehlt demnad) in Rsth. und H. — Nach Rsth. giebt
Ragnar feiner Tochter die Schlange { morgingjöf, nad) H:
{ tannfe [Erfteres dürfte das urſprüngliche fein: in ent
XLIII
Andrerſeits ſtimmt mehrfach H zu R gegen Rsth.”),
zuweilen auch Rsth. zu R gegen H.**) Daß bei
der Einführung Thora’3 im Rsth. ımd H grade das
fehlt, wa$ in R mit der Thidrefsfaga oder Volſunga—
ſaga übereinftimmt***), ift bemerfendwerth, ſchwerlich
aber mehr al3 Zufall. Denn die Redaction der Saga,
welche im Rsth. (und alfo doch auch wohl in H) be-
nußt iſt, muß ſchon mit der Volſungaſaga in Ver:
bindung gejtanden habent),. Ebenſowenig ijt aus
ſprechenden deutſchen Sagen will der Vater jeine Tochter
felbft heirathen. R 237, 11—14 (Fas. = 233, 1— 3 d.
Ueberf.) Hat dafür etwas recht Abgeſchmacktes geſetzt.
*) Daß Thora aller Frauen ſchönſte war; daß der
Wurm in die Truhe gelegt wird (=Ragn.t.) und ſich fpäter
in den Schwanz beißt (= Ragn. t.); daß vor Ragnar Keiner
die That wagte — berichten nur Rsth.=R.
**) Daß der Wurm fehr ſchön (R) oder goldfarbig (H)
ift, und daß Gold unter ihn gelegt wird (=Ragn.t.), be⸗
rigten nur H=R. Dieje ftimmen aud) ©. 234, 2 f. (s&
leinn R) RH, their Rsth.) und 234? gegen die Erweiterung
im Rsth. 345, 18—21 genauer überein.
+**) 237,9 (Fas.—232+7 d. Ueberf.): jarlinn unni döttur
sinni mikit = Thidr. s. (ſ. Germ. 25, 155) ; 237, 3—5 (Fas. =
232, 1—3 d. Ueber.) wörtlich — Thidr. s. (Germ. 25, 262);
die Erflärung des Namens „Borgarhjort"=Vols. 167°. 208°.
+) Rsth. kennt Aslaug ald Tochter Sigurd’s mit Bryn-
bild (346, 23 ff.) ze. — Der in Verbindung mit der Vol-
fungafaga verfaßte Tert der Saga aber hat eben Die
Thidreksſaga benugt. Alfo kann Rsth. nicht auf eine Re—
XLIV
dem Fehlen anderer Züge*) im Rsth. und H ohne
Weitered auf die Unechtheit derjelben zu ſchließen.
Denn Rsth. nd H find offenbar fürzende Auszüge,
wie ſich denn Rsth. 346, 17 ff. ausdrücklich auf die
ausführlichere Darftelung in der Saga KRagnars
konungs beruft.**) Da nun Rsth. und H nicht von
einander abhängig find***), jo find beide als fürzende
Recenjionen einer und derſelben ältern Faſſung der
Saga zu betradgten, die in manchen Punkten von R
abwich und mehrfach R gegenüber eine urfprünglichere
Kürzer) bewahrt Hatte. Daß dieſer Text vielfach
befjere Lesarten hatte al R, zeigt ſich namentlich in
den Strophen.}})
Daction der Saga zurüdgehn, in welcher die Thidreksſaga nod)
nicht benußt gewejen wäre. Als eine Stüße für Keyſer's
Anficht (f. oben S. XXIX*, vgl. aber aud) unten S. LVIP**
darf man Obiges alfo nicht anführen.
*) Daß dad Gold unter dem Wurme wächſt und zu
Thora’3 Mitgift beftimmt ift (vgl. übrigend® G. Storm,
Ragn. Lodbr. 76); die Herrichtung von Thora’3 umzäunten
Gemache 23277.
**) Man vergleiche hiermit die unten ©. XLIX**. LXIV
befprochene Berufung des Nth. auf die saga Sigurdhar.
*xx) Dies ergiebt fi) daraus, dab bald Rsth., bald H
allein zu R ftimmt, wie oben S. XLIII* und ** gezeigt iſt.
Tr) Auch G. Storm (Ragn. Lodbr. 75) findet hier im
Reth. den „türzeften und echteſten“ Bericht.
tr) ©. unten ©. L f.
XLV
Auch das Exemplar der Saga, nad) welchem
die färdifchen Lieder gedichtet find*), muß einen
vollſtändigeren und in mancher Hinficht beffern Text
gehabt haben, weil der Ragnars tättur**) (Ham-
merdhaimb ©. 59 ff.) und für die Aslaugſage Die
Gestsrima***) (ebd. ©. 68 ff.) auf einen ſolchen hinweiſen.
Lehrreich für das Verhältnig unſeres Textes zu
den verwandten Weberlieferungen ift ferner die Kleine
Stelle, wo ich durch Herrn Prof. Bugge's Güte in
der Lage bin, die neuentdedten Fragmente im Cod.
AM. 147. 4° [den ih mit AM bezeichne] zu ver:
gleichen. Der letzten lesbaren Seite in AM entſpricht
in meiner Meberjegung ©. 329, 2 — 331, 8 (Fas.
291, 25 — 292, 22) und Rsth, 354, 5—27. Bu:
nächit, nämlich bis Fas. 292, 12, fchließt ſich AM
in der Hauptſache an R an, während Rsth. hier viel
fürzer if. Doch ftimmt auch Hier manches in AM
zum Rsth., wa3 in R fehlt.7) “Dagegen von Fas.
*) Vgl. oben S. XL**.
**) Bel. Str. 41-49 und darüber ©. 239**, Str. 63
und dazu ©. 252**; Str. 76 ff. und dazu ©. 260*.
***) Bol, Str. 16 und dazu S. 256***; Str, 26. 84
und dazu ©. 246°: wenigſtens ift die Faſſung der Geſtsrima
hier einfacher und anfprechender.
+) Für R 291, 25—29 (Fas.) bt AM nur: sekir
til möts vidh thä, fylkja nıı hvarirtveggju vandliga lidh-
XLVI
292, 12 (Rsth. 354, 12) ab ſtimmt AM ziemlid)
wörtlich zu Rsth.,, nur Fas. 292, 13—15 ftimmt
wörtlich und 292, 12 f. 20 f. 22 f. inhaltlih mit
AM überein”) Die Halbftropfe aus Sighvat’s
Knutsdrapa findet ich in AM, dgl. die Tödtung des hei-
ligen Eadmund ꝛc., |. &. Storm, Ragn. Lodbr. 107.
Andrerjeit3 hat aber AM auch Züge, die nicht nur
in R, fondern aud) im Rsth. fehlen und dabei eine
bon R und Rsth. weſentlich verſchiedene Auffaffung
inu, setja upp merkin. R 291, 30—292, 3 (Fas.) ijt
wörtlid=AM, doch hat AM hier einen Saß eingefchoben,
ſ. unten ©. XLVII*. Zu R 292, 4 ff. (Fas.) lautet AM
ähnlich: th& lykr sv6 at landsmenn flyja ok f& mikinn
ösigr [=R, fehlt Rsth.]; en Ella konungr er leiddr fyrir
Ragnarssonu; hann var särr mjök (=R 292, 18 f., fehlt
Rsth.). Im Rsth. lautet die Stelle: vardh konungr th&
borinn ofrlidhi (=AM: medhi thvf at lidhsmunr var
allmikill), sv at mikill thori lidhs hans fell; [en
sjalfr vardh hann handtekinn (=R, fehlt AM). R 292, 6f.
(Fas.) giebt AM ähnlich wieder. R 292, 7-12 ftimmt
wörtlich zu AM, während Rsth. fürzt. — Rsth. 354, 5f.
ferr hann nü möti theim broedhrum medh sinn her =
AM: sekir nü til möts vidh th&. — Rsth. 6f. ok ertheir
koma saman=R 291, 28 f.: en thegar theira lidh hittist.
*) Das Riten des Blutaarö wird in AM folgen
dermaßen gejchildert: reist örn & baki honum ok skar
rifin fr& hrygginum ok dr6 ur honum lungun = Rath.
354,12 ff.: rista örn & baki Ellu ok skera sfdhan rifin
öll fr& hrygginum medh sverdhi, svd at thar vöru lungun
ütdregin. In R. heißt e8 furz: „that, wie Ivar ihm gebot“.
XLVH
von Ivar's Betheiligung am Kampfe zeigen. *) Ferner
hat AM auch fonft abweichende Lesarten, wo R und
Rsth. übereinftimmen.**) |
Sofern es nicht überhaupt voreilig ift, aus
einem fo Heinen, zur Vergleichung ftehnden Abjchnitt
Schlüffe zu ziehen, müßte man aus den dargelegten
Verhältniſſen fchließen, daß in dem beſprochenen Ab-
ſchnitte Rsth. zuerſt bedeutend gefürzt hat und deshalb
AM, obwohl auch hier vielfach von R abweichend, doch
mehr zu R al3 zu Rsth. ftimmt, während in der zweiten
Hälfte Rsth. feine ‚(AM nabeftehende) Vorlage voll
jtändiger wiedergegeben hätte, und deshalb Hier mit
AM weit genauer übereinſtimmt als mit R. Es ift
beachtenöwerth, daß wenigſtens an Einer Stelle
*) Entſprechend der Zeile 30 auf ©. 291 Fas.
(= 329,8 d. Ueberſ.) ift in AM eingejchoben: en er
skamnıa stund hefir stadhit bardaginn (vgl. 57,1. = B.
107,14), th& kom Jvarr thar medh mikinn her til möts
(vgl. 80,4 f. = B. 118,3) vidh broedhra sina. [sneri nü
mannfallinu { her Ella konungs (vgl. 57,9 f.—=8. 107,19 f.).
Dem entjprechend ift der Sat medh thvi, at... Jvarr
kom mjök fi opna skjöldu Ella konungi vor 3. 4 auf ©.
292 Fas. (= 329,11 f. d. Ueberſ.) eingefchoben, jowie der .
Sat R. 292,5 f. Fas. (ok — nänd) fortgefallen iſt. Die
Lift befteht Hier darin, daß Spar feinem Verfprechen gemäß
Ella nicht feindfelig gegenüberfteht (S. 323, 7), jondern
ihn im Rüden angreift.
**) Bol. oben ©. XLV }.
XLVIII
(330***, Nachtr.) AM ſicher gegenüber der Ver—
derbniß in R die richtige Lesart bewahrt hat.*) Da
num nad) Prof. Bugge's Angabe**), die Hdichr. au
in den Strophen bejjere Ueberlieferung zeigt ſowie
mehrfach dem Reth. näher fteht und kürzer ift als
R, fo darf man wohl die Anficht aussprechen ***),
daß die neue Hoſchr. eine ältere, theilweiſe Türzere
Faſſung der Saga daritellt, — der Vorlage des
Rsth. nahe ſtand.
Da nun der Rsth. an den beiden vergleichbaren
Stellen mit zwei ganz verjchtedenen Terten weſentliche
Berührungen zeigt, ſowohl in der Inapperen Form
der Darftellung als auch in einzelnen Lesarten, bezw.
gemeinfamer Erhaltung von Zügen, die in R fehlen;
*) Auch das iſt übrigens zu beachten, daß der Stil
in AM aud) da, wo AM von R abweicht, diefelben for:
melhaften Wendungen zeigt, wie font die VBolfunga = Ragnars-
faga; vgl. 3. B. XLVIM.
**) Natürlich konnte ich Heren Prof. Bugge nit zu⸗
muthen, die einzelnen, mit unendlicher Mühe von ihm ent-
zifferten Broden mir zu jehr mohlfeiler Ausnutzung zu über-
lafien. Hoffentlich macht er ſelbſt Alles von ihm Geleſene
recht bald der Forſchung zugänglid).
***) Unter dem Borbehalt natürlih, daß bei Kenntniß
reicheren Vergleichsmaterials ſich das Verhältniß noch etwas
anders herausſtellen könnte.
XLIX
da ferner auch die färöifchen Lieder einen in mancher
Hinſicht beſſern und vollftändigern Text der Saga
benußt haben müfjen: fo fcheint es ficher, daß unfer
Tert R feinedweg3 die ältefte, unver—
fälfhte Safjung der Saga ift. Bielmehr er-
jheint er als eine jüngere Recenſion, die zu breiterer
Darftellung neigte, während dem gegenüber die an-
dern Ueberlieferungen, nämlich) Rsth., AM und H*),
auf eine ältere, Tnappere und theilweije befjere
Faſſung **) zurüdgehn. Daß die aud) gegen Die
Buverläfligfeit unferer Ueberlieferung der Volſunga—
jaga in Derjelben Hdfjchr. einige Bedenken er-
werfen muß, ilt jchon oben ©. XXV ** angedeutet. ***)
*) Falls die Epifode von der beabjichtigten Romfahrt
der Ragnarsſöhne (Nth. ©. 389 ff) nicht, wie ich annehme
(j. unten S. XVII), auf mündlicher Tradition beruhen follte,
müßte fie aud) auf eine ältere, knappere Geftalt der Ragnars⸗
faga zurüdgehn.
*+) Die aber nicht vor unjerer Volſunga-Ragnars⸗
jaga beitanden haben kann (f. oben S. XLIII}), jondern mit
deren ältejter Geftalt identijch fein oder auf diefelbe zurüd-
gehn muß. Daß übrigens in irgend welcher Form eine
andere Darftellung der Ragnarsſaga ſchon früher beitan-
den haben könnte, ift nicht abfolut unmöglich. (Bgl. unten
6. LVII ** G. Storm (Snorre Sturlassöns Historie-
skrivning ©. 67) hat eine folche als Theil der verlorenen
Skjöldungaſaga vermuthet.
er) Schon Bugge (Einl. zur Edda=- Ausgabe, S. XXXV)
d
Beſonders deutlich zeigt fi die Verderbniß
unferer Ueberlieferung in den Strophen. Bei Ber:
gleichung der fieben auch im Rsth. erhaltenen
Strophen (11. 13. 18—22) mit dieſem Texte er:
weift fich nämlich die Neberlieferung im Rsth. meijt
als die entichieden bejjere (Str. 11,6. 13,2 f. 21,1.
22,3 f. 7 f); in einzelnen Fällen (18, 2—4. 19,6.
21,8) hat allerdingd unfer Text ebenjo viel oder
mehr für fih. Aber auch, wo wir feine andere Ueber:
Lieferung vergleichen können, zeigt die Unmöglichkeit,
mit der Weberlieferung gewifler Verſe einen Sinn
zu berbinden, die ſprachlichen Ungeheuerlichfeiten und
Abnormitäten, fowie die metrifchen Berjtöße (gegen
die Negeln der Silbenzählumg und des Gtabreimd)
die vielfache Verderbniß unfered Texte.
Alle diefe Strophen (mit Ausnahme der drei
lebten, mit denen e3 eine bejondere Bewandtniß hat)
find in reimlofem Dröttkvatt verfaßt *), wobei ſich
allerdings hier und da, jedoch ohne feſte Regel, ein
Binnenreim, beziv. eine Binnenafjonanz eingeftellt hat.
Diefe Form ift die urſprünglichſte des Drottkvzett
hat geäußert, es fei „Grund vorhanden zu der Annahme,
daß die urjprüngliche Redaktionsform nicht in allen Stüden
ung vorliege.“
*) D. 5. fie beſtehn aus je acht jechsfilbigen, in drei
Takte zerfallenden Berjen mit regelmäßigen Stabreim. Vgl.
auch Gißlajon, Njäla II. 1, S. 17—19.
LI
und findet fich” in jehr alten Staldenftrophen. Doch
darf man daraus nicht auf dad Alter unjerer Stro-
phen ſchließen, denn diefelben weiſen durch dad Vers—
maß beftätigte Spradformen auf, welche einer ver-
hältnigmäßig jungen Zeit angehören. *) Sodann find
unfere Strophen in Yorm und Ton völlig gleich
denen der Krafumal, jene Ragnar in den Mund
gelegten Liedes, in dem er jterbend feine Thaten be-
fingt. Die neımten und zehnten Verſe der Strophen
des Lieded find nämlich unecht.**) Died Lied ift
nun aber, wie &. Storm ***) wahrſcheinlich macht,
ſehr jung und wäre nad) Storm jelbft in feiner ur-
ſprünglichſten Geftalt nicht vor der Mitte des 12.
Sahrhundert3 entitanden.
Es entiteht nun die Srage: wie verhalten
lid die Strophen zur Proſa der Saga?
Rühren fie vom Verf. der Saga her, find fie alfo
gleihd alt, d. 5. aus der zweiten Hälfte des 13.
Sahrh.’3, alfo aus der Zeit, da die Heldendichtung im
Begriffe war völlig zu verklingen und auch Die
Skaldendichtung zu Grabe ging? Oder find fie älter
als die Saga und vom Verf. benußt? Die erftere
*) 8. B. wird eigi durchweg — „nicht“ gebraudt;
der Wechfel der Quantität von da zu j& ift eingetreten ac.
**) S. &. Storm, Ragn. Lodbr. 119.
+) Ebd. S. 116—121.
{ d*
LII
Alternative ift an ſich wenig wahrſcheinlich und Yieße
ſich auch wohl geradezu als unmöglich erweiſen. Da-
gegen fpricht Vieles für die andere Annahme.
Die Strophen zeigen nämlich zuweilen eine bon
der Brofa abweichende Auffaffung einzelner Sagen:
züge, die einer älteren Geftaltung der Sage entjpricht.
So ericheint in den Strophen Bjorn als An-
führer der Brüder *) 37,1 (vgl. 339 }. 390**), fo-
wie auch Bjorn es ift, der in den Strophen 7. 28.
29 feine und feiner Brüder gemeinfame Thaten
rühmt.**) In der Proja Hingegen ift Svar zum
Anführer und MWortführer der Brüder geworden.
Herner: während ©. 248 drei Bedingungen geftellt
find, erwähnt Str. 2, 5—8 nur ziveier, und eben
dDiefe beiden kennt auch der Ragn. t. allein (ſ. ©.
250*). Mehrfach erwähnen die Strophen Züge, Die
in der Profa fehlen und vorher in feiner Weiſe er:
wähnt und erläutert find, z. 8. 5,7 f. (jpecieller
als ©. 245**); 6,5—8 (jpecieller als ©. 256,4 f.);
7,4; 21,6. (erſt nachträglich erläutert) ; 37, 5—7.***)
*) Bgl. G. Storm, Ragn. Lodbr. 51 f. 112.
Auch im Nth. ©. 390** erjcheint Bjorn als Wort-
führer und Leiter des Zuges.
*x*) Das Anerbieten der Bruderbuße, worauf Str. 11,1 f.
“ anfpielt, wird allerding? in R auch nicht erwähnt, wohl aber
im Rsth. 348,7 f., wo die Darftellung an diejer Stelle über—
haupt volljtändiger iſt.
LIII
Ferner fcheinen mehrfach die Strophen der Proſa
zu Grunde zu liegen. So fcheint die ganze Profa
von Str. 11—14 aus diefen Strophen entnommen
und zu ihrer Erläuterung bejtimmt zu fein. *) Aud)
die Proſa vor Str. 30. 31 (©. 331, 8 ff.) — nament-
lich die plögliche Erwähnung der fonft ganz vergefjenen
Randalin — macht den Eindrud, als wäre ihr Inhalt
aus diefen Strophen entlehnt. Ebenfo mag die Proſa
zwilchen Strophe 8 und 9 aus Str. 9,5 entnommen
fein. Der erſte Brofafab nad Str. 21 ift offenbar
zur nachträglichen Erläuterung von 21,6 bejtimmt
und aus der Strophe entnommen. Das jeltene Wort
hlunnrodh „Rollenröthung“ ©. 273,3 (Fas. 260,2)
iſt offenbar au8 Str. 15,6 f. (Fas. 264,8) entlehnt.
Die Verfe 27,1 ff. (= Saxo) find wörtlich in der
Profa vor Str. 26 (S. 311?) benußt. Deögleichen
it ©. 252 „das Hemd, welches Thora getragen
hatte, und welches ganz goldbefäumt war” faft wört-
ih **) aus Str. 4,1—3 = 5,1—3 entlehnt.
Endlich Hat, wie ſchon erwähnt, Saxo ***) ©.
460,25 ff. offenbar den Verſen 27,1 f. ganz gleich:
lautende Verſe gefannt. +) Und mit Str. 26 ftimmt
*) Anderes ift vom Tode Hpitjer!3 auf den Eirek's
übertragen, |. S. 332*. 276%.
**) Doch ſteht „Jilberbejäumt“ in der Strophe.
***) Der gegen Ende des 12. Jahrh. jchrieb.
+) G. Storm, Ragn. Lodbr. 96. 120 nimmt an, daB
LIV
Krafumal 28, neben weſentlichen Abweichungen dem
Sinne nach, und theilweiſe auch wörtlich überein;
mit Str. 27 ebenfo Krakumal 26 dem Sinne nach.“)
Es ift ferner wohl zu beachten, daß die Stro:
phen keineswegs gleihmäßig über die ganze Saga
vertheilt find, jondern zufanımengehörige Gruppen
bilden und zuweilen mit einander in ummittelbarem
Bufammenhange ftehen. So beſchränkt ſich eine und
zwar die umfänglichjte Strophengruppe, nämlid
Strophe 11—22, anf das neunte Kapitel. Str.
11—14, die Eiref. vor jeinem Tode ſpricht, ftehn
unter einander in engem Zuſammenhange und fönnen,
Sarv ein „längeres Gedicht vor ſich Hatte, welches die meijten
von Ragnar’3 Kämpfen und Siegen aufzählte“. Died war
nad) Storm die Umarbeitung eines älteren Gedichtes, welche:
er für ein dänifche® um die Mitte des 12. Jahrh. ge
Dichtete3 Hält. Gegen letztere beiden Punkte könnte man
wohl einige Bedenken hegen.
*) Natürlich können bier nicht etiva die Krakumal —
die nad) Storm das ältere dänische (?) Gedicht, auf welche:
auch Saxo's Duelle zurüdgehn ſoll, benugt hätten — in
unſern Strophen benußt fein, weil fonft die Benußung fid
ſchwerlich grade auf dieſe z wei Strophen bejchränft haben
würde. Vielmehr ift ein engerer Zufammenhang zwiſchen
unferen Strophen und Storm’3 ältefter Ragnars- Dichtung
(die dann ſchwerlich eine ſpeciell-däniſche geweſen wäre) zu
vermuthen.
LV
wie oben ©. LIII gejagt, einmal ohne die profai-
ſchen Zwiſchenſätze auf einander gefolgt fein. Str.
15—16,, die Meldung an ASlaug enthaltend , gehören
jedenfall3 dazu. *) Die Proſa zwiſchen Str. 14 und
15 fann jehr wohl zur Verbindung vom Sagafchreiber
eingejchoben fein: 279,4 ff. ergiebt ſich aus Str.
17; 279,7—10 und 12 f. ijt formelhaft. *) Auf
Str. 16 muß eine der Str. 13 ähnliche und in der
zweiten Hälfte gleiche Strophe gefolgt fein, wie ©.
280,17 f. zeigt, und auch 280,19 — 281,3 ſcheint
auf einer (nicht erhaltenen) Strophe zu beruhen.
Daran ſchließen ſich — etwa mit einem kurzen pro=
faifchen Zwifchenja wie im Rsth. 349,10 ff. — die
Strophen 17—22 jehr hübſch an, wie es im Rsth.
der Fall if. Der Zuſammenhang ift fo viel einfacher
und natürlider al3 in R, wo Ivar's anfängliche,
breit ***) motivirte Weigerung, von der er nachher
doc ablieht, eingejchoben it.
Eine andere Gruppe bilden die Strophen 23—25
*) Vgl. auch Str. 13 mit ©. 280, 17 und dazu
oben 3. 8 ff.
**) Vgl. S. 316,8—11 x.
**x) Ivar erzählt im Weſentlichen daſſelbe, was ſchon
S. 263 f. (vgl. 260 f.) berichtet iſt. Die ganze Aufreizung
zur Rache ſcheint der Ermanrichsſage (©. 213 f.) nachgebildet
zu fein. (gl. oben S. XXX).
LVI
nebit 26 und 27, Ragnar's Englandsfahrt und Tod
betreffend. Lebtere beiden, deren Alter dur) Saxo
und Krakumal beftätigt wird, gehören natürlich zu-
fammen. Str. 23 und 24, denen man noch anfieht,
daß fie vom Sagafchreiber feiner Erzählung nicht
recht gejchickt eingefügt find, jcheinen eng zufammen-
gehört zu haben, obwohl man das bei der Duntel-
heit der Str. 24 nit mit Sicherheit jagen kann.
Bufammen gehören ferner Ragnar's 3 Strophen auf
Sigurd Sclangenauge, Str. 8—10, und andrer-
feit3 wahrjcheinlich die drei Strophen (7. 28. 29), in
denen Bjorn feine und feiner Brüder Kriegsthaten
preift, und die er nebjt andern, verlorenen Strophen
bei irgend einer ©elegenheit zufammen gejprochen
haben wird. Berner ift in Str. 32—37 ein zu-
fammenhängendes Wechielgefpräch erhalten. Endlid)
die Strophen 2—5 (und 6) find Wechſelgeſprächs—
ftrophen zwiſchen Ragnar und Aslaug bei vn Be-
gegnung (und Bermählung). |
Uebrig ift dann nod die Einzelitrophe 1 und
das Strophenpaar 30—31. Die Strophen finden
jih demnach hauptſächlich in 6 Kapiteln gruppenweiſe
beijammen: im Kup. 5 (5 Strr.), Kap. 8 (3 Strr.),
Kap. 9 (12 Strr.), Kap. 14 und 15 (5 Strophen)
und Kap. 20 (6 Strr.) In den übrigen 14 Ka—
piteln — von Rap. 21 jehe ich ab — finden ſich nur
LVII
6 Strophen, von denen wieder drei (7. 28. 29)
wahrſcheinlich zuſammengehören.
Daß übrigens auch ſonſt dem Texte der Saga
theilweiſe Strophen zu Grunde liegen, iſt oben
S. LV gelegentlich bemerkt. Es ergiebt ſich das aber
auch aus den mehrfachen wörtlichen Berührungen
mit Saro*), die doch wohl wie die gleichartigen
Uebereinftimmungen der Thidreksſaga mit den alt-
deutichen Heldengedichten**) jo zu erklären find, daß
beide Darftellungen in folcden Fällen diejelben oder
ähnliche Lieder benutzten. Es jcheint aljo, als hätten
wir in den Strophen der Ragnarsſaga Fragmente
eined Liederchyklus von Ragnar, den der Verfaſſer
der Saga wohl noch vellitändiger***) kannte und be=
nußter), in derſelben alterthümlichen Form des
*) Namentlih S. 317!. 318'. 3231 (= Saro 462, 18 f.:
Pferdehaut). 324?-* (= Saxo 462, 22—24) u. j. w.
Vgl. au) zu Kap. 1: Saxo 443 ff.
**) S. Germ. 23, 96 ff.; 25, 65 f.
***) Möglicherweife jogar jchon niedergejchrieben und mit
proſaiſchen Zwiſchenſätzen, aljo eine Art ältere Ragnars-
lag. Wie dem auch ſei, jedenfall3 wäre mit einer folchen
älteren Ragnarsjaga, wenn fie eriftirte, der fnappere, ültere
Zert unferer Ragnarzjaga, aufden Rsth , AM und H weiien
(j. oben S. XLIX) nicht zufammenzumerfen (vgl. ©. XLIX**).
}) Sein Verfahren wäre alfo hier analog dem bei der
Voljungafaga beobachteten.
LVIII
Dröttkvsett, wie ſie auch für die Krakumal wohl ab-
ichtlich, eben ihres alterthümlichen Charakter wegen,
gewählt wurde Wie wir und das Verhältniß dieſes
vermutheten Liedercykflug zu den Krafumal zu deifen
Haben, darüber enthalte ich mich hier des Urtheil3 und
vermweije nur auf die oben ©. LIV* ausgeſprochene
Bermuthung.
Hinfihtlich ded Alters der Vollunga-NRagnars-
faga kann ich mich kurz faſſen. Wie für daS ganze
"Werk die Benußung der Thidreksſaga, jo ergiebt für
den Theil des Werkes, den wir Volſungaſaga nennen,
die Benutzung der Liederſammlung nad) der einen
©eite hin einen feiten Punkt für die Altersbeſtimmung.
Die Thidrefsfaga ift, wie ©. Storm*) feitgeftellt
hat und jebt wohl allgemein angenommen wird, bald
nad) 1250 verfaßt, die Volfungafaga alfo etwa um
1260 oder ſpäter. Die -Liederfammlung, bezm. die
derfelben einverleibte Sigurdöfaga, muß um 1240,
genauer zwiſchen 1230 ımd 1250 entitanden fein.**)
Eine Begrenzung der Abfafjungdzeit nach der andern
Seite hin net fi daraus, daß die Voljungajaga
*) Bars ödsane om Karl den Store og Didrik af
Bern (Ehriftiania 1874), ©. 93 ff.
**) ©, oben ©. XIII*.
LIX
höchſt wahrfcheinfich *) in der Bearbeitinig der Snorra
Edda, welche in den Handfchriften r, W u. a. vor-
liegt, benußt iſt, Die Ragnarsſaga aber im
thättr af Ragnars sonum (Rsth.) und in der Her:
raudsſaga. |
Was die Snorra Edda betrifft, fo Handelt es
ih Hauptfähli um die kurze Skizze der Nibelungen-
age in Sfaldflaparmal**), deren größerer zweiter
Theil außer der Liederfammlung ***) wahrjcheinlich auch
die Volſungaſaga benutzte. Die in rW vorliegende
Bearbeitung der Snorra Edda muß aber fpäteftens
zu Ende des 13. Jahrhunderts verfaßt fein) [dod)
faum von Dlaf Thordsſon, F 1259). Hat alfo diefe
Bearbeitung die Volfungafaga benußt, fo muß leßtere
mindeftend um 1290 herum jchon exiftirt Haben.
Weniger Anhalt für die Altersbeſtimmung bietet
der zweite Theil unſeres Werkes, die Ragnarsſaga
im engern Sinne Daß die Herraudgjaga fie be-
nubt Hat, Hilft und wenig; ebenſo wenig da3 Citat
*) S. Germ. 24, 359 f.; Zichr. f. d. Phil. 12, 106 f.
**) Weber diejelbe j. oben S. XVI*.
*5*) nd zwar ift zum großen Theil das verlorene Stüd
derfelben benußt.
F) Denn die Hoſchr. r gehört dem Anfange des 14. Jahr⸗
bundert3 an und gebt doch ſelbſt erſt durch Zwiſchenglieder
auf dad Original der Bearbeitung zurück (Beitr. 6, 536 f.)
LX
in der Saga von Halfdan Eyiteinsfon (Fas. 3, 521),
ſo wichtig es font auch für un? ift (vgl. oben ©. XL).
Mehr fchon die Benußung im Rsth., der ſich auß-
drüdlih auf eine Ragnarsſaga als feine Quelle be
ruft.) Der Text des Rsth., überliefert im der
Hauksbok**), ſtammt au den eriten Decennien des
14. Sahrhundert3 und iſt jedenfall3 vor 1334 ge
ichrieben.***) Da nun (vgl. oben S. XLI ff.) dieſer
Auszug auf die ältefte Faſſung der (Volſunga⸗) Ragnars⸗
faga keineswegs unmittelbar, fondern durch Vermittelung
von Zwifchengliedern zurüdgeht, jo gewinnen wir wieder
das Nefultat, Daß die Saga gegen 1300 ſchon exiſtirt
haben wird. Die Berufung der Herv. s. (Bugge 292)
auf Ragn. s. Kap. 11 (Eyjtein herrjchte über Schweden,
„bis König Ragnar's Söhne ihn füllten, wie in
feiner Saga erzählt wird“) ftand höchſt wahr:
ſcheinlich auch ſchon in der Hauksbok, wo Hauk jelbft
die Saga ſchrieb. Ueber das Verhältniß der Norna-
geſtsſaga zur Ragnarsfaga ſpreche ich unten S. LXVII.
*) Nach der Erwähnung des Drachenkampfs heißt es dort
346,17ff.: „underging es fo, wiein der Saga von König Ragnat
erzähft ift, daß er darauf Thora Borgarhjort zur Gattin erhielt.“
**) Zum größten Theil von Hauk Erlendsfon (71334)
jelbft gejchrieben.
***) Hauk jchrieb nämlid) den Rsth. jelbit, vgl. Thorkelsſon,
Nokkur blödh ür Hauksbök (Reyfjavit 1865), S. XIV,
wo ©. XV ff. über die Zeit der Niederfchrift gehandelt iſt.
LXI
Aud allem Angeführten ergiebt ſich, daß die
Bolfunga-Ragnarsfaga in der zweiten Hälfte
des 13. Sahrhundert3, wahrſcheinlich zwiſchen 1255
und 1290 verfaßt if. Nach der Tendenz der
Saga ift es wahrſcheinlich, daß fie am Norwegifchen
König3hofe*), vielleicht auf Zöniglihe Anregung Hin
verfaßt ift, vermuthlich von einem Isländer.“) Man
iſt verſucht Hinfichtlich folder Anregung zunächſt an
König Hakon Hakonsſon zu.denten, „deſſen literarifche
Neigungen auch fonit bekannt find“ (Sijmons a. a.
O. 214)***), der aber ſchon 1263 ftarb. Sit Die
Vermuthung zutreffend, jo müßte die Saga aljo in
den leßten Lebensjahren dieſes Königs, um 1260 etwa,
verfaßt fein. Da der Berfaffer die Thidreksſaga
offenbar fehr genau gekannt hat, indem er nicht nur
*) Dafür, dab der Verfaffer in Norwegen fehrieb, Tpricht
auch (wie Schon Sijmons bemerkte), daß es von Heimi heißt, er
jei mit Aslaug „hierher in die Nordlande”“ (hingat &
Nordhrlönd), d. h. nad) Norwegen gekommen; ferner die
Erwägung, daß die Thidrefsfaga wenig abgefchrieben wurde
und außer den SHoffreifen wohl jelbft in Norivegen wenig
befannt und populär war, am wenigiten aber auf Island
(Germ. 23, 84); vgl. aud) unten S. LXII.
**) S. Sijmons a. a. O. 214. Daß unfere Hand-
Ihrift isländiſche Sprachformen zeigt, kann nicht Dagegen
geltend gemacht werden.
*5*) Außer den Dort angeführten Stellen vgl. aud)
G. Storm, Sagnkredsene ı. ©. 98; Sard, Udsigt over
den norske Historie 2, 339.
LXII
geringfügige Züge derſelben entlehnt hat, ſondern auch
in ſeinem Stil merkwürdig mit dem der Volſunga—
Ragnarsſaga übereinſtimmt, fo haben wir die Ver⸗
faſſer nach Raum*) und Zeit**) ſchwerlich weit von
einander entfernt zu denfen.***)
Das Verhältniß der Gefhichte von Norne:
geft (Nth.) zur Lieder- Edda iſt infofern das gleiche
wie bei der Bolfungafaga, als auch der Nth. die
Liederfammlung benußt hat.) Doc folgt er der
Profa meift noch wörtlicher al3 die Volſungaſaga,
* Bol. oben ©. LXI*.
**) Eine fo genaue Aneignung des Inhalts und des
Stil der Thidreksſaga erklärt fi) wohl nur bei der An:
nahme, daß unjer Berfaffer jene Saga gleich nad) deren Ab-
falfung ihrer Neuheit wegen mit fo großem Snterefje las.
Sedenfall3 muß er die Handfchrift felbft vor fich gehabt Haben,
vermuthlich den Driginaltert (f. Germ. 25, 261 ***; aber
auch Klodhoff, Studier öfver Thidreks saga af Bern,
Upfala 1880, ©. 17 f.).
+) Man könnte fi) fogar zu der Bermuthung ver:
jucht fühlen, daß der Verfaſſer der Thidreksſaga felbft ſpäter
die Bolfunga = Ragnarzfaga verfaßt hätte, obgleih ich das
keineswegs behaupten will.
T) Wilken hat dieg (S. XC ff.) durdaus mit Unredt
leugnen wollen, ſ. Germ. 24, 361 f.; Zſchr. f. d. Phil.
12, 108 ff.
LXIII
und andrerſeits hat er nur einen Theil der Samm-
(ung, die eigentliche Sigurd3faga*), und von dieſer
auch nicht Alles benußt. Diefer Theil der Sammlung
muß gemeint fein, wenn der Nth. ©. 3727 fih auf
die saga Sigurdhar beruft.*) Die Berufung auf
die saga Sigurdhar, in der, wie e3 heißt, Sigurd’3 und
Brynhild's Schicfale genauer: gefchildert werden, Hat
man auf die Bölfungafaga gedeutet, jo neuerdings
Wilken und Müllenhof (H. Zichr. 23,113). Müllenhof’3
Anfiht, „daß der Nornengaft nur eine Nachleje zu
der älteren Saga [der Bolfungafaga] giebt, indem er,
was diefe von der Proja und den Liedern der Sämundar
Edda aus der Sigurdäfage überging, zujfammenfaßt,
ihre bejondere Meinung von der Heimath Sigurd’3
nad) der herrſchenden Anſicht berichtigt ımd außer
einigen eignen Erfindungen, Mißverjtändnifjen und
Ausführungen noch ein fonft unbekanntes Stüd aus
der Volksſage Hinzuthut, jo daß Kap. 6 feine Ber:
weifung auf die saga Sigurdhar Fafnisbana ſich un-
zweifelhaft auf Vols. s. Kap. 20 bezieht“, kann id)
trotz der abſprechenden Sicherheit, mit der fie aus⸗
gefprochen wird, nicht fiir zutreffend erachten. Daß
die Volfungafaga nicht benutzt iſt, auch mit der
*) S. Germ. 24, 362 f.; Zſchr. f. d. Phil. 12, 109 f.
**) Sp auch Bugge, Ein. zur Edda-Ausgabe XLIII.
LXIV
„Sigurdsſaga“ nicht gemeint fein Tann, habe ich in
der Germ. 24, 361 f. und Sijmond in der Zichr.
f. d. Bhil. 12, 110 f. gezeigt. Die Berufung auf
die Saga von Sigurd, in der das kurz angedeutete
genauer erzählt werde, gleicht übrigens ganz genau
der Berufung des Rsth. auf die ausführlichere Er-
zählung der Ragnarsſaga. Wie Dort die.bid dahin
und nachher wieder wörtlich benutzte Ragnarsſaga
gemeint ift, fo auch hier der vorher und nachher
wörtlich außgejchriebene Theil der Liederfammlung,
welchen ih — eben nach diejen Citat — als Die
Sigurdsſaga bezeichne. Im Uebrigen iſt es nicht
richtig, daß der Nth. einen Nachtrag zur Volſunga—
ſaga Tiefere, denn einerfeit3 ift ein großer Theil
der Negindmal, die Nth. vollitändig wiedergiebt,
auch in der Bolfungafaga benugt*), und hat ferner
Nth. 369, 6—371,1 neben der Schilderung vom
Kampfe Sigurd’3 gegen die Hundingsſöhne (©.
79,10— 81,12) eine ganz **) abweichende Schladht-
Ichilderung bei derjelben Gelegenheit. Andererſeits
„faßt“ Nth. keineswegs „Alles zuſammen, was Die
*) Nämlich S. 65,15; 75,7—76,3; 77, 7—79,10;
81,12—15.
**) Abgeſehen von ein Paar formelbaften Wendungen,
die 3. Th. aus Regm. 26,5 f. und der vorhergehnden Proſa
entnommen find.
LXV
Bollungafaga von der PBrofa und den Liedern der
Sämundar Edda aus der Sigurdäfage überging.” Viel:
mehr ift es Har, daß der Grund zur Auswahl einzelner
Stüde anderswo lag, darin nämlich, daß Geft natürlich
nur das ausführlich erzählen Tann, was er jelbft mit
eriebt haben fonntee Deshalb mußte die „Vorge—
ſchichte des Hortes“ ausfallen, weil Nornageit fie
nit mit erlebt haben konnte, und die Gefchichte
al3 Erzählung Regin’3 wieder von Nornageit
erzählen zu lafjen, doc zu abgefchmadt geweſen
wäre. Deshalb ward die Tödtung Fafni’3 und
Regin's, die Erweckung Sigrdrifa's natürlih nur
furz angedeutet, mit Hinwei3 auf die außführlichere
Schilderung in der hier wie auch fonft bemußten
Sigurdsſaga. Deshalb mußte die Erwerbung Bryn-
hild's durch Sigurd- Ounnar übergangen werden fo-
wie auch der Bank der Königinnen, die Geſpräche
an Brynhild’3 Bette, die Mordpläne Gunnar’ ꝛc.
Auch von Sigurd's Ermordung”), im Schlafgemad) .
konnte Nornageft natürlich nur von Hörenfagen wifjen:c.
Mit Brynhild's Tode bricht feine Darftellung ab,
wie auch die saga Sigurdhar damit gefchlofjen Haben
*) Weber dieje konnte Nornageſt die verfchiedenen in der
Sammlung zujammengeftellten Berfionen ebenfalls neben-
einander berichten; der Berfaffer der Bolfungafaga mußte fiir
feine zufammenhängende Darftellung ji) an Eine halten.
e
LXVI
wird. Die Erwähnung des Todes der Gjufunge
(S. 379) Tann fih auf den furzen Schlußſatz oder
Nachtrag zur Sigurdsſaga beziehn, der al3 Dräp
Niflunga in der Sammlung bezeichnet ift.
Die Sigurdfaga wird früher für fich beitan-
den Haben umd vom Sammler als Ganzes feiner
Liederſammlung einverleibt fein.*) Ob der Verfafler
der Geichichte von Nornageit fie etwa noch als be
fondere Saga — was keineswegs undenkbar wäre**) —
oder als Abjchnitt der Sammlung mit bejonderer
Ueberſchrift fannte, ift jchwer zu entjcheiden. In
letzterem Falle hat er jedenfall® nicht mehr als die
Sigurdsſaga zum Gegenftande der Erzählungen Norna-
geft’3 machen wollen, da er nur dieſe ausführlid
und in wörtlihem Anjchluß an die Sammlung **),
vom Untergange der ©jufunge F) und der Exrmarn-
*) Diefer von mir zuerſt aufgejtellten Anficht Hat ſich
neuerdings auch Sijmond (Zichr. f. d. Phil. 12,111 f.) an:
geſchloſſen.
**) Da der Sammler die von ihm benutzte Handſchrift
der Sigurdsfaga doch ſchwerlich vernichtet haben wird, fo
fonnte dieſe jelbft oder eine fpätere Abſchrift von ihr dem
Berfafier des Nth. immerhin vorliegen (vgl. jedoch Sijmons’
Bedenken a. a. ©, 112).
***) S. Germ. 24,362 f.; Zſchr. f. d. Phil. 12,109 ff.
+) Abgejehen von der Anipielung &. 379, über die oben
8. 1 ff. zu vergleichen ift.
LXVII
richsſage aber nicht daS Geringſte wiedergiebt, Die
Helgejage hingegen nur ganz flüchtig berührt. |
Unter dieſen Umständen ift es ſehr auffallend,
daß am Ende des achten Kapiteld noch die beabjich-
tigte Romfahrt der Ragnarsſöhne ziemlich) ausführ-
(ih und mit wörtlichen Anklängen (S. 390%. 390, 10 f.)
an die Ragnarzjaga ſich anfchließt. Hätte der Verf.
wirklich die Volſunga-Ragnarsſaga gekannt, jo wäre
es doch höchſt jeltfam, daß er nächſt Sigurd’3 Ge-
Ihichte grade nur diefen verfehlten Zug und nichts
von den fiegreichen Kämpfen der Ragnarsföhne und
namentlich Ragnar's felbjt angeführt hätte Auch
iit die Erzählung neben begreiflichen Webereinftim-
mungen in wejentlihen Zügen doch im Einzelnen fo
abweichend, daß fie höchſtens auf eine ältere, ab-
weichende Faſſung der Saga zurüdgehn könnte.
Wahrjcheinlider aber ift mir, daß die Epijode aus
mündlider Tradition in den Nth. aufgenommen
ift (gl. auch Sijmons, Bir. f. d. Phil. 12, 112).
Da dieje Heine Epifode übrigend der Anlage des
Ganzen *) wenig entſpricht, jo bin ich geneigt, fie
für eine fpätere Interpolation eines Abfchreiberd zu
halten, der allenfalls eine ältere Geftalt der Ragnars—
faga gekannt haben könnte.
*) Es war offenbar urfprüngli nur auf Züge der Si-
gurdsfage abgejehen.
. e *
LXVIU
Der eigentlihe Inhalt, Nornageſt's Sagener-
zählungen, umfaßt nur die Kapitel 3—8, Kap. 9
ift ein Uebergangskapitel, das Vebrige entfällt auf
die Einfleidung, die der großen Saga von Dlaf
Tryggvaſon angehört. Die wejentlihen Züge dieſer
Einfleidung — ein langlebiger Rede fommt an den
normegifchen Königshof und erzählt feine Erlebniffe
im SHeldenzeitalter — finden ſich auch in zwei ver-
wandten Gejchichten wieder, die fi) an die Perſon
Olaf's des Heiligen Tnüpfen. *) Auffallend ähnlich
it da3 Auftreten Tofe’3 bei Olaf II (dem Heiligen)
Flat. 2,135 ff., ähnlich auch das Erfcheinen eine
Fremden, der fih ebenfall3 Geſt nennt, bei dem=
felben Könige Flat. 2,134 f. In diefem Geft er-
fennt der König Odin und wirft mit dem &ebetbuch
nad ihm; Geſt aber verfchwindet. Letztere Büge
jtimmen wieder zu dem Erjcheinen Odin’3 unter dem
Namen Geft bei König Heidref in der Hervararjaga
(Bugge ©. 234—264 = Getspeki Heidhreks). Auch
hier wird Odin zuleßt erfannt und der König fchlägt
mit feinem Schwerte nad). ihm; Odin aber entfliegt
als Falke. Aus diefen verfchiedenen Faſſungen des-
jelben Stoffes ergiebt fi, wie jhon B. E. Müller **)
mit Recht ſchloß, daß der Grundftoff älter ift; ferner,
*) Sagabibliothef 2,116 ff. = Lange ©. 82 ff.
xx) GSagabibliothef 2,119 = Lange ©. 86.
z LXIX
daß der bei einem chriſtlichen Könige erjcheinende
langlebige Heidenrede urfprünglid Odin felbit tar.
Tie Sage Tnüpfte fi) an die beiden Olafe, wahr:
ſcheinlich zunächſt an den erſten Dlaf (Tryggpafon),
der zuerſt mit der Einführung des Chriſtenthums
energiſch durchdrang.*) Mit dieſem Stoffe ſcheint
ſich ein anderer älterer Sagenſtoff verbunden zu
haben, die Sage von dem Lebenslicht **), für deren
hohes Alter die Uebereinftinnmung mit der Meleager-
fage zeugt (j. ©. 395*. Da nun fon in der
Heimskringla (Dlaf’3 Saga Tryggvafon’s, Kap. 71)
Odin ebenfall3 ohne Namen, einfach als „der Gaſt“
(gestr) bezeichnet, bei Dlaf Tryggvaſon erfcheint und
diefem zu feiner Freude Geſchichten aus dem Helden-
zeitalter erzählt; da andererjeit3 der Mann mit dem
Lebenslicht fi) Nornen-Gejt nennt: fo fcheint die
Verbindung der beiden Stoffe ſich in einer Zeit voll-
zogen zu haben, al3 die Geſchichte von Erjcheinen
eines alten SHeidenreden (urſprünglich Odin's) bei
einem chriſtlichen Könige ſich ſchon an die Berfon
des erjten Olaf geknüpft Hatte. Die ältefte Faſſung
des Stoffes in diefer Geftalt liegt in der Heims⸗
fringla (j. oben) vor. Da der Gajt in unferer
*) Dies ift auch PB. E. Müller’ 3 Meinung.
**) Dies iſt die Anfiht Wilken's (S. XCIX), der idy
zuitimme.
LXX
Faſſung getauft werden fol, kann er natürlich nicht
al3 Odin, der als böfer Geift aufgefaßt wurde, ein-
geführt werden. Schon Willen ©. C hat richtig
bemerft, daß dieſe Seite im Weſen des ſeltſamen
Sremdling3 fich in der Erſcheinung des Mlfen ©.
345 ff. abgezweigt hat.
Mag nun die Geichichte von Nornageft als
vormal3 jelbjtändige Geſchichte von Dlaf feiner Saga
einverleibt oder erſt mit diefer Saga entftanden fein;
mag jie in urfprünglicher Gejtalt oder ſchon bear-
beitet und interpolirt vorliegen: ſchwerlich wird bei
der Alter3frage die vorliegende Geſtalt de3 thättr
von der großen Olafsſaga getrennt werden fünnen.
Dieje ift aber nah RK. Maurer *) etwa um 1300,
etwas früher oder etwas fpäter verfaßt. In diefer
Zeit hätten wir alſo auch die Geſchichte von Norna-
get, wie fie und vorliegt, entjtanden zu denfen,
wenn nicht erjt eine fpätere Bearbeitung der Saga
die Epiſode einjchob. **)
Einige ganz allgemein gehaltene Bemerkungen
über die nordiſche Geftalt der Nibelungenfage, ihre
*) Weber die Ausdrücke: altnordifche x. Sprache, S. 192.
**) Sie iſt nämlich außer in der interpolirten Flateyj-
arbök nur in S erhalten.
LXXI
Geſchichte uud ihr Verhältniß zu den deutſchen Sagen-
fafjungen mögen diefe Einleitung jchließen.
Die Nibelungenfage liegt und in drei Haupt-
geftaltungen vor:
1) der nordifchen, mit der wir es hier zu thun
haben;
2) der niederbeutfchen, hauptſächlich in der alt=
nordischen Thidrefsfaga *) erhalten, welche
bald nad) 1250 in Norwegen nad) nieder-
deutſchen (genauer niederſächſiſchen) Sagen
und Liedern niedergefchrieben ift [überjegt in
Bd. 1 und 2 diefer „Heldenfagen“];
3) der oberdeutihen, hauptſächlich repräfentirt
durch das Nibelungenlied und die verwandten
mittelhochdeutjchen Heldengedichte. **)
Die niederdeutjche und oberdeutiche Sagenfafftung
laſſen fich der nordifchen gegenüber als .die deutſche
Sagengeftalt zufammenfajjen, injofern nämlich umter
Anderm namentlih eine weſentliche Umgeftaltung
der Sage***) beiden gemeinſam ift.
*) Hier doch vielfach mit oberdeutfcher Sage untermiſcht.
**) (Eine befondere Stellung nimmt das Sigfridglied ein
und der fog. „Anhang zum Heldenbuch“. (Nach Müllenhof,
9. Zſchr. 23, 155 vertreten fie die fpätere rheinfräntijche
Veberlieferung.) Beſonders alte Züge des Mythos haben
die Märchen erhalten 2c.
***) S. "unten © LXXIX |.
LXXII
-
Diefen Vorbemerkungen folge ein in großen
Zügen entworfener Abriß der Geſchichte der Ni-
belungenfage bis zu der Geftaltung, welche fie in den
ülteften nordiſchen Quellen zeigt.*)
Uralt ift die eigentliche Sigfridsſage. Sie be—
ruht auf einem Naturmythos. Weder Baldr noch
Frey, mit deren nordiſchen Mythen die Sigfridäjage
auffallende Uebereinſtimmung zeigt**), it in Gig-
frid vermenschlicht, fondern der Mythos reicht in
eine Beit zurüd, da Wodan als Himmels- und
Sonnengott noch alle die Mythen auf fich vereinigte,
welche fpäter durch Spaltung 3. Th. auf Baldr und Frey
übertragen wurden: Sigfrid ijt eine Hypoſtaſe Wo-
dan’3, d. h. durch Abzweigung einer Seite vom Weſen
des Gottes wie fo viele andere Götter- und Helden-
gejtalten entitanden. Am meiften entjpricht der
Sigfridsfage der Mythos in dem eddilchen Liede
Fjölsvinnsmäl, der feinen beitimmten Gott nennt,
aber den Skirnismal nahe ſteht. Dieſem Mythos
entjprechen unfere deutjchen Märchen, die wir „Sig:
*) Dieje Darjtellung beruht auf jahrelanger, eingehnder
Beichäftigung mit der Sage. Die Motivirung einzelner
Punkte muß ic) mir aber für eine andere Gelegenheit vor-
behalten.
x**) Namentlich) mit dem Freymythos in den Skirnismäl.
LXXIII
fridsmärchen“ nennen*), in vielen Zügen noch auf—
fallend. **) Aus ihnen in Verbindung mit den
anderen Quellen ergiebt fich folgende Grundform
der mythiſchen Sigfridsfage: Sigfrid wächſt im
Walde auf, tödtet den Drachen mit einem bejondern
Schwerte, gewinnt den Hort und erlöjt die Jung⸗
frau. Dann geräth er in die Gewalt dämonifcher
Vejen***), der Nibelunge, die ihn mit Zauber (durch
einen Liebeötrunf) in ihr Neb Ioden, die erlöfte
Sungfrau für fi) erwerben und den Hort durd)
Sigfrid’3 Ermordung wieder an jich bringen. Diefe
Dämonen (Alben) find nämlich im lebten Grunde
diefelben Nibelungen wie die, aus deren Gemalt
Sigfrid die Jungfrau befreit und denen er den Hort
abgewinnt.
Sp die Grundform der mythiſchen Sage, die
ſich immer menfchlicher, immer mehr zur reinen
Heldenfage geitaltet. Die Nibelunge werden zu
rheinischen Königen, doch an Hagen haftet noch das
*) Namentlich bei Grimm n° 50. 60. 90. 91. 92. 93.
111, vgl. Raßmann, Heldenjage 1, 360 ff.
**) Diefen Punkt denke ich bald einmal eingehnder zu
behandeln und verweife vorläufig auf Chevalier, Das eddifche
Lied Fiöljvinngmal (Mies 1874), ©. 6. 15 ff.
*x*) Vermenjchlicht erjcheinen dieje in den Märchen als feine
faljchen Brüder, in der nordifchen Sage als feine Bluts-
brüder.
LXXIV
dämoniſche Weſen. Er ift Daher nur ein Halb-
bruder*) Gunther’d. Seine albiſche Abftammung
wird in der Thidreksſaga Kap. 169 (I, ©. 1 f.)
erzählt und blidt dort auch ſonſt noch deutlich genug
durch. Auch Grimhild- Gudrun muß urjprünglid
ein dämonifches Wejen, eine Albin oder ee, ge
wejen fein, die Sigfrid mit Zauber an fidh feljelte. **)
Der Bergefienheitätrant, der urjprünglich gewiß ein
Liebestrank war, ift ein Reit davon. Mit der Zeit
ward aus der Albin eine jchöne Königstochter, und
dad dämoniſche Weſen ging ganz auf die Mutter
iiber. So fommt es, daß in der deutfchen Gage
die Tochter, in der noxrdifchen Aber die Mutter
Grimhild Heißt. Diefe reicht den Bergefjenheits-
trank. Daß aber urjprünglid) ein Liebestranf ge-
meint war, zeigt ©. 125, 15 f. verglichen mit dem
färöifchen Brynhildliede 116. 137 ff.
Sp ungefähr mochte in ihrer rheinfränfischen
Heimath die Sage fich ausgebildet haben, als aus
dem burgondifchen Nachbarreiche**) im Sahre 437 die
Kunde kam, daß die Burgonden unter König Gundi-
*) Im Wealtharius wird Hngen von König Gibich ftatt
feines eigenen Sohnes vergeijelt.
**) Hier berührt fih die Tannhäuſerſage mit unjerm
Mythos.
***) Die Burgonden jagen damals um Worms, welde
Site fpüter die Franken einnahmen.
LXXV
carius (—=Gunther) von den Hunnen gänzlich ge-
Tchlagen worden und ihre Königsfamilie beinahe völlig
vernichtet.*) Dieſes Ereigniffes bemächtigte ſich die
Sage Sn der Sage war ed natürlich Attila felbit,
der dad Königshaus der Burgonden vernichtet Hatte.
Und wieder nach etlichen Jahren (453) drang eine
gewaltige Kunde durch Die deutfchen Lande: Attila
war in der Hochzeitönacht neben feiner jungen Ge—
mahlin Ildico (d.' i. Hildifo, Deminutiv zu Hilde) in
feinem Blute ſchwimmend todt gefunden worden:
trunfen wie er war, war er an einem Blutſtrom, der
ihm Häufig aus der Nafe drang, erjtidt. Bald aber
hieß es ſehr erflärlicher Weiſe, Attila jei trunfen von
feiner Gattin ermordet worden, natürlich aus Rache.
Aber was Hatte fie zu rächen? Diefe Frage beant-
wortete die Sage verjchieden. Eine Ueberlieferung lau=
tete, fie habe ihren Vater gerächt, dem Sie entführt fei.**)
In der Heimath unferer Sage aber dachte man an den
ungerochenen Untergang der burgondifchen Könige durch
Attila. Hier traf Attila eine Rache ohne Motiv. Was
Wunder, daß man beides verband: Hildifo (Hilde)
batte die Burgondenfönige, ihre Brüder, an Attila
gerächt.
*) Bgl. Herm. Fiſcher, Die Forſchungen über das Nibe-
lungenlied ꝛc., ©. 96 f.
*)®. Grimm, HS. ©. 9.
LXXVI
Nun beitanden zwei Sagenkreiſe nebeneinander:
der von den nibelungifchen Rheinfönigen mit einer
Schweiter (Grim-) Hilde*), und der von den bur-
gondiſchen Rheinfönigen, unter denen Gibich, Gunther,
Gifelher Hiftorisch find, ebenfalls mit einer Schweiter
Hilde. Beide Sagenkreife wurden nun mit einander
verſchmolzen, wozu wahrjceinlich die Gleichheit des
Namens Gibih**) in beiden Sagenkreiſen beitrug.
Sp verwuchs die hiſtoriſche Burgundenjage mit der
mythiſchen Sigfridsfage oder Nibelungenjage Das
Bindeglied zwiſchen beiden freilich nur loſe verbundenen
Theilen bildete der unheilvolle Hort, der wie Sigfrid
jo au feine Schwäger ind Verderben zog, indem
Attila ihnen um ded Horte willen nachſtellte.
Der zweite Theil der Sage, die urfprünglide
Burgondenfage, glich der alten Sage von Sigmund,
Siggeir und Signy in weſentlichen Punkten. Co
fam e8, daß bei der weiteren Ausbildung im Ein
zelnen der Stoff jener Sage nachgebildet ward
(ſ. ©. 13***) Doc kann daneben auch rüdwirfender
—
*) Der zweite und Haupt-Theil de8 Namens kann ſtatt
des ganzen Namens ftehn, wie Bera jtatt Kojtbera; aud)
Hild (Hilde) für Brynhild kommt vor.
**) Gibich ift ein mythiſcher Name, vgl. die Gibichenfteine;
ein Zwergkönig im Harz heißt jo (Germ. 3, 171) x.
Lachmann vermuthete auch einen mythiſchen Gunther.
LXXVII
Einfluß der Nibelungenfage auf jene hier und da
jtattgefunden haben (vgl. 3. B. ©. 34*).
Bald nad) der Verbindung mit der Burgonden-
jage* muß die Nibelungenfage au ihrer rhein-
fränfiihen Heimath nach dem Norden gekommen fein,
wahrſcheinlich vor dem Ende des 6. Jahrhunderts.**)
Dort hat fie dann manche eigenartige Weiterbildungen
erfahren.
Zunächſt ward fie mit der Sage von Helge dem
Hundingstödter, der auch Sigmund's Sohn ward,
verbunden.***) Dadurch kam Sigurd’3 Vaterrache,
welche der Helge's nachgebildet iſt, in die Sage;
vielleicht auch der Stiefvater Alf ſowie Hjalpreff),
*) S. Germ. 23, 86 ff.
”*), Die Gefchichte der burgondijchen Königstochter Chrode-
hild (ſ. Fiſcher, Forſchungen üb. d. Nib.-Lied x. ©. 100 f.)
ſteht ſchwerlich außer Beziehung zu der ſpeciell-deutſchen
Umgeltaltung der Sage, welche die Burgondenkönige durch
die Rache ihrer Schweiter fallen läßt; mag nun die Sagen
bildung durch die Gejchichte oder umgefehrt die Darftellung
Gregor’3 von Tours [dev im letzten Viertel des 6. Sahr-
hunderts jchrieb] von der ſchon umgeftalteten Sage beeinflußt
jein (vgl. Rieger, Germania 3, 198). Daß die betreffende
Umgeftaltung in der Sage ſelbſt begründet war, f. unten
+) Bol. Sijmons, Zur Helgifage (Beitr. 4, 166 fj.).
FT) Der Name Hjalpref (Chilperich) ift allerdings fränkiſch,
und mag Hialprek früher in der Sage eine andere Ber:
wendung gefunden haben.
LXXVIII
die nur die Vaterrache ermöglichen, nachher aber
völlig verſchwinden. Die ältere Faſſung der Sage,
der zu Folge Sigurd ohne ſeine Eltern zu kennen im
Walde bei Regin aufwächſt (wie im deutſchen Sig—
fridsliede) bricht noch zuweilen durch; |. ©. 65*.
84***. 359**.
Sodann hat ſich die Geſtalt Brynhild's in eine
Sigrdrifa und eine Brynhild geſpalten (ſ. ©. 413°)
von denen Sigrdrifa die von Odin in Schlaf ver:
ſenkte Walkyrje ‚blieb, Brynhild aber zur menjchlichen
Königstochter ward. Daß diefe Scheidung nicht überall
conjequent durchgeführt werden Konnte, iſt begreiflid).
Hogne (Hagen) ift zum rechten Bruder Gunnar's
(Gunther’3) geworden. Die heldenhafte Seite feines
Wejend iſt bier beſonders betont, er ift durchaus
edel aufgefaßt *) und zum befjern Bruder geworden,
jo daß beide vielfach geradezu die Rollen getauſcht
haben. Die finftere Seite ſeines Weſens Hat fi in
Gutthorm abgezweigt, der, wie Hagen urfprünglid
Stiefbruder (j. ©. 155*, an deſſen Stelle den
Meuchelmord ausführt.
Weiteres **) anzuführen unterlafje ich, meil &
*) Aehnlich übrigens auch in der Thidrelsfaga.
**) Auf die Entitehung des doppelten Flammenrittes
(der nicht echt fein kann), und was damit zujfammenhängt,
kann ich bier natürlid) nit eingehn.
LXXIX
bier zu weit führen würde. Doch fei noch hervor:
gehoben, daß die Verbindung mit der (wahrſcheinlich
erft im 9. Jahrh. nah dem Norden gefommenen)
Ermanrichsſage — übrigens eine fpäte und loſe
Verbindung — ausſchließlich nordiſch .ift. Urſprüng—
lich fand natürlid Gudrun den nach Atle's Ermor—
dung geſuchten Tod, wie ja.aud: Signy.
Inzwiſchen Hatte in Deutichland fich eine weſent⸗
liche Umgeftaltung der Sage vollzogen. Sehr nahe
lag es, daß Sigfrid’3 ungerochener Tod von Ebel
(Atle) als Vorwand zum Tode der Brüder benutzt
werden fonnte, obwohl Habgier fein eigentliches
Motiv war. ‚Eine intereffante Spur diejer Auffaſſung
Habe ich Vols. ©. 190% nachgewiefen. Davon kam
man leicht zu der andern Auffaffung, daß Grimhild
(Gudrun) für den Tod Sigjrid’3 an ihren Brüdern
Rache nahm, inden fie Ebel in feiner Habgier als
Werkzeug benutzte. Spuren diefer Auffafjung finden
fih in der Thidrefsfaga (f. Germ. 23, 93). Dieſe
Unngeftaltung ward durch das Berblaffen der Wal-
fgrjengeftalt Brynhild's in der deutſchen Gage er-
leichtert, injofern ſtatt der Verlegung ihres jchid-
falbeftimmenden Eided durch Sigurd’8 Betrug einfad) -
Eiferfucht und verlegter Stolz als Brynhild's Motiv
erfchienen, und jomit Sigfrid unſchuldig fiel, mo-
durch die Rache nahegelegt ward. — Natürlich mußte,
LXXX
jobald Grimhild (Chrimhild) mitjchuldig war, ein
. anderer Rächer eintreten: der nachgeborne Sohn
Hogne's. Als fie aber allein fchuldig war, mußte
die Rache fie jelbft treffen: dieſe fiel dem, inzwiſchen
an Etzel's Hof verjebten Dietrich von Bern zu.
Die fo veränderte Sage muß danıı etwa im
9. Jahrh. nochmals nad) dem Norden gekommen
fein *) und beitand dort neben der älteren Schicht
der Sage. **) Einzelne der erhaltenen (und wahr:
ſcheinlich auch der verlorenen) Lieder folgen ihr. Im
dritten Gudrunlied liegt eine feltfame Vermiſchung
beider vor (ſ. Germ. 23, 340 f.).
Beide Schichten der nordischen Sagenüberlieferung
Itammen alfo aus Teutjchland und jtellen beide ältere
Stufen der Sagenentwidelung dar als die in Deutjd-
land felbft erhaltenen. Doc hat fi) namentlich die
ältere Schicht im Norden eigenartig weiter entwidelt,
bietet alſo die deutfche Sage nicht in veiner Geftalt.
*) Bgl. Germ. 23,86 ff.; Zſchr. f. d. Phil. 12,96 j.
*) Diefer jüngeren Schicht gehört unter Anderm ol:
gendes an: Sigurd wird im Freien ermordet, wahrſcheinlich
von Gunnar und Hogne; Hogne ſelbſt meldet Gudrun Die
. That; das Anzünden der Halle und Anderes in Akv.; da?
Auftreten Thjodret’3 (Dietrich’3), der jeine Mannen bei dem
Kampfe verloren bat, und der Herkja (Heldje), ſowie nod
manches Andere, namentlih auch wo die Volſungaſaga
verlorenen Liedern ent|pridt.
Die Saga
von den Holfungen
und von
Ragnar Lodbrok.
— — — —
X
Bolfunga-Baga.*)
Erftes Kapitel. **)
Hier wird angehoben und gejagt von dem
Manne, : der Sige genannt war, daß er Odin’d Sohn
hieß. 2 Ein anderer Mann wird in *** der Saga
genannt,. der Sfade hieß; er war ein mächtiger und
bornehmer Mann. 2 Dennoch war Sige von ihnen
der mächtigere und vornehmere nad) der Rede der
Leute in jener Zeit. | Skade hatte einen Knecht, deſſen
in der Saga furz zu erwähnen it; der hieß Brede.
*) Die Ueberfchrift findet fich nicht in der Handſchrift. Die
dort einjt vorhandene Weberjchrift iſt gänzlich verwiſcht,
begann aber nad) Bugge wahrſcheinlich mit G.
*) Denfelben Gegenitand behandeln die Volsungs-rimur
Str. 51—100 theilmweije ee ſ. d. Einl.
"er, Eigentlich: „in Bezug auf.
1) Vols. rim. 51. — 2) rim. 53, wo Stade als Niord’8 Frau gedacht,
alio mit der Göttin Stade identificirt wird.
: 1*
—
Er zeigte ſich verſtändig in dem was er zu verrichten
hatte. Er beſaß Fertigkeiten und Geſchicklichkeiten
gleich ſolchen, die vornehmer erſchienen, ja wohl noch
etwas mehr als manche.
Es iſt nun zu berichten, daß Sige einmal auf
die Thierjagd ging, und der Knecht mit ihm?; und
fie jagten den ganzen Tag bid zum Abend. ALS fie
aber am Abend ihre Beute zufammen brachten,
da hatte der Knecht weit mehr erjagt *), denn Sige. >
Diefed gefiel ihm gar übel*, daß ein Knecht 84)
beſſer gejagt haben follte [al3 er, oder mehr Thiere?]
erlegt. [Er jagte,] daß es ihn [mwundre, daß ein
Knecht ihn bei der Thierjagd übertreffen follte ...].**)
[Lief darauf] Hinzu und | erfcälug den Brede; [jodann
begrub er die Leiche in einer Schneewehe]. ®
Nun kam er am Abend heim ®, und fagte, daß
*) Die Handichrift ift von bier biß zum Ende des Ab-
jage8 nur nod zum Theil lesbar. Zur Ergänzung
der Lücken benute ich theilweiſe die jungen Papier:
abjehriften, wenn diejelben auch keinerlei Gewähr für
die Echtheit ihrer Ueberlieferung bieten. Vgl. übrigens
Vols. rim. 54—59, beſonders 57 ff.
**) Hier folgt eine kurze Entgegnung Brede’3, die -gänz-
lich unleſerlich ift.
1) Ball. rim. 54. — 2) rim. 56. —— 8) vgl. rim. 57. — 4) rim.
58,1—2. — 5) rim. 58,3—59,1. — 6) rim. 60,1.
w
9]
Brede im Walde von ihm geritten wäre, „und er
war mir auf einmal aus den Augen verſchwunden,
und weiß ich nicht3 von ihm.“ 1 Skade hegte gegen
Sige's Rede Argwohn [und meinte], es werde Trug
von ihm fein, und Sige werde ihn erfchlagen haben. ?
Er jtellte Leute dazu an*), ihn zu ſuchen, und das
Ende ihres Suchens war, daß fie ihn in einer
Schneewehe fanden. ? Und Sfade fagte, daß man
Diefe Schneewehe fortan Brede's Schneewehe nennen
ſollte. Und da3 hat man beibehalten und nennt
jede Schneewehe jo, die groß ijt. *
Da ward es ruchbar, daß Sige den Knecht er-
Ihlagen und ermordet hatte, und | man nannte ihn
vargr i veum**), und konnte er nun nicht länger
daheim bleiben bei feinem Water. 5
-Odin geleitete Sige nun au dem Lande fort,
*r Eigentlich: „er jchaffte, bejorgte ...“
=D 5 „Wolf in den Heiligthümern”. Wer den Tem-
pelfrieden ebrad) oder andere ſchwere Unthaten beging,
ward geächtet und hieß vargr (d. h. Wolf, Räuber),
„weil der Verbannte glei) dem NRaubthiere ein Be-
mwohner des Waldes ift und gleich dem Wolfe ungejtraft
erlegt werden darf.” (J. Grimm, Rechtsalt. 733);
vgl. Helg. Hund. II, 32, 3 ff.
1) Abweichend rim. 61—62. — 2) rim. 60,3—61,1 und 68. — 3) rim.
66. — 4) rim. 68,3 f. — 5) rim. 69.
6
einen jo langen Weg!,; daß e3 bedeutend war *),
und nicht eher ruhte er, als bi3 er ihm zu Heer-
Ichiffen verhalf. | Nun begann Sige fi auf Heer:
fahrten zu legen, mit dem Gefolge, welches fein Vater
ihm gegeben Hatte, ehe er von ihm fchied, und er
war fieghaft auf feinen Heerfahrten.? Und fo gedieh
feine Sache, daß er ſchließlich Lande und Reich er-
oberte. **) 3 Demnädft nahm er fi) eine vornehme
Frau* und ward ein mächtiger und gewaltiger König;
er herrichte über 85) Hunenland, und war ein ge
- waltiger Heermann. 5
Er hatte einen Sohn mit feiner Frau, der hieß
Reri; er wuchs da auf bei feinem Vater, und ward
bald groß von Wuchs und tüchtig. ©
Nun ward Sige ein alter Mann an Jahren.
Viele waren ihm abgünftig, jo daß am Ende die
gegen ihn aufitanden, welchen er zumeijt traute; dad
*) at störu bar (C.-V. 60°). Vielleicht entfernte ihn
Odin urjprimglic in feinem Mantel durch die Luft,
wie den Hading bei Saro Gr., ©. 40f. Weber viel-
fache Nachklänge dieſes Glaubens in deutfchen Sagen
ſ. Simrod, Handbuch d. deutfchen Mythol. 866.
**) Vgl. rim. 71,3 ff. (Oder: „im Stande war zu beeren
in ...“?)
1) Bgl. rim. 70,1—2. — 2) vgl. rim. 70,3—71,1. — 3) rim. 71,3 f. —
4) rim. 72—76, ausführlicher. — 5) vgl. rim. 77. — 6) vgl. rim. 78.
7
aber waren die Brüder feiner Frau.! Sie über-
fielen ihn*), da er e3 ſich am mindeiten verſah und
er wenig Mannen um ich Hatte, und übermältigten
ihn mit Uebermacht und in diefem Treffen fiel Sige
mit all jeinem SHofvolfe. ?
Sein Sohn Reri war nicht mit in diefer Ge-
fahr. **) Er erhielt ein jo großes Heer von feinen
Freunden und Landehäuptlingen?, daß er ſowohl
Land wie Königthum nach feinem Vater Sige in
Beſitz nahm. * Und nun, da er glaubte in feinem
Reihe Fuß gefaßt ***) zu haben, da gedachte er an
die Streitjahe, die er gegen feine Mutterbrüder
hatte, welche jeinen Water erjchlagen Hatten. | Der
König jammelte fi) nım ein große Heer, und zog
gegen feine Verwandten aus mit diefem Heere; und
ihn dünkte, daß fie es zuvor gegen ihn verjchuldet
hätten, wenn er ihre Verwandtſchaft nun gering
achtete. }) Und fo that er: er fchied nicht eher von
*) Eigentlihb wohl: „ließen ihn überfallen” (gera til, |.
C.-V. 225*®). —
**) D. h. er war während des Ueberfalls abweſend.
rk) Vgl. Flat. 1, 3887.
F) Genauer: „daß fie ihm wohl Urſache zum Hader mit
ihnen gegeben hätten, wenn er aud) ihre Verwandtſchaft
u. ſ. m.“
1) rim. 79. — 2) vgl. rim. 80-81. — 3) rim. 82. — [4) rim 84°]
8
dannen, als bis er alle Mörder ſeines Vaters er-
ſchlagen hatte!, wie unnatürlich e8 auch in jeder
Sinfiht war. Nun eignete er fich [ihre] Lande und
Reich und Gut zu und wurde jo mächtiger denn
fein Vater. Reri machte da große Kriegdbeute? und
nahm fi eine Yrau, die ihm feiner würdig fdhien. 3
Und fie lebten lange zufammen, Hatten aber feinen
Erben und [überhaupt] Tein Kind. + Dieſes behagte
ihnen beiden übel, und fie baten die Götter mit
großer Befümmerniß, daß fie Kinder befommen
möchten. Es Heißt nun, daß Brigg*) ihre Bitte
erhörte®, und ebenfo Odin, um maß fie baten. 6
Da fehlte es ihm nicht an heilfamem Rath. Er
fandte feine Wunſchmaid **), die Tochter des Rieſen
Hrimni*), und|gab ihr einen Apfel}) in die
*, Als Göttin des Eheſegens.
**), D. h. Walkyrje. (Vgl. aber N. M. Beterien, Nord.
Mythol. ?, ©. 190.)
**x*) Auch Skm. 28,3 erwähnt und Hdl. 32,6 als Bater des
Hrojsthjof (nad) Saxo, S. 126 ein Seher) und der
Heid (nad) Vsp. 1 eine Seherin [?)).
+) Der fruchtbar machende Apfel findet ſich auch in Grimm's
Märden Nr. 47 und 53 (vgl. daf. Bd. 3, ©. 87).
Bei Grundtvig, dänische Volksmärchen, Bd. 1 (überſetzt
1) rim. 83, kurz wiedergegeben. — 2) rim. &. — 3) rim. 85—93,
viel ausführlicher und fperieller. — 4) rim. 95. — 5) rim. 96. —
6) rim. 97.
9
Hand, und hieß fie den dem Könige bringen.! Sie
nahm den Apfel, und nahm ||86) die Geftalt einer
Krähe an* und flog jo lange, bis daß fie dahin
fam, wo der König war und auf einem Hügel
jaß. **)| Sie fieß ihm den Apfel in den Schooß
fallen. Der nahm den Apfel, und glaubte zu wiſſen,
was das bedeuten follte. 2 Er ging nun von dem
Hügel heim "zu feinen Mannen, fuchte [dann] die
Königin auf, und [fie] ***) aß etwas bon dem Apfel. 3
von Leo), ©. 148 ff. giebt ein altes Weib den Rath, von
einem Strauche zu eſſen. Ebenda Bd. 2 (überf. v. Strodt-
mann), ©. 147 ff. jchidt eine alte Here einen gefalzenen
Hering, der die Geburt eine Kindes hervorruft. - Ge=
wiß iſt aljo bier Frigg die eigentliche Spenderin des
Apfel3.
*) Das iſt eigentlich gedacht als Anlegen der äußern Hülle
(Haut) eine Thieres, wodurch der Menſch zugleid) defjen
Weſen annahm. Die Walkyrjen hatten jonft Shwanen=
hemden (Hüllen).
**) Vol. Thrymskv. 4,5—5,2.
x*xx) Sp aud) Bugge. Natürlih muß die rau den Frucht⸗
barfeitsapfel genießen, wie das auch in allen ähnlichen
Füllen geſchieht.
1) ®gl. rim. 98. — 2) vgl. rim. 99. — 3) rim. 100.
10
Zweites Kapitel. *)
Es ift nun zu berichten, daß die Königin bald
empfand, daß fie mit einem Kinde ginge; es ging
aber lange Zeit fo, daß fie dad Mind nicht gebären
fonnte. ? Da begab es ich, daß Reri eine Heerfahrt
thun follte, wie der Könige Sitte ift, ihr Land zu
frieden. Auf diefer Fahrt ereignete es fich, daß Reri
frank ward und darnad) ftarb ?, und gedachte Odin
heimzufuchen **), und erſchien das Vielen wünfcheng-
werth in jener Zeit.
Nun |ging es mit der Krankheit der Königin
in derfelben Weife fort, daß fie dad Kind nicht
gebären Tonnte, und ſolches mwährte ſechs***) Winter
*) Ueberſchrift: Volſung's Geburt.
**) Nach der eddiihen Lehre kamen die im Kampfe ge=
fallenen Bornehmen oder dod Freien zu Odin nad
Walhall, um dort bei und mit ihm ihr SHeldenleben -
fortzufegen. In der Heimskringla (Anglingafaga,
Kap. 10) heißt es von Odin: „Er gab dann [in der
Schladt] den einen Sieg, die andern aber entbot er
zu fi, und ſchienen beide Looſe gut.“
***) In den Märchen jechd Monate (Grundtpig I, 193 ff.,
148 ff.).
1) rim. 101. — 2) rim. 102-103 (darnach 104—107 ohne Ent-
fpredung in der Saga).
11
hindurch, daß ſie dieſes Leiden, Hatte.! Da er-
kannte fie, daß fie nicht fange leben werde, und
gebot nun, daß man ihr das Kind außfchneiden
follte; und es gejchah, wie fie gebot. Das Kind
war ein Knabe ?, und Diefer Knabe, als er hervor
fam, war groß von Wuchſe, wie zu erwarten war.
Und es heißt, daß der Knabe feine Mutter gefüßt
habe, ehe denn fie jtarb. | Diejer Knabe erhielt nun
einen Namen und ward Volſung *) genannt. Er
war König über Hunenland nad) feinem Vater. 3
Er war frühe groß und jtark**), muthvoll in allem
dem, wobei in Gefahren Mannhaftigfeit fich be-
währen fonntee Er ward ein gewaltiger Sriegd-
mann und war fieghaft in allen Schlachten, die er
auf feinen SHeerfahrten lieferte. *
Als nun Volfung zum Mannedalter hevangereift
war, da fandte Hrimni ihm feine Tochter "Hliod,
*) Die Namensform ift eigentlich Valſe oder Välſe (mie
die angeljähf. Namenzform im Beomwulf lautet). Vol—⸗
jung bedeutet eigentlich einen Nachlommen des Valſe,
weshalb das ganze Gejchlecht „die Volſunge“ Heißt.
**) In den dänischen Märchen ift dag fo geborene Kind
frühreif (Grundtvig a. a. O.).
1) rim. 108. — 2) rim. 109-111. — 8) rim. 118,1. — 4 vgl.
rim. 115—124 (ausführlicher).
12
deren zuvor gedacht iſt, al3 fie mit dem Apfel zu
Reri, Volſung's Vater, Tam.*) Er nahm fie zur
Frau, und fie lebten lange mit einander in guter
Eintraddt. * Sie hatten zehn Söhne und eine Tochter.
Ihr älteiter Sohn hieß Sigmund, die Tochter aber
Signy: dieſe beiden waren Zwillinge, und fie waren
187) die treffliiten und in jeder Beziehung die
vielverjprechendjten unter den Kindern König Vol—⸗
fung’. Doch waren alle gewaltige Helden?, wie.
ed denn lange in der Erinnerung fortgelebt hat und
gepriefen worden it, welch’ überaus ftreitbare Män-
ner die Volſunge geweſen find und [wie fie] auch
die meiſten Männer übertrafen?, deren in alten
Sagen gedadt wird, jowohl an Weisheit wie an
Künſten und thatkräftigem Streben in jeder Hinficht.
Es wird gejagt, daß König Volfung eine Statt
fihe alle bauen ließ, und zwar in der Art, daß
|eine mächtige Eiche in dem Saale ftand, und die
Bmeige des Baumed in friihem Grün über da3
Dach des Saale Hinausragten, der Stamm aber
*) Im Halbgöttlichen Weſen der Walkyrjen liegt e2, daß fie
nicht jo altern wie die Menjchen. Aehnliches berichtet‘
die Helg. Hj. 6 ff. von der Walfyrje Svava.
1) rim. 125—126 („Odin fandte dem Yürften Hliod“). — 2) rim.
137. 129—130. — 3) vgl. rim. 131. 134.
13
ftand ımten in der Halle*), und nannten fie das
„Kinderftamm“. **) 1
Drittes Kapitel. ***)
Siggeir hieß ein König, der herrſchte über
Gautland F);. er war ein mädhtiger König, und
zahlreih war fein Kriegdvol. Er fuhr zu König
Bolfung ? und bat um Signy's Hand. ? Der König
nahm dieſen Antrag wohl auf,‘ und ebenjo feine
*) Eigentlih: „Reichte hinab in die Halle.”
**) Barnstokkr oder branstokkr Hodſchr. [botstokkr (?),
rim). Den Namen bringt man mit dem Glauben zu=
fammen, daß die Kinder von Bäumen kommen (Sim⸗
od, Myth. 8 17); ob mit Recht? — Aehnlich dachte
man die Zweige der Weltefche Walballd Dad) überragend.
6) Ueberſchrift unleſerlich. Im Folgenden gleicht die Sage
offenbar fehr der unten (Kap. 32 ff.) berichteten von
Gudrun’3 Vermählung mit Atle, der heimtückiſchen Ein-
ladung ihrer Brüder durch diefen und ihrer Bruderradhe
an ihm. Der Grundftoff jener Sage war der Sage
von Signy und ihren Brüdern von Haufe aus ähnlich.
In der weitern Ausbildung des Stoffes aber hat ihm
unſere Sage jedenfalld als Vorbild gedient. Ich weile
unten in einzelnen Anmerkungen (mit Ziffern) auf
die übereinftimmenden Züge Hin.
T) Götaland in Südſchweden.
1) gl. rim. 142—143. — 2) rim. 185. — 3) rim. 186- 187.
14
Söhne; aber | fie ſelber war de3 unluftig, doch hieß
fie ihren Vater darüber entfcheiden, wie über [alles]
andere, was fie beträfe. Dem König aber gefiel der
Rathiehluß, fie zu vermählen, und fie ward dem
König Siggeir verlobt. ! Und wenn diefe Hochzeit
und Heirath vollzogen werden follte, jollte Siggeir
zu König Volfung zum Oaftmahle fommen. ?
Der König rüftete die Hochzeit nad) beiten
Kräften zu. | Und als das Gaftmahl bereit war,
famen die Gäfte König Volſung's und König Sig-
geir’3 an dem beftimmten Tage dorthin; und Hatte.
König Siggeir manchen vornehmen Mann bei fich.
Es heißt 188), daß da große Feuer angezündet waren
die Halle entlang; | der große Baum aber, defjen
zuvor gedacht ift, ftand mitten in der Halle. * Nun
wird erzählt: al3 die Männer Abends bei den Feuern
faßen, | trat ein. Mann herein in die Halle, der war
ihnen unbefannt von Anfehen. Diefer Mann war
auf folhe Weife angethan: er hatte einen gefleckten
Mantel um, er war barfuß und Hatte Linnenhojen
an, die am Bein zufammengefnüpft waren; er hatte
ein Schwert in der Hand und trat [damit] an den
„Kinderſtamm“; einen n [in das Geficht] Herab-
1) Vgl. rim. 1388. — 2) rim. 139. — 3) vgl. rim. 140. 142,3 f. 144. —
[4) rim. 142 f.]
15
reichenden Hut hatte er auf; jehr hochgewachſen war
er und alt und einäugig.*)! Er ſchwang das
Schwert und ftieß e8 in den Stamm, fo, daß das
Schwert bi? an das Heft hinein fuhr.* Allen
Männern verfagte die. Stimme, diefen Mann zu bes
grüßen; da nahm er dad Wort und ſprach: „Wer
dieſes Schwert aus dem Stamme zieht, der joll es
von mir als Gejchent empfangen ®; und er wird
da3 jelber beftätigen, daß er niemald ein beijer
Schwert in feiner Hand trug, denn dieſes ift.“ |
‚Hierauf verließ der alte Mann die Halle*, und
wußte niemand, wer er war oder wohin er ging. |
Kun ftanden fie auf und ließen fi nicht fäumig
finden *), das Schwert heraus zu ziehend, und
dünkte fich der am beften daran zu fein, der zuerft
Dazu kam. | Da gingen die vornehmſten Männer zuerft
*) Es iſt Odin, der, wenn er in menfchlicher Geſtalt er«
fcheint, ftet3 als ein Hochgewachjener Greis gejchildert
wird, einäugig, den breiten Hut tief ins Geſicht ge=
drückt und in einen weiten blauen oder blangefledten
Deantel gehüllt.
x) Nach Bugge eigentlich: „jte überließen es nicht einer
dem andern.” Doch iſt die Erklärung zweifelhaft, vgl.
Gräg. 1, 50°°,
1) Bal. rim. 145—147. — 2) rim. 148. — 3) rim. 146,2. 148,4—149,2;
Adi. 2,7f. — 4) rim. 149,3 f. — 5) rim. 151,1 f.
16
hinzu, darnach einer nach dem andern. Seiner aber
fam, der e8 hätte herausziehen fünnen, denn e8 rührte
ſich nicht im geringften, als fie es angriffen.! Da
trat Sigmund hinzu, König Volſung's Sohn, ergriff
das Schwert und zog ed aus dem Stamme?, und
es war als wenn es 103 da läge vor ihm. Diefe
Waffe jchien allen fo gut, daß niemand glaubte ein
eben jo gutes Schwert [je] gefehen zu Haben; | und
bot [Siggeir] ihm an, das Schwert dreifach mit
Gold aufzumägen. Sigmund [aber] fagte: „Tu
fonnteft dieſes Schwert ||89) ebenfo gut nehmen, mie
ich, da wo e8 ſtak, wenn dir ziemte es zu tragen;
nun aber erhältft du es nimmer ?, da es zuerjt mir
in die Hand kam, ob du auch alles Gold dafür
bieteft, daS du haſt.“ König Siggeir erzürnte fi
über diefe Worte *, und ſchien ihm fchimpflich ge
antwortet zu fein. Weil er nun von Charakter ein
gar heimtüdiicher Mann war, jo that er, als wenn
er um dieſe Rede fich nicht kümmerte; aber denfelben
Abend [noch] erfann er die Vergeltung dafür, zu der
e8 nachher Fam.
%
1) rim. 150. — 2) rim. 151,3f. — 3) rim. 152,1 f., kurz wieder⸗
gegeben. —— 4) rim. 152,3 f. N
17
Biertes Kapitel. *)
Nun ift zu berichten, daß König Siggeir diefen
Abend mit Signy Beilager hielt. | Am nächften Tage
aber war dad Wetter günftig, da fagte König Siggeir,
daß er heim fahren, und nicht warten wolle, bis
der Wind wüchfe oder die See unfahrbar werde.
Es verlautet nicht, daß ‚König Volfung oder feine
Söhne ihn abhielten, zumal da er fah, er wolle
nicht anderd als die Hochzeit verlaffen.
Da ſprach Signy zu ihrem Vater: „Nicht
möchte ich hinweg fahren mit König Giggeir: |
nicht will mein Herz ihm entgegenladhen, und in
Solge meine Ahnungdvermögend, wie es unferm
Gefchlechte angeerbt ift, weiß ih, daß aus Diefer
Heirath uns großes Unheil erwachſen wird, wenn die
Abrede nicht fchleunig gebrochen wir"? „Nicht
jollft du alſo fprechen, Tochter,” fagte er, „denn es
wäre eine große Schmad für ihn ſowohl wie für
und, fie ohne Grund zu brechen; auch haben wir
dann feine Treue und Freundſchaft bei ihm, wenn
*) Meberfchrift unleferlih: Sfiggeir] fährt [heim ()).
[1) rim. 168.) — 2) Ebenfo weigert fi} Gudrun zuerft, Atle zu fols
gen, weil fie Unheil vorausfieht, |. u. Kap. 32 Ende. „Nicht wollte
ihr Herz ihm entgegenlachen“ heißt e8 auch von Gudrun die gleiche
Wendung Kap. 29, Abi. 6.
2
18
wir fie brechen, und er wird es un übel vergelten,
joweit er vermag. Das allein ziemt fi, es zu
halten von unferer Seite.‘
| Nun rüjftete ſich König Siggeir zur Heim—
fahrt; bevor fie aber von dem Gaftgebot fuhren,
ladete er König Volſung, feinen Schwiegervater, und
alle feine Söhne zu ſich nad Gautland über drei
90) Monde ſammt allem. dem Gefolge, daS er
mit fi nehmen wollte und feiner Würde angemeſſen
wäre. König Giggeir wollte damit nachholen *),
was hier an der Hochzeits-Feier gebrach, da er nicht
länger bleiben wollte al3 eine Naht, während es
doch nicht der Leute Sitte ift fo zu Handeln. | Run
verhieß König Volfung die Zahrt, und am beftimm-
ten Tage zu fommen.? Da ſchied der Schwiegerjohn
bom Schwiegervater, und fuhr König GSiggeir beim
mit feiner Frau. ?
Fünftes Kapitel. —
Nun iſt zu ſagen von König Volſung und ſeinen
Söhnen, daß ſie zur verabredeten Zeit gen Gautland
*) Eigentlich: „leiſten“ (gjalda).
**) Ueberſchrift: König Volſung's Fall ... (das übrige iſt
unleſerlich). |
1) rim. 163 - 164. — 2) rim. 155. — 8) rim. 153,3.
19
fuhren zum Gaftgebot König Siggeir’s, ihres Schwa-
gerd, und fuhren mit drei Schiffen vom Lande,
und waren diefe alle wohlgerüftet. Sie hatten eine
recht glückliche Fahrt und famen mit ihren Schiffen
nad Gautland; da war ed ſpät am Abend.
Denfelben Abend | kam Signy, König Volſung's
Tochter, und berief zu fich ihren Vater und ihre
Brüder zu einem Sondergeſpräch und ſagte ihnen
ihr umd König Siggeir's Vornehmen, daß er ein
müchtiges Heer zujammengezogen habe, „und ſinnt
euch zu verderben. Nun bitte ich euch (fagte fie),
daß ihr alsbald wieder in euer Reich fahret?, und
jammelt euch ein möglichit ſtarkes Heer, und fahrt
dann ber und rächet euch ſelbſt; und geht nicht in
diefe Gefahr, denn nicht entgeht ihr feinem Verrathe,
wenn ihr nicht zu der Lift greift, die ich euch vor—
Ihlage. 3? Da jprad König Bolfung: „Alle Welt
wird davon jagen, daß ich [noch] ungeboren ein Wort
ſprach *), und das Gelübde that, | daß ich weder Feuer
no Eifen Furcht halber fliehen wollte: und fo Habe
*) In einem däniſchen Märchen (Grundtvig-Leo, ©. 148 ff.)
fann die ebenfo wunderbar geborene Prinzeffin glei
nad der Geburt reden.
1) rim. 166—158. — 2) rim. 159-162. — 3) Ebenfo warnt Gudrun
die angelommenen Brüder: Akv. 16—18, wo aud die einzelnen
Büge merfwürdig übereinftinnmen.
2%
20
ich bißher gethan !: warum jollte ich es nicht auch
im Alter vollbringen? Und nimmer follen Jung⸗
frauen meinen Söhnen im Spotte*) vorwerfen,
daß jie den Tod fürdhteten: denn einmal muß [do]
jedermann jterben und niemand kann dem entgehn,
daß er einmal fterbe. 2 [Drum] ift mein Rath, daß
wir keineswegs fliehen, ſondern unfere Hände aufs
tapferjte gebrauchen. ch Habe 91) Hundertmal ge-
fochten, und Habe bald mehr Volkes gehabt, bald
minder, und habe [do] immer den Sieg gewonnen:
und nimmer fol man hören, daß ich fliehe oder um
Srieden bitte.” 3 Da meinte Signy bitterlich * md
bat, daß ſie nicht zu König Siggeir zurüdzufehren
brauchte. König VBolfung entgegnete: „Du follit für-
wahr heimfahren zu deinem Manne und bei ihm
bleiben, wie es und auch ergebe.‘ | Nun ging Signy
heim ®; fie aber blieben dort die Nacht über. Mor-
gens jedoch, fobald der Tag anbradh, | hieß König
Bolfung alle feme Mannen aufitehen, and Land
gehen und ſich zur Schlacht rüſten.“ Nun gingen
fie alle and Land in voller Rüftung, und hatten nicht
*)2 {. Fritzner 399°. Gewöhnlich überfegt man 1 leikum
„beim Spiele“.
1) Bgl. rim. 164,3—165,4. — 2) rim. 166. — 3) Ebenſo weigert fid
Gunnar zurüdzufahren und fein Heer zu fammeln: Akv. 19. —
4) rim. 169,2—4. — 5) rim. 169,1. — 6) vgl. rim. 170—71.
21
lange zu warten bis daß König Siggeir fam mit
al feinem Heer !; und entbrannte da zwifchen ihnen
eine jehr Harte Schladt, und ſpornte der König
feine Schaar an aufs heftigſte vorwärts zu dringen. ?
Es heißt, daß König Volſung und feine Söhne des
Tages achtmal durch die Schaaren König Siggeir's
braden, und zu beiden Handen hieben.? Und als
fie ſich anſchickten nochmals jo zu fahren, da fiel
König VBolfung * inmitten feiner Schaar, und all
fein Volt mit ihm außer feinen zehn Söhnen; |'
denn es jtand ihnen eine viel größere Uebermacht
gegenüber, als der ſie hätten widerjtehn können. ©
Nun wurden feine Söhne alle gefangen und in
Bande gefchlagen 7 und Hinweg geführt. Signy er-
fuhr nun, daß ihr Vater erjchlagen war ®, ihre
Brüder aber gefangen genommen und zum “ode
beftimmt. | Da rief fie den König Siggeir zu einem
Zwiegeſpräch. Sie ſprach: „Darum will ich did
bitten, Daß du meine Brüder nicht jo ſchleunig tödten
laſſeſt; laß fie lieber in den Stod*) jeßen.? Mir
*) Ein in der Mitte gejpaltener Stamm mit runden’ Deff-
nungen, in welche die Füße der Gefangenen geziwängt
178,1 f. — 4) rim. 182. — 5) 185,1 f. — 6) rim. 173—74. — 7) rim.
183 f. Au Gudrun's Brüder bleiben im Kampfe gegen die Ueber⸗
macht allein übrig, werden gefangen und gefeffelt, ſ. u. Kap. 37
Anfang. — 8) rim. 185,8 f. — 9) rim. 18687.
d
22
geht ed eben, wie das Sprichwort jagt, daß das
Auge ſich freut, jo lange es den Anblick Hatı; ich
bitte aber deshalb nicht mehr für fie, weil ich glaube,
daß es mir nicht nüben würde.‘ Da antwortete
Siggeir: | „Raſend bift du und unklug, daß | du für
deine Brüder Schlimmeres erbitteit, denn daß fie er-
Ichlagen werden 2: indeſſen jol dir daS gewährt fein;
denn e3 freut mich mehr, wenn fie fchlimmer dulden
und längere Dital vor ihrem Tode erleiden.“ 3
Run ließ er alfo thun, wie fie bat, ımd ward
nun ein mächtiger Baumſtamm genommen und den
zehn Brüdern-an die Füße gelegt *, an einer Stelle
im Walde. Dort jaßen ſie nun den ganzen Tag ||92)
bis zur Nacht. | Aber um Mitternacht fam eine alte
Wölfin au dem Walde dorthin zu ihnen, wo fie im
Stode faßen, die war groß und fchredlich anzufehen;
und das war ihr Vorhaben, daß fie einen der Brü- °
der zu Tode biß, fodann fraß fie ihn ganz auf ®;
und ging dann hiniveg.
Aber am Morgen darauf jendete Signy zu
wurden. (Ein Exemplar im Altnord. Mufeum zu |
Kopenhagen: Katalog [7. Aufl.) Nr. 201.)
1) rim, 189. — 2) vgl. rim. 188 (3. Th. — Helg. Hund. II, Str.
33, 1-4). — 3) Auch Gudrun’s Brüder fterben u Atle's Befehl
eines qualvollen Todes, f. u. Kap. 37. — 4) rim. 190. — 5) rim.
191— 32. =
®
23
ihren Brüdern einen Mann, dem fie am meiften
traute, um zu erfahren, wie e3 ftehe. Und als der
wieder zu ihr fam, fagte er ihr, daß einer von
ihnen todt wäre. ! Das ſchien ihr ſchrecklich, daß
es ihnen allen jo ergehn follte, ohne daß fie ihnen
helfen fünnte Kurz iſt davon zu berichten: | Neun
Nächte nad einander kam diejelbe Wölfin und tödtete
und fraß je einen von ihnen, bis fie alle todt waren;
nur Sigmund allein war übrig? Und ehe denn
die zehnte Nacht Fam, jendete Signy ihren Vertrauten
zu ihrem Bruder Sigmund, und gab ihm Honig in
die Hand, und fagte, er follte den auf Sigmund’3
Geficht ftreichen und ihm etwas [davon] in den Mund
legen. Da begab er ih zu Sigmund und that,
wie ihm geboten war, und ging jodann heim.? Die
Nacht darauf kam dieſelbe Wölfin nad) ihrer ©e-
wohnheit und gedachte ihn zu Tode zu beißen wie
jeine Brüder. Da befam aber die Wölfin Witterung
von ihm, wo er mit Honig beitrichen war, und be=
leckte mit ihrer Zunge fein ganzes Geſicht, und
ſtreckte ſodann die Zunge ihm in den Mund. Gig:
mund ließ ſich nicht faul finden, und biß der Wölfin
in die Zunge; die fträubte ſich ſehr, fie zog ge—
waltig und ftemmte die Füße in den Stod, jo daß
1) rim. 19994. — 32) rim. 197. — 8) vgl. rim. 198—99 (Signy
gebt jelbft hin). — 4) vgl. rim. 200—201.
\
24
er ganz audeinander barſt. Er aber hielt jo feft,
daß der Wölfin die Zunge bei der Wurzel ausrif 1,
und davon litt fie den Tod. Es ift aber die Sage
einiger Männer, | daß diefe Wölfin König Siggeir’3
Mutter geweſen, und daß fie diefe Geſtalt angenom-
men habe durch Hexerei und Bauberfunft. *) 2
Sechſtes Kapitel. **)
So war Sigmund los geworden, der Stod
aber zerbrochen, und Sigmund hielt ſich nun da in
der Nähe im Walde auf. or) Abermals 193) ſandte
Signy, zu erfahren, wie ed ftehe und ob Sigmund
lebe. Und al3 die [Boten] kamen, fagte er ihnen die
ganze Begebenheit, wie es zwilchen ihm und der
Wölfin ergangen war. .
| Da begab fie fich hin zu ihrem Bruder, und
fie faßten den Rathſchluß, daß er dort eine Erdhütte
im Walde baute? Nun ging es jo eine Zeit lang,
dab Signy ihn dort verbarg und ihm dad gab, deſſen
*) Siehe unten ©. 30 **,
**) Die Ueberſchrift ift nicht. lesbar.
xx*) Hielt ſich auf? helzt ftatt hefst?
1) rim. 802--208,2. — 2) Gunnar wird im Sclangenhofe von einer
Natter ins Herz geflohen (f. u. Kap. 37 Ende), die nad Oddr.
Str. 29 Atles Mutter if. — 3) vgl. rim. 203,3—204,2.
25
er bedurfte. | König Siggeir aber mwähnte, daß Vol-
fung’3 Söhne alle todt wären. 1
König Siggeir hatte zwei Söhne mit feiner
Frau; und bon denen wird gejagt, daß, da fein
äfterer Sohn zehn Winter alt war, Signy ihn hin⸗
fandte zu Sigmund ?, damit er ihm Hilfe leiſtete,
wenn’er etwa verfuchen wollte jeinen Vater zu rächen.
Der Knabe ging zum Walde und kam fpät Abends
zu Sigmund’3 Erdhütte. Der nahm ihn gebührend
freundlich auf und | fagte, daß er ihr Brot zubeveiten
follte; „ich aber“ [jagte er] „will Brennholz fuchen,”
und gab ihn einen Mehlbeutel in die Hand; er
feldit ging Holz zu ſuchen. Als er aber wieder:
fam, hatte der Knabe nichts gefchafft hinfichtlich der
Brotbereitung. Da fragte Sigmund, ob dad Brot
fertig wäre. Er antwortete: „Nicht wagte ich, den
Mehlbeutel anzufaſſen, denn da lag etwas Lebendiges
im Mehl.“ 3? Da glaubte Sigmund zu wifjfen, daß
diefer Knabe nicht jo wohl beherzt fein werde, daß
er ihn bei fich haben möchte. Als nun die Ge—
ſchwiſter (Sigmund und Signy) zufammen Tamen,
fagte Sigmund, daß er feine Hilfe dabei fände *),
*) Eigentlid): „daß er [darum] nicht einem Marne (Helfer)
fih um fo näher fühlte.“
1) rim. 208. — 2) vgl. rim. 209 (drei Söhne). — 3) rim. 210—12.
26.
wenn auch der Knabe bei ihm wäre. Signy ſprach:
„Rimm ihn denn und tödt' ihn: er braudt dann
nicht Yänger zu leben.” Und alfo that er.! Nun
verging dieſer Winter. Und einen Winter darauf
ſandte Signy ihren jüngeren Sohn zu Sigmund;
doch bedarf's davon feiner langen Erzählung. Es
erging genau ebenjo *), daß er auch diejen Knaben
auf Signy’3 Rath tödtete. ? | 94)
Siebentes Kapitel. **)
Es wird erzählt, daß einmal, da Signy in
ihrer Kammer ſaß, zu ihr ein Herenweib fam, die
gar jehr zauberfundig war. Da ſprach Signy zu
ihr: „Ich wollte, daß wir die Geſtalten vertaufch-
ten.“**x*) Die Zauberin fagte: „Du follit dariiber
*) Eigentlich: „als ob es dafjelbe wäre”.
x**) Ueberſchrift: „Signy empfängt Sinfjotle”.
***) Geſtaltentauſch wird durch Zauber bewirkt (jo auch
unten ©. 129 dur Grimhild’3 Zauber). Diejer Tauſch
iſt ein vollftändiger: von der äußern Geſtalt bleibt nur
das Auge unverändert (f. u. Kap. 29, Abi. 4). —
Svanhyvita erfennt den Regner in feiner niedrigen Ver-
kleidung als Hirt an den leuchtenden Augen (Saro Gr.
&. 70); vgl. Helg. Hund. II, 2, 3 ff.
1) gl. rim. 213—14. — 2) vgl. rim. 215; u. ©. 34*. — Auch Gudrun
tödtet ihre und Atle’8 beide Söhne, aber aus Made, ſ. u. Kap. 38,
Abi. 2.
27
beſtimmen.“*) Nun jchuf fie es fo mit ihren Küns
iten, daß jie die Geſtalt vertaufchten 1, und jebte fich
die Bauberin auf den Platz Signy's nad) deren Ge—
heiß und legte ſich Abends ins Bett zu dem Könige;
und er merkte nicht, daß Signy nicht bei ihm wäre.
Nun iſt von Signy zu berichten, daß fie nad)
der Erbhütte zu ihrem Bruder ging, und ihn bat
ihr Herberge zu geben über Nacht: „denn ich habe
mic) im Walde verirrt, und nicht weiß ich, wo id)
mich befinde.“ *2 Er fagte, fie jollte da bleiben; er
wolle ihr als einer einzelnen Frau die Herberge
nicht verſagen, und er ſei überzeugt, daß fie ihm
die freundliche Aufnahme nicht fo [übel] lohnen würde,
daß fie ihn verriethe. Nun nahm fie Herberge bei
ihm, und fie febten ſich zum Eſſen; er blickte oft auf
fie, und fie dünfte ihn fchön und anmuthig. Als
fie aber gegefjen Hatten, da fagte er zu ihr, er wolle,
daß fie in der Nacht daS Lager theilten; fie fträubte
fi) nicht dagegen, und | er nahm jte drei Nächte nad)
einander zu ſich.“ Darnach begab fie fih Heim zu
der Zauberin und verlangte, daß fie wieder die Ge-
ftalten taufchten,; und das bewirkte jene, *
HD. 5: „Wie du wünfcheft, ſoll es gejchehn.”
1) rim. 216, kurz wiedergegeben. — 2) vgl. rim. 217. — 9) rim.
218,3 f. — 4) rim. 219.
28
Und ald die Zeit verjtrichen war, gebar Signy
einen Knaben ; der Knabe ward Sinfjotle *) genannt !;
v und al er aufwuchs, war er fomohl groß wie ftarf
und ſchön von Antlitz umd artete nad) den Volfungen ;
und war noch nicht völlig zehn Winter, als Signy
ihn zu Sigmund nad der Erdhütte jandte.* Sie
hatte mit ihren vorigen Söhnen, ehe fie die zu Sig—
mund jchidte, die Probe gemacht, daß fie ihnen [den
Rock] an die Arme durh Haut und Fleiſch nähte;
die hatten daS jchlecht ertragen und darob gejchrien. |
Ebenſo that fie mit Sinfjotle, der aber verzog feine
Miene dabei. Sie z0g ihm dann den Rod wieder
ab, fo daß die Haut mit den Aermeln abging, und
fagte, er werde dabei Schmerz empfinden. Er [aber]
ſprach: „Gering follte folder Schmerz ||95) einem
Volſung ſcheinen.“ 3
Nun kam der Knabe zu Sigmund. Da gebot
Sigmund ihm ihr Mehl auszukneten, er aber wolle
Brennholz für ſie ſuchen, und gab ihm einen Beutel
in die Hand, ſodann ging er zu Walde. Als er
aber wieder kam, da war Sinfjotle fertig mit baden.
*) D. h. wahrſcheinlich „der Geführte”, ſ.H. Zichr. 23, 161 ff.
**) Saumadhi at hondum medh holdi ok skinni, vgl.
Grettis s. er 17, ©. 34.
29
Da fragte Sigmund, ob er etwas in dem Mehle
gefunden habe. „Sch habe wohl Verdacht, daß etwas
Lebendiged drin geweſen fei, als ich zuerſt anfing zu
fneten, und bier habe ich das mitgefnetet, mas
darin war.” Sigmund ſprach, und lachte dabei:
„Ih wähne, du wirjt heut Abend feine Mahlzeit
von diefem Brote haben, denn du Haft eine große
Giftſchlange darein gefnetet.” ! Sigmund war fo
ſtark, daß er Gift efjen fonnte, ohne daß es ihm
etwas ſchadete; Sinffotle aber vertrug es [nur], daß
das Gift ihm von außen ankam, aber nicht befam
e3 ihm, e3 zu efjen oder zu trinken. ?
Achtes Kapitel.*)
Nun ift zu berichten, daß Sinfjotle dem Sig—
mund noch zu jung ſchien zur Rache mit ihm, und
er wollte ihn zuvor etwas an harte KRampfesarbeit
gewöhnen. Sie zogen. nun de Sommers weit durch)
die Wälder und erſchlugen Männer, der Beute
wegen. | Sigmund fchien [Sinfjotle] recht nach den
Volfungen geartet ?, doch mwähnte er, daß er König
*) Meberjchrift: „Sigmund und Sinfjotle legen die Wolfs⸗)
Bälge an”.
1) ®gl. rim, 228-232. — 2) Sinfj. 8. 10 ff. — 3) rim. 284.
30
Siggeir’8 Sohn wäre, und dadhte, ex habe etwas
von der Bosheit ſeines Vaters, aber den Heldenmuth
der VBolfunge, und meinte, daß er wenig an feinen
Blutövermandten hänge, denn | oft mahnte er Sig—⸗
mund feines Leided, und ſpornte ihn fehr an, König
Siggeir zu erichlagen. !
Nun geſchah e3 einmal, daß fie wieder in den
Wald gingen, fich Beute zu fchaffen; fie fanden aber
ein Hau und darin zivei Männer fchlafend mit
dien Goldringen. *% Die waren verwunſchen **),
denn Wolfsbälge ***) Hingen über ihnen; jeden fiinf-
*) Diefe Goldringe hängen mit der Verwandlung zuſam—
men, und bedeuten, was in anderer Yorm durd) dic
Wolfsbälge (ſ. u. Anm. ***) ausgedrüdt ift, daB die
Träger fih in Wölfe verwandeln können. Hier ift die
Verwandlung unfreiwillig; freiwillig dagegen bei den
Walfyrjien, die auch Schwanringe und Schwanhemden
(hamir) befiten.
**) Eigentlich: „in Unheil’ gerathen“. Ener Leute,
namentlid) BZauberinnen, konnten nicht nur fich jelbit,
jondern auch andere, denen fie übel wollten, in Thiere
verwandeln (R. Keyſer, Samlede Afhandlinger,
©. 365 f.). Man denfe an die zahlreichen verwun⸗
jchenen Prinzen und Brinzeffinnen unferer Märchen.
xx*) Wolfä-hamir; hamr ift eigentlich die äußere Hille,
deren Anlegung zugleich das Wefen des betreffenden
1) rim. 233. — Die folgenden Wolfsabentener fehlen in den rim.
31
ten Tag *) konnten fie die Wolfsbälge ablegen; fie
waren Königsfühne. |96) Sigmund und Ginfjotle
legten die Bälge an und vermochten nicht wieder aus
ihnen heraus zu fommen, und fie (die Bälge) be-
hielten ihre frühere Eigenfchaft **), | und [jo] Heul-
ten fie [denn] wie Wölfe und verftanden beide ihr
Geheunl.! Nun ftreiften fie auch durch die Wald-
marfen, und fuhr jeder bon ihnen feine Straße. Sie
trafen die Verabredung, daß fie fich dran wagen follten,
wenn ed auch fieben Mann wären, aber nicht fürder,
und der follte einen Wolf3fchrei thun, der in eine
Fehde käme. „Brechen wir dad nicht (fagte Sig-
mund), denn du biſt jung und tollfühn, [und] den
Menſchen wird ed gut ſcheinen dich zu jagen.“ Nun
fuhr ihrer jeder feine Straße; und als fie ſich ge-
trennt hatten, traf Sigmund auf [7 ?]***) Männer,
und that einen WVolfsfchrei;. und als Sinfjotle da3
hörte, fam er herbei und tödtete fie alle. Sie trenn-
ten ji) wieder, und als Ginfjotle weit durch den
Thiere verleiht; vgl. die Wolfögürtel der Werwölfe
(Maurer, Belehrung 2, 102 f.).
*) Eigentlich jeded zehnte desgr: 24 "Stunden ——
zwei doegr, die 12 Stunden des Tages und der Nacht.
x*) D. h. in Wölfe zu verwandeln.
>) Die Zahl ift unleferlih. Ich vermuthe 7 nad) S. 320.
1) Helg. Hund. I, Str. 42, 8—4,
32
Wald gelaufen war, traf er elf Männer und kämpſte
mit ihnen, und es geſchah, daß er fie alle tödtete.
Nun ward er [jehr] müde *), lief unter eine Eiche
und ruhte fih dort ...** [Sinfjotle]) ſprach zu
[Sigmund]. [„Du riefeft?] mich zu Hilfe, um fieben
Männer zu tödten, ich aber bin ein Kind an Jahren
im Vergleich mit dir, und [do] vief ich nicht um
Hilfe, elf Männer zu tödten.” Da ſprang Sigmund
jo heftig gegen ihn 97), daß er zurüdtaumelte und
fil: Sigmund biß ihn vorn in die Gurgel. An
diefem Tage vermocdten fie nicht aus den Wolfs⸗
bälgen zu kommen. Sigmund warf ihn ſich auf den
Rüden und trug ihn heim in die Hütte und ſaß
über ihm, und wünſchte die Wolfsbälge zu allen
Teufeln. ***)
Sigmund fah eine® Tages zwei Wiefel, wie
eind das andre in die Gurgel biß; jenes lief zu
*) So ſchlafen auch die verwunfchenen Königsſöhne (S. 30);
ſ. Maurer, Befehr. 2, 106 f.
**) Hier ift ein kurzes Stüd, ſowie auch vorher und nad:
ber die Wörter in [ ] unleſerlich. Die Bapierabichriften
geben:- Da kam Sigmund dorthin und fprad: „Warum
riefeft du mich nit?” Sinfjotle fagte: „Nicht wollte
ih did) zu Hilfe rufen“ u. ſ. w.
***) Eigentlich: „er hieß die Trolle (Unholde) die Wolfsbälge
- holen.“
33
Walde, und brachte ein Blatt und Iegte es auf die
Wunde, und al3bald ſprang das [andere] Wieſel ge-
heilt auf.*) Sigmund ging hinaus, und jah einen
Haben **) mit dem Blatte fliegen und es ihm bringen:
Er legte es über Ginfjotle8 Wunde, und Ddiefer
Iprang fogleich gefund auf, als wenn er nimmer
wund geivejen wäre.
Darauf gingen fie zu der Erdhütte und blieben
da, bis zu der Zeit, da ed ihnen befchieden wäre,
die Wolfsbälge abzulegen: da nahmen fie diejelben
und verbrannten fie und wünfchten, daß fie nieman-
dem [mehr] zum Schaden gereichten. Sie hatten
aber in ihrem unbeilvollen Zuftande ***) manche Hel-
denthat in König Siggeir's Reiche vollbradit.
AS nun Sinfjotle erwachſen war, da meinte
Sigmund ihn genug erprobt zu haben. Nun währte
*) Diefer Zug begegnet verjchiedentlich in den Märchen:
Grimm’ Märchen Nr. 16 (Bd. III, ©. 26). Anders
gewandt bei Grundtvig-Leo I, 3 ff. [>= Saro Gramm.
©. 243 f.].
**) Der Nabe ift Odin’3 Vogel, der durch ihn das heilende
Blatt jendet, wie durch Hliod (in Gejtalt einer Krähe)
den fruchtbar machenden Apfel an Reri (oben ©. 8,
Anm. }).
***) { theim üskopum („während dieſes Mißgeſchicks“), d. h.
ala Werwölfe.
3
34
ed nit lange, daB Sigmund PBaterrahe nehmen
wollte, wenn es jich dazu anlafjen würde. Da gingen
fie eines Tages fort von der Erdhütte, und | famen
ſpät Abends zu König Siggeir's Hofe ! und traten
in die Borjtube, die vor der. Halle war; dort aber
waren Bierfäffer, dalhinter] verbargen fie fih.? Die
Königin wußte nun, wo fie waren, und beichloß zu
ihnen zu gehn; und al3 fie zufammen famen, ba faßten
fie den Rath, daß fie die Vaterrache ausführen mwoll-
ten, fobald es Nacht würde. 3 j
Signy und der König hatten zwei *) junge
Rinder, die fpielten mit Goldringen am Boden und
ließen fie über den Ejtrih der Halle rollen und
fprangen ihnen nad. in Goldring lief weiter fort -
*) Zwei Kinder, wie oben ©. 25 f., obwohl bier nur
eins des Verraths ſich ſchuldig macht. Sind die zwei
Kinder aus jener Darftellung hberübergenommen? Biel:
leicht ift überhaupt rückwirkender Einfluß de3 analogen
Zuges der Sage von Gudrun anzunehmen, die auch ihre
und Atle's beide Finder tödtet (u. Kap. 38, Ab. 2);
oder e3 ijt die doppelte Tödtung eined mit Giggeir
erzeugten Kinderpaares durch Signy oder auf ihr Geheik
aus Nebeneinanderjtellung verjchiedener Faſſungen des
gleihen Sagenzuges entſtanden. (Vgl. die folgende
Anmerkung.)
1) rim. 285,1. — 2) vgl. Helg. Hund. I, Etr. 42, 1 f. — 3) vgl.
rim. 235,3—239,4 (abweidend u. 3. Th. ausführlicher).
35
nad) der Stelle ded Haufe, wo Sigmund und GSin-
fiotle waren; |der Knabe aber jprang Hinterdrein,
den Ring zu fuchen. Da fah er zwei Männer fißen,
groß und grimmig, die hatten tief herabreichende
Helme und weiße Panzer an. Da lief er in das
Innere der Halle zu feinem Bater und ſagte ihm,
was er gejehen hatte. ! Der König argmwöhnte num,
daß e8 gegen ihn gerichteter Verrath fein merde.
Signy hörte, 98) was ſie jagten; fie jtand auf,
|nahm die beiden Kinder, und ging hinaus in Die
Borftube zu ihnen und fagte, fie follten wiſſen, daß
die fie verrathen hätten: „und ich rathe euch, daß
ihr fie tödtet.” 2? Sigmund jagte: „Nicht will ich
deine Kinder tödten*), obſchon fie mich verrathen
haben.“ Sinfjotle aber bebte nicht davor zurüd,
ſchwang fein Schwert und tödtete beide Kinder, und
warf fie hinein in die Halle vor König Siggeir. 3
Der König ftand auf und rief feine Mannen auf,
die Männer zu ergreifen, welche ſich am Abend in
der Vorſtube verborgen Hätten. Da ſprangen die
*) Borher (S. 26) hatte Sigmund diefe Scheu nicht ge-
habt. Wie der Widerſpruch ſich erklären mag, darüber
ſ. die vorige Anm. (rim. übrigend: „Sch tödte nicht
mehr der Kinder dein“).
1) rim. 240. — 2) rim. 2341. — 3) rim. 242—43; vgl. Helg. Hund. I,
Str. 42, 5—10.
3%
36
‘ Männer dorthin fort, und wollten jie ergreifen; die
aber mwehrten fich wohl und mannbaft, und [ange *)
- meinte der ed am ſchlimmſten zu haben, der ihnen
am nächſten war. Am Ende wurden fie aber von
der Uebermacht bewältigt und gefangen genommen !
und denmädhft in Bande gefchlagen und in Fefleln
gelegt, und faßen fie dort die ganze Nacht.
Nun überlegte der König bei fich, welches Todes
er fie jterben laſſen follte, den fie am längſten fühl-
ten. AS nım der Morgen kam, Tieß der König
einen großen Hügel machen von Steinen und Rafen;
und al3 der Hügel fertig war, ließ er eine große
Felsplatte mitten in den Hügel jeßen ?, jo daß die
eine Kante der Felsplatte empor ftand, und die andere
nach unten gefehrt war: fie war fo groß, daß fie
auf beiden Seiten an [die Yeldwand] reichte, jo daß
man nicht an ihr vorbeifchlüpfen Tonnte. | Nun ließ
er Sigmund und Ginfjotle ergreifen und in den
Hügel ſetzen, auf jeder Seite einen von ihnen ?, die=
weil es ihm Härter jchien, wenn fie nicht „beide bei-
fammen wären, umd doch jeder den andern zu hören
vermöchte. Und al3 fie nun dabei waren, den Hügel
mit Rafen zuzudeden, |Tam Signy dazu, und trug
*) Oder „bei weiten”?
1) rim. 244—46. — 2) vgl. rim. 248,1f. — 8) = rim. 247—248.
37
Stroh im Buſen, da3 warf fie Sinfjotle in den
Hügel zu 1, und bat die Knechte es dem Könige zu
verhehlen. Die fagten es zu, und Darauf ward der
Hügel geichlofjen.
Und al die Nacht kam, fagte Sinfjotle zu Sig-
mund: „Keineswegs, mein’ ich, wird es uns eine
Beit lang an Speife gebrechen: | hier Hat die Königin
Sped in den Hügel geworfen * und denfelben mit
Stroh umhüllt.“ Und wieder betaftete er den Speck
|und fand, daß das Schwert Sigmund’3 darein ge
ſtoßen war; er||99) erfannte e8 am Griff, denn es
war dunkel in den Hügel, und fagte es Sigmund;
des freuten fie fich beide. ? Sinfjotle jchob die
Schwertipige über die Yelsplatte und z0g* mit
Macht: das Schwert fchnitt in den Felfen. Gig-
mund ergriff nun die Schwertſpitze, und jo durch—
fägten fie die Felsplatte zwiſchen ihnen und ließen
nicht eher ab als bis fie mit Sägen fertig waren,
wie e8 im Liede **) Heißt:
*) Das Hinundherziehen beim Sägen iſt gemeint. (Bugge
überſetzt: „drüdte aus Leibeskräften“.)
**) Das (der Saga hier zu. Grunde liegende) Lied iſt bis auf
die folgende Halbſtrophe verloren.
1) rim. 249. — 2) rim. 252,1f. — 3) vgl. rim. 252,3—253,4.
38
Sie fügten mit Macht
Den mädtigen Fels
Mit dem Schwerte, Sigmund
Und Sinfjotle.
Nun waren fie beide los zujanımen im Hügel
und zerfägten Stein und Rajen*) und entkamen fo
aus dem Hügel. |
Sie gingen nun hin zu der Halle 1; da lagen
alle Leute im Schlafe. | Sie trugen Holz an die Halle
und legten Feuer an da3 Holz.? Die aber, fo
darinnen waren, erwachten von dem Qualm, und
davon, daß die Halle über ihnen brannte? Der
König fragte, wer den Brand geftiftet hätte. * „Hier
find wir, Sinfjotle, mein Schweiterfohn und ich,“
fagte Sigmund, „und wir wähnen, du follft mer—
fen, daß die Volſunge nicht alle todt find.“ **) 5
Er hieß feine Schweiter herauskommen und von ihm
höher Ehren theilhaftig werden und wollte ihr fo
ihren Kummer ***) büßen. 6 Sie antwortete: „Nun
*) Hdſchr. jarn (Eifen), jtatt torf oder jordh? (vgl. rim.).
**) Bol. oben S. 25, unten ©. 58 und 77.
*x*) Megen des Mordes ihres Gatten. Darauf bezieht ſich
Signy’3 Antwort. Wan vergleihe das Anerbieten
Dag's an feine Schweiter Sigrun „zum Entgelte de3
1) Bgl. rim. 254—55. — 2) rim. 256. — 3) vgl. rim. 257. — 4) rim.
258. — 5) vgl. rim. 259—61, abmweidend und ausflibrlider. —
6) rim. 262—63.
39
follft du erjahren, ob ich dem König Siggeir den
Mord König Volſung's nachgetragen Habe: ich ließ
unjere Kinder ermorden, weil fie mir zu träge zur
Baterrache fchienen; | und ih war es, die in den
Wald zu dir kam, in eimer Wahrfagerin Geftalt,
und Sinfiotle ift unfer Sohn !: er hat davon fo
gewaltigen Heldenmuth, daß er ſowohl Sohnes⸗Sohn
als Todhter-Sohn König Volſung's ift. | Sch Habe
darnach allewege gerimgen, daß König Siggeir den
Tod empfangen jollte; ich babe jo ſehr darnach ge
rungen, daß die Rache vollzogen würde, daß ich
unter feiner Bedingung [länger] leben darf?; und
ih will nun freudig mit ihm fterben, obwohl ic
ihn wider Willen zum Manne hatte.“ 3 Sodann
füßte fie Sigmund, ihren Bruder, und Sinfjotle
und ging [wieder] hinein ind Feuer und fagte ihnen
„Lebewohl“. |100) Darnach fand fie da den Tod
mit König Siggeir und feinem ganzen Hofe. ?
Bater und Sohn verfchafften ſich Heervolk und
Schiffe, und fuhr Sigmund zu feinem Stammeserbe
Harms“, da er ihr den Gatten Helge erjchlagen.
(Helg. Hund. II, Str. 34.)
1) Bal. rim. 266. — 2) vgl. rim. 265. 264,1. — 3) rim. 264,3 f. —
4) vgl. rim. 267—71 (ausflihrlider und 3. Th. wefentlid ab⸗
mweidhend).
4
und vertrieb den König aus dem Lande, der ſich
darein geſetzt hatte. !
Sigmumd ward nım ein mächtiger ih hervor⸗
ragender König?, weiſe und hochſtrebend. Er
hatte eine Frau, die Borghild bieß.? Sie Hatten
zwei Söhne, der eine hieß Helge, der andere Ha—
mund. * Und ald Helge geboren war, famen Nor-
nen *) dazu und weiljagten ihm [fein Schidjal] und
ſprachen, er follte der berühmtefte aller Könige wer—
den.d Sigmund war da aus der Schlacht gefonımen
und ging mit einem Lauch **) feinem Sohn entgegen,
und gab ihm damit den Namen Helge ® und folgen-
de3 als Gejchen? zur Nantendverleihung ***): Hring-
jtad und Solfjall 6, und ein Schwert”, und hieß
. *) Vgl. ©. 64 * und 87 **,
**) Der über dad Gras hervorragende Lauch it da3 Bild
des Andere überragenden Helden (u. Kap. 32 Anfg.). Die
Veberreihung des Lauchs muß man bier mit Bugge
ſymboliſch verjtehn: Helge joll zu einem a in
Helden heranwachſen.
RR) Per einen Namen verlieh, mußte dem Benannten ein
Gejchent machen (als nafnfesti „Namenzfejtigung‘“),
unjer Bathengefchent, |. Weinhold, Altn. Leben, ©. 263.
1) rim. 272—73. — 2) vgl. rim. 274 (über Hunenland). — 3) rim.
276 (Bryn hild). — 4) rim. 277 (Hromund). — 5) Nach Helg.
Hund. I, Str. 2. — 6) =H. H.], Str. 75-81. — D=H.
H. I, 8,2—3, wo aber viel mehr Namen aufgezählt find. — 8)=H.
MH. 1 Str. 8,7—8.
41
ihn wader werden und den Volfungen nachfchlachten. '
Er (Helge) ward hochherzig umd beliebt und übertraf
die meiften andern Männer in jeglicher Züchtigfeit. |
E3 wird gejagt, daß er fich auf eine Heerfahrt be-
gab, als er fünfzehn Winter *) alt war.t Helge
war König fiber Heervolf, Sinfjotle aber war ihm
beigegeben, und beide führten Kriegsvolk.
Neuntes Kapitel. **)
Es wird gejagt, daß Helge auf feiner Heer—
fahrt | den König traf, der Hunding hieß; der war
ein mächtiger König über zahlreiched Volk und Lande,
Da erhub ſich eine Feldſchlacht zwilchen ihnen, und
drang Helge Fräftig vorwärts, und ſchloß die Schlacht
damit, daß Helge den Sieg gewann, König Hunding
aber fiel? und ein großer Theil ſeines Heeres. Nun
meinte Helge, bedeutend an Unfehn gewonnen zu
haben, da er einen jo mächtigen König gefällt Hatte.
König | Hunding's Söhne boten nun ein Heer
auf gegen Helge und wollten ihren Vater rächen. 3
*) Seit etwa 1000 Mindigfeitätermin auf land und in
Norwegen.
**) Ueberſchrift: „Helge vermählt fih mit Sigrun“.
1) =H.H.1, 10, 14. 2gl. rim. 379 (zwölf Winter). Damit
enden bie rimur. — 2) fürzgerinH, H. I, Str. 10, 5-8. — 3) vgl.
H. H. I, Str. 11.
Sie Hatten einen harten Kampf, und Helge drang
durch die Schaaren der Brüder und bis zu König
Hunding’3 Bannern, und | fällte diefe Söhne Hun-
ding’3 | 101): Alf und Eyjolf, Hervard und Hagbard !,
und gewann hier einen bedeutenden Sieg.
| Und als Helge aus der Schlacht Fam, da fand
er an einem Walde mehrere Frauen, vornehm von
Anſehen, doch ragte eine vor allen hervor; fie ritten
in ſtattlichem Aufzuge.“ König Helge fragte Die,
welche ihnen vorjtand, nad) dem Namen; fie aber
nannte ſich Sigrun, und fagte, daß fie König Hogne’3
Tochter wäre. | Helge fagte: „Fahrt heim mit ung,
und feid uns willlommen.“® Da ſprach die Königs- .
tochter: „Andere haben wir zu thun als mit dir
zu trinfen.” * Helge ſprach: „Was ift das, Königs-
tochter?" Sie erwiderte: | „König Hogne hat mich
an Hodbrodd, König Granmar's Sohn, verheißen;
ich aber habe gelobt, daß ich ihn nicht Fieber haben
will, denn eine junge Krähe.“) Dennoch wird dieſes
vor fich gehen, du wehreſt e8 ihm denn und geheit
ihm mit einem Heer entgegen, und **) nehmejt mid)
*) Verüchtlicher Ausdrud, der auch ſonſt üblich ift, vgl.
Yngl. s. Rap. 31.
**) So unjer Text; Helg. Hund. I: „oder“, wohl richtiger.
1) = H. H.I, Str. 14, 2-6 (H. H. II, Profa nad) Str. 12, 3. 12 f.,
an beiden Stellen Hiorvard ftatt Hagbard. — 2) vgl. H. H.],
Str. 15—16. — 3) =H. H. I, Str. 17. — 4) =H. H.1], Str. 18.
43
hinweg '; denn mit feinem Könige wollte ich Tieber
beifammen wohnen, als mit dir.“ ? „Sei fröhlid),
Königstochter (ſagte er): eher wollen wir unfere
Stärfe verfuchen, al3 du ihm gegeben werdeft, und
erproben wollen wir zubor, wer von und beiden
den andern befiegt, und da will ich daS Leben dran
jeßen.” 3 |
Hierauf jandte Helge Männer aus mit reichen,
Gefchenten, um ihm Mannfchaft zu werben, und
bejtellte alle3 Volt nad) Raudabiarg.*) Dort wartete
König Helge fo lange, big daß eine große Schaar
aus Hedindey zu ihm Fam *; auh kam da zu ihm
viel Volkes aus Nörvafund mit ſchönen und großen
Ediffen.®° König Helge rief zu ſich den Steuer-
mann jeine® Schiffes, der Leif hieß, und fragte, ob
er ihr Heer gezählt Hätte „ES ift nicht Leicht zu
zählen, Herr: die Schiffe, die aus Nörvaſund ge-
fommen find, darauf find zwölftaufend Mann, |102)
— — —
*) D. h. „Rothbergen“. Hedins⸗ey ("Anjel) iſt dem Namen
nach gleich Hiddenſee bei Rügen. Doch ſcheint es ver—
gebliche Mühe, dieſe Namen geographiſch nachweiſen zu
wollen: ſie ſind wol meiſt ſagenhaft.
1) =H.H.I, Str. 19—20. — 2) vgl. H. H. II, Str. 14. —3) =H.
H. I, Str. 21 (in vollftändigerer Weberlieferung: Lüde zwiſchen
Vers 8 und 4). — 4) = H. H. I, Str. 22—23 (Brandey ftatt
Raudabiarg).— 5) H. H. I, Str. 24, 1-4 (Stafndnes ftatt Nörva-
fund, vgi. Orvaſund tr. 25,7).
44
und doch ift das andere*), Schiffsheer noch halbmal
größer.“ ! Da fagte König Helge, daß fie| nad) der
Bucht ſteuern jollten, die Varinsfiord hieß ?; und fo
thaten fie. Nun erhub fich ihnen ein großer Sturm ®
und jo hoch ging die See, daß, wenn die Wellen lär-
mend an Bord fchlugen, es fich geradeſo anhörte, als
mern Berge zufammen jchlügen. * Helge hieß fie
fih nicht fürdten und die Segel nicht einziehen,
vielmehr alle noch höher fegen denn zuvor. *) Da
war e3 nahe daran, daß fie [vom Sturm] überwältigt
wären, ehe fie an Land kamen.“ Da kam Sigrun,
König Hogne’d Tochter, dort hinab vom Lande mit
großem Gefolge, und bradte fie in einen guten
Hafen, der Onipalund heißt. ©
Das fahen die Landeseindohner, und es Fam
herab vom Lande ein Bruder König Hodbrodd's,
der über die Gegend herrichte, die Sparinshaug ***)
heißt.” Er rief fie an, umd fragte, wer jene
*) Nämlich die von Hedingey? (vgl. aber H. H. I, Str.
26,3). |
x**) Wie Sigurd unten ©. 78.
x*x*x*) D. h. Sparin’3 Hügel.
IM) H. H. Il, Str. 24,5—-3,4. — 2) H. H. |], Str. 27, 7—10. —
3) H. H. II, Profa nad) 16, 3. 3f. — 4) = H. H.1, Str. 9. —
5) H. H.I, Str. 30; vgl. H. H. II, Proſa, 3.3. — 6) =H.H.1L,
Str. 31. — 7) vgl. H.H. I, Str. 32, 5—8; genauer H. H. II,
Proja nad Str. 16, 8. 9-13.
4
große Heer anführe! Ginfjotle ſtand auf, und
hatte einen Helm auf dem SHaupte, glänzend wie
Glas, und einen Panzer, weiß wie Schnee, in
der Hand den Spieß, nebjt ftattlihem Banner, und |
einen goldrandigen Schild vor fi; er mußte den
Königen Rede zu ftehen:*)2 „Sage, wenn du die
Schweine und Hunde gefüttert Haft und zu deinem
Weibe kömmſt, daß bier die Volfunge gekommen
find ®, und wird hier im Heere König Helge zu
finden fein, wenn Hodbrodd ihn auffuchen will,
und das ift feine Luft, mit Ehren zu fechten, mäh-
rend du Mägde beim euer Füffeft.” * Granmar**)
lagte: „Nicht wirft du verjtehn viele gebührlich
zu reden umd alte Mähren zu jagen, da du Häupt-
linge anlügft; wahrer wird daß fein, daß du lange
im Walde von Wolfsfraße dich ernährt und deine
*) Solche Zanfgefpräche waren im Norden beliebt. (Vgl.
Helg. Hiorv. [Hrimgerdharmäl]; Atlam. Str. 89--98;
Lokas.; Härb.; Fms. VI, 361. Bon obigem findet
ſich eine fürzere Faſſung auch in Helg. Hund. II. Manche
“ Anfpielungen find dunkel.
**) Im Liede iſt es richtiger Gubmund, Gran mar's Sohn,
der das Scheltgeſpräch mit Sinfjotle führt (ſ. S. 44,
3. 16 „König Hodbrodd's Bruder“).
=H.H.1I, Str. 33; II, Str. 22, 1-4. — 2) =H.H. 1], Str. 34.
—8) =H.H.1]I, Str. 8. — ) =H.H. I, Str. 36; II, Str.
23, 1—4.
46
Brüder getödtet Haft; und es iſt eritaunlich,. daß
du es wagſt, mit vornehmen Männern zu Felde zu
ziehen, der du aus fo manchem Falten Leichnam Blut
gefogen haft.“ *) 2" Sinfjotle antwortete: „Nicht
vecht wirſt du nun deſſen gedenfen, wie du Die
Bolva**) von Varinsey warſt 103) und fagteft,
du mwollteft einen Mann haben, und mich zu dem
Dienjte erforeft, dein Mann zu fein 2; darnach aber
warjt du eine Walkyrje***) in Asgard}), und es war
nahe daran, daß alle fich gejchlagen hätten um
deinetwillen F}):? ich aber erzeugte mit dir neun
*) Bol. ob. ©. 31 ff.
**), Das Wort bezeichnet urfprünglich eine mit Sehergabe
begabte Frau, die wie es fcheint als höheres Wefen verehrt
ward (Tac. Germ. Kap. 8: Weleda); ſpäter ward es
mehr in verächtlihem Sinne gebraucht = Zauberin, Here.
***) Schlachtjungfrauen, welche als Odin's Dienerinnen da3
Wal, d. h. die auf der Walftatt Fallenden, füren,
fiefen und die, welchen fie da3 Todesloos erforen, nad)
Walhall führen.
T) Der Aſen (Götter) Stadt.
Tr) So erwedt die Walkyrje Hild (= Freyja) in der älteſten
Geftalt der Hildenfage den ftet3 erneuerten Kampf der
Hjadninge, der auch in den jüngeren Faſſungen der Sage
um fie ftattfindet. Diefer Kampf iſt aber im Grunde gleich⸗
bedeutend mit dem. ftet3 jich erneuernden Kampf der Ein-
berjen (der todten Helden in Walhall).
1) =H.H.I, Str, 37. — 2) =H. H. I, Str. 33.—3)=H.H. I, Str. 39,
47
— — — —
Wölfe auf Laganes*), und war ich ihr aller Vater.“ 1
Öranmar entgegnete: „Viel weißt du zu lügen: ic)
wähne, daß du Niemand Pater zu fein vermodt.
hätteft, feitdem du entmannt warſt von den Töchtern
de3 Niefen auf Thoröned.**) 2 Und du bift ein
Stieffohn König Siggeir's, und lagſt draußen im
Walde mit Wölfen, und fam alle Unheil auf ein-
mal über dich; du erſchlugſt deine Brüder, und er-
warbit dir den Auf eines Uebelthäters.“ Sinffjotle
antwortete: „Gedenkſt du noch deilen, daß du die
Stute warft bei dem Hengft Grane?***) und ritt ich
dich eine Strede auf Bravoll}) *%, darnach warft du
Ziegenjunge des Niefen Golni.“ 5 Granmar fagte:
„Eher wollte ih die Vögel an deiner Leiche fättigen
als Yänger mit dir zanten.“ 6 Da ſprach König
Helge: „Beſſer wäre es und tapferer von euch ge-
handelt, wenn ihr euch fchliget, denn folches zu
reden, das ſchmählich zu Hören iſt. Keineswegs
*), Nach dem Liede Sägu nes.
**, So das Lied, in der Saga jteht fälſchlich Thrasnes.
***) So hieß Sigurd’3 Roß, f. ©. 67.
) Der Plural heißt Brävellir. An einen Ort diejes
Namens verlegt die nordifche Sage die fagenberühmte
Bravallaſchlacht.
1,; H. E. J, Str. 40. — 2) =H.H. J, Str. 4. — 9 =H.
H. I, Str. 2. —4)=H.H. J, Str. 48. — 5) =H. H. I, Str.
44, 1-4. — 6) — H. H. I, Str. 45.
48
find Granmar’3 Söhne meine Freunde, doch find fie
tapfere Männer.“ 1
Öranmar ritt nun Hinweg zu König Hod—
brodd nad) Solfiall, ihre Roſſe hießen Sveipud und
Speggjud: ? fie begegneten ihm im Burgthore und
fagten ihm die Kriegämeldung König Hodbrobd
war im Panzer und hatte den Helm auf dem Haupte;
er fragte, wer da wäre, „und warum feid ihr denn
fo zornmuthig?“ 3 Granmar fagte:’ „Hier find die
Bolfunge gelommen * und haben zmölf Taujend Mann
am Lande, und fieben Taufjend bei der Inſel, Die
Sot*) Heißt, vor Grinden**) aber liegt noch ihre
größte Macht, und ih mähne, daß Helge ||104)
nunmehr eine Schladht liefern will.“.° Der König
ſprach: „Veranſtalten wir denn ein Heergebot durch
unfer ganzes Reich, und ziehen ihm entgegen ®; feiner
*) „Mißverſtändniß von f Sogn ut (Helg. Hund. I, Str.
51,3).” Bugge.
*x) Sigentlich: „Da, mo es fyrir Grindum heißt.“ „Mißver⸗
jtändniß von Helg. Hund. I, Str. 51,5: { grindum,
was mwahrjcheinlich meint, in Reihen.” Bugge.
1) =H.H. I, Str. 4647; II, Str. 26—27. — 2) =H.H.]I, ©tr. 48,
14 (Solbeim ftatt Solfjall). — 3) = H. H. I, Etr. 48—49, in
älterer Faſſung benugt? (48, 14 und 49, 1—4. 49, 5-6 und 2
fehlende Bere [„war im Panzer“] und 49, 110°). — 4) vgl. H.
H. I, Str. 50,8. — 5) =H.H. I, Str. 51. — 6) vgl. H.H. I,
Str. 58, 1-6 (unvollitändig ?).
49
— — — —
ſitze daheim, der fechten will. Senden wir Botſchaft
Hring's Söhnen, und an König Hogne und Alf den
alten, die find gar ſtreitbare Männer.“)2
Sie trafen fi) da bei Frelaftein**), da erhub
fih eine harte Schlacht. Helge ging vorwärts durch
die Heerjchaaren, fo daß da eine große Niederlage
ward. ? Da jahen fie eine große Schaar von Schild-
maiden***), glei al ob man in Flammen fähe:
da war Sigrun, die KRönigstochter. * König Helge
drang gegen König Hodbrodd vor, und fällte ihn
neben den Bannern.5 Da ſprach Gigrun: „Habe
Dank für dieſe Heldenthat! Nun werden die Lande
einen neuen Heren erhalten.+) Dies ijt mir ein großer
Slüdstag; und du wirft davon Ruhm und Chre
*) Hogne iſt Sigrun's Vater. Hring’s Söhne — Alle
und Yngve (Helg. Hund. II, Str. 53,3)?
x**) D. H Wolfsſtein (Freke ijt einer der beiden Wölfe
Ddin’3). |
**5) D. h. Walkyrjen.
+) Eigentlich: „ES wird ein Tauſch (Aenderung) mit den
Ländern jtattfinden.”
1) =H.H. I, Str. 52, 7—10; vgl. u. Kap. 32, Abf. 5 und ähnliche Wen-
dungen in Thidr. s. — 2) H. H. I, Str. 53 (Kogne und Hring’3
Eöhnen, Atle und Yngve, Alf dem Alten). — 9) =H.H. I, Str.
54, 1-4; II, Profa nad Str. 16, 8. 28 f.; I, Etr. 54, 5—12. —
4) = H. H. I, Str. 55, 1-4 (vgl. Str. 15). — 5) fehlt in H.
H. I (vgl. 56, 5 ff.).
4
—
haben, daß du einen ſo mächtigen König gefällt
Haft.“ 2 König Helge nahm das Reich in Beſitz
und weilte lange dort; er nahm Sigrun zur Frau ?
und ward ein berühmter und angejehener König;
geht aber diefe Saga nicht weiter an.
Behntes Kapitel. *)
un fuhren die Volfunge heim und hatten aber-
mal3 ihr Anſehen ſtark vermehrt Sinfjotle be=
gab fich von neuem auf Heerfahrten. | Er erjah eine
fhöne Frau und - begehrte ehr, fie zu geminnen.
Um dieſe Frau warb auch der Bruder Borghild’g,
die. König Sigmund zur Frau hatte Sie jtritten
um diefe Sache im Kampfe, und Ginfjotle fällte
jenen König. ? Er beerfahrtete nun weit umher und
beitand manchen Kampf, und Hatte immer den Sieg.
Er ward der berühmtefte und angefehenfte der
Männer, | und kam um den Herbft heim mit vielen
Schiffen und großem Gute. ?
Er jagte feinem Water, was fich begeben; der
aber jagte e3 der Königin. | Sie hieß Sinfjofle fich
*) Ueberſchrift: „Von den Volſungen“.
1) - H. H. J, Str. 56-57, teils wörtlich übereinftimmend , tbeils
abweihend. — 2) = H.H.II, Brofa nad Str. 37, 3.15 vgl. H.H.
I, Str. 57,5 ff. — 3) = Sinf]. 8. 2-5. — 4) vgl. Sind. 2. 5.
S
51
fortheben aus dem Reiche, und fagte, daß fie ihn
nicht [vor Augen] jehen wolle. Sigmund fagte, er
laſſe ihn nicht hinweg ziehen, und bot ihr an, für
ihn mit Golde und großem Gute Buße zu leiften*),
obihon er zuvor noch feinen Mann gebüßt habe;
und jagte, es fromme nicht mit Weibern zu ftreiten.
Sie konnte alfo dies nicht durchfeßen und ſagte:
„Ihr Habt 105) zu entfcheiden, Herr; fo ziemt
es ſich.“ 1
Sie bereitete nun die Todtenfeier*) ihres Bru⸗
ders? mit Willen des Königs und rüſtete dieſes
Gaſtmahl mit der beſten Koſt und Wirthſchaft zu,
und entbot dazu viele vornehme Männer. Borghild
reichte den Männern den Trunk. Sie trat vor
Sinfjotle mit einem großen Horne und ſprach: „Trink
nun, Stiefſohn.“ Er nahm es entgegen und ſah
in das Horn, und ſprach: „Vergiftet iſt der Trank.“
Sigmund ſprach: „Gieb ihn mir denn,“ und trank
ihn auß.? Die Königin ſprach: „Warum ſollen
andre Männer für dich Bier trinken?“ | Sie kam
*) erfi, eigentlich Erbmahl, dann allgemein Gedächtnik-
feier, die in einem feierlichen Trinkgelage beftand, 1
Veinhold, Altn. Leb. ©. 500 ff.
1) = Sinfj. 8. 5—7 (fürger); 'gl. Atlam. 70, u. Kap. 38, Abſ. 1—2.
— 2) = Sinfj. 3. 7. So ebenfalls Gudrun an angeführter Stelle.
— 3) = Sinf]. 3. 7-10 (wörtlid).
4*
52
abermal3 mit dem Horne:. „Trin® nun!” und
ſprach geringfchäßig von ihm mit manchen Worten.
Er nahm dad Horn und ſprach: „Verfälfcht ift Der
Trank.” Sigmund fagte: „Sieb ihn mir denn.“ !
Zum drittenmale kam fie und hieß ihn austrinfen,
wenn er den Muth der Bolfunge hätte Sinfjotle
nahm da8 Horn, und ſprach: „Gift ift im Tranke.“
Sigmund erwiderte: „Laß den Schnurrbart ihn
jeihen, Sohn.“ ? Der König war da ſchon jehr
trunfen, und deshalb ſprach er aljo.*) Sinfjotle
trank, und fiel alsbald [todt] nieder.
Sigmund ftand auf, und fein Harm ging ihm
faft and Leben; |er nahm die Leiche in feine Arme
und ging in den Wald und kam endlich da zu einer
Bucht. Da fah er einen Mann in einem Kleinen
*) Sigmund’3 Worte, wörtlich glei) Sinfj., find offenbar
aus dem hier und dort benußten Liede entnommen und
vom Gagafchreiber mißverſtändlich als unbedachte Rede
aufgefaßt und mit Trunkenheit erflärt. Sinfj. hat Hier
die Bemerkung, daß Sigmund Gift von außen und innen,
feine Söhne aber nur von außen vertrugen (= oben
©. 29°). Darum aljo foll Sinfjotle dur) den Bart
trinfen, damit diefer die fhädliche Wirkung des Giftes
aufhebe, ehe e3 ihn von innen berühre.
1) Ausführlicer als Sinfj. 8. 18—13, wahrſcheinlich nad) dem in beiden °
Texten benusten, verlorenen Liebe. — 2) — Binfj. 3. 15—17
(wörtlich). j
—
53
Boote; diefer Mann fragte, ob er von ihm über
die Bucht gefahren fein wollte. Er bejahte es. Das
Schiff war fo Hein, daß es fie nicht [alle] trug,
und ward die Leiche zuvörderſt aufs Boot gejchafft,
Sigmund aber ging an der Bucht hin. Und al3bald
entf hwand das Schiff Sigmund aus den Augen
und ebenfo der Mann.*) 1 Darnach ging Sigmund
beim; er veritieß nun die Königin, und bald darauf
ftarb fie. König Sigmund beherrichte fürber fein
Reich 2, und gilt al3 der größte Held und König in
den Beiten des Heidenthum?.
Elftes Kapitel. **)
Eylime war ein König geheißen, mächtig und
angefehen. Seine Tochter hieß Hiordis, die jchönfte
und weijefte aller Frauen. König Sigmund ver:
*) Es ijt Odin, bier als ZTodtenfährmann gedacht, der
Sinfjotle zu fi) nimmt. Weber die Sitte, die Leihen auf
einem Schiffe dem Meer zu überlaffen oder auf Schiffen
zu verbrennen f. Weinhold, Altn. Leb. S. 458 f.; Mann⸗
hardt, Germ. Mythen, S. 35668.
**) Die Ueberſchrift iſt unleſerlich. (Inhalt ganz kurz
wiedergegeben Sinfj. 3. 26—28.)
1) Etwas kürzer als Sinfj. 3. 18—23. — 2) vgl. Sing. 3. 24 f., wo
die Berftoßung nicht erwähnt, ift (oder ift fekk Fehler ftatt rekr,
rak?).
54
nahm, daß jie nach feinem Sinne wäre oder feine
fonft; ımd fuchte König Eylime heim. Dieſer |106)
bereitete ihm zu Ehren ein großes Gaftmahl fir
den Fall, daß er nicht in Heerfahrt zu ihm käme.
Sie jandten nun einander Botichaft, daß mit Freund-
Ihaft und nit mit Yeindfchaft verfahren würde.
Diejed Gaftmahl ward [alfo] aufs köſtlichſte bereitet
und viel Volles dazu geladen. Dem König Sig—
mund war überall Kaufgelegenbeit*) und fonjtige
Reijebequemlichkeiten geboten; jie famen nun zu dem
Gaſtmahle, und beide Könige nahmen in Einer Halle
Platz.
Da war auch König Lynge gekommen, König
Hunding's Sohn, der wollte auch mit König Eylime
ſich verſchwägern. Der (Eylime) ſah nun wohl, daß
fie nicht [beide] den gleichen Erfolg haben**) könnten,
und war auch überzeugt, daß Unfriede von dem zu
erwarten wäre, der fie (Hiordiß) nicht erhielte.e Da
ſprach der König zu feiner Tochter: „Du bift ein
verjtändiges Weib, und ich habe gejagt, daß du felber
dir einen Mann erwählen jolljt: wähle nun unter
[den] zwei Königen, und mein Wille hierin ift wie
*) Den Neifebedarf zu faufen (var sett torg).
**) D. h. der Eine bei der Werbung Erfolg, der andere
Miberfolg haben müfje (jo Bugge).
55
der deine.“ Sie antwortete: „Schwierig feheint mir
diefe Sache, doch wähle ich den König, welcher der
beriihmtefte ift, das aber ift König Sigmund, ob-
wohl er jchon hoch betagt ift.* Und fie ward ihm
gegeben, König Lynge aber fuhr hinweg, Sigmund
vermählte ſich mit Hiordis, und übertraf da ein Tag
immer noch den andern in der Bewirthung.
Darauf fuhr König Sigmund heim nad) Hunen-
land, und König Eylime, fein Schwiegervater, mit
ihm. König Lynge aber und feine Brüder jammelten
nun ein Heer um fi), und zogen gegen König Sig-
mund aus; denn fie hatten allemal den Kürzern
gezogen, wenn fie auch diemal den Vorrang (Bor:
fprung) hatten.“ *) Sie wollten nun dem Kampf—
muth der Volfunge zuborfommen**), und zogen nad)
Hunenland und jandten dem König Sigmmd Bot-
ſchaft: fie wollten ihn nicht Hinterliftig überfallen ***),
und wußten wohl, daß er nicht fliehen würde.
König Sigmund antwortete, daß er zum Treffen
fommen würde. Er 30g ein Heer zufammen; Hiordiß
aber ward mit einer Dienftmagd in den Wald ge-
*) Eigentlih: „Wenn auch dieſes nun den Vorrang be=
bauptete” (?). |
**) Oder: „ihren Kampfmuth brechen“?
***) Eigentlich: „Sich zu ihm heranſtehlen (ſchleichen)“.
56
— — —
fahren und großes 107) Gut mit ihnen: dort war
fie während des Kampfes.
Die Seehelden*) ſprangen aus den Schiffen mit
unwiderſtehlichem Heere. König Sigmund und König
Eylime erhoben nun ihre Barmer, und die Sriegd-
hörner wurden geblafen. König Sigmund ließ fein
Horn ertönen, da3 fein Vater gehabt Hatte, und
pornte feine Mannen an; Sigmund Hatte ein viel
kleineres Heer. Es begann nun dort ein harter Kampf,
und obihon Sigmund alt war, fo foht er doch
fräftig, und war immer der borderite feiner Mannen;
weder Schild noch Panzer Hielt gegen ihn aus, und
er ging an diefem Tage immer mitten durch daß
Heer feiner Feinde; und niemand fonnte erfehen, wie
es zwijchen ihnen ablaufen würde. Mancher Speer
und Pfeil flog da durch die Luft, aber fo ſchützten
ihn feine Späh=Difen**), daß er nicht verwundet
ward; und niemand fonnte zählen, wie mancher Mann
vor ihn fiel: er Hatte beide Arme blutig bis zur
*) Vikingar fol bier offenbar nicht Seeräuber, fondern,
wie in der Dichtung allgemein, (See-) Helden heißen,
vgl. Helg. Hund. I, Str. 28,4; Helr. 11,7 u. f. w.
**) Difen find Schubgöttinnen (j. unten S. 99 F), den Nornen
verwandt; daher hier Späh- (prophegeienbe , Schickſal
kündende) Diſen genannt?
57
Achſel. Und als der Kampf eine Weile gedauert
hatte, da fam ein Mann in die Schlacht, mit tief
herabreichenden Hut und blauem Mantel, der hatte
nur ein Auge und [trug] einen Speer in der Hand.*)
Diefer Mann trat dem König Sigmund entgegen
und bob den Speer gegen ihn empor; und als
König Sigmund kräftig hieb, traf dad Schwert auf
den Speer, und es zerfprang in zwei Stücke. Geit-
dem wandte fi) die Niederlage, und war König
Sigmund’3 Glück entwichen, und das Volk. fiel zahl:
reich auf feiner Seite.**) Der König jchonte Sic)
nicht, und fpornte das Heer mächtig an. Doch kam
es, wie das Sprichwort jagt, daß man gegen Ueber-
macht. nicht3 vermag. In diefer Schlacht fiel König
Sigmund ! und König Eylime, fein Schmiegerbater,
— — ñ—— — —
x*) Es war Odin. Vgl. S. 16. So ruft er auch andere
von ihm begünſtigte Helden, die er das Schwert in jeg⸗
licher Schlacht ſiegreich ſchwingen ließ, nach vollbrachter
Heldenlaufbahn zu ſich, die Freuden des Heldenlebens
in Walhall weiter zu genießen und einſt ihm zur Seite
zu ſtehen, wenn der Weltuntergang naht und die Mächte
der Vernichtung gegen die Götter heranſtürmen.
**) Dieſe Ueberſetzung verlangt der Sinn (fyrir a
vgl. u. ©. 81, 8. 6.
1) Sinfj. 3. 27 f. = Nth. 55,7.
58
vorn in der Schlachtreihe und der größte Theil
ſeines Heeres.
Zwölftes Kapitel.*)
König Lynge zog nun zum Königshofe, und
gedachte dort die Königstochter zu fangen; das aber
ſchlug ihm fehl,j108) und er fand da weder Frau
noch Gut. Er z0g nun durch das Land und ver-
theilte dort die Herrfchaft unter feine Mannen. Er
wähnte nun dad ganze Geſchlecht der Volſunge er-
ſchlagen zu haben **), und meinte, daß er fortan
nicht mehr Furcht zu hegen brauche.
| Hiordi8 ging nad) der Schlacht Nachts auf
die Walftatt, und kam dahin, mo König Sigmund
lag, und fragte, ob er noch zu heilen wäre Er
antwortete: „Viele genejfen bei geringer Hoffnung,
mir aber entwich dad Glück, fo daß ih mich nicht
will heilen laſſen: Odin will nicht, daß wir fürder
das Schwert ſchwingen, nachdem es zerbrach; ich
habe Kämpfe beſtanden, jo lange es ihm gefiel.“ ***) ı
*) Ueberſchrift nur zum Theil lesbar.
**) Bol. oben ©. 25 und 38.
***) Ziemlich getreue Wiedergabe einer (verlorenen) Strophe.
1) Bgl. unten S. 1211.
59
Sie ſprach: „Nichts däuchte mir zu fehlen, wenn
du geheilt würdeft und meinen Vater rächteſt.“ Der
König antwortete: „Einem andern ift das beitimmt:
du geht mit einem Knaben; pflege deſſen wohl und
jorgfältig, und diefer Knabe wird | berühmt werden
und der trefflichite in unſerm Gejchlechte. ! Verwahre
wohl die Schwertitüde,. daraus Tann ein gutes
Schwert gefchmiedet werden, dad Sram heißen joll.
Unfer Sohn foll e8 tragen und damit manche Helden-
that vollbringen, die nimmer vergefjen wird *), | und
jein Name wird genannt werden, fo lange die Welt
jteht: 2 damit tröfte dich.“ Mich aber ermatten
die Wunden, ich werde nun meine dahingegangenen
Blutsfreunde heimjuchen.“ **) Hiordis ſaß jodann über
ihm, bis daß er ftarb; und indem begann der Tag
zu leuchten. Sie ſah, dab viele Schiffe and Land
gefommen waren, und ſprach zu der Dienſtmagd:
*) eigentlich: „veralten wird“.
*) In Walhall bei Odin, wo die im Kampfe Gefallenen
aufgenommen wurden. Wie diefe dort von Odin und
feinen Helden feierlich empfangen werden, ſchildern alt=
nordifche Lieder, die Todtenlieder auf Erich Blutaxt
md Hakon den Guten. Sigmund und Ginfjotle em=-
pfangen Erich, Hakon findet acht Brüder in Walhall.
1) Bel. Sinfj. 3. 33 f. und unten ©. 1211. — 2) = Grip. 233, 5-8;
4, 5—8. — 3) = unten ©. 121, 8. 1.
60
— — — — —
„Wir wollen unſere Kleider tauſchen, und du ſollſt
dich mit meinem Namen nennen, und gieb dich für
die (eine?) Königstochter aus.“ Und ſo thaten fie.
Die Seehelden erblickten da eine große Menge
Gefallener und ſahen die Frauen zu Walde eilen.
Sie merkten [daran], daß hier Bedeutendes geſchehen
fein müfje*), und fprangen von den Schiffen. Die
Heer aber befehligte Alf, der Sohn König Hialpre®’3
von Dänemark; der war mit feinem Heere am
Lande vorbei gefahren; jo kamen fie zur Walftatt,
und jahen da die Menge Gefallener. Der König
gebot nun, die Frauen aufzufuchen; und alſo thaten
fie. Er fragte, ||109) wer fie wären; aber die Sache
nahm einen unerwarteten (ungewöhnlichen) Verlauf.
Die Dienftmagd ſprach für fie beide und erzählte
den Fall König Sigmund's und König Eylime’s
und manches andern vornehmen Mannes, und aud)
wer da3 vollbracht Hätte. Der König fragte, ob fie
wüßten, wo der Schaß des König verborgen wäre.
Die Magd antwortete: „Wohl ift zu vermuthen,
daß wir es wiſſen,“ umd wies [ihn] zu dem Schape.
Und fie fanden großen Reichthum, jo daß niemand
glaubte, jemald eben jo viel oder noch mehr Kojtbar-
*) Eigentli: „daß dies auf große (wichtige) Ereigniſſe
hinweijen werde.“
61
feiten an einer Statt beifammen gejehen zu Haben,
und trugen ihn zu den Schiffen Alf's. Hiordis folgte
ihm, und die Dienjtmagd desgleichen.
Er fuhr nun heim in fein NReich*), und fagte,
daß dort Die Könige gefallen ſeien, welche die bes
rühmteften gewejen wären. Der König jebte fich
and Steuer, die beiden Frauen aber jaßen im Vor-
raum**) des Schiffe. Er ließ ſich in ein Geſpräch
mit ihnen ein, und achtete wohl auf ihre Rede. Der
König Tam Heim in fein Reich mit vielen Schäßen.
Alf war ein fehr tüchtiger Held.
Und als fie furze Zeit daheim geweſen waren,
fragte die Königin ihren Sohn Alf: „Warum hat
die fchönere Frau weniger Ringe und jchlechteren
Anzug? ich erachte, daß diejenige die edlere ift, der
ihr weniger geachtet Habt.“ Er erwiderte: „ES hat
mir geahnt, daß nit einer Dienſtmagd Sinn in
ihr wohnt; und als wir zufammen trafen, da ver-
ftand fie wohl vornehme Männer zu empfangen: und
darauf Hin wollen wir eine Probe machen.“
— — — — — —
*) Der Inhalt der folgenden Abſchnitte iſt kurz angedeutet
unten ©. 121, 3. 8 ff.; vgl. Sinfj. 3. 28 f.
**) Gemeint ift der tiefere Raum in der Mitte des Schiffes,
der dem erhöhten Hinterded zunächſt liegt, aber mehr
nad) Hinten als nad vorn zu.
/
62
E3 geſchah nun einmal beim Trunfe, daß der
König fich zu den Frauen febte, mit ihnen zu plaw
dern, und fragte: „Woran erfennt ihr die Tageszeit,
wann ed nach der Nacht zu tagen beginnt, falls ihr
die Geftirne nicht ſehet?“*) Sie (die Magd) ant-
wortete: „Died Merkmal habe ich dafür: in meiner
Jugend war ich gewohnt jehr früh vor Morgen **)
zu trinfen, und jeitdem ich davon ließ, wachte ich um
diefelbe Zeit***) auf, und ift da3 mein Merkmal.“
Der König lächelte dazu, und fagte: „Daß war eine
üble Gewöhnung für eine Königstochter.”F) Er ging
darauf zu Hiordid und richtete an fie ebendiejelbe
drage. |110) Sie antwortete ihm: „Mein Vater gab
mir ein Ooldringelein mit der Eigenfchaft, daß es mir
gegen Ende der Nahtr}) am Finger erfaltet: das ift
mein Merkmal dafür.” Der König antwortete: „Da
war Gold nicht Inapp, wo Dienftmägde es trugen:
ihr werdet euch lange vor mir verftellt haben; und
* Fins. 4, 381 rühmt fi) jemand, er könne die Tages-
zeiten unterfcheiden, wenn er auch die Geftirne nicht fähe.
**) In der Ötta, dem legten Theil der Nacht vor Sonnen
aufgang, j. Weinhold, Altn. Leb. S. 373.
**x*) Eigentlich: „demgemäß“.
r) Eigentlich: „Schlimm war [bie] Königstochter gewöhnt.“
) S. oben Anm. #,
63
[doch] würde ich dich fo behandelt haben, als ob wir
beide Eine Königs Kinder wären, aud) wenn du
dies geſagt Hätteft.*) Und dir fol nun mehr
Ehre eriwiejen werden, dieweil du meine rau werden
ſollft, und ich will dir Brautfhab**) zahlen, fobald
du das Kind geboren Haft.” Sie antwortete und
fagte ihm ganz die Wahrheit von ihrem Schidjal.
Sie war nım dort in großen Ehren, und erjchien
als die angejehenite Yrau.
- Dreizehntes Kapitel. ***)
E3 wird nun gejagt, daß fie einen Knaben
gebar, und der Knabe ward dem König Hjalprek
gebracht. Der König ward froh, als er die fcharfen +)
— —— — ——
*) D. h. Auch wenn du deine königliche Herkunft mir
anvertraut hätteſt, würde das nicht — wie du befürchtet
zu haben ſcheinſt — deine Lage verſchlimmert haben, ſon⸗
dern ich würde dich ſo behandelt haben u. ſ. w.
**) Das Geld, welches der Bräutigam der Braut zahlte;
eigentlich dem Vater der Braut, denn es war urfprüngs
lich ein Kaufgeld.
xx*5) Ueberſchrift: „Sigurd's Geburt“.
7) „Durchdringenden“, wie wir von „durchbohrendem“ Blick
ſprechen.
—
Augen ſah, welche er im Haupte hatte, und ſagte,
keinem werde er ähnlich oder gleich werden. Und er
ward mit Waſſer begoffen*) und Sigurd genaunt.
| Von ihm jagen alle überein, daß an Haltung und
Wuchs feiner feines gleihen war. ? Er ward dort
bei König Hialpref mit großer Liebe aufgezogen. ?
Und wo alle die vortrefflichiten Männer und Könige
in alten Sagen genannt werden, | muß Sigurd vor-
angehen, was Stärfe und Tüchtigkeit, Thatkraft und
Kühnheit betrifft, jo er voraus gehabt hat vor allen
andern Männern im Nordtheil der Welt. Sigurd
wuchs dort auf hei König Hialprel ?, und jedes Kind
fiebte ihn. Jener (König Hjalprek nämlich) | verlobte
Hiordid mit König Alf**) * und beftimmte ihr den
Brautſchatz.
*) Auch im Heidenthum ward das neugeborene Kind mit
Waſſer beſprengt und ihm dabei der Name beigelegt.
Wahrſcheinlich ward das Erſcheinen der Nornen, die das
Schickſal des Kindes beſtimmten (ſ. unten S. 87**),
während dieſer heiligen Handlung gedacht. (Vgl. Mann-
hardt, Germ. Mythen, ©. 635 ff.)
**) So auch Sinfj., nicht mit Hjalprek.
1) Bgl. Sinfj. 3. 80 f. = Nth. 55,12 f. — 2) vgl. Sinfj. 3. 29 f.
— Nth. 55,9. — 8) vgl. Anm. 1 und 2; Sinfj, 3. 29-31 =
Nth. 55,9 ff.; 12 ff. — 4) vgl. Sinfj. 8. 28 f. = Nth. 55,8.
——
| Regin hieß Sigurd's Pflegevatgr*); er war
Hreidmar’d Sohn; er Iehrte ihn Kunftfertigfeiten,
Brettipiel und Runen und in vielen Zımgen zu reden,
wie da gebräuhlih war für Königsſöhne, und
mandherlei andre. ! Einmal, da fie beide [allein]
beifammen waren, fragte Negin Sigurd, ob er wiſſe,
wie großen Hort fein Vater gehabt habe, und wer
denjelben in Obhut Habe. Sigurd antwortete und
fagte, daß die Könige ihn verwährten. Regin ſprach:
„Zraueft du ihnen völlig?" Sigurd fagte: „ES
ziemt fi, daß jie ihn jo lange verwahren, bis es
mir dienlich ift,* denn fie verftehn fein befier zu _
hüten, als ich.“
Ein ander |111) Mal kam Regin zur Unter-
redung mit Sigurd und ſprach: „Wunderlich ift es,
daß du der Könige Roßknecht werden willft, und
wie die Landftreicher einhergehen.“ Sigurd ant-
wortete: „Nicht iſt es alfo, denn wir fchalten über
alles mit ihnen, und‘ fteht in unferer Gewalt, was
*) Daß Sigurd Hier außer feinem Stiefvater noch einen
Pilegevater hat (und zwar am Hofe felbjt von feßterem
erzogen wird), das erklärt fih aus Vermiſchung zweier
verfchiedener Sagengeftalten: einer ältern (Sigurd wädjlt,
ohne jeine Eltern zu fennen, bei Regin im Walde auf)
und einer jüngern (der obigen).
1) Inhaltlich glei) Regm. 3. 2-5 (= Nth. 55, 15—18).
5
66
wir haben wollen.“ Regin ſprach: „Bitt ihn, dir
ein Roß zu geben.” Sigurd antiwortete: „Sofort
wird das [gejchehen], wenn ich will.“
Sigurd ging nun zu den Königen. Da ſprach
der eine König zu Sigurd: „Was willſt du von
und haben?” Gigurd antwortete: „Ein Roß will id)
haben zu meiner Ergößung.“ Der König ſprach:
„Kieje dir felber ein Roß und was du etwa von
unferm Gute haben willft.“
Undern Tages darauf fuhr Sigurd zu Walde,
und begegnete einem alten Manne mit langem Barte*),
der war ihm unbefannt. Er frdyte, wohin Sigurd _
zu fahren vorhabe Der antwortete: „Ein Roß
habe id vor zu kieſen: jei mir behilflih dazu.“
Er ſprach: „Laß und gehn und (die Roſſe) zu dem
Strome treiben, der Bufiltiarn Heißt.“ Sie trieben
die Roſſe hinein in die Tiefe des Stroms, aber
alle ſchwammen and Land außer einem Hengite: den
nahm Sigurd. Er war grau an Farbe, jung an
Alter, groß von Wuchs und vielverjprechend; Nie-
mand war nod auf feinen Rüden gefommen. “Der
bärtige Mann ſprach: „Diefer Hengit jtammt von
*) Es ijt wieder Odin, der. auch fonjt mit lang berab-
wallendem Barte gedacht wird. Einer feiner Beinamen
ift „Langbart“.
Yan
— —
67
©leipni*), und er fol ſorgfältig aufgezogen werben,
denn er wird beſſer werden ald jegliche Roß.“ Da
verſchwand der Dann. Sigurd nannte den Hengit
Grane, und es ift das der beite Hengſt gemejen. !
Es war aber Odin, den er getroffen hatte.
Abermals ſprach Regin zu Sigurd: „Zu wenig
Gut Habt ihr, und es macht ung Kumnfer, daß ihr
laufet, wie die Dorfknaben: aber ich weiß dir großen
Hort nachzuweiſen und es iſt wohl zu glauben, daß
es Ehre bringt, ihn zu ſuchen, und Unjehen gewährt,
wenn du ihn gewinnſt.“ Sigurd fragte, wo ber
wäre, und wer feiner hütete. Regin antwortete:
„Er heißt Safni und liegt nicht weit von hier entfernt,
das heißt Gnita- Haide.**) Und wenn du hinkömmſt,
wirst du jagen, daß du niemald größeren Reichthum
an Gold an einer Statt ſaheſt; und nicht bedarfit
du mehr, ob du Schon aller Könige ültefter und
berühmtejter werden ſollteſt. Sigurd antwortete:
„Ich kenne die Art dieſes Wurmes, obſchon ich
*) Sleipni (Sleipnir) iſt Odin's achtbeiniges Roß, auf dem
er im Sturm daherfährt.
**) Die niederdeutſche Sage verlegte dieſe Haide zwiſchen
Paderborn und Mainz, wo ſie im 12. Jahrhundert dem
isländtichen Abt Nikolaus gezeigt ward (HS. 41).
1) Die Roßwahl ift in Regm. 8. 1 f. ganz kurz erwähnt, ohne daß
der Betheiligung Odin's gedacht wird. R
s 5
68 =
noch jung bin, und ich habe erfahren, daß niemand
ihm entgegen zu treten wagt wegen jeiner Größe
und |112) feiner Bosheit.“ Regin erwiderte: „Das
hat nichts zu bedeuten. Der Wuchs ift nad) Art
der Lindwürme; ımd es ift viel mehr davon gemadit,
al3 e8 ill. So würde e8 auch deine Vorahnen ge
dünkt habe; und wenn du auch vom Gefchlechte ber
Volſungen bift, fo wirt du doch nit ihre Sinnes-
art haben, die fie zubörderft genannt werden in
Hinfiht auf jegliche. Mannestugend.“ „Mag fein,“
eriwiderte Sigurd, „daß wir [noch] nicht viel von
ihrem Eifer oder ihrer Tüchtigfeit haben; doch ift
nicht vonnöthen [fie] mir abzufpredden, denn ich bin
noch wenig über Kindes Alter. Warum reizeft du
mich denn jo jehr dazu?“ Regin antwortete: „Davon
handelt eine Gefchichte, und die will ich dir erzählen.“
Sigurd ſprach: „Laß mich hören.“
Vierzehntes Kapitel. *)
„Das ift der Anfang diefer Geichichte, Daß mein
—— —— hieß, ein mächtiger und reicher
5 Ueberſchrift unleſerlich oder wahrſcheinlicher gar nicht vor⸗
handen geweſen. — Die folgende, Vorgeſchichte des Hortes“
theilweife wörtlich gleich Regm. und Sn. E. 114,2 ff. (in
Nth. nad) 55,19 f. auögelafien).
69
Mann; Fafni hieß fein einer Sohn, der zweite hieß
QAr *), und war ich der dritte, und war der geringjte
von ihnen an Sertigfeit und Anſehen. [Doch] Eonnte
ih Eifen bearbeiten, und aus Silber und Gold und
- and allen Dingen ſchuf ich etwas Nübliches. | Mein
Bruder Otr hatte andre Beichäftigung und Natur;
er war ein gewaltiger Waidmann, weit vor andern
Männern, und war Tags in Otters Geftalt und
hielt fih immer in dem Stromfalle auf und holte
She in feinem Maule herauf. Ben Waidfang
brachte er feinem Vater, und dem war das eine
große Hilfe. Häufig hatte er Otter Geftalt an fich,
fam jpät heim und aß blinzelnd und allein, denn er
fonnte auf dem Trockenen nicht ſehen. Fafni war
bei weiten der mächtigjte und grimmigfte und wollte
alles fein nermen 113) laſſen, wad da war. | Ein
Zwerg heißt Andvare (jagte Regin), der war immer
in dem Wafferfall, der Andvarafors **) heißt, in
Hechtes Geſtalt, und fing ſich da Speiſe, dieweil in
jenem Waſſerfall Fiſche die Fülle war.“ Mein
Bruder Otr fuhr (auch) immer in dieſen Waſſerfall,
*) D. h. Otter.
**) D. i. Andvare's Waſſerfall.
1) Vgl. Regm. 8. 9—11. — 2) = Regm. 8. 8 f. und 3. 7; vgl. Sn.
E. 115,5 f. (vielleit an richtigerer Stelle).
10
und holte Fiſche in feinem Maule — und legte
jedesmal einen aufs Land.
Odin, Lole und Höni*) kamen auf ihrer Fahrt
zum Andvaraford 1: da Hatte Otr einen Lachs ge
fangen und aß blinzelnd am Stromesufer. ? XLofe
nahm einen Stein und warf Otr zu Tode. Die
Aſen meinten jehr glücklich bei ihrem Bang geweſen
zu fein? und zogen den Balg von dem Btter. *
An diefem Abend Tamen fie zu Hreidimar und zeig-
ten ihm den Yang. 5° Da nahmen wir fie gefangen
und erlegten ihnen als Buße und Löfegeld auf, daß
fie den Balg mit Golde füllten **) umd ihn auch
von außen mit rothem Golde verhüllten. 6 Da jandten
fie Loke das Gold zu ſchaffen. Er fam zu Ran ***)
und erhielt ihr Neb, fuhr dann zum Andvaraford
und warf das Neb vor den Hecht, und dieſer fprang
in das Ne.” Da ſprach Lole: 8
*) Loke und Höni bilden mit Odin eine aud) fonft mehr—
fach, auftretende alte Götterdreiheit.
**) Ueber ein entiprechendes ſächſiſches Bußverfahren f.
Grimm, Rechtsalt.?, ©. 668 ff.
*x*) Des riefifchen Meergottes Aegi (Aegir) Gemahlin.
1) = Regm. 8.6 f.; Sn. E. 114,2. — 2) = Regm. 2. 10 f.;
Sn. E. 114,4 f. — 3) = Regm. 3. 11 f.; Sn. E. 114,5—7. —
4) = Regm. 3.13. — 5) = Regm. 8.13 f.; Sn. E. 114,9—13. —
6) = Regm. 3. 14—16; Sn. E. 114,16 ff. (ausführlicher). 115,2 ff. —
7) = Regm. 3.16—18; vgl. Sn. E. 115, 4—6 lürzer. — 8) die fol«
gende Str. = Regm. Str. 1.
71
„Was iſt das für ein Fiſch,
So in der Fluth ſchwimmt,
Kann ſich nicht vor Schaden hüten.
Dein Haupt löfe du,
Das der Hel verfallne *),
Und ſchaffe Gold herbei!“ **)
„Andvare heiß’ ich,
Din ***) hieß mein Vater,
Manchen Stromfall hab’ ich durchſchwommen. 114)
Eine unſelige Norn f)
Beſchied mir dereinſt,
Daß ich ſollte im Waſſer ſchwimmen.“!
Loke ſah nun das Gold, welches Andvare be-
ſaß, aber als dieſer das Gold ausgeliefert hatte, da
hatte er noch einen Ring F+) übrig: [auch] den nahm
*) Eigentlih:. „aus der Hel“ (Helle, Hölle), das ift aus
dem Reich, der Gewalt der unterirdifchen Todesgöttin
Hel, zu der alle nit an Wunden (im Kampfe) geftor-
benen, urſprünglich aber die abgefchiedenen Seelen über-
haupt kamen.
**) Eigentlich: „juche mir der Fluth Flamme”. In Aegi's
Halle leuchtet Gold ftatt des Feuers. Solche ſtaldiſche
Umfchreibungen heißen Kenning (Blur. kenningar).
+) Sin auch fonft genannter Zwerg. Die Hdichr. Hat
fälſchlich Othinn.
T) Die Nornen find Schickſalsgöttinnen (ſ. unten S. 87 **).
tr) Nach Sn. E. 115, 12 Hatte dieſer Ring (Andvaranautr)
1) = Regm. Str. 2.
12
ihm Loke ab. Der Zwerg ging in den Stein, und
ſprach !, daß es jedem den Tod bringen follte, der
den Ring befäße, und ebenjo all dad Gold.? Die
Ajen gaben Hreidmar dad Gold, und ftopften den
Otterbalg voll, und ftellten ihn auf die Füße: da
jollten die Afen daneben Gold aufhäufen und ihn
von außen umhüllen. Als aber das gethban war,
da ging Hreidmar Hinzu, und Jah noch ein Barthaar,
und gebot, dafjelbe zu verhüllen: da zog Odin von
jeiner Hand den Ring Andvaranaut *) und verhüllte
da8 Haar.? Da fprah le:
Gold ift dir num gegeben, .
Doch mein Haupt **) ift
Theuer dir bezahlt!
Deinem Sohne wird
Nicht Heil beſchieden: |
Es bringt euch beiden Tod.“
die Eigenichaft, fortwährend fich zu vervielfältigen, wie
Odin's Wunderring Draupni.
*) Nautr (Genofje), mit dem. Genitiv eined Gigennameng
bezeichnet den Gegenstand als früheres Eigenthum des
Genannten, bier Andvare’2.
**) D. h. Leben: Löſegeld heißt Haupteslöfung. (Vgl.
©. 71,4).
1) = Regm. Proſa nad) Str. 4; ausführlicher Sn. B. 115,7—15. —
2) vgl. Regm. Str.5; Sn. E.115,15 ff. — 3) Wörtlid = Regm.
Profa nad Str. 5; vgl. Sn. E. 115,21—116,4. — 4) — Regm.
Str. 6; vgl. Sn. E. 116, 6-8.
13
— — ——
Nachmals erſchlug Fafni ſeinen Vater (ſagte
Regin) und mordete ihn !, und ich bekam nichts von
dem Gute. Er wurde jo bösartig, daß er ſich in
die Wildniß zurüdzog umd niemandem gönnte bes
Gutes zu genießen, außer fih?; und ward ſeitdem
zu dem böfeften Wurme, und liegt nun auf dem
Horte. 3 Darnach begab ich mic) zu dem Könige und
ward fein Schmied. Und darauf läuft meine Gejhichte
hinaus *), daß ic) des Vatererbes und der Bruder-
buße entbehre. Das Gold iſt ſeitdem aud) Dtter-
buße genannt, und hiervon Beiljpiele**) hergenommen.“
Sigurd ſprach: „Viel Haft du verloren, und gar
böfe find deine Blutsfreunde geweſen. Made nun
ein Schwert mit deiner |115) geſchickten Hand ***),
daß feines gleich gut gemacht fei und ich, wenn der
Muth mir taugt, Großthaten [damit] vollbringen fünne,
willſt du anderd, daß ich jenen großen Drachen er-
*) Genauer: „Und das ift der Gegenftand (redha til)
meiner Geſchichte“.
**) ‚Borbilder”, gemeint ift wohl: für die ſtaldiſchen Um⸗
ſchreibungen. Der Sab jcheint auf Benutzung der
Sn. E. zu meijen.
**5*) Eigentlich: „Bon (mit, nach) deiner Geſchicklichkeit“.
1) gl. Regm. Proſa nach Str. 9, B. 4f.; Sn. B. 116,18 f. — 2) vgl.
Regm. Proſa nach Str. 11, 3. 1-24; Sn. E. 116, 15—17. — 3) vgl.
Sn. E. 116,23 f. [Regm. Profa nad Str. 14, 2 4 = Sn. E. 117,6;
Nth. 57,6 f.]
— .
74
ſchlage.“ Regin jprah: „Das thu' ih mit Zu—
verficht, und wirſt du mit dem Schwerte Fafni er⸗
fchlagen Türmen.“ |
Fünfzehntes Kapitel. *)
Regin fchmiedete nun ein Schwert und gab e3
Sigurd in die Hand. Der nahm da3 Schwert und
ſprach: „Dies ein jchlechtes Gefchmiede, Regin!“
und hieb in den Amboß, und das Schwert zerbrad).
Er warf die Klinge weg, und hieß ihn ein ander
beſſer Schwert ſchmieden. Regin ſchuf ein ander
Schwert und gab es an Sigurd; der blickte es an:
„Dieſes wird dir gefallen; aber ſchwer iſt es, für
euch zu ſchmieden.“ Sigurd verſuchte dieſes Schwert,
und zerbrach es wie das vorige. Da ſprach Sigurd
zu Regin: „Du wirſt deinen alten Blutsfreunden
gleichen und treulos ſein.“
Sigurd ging nun zu ſeiner Mutter; ſie begrüßte
ihn freundlich. Sie redeten da mit einander und tran-
fen. Da ſprach Sigurd: „Haben wir denn recht ver-
nommen, daß König Sigmund euh dad Schwert
Gram in zwei Stüden übergab?” Sie ermiderte:
„Wahr ift das.“ Sigurd ſprach: „Gieb ed mir
in die Hand, ich will es haben.” Sie jagte, von
*) Ueberſchrift? (Bei Bugge feine Angabe.)
v
75
ihm ſei Heldenwerk zu erwarten, und gab ihm das
Schwert.
Sigurd ging nun zu Regin, und hieß ihn,
daraus ein Schwert machen nad) [beitem] Vermögen.
Regin ward böfe und ging zur Schmiede mit den
Schwertjtüden, und däuchte ihm Sigurd allzu viel
zu berlangen Hinfichtlih de3 Schmiedens. | Regin
machte nun ein Schwert !, und al3 er das aus der
Eſſe zog, erſchien es den Schmiedelnechten, al3 wenn
Feuer aus den Schneiden brenne Er hieß Sigurd
e3 hinnehmen, und fagte, er verjtehe nicht ein Schwert
zu jchmieden, wenn dieſes verjagte. | Sigurd hieb in
den Amboß, und Höbte ihn nieder 6i8 zum Fuße 2,
und nicht brach noch zerijprang ed. Er lobte daß
Schwert fehr, und | ging zum Fluſſe mit einen Flock
Wolle, und warf ihn gegen den Strom: und es
ward zerichnitten, ald er da3 Schwert dagegen hielt. 3
Da ging Sigurd vergnügt heim. Regin ſprach:
„Jetzt, da ih das Schwert gefchmiedet Habe, werdet
ihr euer Verſprechen erfüllen |116) und Yafni aufs
ſuchen.“ * Sigurd entgegnete: „Sch werde ed aus—⸗
führen, doch zubor noch etwas anderes, nämlich mei=
1) = Regm. Proſa nad) Str. 14, 3. 6 (Sn. E. 117,5; Xth. 57,8). —
2) = Ebenda 3. 11 f. (Sn. E. 1178 fi; Nth. 57,10 f.). —
3) = Ebenda 8. 7—10 (Sn. E. 117,685 Nth. 57, 8-10). —
4) = Ebenda 2. 13 f. (Nth. 57,11 f.).
16
nen Water rächen.” ! Gigurd ward, je älter er
ward, um fo beliebter bei allem Volfe, jo daß jedes
Kind ihn von Herzen liebte.
Sechzehntes Kapitel. *)
Gripi Hieß ein Mann, der war Sigurd’ Mutter:
bruder. Und bald darauf, nachdem das Schwert
geſchmiedet war, machte er ſich auf zu Gripi; denn
diefer war ein Seher und mußte der Menjchen Zus
funft voraus. Sigurd forfchte nach, wie fein Leben
ſich gejtalten würde; aber Gripi war lange nidt
dazu zu bewegen, doch fagte er zulegt auf Sigurd's
eindringlide Bitte ihm all fein: Schidjal, jo wie es
darnach erging. Und als Gripi diefe Dinge gejagt
hatte, jo wie er (Sigurd) begehrte, da ritt er heim.
Und bald darnad) traf er ji mit Regin. Da jprad)
diefer: „Erſchlagt Fafni, wie ihr verheißen habt.“ ?
Sigurd antwortete: „Das will ich thun, doc) zuvor
noch etwas anderes, nämlich König Sigmund rächen
und andere Blut3freunde von mir, die dort in jener
Schlacht fielen.” ?
*) Meberfchrift nicht ganz lejerlih. Won Gripi's Weid-
fagung handelt ein beſonderes Eddalied (Grip.).
1) ®gl. Regm. Str. 16. — [2) vgl. Regm. Schlußproſa.) — 3) =
Anm. 1. Die Wiederholung erflärt fih wohl daraus, daß der In⸗
balt der Grip., die in der Lieder⸗Edda an anderer Stelle fteht,
bier eingeſchoben ift.
77
⸗
Siebzehntes Kapitel.*)
Nun ging Sigurd zu den Königen und ſprach
zu ihnen: „Wir find hier lange Zeit geweſen und
haben euch Tiebevolle Gefinnung und große Ehre zu
lohnen: aber nun wollen wir aus dem Lande fahren
und Hunding's Söhne auffuhen; und fie jollen
wiffen, daß die Volſunge nicht alle todt find **),
und dazu wollen wir eure Hilfe haben.” Die Könige
jprachen, fie wollten ihm dazu geben, was er erbäte,
E3 ward nun ein großes Heer audgerüftet und alles
aufs forgfältigfte bereitet, Schiffe und alle8 Heer—
geräthet, jo daß feine Fahrt herrlicher fein jollte, denn
[eine?] zuvor. Sigurd befehligte das Schiff, welches
das beſte und ftattlichfte war; ihre Segel waren mit
Sorgfalt gearbeitet und prächtig anzufchauen.
Sie jegelten nun mit gutem Winde; aber als
wenige Tage verjtrichen waren, | da fanı ein heftiges
Wetter mit Sturm ?, und die See war, als ob man
in Blut ſähe. Sigurd gebot, die Segel nicht ein-
*) Ueberſchrift: „Sigurd erichlägt Lynge und Hiorvard und
alle die [Brüder].
**) Bol, ©. 25, 38, 58.
1) Zu ap. 17 biß hierher vgl, Regm. Brofa nad Str. 15, 3. 1f. —
2) vgl. ebenda 2. 3.
18
zuziehen, wenn fie auch zerrifien, |117) vielmehr ge⸗
bot er fie moch höher zu ſetzen als zuvor. *) | Und
als fie an einem Vorgebirge vorüber fegelten, da rief
ein Mann ! zu dem Schiffe hinauf und fragte, wer
über das Heervolk zu befehlen. hätte, 2 Ihm ward
gefagt, daß Sigurd, Sigmund’3 Sohn, da wäre?,
„der nun der berühmtefte aller jungen Männer: ift."
Der Mann fagte: „Alle ſprechen fich übereinjtimmend
über ihn dahin aus, daß feine Königsſöhne mit ihm
verglichen werden können. Ich wollte, daß ihr da3
Segel in irgend welden Schiffe niederfießet, und
mich aufnähmet.” | Sie fragten ihn nad) dem Namen*;
er antwortete:
„Hnikar **) hieß man mich,
Da |ih Hugin ***) erfreute,
*) Ganz, wie Helge that, oben ©. 44. Jene, auf Helg.
Hund. I beruhende Schilderung wird das Vorbild diefer
geweſen fein.
**) Siner ber vielen Namen Odin's.
***) D. i. Gedanke; einer der beiden Raben, die als verkör⸗
perte Gedanken Odin's über alle Welt fliegen und ihm
Nachricht bringen. Nach anderer Auffaffung waren fie
die den Kriegsgott begleitenden Schlachtvögel; daher
Hugin erfreuen = den (die) Raben erfreuen = kämpfen.
1) = Regm. Pr. n. Str. 15, 3.4f. — 3) = Regm. Str. 16, 1-1
(= Nth.). — 3) = Regm. Str. 17,1f. (= Nth.). — 4) = Roga.
17,8 (= Nth.).
19
Sunger Bolfung *),
Und gekämpft Hatte.
Nun magit du mich nennen
Den Alten vom Berge,
Feng oder Fiolni **);
Mit will ich fahren.“ ?
Sie Ientten ans Land und nahmen den Alten
in ihr Schiff: da hörte das Wetter auf?, und fie
fuhren, bis fie im Neiche der Hundingsföhne ans
Land kamen; da verſchwand Fiolni. Sie ließen al3-
bald euer und Schwert wüthen, erſchlugen die
Männer und verbrannten die Gebäude, und heerten,
wo ſie fuhren.
Nun lief das Volk von dannen zu König Lynge,
und ſagten, daß hier ein Heer ins Land gekommen
ſei, und mit größerer Wuth daher fahre, als daß
man ſeines gleichen fände; ſie ſagten auch, die Hun-
dingsſöhne ſeien nicht meitjidhtig, da fie gejagt
hätten, fie fürchteten fich nicht vor den Volſungen:
„nun aber führt diefe® Heer Sigurd, Sigmund’3
Sohn.” | König Lynge 118) ließ nun duch fein
*) So unfere Saga abweichend von Regm.; zweifelhaft,
ob richtiger.
**) Ebenfalls Namen Odin's.
1) = Regm. 18 (= Nth.) — 3) = Regm. Proſa nach Str. 18,
B. 1 f. (= Nth. 60,19 f.).
u
80
ganze Reich ein Heergebot ergehn. Nicht wollte
er fein Heil in der Flucht fuchen, [fondern] entbot
zu fi alle die Mannen, melde ihm Heerfolge leiften
wollten. Er 309 nun Sigurd entgegen mit jehr
großem Heer, und feine Brüder mit ihm !; da erhub
fih ein gar harter Kampf zwilchen ihnen. 2 | Da
mochte man in der Luft fehen manchen Speer*) ımd
Pfeil, manche Streitart Hoch geſchwungen, Schilde
klöben und Harniſche zerfeßen, Helme zerhauen und
Schädel fpalten, und manden Mann zur Erben
ftürzen. **) Und als die Schlacht gar Tange Zeit fo
geftanden Hatte, drang Sigurd vor an den Bannern
vorbei, und Hatte das Schwert Gram in der Hand:
‘er bieb ſowohl Mann wie Roß, und ging durch die
Heerſchaaren, und Hatte beide Arme blutig biß zur
Achſel ***); und da3 Volk wich von dannen, wohin
er fam, und vor ihm hielt weder Helm noch Har-
niſch }), und niemand meinte zuvor einen ſolchen Mann
*) VBgl. oben ©. 56.
**) Aehnliche Schilderungen oft m Thidr. 8.
“er, Bol. oben ©. 42. 56; aber auch Thidr. s. oft.
+) Vgl. oben ©. 56.
1) ®gl. Nth. 68, 8-10. — 2) = Regm. $rofa nad Str. 25, 8.11.
= Nth. 63,10. — Die folgende Schlachtſchilderung ift Ermeiterung
in der formelhaften Weife bes Sagafchreibers (Beitr. 3,239); wobei
jedod die Anklänge an die Thidr. s. zu beachten find. (Nth. 63,10
big 64,12 bat in anderer Weije den Kampf audgemalt.)
81
gejehen zu haben. Dieje Teldichlacht dauerte Lange,
indem viele Männer fielen und heftig angegriffen
ward. Es geſchah dort, was felten fich begeben
mag, daß, obſchon das Heer des Landes ſtets zufloß,
e3 doch nichts verfing; und es fielen da fo viele auf
Seiten der Hundingsſöhne, daß niemand ihre Zahl
wußte. *) MS Sigurd weiter vorn in der Schladt-
ordnung war, da famen ihm die Söhne König Hun-
ding’8 entgegen. | Sigurd Hieb nad) König Lynge,
und klöbte ihm Helm umd Haupt und den gepanzerten
Leib. Und darnach hieb er Hiorvard, deflen Bru-
der, durch in zwei Stüde **), und erfchlug dann alle
Hundingsfühne!, die noch Iebten, und den größten
Theil ihres Heeres.
Nun fuhr Sigurd heim? mit ſchönem Siege,
und großer Beute und Ruhm, ſo er auf dieſer Fahrt
gewonnen hatte. Da wurden daheim im Reiche Feſte
für ihn bereitet. |
Und al® Sigurd kurze Beit daheim gemejen
war, kam Regin mit ihm zu reden, und fagte:
„Nun werdet ihr doch Fafni's Helm [euch] aufs
*) Vgl. oben ©. 56 und 57 **,
**) Aehnliche Schilderungen oft in Thidr. s.
1) gl. Regm. Brofa nad) Str. 25, 8.3 f. (in Nth. geändert). —
3) = Regm. Profa nad Str. 16, 2. 1.
6
82
Haupt jeßen *) wollen, wie ihr es verheißen habt.
Run haft du deinen Vater und andere deiner Bluts-
freunde gerochen.” % Sigurd antwortete: |119) „Ich
werde da3 erfüllen, wie ich es verheißen Habe, und
nicht fommt mir das aus dem Gedächtniffe.“
Achtzehntes Kapitel. **)
Nun ritten fie, Sigurd und Regin, Hinauf auf
die Haide zu dem Wege, den Fafni zu fTriechen
pflegte 2- und es heißt, daß die Klippe, auf welcher
er am Waſſer lag, wenn er trank, dreißig Klafter)
entfernt war. Da ſprach Sigurd: „Das jagteft du,
Regin, daß diefer Wurm nicht größer wäre denn
ein Lindwurm, aber mir fcheint feine Spur über-
groß." Regin fprah: „Mach' eine Grube, und
fee dich darein; und wenn der Wurm zum Wafjer
friecht, fo jtich‘ ihn ind Herz, umd bring’ ihn To zu
Zode: davon gewinnt du großen Ruhm.“ Sigurd
antwortete: „Wie wird es dann ergehn, wen das
*) Oder: „ibm vom Haupte ſtoßen“? (steypa).
**) Meberfchrift: „Regin und Gigurd reiten”. Bon bier
ab find die Uebereinftimmungen mit der Lieber- Edda
jehr genau.
1) gl. Regm. Proſa nad) Str. 16, 3.2f. — 2) = Fafn. Profja
3. 1-83 [Sn. E. 117,9 f.].
83
Blut des Wurmd mid überjtrömt?* Regin fprad):
„Nicht kann ich dir Rath ertheilen, da du vor allem
und jedem dich. fürchtet, umd biſt du ungleidy deinen
Blutsfreunden an Heldenmuth.“
Sigurd ritt nun auf die SHaide, Regin
aber wid) von dannen überaus bange. ! Gigurd
machte eine Grube?, und ald er bei dieſer Arbeit
war, kam zu ihm ein alter Mann mit langem
Barte *), und fragte, was er da made. Er jagte
es ihm. Da ſprach der alte Mann: „Das ift un-
räthlich: mache mehrere Gruben, und laß da hinein
da8 Blut rinnen, du aber fiß’ in einer und ftid)
den Wurm ind Herz.” Da entfernte ſich jener
Mann; | Sigurd aber machte Gruben ?, jo wie ihm
vorgeſchrieben war.
Und als der Wurm zum Waſſer froh, ward
fo ſtarkes Erdbeben, daß rings umber die Erde er-
bebte. Er fpie immerweg Gift vor ſich her. * Sigurd
aber beichli Feine Furcht noch Angſt bei dieſem
©etöfe: | und ald der Wurm über die Grube Froch,
da ſtach ihn Sigurd unter den linken Bug, fo daß
*) Wieder Odin. Vgl. ©. 66. Dies Eingreifen Obin’s
fennt weder Fafn. noch Sn. E.
1) = Fafn. Proja nad Str. 22, 3. 1 f. — 2) und 3) = Fafn. Proja
am Anfang, 3. 4 f.; Sn. E. 117,10 f. — 4) = Fafn. ebd. 2.6 f.
6*
84
das Schwert bis and Heft Hinein fuhr. *)t Da
fprang Sigurd hervor auß ber Grube?, und ri
das Schwert an fi), und Hatte die ganzen Arme
blutig bis zur Achfel Hinauf.**) Und als der große
Wurm jeine Todeswunde fühlte, | da jchlug er mit
Haupt und Schwanz 3, fo daß alle? |120) entzwei
brach, was ihm in den Weg kam. Und aß Yafni
die Todeswunde empfangen hatte, |da fragte er: „Wer
bift du, und wer ift dein Vater, und melches ift dein
Geſchlecht, daß du dich erfühnft zu dem Wagniß, Die
Waffen gegen mich aufzuheben?“ * Sigurd ant-
wortete: „Mein Geſchlecht ift den Menſchen un⸗
befannt®, ich heiße vornehmes Thier, und habe Teinen
Bater. noch Mutter, und allein bin ich gewandelt.“ ***) 6
*) Eigentlich: „So daß es (Fafni's Körper) an den Griff
ſtieß“. Vgl. oben S.15*. In Fafn. heißt es „bis ans
Herz“ (til hiarta fintt til hialta oder umgefehrt?).
**) Diejelbe Wendung oben S. 56 und 80.
***) Hier jeheint, wenn auch verdumlelt, noch jene ältere
Sagenauffafjung durchzublicken, der zu Folge Sigurd
im Walde aufwuchs, ohne jeine Eltern zu Tennen (j.
oben ©. 65*. Die zu Grunde liegende Strophe
Fafn. 2 jcheint älter als die erhaltene Geſtalt dieſes
1) = Fafn. Profa 3. 9-11; Sn. E. 117, 11—18. — 2) = Fafn.
Proſa 3.13. — 9) = Ebenda 3. 11-18. — 4) = Fafn. Str. 1. —
5) = Fafn. 4, 1 f. — 6) = Fafn. 2.
85
Fafni antwortete: „Wenn du feinen Vater haft noch
Mutter, durch welches Wunder biſt du denn geboren?!
Und wenn du mir auch an meinem Todestage *) deinen
Namen nicht fagft, jo weißt du[?], daß du num lügſt.“?
Er antwortete: „Ic heiße Sigurd, und mein Vater
Sigmund. "3 Fafni antwortete: „Wer reizte Did)
zu diefer That, und wodurch Tießeft du dich dazu
reizen? * Hatteſt du nicht vernommen, wie alles
Volk ſich fürchtete vor mir und meinem Schreckens⸗
Helm? **) | Du Knabe mit den funfelnden Augen, du
hatteft einen tapfern Water.“ 5 Gigurd antwortete:
„Hierzu ſpornte mid) der tapfere Muth, und es half
dazu, daß es vollbradht ward, dieſe ftarfe Hand und
dieſes ſcharfe Schwert, das du fueben kennen Iepnteit:
und felten ift im Alter tapfer, wer in der Jugend
zart ***) if." 6 Fafni erwiderte: „Das weiß ich,
Liedes und daher nicht im urſprünglichen Zuſammen⸗
bang zu jtehn.
*) Fafn. fügt hinzu, Sigurd babe feinen Namen verhehlt,
weil man dem Yluch eines Sterbenden mit Nennung
des Namen? große Macht zufchrieb. Vgl. aber die
vorige, Anm.
**) Degis-Helm, d. h. „Helm des Schreders“.
”**) So unfer Text (blautr), in Fafn. blaudhr (blöde,
furchtſam).
1) = Fafn. 3, 1-8. — 2) fehlt in Fafn. — 3) = Fafu. 4, 4-6. —
4) = Fafn. 5, 1-3. — 5) = Fafn. 5, 4—6. — 6) = Fafn..6.
86
wenn du bei deinen Blutfreunden aufgewachſen
wäreft, daß du wiſſen würdeſt zornmuthig zu
fümpfen 1: das aber ift mehr zu verwundern, daß
ein Kriegögefangener, der Feſſeln trug *), fi fol
erfühnt haben gegen mich zu fechten, dieweil Kriegs⸗
gefangene jelten wader zum Kampfe find.“ 2 Sigurd
ſprach: „Du wirfit mir vor, daß ich fern von
meinen Blutöfreunden gewefen jei; aber obſchon ich
friegägefangen war, jo ward ich doch nicht gebum-
den; und du empfandelt es, daß ich ungefeffelt war.“ ®
Fafni antwortete: „Mit Zornworten nimmit du
jegfiche8 auf, was ich 1121) jage: aber dieſes Gold,
welche ich bejefien Habe, wird dir den Tod bringen.“ *
Sigusd entgegnete: „Jeder will gern Gut bejiben
bi8 zu dem einen Tage, und einmal muß (dod)
jeder fterben.” 5 Fafni ſprach: „Wenig millit du
mein Beifpiel dir zur Lehre dienen laffen*); aber ®
ertrinfen wirft du, wenn du unborfichtig über See
*) Daß Sigurd Kriegsgefangener genannt wird, bezieht
ſich darauf, daß er noch ungeboren durch Alf vom
Schladitfelde heimgeführt ward (S. 60 f.); daß er ge
fefjelt gewejen, iſt Uebertreibung.
**) Eigentlich: „nad) meinem (warnenden) Beifpiel handeln“.
1) = Fafn. 7, 1-8. — 2) vgl. Fafn. 6, 4-6. — 9),— Fan. 8 —
4) vgl. Fafn. 9. — 5) = Fafn. 10. — 6) fehlt Fafn. (? vgl. aber
Str. 11, 1-8).
87
fährst, und warte lieber am Lande, bis es ftille ift.“ 1
Sigurd ſprach*): „Sage mir, Yafni, wenn du recht
weife bift, welcher Art die Normen **) find, fo die
Kinder von den Müttern löſen.“ ***) 2 Zafni antwor-
tete: „Bahlreich find fie und verfchiedenartig. Etliche
find von der Afen, etliche von der Alfen +), und
etliche von Dvalin’3 FF) Gejchlechte.“ 3 Sigurd ſprach:
„Wie heißt der Holm, wo Surt rt) und die Aſen
*) Das Folgende bis ©. 88* ift in Fafn. aus einem my⸗
thologifchen Liede, wahrjcheinlich Vafthr., unpaffend ein-
gejchoben.
**) Die Nornen walten über das Schickſal des Menſchen
von der Geburt bis zum Tode; ſie erſcheinen an der
Wiege des Neugeborenen, um ihm ſein Schickſal zu be—
Stimmen („an der Wiege geſungen“; ſ. oben ©. 40*).
Hier erſcheinen fie geburtshelfend, d. 5. Leben ver⸗
leihend. Eigentlich) find ihrer nur drei; Urd, Verdandi,
Skuld (Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft).
***) Durch Zauberfprüdhe nämlich, ſ. Bugge S. 195.
f) Die Alfen (Elfen) find urfprünglich abgefchiedene Seelen.
+r) Dvalin ift Hier wie öfter Repräfentant der Zwerge
überhaupt.
+) Surt, d. h. der Schwarze, ftürmt beim Weltuntergange,
die Fackel zum Weltbrand ſchwingend, gegen die Götter
zum Kampf. — Holme (Injeln) waren als Kampfftätten
beliebt.
1) Bgl. Fafn. 11, 4-6. — 2) = Fafn. 13. — 3) = Fafn. 19.
88
Schwert-Naß *) zuſammenmiſchen?“! Yafni ant
wortete: „Uſkapt beißt er.“ 2 Zürder ſprach Fafni:
„Regin, mein Bruder, rieth mir den Tod, und es
. freut mich **), daß er auch dir den Tod räth; fo er-
geht es dann, wie er wollte.“ 3 Weiter ſprach Fafni:
„Den Schredfendhelm trug ich ob allem Bolfe, feit-
dem ich auf meines Bruderd Erbe lag*, und fo
fprühte ich allewege Gift ® von mir aus, daß Teiner
es wagte mir nahe zu kommen, und feine Waffen
fürchtete ih ®, und nimmer fand id) fo viele Männer
vor mir, daß ih mich nicht viel ftärker däuchte?,
alle aber waren in Furcht vor mir.“ Sigurd ant-
wortete: „Der Schredenshelm, von dem du fagteft,
giebt wenigen Sieg; denn jeglicher, der mit vielen
zujammen kömmt, kann das irgend einmal finden,
daß feiner der allertapferfte ift.“ ®_ Fafni antwortete:
„Ich rath' es dir, daß du dein Roß nimmft und
reiteft ſchleunigſt hinweg ?; denn es begiebt ſich
*) Blut mifchen, bier nicht, um dadurch BlutSbrüderfchaft
zu fchließen, fondern im Kampfe (auf dem Schladt-
felde) das Blut von Freund und Feind zufammenfließen
laſſen.
**) Eigentlich: „es macht mich lachen“.
ı) = Fafn. 14. — 2) = Fafn. 15,1. — 3) vgl. Fafn. 32, 1-3. —
4) = Fafn. 16, 1-3 und 18, 2-3 (Abirren?). — 5) = Fafn.
18,1. — 6) fehlt in Fafn. — 7) = Fafn. 16, 4—6. — 8) — Fafn.
17. — 9) vgl. Fafn. 20, 1—3.
89
oft, daß der, welcher den Todesſtreich empfängt, ſich
jelber rächt. 2 Sigurd antwortete: „Diele iſt
dein Rath, aber anders werde ich thun: ich werde
zu deiner Behaufung reiten |122) und dort das viele
Gold nehmen ?, daS deine Blutsfreunde beſeſſen Haben.“
Fafni antwortete: „Du wirft dahin reiten, wo du jo
viel Gold findeft, daß es um deine Lebtage gethan
it ?, und dafjelbe Gold wird dein Tod, und jedes
andern, ber ed Hat.“ ) Sigurd ftand auf umb
jagte: „Heim würde ich reiten, obſchon ich dieſes
viele Gold mißte, wenn ich wüßte, daß ich niemals
fterben follte 5; doch ein jeder kühne Mann will über
Gut walten bis zu dem einen Tage. 6 Du aber,
Zafni, lieg im Todeskampfe, wo dich Hel **) Habe!“ 7
Und da ſtarb Fafni.
*) Vgl. oben ©. 72°.
**) Bol. S. 71, Anm. *.
1) Fehlt in Fafn. — 2) vgl. Fafn. 21, 1-83. — 3) fehlt in Fafn. —
4) vgl. Fafn. 20, 3—6 = 9, 4—6 [oben S. 864). — 5) fehlt Fafn. —
6) = Fafn. 10, 1—3 [oben S. 865). — 7) = Fafn. 21, 4—6.
[Ueber die abweichende Anordnung dieſes AbfchnittS in Fafn.
Germ. 23, 314 ft]
90
Neunzehntes Kapitel. *)
Hierauf | kam Regin zu Sigurd und ſprach!:
„Heil, mein Herr, großen Sieg haft du gemonnen,
da du Fafni erfchlagen Haft, auf deffen Wege zu
fißen bißher Niemand ſich erfühnte 2; und diefe Hel-
denthat wird fortleben, jo lange die Welt fteht.“
Nun Stand Regin auf und ſah nieder zur Erden
lange Zeit, und darnach ſprach er plößlich mit
Ihwerem Muthe: | „Meinen Bruder Haft du erjchla-
gen, und ſchwerlich kann ich jelber von der Mitjchuld
freigefprochen werden.“ ° Da nahm Gigurd fein
Schwert Gram und trodnete es am Graſe?,
und ſprach zu Regin: „Berne gingft du, als id
diefe That vollbrachte; und ich verfuchte dieſes ſcharfe
Schwert mit meiner Hand, und meine Kraft bot ih
auf gegen des Wurmes Macht, indeß du in einem
Haidebufche lagſt? und [nicht] mußteft von Himmel
no Erde.“ **) Regin antwortete: | „Diefer Wurm
*) Ueberſchrift: „Regin trinkt Fafni's Blut“.
**) nicht“ fehlt in der Hoſchr. Eigentlih: „Du wußteſt
[nicht], ob [e8? der Bufh?] Himmel oder Erde war”
(oder ob Himmel oder Erde eriftirte?).
1) Fafn. Brofa nad Str. 22, 3.2 f.; Sn. E. 117,138. — 2) vgl.
Fafn. 23. — 3) = Fafn. 25, 4—6; vgl. Su. E. 117,18 f. — 4) vgl.
Fafn. 25, 1-3; Proja nad 22, 3. 3 fe — 5) = Fafn. 28.
91
hätte Yange in. feinem Nefte liegen mögen, wenn bu
das Schwert nicht benutzt hätteft, das ich dir fertigte
mit meiner Hand; und nicht hätteft dur dieſes allein *)
1123) vollbracht, noch jemand ander.“ 1 Sigurd ant-
mortete: „Wo man zu GStreite kömmt, da ijt dem
Manne befjer ein tüchtiges Herz, denn ein ſcharfes
Schwert.” ? Da fagte Regin zu Sigurd in ſchwerem
Kummer: „Du haft meinen Bruder erfchlagen, und
ſchwerlich Tann ich jelber von der Mitſchuld frei
geſprochen werden.” ®
Nun ſchnitt Sigurd das Herz aus dem Wurme,
mit dem Schwerte, das Ridil hieß. Da trank Negin|
Fafni's Blut und ſprach:“ „Gemwähre mir eine)
Bitte, die leicht für. dich zu gewähren ift: geh’ zum
Feuer mit dem Herzen und brat e8 und gieb es
mir zu ejjen.’® Sigurd ging, und briet es am
Spieße, und als [der Saft] heraus quoll, da tippte
er mit jeinem Yinger daran, fojtend, ob es [jchon]
gebraten wäre; [er verbrannte ſich und] **) ſteckte den
dinger in, jeinen Mund: und al3 dad Herzblut de3
*) In der Hdſchr. fteht enn „noch“ (ftatt einn?).
**) Fehlt in der Saga, ergänzt nach Fafn.
ı) = Fafn. 29. — 2) = Fafn. 30. — 3) fehlt Fafn., = oben ©. 90%. —
4) = Fafn. Proſa nad) 26, 3. 1-5. — 5) vgl. Fafn. 27; Sn.
E. 117,15. [Diefe von Fafn. abweichende Anordnung ift die rich⸗
tigere, |. Germ. 23,316 ff.] — Dieſe Lelftung verlangt Regin als
Bruderbuße, vgl. Sn. E. 117,14 f.
92
| Wurms ihm an die Zunge fam, da verftand er Der
Vögel Stimme Er hörte, wie Spechtmeifen im Ge⸗
: büfche neben ihm fangen !: „Da ſitzt Sigurd und
brät Fafni's Herz! Das follte er felber eſſen, jo
würde er weiſer werden, denn irgend ein Mann.“ ?
Die andre fagte: „Da liegt Negin, und will den
betrügen, der ihm traut.“ ® Da jprach die dritte:
„Haue er ihm das Haupt ab, fo mag er allein des
vielen Goldes walten.” * Da ſprach die vierte: „Da
wäre er weiſer, werm er das befolgte, was ihr ihm
gerathen ®, und ritte Darauf zum Lager Fafni's
und nähme da das viele Gold, jo dort ift®, und
ritte jodann hinauf nad) 124) Hindarfjall *), mo
Brynhild**) fchläft ”, und dort wird er große Weis⸗
heit lernen; | und Dann wäre er weile, wenn er euerm
Rath folgte und bebächte, was ihm Noth thut: dort
. *) Berg der Hindin (?).
xx) Richtiger Sigrdrifa. Beide gingen durch Spaltung aus
der Einen Brynhild der deutjchen Sage hervor, werden
aber in den ältern nordifchen Duellen von einander ge=
ſchieden. Der Berf. unferer Saga hat fie wieder zu—
jammengemworfen (vgl. Beitr. 3,265 ff.).
1) Faſt wörtlih = Fafn. Profa nad Str. 31, 3. 1-19; Sn. B. 117,
16-22. — 2) = Fafn. 32 (= Sn, E.). — 8) = Fafn. 88, 1 4
(== Sn. B.). — 4) = Fafn. 34. — [5) = Fafn. 85, 1—4.] — 6) vgl.
Fafn. 38, 4—6. 40, 1—4. — 7) kurze Wiedergabe von Fafn. 42—43.
98
wähne ich den Wolf, wo ich feine Ohren fah.“ *) ?
Da ſprach die fünfte: „Nicht ift er fo Aug, wie
id) dachte, wenn er feiner ſchont und doch zuvor
feinen Bruder getödtet hat.“ ? Da fprad) die fiebente:
„DaB wäre ein kluger Math, wenn er ihn erfchlüge
und allein des Hortes waltete.“ 3 Da ſprach Si-
gurd: „Das Unheil fol nicht geichehen, daß Regin
mein Mörder werde. Lieber ſoll e8 den Brüdern
beiden gleichermeife ergehn.” * Er züdte nun das
Schwert Gram und hieb Regin dad Haupt ab.?® Und
darauf aß er ein Stüd von dem Herzen des Wur- |
med, und ein Stüd bewahrte er bei ih. \
Sodann fprang er auf fein Roß und ?|ritt
der Spur Fafni's nach, bis zu feiner Behaufung,
und fand, daß fie offen war, und alle Thüren von
Eifen, und ebenfo die Thürrahmen, und von Eijen
auch alle Grundbalfen im Haufe, und ldieſes war]
in die Erde eingegraben. Sigurd fand da eine
große Menge Goldes und das Schwert Hrotte, und
*) Ein isländiſches Sprichwort: „Der Wolf ift nicht weit,
wo man feine Ohren ſieht.“ Hier mit Bezug auf Re⸗
gin’3 Heimtüde, die Sigurd durchſchauen ſollte. Wolf
wird in ſolchen Verbindungen = „Feind“ gebraucht.
1) = Fafn. 35, 1-8. — 2) = Fafn. 86. — 8) = Fafn. 88. —
4) = Fafn. 89. — 5) = Fafn. Profa nad) 39, 3.1 (8n. 2,118,1).
— 6) = Ebenda 3. 2. — 7) = Sn. E. 118,1 f.
94
nahm da den Schredend-Helm und den Goldpanzer
und viele Koftbarkeiten. 1 Er fand da fo viel Gold,
daß er hätte glauben mögen, Daß zwei oder drei
Rofje nicht mehr würden tragen [fünnen]. | Das Gold
nahm er alle& und that es in zwei große Kiften. ?
Er nahm nun dad Roß Grane beim Baume: | da3
Roß aber mollte nicht gehn, und nicht half es, es
anzujpornen. Sigurd merkte nun, was dad Roß
wollte; er fprang ihm auf den Rüden und ſchlug
ed mit den Sporen: und da ramıte dad Roß, al
wenn e3 ledig wäre. *) ®
Zwanzigſtes Kapitel. **)
Sigurd ritt nun fort lange Wege, bis daß er
hinauf zum Hindarfjall kam, und richtete feinen Ritt
gen Süden nach Trankenland. * Auf dem Berge jah
er ein großes Licht, als wenn ein Teuer brennte,
und es Teuchtete davon auf zum Himmel. Als er
aber heran kam, jtand da vor j125) ihm eine
*) Bol. unten ©. 129.
**) Ueberſchrift: „Won Sigurd“. Das folgende bis S. 95!
wird Sn. E. 118, 8—11 furz berichtet.
1) = Fafn. Proſa nah 44, 3. 1-83. 4 f. (vgl. Sn. E. 118,2). —
2) Ebenda 3. 8 f. (vgl. Sn. E. 118,5; Nth. 65,2). — 8) Ebenda
3.6f. (vgl. Sn. 2.1184). — 4) = Proſa vor Sigdr. 3. 1; Nth.
65,3 f. =
— 95
Schildburg *) und aus derſelben [ragte] ein Banner.
Sigurd ging in die Schilöburg, und jah, daß da
ein Menſch ſchlief und in voller Waffenrüftung dalag.
Er nahm ihm zuvörderſt den Helm vom Haupte ab,
und jah, daß es ein Weib war: jie war im Panzer,
und [diejer) jaß fo feit, ald menn er am Fleiſche
jeitgewachjen wäre. Da ſchlitzte Sigurd [den Banzer]
oben von der Kopföffnung bis ‚ganz hernieder und
ebenfo die beiden Aermel entlang bis ans Ende, und
es (dad Schwert] zerfchnitt ihn wie ein Kleid. !
Sigurd ſagte, fie Habe allzu Lange gefchlafen. | Sie
fragte, was jo mächtig gewejen wäre, „daß, es den
Banzer zerichnitt und meinen Schlaf bannte? Sollte
etwa Sigurd, Sigmund's Sohn, hierher gekommen
jein, mit dem Helm Fafni's, und feinen Tödter ? in
der Hand?“ **) Sigurd antwortete: „Der ift vom
Geſchlechte der Wolfunge, der dieſes Werk voflbracht
*) Aus zufammengefeßten Schilden hergeftellt, nach oben
und an den Geiten gejchlojjen; vgl. Helr. 9, 1—4;
Fms, VI, 413; Fafn. 42, 5—8 (Germ. 23, 165). Auch
über zu verbrennenden Todten? (Sig. sk. 65,5 ff. Walhall,
der Aufenthaltort der todten Krieger, war gleichfall3 mit
Schilden gededt.) Auch Brynhild's Schlaf ift ja eigent-
lich ein Todesſchlaf.
**) Sigurd's Schwert Gram.
1) Sigdr. 3. 29 —* E. 118,8 ff.). — 2) Abweichend von Sigdr.
Str. 1, 1%
96
hat.? Und das habe ich vernommen, daß du eines
mächtigen Könige Tochter bift, und desgleichen ift
uns gejagt worden von eurer Schönheit und | Weig-
! heit, und das will ih nun erproben.“ 2 Bryn-
hild antwortete: „Zwei Mönige fchfugen fich; der
eine hieß Hjalmgumnar, er war alt und ein höchſt
tapferer Heermann, und hatte Odin ihm den Sieg
verheißen; der andere aber hieß Agnar oder Auda⸗
brodir.) * Ich fällte Hialmgunnar in der Schlacht;
Ddin. aber ſtach mich mit dem Schlafdorn *), des
zur GStrafe*, und fagte, daß ich nimmer fortan
Sieg [zu verleihen?) haben follte, und er gebot, daß
ih mich vermählen ſollte.“ Ich aber that ein Ge
lübde dagegen, mich feinem ſolchen zu vermählen, ber
ſich fürchten könnte.““ Sigurd fprah: „Ertheile
mir: Rath zu hohen Dingen.“ ” Sie antwortete:
„Ihr werdet der weiſere fein: doch gern will ich
*) D. h. Aude’3 Bruder, in der Lieder-Edda Audhu bro-
dhir, d. 5. Bruder der Auda.
**) (55 iſt im Grunde ein Todezdorn, ein Dorn, durch welchen
der Todesgott Odin in (Tode3-)Schlaf verjenkt, wie der
Sceiterhaufen aus Dorn gefchichtet ward (J. Grimm,
kl. Schr. 2, 241 ff., beſonders 276 ff.) ; vgl. Dornröschen.
1) Abweichend von Sigdr. 1, 5-8. — [8) vgl. Sigdr. Profa nad 2,
3. 32—2.] — 3) = Ebenda 8. 3-12. — 4) = Ebenda 3. 13—15
(Helr. 8,1-—9,6). — 5) = Ebenda 3. 15—18. — 6) = Ebenda 8.
18—21 (vgl. Helr. 9,7 f.). — 7) Ebenda 8. 22—24.
97
— [nm
euch lehren, wenn es euer Wille ift, und wenn unter
dem, was ich weiß, etwas ift, das euch gefallen
möchte, in Runen oder in andern Dingen, die | 126)
für einen jeden Fall nützlich jind.*) Laß ung beide mit-
fammen trinten, und | mögen die Götter und einen
günftigen Tag geben, daß dir Nuten und Ruhm
erwachſe aus meiner Weisheit! und du ſpäter dich
befjen erinnerſt, was wir reden.“ 2? Brynhild füllte:
einen Becher und brachte ihn Sigurd dar ? und ſprach:
„Bier bringe ich dir,
Walter des Waffenſpiels **),
Mit Kraft gemifchet
Und hohem Ruhm;
Bol iſt's von Liedern
Und Troftesmorten,
Bon Heilfamen Sprüchen ***)
Und Freude-Runen. }) ?
*) Eigentlich: „für jegliche Sache geeignet find” (zur Ab⸗
hilfe nämlich). :
**) Eigentlich „des Brünnenthings“. So unjer Text; jedoch
Sigdr.: (Apfel-)Baum des Kampfa = Held, vgl. S. 103 **,
***) Bauberlieder. Es iſt ein Erinnerungstranf, ſ. oben ?.
F) Die urjprünglich weniger zu zufjammenhängender Schrift
als zu magischem Gebrauch verwendeten Buchjtaben (Rus
nen), welche, eingerigt, durch die dazu gehörigen Bauber=
lieder magische Kraft erlangten.
1) Vgl. Sigdr. Str. 3—4 (abweihend). — 2) vgl. Sigdr. Proſa nad) 4,
3. 2. — 3) Ebenda 3. 1 f. — 4) Sigdr. 5.
7
98
Sieg-Runen ſollſt du Tennen,
Wenn du | klug fein*) willſt,
Und auf des Schwertes Heft rigen,
Auf dem Rüden der Klinge
Und auf der Schneide (?) **),
Und zweimal Ty ***) nennen. ’
Brandungs-Runen jollft du rigen,
Willſt du geborgen haben ||127)
Auf der See die Segeltofie.
Am Steven folft du fie rigen
Und am Steuerruder
Und mit euer ind Ruder brennen (?).
Geht die Brandung auch Hoch
Und die blauen Wogen,
Doc kommſt du Heil von der See. ?
Rederunen follit du kennen,
Willſt du, daß niemand dir
Mit Hab feinen Harm vergelte.
Die windet man (?),
Die webt man,
Die ſetzt man alle zufammen
Auf dem Thinge,
*) Beſſer Sigdr. „Sieg haben“. -
**) (53 iſt ungewiß, welcher Theil des Schwertes gemeint tft.
***, Der deutſche Tio (Zio), Kriegsgott; wird im Norden bei
Bweilämpfen angerufen. Nah ihm heißt die Rune T.
99
Wenn die Leute follen
Bu vollen *) Gerichten fahren. ?
Bierrunen ſollſt du fennen,
Willſt du, dab eines andern Weib
Dich nicht betrüge, jo du trauft.
Aufs Trinkhorn ſollſt du fie rigen
Und auf den Rüden der Hand
Und am Nagel „NRaudH“**) zeichnen. *||128)
Den Becher follit du jegnen,
Bor Nachſtellung dich hüten
Und Lauch in den Trank werfen. ®
Dann weiß ich,
Daß nimmer dir wird
Zum Schaden gemifcht der Meth. *
Berge-Runen jollit du lernen,
Wenn du bergen millit
Und löſen ein Kind von der Mutter ***):
Auf die Handfläche ſollſt du fie rigen
Und [diefe] um die Glieder fpannen
Und die Difen F) um Beiftand bitten. ®
*) D. i. „zahlreich befuchten”, oder „vollgiltigen (Haupt)
Gerichtstagen“7
**) Die N-Rune; naudh — Noth.
er) Geburtshilfe iſt gemeint. Cigentlich fteht: „von einer
Frau“.
7) Schußgottheiten, die man weiblich dachte; den Fylgjen
(©. 56**) und den Nornen verivandt, vgl. u. ©. 148**,
1) Sigdr. 12. — 2) Bigdr. 7. — 8) Bigdr. 8, 1-3. — 4) fehlt Sigdr.
7»
P |
100
Zmeig-Runen *) follft du kennen,
Willſt du Arzt fein
Und verftehn Wunden zu bejchauen,
Auf die Rinde follft du fie rien
Und auf das Laub de8 Baumes,
Defien Zweige fich oftwärts neigen.
Sinn-Runen jollft du Iernen,
Willſt du jeglichen Mann ||129)
Un Hugem Sinn übertreffen.
Die errieth,
Die rihte ein,
Ueber die ſann Hropt. **) ?
Am Schilde find fie gerißt,
Der da fteht vor der glänzenden Gottheit ***),
[Am Obre Arvakrs
*) Der Name findet in Vers 4—6 feine Deutung. Da
aber fonjt die Runen nach dem, was fie bewirfen oder
betreffen, benannt find, überſetzt man vielleicht richtiger
„Sliedrunen“, von limr „Glied“.
**) Ein Name Odin’. Ueber Odin als Runen-Finder ſ.
Häv., Str. 137 ff., und über das Verhältniß jener
Strophen zu unfern vgl. I, des Hehren pr:
©. 198 ff.
a**) Die Sonne ift gemeint, vor der auf ihrem Wagen der
Schild Spalin fteht (Grimn. 38).
1) Sigdr. 11. — 2) Sigdr. 13, wo nod) 10 Berfe daranffolgen.
101
Und%hn}*) Alſvinn's **) Hufe,
An dem Rabe, das rollt
Unter Rögniſs **) Wagen,
An Sleipni's F) Zähnen
Und an des Schlittend Bindebalten. !
An des Bären Tape
Und an Brage's FT) Zunge,
An des Wolfs Klauen || 130)
Und an des Yard Schnabel,
Auf blutigen Schwingen (?)
Und am Brüden-Ende,
An löfender Hand Tr)
Und auf Heiles- Pfade. ?
An Glas und an Gold
Und an gutem Silber.
In Wein und in Bier*F)
Und au der Volva *) Seſſel,
*), Ergänzt nad) Sigdr.
») Arvakr (Frühmad)) und Alsvinn (Vielgeſchwind) find
die beiden Roſſe des Sonnenwagens.
+) Gin Name Odin's. |
+) Odin’3 Rob, ſ. oben ©. 67*.
t}) Brage tft Gott der Dichtkunſt.
trt) Val. oben ©. 99 *** und f.
*r) Eigentlih: Malzertract, woraus durch Gährung Bier
wird.
"4,6. oben ©. 46 **,
102
An Gungni’3 *) Spitze
Und an Grane's **) Bruft,
Un der Norne Nagel ***)
Und an der Nachteule Schnabel. ?
Alle murden abgefchabt,
Die geritzt waren,
Und gemiſcht mit dem heiligen Meth T),
Und gejendet auf weite Wege:
Sie find bei den Alfen,
Etliche bei den Wien ||131)
Und bei den weiſen Vanen Tr),
Etliche haben die Menjchentinder. *
Das find Buch-Runen,
Das find Berge-Runen
Und alle Bier-Runen
Und hehre Macht⸗Runen
Jedem, der ſie ungeirret
Darf und unverwirret
Sich zum Heile gebrauchen.
*) Odin's Speer.
**) So Sigdr. (unſer Text: „der Riefin“).
x*x*) Vgl. Mannhardt, Germ. Myth., S. 615 ff.
+) Der Dichtermeth ift gemeint: Aunenlied und Runen⸗
zeichen gehören zufammen, um den Zauber zu wirken.
rr) Ein mit den Aſen in Verbindung getretenes Götter-
geſchlecht.
1) Sigdr. 17. — 2) Sigdr. 18.
103
Genieß [ihrer], wenn du fie vernommen,
Big die Götter vergehn. *) !
Nun jolft du wählen,
Da dir die Wahl geboten ift,
' Du Baum feharfer Waffen **):
Neden oder Schweigen
Bedenke bei dir jelbft.
Alle Reden find wohl erwogen (?).” ***) * 1132)
Sigurd antwortete:
„Richt werd’ ich fliehen,
Wenn ich mich auch todgemweiht weiß:
Nicht mit Feigheit bin ich geboren.
Deinen Freundesrath
Will ich all befolgen,
So lange, wie ich Iebe.“ ®
Einundzwanzigftes Kapitel. F)
Sigurd fagte: „Nimmer findet man ein wei-
ſeres Weib in der Welt, ald du bift; lehre mich
*) Beim Weltuntergang (Ragnaröf, „Götterdimmerung”). .
*), ‚Baum (hier eigentlic) Ahorn) der Waffen” ift eine
flaldifche Umfchreibung für „Mann, Held”; vgl. oben
©. 97 **,
”*€) Anders Sigdr.
r) Ueberſchrift: „Brynhild’3 weiſe Rathichläge”.
1) Sigdr. 19. — 2) Sigdr. 20. — 3) Sigdr. 21.
104
noch mehr Mugen Rath." Sie antwortete: „Billig
iſt e8, nad) euerm Willen zu thun und euch guten Rath
zu geben wegen eurer Wißbegier und Klugheit.“
Da ſprach fie: | „Sei freundlich mit deinen Bluts⸗
freunden, und räche nicht Feindfeligfeiten an ihnen,
fondern trag fie mit Geduld, und du haft davon
langwährendes Lob. !
- Hüte dich vor jchlimmen Dingen, ſowohl vor
Mädchen- als Frauen-Liebe: daraus entfteht oft
Unheil. ?
Veruneinige dich nicht mit unweiſen Männern
in volfreicher Verfammlung: fie reden oft Schlim-
meres [nah] al3 fie [wirklich] wiſſen ?, und du wirſt
fogleich für einen Feigling erklärt oder *) geglaubt,
daß du der Wahrheit überführt feilt: erjchlag ihn
andern Tags umd. vergilt ihm fo die Scheltworte. ?
Wenn du eines Weges fährft, wo Unholde wohnen,
fo wahre dich wohl: nimm dir nicht Herberge nabe
an der Straße, obſchon dich die Nacht überfalle 5;
denn oft wohnen da Unholde, welche die enfhen
irreleiten.
Laß dich nicht ſchöne Frauen trügen, wenn du
*, So Sigdr., unfer Text: „und“.
1) = Sigär. 32. — 2) vgl. Sigdr. 32. — 3) = Sigdr. 24. — 4) = Sigdr.
25, 1—4, 7-9. — 5) vgl. Sigdr. 26.
105
fie auch bei Zeiten fiehit, fo daß dir das den Schlaf
raubt oder du davon Herzenskummer empfindet:
Iode fie nit an dih mit Küffen oder anderer
Liebfofung. ! || 133)
Wenn du thörichte Worte trunfener Männer Hörft,
jo rechte nicht mit ihnen, während fie weintrunfen
ind und ihrer Beſinnung entbehren ?: folde Dinge
bringen manchem groß SHerzeleid oder Tod. ?
Schlag did lieber mit deinen Feinden, als
daß du dich verbrennen laſſeſt.“
Und ſchwör feinen falſchen Eid, denn grimme
Race folgt dem Yriedendbrude.
Handle forgfältig an todten Männern, GSied)-
Todten*) oder Seetodten oder Schladhttodten, ver-
fahr forgfältig mit ihrer Leiche, ©
Traue nicht dem, dem du zuvor den Vater
oder Bruder oder einen andern nahen Verwandten
erihlagen haft, obſchon er jung ift; [denn] oft fteckt
ein Wolf (Feind) in einem jungen Sohne.**) 7
Wahre dich forgfältig vor Anfchlägen deiner
— — — —
*) An einer Krankheit geſtorbenen.
**) D. h. er kann leicht zum Rächer heranwachſen. (Bgl.
Sig. sk. 12,3 f. = unten ©. 153 **.)
1) = Sigdr. 38. — 2) = Bigdr. 39. — 3) = Sigdr. 80, 14. — 4) =
Sigdr. 81, 4—6. — 5) = Sigdr. 23. — 6) = Bigdr. 83 [und 34].
— N) = Bigdr. 35.
106
Freunde.! Zwar kann ich wenig von euerm Leber
vorgußfehen: doch jollte nicht Haß von Schwägern
dich treffen!" ?
Sigurd ſprach: „Rein weiſerer Menſch ift zu
finden, als du biſt; und dag ſchwöre ich, daß ich dich
zur Frau haben will, und du bift nad) meinem Sinn.“
Sie erwiderte: „Dich will ih am Liebften haben,
wenn ich auch unter allen Männern die Wahl habe!“
Und dies befräftigten fie mit Eiden unter fidh.*)
Zweiundzwanzigſtes Kapitel. **)
Nun ritt Sigurd hinweg. Sein Schild war
folgendermaßen gefennzeichnet: [ex war] mit rothent
Golde überzogen, und darauf ein Drache gemalt,
der war dunkelbraun oberhalb, und ſchönroth unter-
halb, und ebenfo war fein Helm und Sattel und
Waffenroc gekennzeichnet. Er trug einen Goldpanzer,
*) Diefe Verlobung iſt fchwerlich fagengemäß, vgl. Beitr.
3, 255 ff. (f. auch unten ©. 116*).
**) Meberfchrift: „Won Sigurd’3 Ausſehen“. Dies Kapitel
ift entlehnt aus Thidr. s. Kap. 166, womit unfere
Schilderung meiſt wörtlich übereinitimmt.
1) = Sigdr. 37, 1—3. — 2) vgl. Sigdr. 37, 46. — Die Sigdr., deren
legte Strophen ſchon nur no in jungen Papierhandſchriften über-
liefert find, brechen bier ab; und es beginnt die große Lüde im
cod. reg. der Lieder » Edda.
107
und alle feine Waffen waren mit Gold verziert.
Und deshalb mar ein Drade auf ſeine ganze
Waffenrüſtung gemalt, daß man||134) wiſſen konnte,
wer da einherfahre, fo er gejehen wiirde von allen
denen, die erfahren hätten, daß er den großen Drachen
erfchlug, den die Wäringer*) Yafni nennen. Und
deshalb waren all feine Waffen mit Golde verziert
und braun von Farbe, weil er andere Männer weit
überragte an Ritterfitte und aller Art Höfifchheit **)
und beinahe in allen Dingen. Und wo alle die
größten Helden und die berühmteiten Häuptlinge
aufgezählt werden, da wird er immer zuvörderſt
genannt werden; und fein Name geht in allen Zungen
nördlih vom Griechiſchen Meer, und fo wird es
bleiben, fo lange die Welt jteht. !
Sein Haar war braun- und ſchön anzufehen,
und fiel in langen Zoden herab; der Bart war dicht
und kurz und von derſelben Farbe; er Hatte eine
*) So hießen bejonders die in Konftantinopel in der Leib-
wache dienenden Skandinavier, aber das Wort wird
auch gebraucht für Standinavier überhaupt; fo hier im
Gegenjag zu Deutfchen, wie mehrfach in Thidr. s.
**) Ausdrücke, bie in Thidr. s. häufig begegnen.
1) Diefer ganze Abfag fteht in Thidr. =. = . 24 f.) am Schluſſe
des Kapitels.
108
hohe*) Naſe ımd ein breite® und ſtarkknochichtes
Antlitz. Seine Augen waren jo durdhdringend, daß
wenige wagten ihm unter die Brauen zu bliden.**)
Seine Schultern waren fo breit, wie die Schultern
von zwei Männern.***) Sein Körper war ganz eben-
mäßig gefhaffen an Höhe und Dide, und foldyer-
geftalt, wie es am beiten paffen kann. Und das ift
das Merkmal feiner Größe, daß, wenn er fidh mit
feinem Schwerte Gram umgürtete (und das war
fteben Spannen hoch): und er durch ein vollwachſenes
Roggenfeld ging |185), fo reidhte Die Spitze der
Scheider) an die emporfiehnden Uehren. Und feine
Stärke war [noch] größer als fein Wuchs. Wohl
vermochte er das Schwert zu ſchwingen, den Speer
zu ſchießen, den Schaft zu werfen und den Schild
zu Halten, den Bogen zu fpannen oder Roſſe zu
reiten FF), und mancherlei Nitterfchaft lernte er in
der Jugend. Er war ein weiſer Mann, jo daß er
*) Im Gegenfaß hierzu heißt es bei dem Sklaven: „Nieder⸗
gebeugt ift die Naſe“, Rigsth. 10.
**) Bei der fonft Zug fiir Zug mit der Thidr. s. gleich⸗
lautenden Schilderung fehlt Hier die Stelle von Sigurd’3
Hornhaut, Thidr. s. 2, ©. 23, 3. 5 ff.
x***) Wörtlich: „Als ob e3 zwei Männer wären.”
+) Wörtlih: „Der Thaufhuh am Schwerte.”
Tr) Aehnliche Zufammenftellungen find in Thidr. s. häufig.
109
noch ungefchehene Dinge voraus wußte; er veritand
die Stimme der Vögel, und deshalb kamen ihm
wenig Dinge unverjehend. Er war ausführlich und
gewandt im Reden, jo daß er niemals anhub über
eine Sache zu reden, Davon ex eher abgelajjen hätte,
als bis es allen fo jchien, daß es keinesweges anders
jein könnte, als wie er fagte Und das war feine
Luft, feinen Mannen Hilfe zu leiften, und fich jelber
in Heldenthaten zu verſuchen, feinen Feinden Gut
abzugewinnen und feinen Freunden zu geben. Nie
fehlte e8 ihm an Muth und niemals kannte er Furcht.
Dreiundzmwanzigftes Kapitel. *)
Sigurd ritt nun, bis daß er zu einem großen
Hofe kam, defjen ein mächtiger Häuptling Namens
Heimi waltete. ! Der hatte zur Frau Brynhild's
Schweiter, die Bedhild **) hieß, denn fie Mar
*) Ueberſchrift: „Sigurd kommt zu Heimi“. Die folgen-
den Kapitel bi3 29 einfchl. entjprechen der Lücke in der
Handſchrift der Lieder- Edda; vgl. die Einl., auch über
das Berhältniß zu Grip. Die einzelnen Berührungen
find in den Ziffernoten angeführt.
**) D. H Bank-Hilde, als die Häusliche, im Gegenjab zu
ihrer kriegerifchen Schweiter Brynhild, d. h. Banzer-Hilde.
1) 8gl. Helr. 11, 1—.
110
daheim geblieben und hatte weibliche Runftfertigfeiten
gelernt; | Brynhild aber trug Helm und Brünne,
und zog in den Krieg, und darum ward fie Bryn⸗
hild genamnt.*) 1 Heimi und BedHild Hatten einen
Sohn, der Alfvinn hieß, ein Höchft ritterlicher Jüng—
fing.
Dort fpielten Leute || 136) draußen; und als fie
einen Mann zum Hofe reiten fahen, hielten fie
inne mit Spielen und verwunderten ſich über den
Mann, dieweil fie [noch] keinen ſolchen gefehen
hatten 2, | gingen ihm entgegen und begrüßten ihn
freundlih. Alfvinn bot ihm an, daß er bei ihm bliebe
und von ihm annähme, was immer er wollte Dar-
auf ging er ein. Ihm ward ehrenvoller Dienft er»
wiejen: vier Männer Huben das Gold vom Woffe,
der fünfte nahm daffelbe (das Roß) in Empfang. 3
Da konnte man manche werthvolle und feltene Klei⸗
node erbliden, und man ergößte fi) damit, Panzer,
Helme und große Ringe zu befehen und wunderbar
große Goldbecher und allerlei Heergeräthe.
Sigurd mweilte da Yange in großen Ehren. Man:
vernahm nun dieſe Heldenthat in allen Landen,
*) S. ©. 109**,
4) Bl. — 27, — Helr. 6. — 2) vgl. Holr. 11, beſonders Vers
111
daß er ben furdhtbaren Drachen erjchlagen Hatte.
Sie (Sigurd und Alfvinn) fanden nun Wohlgefallen
an einander, und war einer dem andern Hold. Das
war ihre Luft, ihre Waffen zuzurüſten, und ihre
Pfeile zu ſchäften*) umd mit ihren Habichten zu beizen.
Vierundzwanzigſtes Kapitel. **)
. Da war auch | heimgefommen zu Heimi Bruns
hild, ſeine Pflegetochter: 1 fie ſaß in einer Kammer
mit ihren Mägden; mehr Geſchicklichkeit hatte ſie
denn andere Frauen. Sie bedeckte ihren Teppich ***)
mit goldenem Grunde und ſtickte darauf die Groß—
thaten, die Sigurd verrichtet hatte, den Tod des
Wurmes, und die Erbeutung des Horted und den
Tod Regin’s.
Und eine® Tages, heißt es, ritt Sigurd zu
Walde mit feinen Hunden und Habichten und vielem
Gefolge, und als er heim kam, flog fein Habicht
auf einen hohen Thurm, und feste fih an ein Feniter.
Sigurd ftieg dem Habichte nah; da ſah er ein
*) D. h. hölzerne Pfeilſchäfte zu ſchnitzen.
**) Ueberſchrift: „Sigurd's Geſpräch mit Brynhild“.
”**) Gewebe, an dem fie arbeitete.
1) Bgl. Grip. 37—39; Helr. 11, 3—.
—
ſchönes Weib, | und erkannte, daß es Brynhild war*),
und ihn dünkte gleicherweife vortrefflich ihre Schön-
heit wie ihre Arbeit.
Er kam in die Halle, und | wollte feine Kurz⸗
weil mit den Männern haben. Da 137) ſprach
Afoinn: „Warum feid ihr fo fchweigfam? Dies
dein Benehmen härmt und und deine Freunde; warum
willft du denn nicht fröhlich fein? 1 Deine Habichte
lafjen den Kopf hängen und das Roß Grane gleicher:
weile; lange aber wird e8 währen, bis **) wir dem
abhelfen können.“ Sigurd antwortete: „Guter Fremd,
höre, was ich finne: mein Habicht flog auf einen
Thurm, und al ich ihn holte, da jah ich ein ſchönes
Weib**r);. fie jaß an einem goldigen Teppich, und
jtidte Darauf meine vergangenen und vollbrachten
Thaten.” Alfvinn antwortete: „Du haft Brynhild,
Budle’3 Tochter, gejehen, welche ein treffliches Weib
*) Jedenfalls ein Zufat des Sagafjchreibers, hervorgegangen
aus feiner irrthümlichen Vermiſchung der Brynhild mit
Sigrdrifa (f. oben ©. 92**). Offenbar kannte er die
erblidte Frau nicht, wie das folgende Geſpräch mit
Aljvinn zeigt.
**) D. h. „Wir werden Mühe Haben, dem abzuhelfen.“
*“**) Bu ©. 111, 3. 16 bi hierher vgl. den ähnlichen Eingang
der Skirn.
1) gl. Grip. 29.
113
if.“ Sigurd erwiderte: „Das wird wahr fein; wie
ange] ift e8 denn, daß fie herkam?“ Alivinn ant-
wortele: Es war kurz vor eurer Ankunft.“ *)
Sigurd ſprach darauf: „Das erfuhr ich [exft] vor
wenig Tagen”*); diefe Frau erſchien mir als bie
ſchönſte auf der Welt!" Alfvinm antwortete: „Nichte
nicht deine Gedanken auf das Eine Weib, du ſolch
ein Mann; es ift übel um. das zu forgen, was man
mit erhalten kam.“ „Sie muß ich bejuchen
(ſprach Sigurd) und. ihr Gold geben***), mich ihrer
Gunft erfreuen und ihre Gegenliebe erwerben.” Als⸗
vinn entgegnete: „Noch ward Tein Mann in aller
Belt erfunden, dem fie ben Platz neben ſich ver-
gönnt oder Bier zu trinken gegeben Hätte: | jie will
an Heerfahrten theinehmen und ‘allerlei ‚ARuhmes- .
thaten vollbringen.“ 1 Sigurd antwortete: „Ach
weiß nicht, ob fie mir antworten wird oder nicht,
oder mir einen Platz neben ſich vergüönnen.“ F)
—m——— on
*) Wörtlih: „ES lag wenig Zeit dazwifchen, als ihr kamet.“
**) Nämlich, als Sigurd Brynhild vom Thurme aus er-
blidte (©. 111 f.).
+8) Der Brautſchatz (S. 63 **) ijt gemeint, vgl. Grip. 30,5 ff.
+) Gemeint iſt wohl: „ob fie mir nicht Hoch antworten
wird“ u. |. w.
1) BgL unten &. 115, 8. 18 ff. und 132, 8. 4 ff.
&
114
Und am andern Tage darauf ging Sigurd zu
ihrer Kammer, Alfvinn aber ftand außen neben der
Kammer und fchäftete feine Pfeile. Sigurd ſprach:
„Heil euh*), Hraul Wie ergeht e& euch?” Cie
antwortete: „Wohl ergeht e8 mir: Verwandte und
Freunde eben. Uber ungewiß ift, welches Glüd
man bis zu feinem Todestage bat.” Er fette ſich
neben fie Darnach kamen vier Frauen herein mit
großen Tiſchbechern von Gold und voll des beiten
Weines, und ftanden vor ihnen. Da 138) fprad)
Brynhild: „Diefer Sitz wird wenigen**) veritattet,
außer wenn mein Bater. kömmt.“ Cr antwortete:
„Jetzt ift er dem vergönnt, von dem es mir Tieb
iſt.“**) Das Zimmer war umhangen mit den toft-
barften Umhängen, und der ganze Yußboden mit
Decken belegt. Sigurd ſprach: „Nun it da3 erfüllt,
was ihr mir verhießet."}) Sie antwortete: „Ihr
follt Hier willlommen fein.“ Sodann ftand fie auf,
und die vier Maide mit ihr, trat vor ihn mit einem
*) Eigentlich: „Sit Heil!“
*s) D. h. Teinem.
*xs) D. h. „von dem ich wünſche, daß ihm der Platz zu
Theil werde” (den ich am liebſten auf dieſem Plage fehe),
nämlich: mir.
D) Dieſer Satz ſcheint die oben S. 92** beſprochene Ver⸗
miſchung der Brynhild mit Sigrdrifa vorauszuſetzen.
N
115
Goldbecher und hieß ihn trinfen. Er ftredte die
Hand aud nad) dem Goldbecher umd ergriff ihre
Hand mit?) und ſetzte fie neben fi. Er faßte fie
um den Hals und küßte fie und ſprach: „Rein
Weib ward je fchöner geboren als bu.“ Brynhild
ſprach: „Ein weislicherer Rath iſt e8, fein Vers
trauen nicht in Weibes Gewalt zu jeben**), denn fie
brechen ſtets ihre Gelübde.”***) Er fprah: „Der
Zag würde mir als der glüdlichite anbrechen,
an dem wir einander genießen könnten.“ Bryn⸗
Hild antwortete: „Nicht ift es befchieden, daß wir
beifammen wohnen follen: ich bin eine Schildmaid,
und trage den Helm bei Heerkönigen, und denen
will ich zu Hilfe kommen, denn nicht ift mir leid
zu Tämpfen.“ Sigurd antwortete: „Dann wird ed
ung am beften gedeihen, wenn wir beifammen wohnen ;
und ſchwerer ift es den Harm, der hierauf) laſtet,
2) Derjelbe Bug begegnet öfter in der Heldenfage, 3. B.
Thidr. s. Kap. 97 (S. 263) von Dietleib und bei Paul.
Diaf. 3, Kap. 30 von Authari.
**) D. h. „dein Vertrauen nicht auf ein Weib ſetzen, jo daB
du dich in ihre Gewalt begiebit.“
e**) Derielbe Gedanke Tehrt öfter wieder, 3. B. Häv. 83;
Thidr. s. Rap. 350, ©. 366.
+) Nämlich auf der Nichterfüllung unfere® Wunfches nad)
Bereinigung.
8*
116
zu dulden als jcharfe Waffen.“ Brynhild antwortete:
„Ih werde die Schaar der Heermannen muftern,
du aber wirft Gudrun, Gjuke's Tochter, heirathen.“
Sigurd antwortete: „Nicht trügt mid) eines Königs
Tochter, und nicht neige ih hierin zum Wankelmuth,
und ich ſchwör' es bei ben Göttern, daß ic) dich
haben will oder feine Yrau fonft.” Sie fagte das⸗
felbe. Sigurd dankte ihr für diefe Aeußerung "und
gab ihr einen Goldring, | und fchwuren fich num von
neuem *) Eide. ! Darauf ging er hinweg zu feinen
Mannen, und war dort eine Weile in großen Ehren.
Fünfundzwanzigſtes Kapitel.
Gjuke hieß ein König, der berrichte im 139)
Süden des Rheins. Er Hatte drei Söhne, die- alfo
hießen: Gunnar, Hogne und Gutthorm; Gudrum
hieß feine Tochter?, die war eine hochberiihmte
Maid. Diefe Kinder überragten andere Königskinder
an jeglicher Tüchtigfeit, an Schönheit ſowohl wie
an Wuchs. Sie waren immer auf Heerfahrten, und
*) Bezieht fih auf ©. 106*; vgl. die Anm. dajelbit.
4) Grip. 31, 1-3. — 2) gl. Sn..E. 118, 18 - 15, wo noch Gudny als
Tochter, Gutthorm aber als Stieffohn Gjuke's (= Hyndl. 37,5 ff.)
. bezeichnet ifl.
117
vollbrachten manche ansgezeichnete That. Gjuke's
Gemahlin war Grimhild ? die Zauberkundige.
Budle hieß ein König, der war mächtiger als
Gjuke; doch waren beide mächtig. Mile hieß Der
Bruder Bryuhild’3; der war ein grimmer Mann,
groß und ſchwarz, doch ſtattlich, und ein gar ftreit-
barer Held.
Grimhild war ein grimmfinniges Weib. Gjuke's
Macht ftand in hohen Ehren, und zwar hauptſächlich
duch feine Kinder, welche die meiſten weit über-
ragten. |
Einmal fagte Gudrun zu ihren Maiden, daß
fie nicht froh fein könne. Eine Frau“) fragte fie,
was fie unfroh machte. Sie fagte: „Ih Hatte un-
glückliche Träume**); das befümmert mic in meinem
Herzen; beute [nun] den Traum, nad) dem du
fragſt.“ Die Frau fagte: „Sag’ es mir und laß
es Dich nicht befümmern, denn ſtets träumt man
von Stürmen (Unwetter).“ ***) Gudrun entgegnete:
„Dies bedeutet feinen Sturm. Mir träumte, daß
*) Siehe ©. 118*.
*c) Wörtlich: „Nicht Hatte ih GLüd in Träumen“ Zum
Folgenden vgl. Chriemhild's bekannten Traum am An=
fange de3 Nibelungenliedes (bei Bartſch Str. 13 ff.)
#4), D. h. „tet? bezieben fi) Träume auf Unwetter.”
1) Bgl. u. ©. 1971 umd 1488. — 2) = Sn. E, 118,18.
118
ich einen ſchönen Habicht (Balken) auf meiner Hand
fah, deſſen Federn waren von goldiger Farbe.” Die
Frau fagte: „Viele Haben von eurer Schönheit,
Weisheit und Höfifchheit gehört: ein Königsſohn
wird um Dich werben.“ Gudrun erwiderte: „Kein
Ding däuchte mir beſſer als diejer Falke, und all
mein Gut wollte ich Lieber Laffen denn ihn.“ Die
Frau ſagte: „Der, den du erhältft, wird ein wohl-
erzogener Mann fein und du wirft ihn fehr Lieben.“
Gudrun antwortete: „Das befümmert mich, daß ich
nicht weiß, wer er iſt. Wir wollen Brynhild auf-
fuchen, fie wird es wiljen.”
Sie*) ſchmückten fih mit Golde und reichen
Pub und fuhren mit ihren Maiden, bis daß fie zu
Brynhild’3 Halle kamen. Diefe Halle war mit Golde
geſchmückt und ftand auf einem Berge.**) Und
*) Gudrun und wer noh? Doc wohl die 117* er=
wähnte traumbdeutende Frau, der im Nib.-Liede die
Mutter Chriemhild's entſpricht. (War alfo hier auch
Gudrun und ihre Mutter Grimhild urſprünglich ge⸗
meint?)
*s) Das geht wieder auf Sigrdrifa’3 Aufenthaltsort Hindar-
fiall (vgl. Fafn. 42), während wir vorhin Brynhild bei
Heime wohnend fanden. Ueberhaupt ſcheint das hier
benußte Lied Sigrdrifa (die der Verf. der Saga mit
Brynhild zujfammenmwirft) gemeint zu Haben, wobei
mancher Widerſpruch und namentlih das Auffallende
119
al3 | 140) ihre Fahrt gejehen ward, da ward Bryn-
Hild gemeldet, daß viele Frauen auf vergoldeten
Wagen zu der Burg [daher] führen. „Das wird
Gudrun, Gjuke's Tochter, fein [fagte Brynhild]; denn
mir träumte von ihr die Naht; und gehn wir hin-
aus ihr entgegen.“
Sie gingen hinaus ihnen entgegen und begrüßten
fie freundlich. Jene Schritten hinein in die fchöne
Halle: der Saal war innen mit Bildern geſchmückt
und reich mit Silber verziert, Teppiche waren unter
ihre Füße gebreitet, und alle dienten ihnen; fie
Hatten: allerhand Kurzweil. Gudrun [aber] war
wortlarg. Brynhild ſprach: „Warum fünnt ihr
nicht fröhlich fein? Thut nicht alfo, fondern laßt
und allefammt uns vergnügen und von mächtigen
Königen und ihren Heldenthaten reden.“ „Thun
wir das!“ ſprach Gudrun; „welche Könige kennſt
du als die vortrefflichiten?" Brynhild antwortete:
„Die Söhne Hamund's, Hafe und Hagbard*); die
der Prophezeiung in Brynhild's Munde fortfiele.
Zum Traumbdeuten erjcheint Sigrdrifa, die aud) Sigurd
belebrte, überhaupt geeigneter al3 Brynbild.
*) Die Brüder Hale und Hagbard als Seekönige nennt
auch Yngl. 8. Kap. 25. Bon Hale, Hamund’3 Sohn,
Kiebe zu Signy handelt eine im Norden weit verbreitete
120
vollbrachten manche ruhmvolle That auf der Heer:
fahrt.“ Gudrun entgegnete:. „Mächtig waren fie
und berühmt, doch entführte Sigar ihre Schweiter,
und verbrannte andere*) [ihrer Verwanbten?], und
ſäumig find fie, e3 zu rähen Warum nennſt du
denn nicht meine Brüder, welche nun die vortrefflich⸗
ſten Männer zu fein ſcheinen?“ Brynhild antwortete:
„Dazu it gute Ausſicht, doch nod ſind fie ‚nicht
recht erprobt, und ich weiß einen, der fie weit über-
trifft; daS aber ift Sigurd, König Sigmund’3 Sohn.
Er war damald noch ein Rind, ald er die Söhne
König Hunding’3 erſchlug und feinen Vater und
Eylime, feiner Mutter Vater, rächte.“ Gudrun. jagte:
„Was hatte 141) es damit auf fi? Sagſt du,
daß er geboren **) war, als ſein Vater fiel?" Bryn-
hild antwortete: | „Seine Mutter ging auf die Wal
ftatt und fand König Sigmund verwundet und erbot
fih feine Wunden zu verbinden; er aber erklärte,
er wäre zu alt, ferner zu ftreiten, und hieß fie
— — — — —
Sage, die der Hug-Dietrichsſage verwandt iſt. Die
bier angedeutete Geftalt diefer Sage tft ſonſt unbelannt.
*) Hier jcheint etwas zu fehlen, bezw. da benußte Lied
ungenau iviedergegeben zu fein.
**x) Nach Bugge's Vermuthung würde vielleicht richtiger
„ungeboren“ ſtehn.
121
ih damit tröften, daß fie den trefflichiten Sohn
gebären würde !, und dieſe Borausfage erfüllte fich.*)
Und nad) dem Tode König Sigmund’3 fuhr fie mit
König Alf, und ward Sigurd dort auferzogen mit
großen Ehren, und vollbrachte an jedem Tage viele
Heldenthaten, und er ift der vortrefflichite Mann
auf der Welt.“ Gudrun antwortete: „Aus Liebe
haft du nad) Kunde von ihm ‚geforicht: aber Dazu
kam ich hierher, dir meine Träume zu fügen, Die
mir große Bekümmerniß fchufen.“ Brynhild ant-
wortete: „Laß dich folches nicht befümmern. Weile
bei deinen Blutsfreunden, Die alle dich erfreuen
“ wollen.” **)
„Es träumte mir (jagte Gudrun), daß wir
mehrere zuſammen aus der Sanımer gingen unb
—
*) Wörtlih: „Die Vorausfage war eines Weiſen Vers
muthung“ = Fms. 11,154. °
**) Die Handjchrift beginnt bier ein neues Kapitel mit der
Ueberfchrift: „Gudrun's Traum wird von Brynbild ge-
deutet.” Dieſe zweite Traumdeutung ift offenbar einer
jüngeren Baralleldichtung im Geſchmacke der Grip. ent-
nommen, während das Alter der erfteren durch die
Uebereinftimmungen mit dem Nib.⸗Liede beftätigt wird,
die freilich auch für das Wlter einzelner Züge in der
zweiten Traumdeutung ſprechen.
1) Vgl. oben ©. 591,
122
jahen einen großen Hirjch, der übertraf weit andere
Thiere*); fein Fell**) war von Golde: wir wollten
alle das Thier fangen, ich allein aber erreichte &;
das Thier däuchte mir beſſer als alle anderen Dinge:
darauf erfchofjelt du das Thier vor. meinen Knieen,
und da3 war mir ein jo großer Harm, daß ich ihn
faum zu ertragen vermochte. Darnach gabft du mir
einen jumgen Wolf, der befprigte mid) mit dem
Blute meiner Brüder.” Brynhild antwortete: „Ic
will auslegen, wie es ergehn wird: zu euch wird
Sigurd fommen, den ih mir zum Manne erfor; |
Grimhild giebt ihm mit Trug gemifchten Meth, der
und alle in großen Streit bringt.! Shn wirft du
befiben, aber ihn bald verlieren. 2? Du wirft König
Alle zum Gemahl Haben; deine Brüder wirſt du
verlieren, und dann wirft du Atle erfchlagen.“
Gudrun antwortete: „Großer Harm ift es mit,
folches zu wiſſen.“ Und nun fuhren fie hinweg und
heim zu König Gjufe. |142)
*), Der Hirih old Bild des alle Helden überragenden
Geliebten findet ji aud) in Helg. Hund. II, Str. 37,
5 ff., jpeciell von Sigurd gebraudht in Gudr. II, Str.
2,5 f.
x*) Wörtlich: „Haar.“
1) Bgl. unten S. 189%. — 3) = Nibel. Str. 14,3 f.
\
123
Sechsundzwanzigſtes Kapitel. *)
Sigurd ritt nun hinweg mit dem vielen Golde,
und fie fchieden als Fremde. |Er ritt auf Grane
mit al feinem SHeergeräthe und feiner Laft, und
ritt, bis daß er zur Halle König Gjuke's Tamı.
Da ritt er in die Burg. Das fah einer von des
Könige Mannen und ſprach: „Ich wähne, Hier kömmt
einer von den Göttern! Diejer Mann ift ganz mit
Golde geſchmückt; fein Roß ift viel größer, denn
andere Roffe und außerordentlich ſchön ift feine
Waffenrüſtung und übertrifft die anderer Männer
weit, am meiften aber überragt er doch felber
andere Männer.” Der König ging hinaus mit feinem
Hofe, und grüßte den Mann, und fragte: „Wer
biſt du, der du in die Burg reiteft, was [noch] nie-
mand ohne Erlaubniß meiner Söhne gewagt Hat?“
Er antwortete: „Ich heiße Sigurd, und bin König
Sigmund’3 Sohn.” König Gjuke ſprach: „Will
fommen fjollft du fein bier bei und, und empfange
bier alles, was du willſt.“
*) Meberichrift: „Sigurd wird ein Vergeſſenheitstrank ge-
miſcht“.
1) Bgl. Grip. 13,5—8 (81,5 f.); Sig. sk. 1,1—4; Sn. E. 118,12 f.
124
| Und er ging hinein in die Halle, und alle er-
dienen Klein neben ihm; und alle dienten ihm, und
er war dort in hohem Anſehen. Sie ritten alle
zujammen, Sigurd, Gunnar und Hogne; jedoch war
Sigurd ihnen vorauß in allen Fertigkeiten, und waren
doh alle gewaltige Männer.
Grimhild bemerkte, wie jehr Sigurd Brynhild
liebte, und wie oft er ihrer erwähnte. Sie gedachte
bei fich, daß e8 ein größeres Glück wäre, wenn er
da dauernd verbliebe und König Gjuke's Tochter
nähme; und fie ſah, daß niemand fich ihm vergleichen
fonnte, fah au), welcher Troſt (welche Stüße) an
ibm war, und [daß er] unmaßen viel Gut befaß,
viel mehr als daß man feines gleichen*) gefannt
hätte. Der König war gegen ihn wie gegen jeine
Söhne, diefe aber ehrten ihn Höher als fich felbit.
Eines Abends, da ſie beim Trunfe faßen, ftand
die Königin auf und trat vor Sigurd, grüßte ihn
und ſprach: „Freude haben wir über dein Hierſein,
‚und alles |143) Guten wollen wir euch theilhaftig
maden: nimm Bier das Horn und trinl.” Und
prad) weiter: „König Gjuke joll dein Water fein,
und ich deine Mutter, und Gunnar und Hogne deine
Brüder, und alle ſollt ihr Eide leiſten, jo wird ſich
— — — — —
*) Wörtlich: „ein Beiſpiel dafür” (einen ähnlichen Fall).
125
niemand finden, der euch gewachfen wäre.” Sigurd
nahm das wohl auf: und | in Folge dieſes Trankes
gedachte er nicht [mehr] an Brynhild.’ Er weilte
da geraume Beit. ?
Einmal: trat Orimhild vor König Gjuke, ſchlang
ihre Hände um feinen Hals, und ſprach*): „Hierher
ift num der größte Held gekommen, der auf der
Welt gefunden werden Tann, an ihm hätten wir
ftarfe Stüße: | gieb ihm deine Tochter mit veichem
Gute und jo große Herrſchaft, wie er will ®: fo
könnte er es ji bier wohl gefallen laſſen.“ Der
König erwiderte: „Ungebräuchlich ift e8, feine Tochter
anzubieten: doch ehrenvoller iſt es, fie ihm anzu-
bieten, al$ wenn andere [um fie] bäten.”
Eines Abends ſchenkte Gudrun. Sigurd jah,
daß fie ein ſchönes Weib war und in jeder Be
ziehung ein feined Benehmen hatte.
Fünf Halbjahre war Sigurd dort, fo daß fie
mit Ruhm und in Freundſchaft lebten; und redeten
nun die Könige mit einander. König Gjuke ſprach:
„Biel Guted erwieſeſt du uns, Eigurd, und eine
große Stübe bift du unſerm Weiche geweſen.“
*) Eine in Thidr. s. formeldaft wiederfehrende Wendung.
1) 8gl. Grip. 81,7 f. 88,14. — 2) = Sn. B. 118,15. — 8) dgl. Grip.
33,5—8. e
DW)
126
«
Gunnar fprah: „Alles wollen wir daran enden,
daß ihr lange hier bleibet, und wir bieten euch Herr-
ſchaft zugleid und unfere Schwefter dar, ohne
Bitte*) 1; kein anderer aber würde fie erhalten, ob-
fon er um fie bäte.“ Sigurd antwortete: „Habt
Dank für euer ehrendes Anerbieten: bie will id
annehmen.“ | Sie ſchwuren fih nun Blutsbrüder⸗
ſchaft**), als wenn fie von Geburt Brüder wären. ?
Da ward ein vortrefffiches Feſt zugerüfte,
dad währte viele Tage?, und hielt***, Gigurd
nun feine Hochzeit mit Gudrun. % Da Tomnte
man mancherlei Freude und Luftbarfeiten fehen,
und mar die Bewirthung an jedem Tage immer
noch beſſer als am vorhergehnden. +)
*) Wörtlih: „Herrſchaft und unſere Schwefter mit An-
bietung.“
**) Bivei, die Blutsbrüderſchaft jchließen wollten, liegen
beide Blut in ihre Fußſpur (über deren Bedeutung |.
Grimm, Rechtsalt. 155 ff.) rinnen (Brot. 18,3 f.) und
miſchten fo ihr Blut (Lokas. 9); fie waren Hinfort fo
eng miteinander verbunden wie wirkliche Brüder.
er) Eigentlich) „trant”; ebenfo von Atle Kap. 32 Ende.
7) Diefelbe Wendung oben ©. 55, 8. 7.
1) ®gl. Big. sk. 2,1—4. — 2) Sig. sk. 1,5—8; Grip. 371 (4,1);
Sn. E. 118,16 f. — 3) = Big. sk. 8,58. — 4) Grip. 34,3 f. ():
Sn. E. 118,15 f.
127
|Sie fuhren nun weit dur die Lande und
berrichteten manche Heldenthat, erfchlugen viele Königs»
fühne, und Hein anderer that gleihe Großthaten;
und fuhren dann heim mit großer Baırte, 1
Sigurd gab Gudrun von Fafni's Herzen zu effen,
und feitdem war fie weit grimmiger denn zuvor, aber
auch klüger.“ Ihr beider Sohn hieß Sigmund. 3
Einmal ging Grimhild zu Gunnar, ihrem Sohne,
und ſprach: „Eure 144) Herrichaft fteht nun in
hohen Ehren, dad Eine audgenommen, daß ihr noch
unvermählt feid. | Werbet um Brynhild. Das iſt
für dich die anfehnlichfte Heirath, und wird Sigurd
mit euch reiten. *_ Gunnar antwortete: „Gewiß ift
fie Schön, und nicht ift mir. die unerwünſcht.“ Er
fagte es jodann feinem Water, jowie den Brüdern
und Sigurd; und alle bejtärkten ihn darin.
Siebenundzwanzigftes Kapitel. *)
Nun rüſteten ſie ſich weislich zur Reiſe und
ritten ſodann über Berg und Thal zu König Budle
*) Meberjchrift: „Sigurd durchreitet die Waberlohe Bryn-
hild's, der Tochter Budle's“. |
1) ®gl. Nth. Kap. 6; Atlam. Str. 95 f.; ob. ©. 1171, u. S. 148 *®%,
— 3) dal. ob. ©. 98, 3. 18. Wohl and Proja vor Gudr. I, 2.
79 (f. Germ. 28,186). — 8) Sn. E. 119,11. 120,2 (vgl. Gudr.
II, Str. 29,7). — 4) Bol. Grip. 38. Sig. nk. 3,8 f.
198
und bradten ihre Werbung vor.! Er nahm die
jelbe wohl auf, fall fie nicht nein jagen würde,
fagte aber, ſie wäre jo ftolz, daß fie nur den Mann
nehmen würde, den fie wollte.
Da ritten fie Hin nach Hlymdal.*) Heimi be
grüßte fie freundlich. Da ſagte Gunnar ihr Ar
liegen. Heimi erflärte, fie habe die Wahl, men fie
nehmen wollte; er jagte, ihr ‘Saal wäre nahebei,
und äußerte die Meinung, daß | fie den allein würde
zum Manne nehmen wollen, der durch das Tohende
Feuer reite, dad um ihren Saal brenne.**) ?
Sie fanden den Saal und da3 Teuer und fahen
da eine von Gold ſtrotzende***) Burg und außen
umher ‚brannte ein Feuer. 3 Gunnar ritt den Gote?,
und Hogne den Holfve. °° Gunnar fpornte dad Roß
——
*) Dort wohnt Heimi. Die nordifche Form ift Hlymdalir,
Plural, d. h. die Klang- oder Lärm⸗Thäler.
**) Genauer: „entzündet fei”. Hier zeigt fich deutlich die
Bermifhung mit Sigrdrifa, die auf flammenumlodertem
Berge ſchläft, während. Brynhild bei Heimi lebt.
*5*) Eigentlich: „goldborftig”, d. h. von goldenen (Dach⸗)Spitzen
(gleichſam Borften) ftarrend.
1) Bgl. Sig. sk. 3,1 f.; Gudr. I, Str. 33,5 ff.; vgl. Sn. E. 118,171.
wo jedoch Atle an Budle's Stelle genanxt ifl. — 2) = Sn. B. 118,
30 f- — 3) vgl. Fafn. 48, wo Sigrdrifa gemeint ift (ngl. oben ©.
118**); Sn. E. 118,19 f. —4) = Sn. E. 118,33 f, (== Kalfsvise).
— 5) = Sn. E.: Kalfsvisa.
129
gegen das euer, aber es wich rückwärts. Sigurd
ſprach: „Was ftußeit du, Gunnar?“ Der antwor-
tete: | „Das Roß will nidht durch dies Yeuer ſprin⸗
gen !," umd bat Sigurd, ihm Grane zu leihen.
„Gerne *),“ ſprach Sigurd. | Gunnar ritt nun [aber-
mals] zum Feuer, aber Crane wollte nicht von der
Stelle. **) Gunnar Tonnte alfo die Heuer nicht
durchreiten.“ Da vertaufchten fie die Geftalten ®,
wie Grimhild Sigurd und Gunnar gelehrt Hatte. ***)
| Darnad) ritt Sigurd und hatte [fein Schwert] Gram
in der Hand, und band goldene Sporen an feine
Füße. Crane ſprang mm hinein ind Feuer *, als
er die Sporen fühlte. Da ward ein großes Getöfe,
als das Feuer erbraufte, die Erde erbebte und die
Flamme zum Himmel emporſchlug.“ Das wagte
feiner zuvor zu thun, und war es, als ob er im
Finſtern ritte.) Da legte fi) das euer, er aber
*) Wörtlih: „Das jteht zur Verfügung”.
**) Weil er nur geht, wenn Sigurd auf ihm fißt, ſ. oben
©. 94*,
) Vgl. oben S. 26 ***,
+) Wohl wegen des jchwarzen Qualms. So heißt auch die
Waberlohe jelbft die düftere in Skirn. 8 und 9, wo auch
, Str. 14 f. die Situation ähnlich ift.
1) = Sn. E. 118,4. — 2) vgl. unten ©. 1891. — 3) = Grip. 37,58;
Sn. E. 118,25. — 4) vgl. Sn. E. 119,2. — 5) vgl. Oudr. 16,5 f.
9
130
ftieg vom Rofje [und ging] hinein in den Saal. So
heißt e8 im Liede *): | 145)
Das Feuer erbrauite,
Die Erbe erbebte,
Hoch flammte lodernd
Die Lohe zum Himmel.
Wenige wagten da
Von des Fürſten Helden
Durchs Feuer zu reiten,
Noch drüber zu fpringen. !
Mit dem Schwerte Tpornte
Sigurd den Grane,
Das Teuer verloſch
Bor dem Fürften, -
Die Lohe all legte fich
Bor dem Ruhmbegierigen,
Es blinfte das Neitzeug,
Das [einst] Regin beſaß. **)
Und als Sigurd durch die Lohe hinein kam,
fand er da ein ſchönes Gemach, und darin ſaß Bryn⸗
bild. Sie fragte, was für ein Mann er wäre; | er
*, Das bier benußte Lied ift bis auf die beiden folgenden
Strophen verloren; boch ſcheinen noch oft in der Proſa
die Stabreime der benußten Strophen durch.
”, Welches Sigurd von Regin erhalten oder genommen
hatte, und welches nun Grane trug.
1) Bol. unten ©. 1391 (von Gunnar gefagt).
181
aber nannte ſich Gunnar, Gjuke's Sohn !: „und bi
biſt mir beftimmt zur Frau mit dem Jaworte Deines
Vaters, falls id; durch deine - Waherlohe *) ritte,
md auch deined Pflegevaters nebft deiner‘ eigenen
Beſtimmung.“ [Ste fügte] „Nicht weiß ich reiht,
wie ich Hierauf antworten fol.” Sigurd ftand auf
vet auf dem Chrih und ftüßte fi auf den
‚Schhwertfnauf, und ſprach zu Brynhild: „Dir will
ih zum Entgelte großen Brautfhab **) zahlen in
Gold und koſtbaren Kleinoden.“ Sie antwortete
mit Kummer bon ihrem Site, wie ein- Schwan von
der Woge ***), und Hatte das Schwert in der Hand
*) Wabernde, wallende Rohe, Bauberfeuer, mit dem Odin
die in Schlaf verſenkte Sigrdrifa (an deren Stelle hier
Brynhild getreten ift) umgab. Da ihr Schlaf uriprüng-
lich der? Todesſchlaf ift (f. oben ©. 96**), fo Hängt die
Borftellung von der Waberlohe urjprimglich mit . der.
. Rohe des Scheiterhaufend zuſammen, der urfprünglich aus
Dorn geichichtet ward (%. Grimm, Kleinere Schr. 2,
241 ff.), weshalb auch bei Dornröschen (= Brynhild) eine
Dornhecke die Waberlohe vertritt.
*“) S. oben ©. 63 *,
“) Bezieht fi auf den Schwanengefang, den man ale —
meift todfündende — Weiffagung auffabte (Kaffel, der
Schwan?, 55). Man denke an die Schmwanenhemden
der den Nornen verwandten Walkyrjen und die Schwäne
aufdem Nornenbrunnen (Sn.E. 24,8 ff.; vgl. Kaſſel, he 255).
V Bal. Grip. 89, 1—4; Sn. E. 118,25.
9*
132
und den Helm auf dem Haupte und Mar in ber
Brünne: „Gunnar (fagte fie), rede nicht ſolches zu
mir, wenn du nicht vortrefflidher bift als jeder andere;
und 146) du ſollſt diejenigen erſchlagen, die [zuvor]
um mid) geworben haben, wenn du bir das zutrauft.
Ich war im Kampfe mit dem Garda- König *),
und meine Waffen waren gefärbt in Männerblut:
und darnach verlangt mic) noch.” Er antwortete:,
„Manche Heldenthat Habt ihr vollbracht: doc ge
denfet nun an | euer Gelübde, falls dies Feuer durch
ritten würde, daß ihr. dem Marne folgen wollte,
der das vollbräcdhte.“ 1 Sie fand num, daß er voll
kommen Recht habe **), ftand auf ımd begrüßte ihn
freundlich. | Dort weilte er drei Nächte und beide
theilten Ein Lager: er nahm dad Schwert Gram
und legte e8 entblößt zwiſchen fich und fie. 2 Sie fragte,
wa3 das zu bedeuten hätte. Er ſprach, e8 wäre ihm be
ſchieden, daß er alfo die Vermählung mit feiner Frau
*) Das Garda-riki (Reich) ift das flandinavifche Reich im
heutigen Rußland, das eigentliche Rußland, mo ber
berrfchende Stamm ein flandinavifcher (ſchwediſcher) war.
*) Wörtlih: „Sie fand Hier richtige Antwort und bie
Kennzeichen (Beftätigung) diefer Rede”, d. h. fie fand
das, was er fagte, richtig und beftätigt.
1) = Sn. B. 118,20 f. — 2} Grip, 39, 68. 41, 1-4; Bn. E. 119,
2-5; Big. ak. 3,5—4,10. 68,1--8; Brot 20.
138
beginge, : jonft wäre e8 fein Tob.*) | Da nahm er
den Ring -Andvaranaut **) von ihr, und gab ihr
einen andern Ring aus Fafni's Erbe. !
Darauf ritt er hinweg durch daſſelbe Feuer zu
feinen Gefellen: und fie vertaufchten wieber die Ge
ftaft 2 und ritten ſodann nad) a und ſagten,
wie es ergangen wäre.
An demſelben Tage kam Brynhild zu ihrem
Pflegevater und ſagte ihm im Vertrauen, daß zu
ihr ein König gekommen ſei, „und er ritt durch
meine Waberlohe und ſagte, daß er komme, ſich
mit mir zu vermählen, und nannte ſich Gunnar: ich
aber ſagte **), daß Sigurd allein das thun würde,
) Bgl. Ragnarsſaga, Rap. 5 (Schluß). Das dazwiſchen⸗
gelegte Schwert findet ſich ebenfalls in der vielgeſtaltigen
fogenannten „Freundſchaftsſage“ (Amicus und Amelius),
wo ein Bruder dem andern auf dieſe Weiſe die Treue
hält. Vgl. das vielverbreitete Märchen von den beiden
Brüdern (Grimm Nr. 60, Bd. IH, ©. 102 ff.), und
über andere Beiſpiele Rechtsalt. 168 ff.
”) S. oben S. 72”. Ueber den Ringwechſel bei der Ver⸗
lobung (bezw. Bermählung) ſ. Rechtsalt. S. 177. Nach
Snorra Edda giebt :er ihr den Andvaranaut und
empfüngt von ihr einen andern Ring; jo aud) unten
S. 141”. Das ilt das richtige (ſ. Beitr. 3, 280 f.).
+) Das war oben nicht erwähnt.
1) ®al. Sn. E. 119, 5—8 (f. oben bie Aum.*); unten S. 1363 mis. $.,
Str. 679,3]. — 2) = Sn. E. 119,8—10; Grip. 43, 5—8.
134
dem ich Eide ſchwur auf dem Berge *):-ımd er ift
mein erſter Gotte.“ **) Geimi ſagte, daß ed bake
nun fein Bewenden Haben müſſe. Brynhild ſprach:
„Meine und Sigurd's Tochtex Aslaug ſoll Hier bei
dir aufggzegen warden.“
| Die, Könige fuhren nun Geim, Brynhild aber
zu ihrem Vater. Grimhild empfing He freundliqh
und dankte Sigurd für feine Beoleitung.
Run waxd die Hochzeit ‚zugeräftet, und Tem
dazu eine große |147) Menge Polles; (auch) kam Dazu
König Bude mit feiner Tochtez, und Atle ſein Sohn.
Und dieſe Hochzeit hat viele Tage gewährt. | Und al
fie zu (Ende war, da ferii} gedachte Sigurd aller
Eide, die er Brynhild geſchworen, Tieß aber nit
davon verlauten.? Brynhild und Gunnar faßen in
——— und tranken guten ‚Bein.
‚*) Bgl. oben S. 106*.
“*) Das Her angenoinmene intime Berhiftnig Sigurd's zu
Brynhild (Sigrdrifa), duſſen Frucht Aslaug ſein fol, ill,
wie dieſe Aslaug überhaupt, Exrfindimig. des Sagaſchrei⸗
bers. (f. Die Einl.). Die echte Sage (in ben Eddaliedern)
faßt das Verhältniß durchaus als ein keuſches auf.
1) Bgl. Sn. E. 119,10 (Brynhild — wit ben Königen). — 2) =
Grip. 45,1—2.
135
Achtundzwanzigſtes Kapitel. *)
Es geſchah eines Tages, daß ſie zuſammen zum
Strome gingen, ſich zu baden. Da watete Brynhild
weiter hinaus in den Strom.! Gudrun fragte,
was das bedeuten ſolle. Brynhild antwortete: |
„Warum ſoll ich mich hierin mit dir gleichſtellen,
eher als in andern Dingen? *) 2 Ich wähnte, daß
mein Vater müchtiger fei denn deiner, und mem
Mann mehr Heldenthaten vollbracht habes und
durch brennendes Feuer geritten fei?; den Mann
aber war ein Knecht König Hjalprek's.“ ***)5 Gudrum
antwortete vol Zorn: „Weiſer wäre es von Dir, zu
fchweigen © als meinen Mann zu läftern: e3 iſt aller
Leute Rede, daß Teiner feines gleichen auf die Welt
*) Ueberſchr.: „Zank der Königinnen Brynhild und Gfudrun]”.
“) Die ausführlicere Schilderung in Sn. E. 119, 12 ff.
zeigt die Situation deutlicher: die Königinnen wafchen
ihr Haar im Strome. Brynbild watet tiefer hinein
(ffromaufwärt3), weil fie nicht dad aus Gudrun's Haar
triefende Waffer in ihr Haar kommen lafjen will. Vgl.
auch Nib.-Lied, Str. 814 ff.; Thidr. s. Kap. 320.
***) Diefer Vorwurf beruht auf Entjtellung der Thatjachen,
j. oben ©. 86*.
1) = Bn. E. 119,18—14. — 2) vgl. Sn. E. 119,14 f. — 8) = Sn. E.
119,16. — 4) vgl. Sn. E. 119,21. m 6) vgl. Nib. 838,4. —
6) = Nib. 839,1 f. 849,2.
136
gelommen fei in jeglider Hinficht '; und nicht fteht
e3 dir wohl an, den zu Yäjtern, der dein erfter Gatte
war ?2:er erſchlug Fafni 3 und ritt durch die Waberlobe,
da du ihn für König Gunnar hielteft, und er wohnte
dir Bei und nahm dir von der Hand den Wing
Andvaranaut *), und magft du den nun bier er-
tennen.“ * Brynbild jah nun den Wing an und er-
kannte ihn: da erbleichte fie, als ment fie todt wäre. |
Brynhild ging [jodann] heim, und ſprach kein Wort
am Abend. ®
Und als Sigurd zu Bette ging, fragte Gudrun:
„Warum ift Brynbild fo umfroh?* Sigurd ants
wortete: „Nicht weiß ich es genau; doc ahnt mir,
daß wir e3 bald etwas genauer erfahren werden.“
Gudrun fagte: „Warum ijt jie nicht zufrieden mit
ihrem Reichthum und Glüde und aller Männer
Lobe, und Hat [do] den zum Gemahl bekommen,
den fie wollte?" Sigurd ſprach: „Wo hätte man
fie je jagen bören**), daß fie glaubte den vor-
trefflihiten Mann ||148) zu Haben oder denjenigen,
* Vgl. oben ©. 133 *.
””) Wörtlich: „Wo war fie da, als fie ſagte“.
1) Bol. Nib. 828,2. — 2) vgl. Nib. 839,3— 841,2. — 3) =Sn. E. 119,19.
—4) vgl. Sn. B. 119,22—26, wo wieder Brynhild den Andvaranaut
von Sigurd erhalten bat; vgl. Nib. 30,24. 847,23. — 5) Sn.
E. 119,26 f.
137
den fie am Tiebiten haben mwollte?" Gudrun ant-
wortete: „Sch will morgen darnach fragen, wen fie
am Tiebften haben will.” Sigurd entgegnete: „Da-
bon rath' ich dir ab, und Du wirft e8 bereuen, wenn.
du dag thuſt.“
Am Morgen faßen fie in ihrer Kammer, und
war Brynhild ſchweigſam. Da ſprach Gudrun *):
„Sei fröhlid,, Brynhild; betrübt dich unſer Geſpräch?
oder was jteht deiner Freude im Wege?“ Bryn-
bild erwiderte: „Eitel Bosheit treibt did) hierzu
(zu diefer Trage), und haft du ein graufames Herz.“
„Glaube nicht alfo (fagte Gudrun), und fag’ es
lieber.” Brynhild antwortete: „Frage nur nad)
dem, was befier für dich ift, zu willen; das ziemt
vornehmen Frauen. Gut ift es mit Gutem zufrieden
zu fein**), da euch alles nad Wunſche geht.“
Gudrun antwortete: „Zu früh iſt's noch, fich deſſen
zu vühmen, umd [doch?] ift dies vor Bedeutung, dieſe
[beine] Prophezeifung, Was rächt ihr an mir?
Ich that euch nichts zu Leide.“ Brynhild antwor-
tete: | „Deſſen ſollſt du entgelten, daß du Sigurd
Im Folgenden beruht Die Proſa offenbar auf einem
Wechſelgeſprüch in Strophen.
Dh: „In guter (glücklicher) Lage es leicht zufrie
den zu ſein“.
138
haſt; ich gönne dir nicht fein zu genießen ! noch des
‚ vielen Goldes.“ Gudrun antwortete: „Nicht wußte
ich von ewrer Verabredung, und wohl hätte mein
Bater mir eine Heirath auserſehen können, ohne
daß du dabei betheiligt geweſen wäreſt (?).“*) Bryn
hild entgegnete: „Nicht haben wir uns heimlich
beredet, und haben uns doch Eide geſchworen: und
ihr wußtet, daß ihr mich betroget, und das will ich
rächen.“ ? Gudrun antwortete: „Du biſt befier
vermäblt, als du verbienft; und dein Uebermuth
wird übel enden, und manche werben es entgelten.“ |
„Bufrieden wäre ich (fagte Brynhild), wenn du nicht
einen vornehmeren Mann hätteft, denn ich." ® Gudrum
antwortete: „Du Haft einen jo vornehmen Mann,
daß es umgewiß ift, welcher der bebeutendere König
ift umd genug [haft du) an Gut und Herrſchaft.“
Brynhild antwortete: „Sigurd überwand Yafn,
und das ift mehr werth als das ganze Reich König
Gunnar’, wie e8 im Liebe heißt:
Sigurd ſchlug den Wurm,
Fürder wird Teiner
*) at hitt. Die gewöhnliche Ueberſetzung: „Wenn du
auh nicht darum gefragt märeft” ſcheint mir keinen
Sinn zu geben. ft gemeint: „Davon betroffen“, in
beinem Verhältniß zu Sigurd?
1) gl. Brot 3,5 f.e — 2) vgl. Grip. 45,7 f. — 3) vgl. Grip. 45,5 |.
139
Je das vergefien,
So lange die Welt ſteht; 149)
| Dein Bruder hingegen
Wagte weder
Durchs Feuer zu reiten
Roh hinüberzuſpriugen.
Gudrun erwiderte: „Grane wollte nicht ind Feuer
rennen *) unter König Gunnar, er aber hatte den
Muth zu reiten: den darf man ihm nicht abſprechen. 2
Brynhild antwortete: \ „Verhehlen wir e8 und nicht:
ih halte von Grimhild, deiner Mutter, nicht viel.“
Gudrun antwortete: „Schmähe fie nicht, denn fie
it gegen did mie gegen ihre [eigene] Tochter.“
Brynhild erwiderte: [ „Sie iſt die Urheberin alles
Unheils, das an uns nagt: ſie brachte Sigurd
ſchlimmen Trant**), fo daß er meines Namens nicht
[mehr] gedachte.“ ? „Mand; verfehrtes Wort rebeft du
(fagte Gudrun), umb ſolches ift eine arge Lüge.“
Brynhild antwortete: „Genießet ihr To Sigurd's, wie
ihr mid) nicht betrogen Habt!***) Euer Beifammen-
wohnen ijt ungehörig, und gehe es euch fo, wie ich
*) Wortlich „rannte nicht“.
**) Eigentlich: „Brimmes Bier“. -
**) Zu bey Ausdrucksweiſe vgl. Gudr. I, Str, 21,14.
1) Bel. oden S. 1901, 1958, unten ©. 1481. — 9) bel. "oben ©. 1251.
148, 8- 7 ff. 151%; Gudr. II, Str. 29,8.
140
denke.“ Gudrun antwortete: „Beffer werde ich fein
genießen, als du es wünſchen möchteſt; und keiner
kann fagen*), daß er ſich übergut mit mir ge
ftanden hätte, auch nicht Ein Mal.“ Brynhild ant-
wortete: „Uebel redeſt du, und was Dir entfährt,
‚wird Dich gereuen: doch wollen wir und nicht mit
Scheltworten befaffen.“ Gudrun antwortete: „Du
ſchleuderteſt zuerſt Scheltworte gegen mid); ; jeßt thuft
du, als wollteſt du es wieder gut imachen; doch
Grimm jtedt dahinter.“ Laſſen wir das unnütze
Gerede (ſagte Brynhild). Lange ſchwieg ich von
meinem Harme, der mir in der Bruſt wohnte: doch
liebe ich deinen Bruber allein; — laß uns über
anderes reden.” ) Gudrun antwortete: „Im Herzen
bift du weit anders gejonnen. . er)
Und daraus entſtand großer Unfriede, daß fie
zu dem Strome gingen, und daß fie (Öubrun) den
Ring ‚zeigte‘, babön ‚tar ihr Wortwechſel.
) Wörtlich: „keiner Ben das“, „feinem mach das zu
Theil”. ann —— —
**) Wörtlich: „Beginnen wir eine andere Rede“.
++) Die übliche Meberfegung: „Weit fieht dein Geiſt voraus“
giebt Teinen Sinn. Auch ſteht nicht-fram „vormus“,
fondern um fram „an — vorbei”, „über — hinaus⸗, alfo
wörtlich: „Weit fieht dein Herz (Sinn) vorbei‘. (an dem,
was du ſoeben verföhnlich geredet Haft); alfo dem Sinne
141
Nennundzwanzigſtes Kapitel. *)
Nach dieſem Geſpräche legte Brynhild ſich zu
Bette; und drang dieſe Kunde zu König Gunnar,
daß Brynhild 150) krank wäre. Er ging zu ihr
und fragte, was ihr wäre. Sie aber antwortete
nicht8 und Tag, als ob fie tobt wäre. Und als er
fehr in fie drang, antwortete fie: „Was machteit
du mit dem Ringe, den ich dir gab, und den König
Budle mir beim letzten Abſchiede geſchenkt hatte **),
als ihr Gjukunge zu ihm kamet, und drohtet zu
heeren und zu brennen, wenn ihr mich nicht er—
hieltet? **x) Darauf | nahm er mich beiſeite +)! und
nad) gleich Gudrun's voriger Antwort. — Hier endete
das verlorene Wechfelgefpräich in Strophen.
) Meberichrift: „Brynhild's Harn nimmt noch zu“.
*6) Der Ping, den Gigurb (in. Gunnar's Geftalt) von
Brynhild erhielt, jtanımte demnad) von Budle, war
alfo nicht Andvaranaut; |. oben ©. 133 *.
***) Diefe (jüngere) Sagenfaffung, welche eine gewaltjame
Erwerbung Brynhild’8 (durch Kriegsdrohung oder Krieg)
vorausſetzt, findet fi) auch in Oddr. u. f. w.; ſ. Germ.
23,177—79. 187 f., wo über diefe Stelle und ihr Ver⸗
hältniß zu Sig. sk. gehandelt iſt. gl. unten ©. 162**,
+) Wörtli: „führte mich zu einer ————
1) Sig. sk. 37,1.f., unter S. 1627.
142
fragte, welchen ich erfüre von denen, Die gekommen
wären. | Sch aber erbot mich das Land zu verthei-
digen ? und Häuptling zu fein über ein Dritttheil
des Heered. | Da war unter zwei Dingen zu wählen *),
daß ich dem mich vermählen müßte, fo er wollte ?,
oder alles Gutes und feiner Freundfchaft verluftig
fein ®; doc fagte er, feine Freundſchaft würde mir
beſſer frommen, als fein Zorn. | Da überlegte ic} bei
mir, ob ich feinen Willen [thun], oder manchen Mann
erſchlagen follte *: doch fühlte ich mich unfähig, mit
ihm zu ftreiten. Und e8 kam dahin, daß ic) mid
dem verhieß, der auf dem Roſſe Grane mit Fafni's
Erbe geritten Time und durch meine Waberlohe
ritte **)5, und die Männer erjchlüge, die ich [ihm]
bezeichnen würde. | Nun getraute ſich feiner zu reiten
al3 Sigurd allein; der ritt durch dag Teuer, dem
ihm fehlte es dazu nicht an Muth; er erſchlug den
Wurm und Regim und fünf Könige ***), nicht aber
*) Wörtlih: „Da waren zwei Wahlmöglichleiten vor:
Banden“.
**, Man beachte die Bedingungen für Brynhild's Erwer⸗
bung, die bier zufammengeftellt find.
“) Welche? Die Zahl fünf ift vielleicht formelhaft ge
braucht. gl. aber HS. 354,
1) Sig. ak. 38,4—$. — 2) Big. ak. 97,6. — 8) vgl. Sig. ak. 87,3. —
4) Big. ak. 38,1—6. — 5) Big. ak .39,1—6. 36,14; unten ©. 1629.
143
du, Gunnar, der du bleich wardſt ‚wie eine Leiche, |
und bift du fein König noch Held. ! Ach aber habe
das gelobt, daß ich den allein lieben wollte, ber als
ber PVortrefflihite geboren *) märe, das aber ift
Sigurd. | Nun bin ich eidbrüchig ? dadurch, daß ic
ihn nicht habe; und deshalb muß * id dir den
Tod rathen. ***) Auch Habe ih Grimhild Uebles zu
Iohnen: fein herzlofered. noch böferes Weib giebt es
als fie“ Gunnar antwortete, jo daß wenige es
hörten: „Manche Lügenmworte Haft du ausgejtoßen,
und du bilt ein bo8haftig Weib, da du Die Yrau
ſchmähſt, die dich weit übertrifft: nicht war fie un
zufrieden mit ihrem Looſe, wie du thuft, noch |151)
| quälte fte todte Männer }), und keinen mordete fie,
*) D. h.: „Den Vortrefflidjiten, der je auf die Welt ge⸗
fommen”.
*#) skal „ich ſoll“, „es ift mir. beichieden“.
x***) Damit ift der Grundgedanfe der (älteren) nordiſchen
Sage ausgeſprochen: Brynhild muß (entweder Gunnar
oder) Sigurd tödten laffen, um ihren Eid, nur dem
Trefflichiten anzugehören, halten zu können. Sie läßt
Sigurd nicht aus Hab tödten, fondern aus Liebe, und
folgt ihm jelbft in den Tod, um mwenigitend im Tobe
mit ihm vereint zu fein.
+) Sit Uchnliches gemeint, wie Thidr. s. Kap. 366 (©. 392)
bon Grimhild berichtet?
1) Bgl. oben ©. 1391, unten S 1481. — 3) vgl. Helr. 5,58; unten
©. 151 8,
144
und lebt mit Lob.” Brynhild antwortete: „Nicht
habe ich Heimlichkeiten gehabt, noch Unthaten ver-
übt *), und (do?) anderd ift meine Sinnesart!:
williger wäre ich, euch zu erſchlagen.“ Darauf wollte
fie Gunnar tödten, Hogne aber legte fie in’ Feſſeln.
Da ſprach Gunnar: „Nicht will ih, daß fie m
Feſſeln liege.” Sie antwortete: „Kümmere bi)
nicht darum, dem nimmer ſiehſt du mid) Hinfort
fröhlich in deiner Halle, nicht beim Trinken, nod)
beim Brettfpiel, noch in tranlichem Geſpräch, nicht
ſſiehſt du mich] mehr Toftbare Gewänder mit Gold
übderjpinnen **), noch dir Rath geben.” Sie nannte
das ihren größten Harm, daß fie nit Sigurd zum
Gemahl Hätte. Sie richtete fich auf und begann zu
weben, [jo beftig,] daß das Gewebe zerriß ***); und
gebot die Kammerthüren zu öffnen, fo daß man ihre
Wehllage weithin hören möchte. Nun war große
Klage +), und man hörte fie durch die ganze Burg.
*) Wie du mir vorwirfft? Richtiger wohl: wie Grimhild.
-**) Vgl. oben ©. 111, Kap. 24 Anfang.
“) Wörtlich: „Sie ſchlug ihr Gewebe (ſchoß oder warf den
Einſchlag dur den Aufzug ihres Gewebes, vgl. auch
unten ©.. 168), fo daß e8 entzivei ging“.
y D. h.: „Da hub Brynhild große Wehklage an“.
1) ®gl. Helr. 2,5—3,8 (?).
145
Gudrun fragte ihre Kammermägde, warum fie
fo unfroh und betrübt wären, „was ift euch denn,
warum geberdet ihr euch wie finnloje Menſchen?
welch ein Schredbild habt ihr gejehen?” Da ant-
wortete eine Yrau ihres Gefolge, die Spafrlad *)
hieß: „Dies ift ein unfeliger Tag, unfere Halle ift
vol von Jammer.“ Da fagte Gudrum zu ihrer
Bertrauten: „Steh auf, wir haben lange gefchlafen,
wede Brynhild; wir wollen zu Tifche gehn umd
fröhlich fein.” „Das thue ich nicht (fagte fie), daß
ich fie wecke oder mit ihr rede; mandjen Tag **)
trank fie weder Meth noch Wein, und ift der Götter
Zorn über fie gelommen.” — Da wandte fi) Gu-
drun an Gummar: „Geh Hin zu ihr (fpradh fie),
und fag’, ihr Kummer wäre mir leid." „Es ift
mir verboten (jagte er), ihr zu nahen oder mit
ihrem Gute mich) zu befaffen (72).“ Dennoch ging
Gunnar zu ihr umd verſuchte auf manche Weije ihr
Nede abzugemwinnen, fonnte aber feine Antwort er-
langen. ***) Da ging er fort zu Hogne und bat ihn
zu ihr zu gehn. Der fagte zwar, daß er wenig Luft
*) Syafrlödh.
**) Genauer „manches doegr“, f. oben ©. 31*.
***) Wörtlich: „Nichts erlangen Hinfichtlich der Antwort“.
10
146
dazu babe; doch ging er, lodte aber [auch] nichts
aus ihr heraus.
Und ward nun Sigurd aufgefucht und gebeten,
zu ihr zu gehn. Der eriwiderte fein Wort, und da-
bei blieb e3 152) den Abend. Am folgenden Tage
aber, al3 er von der Thierjagd kam, ging er zu
Gudrun und ſprach: „So hat ed mir vorgefchwebt*),
daß dies etwas Gewaltiges zu bedeuten habe (ſchlimme
Folgen haben werde), daß fie fo vor Zorn bebte **),
und wird Brynhild fterben.” Gudrun antivortete:
„Mein Herr, große Wunder gejchehen an ihr ***):
fie Hat nun [chen] fieben Tage und Nächte +) ge
fchlafen, jo daß feiner wagte, fie zu wecken.“ Sigurd
antwortete: „Nicht fchläft fie; [vielmehr] brütet fie
über großartigen Plänen gegen und.“ Da fprach Gu⸗
drun unter Thränen: „Das ift ein großer Harm,
deinen Tod zu wifjen: geh lieber und befuche fie,
und fieh, ob ihr Unmuth fich lege: gieb ihr Gold,
und bejänftige fo ihren Born.“
Sigurd ging hinaus, und fand den Saal offen;
er mwähnte, fie jchliefe, und fchlug Die Betten von ihr
*) D. h. „das habe ich geahnt“.
**) Wörtlich: „Dies [ihr zorniges] Erbeben“.
+) D. h. „höchſt jeltfam geht es mit ihr zu“.
t) Sieben degr (f. oben ©. 31*), aljo 3'/, Tage.
147
zurüd und ſprach*): „Wach' auf, Brynhild, die
Sonne ſcheint über bie ganze Burg, und [num] ift
genug gefchlafen: wirf den Harm von dir, und nimm
Hröhlichkeit an.“ Sie ſprach: „Wie magit du fo
dreift ſein **), Daß du kömmſt mich zu befuchen?
Keiner war ſchlimmer gegen mich bei dieſem Betruge.“
Sigurd antwortete: „Warum redeit du mit nie
mand? Wa3 betrübt dich denn?“ Brynhild ant-
wortete: „Dir will ich meinen Horn: fagen.“ Si
gurd ſprach: „Bethört ***) biſt du, wenn du mähneft,
daß th dir feinbfelig gefinnt fei; und ift der dein
Dann, den du erkoreſt.“ „Rein (fagte fie), nicht
ritt Gumar durch daB. Feuer zu mir, und nidt
brachte. er mir als Braufſchatz Erfchlageite +) dar.
Sch verwimderte mi über den Mapıt; der in mel-
nen Saal fam, und ih glaubte eure Augen zu er-
*) Hier beginnt wieder ein Wechjelgefpräch, dem fichtlic)
Strophen zu Grunde liegen.
“*, Wörtlih: „Was bedeutet [diefe] deine Kühnheit“.
»*) Gigentlich „bebert“. |
y) Gemeint ift wohl Fafni's Tod, deſſen Zeichen der mit-
geführte Hort war. Die Tödtung Fafni’3 [und der
Erwerb ſeines Hortes] Tann in fofern als gezahlter
Brautihaß bezeichnet werden, als er die nothmendige
Borbedingung für Brynhild’3 Ermwerbung (ala Beweis
der Furchtlofigkeit nämlich) war, ſ. Germ. 23,177 **.
- 10*
148
fennen *), doch konnte ih es nicht gewiß unter-
jcheiden vor dem Schleier, der über meinem guten
Geiſte**) Ing.“ Sigurd fprah: „Nicht bin ich ein
vornehmerer Mann als die Söhne König Gjuke's:
fie erjchlugen den Dünen-Klönig und einen mächtigen
Häuptling, den Bruder König Budle's.“ ***) Bryn⸗
hild antwortete: „Viel Böſes habe ich ihnen auf-
zuzählen: erinnere mic) nicht an memen Haran. |
Du, Sigurd, erſchlugſt den Wurm und ritteft durch
da3 Feuer, und zwar um meinetwillen, und nicht
waren dort König Gjuke's Söhne.“ 1 Sigurd ant-
wortete: „Keineswegs ward ich dein Mahn und F)
du mein |153) Weib, und ein trefflicher König zahlte
dir Brautſchatz.“ +7) Brynhild antwortete: „Nie
fehe ich Gunnar fo, daß mein Herz ihm zulachte +}F),
*, Diefe waren nicht mit verwandelt (Sig. ak. 36,5 f.),
vgl. oben ©. 26 ***.
“*) Eigentlich „Schutzgöttin“ (hamingja — Dis, ſ. oben
©. 56**. 99 7); vor deren Augen lag es wie ein Schleier,
jo daß fie mich nicht vor der Täuſchung ſchützen Tonnte.
**) Bol. oben ©. 127! und HS. 256.
+) Die übliche Ueberfegung „und doch warjt du“ ſcheint
mir dem Zuſammenhange nicht zu entiprechen.
tr) D. h. vermählte fich mit dir, f. oben ©. 63 **,
rtt) Diefelbe Wendung braucht Signy von Siggeir (oben
149
und gram bin ich ihm, obſchon ih es vor andern
verhehle.“ „Erſtaunlich *) it es (fagte Sigurd),
einen ſolchen König nicht zu lieben. Was betrübt
dich denn zumeiſt? Mir Scheint, als wenn feine
Liebe dir beſſer wäre denn Gold.“ Brynhild ant-
wortete: „Das iſt mir das Schmerzlidjite in meinem
Harm, zu wiflen, daß ich e3 nicht zumege bringen
fann, daß ein ſcharfes Schwert in deinem Blute ge-
röthet werde.” Sigurd ermiderte: „Deswegen fei
unbejorgt: nicht lange wirft du warten brauchen,
bis ein ſcharfes Schwert mein Herz durchbohren
wird; auch kannft Du dir nichts Schlimmeres wün⸗
ſchen, denn du wirſt mich nicht überleben, und unſerer
Lebtage werden von nun an nur noch wenige ſein.“
Brynhild antwortete: „Nicht geringe Hinterliſt gab
dir ſdieſeſ deine Worte ein **); [aber] nachdem ihr
mi um alle Luft betrogen habt, achte ich ***) des
Leben! nicht im geringften.” Sigurd antwortete:
©. 17°), aud) von Gudrun's Verhältniß zu Atle wird
fie gebraucht, |. unten ©. 1762.
*) Eigentlih: „Erfchredlich”.
»*) Sie meint, Sigurd Habe durch die Ausſicht auf ihren,
von dem feinigen unzertrennlichen Tod fie von den gegen
ihn gerichteten Mordplänen abbringen wollen. Gewöhn⸗
lich wird anders überjeßt.
»*) Ich faffe biefen Sat mit ok als Nachſatz. .
150
„Lebe du und liebe König Gunnar und mid), und
all mein Gut will ich dafür geben, daß du nit
ſterbeſt. Brynhild antwortete: „Nicht Tennft du
vecht meinen Sinn: du überragit alle Männer, aber
feine Frau iſt Dir leider (verhaßter) geworben dem
ih." *) Sigurd entgegnete: „Anderes ift wahrer:
ich liebe dic) mehr als mich [jelbft], obſchon ich jenem
Zrug unterlag — und daß ift nun nicht [mehr] zu
ändern —; denn immerfort, nachdem ich [mieber]
zur Belinnung gelommen war **), härmte es mid,
daß du nicht meine Grau warſt. Doc unterbrüdte
ich es, ſo viel ich vermochte *, dieweil ich im König
ſaale war, und freute mid) doch defjen, daß mir alle
beifammen waren. Es kann auch fein, daß dad in
Erfüllung gehn muß, was vorbergefagt ift ***), und
nit ſoll [mir] davor bangen.“ Brynhild antwors
tete: „Allzu lange haft du verfäumt, mir zu jagen,
daß mein Harm dich betrübt: nun finden wir dafür
feinen Trojt }) [mehr].“ Sigurd antwortete: „Gere
*) Während ich (meinem Schwur nad) grade von dir, als
dem Bortrefflicäiten, geliebt werden müßte.
*x) Nach der Wirkung des Vergefjenheitätrantes.
+++) Daß Sigurd ermordet werden werde, ſ. oben S. 89%.
106?. 122°; Grip. 50; vgl. au) unten ©. 1607}.
+) Hilfe, Ausweg, Erlöfung.
1) Bol. oben &. 1842; Grip. 45,2.
151
wollte ich, Daß | wir beide Ein Bett bejtiegen und du
meine Frau wärejt.“ ? 11154) Brynhild antwortete:
„Richt? ift es mit folhen Reden: nit mag id
zivei Könige haben in einer Halle, und eher will ich
mein Leben laſſen, ald daß ich König Gunnar be-
trüge* — und gedadhte nun daran, wie fie fich auf
dem Berge trafen und fi Eide ſchuren — „iebt
aber ift das alles gebrochen, und id) will nicht
leben.“ | „Nicht gedachte ich Deines Namens ? (jagte
Sigurd), und nit erkannte ich dich eher, als bis
du vermählt wareft: und das iſt ein gewaltiger
Harm.“ Da fprah Brynhild: „Sch ſchwur Den
Eid, dem Manne anzugehören, der durch meine Waber-
lohe ritte®, und den Eid wollte ich Halten oder aber
fterben.“ „Lieber, als daß du ftirbit (ſprach Si⸗
gurd), will ich dich nehmen und Gudrun verlafien.“
Und | jo ſchwollen ihm die Seiten *), daß die Panzer:
ringe entzwei fprangen. * „Nicht will ich Dich (ſprach
Brynhild), aber auch feinen andern.“
[Da] ging Sigurd hinweg So Heißt e& im
Sigurdßliede **):
*) Bor Kummer.
**) Sigurdhar-quidha. Das Hier der Saga zu Grunde
liegende Sigurbglied, welchem die folgende Strophe an=
1) Bgl. Sig. sk. 68,5—8. — 2) vgl. oben ©. 1251. 1892 und Grip.
31,7f. — 3) vgl. oben S. 128%. 1425. — 4) vgl. bie folgende Strophe.
152
Hinaus ging Sigurd
Fort vom Geſpräche,
Der Liebling der Helden *),
Und ſenkte das Haupt;
Daß da eifengewobene
PBanzerhemde
Dem kampffrohen (gürften]
Un den Seiten zeriprang. |
Und als Sigurd in die Halle trat, fragte
Gunnar, ob er wife, welchen ſchweren Summer fie
hätte, und ob fie ihre Sprache [wieder-] hätte. Si⸗
gurd fagte, daß fie fprechen könne.
Nun | ging Gunnar abermals Hin zu ihr, und
fragte, worin ihr Kummer beftehe, und ob es irgend
Abhilfe dafür gebe! „Sch will 155) nicht leben
(jagte Brynhild); denn | Sigurd Hat mich betrogen,
und nit minder di, da du ihn in mein Bette
jteigen ließeſt.“ Nun will ich nicht zwei Männer
zugleich in Einer Halle haben, und die ſoll Sigurd
den Tod bringen oder dir oder mir: denn er hat
gehörte, ift höchſt wahrfcheinlich dafjelbe, deſſen Schluß
(Brot) nad) der Lücke in der Hdjchr. der LTieder-Edda
erhalten ift; man nennt es „das lange” im Gegenſatz
zu dem jogenannten „kurzen“ Gigurdsliede (Sig. sk.).
*) Eigentlih: „Der bolde Yreund der Männer“:
1) Bgl. das däniſche (A, 8 ff u. f. mw.) und färöiſche (Str. 184 ff.)
Brynhildlied. — 2) = Grip. 47.
153
das alles an Gudrun gefagt, und fie wirft es mir
nun dor.“ !
Dreißigſtes Kapitel. *)
Darauf | ging Brynhild hinaus und febte ſich
an die Wand ihrer Kammer und erhub große Weh-
lage ?: fie klagte, daß ihr alles verleidet ſei, Land
und Herrſchaft, da fie Sigurd nicht Hätte. Und
abermal® kam Gunnar zu ihr. Brynhild fagte:
„Du follft Herrſchaft und Gut verlieren, dein Leben
und mich *, und will ich heimfahren zu meinen Bluts⸗
freunden und dort in Trauer fihen, wenn du nicht
Sigurd erflägft **) ° und feinen Sohn: zieh nicht
den jungen Wolf ***) auf.“ © Da ward Gunnar im
Herzen befümmert ” und fühlte fi) rathlos, was ihm
am ziemlichiten wäre, da er durch Eide mit Sigurd
verbunden war ®, und hin und her fchwanfte fein
*), Ueberſchrift: „Sigurd wird verrathen‘. Won bier ab
find die benußten Lieder wieder erhalten.
**) Und fo (nachdem Sigurd befeitigt) der meinem Gelübde
entfprechende Vortrefflichſte wirſt (Sig. sk. 11,9 f.).
) Auch ſonſt, namentlich aber in ähnlichen Wendungen,
wird Wolf in der Bedeutung von Feind gebraudit.
1) Bl. Nib. Str. 634. 857,24. — 2) vgl. Sig. sk. 6,14 (?). —
8) vgl. ebd. 6,5—8 (7). — 4) = Ebd. 10,3-—6. — 5) = Ebb.
111-8. — 6) = Eh. 12,1. — T) = Er. 81 f. — 8) =
Ebd. 14,1—8. .
154
Sinn *); jedoch ſchien ihm da3.die größte Schmadh,
wenn feine Frau von ihm ginge. ! Gunnar ſprach:
„Brynhild ift mir Lieber denn alles, und aller
Frauen trefflichfte ift fie und eher will ich daS Leben
laſſen, als ihre Liebe verlieven.“ 2 Und rief zu fi
Hogne ?, feinen Bruder, und ſprach: „Sn arge Be
drängniß (Rathlofigkeit) bin ich gerathen;“* er fagte
ihm, daß er Sigurd tödten wolled, und erklärte, daß
derſelbe ihn im Vertrauen hintergangen habe® ; „jo vers
fügen wir über das Gold und die ganze Herrſchaft.““
Hogne ſprach: „Nicht ziemt es und, den Schwur
zu brechen mit Gewaltthat ®; auch haben wir eine
große Stübe an ihm 9: Feine Könige find und gleich,
wenn dieſer hunifche **) König lebt, und 156) einen
ſolchen Schwager befommen wir nimmermehr !9%; er⸗
wäge nu, wie gut e3 für ung wäre, ſolch' einen
*) Wörtlich: „bald dies bald das regte fih ihm im Sinne“.
**) Aus Sig. sk. entlehnt, wo Sigurd mehrfach) jo Heißt;
mit Bezug auf ©. 6 und 11, wo Hunenland al3 Reich
Bolfung’3 und Sigmund’3 genannt it? Bgl. aber
9. Zſchr. 23, 165 f. Vielleicht fteht Hunifch bier in
allgemeinerer Bedeutung — „jüdländifch, deutſch“.
1) = Sig. sk. 15,1—6. — 2) = Ebd. 16. — 3) = Eid. 15,7 fe —
4) fehlt (hinter Big. sk. 18,109). — 5) Entfpridt vielleicht einer vor
Brot fehlenden Strophe. — 6) = Brot 2. — 7) vgl. Sig. sk. 17. —
8) = (Ebd. 18. — 9) vgl. ebd. 14,9 f. — 10) Ebd. 19,1. 71.3 f.
155
Schwager und Schmeiterfühne zu haben (?).! Auch
jede ich wohl, wie dies zufammenhängt: Bryn⸗
bild bat es angeftiftet?, und ihr Rath bringt und in
große Schande und Schaden.” * Gunnar erwiderte:
„Dies fol geſchehen, und ich jehe Rath: wir wollen
Gutthorm, unſern Bruder, aufreizen, er ift jung und
| unerfahren ımd fteht außerhalb aller Eide.“ *)%
Hogne ſprach: „Der Rath fcheint mir übel geplant,
und wenn er auch zur Ausführung fommt, jo wer-
den wir Vergeltung dafür empfangen, einen folchen
Mann zu verrathen.” Gunnar ſprach: „Sigurd
ſoll fterben, oder aber ich will fterben.“® Und er
hieß nun Brynhild aufftehen und fröhlich fein. Sie
ftand auf, erflärte jedoch, daß Gunnar nicht eher mit
ihr in dafjelbe Bette Tommen folle, als bis dieſes
vollbracht wäre. $
Run | beiprachen ſich die Brüder mit einander.
Gunnar fagte, dad wäre ein gerechter Grund ihn zu
*) Wahrſcheinlich war Gutthorm (tie andere Quellen be⸗
richten, f. oben ©. 116?) ein Sohn Grimhild's, aber nicht
Gjuke's; gerade wie Hogne (Hagen) in der Thidr. s.,
von deſſen Wefen im Norden die finjtere Seite in Gut-
thorm's Perſon ſich abgezweigt zu haben fcheint.
1) Bgl. Big. sk. 20,14 [Brot 11,58]. — 2) = Ebd. 20,5—8;5 Brot
8,14. — 3) vgl. Brot 3,3—8. — 4) = Sig. sk. 21. — 5) fehlt
Sig. sk. — 6) Ohne Entiprehung in den Eddaliedern; vgl. aber
daB däniſche (B, 14 u. f. w) und färbiſche (Str. 185) Brynhildlied.
156
tödten, daß er Brynhild das Magdthum genommen
habe !: „und reizen wir Gutthorm auf, dieſe That
zu bollbringen.“ ? Und fie riefen ihn zu fich und
boten ihm Gold und große Herrichaft, dab er dies
auf fih nehmen follte. | Sie nahmen eine Schlange
und Wolfsfleiſch und ließen e8 fieden, und gaben es
ihm zu efjen ®, wie der Dichter *) fingt:
Eine Schlange **) nahmen die einen,
Das Schlangenfleifch ***) Schnitten andre,
Etliche gaben Gutthorm
Wolfsfleiſch [zu efien]. *
Mit dem Zrante || 157)
Auch manderlei andere
Baubermittel (?)
*) skald; die folgende Strophe ift aber feine eigentliche
Staldenftropge, jondern eine (vielfach verderbte) Va⸗
tiante zu Brot, Str. 4.
**) Wörtlich Waldfiſch.
*x*x) Das iſt wohl gemeint, nicht „Wolfsfleiſch“, das gleich
nachher noch erwähnt iſt.
r) Die zweite Hälfte der Strophe iſt ganz verderbt über⸗
liefert. Die entjprechenden Verſe Brot 4,5—8 lauten:
„Eh’ fie vermochten, die Mordegengen an den klugen
Helden Hand zu legen“.
1) Bgl. Brot, Str. 1—2. — [3) Sig. sk. 21,1 f.] — 3) Rad der hier
folgenden Strophe. — 4) Bgl. Brot 4,1.
eg
157
Dur diefe Nahrung und alles zufammen und
dur; Grimhild's ) Vorftellungen | ward er jo wild
und fampfluftig, daß er verhieß, diefe That zu voll-
bringen. ! Sie verhießen ihm große Ehre dafür. -
Sigurd Hatte feine Ahnung von diefem Ber:
rath; auch konnte er nicht dem Geſchicke entgehn**),
noch dem ihm bejtimmten Lebensziele. Sigurd meinte
auch nicht Arglift von ihnen verdient zu Haben. ?
Gutthorm ging hernad) am Morgen hinein zu
Sigurd, da er in feinem Bette rubte; da er (Si-
gurd) aber ihn anblidte, wagte Gutthorm nicht ihn
anzufallen, und ging: wieder hinaus. Eben fo er-
ging es zum andernmal. | Die Augen Sigurd's waren
nämlich] jo durchdringend, daß feiner. wagte hinein-
zubliden.® Und zum dritten Mal ging er hinein,
da war Sigurd eingejchlafen. | Gutthorm zückte das
Schwert und durchbohrte Sigurd, jo daß die Spike
in bem Bolfter unter ihm ſtak.“ Sigurd erwachte
bei der Verwundung, 158) Gutthorm aber ging
hinaus, der Thür zu: | da ergriff Sigurd dad Schwert
*) Grimhild ift alfo bier wiederum bei Bereitung eines
BZaubermittel3 zugegen.
**) Wörtlich „ankämpfen gegen”; vgl. 159**.
1) Bel. Sig. sk. 23,Lf. — 3) = Rib. Str. 998 (989). — 3) vgl. oben
©. 634. 1083. 208 ***,. — 4) vgl. Sig. sk. 22,5 f.; Nth. 68,17 ff.
158
Gram und warf es ihm nah !, und es traf ihn im
Rücken und ſchlug ihn in der Mitte durch: auf bie
eine Seite fiel dad Yußftüd*),, nach der andern
Seite aber [fiel] das Haupt und die Arme zurüd
ins Gemad). ?
Gudrun war in Sigurd's Armen entfchlafen,
aber fie erwachte mit unausſprechlichem Harm, da
fie in feinem Blute Schwamm 3, und fo jammerte fie
mit Weinen und Wehllagen, daß Sigurd ſich in den
Kiffen aufrichtete und ſprach: „Weine nicht (fagte
er), beine Brüder leben dir‘ zur Freude.“ Aber
mein Sohn ift zu jung, ald daß er ſich wahren
fönnte**) vor feinen Feinden. % Doc übel haben fie
ihren Bortheil wahrgenommen: nimmer erhalten
fie, mit ihnen zum Felde zu ziehn, fol einen
Schwager noch Schweſterſohn, wenn *** ihm her
anzuwachſen beſchieden wäre." Nun iſt das em
*) Der untere Theil des Körpers.
r) Wörtlich: „einen in fofern zu jungen Sohn habe ich, als
er fih nicht (oder — ohne thess — „einen zu j. ©.
babe ich, ber fich nicht) wahren kann“.
***) Gemeint ift: „der auch mit zu Felde zöge, wenn...”
1) = Sig. sk. 2,58. - = Ebd. 28. — )= Eh... — 4 *
Ebd. 25. — 5) = Ebd. 26,14. — 6) vgi. ebd. 26,5-8 [Gern.
28,175 f.]. — 7) vgl. Big. sk. 271-4.
159
getroffen, was lange ſchon geweiſſagt war *), ich
aber bezweifelte; doch niemand vermag dem Geſchicke
zu entgehn. **) | Died aber hat Brynhild angeitiftet ?,
die mich, liebt vor jeglichem Manne. Und das Tann
ih ſchwören, daß ih an Gunnar nimmer mid) ver-
ging: ich bielt unſere Eide und war mit eim
allzu vwertrauter Freund **) feiner Frau.? Und
wenn ich dies vorher gewußt bütte, und ich ftände
auf meinen Füßen mit meinen Waffen, fo follten
viele ihr Leben verlieren, ehe denn ich fiele, und
die Gebrüder alle erfchlagen werden ?; und nod
ſchwerer jollte e8 ihnen werden mich zu erjchlagen,
als den größten Wijend F) oder Wildeber.“ * Da
ließ der König fein Leben, Gudrun aber erjeufzte
tief. 5
Das hörte Brynhild und lachte, als fie ihr
Seufzen vernahm. 6 Da fprah Gunnar: „Nicht
lachſt du darum, daß 159) du im Herzensgrunde
*) VBgl. oben ©. 160 ***,
*), Bel. oben S. 157 ** und unten ©. 186°. 191.
+) „Habe feine unerlaubte Vertraulichkeit mit ihr gehabt.”
r) Büffel. Das Wort ift, wie die ganze Gtelle, aus
Thidr. s. Kap. 323 (©. 813 f,) entlehnt.
1) = Sig. sk. 27,58. — 2)= Ebd. 38. — 3) vgl. Thidr. 5. 6.318. —
4) dgl. Thidr. a. ©. 314. — 5) = Big. ak. 29,1 f. — 6) = Sig.
sk. 30.
160
froh geitimmt wäreft: warum wirft du jo bleih?*)
Eine große Unheilſtifterin**) bift du, und & ift
wohl zu glauben, daß du todgeweiht bifl.! Und
hättet Du vor allen***) verdient, König Atle vor
deinen Augen erjchlagen zu fehen ?, und müßteſt da-
bei jtehn: ® nun müſſen wir ſitzen über unferm Schwager
ımd Brudermörder." | Sie antwortete: „Niemand
läugnet, daß de Morded genug feit): König Alle
fümmert fih nit um euer Droben und Büren,
und er wird länger leben als ihr und größere Macht
haben.” * Hogne ſprach: „Nun ift daß erfüllt, was
Brynhild meiffagte tr), und dieſe Uebelthat können
wir nimmer wieder gut machen.“ | Gudrun fprad:
„Meine Blutsfreunde haben meinen Mann erſchlagen?:
nun werbet ihr im Heere zuvorderſt reiten, und fo
*) Wörtlih: „Warum verlierit du deine Yarbe?“
**) foradh, eigentlih: „Berderben“.
***) Bol. Bugge, ©. 197.
r) Wörtlih: „Niemand ſpricht [dir] ab, daß genug [von
bir] erfchlagen fei“ [ogl. Atlam. 50,5], d. h. laß es bir
an dem Einen Morde (Sigurd’S) genügen (niemand
verlangt mehr von dir) und droße nicht Atle tödten zu
wollen: Atle kümmert fich nicht u. ſ. w.
NS. oben ©. 122*; vgl. oben ©. 150 ***,
1) = Sig. sk. 31. — 8) == Ebd. 82, 1-4. — 9) vgl. ebd. 33,5—8. —
4) = Ebd. 33. — 5) = vgl. Gudr. I, Str. 20,5—8.
161
ihr zum Treffen .fommt, da werdet ihr befinden, daß
Sigurd nit mehr euch an der (einen) Seite ift,
und werdet ihr da jehen, daß Sigurd euer Heil und
Stärke war; und | wenn er ihm gleiche Söhne hätte,
fo Hättet ihr unterftüßt werden können durch feine
Nachkommen und BlutSverwandten.” !
Einunddreißigftes Kapitel. *)
Nun wußte Niemand es ih zu erklären**),
daß Brynhild das lachenden Mundes erbeten Hatte,
unm das fie num weinend ſich härmte.***)2 Da
ſprach fie: „ES träumte mir, Gunnar, daß ich ein
falte Bett hätte, und du ritteft deinen Feinden in
die Hände ?; und all euerm Geſchlecht wird es übel
ergehn, da ihr eidbrüdjig feid *. Und daß ihr [euer]
Blut zufammen miſchtet, Sigurd und dur), wenig
*) Die Handſchr. beginnt Hier fein neues Kapitel.
**) Mörtlih: „meinte niemand beantworten zu können.“
(„Berftand ſolch Weibergebahren, daß fie...” Brot 15,3 f.)
+) Sigurd’3 Tod nämlich. Daß Brynhild denjelben be=
klagt, war hier bisher noch nicht gejagt, wohl aber in
dem benußten Liede (Brot Str. 14).
N) ©. oben ©. 126**,
1) Bgl. Brot 11,5—8;5 Sig. sk. 20,14. — 2) = Brot 15,38. —
3) dgl. ebd. 16. — 4) = Ebb. 17.
11
162
gedachteſt du des, da du ihn verrietheit; |160) und
haft ihm alles übel gelohnt, was er wohl an dir
that, und [daß er] dir den Vorrang ließ.“ Das
zeigte fich da, al er zu mir kam, wie [treulidy) er
feine Eide Hielt ?, indem er zwijchen und das fcharf-
Tchneidige Schwert legte, da3 in Gift gehärtet war.*) 3
Aber frühe machtet ihr euch jhuldig an ihn und
mir ®, al3 ich daheim war bei meinem Vater und
ich alles Hatte, was ich wollte d; und ich Dachte nicht,
daß euer einer follte mein werden, als ihr drei
Könige dorthin zum Hofe rittet.6 Darauf nahm
Atle mich beifeite**) ”, und fragte mich, ob ich den
haben wollte, |der den Grane ritte. Derfelbe war
euch nicht gleich 8: und da verhieß ih mid) dem
Sohne König Sigmund’s, und feinem andern. ? Und
nicht wird es euch ſwohlj ergehn***), wenn id
*) Was auch in deutjchen Sagen von vorzüglichen Schwer:
tern berichtet wird.
**) Bol. oben ©. 1417, wo überhaupt die Parallelftelle zu
vergleichen ift.
r) Diefer Sinn fcheint ſich für ydhr farast aus der ent⸗
ſprechenden Stelle inSig. sk. 53,5—8 zu ergeben = ydhart
far er { sundi, wozu Sigdr. 10,2 f. zu vergleichen ift.
1) = Brot 18. — 2) = Ebd. 19. — 3) = Ebd. 20. — 4) = Sig. sk.
34,3 f. — 5) vgl. ebd. 34,5—8 (Bruder ftatt Vater). — 6) = Ebr.
35,1-6. — 7) = Ebd. 37,1 f.5 oben ©. 1411. — 8) = (Ebd. 36,
3-6. — 9) = Ebd. (86,1 f.) 39,5—8.
18 _
aud) fterbe.” 1 Da ftand Gunnar auf und fchlang
die Arme um ihren Hals? und bat, daß fie leben
möchte und Gut*) annehmen ?; auch alle andern
redeten ihr davon ab, daß fie ftürbe. Aber fie ftieß
jeden von fich, der zu ihr Fam, und fagte, e8 werde
nicht3 nüßen, fie von ihrem Vorhaben zurüdhalten zu
wollen. ®
Sodann rief Gunnar Hogne, fragte ihn um
Rath 9 und bat ihn Hinzugehn ® und zu verjuchen,
ob er ihren Sinn erweichen könnte — und fagte,
es wäre num die höchſte Noth vorhanden — ob ihr
Harm beichwichtigt werden Tünnte, bis daß einige
Beit verginge.**) ” Hogne antwortete: „Halte fie
Doch feiner vom Tode zurüd®, denn fie ward ung
nimmer a Heile, und niemandem, feitdem fie hier⸗
her kam.“
Nun gebot ſie viel Gold zu nehmen, und
[hieß] alle die hinkommen, welche Gut empfangen
*) Als Buße nämlich.
**) D. h. bis mit der Zeit ihr Kummer gelindert werde,
und fie jo von ihrem Vorhaben abgebradht werbe.
1) = Big. sk. 538,58 (Germ. 23,179). — 2) = Ebd, 42,14. — 3) Fehlt
in Sig. sk. nad) 42,4. — 4) = Big. ak. 42,5—43,4 (gehören beide
Halbftropgen zufammen?). — 5) = Sig. sk. 43,58. — 6) val.
ebd. 44,1—8. == Mb, 44-8. — 8) — Ebd. 1 6 f.
— 9) = 66,58.
11*
164
wollten. ! Sodann nahm fie ein Schwert und ſtieß
es ſich unter den Arm“)2, lehnte ſich gegen bie
Kiſſen und ſprach: „Es nehme hier nun Gold, wer
es nur. haben will.“ 3 Alle ſchwiegen.“ Brynhild
ſprach: „Empfangt das Gold, und genießt, defjelben
wohl.“ | Noch ſprach 161) Brynhild zu Gunnar **):
„Nun will ic dir kürzlich fagen ®, wie es hierauf
ergehn wird: | bald werbet ihr euch verföhnen mit
Gudrun unter Beihilfe Grimhild's der zauberfundigen. 6
Eine Tochter Gudrun’d und Sigurd's wird Svan⸗
hild heißen, die als die fchönfte aller Frauen wird
geboren werden.” Gudrun [wird] an Atle gegeben,
gegen ihren Willen ®; Oddrun***) wirft du zur Frau
haben wollen, ‘aber Alle wird das verbieten: ba
*) Unter dem Arme in die Bruft.
**) Der zu Grunde liegende Theil der Sig. sk. — wie
Grip. (und: da8 ©. 121**f. benutzte Lieb) eine jüngerem
Geſchmack entſprechende Ueberficht über.den letzten Theil
-der Sage in Form einer Prophezeiung — gehört zu
ben jüngften Theilen dieſes Liedes (Germ. 23,174).
***x) Oddrun ift eine Schweiter Atle’3 und Brynhild’3. Die
Sage von ihrer Kiebfchaft mit Gunnar, von welcher der
Oddrünar grätr handelt, ift ein jüngerer Auswuchs
unferer Sage.
1) Bgl. Sig. sk. 47(9); [49,14]. — 2) vgl. ebd. 48,3 f. — 3) = 48,5—
49,4. — 4) = Ebd. 50,1 f.. — 5) = Ebd. 58,1 f. — 6) vgl. eb.
54 (Bugge ©. N — 7) vgl. ebd. 55. — 8) = Ebd. 56.
a.
werdet ihr heimlich zufammen kommen, und fie wird
dich lieben. ? Mile wird dich verrafhen und in den
Sthlangenhof Teen ?; und wird Alle Darauf er⸗
fchlagen werben: nebft feinen Söhnen: Gudrun wird
fie tödten. 3 Darnach werden fie (Gudrun) müchfige
Wogen zu König Jonakr's Burg tragen *, ba wird
fie trefflide Söhne -gebären. Svanhild wird aus
dem Lande gejendet und dem König Jormunrek ver-
mählt werden, ‚aber Bicke's [arger] Rath wird ihr
zum Verderben gereichen; und dann iſt aM’ euer
Geflecht vergangen, und ift Gudrun's Harm um
fo größer. 2: — Nun ride ih an dich, Gunnar,
die Teßte Bitte 6: Vaß einen großen Scheiterhaufen
maden auf ebenem Felde, und allen; mir ımd Sigurd
und denen, fo mit ihm erfchlagen wurden ’; laß
eine Dede darüber ſpannen, mit Männerbiute ge-
zöthet*) ®, und laß mir zur (einen) Seite dieſen
Hunischen**) König verbrennen, und ihm zur andern
Seite meine Mannen, zwei zu Häupten und zwei
zu Füßen, und zwei Habichte, fo ift es nach Gebühr
— - an a ————
*) Wörtlih: „darüber zelten von rothem Männerbiut.”
er) Bol. oben S. 154 **.
1) = Sig. sk. 58. — 2) = Ebd. 59. — 3) = Ebd. 60. — 4) = Er.
62,5—8 (Ghv. 18). — 5) = Eid. 83-64 (Ahv. 14. 16). — 6) =
Eid. 65,1. — 7) = Ebd. 65,5—10. — 8) vgl. ebd. 66,1—6.
pi
166
geordnet. Laßt da zwiſchen uns beiden ein ge⸗
zücktes Schwert liegen, wie vormals, als wir Ein
Bette beſtiegen und da Ehegatten Hiehen.? Nicht
fällt ihm dann die Thür), auf die Ferſen, wenn ich
ihm folge; auch iſt unſer Leichenbegängniß dann nicht
armjelig ?, wenn ihm fünf Dienftmägde und adt
Diener folgen, die mein Vater mir gab-*, und aud
die da nerbreimen, jo mit Sigurd erſchlagen wurden.
| Mehr | 162) würde ich reden, wenn: ich wicht verwundet
wäre; num. aber. ftrömt es aus der ‚Wunde**), und
die Wunde öffnet ſich. Wahr jedoch ſprach ich.“ *)
Run warb: Sigurd's Leiche nach altem f)
Brauche beftattet und ein großer Scheiterhaufen
gemacht, und als der recht in Brand geſteckt war,
da ward oben darauf Die Leiche Sigurd des Fafnis⸗
tödters gelegt und feines drei Winter alten Sohnes,
den Brynhild erſchlagen ließ, :und Gutthorm's. Und
als der Scheiterhaufen ganz in Flammen ftand,
— —
*) Das Gitterthor vor Hel's Behauſung (vgl. Sn. E. 5,4).
**) Wörtlich „raufcht die Wunde”; doch ift die Lefung un⸗
fiher: Andere überjegen „ſchwindet der Geift“.
***) Kann fi) natürlich nur auf die Weijfagung beziehen,
nicht auf die dazwiſchen eingefchobene legte Bitte.
HD. h. heidniſchem.
1) = Big. ak. 66,7--87,10.— 3) = Ebd. 68. — 8) = Ebd. 69. - 4) =
Ebd. 70. — 5) = Ebd. 71.
oe
167
ſtieg Brynhind da hinauf, und ſprach zu ihren
Kammermägden, daß fie das Gold nehmen follten,
das fie ihnen geben wollte Und bierauf ftard
Brynhild und verbramte da mit — und
endete ſo ihr beider Leben.
Zweiunddreißigſtes Kapitel. *)
Nun fagt jedermann, fo diefe Märe hört, daß
nicht mebt auf der Welt ift und nimmermehr ge
boren werden wird ein folder Dunn, wie Sigurb
war in jeglider Hinfiht; und fein Name wird
nimmer verflingen in deutfcher Zunge noch in den
Nordlanden, dieweil die Welt jteht. 1
Es wird gejagt, eine Taged, da Gudrun in
ihrer Kammer faß, da ſprach fie: | „Beſſer war da
mein Leben, als ich Sigurd Hatte!? So übertraf
er alle Männer, wie Gold das Eifen, oder der
Lauch das andere Grad [überragt], oder der Hirſch
andere Thiere 3; bis meine Brüder mir einen jolchen
Mann mißgönnten, der treffliher war als alle.
Nicht Fonnten fie fchlafen, bevor fie ihn erfchlugen. *
Tieren une ®
*) Meberfchrift: „Gudrun geht von bannen”.
1) Diefer Abſatz ift aus Thidr. s. Kap. 324 (5. 316) faft wörtlich ent⸗
lehnt. — 2) Bgl. Gudr. II, 1. — 3) = Ebd. 2; vgl. Gudr. I, 18;
Helg. Hund. II, 37. — 4) = Gudr. II, 3.
168
Laut ſchnob*) Grane!, als er feinen Heren**) ver
wundet fah. | Darauf redete ih mit ihm mie
mit einem Menſchen, er aber jenkte dad Haupt
zur Erde: 163) er mußte, daß Sigurd gefallen
war.“ ?
Darnach entwi Gudrun in den Wald, und
hörte allerwegen um ſich Wolfögeheul, und es däuchte
ihr da angenehmer zu fterben. ®° Gudrun ging, bis
fie zu König Half***) kam?; und meilte Da bei
Thora, Hakons Tochter, in Dänemark fteben Halb-
jahre ®, und fand da fehr freundliche Aufnahme.
Und [jene] legte ihr ein Gewebe anr) und bildete
darauf viele Heldenthaten ab und ſchöne Spielett),
die in jener Zeit üblich waren; Schwert und Panzer
*) Wörtlih: „Großes Getöje machte Grane.“
**) Eigentlich „Lehnsherrn“.
**x*) Man bat angenommen, dab dieſer Half identiſch ſei
mit Alf, Hjalpret’3 Sohn, dem Stiefvater Sigurd's,
doch ift das zweifelhaft.
T) Eigentlih: „ſchoß den Einfchlag ind Gewebe über ihr,“
vgl. oben S. 144 ***,
Tr) „Kämpfe“ waren gewiß gemeint, wenn es in der Quelle
(Gudr. II, Str. 14,6) heißt: leku, was „lämpften” ſo⸗
wohl wie „spielten“ bedeuten ann.
1) Bal. Gudr. II, 4,1 f. — 2) = Ebb. 5. — 3) vgl. ebd. 11,1—8. 12,
5-8. — 4) — Ebd. 13,1—4. — 5) = Ebd. Str. 18,5—8.
169
\
und alle Kriegsrüftung !; die Schiffe König Sig—
mund's, wie ſie vom Lande ftießen; und das jtickten
fie, wie fie fih ſchlugen, Sigar und Siggeir*),
jüdlih auf Yon.) ? Damit ergößten ſie ſich ®,
und tröftete fih Gudrun nun in etwas über ihren
Harm. *
Dad vernafm Grimhild®, wo Gudrun ge
blieben war °; fie berief ihre Söhne zu einer Unter-
redung, und fragte, wie fie Gudrun ihren Sohn
und Mann büßen wollten ?, und jagte, daß das ihre
Schuldigkeit fei. | Gunnar (ſprach und) erflärte ſich
bereit ihr Gold zu geben und u fo ihren Harm
zu büßen. ***) 8
*) Siggeir ift doc) wohl der oben erwähnte Gatte Signy’s;
aber Sigar? Iſt es der oben (S. 120) genannte Vater
jener andern Signy, der Geliebten de3 Hagbard? Man
möchte in dieſem Zufammenhange eher Sigmund er-
warten, zumal die Darſtellung offenbar für Gudrun
befonderes Intereſſe Haben fol.
**) 4 Fjöni (Fühnen)? Gudr. II, Str. 15,8 & Fivi, d. i.
Fife in Schottland.
***) Der plößliche Drang nad) Ausſöhnung und der Eifer,
mit dem nach erfolgter Ausföhnung die Vermählung
Gudrun's mit Atle betrieben wird, zeigen, daß Atle (zur
Sühne für Brynhild's Tod) Gudrun verlangt und andern
1) Bgl. Gudr. II, 14. — 2) = Ebd. 15. — 3) vgl. ebd. 14,1 f. — 4) vgl.
ebd. 16,3 f. — 5) = Ebd. 16,1 f. — 6) entſpricht einer Lilde im Liebe.
(f. Germ. 233,337 f.) — 7) = Ebd. 17. — 8) = Ebd. 18,1—.
170
Sie fandten nach ihren Freunden, und rüfteten
ihre Nofle, Helme und Schilde, Schwerter und
Brünnen und allerlei Waffenrüſtung; dieſe Fahrt
war aufs präcdtigfte*) ausgerüſtet, und fein Held,
der bedeutend war, jaß Daheim. Ihre Rofje waren
geharniſcht, und jeder Ritter hatte entweder einen
vergoldeten Helm ober einen fpiegelblanten.**) !
Grimhild begab ſich mit ihnen auf die Fahrt: fie
ſagte, daß ihr Vorhaben um fo eher von Erfolg
fein werde, wenn fie nicht Daheim bliebe. Sie hatten
im ganzen finfhundert Mann; auch Hatten fie vor:
nehme Miinner mit fih: da war | Valdamar || 164)
von Dänemark und Eymod und Jaridleif. +) 2
Sie gingen hinein in die Halle König Half’:
da waren Langobarden F), Franken und Sachſen;
falls mit Krieg gedroht hatte, was Dr. Nifl. 3. 1—4
berichtet ift (vgl. Germ. 23,337, auch oben ©. 141***).
*) Eigentlich: „höfiſchſte“.
**) D. h. blankpolirten.
***) In Gudr. II heißen fie: Valdar, Jarisleif, Eymod,
Jariskar.
+) Der Volksname ſcheint durch ein Mißverſtändniß von
Gudr. II, Str. 20,3 hereingekommen, wo es heißt „des
Rangbarts [Atle’3?] Gefolgsleute”, ſ. Beitr. 3,238.
1) Diefer Abfag, dem in Gudr. II nichts entipricht, erinnert im Stil
ftart an die Thidr. s. Bgl. übrigens oben ©. 489-491 und Gudr.
I, Str. 18,7 ff. — 2) = Gudr. II, 194-6. Border eine Lüde
im Liebe.
171
fie gingen einher in voller Rüſtung und Hatten
rothe Pelzmäntel übergeworfen ?, wie es im Liebe
heißt:
„Kurze Brünnen,
Gegofjene*) Helme,
Schmwertumgürtet,
Und hatten braunes Haupthaar.” ?
Sie wollten ihrer Schweſter koſtbare Gaben
darbringen”**) und redeten freundlich mit ihr; aber
fie traute ihrer feinem. 3° Darauf gab Grimhild
ihr einen Baubertrant***), und mußte fie [den] an-
nehmen, und gedachte feitdem keiner [an ihr begangenen]
Schuld. Diejer Tranf war gemischt mit der Erde
Kraft und See und Sühnblut.7)* Und in das
*) Nach Fritzner „hochragende“ (?).
**) Eigentlih „auswählen“.
**) Eigentlich „unbeilvollen Trank“. Es ift ein Vergeſſen⸗
heitstrank, wie fie ihn auch Sigurd reichte, oben ©. 124 f.
+) „Blut ihres Sohnes“ giebt unfer Text, indem der VBer-
fafjer mißverjtändlich sonar ftatt sönar las. Ach Habe
Germ. 23,339 vermuthet, daß S6n=-Blut den im Gefäße
Son aufbewahrten Dichtermeth meine, die Worte fich
alfo auf die den Trank wirkſam machenden Zauber-
fieder beziehe. Unfer Text lehnt fi) an Gudr. II, Str.
1) ®gl. Gudr. II, 20,14 (Franken und Sadfen nit erwähnt). —
2) Ebd. 20,5-8. — 3) = Gudr. II, 21,1—4. 8. — 4) = Gudr.
II, 232.
172
Horn waren allerlei Runen geritzt und au Blute
geröthet, wie es hier heißt:
Es waren in dem Horne
Allerlei Runen
Geritzt und geröthet;
Nicht konnt' ich ſie deuten;
Ein langer Haidwurm*),|j165)
Vom Lande der Haddinge**)
Eine ungeſchnittene Achte,
Eingeweide der Thiere. ***) ı
Es war in dem Biere
Biel Schlimmeß beifammen,
Allerlei Kräuter F),
eur. u - “8
.
22, wo der Ausdruck abfichtlich dunkel ift, wie auch
im Folgenden.
*) D. i. Schlange.
**) Haddinge (hochdeutſch Hartunge) in der nordifchen Sage
berühmte Helden, Das „Land der Haddinge“ erklärt
fi) vielleicht al8 Anfpielung auf Saro Gr. ©. 51 (.
Egilsſon 284*, Bugge u. A.).
*x*) Die legte Halbſtrophe ift dunkel und verfchiedenastig zu
deuten verſucht. Man bat auch in den dunkeln Aus
drüden Bezeichnungen der eingeribten Runenzeichen finden
wollen, was das Naheliegendite und Anfprechendite wäre,
wenn es ſich durchführen ließe.
y) Eigentlich: „Kräuter (Laub?) von allerlei Bäumen“.
1) Gudr. II, 33.
—
Verbrannte Eichel,
Ruß des Herdes,
Opfer-Gedärme,
Geſottene Schweinsleber,
Da ſie Hader ſtillte.
Und darauf, als ihr Wille überein gekommen,
war große Freude.“ Da ſprach Grimhild, als fie
Gudrun traf: ⸗ „Wohl ergeh es dir, Tochter! ich
gebe dir Gold und allerlei Kleinode, daß du ſie
empfangeſt nach deinem Vater“), köſtliche Ringe und
Bettvorhänge * von huniſchen **) Maiden, jo Die
feiniten ſind.“ Damit ift dir dein Mann gebüßt.
| Sodann folft du dich dem König Ulle, dem mäd)-
tigen, vermählen, jo wirſt du ſeines Reichthums
halten °; und laß nit bon deinen Blutsfreunden
um Eine Mannes willen, fondern thu vielmehr, wie
wir bitten.” | Gudrun antwortete: „Nimmer will ich
den König Atle [zum Gatten] haben, und nicht
ziemt e8 und beiden, Nachlommen zufammen zu ges
winnen.“**)7 Grimhild erwiderte: „Nicht follit
*) D. h. nad) dem Tode deines Vaters.
**) Bol. oben ©. 154**,
***) Wörtlih: „das Gejchlecht zu mehren”.
1) Gndr. II, 34. — 8) vol. ebd. 85,14. — 3) vgl. ebd. 8,7 f. —
4) = Gbb. 86. — 5) vgl. ebd. 27,14. — 6) = Ebd. 37,5-8. —
7) = Eh. 38,3—7.
174
du jeßt an Hader gedenken !; und gehab did), als ob
Sigurd und Sigmund *) [noch] lebte, wenn du mit
. Ale ||166) Söhne haft.“ 2 Gudrun fprad: „Nicht
fann id) die Gedanken von ihm menden; er war
treffliher als alle.” 3 | Grimbild fagte: „Diejen
König zu haben ift dir beſtimmt, oder feiner fonft
iſt dir bejchieden.“ **) * Gudrun ſprach: „Bietet
mir nicht den König [zum Gatten], von dem eitel
Unheil audgehn wird für dies [unfer] Geſchlecht;
und wird er deinen Söhnen Uebles anthun, und
Darauf wird es graufam an ihm gerochen werben.” *
Grimbild ward traurig über ihre Vorſtellungen
(wegen ihrer Söhne? "**), und (do?) fie ſprach ®:
„Thu, wie wir bitten, auch ſollſt du dafür große Ehre
und Freundſchaft von und haben 7, auch die Orte, die
Vinbjarg und Valbjarg heißen.“ ) Ihre Worte
*) Sigurd's mit ihm ermordeter Sohn, ſ. oben ©. 127°.
*#) Das iſt nicht etwa eine (höchſt unpaſſende) Drohung,
fondern Grimhild meint, Atle eigne fich beſſer ala jeder
andre fir Gudrun zum Gemahl.
6) D. h. über das Schidfal ihrer Söhne (nad) Bugge zu
ftreichen, doch vgl. Gudr. II, Str. 33,3 ff.).
r) Wörtlich: „dieſe Orte, Die jo beißen: Vinbj.“ u. |. m.
1) = Gudr. II, 39,1—3. — 2) = Ebd. 29,5—8. — 3) vgl. ebd. Str. 80,
deren Sinn bier ganz frei wiebergegeben if. — 4) = Ebr. Sl,
6-8. — 65) vgl. Gudr.. II, Str. 33 — 6) vgl. ehr. 81-6. —
7) fehlt im Liebe. — 8) val. ebd. 83,7—12.
175
waren von fo großem Gewicht, daß bies vor ſich
gehn mußte*). Gudrun ſprach: „Died muß vor
fi gehn, obſchon gegen meinen Willen: und es
wird wenig zur Freude, vielmehr zum Leide [ge
deihen].” 1
Sodann jtiegen fie**) auf ihre Roſſe, und ihre
Frauen wurden auf Wagen gejebt, und reiften jo
fiebden Tage zu Roffe, und andre fieben zu Schiffe,
und die dritten fieben wieder zu Lande?, bis daß fie
zu einer hohen Halle Tamen.? Ihr“*) ging dort
eine große Menge entgegen, und da war ein herrlich
Gaſtmahl bereitet, wie denn vorher zwiſchen ihnen
Botſchaft gemwechfelt war F), und dafjelbe verlief
*) Es ift wohl wieder an Grimhild's Zauberhunft zu denken,
die ihrer Weberredung befondere Wirkſamkeit verleiht; ſ.
oben ©. 157*.
**) Gudrun mit ihren Mägden, die mit Atle oder feinen
Sendboten nah) Hunenland fährt.
***) Yudrun nämlich. Die Undeutlichfeit in unferm Texte
beruht auf der Tüdenhaften Weberlieferung des benußten
Liedes.
7) Zwiſchen Atle und den Gjukungen. Genauer: „Wie
vorher Botſchaft dazwiſchen gegangen war“, zwiſchen
ihnen Benachrichtigung ſtattgefunden hatte.
1) Bgl.Gudr. II, 34 (nur dem Sinne nad) übereinſtimmend); vgl. auch
oben ©. 172. — 23) = Ebd. 85. — 3) vgl. ebd. 36,1-4 (darnach
wahrſcheinlich eine Lüde).
176
ehrenvoll und mit großer Pracht. Bei dieſem Gaſt⸗
mahle Hielt*) Atle feine Hochzeit mit Gudrun. Doch
nimmer wollte ihr Herz ihm entgegen lachen !, und
wenig freundlich war ihr Beilommenmwohnen. 167)
Dreinnddreißigfted Kapitel. **)
Nun wird gejagt, in einer Nacht, da | König
Alle aus dem Schlafe erwachte, ſprach er zu
Gudrun: ? „ES träumte mir (fagte er), daß du mid
mit einem Schwerte durchbohrteft.“ 3 Gudrun deutete
den Traum und jagte, es bedeute feuer, wenn man
von Eijen träume, „und die Einbildung***), daß du
dich trefflicher als alle dünkſt.“ "Atle ſprach:
„Noch träumte mir, wie hier zwei Rohrſtengel ge
wachſen wären, und ich wollte ſie nimmer verletzen;
hernach wurden ſie ausgeriſſen mit den Wurzeln
und in Blut geröthet, zu den Bänken getragen umd
mir zu efjen geboten. 5 Noch träumte mir, daß zwei
Habichte mir von der Hand flögen, die waren ohne
..—_. — —
*) Eigentlich „trank“, wie oben ©. 126 ***.
**) Ueberſchrift: „Gudrun rigt Runen“.
**x) Nämlich „bedeute es“. Der Traum geht auf deine
Einbildung, daß ...
1) Bal. oben ©. 172. — 3) vgl. Gudr. II, 81. — 3) = Et.
38,5—8. — 4) = Ebd. 89 1—. — 6) = Ebr. 40.
-177
Fraß*) und. kamen um **). Mir fchien «8, als
ob ihre Herzen mit Honig gemifcht würden, ‚und
meinte ich fie zu efjen.? Darnad) fchien es mir, al
ob fchöne junge Hunbe***) vor mir lägen, und heulten
(ont auf; und ich aß ihr Fleiſch wider meinen Willen.” ?
Gudrun fagte: „Richt find die Träume gut, aber
fie werden in Erfilllung gehn. | Deine Söhne werden
todgeweiht fein ®; und mancherlei Schweres wird
und zuftoße.” — „Dad traäͤumte mir noch (jagte
er), |daß ich zu Bette Täge*, ımd mir der Tod
gerathen würde" Damit war dies abgethany), und
lebten ;fie, ‚unfreumdlich bei. einander.
‚| König Atle gedachte nun, wohin das viele
Gold gekommen fein möchte, dad Sigurd beſeſſen
hatte; daS aber wußte König Gunnar und fein
Bruder.+}) * Atle war ein gewaltiger König, märb-
. 9, 0ber::, Beifchtos‘ ? !
9) Wortlich: „snhren zur Gel“.
***) hvelpar; was an fich auch Zunge von andern Thieren
bezeichnen Tann.
r) Börtlih: „Nun ging dies vorüber.”..
rt) Wörtlich: „Gunnar umd [überhaupt] - bie Gebrüder",
nemlich Gunnar unb Hogne.
1) = Gudr. II, Str. 41. — 2) = Eh. 42. — 3) vgl. ebd. 48 (ab-
weichend und theilweife ſchwerverſtändlich). — 4),vgl, ebd. die lüden-
bafte Str. 44. — 5) vgl. Thidr. 8. Kap. 334, ©. 332; Dr. Nil. 2.1.
12
178.
tig und Hug, und zahlreich .war fen Volk; | er hielt
nun Rath mit feinen Mannen, wie man dabei
verfahren follte! Er mußte, daß Gunnar md
Hogne*) | 168) viel mehr Reichthum Hatten, al
daß irgend jemand mit ihnen fi) meſſen Fünnte. |
Er faßte nun den Beſchluß, [einige feiner] Männer
- zu. den Brüdern zu fanden, fie zum Gaftmahle
zu laden ? und fie auf mannigfache Weife zu ehren.
Ihr Anführer war der Mann, der Binge**) ge⸗
nannt wird. ?
Die Königin erfuhr von — ——
und argwöhnte, daß es Verrath an ihren Brüdern
ſei.“ Gudrun ritzte [da] NRunen® und nahm
einen Goldring und Tnüpfte Wolfshaar darein 7, und
gab das***) den Sendboten des Königs in die
Hände. |
Darauf madten fie fih auf den Weg nad
des König Gebote.° Ehe fie aber ans Land fliegen,
ſah Vinge die Runen und veränderte ſieꝰ, und
—
*) their Gunnarr.
**) In Atlakv. heißt er Knefröd.
***) Den Ring mit dem Wolfehanr nebſt den Runen.
1) ®gl. Atlam. 1.— 2) vgl. Am. 2. — 3) vgl. Am. 4,3. — 4) =Am.
3,14. — [5) vgl. Am. 1,5—2,6.] — 6) = Am. 4,1. — 7) Akr.
8,3—6. — 8) = Am. 4,5 f. — 9) = Am. 4,31.
179
[zwar fo) daß Gudrun in Runen zuredete, daß fie
zu ihm (Atle) kämen. Sodann kamen fie zur Halle
König Gunnar’d; fie wurden wohl aufgenommen
und vor ihnen große Teuer gemacht“), und dann
tranfen fie mit Sröhlichkeit den beiten Trank.! Da
ſprach Vinge: „König Alle fandte mich Hierher, und
wollte, daß ihr ihn daheim, befuchtet mit großen
Ehren ?, und von ihm große Ehre empfinget, Helme
und Schilde, Schwerter und Panzer, Gold und gute
Kleider, Heervolf und Roſſes und großes Lehn *;
und fagte, daß er euch am Tiebften fein Reich
gönne.“ 5 Da fchüttelte Gunnar dad Haupt und ſprach
zu Hogne: „Was follen wir von**) Diefem Aner-
bieten annehmen? ® Er bietet und große Herrichaft
an, aber | feine Könige weiß ich gleich rei) an Gold
wie ung, denn wir haben all das Gold, das auf
der Gnita= Haide***) Ing ”; auch) haben wir große
Kammern voll von Gold und von den beiten Hieb-
*) Bgl. unten ©. 224, 3.2 ff. und 2. f. d. Phil. 2,33.
**) Ein Theil des Anerbietens lodt den König — bie
Herrſchaft, nicht aber das angebotene Gold, deſſen er
genug hat.
***) S. oben ©. 67 **, Der Fafnishort, den fie von Sigurd
ererbt, ift alfo gemeint. Zur Sache vgl. oben ©. 177°.
1) = Akv. 1,5-8; Am. 5,1 f. — 2) = Akv. 8. — 8) = Akv. 4. —
4) vgl. Akv. 5. — 5) = Thidr. s. ©. 334 f., und unten ©. 1818.
— 6) = Akv. 6,1. — 7) = Akr. 6,5—8.
12*
180
waffen und allerlei Kriegsrüſtung. Ic weiß meinen
Hengft den beiten, und mein Schwert das fchärfite !,
und mein Gold das edelſte.“ Hogne antwortete:
„Sch wundere mid über feine Einladung, denn das
bat er jelten gethan; und unräthlich wird es fein,
zu ihm zu fahren. Auch darüber verwundere id)
mich, daß, als ih. die Mleinode ſah, | 169) die
König Alle und jandte, ich ein Wolfshaar in einen
Goldring**) geknüpft ſah; und ed mag fein, daß
Gudrun dünkt, er fei wölfiſch gegen und. gefinnt,
und fie will nicht, daß wir fahren.” ?
Vinge zeigte ihnen nun die Runen, die, wie
er fagte, Gudrun gejendet habe. d. Nun ging das
(gemeine) Bolt fchlafen, fie aber tranfen noch mit
einigen Männern. * Da trat Hogne’3 Frau hinzu, die
Roftbera hieß, die reizendfte der Grauen 5, und blidte
die Runen an. Gunnar's Sattin hieß Glaumvar**),
*) Nach Dr. Nifl. 3. 9 märe es der Andvaranaut ge-
weſen.
**) Dieſe zweite Gattin Gunnar's wird außer hier und
Atlam. [und Dr. Nifl.] nirgends erwähnt (= Gluna in
ber Hven'ſchen Chronik?).
1) = Akv. 71-6. — 2) = Axv. 8. — 3) val. Am. 5,5 f. (2). —
4) feblt in Am. [und Akv.). — 5) Am. 6,1 4.
181
eine gar tüchtige Frau; fie ſchenkten ein. *) 1
Bald wurden die Könige über und über trunfen. ?
Das gewahrte Vinge und ſprach: „ES ift nit zu
verhehlen, daß König Atle jchwerfällig ift und [zu]
ſehr gealtert, fein Reich zu mehren, feine Söhne aber
noh jung und zu nichts fähig. Nun will er
euch Gewalt über dad Reich geben, dieweil fie fo
jung find, und er gönnt euch am liebiten [defjen]
zu genießen.“ 3 Nun Stand es fo, daß Gunnar jehr
trunten war, andrerjeit3 eine große Herrichaft ge=
boten ward; auch konnte er nit dem Schickſal
widerjtehn**): | er verhieß alfo die Fahrt, und fagte
es Hogne, feinem Bruder. Der antwortete: „Euere
Beftimmung wird Geltung erlangen, und folgen werde
ih dir: * aber unluftig bin ich diefer Fahrt.“
x) Die Königin Hatte in der Halle ihres Gatten als
Königin des Schenlamtes zu walten (Weinhold, Altn.
Leb. ©. 461); f. au oben ©. 51°. 125; Akv. 36
u. f. w.
**) Derjelbe Gedanke, ebenſo ausgedrücdt, begegnete jchon
oben ©. 157° und 159?, unten ©. 186%. 191}.
1) = Am. 6,5—8. 8,1 f. — 2) vgl. Am. 8,4(9). — 3) vgl. oben ©.
1795; faft wörtlid — Thidr. s. (S. 334 f.), aus der die Stelle
wahrſcheinlich entlehnt ift: die Ausprüde Tehren 3. Th. formelbaft
in Thidr, s. wieder; vgl. Nib. Str. 1916. — 4) = Am. 7,5—8.
182
Bierunddreißigftes Kapitel. *)
Und als die‘ Männer getrunfen Hatten, wie
[ihnen] gefiel, gingen fie ſchlafen.“ Koftbera begann
die Runen zu beſchauen, und las die Buchftaben ?
und fah, daß Anderes darauf gerißt war, als darunter
ftand, und die Runen gefälfcht waren: | doch gelang
es ihr in Folge ihrer Klugheit, fie zu verftehn. 3
Darauf ging fie zu Bette bei ihrem Gatten.
Und als fie erwachten, ſprach fie zu Hogne: *
„Du willſt von Haufe, do ift e8 unräthlich: fahr
lieber ein andermal.® Nicht wirft du Dich recht.
auf Runen verjtehn, wenn du glaubit, e8 Habe dies-
mal fie dich geladen, deine Schweiter. 170) Sch
entzifferte die Runen, und wundert es mid) von
einer jo Eugen rau, daß fie jo verworren geribt
hat. Es fteht aber jo darunter, als wenn euer
Leben auf dem Spiel ftände**); da war eins von
beiden der Hall: entweder fie veritand nicht zu ritzen ***),
*) Die Hhichr. beginnt bier fein neues Kapitel.
**) Wörtlich: „euer Tod Daran läge”.
***) Wörtlich: „ea fehlte ihr an einem Runenzeichen“, d. h.
fie fannte es nicht oder Hatte es vergeſſen und daher
zuerft ein faljches Zeichen gerit.
1) = Am. 8. — 2) = Am. 9,1—4. — 8) = Am. 9,1 f. — 4) = Am.
10,1 f. 5 f. — 65) = Am. 10,7—10. — 6) = Am. 11.
183
oder aber Andere haben ed gejälihht. ! Und nun
joNft du meinen. Traum hören.*) 2? Das träumte
mir, daß .ein gar gewaltiger. Strom mir bier her-
einzubrechen ſchien, und riß alle Dielen **) in’ der
Halle. auf.” 3$°_ Cr animortete: „hr [rauen] ſeid
oft voll Bo&heit, ich :aber babe nicht den Sinn
darnad), mit. Arg Männern entgegenzutreten, es ſei
denn, daß es verdient iſt: er wird und freundlid).
empfangen.“ * Sie ſprach: „hr werdet es erfahren;
aber nicht wird Breundichaft bei diefer Einladung
fein. 5 Ferner träumte mir, daß ein anderer Strom
hier bereinbräche “und furchtbar tofte und alle Bänfe
in der Halle aufriffe und euch. beiden Gebrüdern die
Füße bräche, und das wird etwas zu bedeuten haben.“ 6
Er erwiderte: „Da werden Meder ſich ausdehnen,
wo du den Strom wähnteſt: wenn wir. über den
Ader gehn, ſtechen oft große Aehren-Stacheln ung
in die Füße.“**)7 „Das träumte mir [jagte fie],
daß dein Lafen brännte, und das euer loderte
—
*) Die Handſchr. beginnt hier ein neues Kapitel mit der
Ueberſchrift: „Hogne deutet feiner Frau Träume“.
*s) Des Fußbodens, wie S. 2027 (Weinh., Altn. L. 223).
***) Wörtlich: „treffen unſere Füße“.
1) = Am. 12. — 2) vgl. Am. 10,8 f. (2). — 3) fehlt in Am. (vgl.
" aber Am. 16,1 f.: „Bär“ ftatt Strom“, |. Germ. 28,409). —
4) =Am. 18,16. — 5) = Am. 14,14. — 6) = Am. 25 (Glaum-
var. ftatt Koftbera, ſ. Germ. 23,410). — 7) fehlt Am.
184
empor aus der Halle.“ Er antwortete: „Daß. weiß
id .genau, was dad tt: unfere Kleider liegen Bier
wenig beachtet, und die werden. da..brennen;,: wo du
das Lafen wähnteſt.“ !. „Ein Bär ſchien mir Yeven-
zukommen (fagte fie), und riß den’ Körigs= Hochfitz
nieder und fehüttelte jo Die Tagen, daß wir alle in
Angſt geriefhen; und er hatte uns alle auf. binmal
in feinem Maule, fa daß wir hilflos waren *),. und.
entitand darob großer Schrecken.“ ?.. Er äntwortete:
|171) „Da wird ein hartes Unwetter, tommen, "wo
du einen Eisbären wähnteſt.“ 3 „Gin Aar (fagte fie),
fo däuchte mir, flog herein und'die Halle entlang umd
befprigte mid mit Blut und uns alle; und das
wird Schlimmes bedeuten, denn mir däuchte, als ob
das König Atle's Larve N wäre.“ * Er enigegnete:
—
*) Wörtlich: „Nichts vermochten“.
**) Die Seele kann ihr Haus, ihre Hülle (den. Körper) zu-
weilen verlaffen und die Geftalt eines Thiers, befonders
eines Vogels annehmen; die Wahl des Thieres ent-
ſpricht dann wohl dem Charakter des Menschen. Solches
Auzfliegen der Seele aus dem Körper in Xhiergeitalt
dachte man fich bejonders wihrend des Schlafes, wobei
dann die Erlebnifje der ausgeflogenen Seele dem Menfchen
als Träume erjcheinen (Grimm, Myth.? 1036). So wer-
den denn dieſe Larven (Seelen in Thiergejtalt) vorzugs⸗
1) = Am. 15. — 2) = Am. 16. — 3) = Am. IT. — 4) = Am. 18.
185
„Dit ſchlachten wir veichlich und erſchlagen mächtige
Rinder und zur Duft; es bedeutet Ochſen, wenn man:
von Adlern trüumt; und Atles Geſinnung wird wohl⸗
wollend gegen und sein.“ ! Damit brachen te dies
Geſpräch ab. ? u
Fünfunddreißigfte8 Kapitel. *)
Nun ift von Gunnar zu jagen, daß da bon
dem nänlichen [egenftande] die Rede war, als fie
erwadhten, und Slaumbar, Gunnar’3 Frau, ihre
vielen Träume fagte, die ihr auf Verrath zu deuten
ſchienen?: aber Gunnar deutete fie alle dem ent⸗
gegen. „Died war einer von ihnen (fagte fie), daß
mir däuchte, ein blutiges Schwert würde herein in
die Halle getragen, und du warbit von dem Schwerte
durchbohrt, und Wölfe heulten an beiden Enden des
Schmwertes.“ * Der König antwortete: „Kleine Hunde
weife in Träumen gejehen, wie hier und z. B. in der
„Geſchichte von Gunnlaug Schlangenzunge”, überfeht
von Kölbing (1878), ©. 4 f. Vgl. noch Helg. Hjorv.
Profa nah Str. 6, 3. 8 f. und oben ©, 9*, 24*
und 30***,
*) Weberichrift: „Der Auszug der Gebrüder”.
1).= Am. 19,1. — 2) = Am. 18,7 f. — 9 m 2. —
4) = Am. 23.
186
wollen und da beißen; :[doch] oft deutet Hundegebell
auf biutgefürbte Waffen’! Ste ſprach: „Noch däuchte
mir; es kämen rauen herein, die: wären trübjelig, und
[wollten] dich zu ihrem Manne erftefen?: mag fein, daß
deine Diſen *) das geivefen find.” ? Er antwortete:
„Schwer wird e3 num zu deuten, und mag niemand
feinem Schiefal entgehn *; allein nicht unmahrjchein-
fich ift e8, daß wir nicht lange leben werden. **)“ 5
Und am Morgen fprangen ſie .auf, und wollten
reifen; die. andern ***) aber riethen ab. Darauf
ſprach Gmmnar zu dem Manne, der Fiorni hieß:
„Steh auf und gieb und zu trinken aus großen
Kannen? guten Wein, dern ed Tann ſein, daß dies
unfer letztes Gelage ift: | jebt wird der alte Wolf
* Diien (ſ. ob. ©. 56 **. 997. 148**), FIylgjen, die
den Tobgeweihten verlaſſen; jo Am. Unfer Berf. hat fie,
wohl mißverjtändlich, mit den Todesbotinnen identificitt,
die anderwärts (S6larlj6dh 38) der Hel Maide heißen.
Als Todesbotin erfcheint bei Saro, ©. 124 f., Hel (Pro⸗
jerpina) jelbft, die urfprüngfich mit Freyja-Holda identiſch
iſt und deren Vervtelfältigungen die Walkyrjen find.
er) Wörtlich: „kurzlebig ſein werden”.
**8*) In der — (Am.) ſind die ——— gemeint; vgl.
aber Akv.
1) = Am. 24. — 2) = Am. 27,14. — 3) vgl. Am. 27,7 f. — 4) vgl.
Am. 28,1 ff. (è)) oben ©, 181**. — 5) = Am. 85-6. — 6) =
Am. 29,1—4; Akv. 91—. — 7) = Akv. 9,5. 10,1.
187
das Gold in Beſitz nehmen, wenn wir jterben, und
beögleichen der Bär |172) wird nicht ermangeln, mit
jeinen Streitzähnen [hinein ?] zu beißen.” 1
Darauf geleitete fie dad Volk hinaus mit Wei»
nen. Hogne's Sohn *) ſprach: „Fahrt wohl und
habt gute Glüd.” 2 Der größere Theil ihres Ge-
folges blieb zurüd. 3 Solar ynd Snävar **), Hogne's
Söhne, waren auf der Fahrt und ein ſtarker Held,
der Orkning hieß; der war ein Bruder Bera's.**)4
Das Volk folgte ihnen zu den Schiffen, und alle
redeten ſie ab von der Fahrt: aber das nützte nicht. ©
Da ſprach Glaumvar: „Vinge (ſagte ſie), es iſt wohl
zu glauben, daß großes Unheil aus deinem Kommen
entftehn wird, und große Dinge auf dieſer +) Fahrt
gefchehen werden.” 6 Er antwortete: „Das ſchwör'
ich, daß ich micht Tüge, und mich empfange ein hoher
Galgen und alle Teufel +}), wenn ich irgend ein
*) &3 ift der jüngfte Sohn, der zurüdbleibt (Am. 12,5 f.).
*#) So Am. ımb Dr. Nifl.; unfere Höfchr. Gnävar.
***) Bera ift Abkürzung von Koftbera.
}) theirri? ſtatt thinni (deiner), wie die Hoſchr. hat.
Doch ift diefe Lesart wohl ungeſchickte Wiedergabe von
Am. 31,8.
++) Genauer „Unholde”, vgl. oben ©. 32 ***,
)=Akr.il. — 2) =Akr.12. — 3) ogl. Am. 2,5-8(). —
4 —= Am. 80,1—6. — 5) = Am. 30,7—-10. — 6) vgl. Am. 9.
188
ort lüge“; und wenig fchonte er fich mit folchen
Meden. ! Da ſprach Bera: „Fahrt wohl, und mit
gutem Glüd."?2 Hogne antwortete: „Seid fröhlich,
wie ed ung aud) ergehe.“ Da fchieden fie, wie
ihr Schidfal.e8 wollt) /
Darauf ruderten fie fo ftarf und mit [jo] großer
Kraft, daß beinahe der halbe Kiel vom Schiffe los
ging; fie warfen fich fo heftig in die Ruder, weit
ausholend, daß Handgriffe und Dollen zerbradhen 5:
und als fie ans Land kamen, befeftigten fie ihr Schiff
nicht. ® Sodann ritten fie auf ihren ftattlihen Roffen
eine Weile durch dunklen Wald. **) 7
Do ſahen fie die Königäburg, © Nach der Rich⸗
tung Hin hörten fie großes Getöſe und Waffen-
geräuſch, und jahen da eine Menge Männer, ||173)
*) Wörtlich: „mit, d. h. nach (gemäß) ihrem Schidjal”.
**) In der Quelle (Akv.) heißt es genauer Myrkvid, „der
Dunkelwald“, der als Grenze zwiſchen Deutichlaud und
dem Norden an der Nordgrenze des Hunenlandes ge⸗
dacht ward (nach Müllenhof, H. Zſchr. 23, 168 f., wäre
damit der saltus Hercynius gemeint).
= Am. 82%. — 3) = Am. 33,14. — 3) = Am. 4,1—4. — 4) =
Am. 35,3 f. — 5) = Am. 36,1—6 (vgl. denfelben Bug tar andern
Sagenfaffungen, fo Thidr. s. ©. 345; Nib. Str. 1564 u. f. w.). —
6) = Am. 36,7 f. (vgl. Nib. Etr. 1581: Hagen zerſchlägt das
Säiff). — N = Akv. 18,1 4. — 8) Am. 37,1 —3 AXvVv. 14.
189
die waren ſtark gerüftet zur Gegenwehr *),.. und alle
Burgthore waren poll von Männern. 1 Sie ritten zur
Burg, doch fie war verſchloſſen: Hogne erbrach das
Thor ?, und fie ritten dann in die Burg. |. Da ſprach
Binge: „Das hättdit da wohl ungethan fein lafſen
fönnen 3: wartet nun bier, dieweil ich euch einen
Öalgenbaum ſuche. Ich bat euch mit Freundlichkeit
ber zu kommen, aber Falſch ſtak dahinter *: nun
werdet ihr nicht lange zu warten haben, bis daß ihr
aufgefnüpft werdet.” | Hogne erwiderte: „Nicht
werden wir dir nachgeben: und wenig, mein’ id),
wichen wir, wo Männer fechten follten. Nicht frommt
es Dir, und zu ſchrecken, und joll es dir übel ge-
beihen.“ ° Sie ftießen ihn darauf nieder, und ſchlu⸗
gen ihn mit den Arthämmern zu Tode. 6
Schsunddreifigftes Kapitel. **)
Gie ritten nun zur Konigshalle | König Atle
ordnete jein Volt zur Schlacht, und fo ftellten die
*) Wörtlic): „Und große SEN, bie - “ —
(nämlich: ſahen ſie).
**) Ueberſchrift: „Der Kampf in ber Burg . N
1) Bal. Akv. Str. 14 (bie übrigens aus Hmd. bierher gerathen- iſt);
vgl. Sn. E. 120, 12. — 2) = Am. 37,5 f. — 3) vgl. Am. 37,7 f.
4) = Am. 38,7 f,5f. — 5) = Am. 39. — 6) = Am. 40.
190
Schlachtreihen fi) auf*), daß ein Gehege **) zwi:
ihen ihnen lag * „Seid uns willkommen,“ fagte
er, „und gebt mir das viele Gold, dad uns zu-
fümmt, den Hort, den Sigurd befaß und nun
Gudrun zu eigen hat.“ - Gunnar fprah: „Nimmer
empfängft du den Hort: und tapferen Männern follt
ihr zuvor begegnen, ehe wir das Leben Iaffen, werm
ihr und Kampf bietet. Kann fein, daß du dieſes
Veit großartig und wenig armjelig ***) zurüfteft für
Aar und Wolf.“ +)? „Lange ſchon Hatte ich es
im Sinne ſſprach ‚Atle], euch and Leben zu gehn?, [um]
ded Goldes zu walten, und euch fo da Neidings-
werk F}) zu vergelten,. daß ihr euern trefflichen
Schwager verrathen Habt, und das Habe ich vor zu
rächen.“ * Hogne antwortete: „Das kommt euch
gar Schlecht zu ftatten, daß ihr lange ſſchon] über
*) Genauer: „mandten ſich“.
**) gardhr, ein eingehegter Raum.
***) Wörtlich: „aus (mit) geringer Armſeligkeit“.
+) Der Sinn ift: Vielleicht kommt dies großartig zuberei-
tete Seit nur den Thieren des Schlachtfeldes zu Gute,
d 5. es wird in einen Kampf ausarten.
+r) That eines Neiding (Schurken).
1) = Am. 41,14. — 3) Berlorene Strophen der Am. find benukt,
f. Germ. 23,410 f., wo das Berhältniß unſers Textes zu den Am.
unterfucht ift; vgl. auch Thidr. s. S. 857 und Nib. Etr. 1739 ff. —
8) = Am. 41,7 f. — 4) Eine verlorene Halbfir. von Am. benutzt;
über die ſagengeſchichtliche Bedeutung diefer Stelle f. Germ. 28,411.
191 :
174) diefem Rathe brütet, da ihr. io nod) 7 in
nichts gerüjtet feid.“ !
Da kam ed zu hartem Rumpf, und ward der⸗
ſelbe zunächſt mit Geſchoſſen geführt. **)? Nm
drang dieje Munde zu Gudrun. Und al fie folches
hörte, da gerieth*fie.außer fi ***) * und warf: ben
‚Mantel von fi. Davauf. ging fie hinaus, umd
grüßte die, fo da gelommen waren, und Tüßte ihre
Brüder und bezeigte ihnen Liebe: und dies war ihre
lebte Begrüßung. Da jpradh fied: „Ich glaubte dem
vorgebeugt zu Haben, daß ihr fümet: aber niemand
vermag dem Geſchick zu. widerſtehn“ F); amd ſprach
dann: „Kane es noch etwas frommen, Sühne zu
verſuchen?“ Aber alle verneinten e8 entjchieden. 7
Nun ſah fie, daß ihren Brüdern ſchlimm ++) mit-
gejpielt werde; da entſchloß fie fi, rauhen Kriegern
glei) zu handeln Fr}): fie Iegte eine Brünne an
*) Wörtlih: „: ihr feid doch noch...“
**) Wörtlich: - „mar zuvörderſt ˖ Geſchoß-Angriff (-Kampf).“
er) Ward raſend (2), gneip, nicht gneyp, ſ. Bugge, ©. 198.
+) Vgl. oben ©. 181. 186* u. ſ. w.
yr) Eigentlich „ſchmerzlich“.
+tp) hyggr & hardhreedhi.
1) = Am. 43,1-3. —.3) vgl. Am. 43; Sn. E. 120,18 f. — 8) = Am.
4,1%; dgl. oben ©. 219 und iiberbanpt 18%*®, 172 u. |. w. —
4) = Am. M5f. — 5) = Am. A705 vgl. daT—10. — 6 =
Am. 45. — 7) = Am. 46.
= 192
und nahm. jih ein Schwert. und focht auf Seiten
ihrer Brüder ! und drang vorwürts gleich dem
fühnften Mame?; und das fagten alle überein, daß
man ſchwerlich eine ſtürklere Gegenwehr 'gefehen "habe
al dort, Da fielen viele Männer, geſchah aber doch
tapfered: Vordringen won. Seiten:;der Brübder.? Der
Kampf währte Lange, 68 über Mittag Hinaus.
Bunnar und Hogne drangen vorwärts durch bie
Schaaren⸗Kbnig Atle's *): und ſo wird geſagt, daB
das ganze: Feld von. Blute floß. Hognes Söhne
drangen nun mächtig vorwärts. 5.: König Atle ſprach ®:
„Bir hatten **) ein großes und: ſchmuckes Heer, und
‚gewaltige Helden; jetzt aber find. viele von uns ge=
-fallen, und Haben: wir. euch. Meble8' zu lohnen: er⸗
ſchlagen [habt ihr]. neunzehn meiner Helden, und
nur elf find übrig.“ ? Ä
Nun. ward ein Stillſtand im —
ſprach König Atle: „Vier **) Brüder waren —
*) Val. oben S. 21%. 42, 8. 1 fi. 9,8. 12 ff.
**) „haben“ Hoſchr., verichrieben. ..
***) Nach Am, 52 waren jie fünf Brüder.
1) = Am. 47,1—6. — 2) vgl. Am. 47,7 fi [489]. — 8) vgl. Am. 497
— 4) = Am. 50,1—7. — 5) vgl. Am. 50,8--10 (mißverftauden?).
— 6) = Am. 51,1. — 7) = Am. 51,88. — 8) Der Sagafdreiber
geht im Folgenden zur Kampfſchilderung in- Akv. über, die nur
eine Baralleldarftellung deffeLben Kampfes if, von ihm aber als
Fortſetzung elben aufgefaßt wird, wie er überhaupt bie beiden
verſchiedenen Berichte (in Akv. und Am.)’in einander arbeitet.
-193
md’ il allein bin⸗noch übrig. Ich gewann mächtige
Schwägerihaft', und erhoffte mir Mortheil davon; |
eine Frau hatte 1175) ich, ſchön und Hug, hochherzig
und heldenmüthig: aber nicht kömmt mix ihre Mugheit
zu Gute ?, denn jelten lebten wir in Frieden mit
einander. Ihr habt nun: viele meiner Blutsfreunde
erſchlagen, dazu mich um Herrſchaft, Reich und
Gut *) betrugen; [uch] meitie Schweiler**). ‚befrathen,
und das härmtmich am'neiſten.“ * Hogne ſprach:
„Barum oͤrwaͤhnft dur’ °beifen? gIhr brachet zuerft
den Frieben: du nahmft eine Blutsfreundin ***) von
mir, und hungerteſt fe zu Tode und mordeteſt fie
*) Das Erbe Sigurdia, auf weiches er als ‚zweiter Gatte
Gudrun's Anſpruch ‚macht.
**) Brynhiſd, durch den Betrug Bei — der Waber⸗
ol. Im der Duelle (Am. 53,5 f.) erhebt fer den Vor⸗
wurf, und zwar gegen Gudrun, fie Habe den Tod
feiner Schweiter Brynhild's nämlich) verfchuldet, indem
Gudrun Sigurd für fi nahm und durch die Enthül-
fung des Verraths Brynhild's Tod veranlaßte. Auch
nach) Dr. Nifl. fordert Atle von den Gjukungen Buße
für Brynhild's Tod.
*+%) Nach An. 54 Grimhild. Diefer Bug ift fonft in ber
Sage wnbetannt (vgl. jedoch Am. 68,4).
1) = Am 521-6. — 2) = Am. 52,7 f. (fürzer). — 3) — 58.
13
194
und nahmft das Gut *) 2; und mar das nicht Tünig-
li. | Und erfreulich dinkt **) es mich, daß du deinen
Harm berzählft; und den Göttern mill ich es dan⸗
ten, Daß es dir übel nn a
Siesenunbtreifigtes Kapitel **
Nun ſpornte König. Atle en ‚XplE an, einen
heftigen Augriff zu ‚machen. ? Da.mard tapfer ge-
fämpft, | Die Gjukunge aber jtürmten jo heftig .an,
daß König Atle in die Halle hinein wich: und fie
fohten nun darinnen*,. und war ein gar harter
Kampf. Dieſer Kampf verlief mit großem Dienfchen-
verluft und endete jo, daß alles Volk der Brüder
fiel, jo daß fte zwei [allein] aufrecht ftanden ++), doch
tar zubor mancher Mann vor ihren Waffen zu Hel })
— —
*) In Am. heißt es: „Du nahmſt meine Mutter, morde⸗
teſt ſie um Kleinode; [meine] kluge Mutterſchweſtertochter
ließeſt du in einer Höhle Hungers ſterben.“
**) Eigentlich: „zum Lachen“, vgl. oben S. 88 ++,
***) Ueberſchrift: „Hogne wird gefangen genommen”.
7) ©. oben ©. 71*.
+7) gl. oben ©. 21°; Nib. Str. 2308.
1) =Am. M1—6. — 2) = Am. 54,7—10. — 8) vgl. Am. 55,1ff. —
4) Diefe Bemerkung erllärt fi wieder aus dem Beſtreben des
Berfaffers, den Berift von Akv. (mo der Kampf in der Halle
ftatifindet) mit Am. (mo er im Freien flattfindet) zu vereinigen,
f. oben ©. 1938, 1977. 907 **,
195
gefahren. 2 Da ward König Gunnar angegriffen,
und in Folge der Uebermacht ward er gefangen ge⸗
nommen und in Feſſeln gelegt. 2 Darnach kämpfte
noch) Hogne mit großer Tapferkeit und Helden:
haftigkeit, und fühlte zwanzig der guößten Gelben
König Atle's. Er ftieß manchen in das Feuer, das
da in der Halle augezimdet war. * Alle waren darin
einig, daß man ſchwerlich [mehr] einen foldhen Mann *)
fähe. ° | Dennoch) ward er zuleßt von der Hebermacht
bewältigt ımd gefangen genommen. ?
Alle Sprach: „Gar fchrediih iſt es, wie
mancher Mam bier vor ihm allein dahingefahren
it: | num fjchneidet ihm dad Her, auß®, ımd 176)
Babe er davon den Tod.” 7” Hogne ſprach: „hu,
wie dir beliebt: freudig werde ich hier defien war-
ten, was ihr beginnen wollt: und daß wirft du er-
kennen, daß mein Herz nicht furchtſam ift. Ich habe
zuvor Harte® erfahren, und war begierig, Proben
der Mannhaftigfeit zu beitehn, als ic) [noch] unver-
wundet war. Sebt aber bin ich ſchwer verwundet,
*) Bugge vermuthet nach Akv. 20,6 „Solche Wehr” = oben
©. 192, 3. 4 f.
1) = 4a oder 11/, verlorenen Str. vor Akv. 20 (f. Germ. 23,407 f.). —
2) = Akv. 21,14, |. Germ. a. a. D.; vgl. oben ©. 316.7. —
Zu Anm. 1—5 vgl. Sn. E. 190,12 fe. — 8) vgl. Akv. 8,1 f. —
4) = Akv. 20,8 f. — 5) vgl. Akv. 20,5—8. — 6) = Am. 56,
1-4; Bn. E. 190,18 f. — 7) = Sn. E. 120,18 ff.
13 *
196
und baft du allein zwiſchen und zu entfcheiben.“ !
Da ſprach ein Rathgeber König Atleis*): „ich
ſehe beſſern Rath:? nehmen wir. lieber. den. ‚Recht
Halle. und friften „Hügne: Dieſer Knecht "iit zum
ode geſchaffen, und fo lange ex. 'auh. Iebt,.. ift'-er
elend.“ *) 2 Der Kuecht Hörde 28, "und wehllagte
dant, und entiprang [dahin], wo er ſich irgend Schuß
erhoffte ***), und vief,. Uebles leide er:.umm ihrem
Streite, und [babe] bes Unheils zu entgelten; md
fagte, unfelig wäre dee: Tag, ba er aus ſeiner gute
Stellung als Schweinehirt +) fortiterben follte. ? Gie
ergriffen ihn und züdten gegen ihn daß Meſſer: er
jammerte laut, ehe er [nod$] die Sptge fühlte. * Da
ſprach Hogne, wie wenige pflegen, wenn fie Mann⸗
*) In Am. 58,1 wirb er’ Beite genannt. Diefer Rath
fegt die Situation in Akv. voraus (== unten &. 197%),
daß nämlich Gunnar als Zeihen von Hogne’s
Tode und als Bedingung der Auslieferung des Hortes
Hogne’3 Herz zu jehen verlangt hat. Hier, wo Atle
e3 darauf abgefehn hat, gerade Hogne diefen qualvollen
Tod zu bereiten (= Am. ‚55 f.), paßt der Rath nidt.
**) Wörtlich: „Er lebt nicht fo lange, daß er nicht efend
- wäre”.
")D, h. „wo er wähnte fi bergen zu können“.
+) Eigentlich: „jeiner guten Sage und Schweinehütung”.
1) = Am. 57. — 2) = Am. 58. — 8) = Am. 59. — 4) = Am. 60,1—4.
197
Haftigkeit zu: bewähren haben, fund] but für bes
Knechtes Leben, und erkbärte, er wolle nicht ſdas)
Geſchrei ſhören)*); er ſagts, es fer ihm leichter,
jaͤber dies 1177) Spiel ) zus beitehe. ? Dem Knechte
ward da dad Beben [gefcheitt]:
Nun | wurden fie beide, Gunnar fund Hogne}
in Feſſeln gelegt. 2 Da ipra König Atle zu König
Gunnar, daß er daß Gold angeben follte, wenn er
das Leben geſchenkt haben mollte. 3? Der antwortete:
„Zuvor muß ich, dad Herz meines Bruderd Hagne
biutig fehen,“ ***),*
Und nun ergriffen fie den Knecht abermal2 }),
*) Die Worte > [] fallen in Heine Lücken der Hbichr.,
wie auch in den nächſtfolgenden Zeilen.
**) Wie auch der Kampf ein Spiel heißt (f. aben S. 16877).
er) Als Beweis ſeines Todes, den man ihm vorher fälſch⸗
lich gemeldet Haben muß, was nach * (au) in Akr.)
fehlt, |. Germ. 23,407 f. Dean beachte, dab im Nibe-
Iungenliede (Str. 2367 ff.) eine ganz ähnliche Scene —
theilweife. mit wörtliden Berührungen — ſich abipielt,
nur mit veränderten Rollen: Gunther und Hagen
haben die Rollen getaujcht, Chriemhild (Gudrun) we an
2 Stelle Atle’3 getreten.
7) Wieder (mie 194*) ift der abweichende Bericht ver Akv.
mit obigem (nach Am.) als nacheinander verbunden.
1) = Am. 61. — 3) vgl. Akv. 21,15 und dazu Germ. 23,407. —
83) = Akv. 21,58; = Mb. Str. 2367. — 4) = Akv. 9,144;
vgl. Nib. Str. 23868.
198
und fchnitten ihm dad Herz amd, umd trugen ed vor
König Gunnar. Der entgegnete!: „Dad Herz
Hjalle's des feigen ift bier zu ſehen: ungleich ift es
dem Herzen Hogne's des kühnen, denn nun bebt
es fehr, halbmal mehr aber noch, als er es in der
Bruſt trag.” ? |
Da gingen fie auf Antrieb König Atle'3 zu
Hogne und fchnitten ihm dad Herz aus. Und fo
groß mar fein Heldenmuth, daß er lachte, während
er dieſe Dual aushielt; und alle bewunderten feine
Standhaftigkeit ?, und das Andenken daran hat fid)
feitdem erhalten. |
| Sie zeigten Gunnar das Herz Hogne's. [Er
ſprach: „Hier ift da8 Herz Hogne’2]*) des kühnen
zu ſehen, und ift ungleih dem Herzen Hjalle's des
zagen, denn num bebt e3**) wenig, aber weniger
[noch bebte e8], als er es in der Bruft trug. * Und
fo wirft du Atle dein Leben laffen, wie wir es nun
laſſen.“ Nun weiß ich allein, wo das Gold ift, umd
*) Fehlt in der Hhichr., ergänzt nad). Akv.
x*) Eigentlih: „Rührt es ſich“.
1) = Akv. 22,7-28,2. — 2) Akv. 38,8—10. — 3) = Am. 62; Akr.
M,1—4; Odär. 26,1 f. — 4) = Akv. 4,5—25,8; vgl. Nib. Str.
2369. — 5) vgl. Akv. 26 (verflümmelte Strophe, die auch unfer
Berf. wahrſcheinlich nicht mehr vollſtändig kannte).
|
199
wird nicht Hogne es Dir jagen. Unentfchieden war
ich in meinem Sinne, da wir beihe lebten; jetzt aber
Babe ich für mich allein zu entfcheiden !: der Rhein
foll nun des Goldes walten, eher als daß j178) Die
Hunen & an ihren Händen trügen.“ ? König Alle
ſprach: „Geht hinweg mit dem Gebundenen.“ Und
fo geſchah e2. ? :
Gudrun rief nun Männer auf, mit ihr [zu gehn],
und ging zu Atle, [und fprad] *) *: „Geh es bir
num übel, und dem gemäß, wie ihr Wort gehalten
habt gegen mid und [Gumnar].“ ®
Nun ward König Gunnar in einen Schlangens
hof geſetzt, darin waren viele große Schlangen ®,
und waren ihm [die Hümde] feit gebunden. Gudrun
fendete ihm eine Harfe 7; er [aber] zeigte feine Kunſt
und | handhabte die Harfe mit großer Kunftfertigfeit,
indem er die Saiten mit den Zehen fchlug, und fpielte
fo ſchön und vortrefflich ®, daB wenige meinten, fie.
*) Hier und in den nächſtfolgenden Zeilen fallen die ein—
geflammerten Worte in Hleine Lücken der Handjchrift.
1) = Akv. 2735 vgl. Nib. Str. 38371. — 2) =Akv. 28; Sn. E.
120,10: „Ehe fie von Hanfe zogen, verbargen fie das Gold, Fafni⸗s
Erbe, im Rhein’; vgl. Nib. Str. 1134. 1137. — 3) vgl. Akv. 29.
— 4) vgl. Akv. 30,58. — 5) = Akv. 831. — 6) dgl. Akv.
32,165 Odär. 26,3 f.; Sn. E. 180,15. — 7) = Sn. E. 120,16 f.
16 f. — 8) = Am. 68,1--3 = Sn. E. 120,16; Oddr. 26,5 f.; vgl.
Akv. 38,7—9 („mit der Hand“).
200
jo [gut] mit Händen schlagen: gehürt zu.. haben.*.
Und ſo lange trieb: er dies Eunitwolle Spiel, bis alle
Schlangen einſchliefen?; mir" eine‘ Nutter *), groß
und ſcheußlich anzuſehen, ‚Die kroch zu ihm undgrub
fich mit ihrem Maunl ein, bis ſie ſein Herz af *:
da ließ er fein Beben mit großem Heldemnuth. **) *
Achtunddreifigftes Kapitel. —
Konig Atle meinte nun großen Sieg gewonnen
zu haben und ſagte zu Gudrun wie mit einigem
Hohn, oder als ob er [dantit] praßite®: „Werloren
haft du nun deine. Brüder, und du felber. bift Daran
Schuld.” 6 Sie antwortete: „Wohl biſt du jetzt
zufrieden, da du. Diefen Mord mir fund thuft 179);
aber es kann geſchehn, daß du es [noch} bereuft, wenn
*) Nach Oddr. 29 war , dieſe Natter Atle's Mutter; vol.
oben ©. 242.
**) Ueberſchrift: „Atle's Unterredung mit Gudrun“.
*xx) Ebenſo ſtirbt Ragnar im Schlangenhofe, |. die Ragnars-
faga. — Die genaueren Webereinitimmungen diefes Ab-
ſchnittes, ſowie des folgenden mit Sn. E. erklären ſich
aus Benugung unjerer Saga in Sn. E., ſ. Beitr. 3,211.
1) ®gl. Am. 63,4 ff. (2). — 2) = Dr. Nil. 2. 16; Sa... E. 180,17. —
3) vgl. Oddr. 39 und Dr. Nil. 8. 16; Sn. E. 190,17--30 (aus-
führliger). — 4) vgl. Am. 66. — 5) ngl. Am. 6,1. — 6) =
Am. 65,6—8.
201.
du erfährft, was darnach börmut; ımd das Erbtheil*)
wird: Imre). am: bängfien, verbleiben, des... Grimmeß
nieht zu; vergeſſent eſß wird; Die. nicht miohl.. gehn
Diemeil. ich lebe.“1. Sur antwortete: „hr wollben
und num verſöhnen; find; ill, ich din deine: Vrüder
büßen mit Gold. sub theuenmn: Seinaden und.:deinen
Willen.“ 2. Ste erwiderte:: Schan] lange iſt nicht
gut: mit nie: werlahren:. geivefen.?;. Doch: fand: id}
[meine: Lade] erträglich, dieweil Hogne lebte.“ Du
wirft. mir au; niemals meme Brüder ſo büßen,
daß ich zufutebenıbin;d® Boch oft: werden wir Frauen
von eurer MGewalt untexdrüdt %: jetzt find meine
Blutsfreunde alle tod; und du allein haft nun mir
gegenüber . zu: eitticjeiden. 8° So will ih mi im
diefe Vage fügen: laß und denn ein großes Gaſtmahl
anftellen: ich. will nun für meine Brüder die Todten-
*) Vgl. Egilsfon, S. 139°. Wörtlih: „Das Erbtheil
wird (genauer: derartig wird das Erbtheil) am längften
nachleben, den Grimm nicht zu verlieren”. Die lang-
mwährendfte Hinterlaffenfhaft meiner Brüder wird —
nit das Gold, deſſen du dich freuft, fondern —
mein unvertilgbarer Grimm fein. — Anders Bugge,
©. 198 f.
1) = Am. 66. — 9) vgl. Am. 67,58, — 3) vgl. Am. 68,16. — 4) =
Am. 68,7 f. — 5) = Am. 69,5—8. — 6) = Am, en val.
Am. 70,8-6 (7). — 8) = Am. 70,7 f.
202
feier *) halten, und desgleihen [bu?] **) für Deine
Blutsfreunde.“ !. Sie ftellte. ih num freundlich im
Worten, jedoch. war in Wirflichleit Dahinter ihre
frifhere Geſinnung ***) verborgen. ? Er (Utle) war
leichtglĩͤubig und traute ihren ‚Worten ?, ba fie fi
in ihren Reden unbekümmert ſtellte.
| Gudrun bereitete num die Todtenfeier für ihre
Brüder, und eben To König Atle für feine Mannen *;
und ging es bei diejem Feſte lärmend zu.“ Da ge
date Gudrun an ihren Harm, und brütete darüber,
dem Könige eine große Schmach anzuthun.“ Und
am Abend ergriff fie ihre und König Atle's Söhne,
da fie auf der Diele +) fpielten.” Die Knaben
wurden ängftlich und fragten, was fie follten.® Sie
antwortete: „Bragt nicht darnach. Ich Habe vor,
*) Eigentlih „Erbmahl”, j. oben ©. 5r*.
**) Das vermuthet auch Bugge, vgl. Am. 72,3 f. und unten
3. 8f.
*xx) Wörtlich „daſſelbe“.
+) Vgl. oben ©. 183**. Oder ift vidh stokki anders zu
verftehn ? Mißverſtändniß von Am. 74,29 — Zur Sade
vgl. oben ©. 34, 8. 12 ff.
1) = einer in Am. fehlenden Str., ſ. Germ. 23,413. — Zu 2018-202!
vgl. oben ©. 511-3. — 3) = Am. 71,5—8. — 3) = Am. 71,2. —
4) = Am. 72; vgl. Sn. E. 180,33 f. — 5) vgl. Am. 73,145
vgl. Akv. 85,14. — 6) = Am. 73,58. — 7) SE Am. Wil.
8) = Am. 4,3—.
203
euch beide zu tüdten.” ? Sie erwiderten: „Schalten
magſt du mit deinen Kindern, wie du mwillit, daS
mag niemand dir wehren: aber es ijt dir eine
Schmach, ſolches zu thun.“ 2 ]|180) Darauf fchnitt fie
ihnen den Hals durch. *) ®
Der König forſchte nach, wo feine Söhne wären. *
Gudrun antwortete: „Ich werde es dir fagen,
und dein Herz [nicht ?] erfreuen: du brachteit über
mi großen Harm, da du meine Brüder erfchlugjt 5:
nun ſollſt du hören, was ich dir zu jagen Habe. **)
Du haft deine Söhne verloren, ımd werden ihre
Schädel hier beide als Tiſchbecher benutzt, und du
jelber tranfit ihr Blut mit Wein vermiſcht.“ So⸗
dann nahm ich ihre Herzen und briet fie am Spieße 7,
du aber aßeſt fie.” 8 König Ale antwortete: „Grau⸗
*) Zu vergleichen ift, wie Signy ihre und Siggeir’3 Kin—
der tödten läßt (oben ©. 34 *); ähnlich wie dort wird
der Mord der Söhne in Dr. Nifl. motivirt „da befahl
Gudrun ihren Söhnen, für das Leben der Gjukunge
zu bitten, aber fie wollten nicht“. Ein ähnlicher Zug
findet fih auch in der deutjchen Sage: Thidr. s. 2,
©. 370 u. |. w.
**) Genauer „meine Nede“.
l)= Am. 75,1. — 2) = Am. 755-8. — 9) = Am. 76,4; vgl.
. Sn. E. 120,28. — 4) = Am. 76,5-8. — 5) = Am. 77; vgl. Sn.
E.121,1f£ — 6) = Am. 79; Akv. 38,4 (87); Sn. E. 120,22 f.
af. — D) = Am. 80,1f.; Akv. 371-4; Sn. E. 190,24 f. —
8) vgl. Am. 80,93—8; vgl. Akv. 37,58; Sn. E. 120,25 f.
— 204 —
ſam biſt du, da bu deine Söhne mordeteſt und mir
ihr Fleiſch zu eſſen gabft !; und. Tchuell Fakt du
[mir] Uebel; auf Uebel folgen.“ Gudrun Tprad::
„83 wäre bei mir der Wille vorhanden, dir [ned
ferner] große Schmach anzuthun, und es wird nicht
übel genug verfahren mit ſolch einem Mönig.* * Der
Hönig ſprach: „Uebler Haft du gethan, als daß die
Menſchen etwas Aehnliches zu berichten wirkten *);
und ift große Unkfugheit bei: ſolcher Harthergigleit *:
du Hätteft verdient, auf einem Holzſtoße verbrannt,
und zuvor mit Steinen zu Tode geworfen zu wer⸗
den; fo hätteft du das, wohin du es tveibft.“ **) 6
Sie entgegnete: „Du weiſſagſt das dir felbit, mir
aber wird ein anberer Tod zu Theil werden.“ [&o]
jagten fie ſich manche Schelfworte. ?
Hogne Hatte einen Sohn nachgelafjen, der |
Niflung hieß ***): der Hatte großen Haß auf König
*) Vgl. oben ©. 124*, wo diefelbe Wendung des Origi-
nals etivad anders wiedergegeben: ift.
*®) ferr (von ferja? oder fer?) & leidh, j. Bugge ©. 199.
*+#) Nicht der 187® erwähnte. Seine Erzeugung durch den
todwunden Hogne erzählt die Thidr, 8. (2, S. 394), die
ihn Aldrian nennt. Er gehört der nordiichen Sagen
1) vgl. Am. 82,16. — 2) = Am. 82,7 f. — 3) = Am. 8314 —
4) = Am. 33,58 (Bubrun’s Worte). — 5) Am. 14. —
6) = Am. 4,5—8. — 7) vgl. am: 85,14.
205
Htle, und jagte zzu. Gudrun, daß er feinen Vater
rächen wolle.2 Die nahın. dad wohl auf ?, und fie
hielten Math | Fe ſagte, duß es ein großes a
wäre, suenm:Bieß vollbracht würde? ..
Am Abend, ald der König getrunken hatte, ging.
er ſchlafen: und als exri.eingeehlafen war, kam Gu⸗
drun dahin. und der Sohn Hogne's.“ Gudrun nahm
ein Schwert mub. stieß es Könjig Atle vorn im Die
Bruft; heibe waren fie dabei thätig, fie und Hugne’S-
Sohn >? ‚König Atle erwachte won ber Wunde umd
ſprach: „Nacht wird es hier [mehr] 181) eines
Verbandes bebürfen. oden ſonſtiger Pflege. Wer
aber hat mir dieſe Berwimbiumg beigebracht?“ 6
Gudrun ſagte: „Ich that es zum Theil, und zum
Theil der Sohn Hogne's.““ Adnig Atle ſprach:
„Richt ziemte dir dies zu thun 8, obſchon einige
Urſach dazu war: | du warft mir vermählt mit deiner
Blutsfreunde Rath, und als Brautſchatz gab ich.
dir breißig edle Nitter amd, angefehene. Maide 10
und viele andere Männer; | umd Dach erklärteſt du
geſtalt eigentlich nicht an, ſondern ift aus der nicder-
deutſchen Sage-aufgenommen, j. Germ. 28,412,
1) = Am. 85,5—8 (Hniflung). — 2) vgl. Am. 86,1 f. — 3) = Am.
3,3 fe — 9) = Bn. E. 121,86 f. — 5) vgl. Am. 86,584 Sn. E..
121,5 f.; vgl. Akv. 42,18. — 6) = Am. 871-6: — 7) = Am.
88. — 8) vgl. Am. 89. — 9) aa Am: 90,1 ff. (2). — 10) = Am..
92 1—.
206
dich nicht zufriedengejtelle, wenn du nicht über die
Bande herrfchteit, welche König. Budle befeflen hatte !;
und deine Schwiegermutter ließeſt du oft in Thränen
fiten.“ *) 2 Gudrun ſprach: „Biel Umnwahres Haft
du geiprochen, und nicht achte ich deſſen; oft war ich
unfreundlich in meinem Sinne, aber du machteſt es
noch viel ſchlimmer.“ Hier ift oft großer Gtreit
gewefen in deinem Hofe, und }ichlugen fich oft Ver
wandte und Yreunde *, und war eind bem andern
Seind®. Beſſer mar da mein Leben, als ich bei
Sigurd war ®: wir erſchlugen Könige und verfligten
über ihr Eigenthum?; wir gaben Frieden denen,
die es wollten ®; und Häuptlinge unterwarfen fich **) ?,
und wir machten den mächtig, der e8 wollte. *? Dar-
nach verlor ich ihn; und das war [noch} ein Kleines,
Wittmennamen zu tragen; das aber härmt mich zu⸗
*) Es wird bier auf einen Bruderfrieg zwiſchen Budle's
Söhnen um die Erbſchaft angeſpielt, an dem bie
Schuld Hier, wie es jcheint, Gudrun's Herrſchſucht zu⸗
gefchrieben wird; vgl. übrigens die Quelle (Am. 93).
*5) Diefe Bebeutung muß hier ganga dä hendr haben, wie
unzweifelhaft ganga & hond in ber Duelle (Am. 96,3 f.).
1) = Am. 99,14. — 3) = Am. 93,78. — 8) = Am. Hi. —
4) vgl, Am. 94,5 fe — :5) vgl. Am. 94,9 f. — 6) vgl. Am. 9,4.
— T) = Am. %,1 f. — 8) vgl. Am. 96,5 f. (?). — 9) = Am.
96,3 f. — 10) vgl. Am. 96,7 f. (9). — Bu 6) —10) vergl. 1971.
207
meift, Daß ih zu Dir kam, nachdem ich*) den
vortrefflichiten König gehabt hatte! Und nimmer
kamſt du jo aus ber Schlacht, daß du nicht den
Kürzern gezagen bätteft.” 2 Rönig Atle antwortete:
„Unwahr it: dad; Doch mit folden Borftellungen
wird feinem von uns beiden geholfen, denn wir
haben den Schaden. **) Handle nun an mir ziemlid)
und laß meine Leiche ehrenvoll heſtatten.“ Sie fagte:
„Dad will ich thun und. dir ein ehrennalles | 182)
Begräbniß hexeiten laffen und } eine stattliche. Stein-
fifte und dich in Schöne Tücher winden und -dir für alles
forgen, defjen e3 bedarf." * Darauf ftarb er: fie aber
that, wie fie verheißen hatte,
Sodann ***) ließ fie Feuer an den Saal legen,
und als das Hofvolf mit Schreden erwachte, wollten
*) Wörtlich „aber zuvor“.
**) Genauer: „das Loos gebeſſert, Denn unfer 2008 ift be-
fchäbigt“.
**+) Dos Anzünden der Halle, aus Akt. entnommen, ge⸗
hört einer älteren Sagengeſtalt an, und folgte, wie
dort, natürlich unmittelbar auf den Mord Atle's.
Der Berf. bat in feiner Darftelung die abweichenden
Züge beider Paralleldarftellungen wieder als nachein⸗
ander aufgefaßt; vgl. oben ©. 192°. 194*. 1977.
1) = Am. 97. — 3) vgl. Am. 98 und Thidr. a. Kap. 286. — 3) =
Am. 90. — 4) = Am. 100,2—6. — 5) = Am. 101,14.
208
Ye Münner nicht den Feuertod erdulden *).ſon⸗
pen erfehfugen fidfelberuindi:fühben''fb den Tob. !
Da endete: das Leben Khnig WEILS’ und ‘feies Yanzen
Hofes.Gudrun wollte num nicht Mänger) leben nad
Dieter That; dber ihr ER, werr noch. —
— 2. ET re 119
Die: — und Gjukunge — der Sahe
der "Leute die verwegenſten und mächtigſten Helden ge⸗
Weſen, -ıinB'eherfo'findetiesfich füllen afteit Liedern.
- Nüch 'diefert Erkcignifſen fand: nun Dder Kampf
ee
u “reader — J
Neununddreigigfted, Kapitel. er
Buben‘ hatte eine? Tochter⸗mit Sigurd, die
Svanhild hieß ?): fie war aller Frauen ſchönſte und
Hatte durchdringende Augen «wie ihr Vater, jo daß
nun: wenige es wagten, ihr unter die Brauen zu
fehen. *** Sie übertraf fo jehr andere Frauen an
Schönheit wie die Sonne die andern Geſtirne.“
Be Eee
*) Genauer „das Feuer aushalten”.
”*) Ueberſchrift: „Von Gudrun“.
— Vgl. S. 637, 108**, ‚218, . .
1) Bal. Akv. 42,5—48,8. — 2) = Am. 101,5-8. — 8) vgl. Sn. E,
121,185 Sig. sk. [64 9]. 555 vgl. oben ©. 1647; Proſa vor Ghvy.
2 5 4) vgl. Sn. E. 121,18 f.; Sig. ak. 56.
209
Gudrun ging einmal nad) der See und nahm
Steine in ihren Bufen, ımd [jo]. ging in die See
hinaus und wollte fi) den Tod geben. Da huben und
trugen hohe Wogen ſie fort über die See*), und
mit deren Hilfe ward fie fortgeführt und fam endlich
zur Burg König Jonakr's. Der war ein mächtiger
König über zahlreihe® Voll. Er nahm Gudrun
zur Stau: ihre Rinder waren Hamdi, Sorle und
Erp. Spanhild wurde dort aufgezogen. ? || 183)
Bierzigftes Kapitel. **)
| Jormunrek ***) mar ein König geheißen, der
war gewaltig in jener Zeit; fein Sohn hieß Randve.
Der König rief feinen Sohn zu einer Unter
vedung und fprah: „Du follit mir eine Gejandt-
haft zu König Jonakr ausrichten ? und [mit
dir] mein Rathgeber, der Bide Heißt: dort wird
Svanhild aufgezogen, die Tochter Sigurd's des
Fafnistödters, welche ih die ſchönſte Maid weiß
*) Eigentl.: „längs der See”. — Ueber Erp ſ. unten ©.2177.
**) Ueberſchrift: „Spanhild wird vermählt und unter Roß⸗
bufen zu Tode getreten“.
***) Der Gotenkönig Ermanrich der deutfchen Sage.
1) = Proſa vor Ghv. 3. 1-3; Sn. E. 121,7-9; Sig. sk. 62. —
3) = Pr. v. Ghv. 3. 3—5; Sn. E. 121,9—11. 13; vgl. Sig. sk.
68,1—4. — 3) vgl. Sn. E. 121, 14- 16.
14
210
unter diefer Sonne *) !: fie wollte ich am Tiebften
haben, und um fie follft du für mich werben.” ?
Der ſprach: „Schuldigkeit ift es, Herr, daß ich euch
die Gefandtjchaft ausrichte.“ Da ließ er (der König)
ihre Fahrt ftattlich zurüften.
Sie fuhren ſodann, bis ſie zu König Jonakr
famıen ®, und fahen Svanhild, und däuchte ihnen
ihre Schönheit groß. **) Nandve verlangte den König
zu ſprechen umd fagte: „König Jormunrek will
euch num feine Schwägerfchaft anbieten: | er Hat von
Spanhild vernommen und will fie fich zur Frau
erfiefen; und ift es unwahrſcheinlich, daß fie einem
mächtigeren Manne vermählt werden könnte, als er
iſt.“ Der König fagte, daß das eine würdige Her
rath wäre, „und ift er gar berühmt“. Gudrum
ſprach: „Unzuverläffig ift e8, den Glücke zu trauen **),
daßı c3 nicht an ihm gebreche.“ Aber durch de
* MWörtlih: „unter der Weltfonne”, unter der Sonn,
welche die Erde bejcheint.
**) Senauer: „hoch zu fhäben“.
er) Genauer follte e8 heißen: „Unzuverläffig, unbejtändig
(eigentlich „rollend“, wie ja das Glück auf einem Rade
oder einer Kugel ftehend gedacht wird) ift das Glüd,
ihm zu trauen“; vgl. Fms. 1,104.
(1) = Sn. E. 121,13 f.; Pr. v. Ghv., 8 4-6]. — 2) vgl. Sn. E-
121,15 f. — 3) = Sn. E. 121,16. — 4) = Sn. E. 181,14 f.
211
Königs Zureden und alle8 dad, was [&ünftiges]
dabei war *), ſkam es, daß] | died (diefe Heirath) da
befchloffen ward; und begab Svanhild fi da zum
Schiffe mit anfehnlichem Gefolge !, und jaß auf dem ‘
Hinterdeck **) bei des Königs Sohne. | Da ſprach
Bilde zu Randve: „Recht wäre e8, daß ihr fo
Ihöne Fran hättet, und nicht ein fo alter Mann.“ 2
Dem gefiel daS wohl im Herzen 2: und er ſprach
zu ihr mit Freundlichkeit, "und jedes zum andern.
Sie famen heim ind Land | und begaben fich zum
Rönige.
| Bide ſprach: „ES ziemt [dir], Herr, zu willen,
was im Schwange ift, wenn ed auch fchwer iſt,
es zu offenbaren; das aber gilt von dem Verrathe,
daß dein Sohn Spanhild’3 volle Liebe genoffen
bat, 184) und fie ift feine Geliebte: laß folches
nicht ungejtraft.” ***) + Manchen falfhen Rath
*) Wörtlich: „Was ſGünſtiges, Verlocdendes] daran lag“,
nämlich daB die Partie jo ſehr gut fchien.
**) Bol. oben S. 61 **; unten Ragnarsſ. Kap. 5.
x**5) Die urjprünglichere Bedeutung von ühegnt ift „ungehin-
dert“, aus der ſich die obige erjt herleitet.
1) al. Sn. E. 181,17 f. — 2) = Sn. E. 131,18-20; Pr. dv. Ghv.,
3.6 f. — 3) = Sn. E. 121,30 f.; in Profa vor Ghv. 8. 7 ift an
"diefer Stelle ‘eine Tleine Lücke. — 4) Ganz kurz wiedergegeben in
Sn. E. 121,215 Proſa vor Ghv. 8. 7 f.; vgl. Saro, ©. 413,16 f.
14*
212
hatte er zuvor gegeben *), wenn auch Dies der
ſchlimmſte war **) unter feinen argen Rathſchlägen.
Der König folgte feinen vielen böfen Rathichlägen. |
Er jprad — und konnte ſich vor Zorn nicht mäßi-
gen — , daß man Randve ergreifen und an den
Galgen Tnüpfen follte * Und als der zum Galgen
geführt war, da nahm er ‚einen Habicht, und rupfte
ihm alle Federn ab und fagte, daß man denselben feinem
Vater zeigen follte. 2? Und ald der König [ihn] fah,
ſprach er: „Da kann man nun ſehen, daß ich ihm
fo aller Ehren bar ***) fcheine, wie der Habicht der
Federn,“ 3 und gebot ihn vom Galgen herabzımehmen. *
DBide [aber] hatte unterdejjen Arglift dabei gebraucht,
und er war [fchon] todt. ®
*) Wie das in Thidr. s. Kap. 249 ff. erzählt ift.
x**) Wörtlich: „den Vorrang behauptete”. Nach diefer Pa⸗
rallelftelle wird man doch oben ©. 55 * meine Ueber⸗
jegung und Erflärung aufgeben und dagegen dort
überfegen müfjen: „wenn es auch Diesmal das ſchlimmſte
gewejen, am ſchlimmſten ergangen war“ (mit ihrem
Unterliegen), nämlich bei der Bevorzugung Sigmund’3
vor Lunge durch Hiordi2.
*x*) Genauer: „Des Anſehens beraubt”, weil kinderlos.
1) = Sn. E. 121,23 (vgl. Pr. v. Ghv. 3. 8; Saro, ©. 413,22 ff.). —
2) = Sn. E. 121,28 f.; vgl. Saro, S. 414,13—16. — 3) = Gare,
S. 414,16 f. 17 fe; vgl. Sn. E. 191,85—122,2: — 4) = ©aro,
S. 414, 17 f. — 5) vgl. Saro, ©. 413,25 ff- — 6) vgl. Sn. E. 121,
(bei Saro, S. 414,20 wird der Sohn wirklich befreit).
213
Fürder ſprach Bilde: „Auf niemand ‘haft du
böfer zu fein als auf Svanhild: laß fie fterben mit
Schmach.“ 1 Der König antwortete: „Den Rath
will ich annehmen.” 2? Darnach ward fie gebunden
im Burgthore, und Roffe auf fie zugetrieben ?; aber
als fie die Augen auffhlug, da magten die Roſſe
nit fie zu treten. *)* Und als Bide das jah,
fagte er, daß man ihr einen Sad über den Kopf
ziehen follte.®° So geſchah es, und da ließ fie ihr
Leben. 6 2
Einundvierzigftes Kapitel. —
Nun vernahm Gudrun den Tod Spanhild’s
und ſprach zu ihren Söhnen?!: „Wie jiget ihr fo
ruhig und redet Scherzworte, da doch ***) König
*) Wegen ihrer durchdringenden Augen, j. oben ©. 208 ***;
vgl. aud) S. 167°”, wo Aehnliches bei Sigurd's Tode
berichtet wird,
**) Ueberſchrift: „Gudrun treibt ihre Söhne an, Spanhild
zu rächen“.
**5) Sigentlich „da imo“.
1) = Saro, ©. 418, 80.f. — 2) = Ebd. 8.82. — 3) = Ebd. 414,3 f.
4) = Ebd. 3. 4-6. — 5) vgl. ebd. 3.9 ff. (ähnlich, aber ab⸗
weichend). — 6) = Ebd. 8. 11 ff. — Zu 3) bis 6) vgl. die kürzere
und abweichende Darftellung in Sn. E. 122,26; noch kürzer an⸗
gedeutet in Brofa vor Ghv. 3.8 f. — 7) = Brofa vor Ghv. 8.9;
Sn. E. 122,6 f. — Nach Saro 414,90 ff. Hätte Bicke ſelbſt e8 gemeldet.
214
Jormunrek eure Schweſter tödten und unter Roß—
hufen zertreten ließ *) ! mit großer Schmach. Und
keineswegs habt ihr gleiche Sinnesart wie Gunnar
und Hogne: die würden ihre Blutöfreundin rächen.“ ?
Hamdi antwortete: „Wenig lobteft du Gunnar oder
Hogne, als fie Sigurd erjchlugen, und du von feinem
Blute geröthet warjt.®_ Und übel ||185) war deine
Bruderrache, als du beine Söhne **) tödteteſt:
befjer hätten wir alle zufammen König Jormunrek
erſchlagen können.“ Doch werden wir deine Bor:
würfe ***) nicht ertragen +), fo jehr wie wir [von
dir] aufgereizt find.“ °_ Sröhlih FF) ging Gudrun ®
und gab ihnen zu trinken aus großen -Bechern. ?
Und darauf gab FF) fie ihnen große und tüchtige
Panzer und andere Waffenrüftung ® Da ſprach
*) Eigentlich: „Zödtete und ... zertrat“.
**) Gudrun's Söhne, die fie mit Atle Hatte, j. oben ©. 203*.
*#%) Eigentlich: „abiprechenden, ſchmähenden Worte“.
+) Ihnen nicht wideritehn.
-rr) Wörtlich „lachend“, vor Freude über die Zufage.
yrr) Wörtlid) „wählte“, vgl. oben ©. 171**.
1) = Ghv. 2,1—8; Hmd. 3,1—4. — 2) = Ghv. 3,1—8 (Hmd. 4,1f.).
— Zu 2137— 2141 vgl. die kurze Wiedergabe Sn. E. 122,6 f. —
8) = Ghv. 4; Hmd. 6,1—6. 7,14; oben 1483, — 4) = Ghv. 5;
vgl. Hmd. 8. — 5) vgl. Ahr. 6. — 6) = Ghv. 71 f. — 7) Nach
Bugge Mißverſtändniß von Ghv. 7,3 f. (sumbi flatt 'kumbl ge-
lefen). —-8) = Ebd. 7,5 f. (oder 7,3—6?). — Bu 5) biß 8) vgl.
Sn. E. 133,7 f.
215
Hamdi: „Hier werden wir zum lebtenmale und tren-
nen”*), und du wirft die Kunde **) vernehmen, und
wirht Dann unfer beider und Spanhild’3 ZTodtenfeier
begehn.“ ***) 1 Darauf machten fie fi) auf den Weg.
Gudrun aber ging in ihre Kammer harm⸗
erfüllt ? und ſprach: „Drei Männern war ich ver-
mählt: zuerit Sigurd dem Yafnistödter: der ward
verrathen, und das war mir der größte Kummer. 3
Eodann ward ich dem König Atle gegeben: aber fo er-
bittert war mein Herz gegen ihn, daß ich im Harme
unfere Söhne erſchlug.“ Darauf ging ich in Die
See, allein fie trug mi auf Wogen and Land 5,
und ward ich da diefem Könige vermählt. © Darnad)
gab ich Spanhild in die Ehe aus den Lande weg
mit großem Gute, und da3 iſt mir der fchmerzlichite
Kummer nad Sigurd’ Tode, daß fie unter Roß-
hufen zertreten ward.” Doch das erbittert mich am
meiften, daß Gunnar in. einen Schlangenhof gefeßt
ward ®, das aber iſt das härtejte, daß Hogne das
Herz außgefchnitten ward.” Und beffer wäre es,
H D. h. „auf ewig Abfchieb nehmen“.
**) Nämlich: von unjerm Tode,
***) Eigentlich: „Erbgelage halten“, |. oben ©. 51*.
1) = Ghrv. 8; vgl. Hmd. 10,5—8. — 2) = Ghyv. 9,14. — 83) vgl.
ebd. 10,1—11,2. — 4) dgl. ebd. 11,3—12,6. — 5) = Ebd. 18,1.
5-7; vgl. Big. sk. 68. — 6) = Ebd. 14,14. — 7) = Ebd. 165
vgl. Big. ak. 68,464,8. — 8) = Ebd. 17. — 9) = Ohr. 18,1—4.
216
wenn Sigurd mir entgegen käme, ımb ich mit ihm
führe. *)ı Hier ift nım fein Sohn noch Tochter
zurücgeblieben, mid) zu tröften.? Gedenfe num,
Sigurd, an dad, was wir redeten, da wir Ein
Bette beitiegen **), daß du mich bejuchen wollteſt
und von Hel ***) her erwarten.“ 3 Und damit endete
ihre Wehklage.
*) D. 5. auf dem Todtenroß mid) mit fi nähme (vgl.
die Quelle unferer Stelle, Ghv. 19,1 ff). Ebenſo kehrt
der todte Helge in der Nacht auf fahlem Zodtenrofje
durch die Luft zur Erde zurüd, um bei der troftlojen
Gattin (Sigrun) im Hügel zu weilen. Bor Morgen
muß er wieder fort; Sigrun aber vergeht vor Gram
(H. Hund. II, 39 ff). Dies find Anfänge der Leno-
renjage.
**) Der Ausdruck kehrt mehrfach in der Saga wieder, ſ.
oben ©. 151’. 1662. )
**x) Diez ift ungenaue Wiedergabe von Ghv. 20,5—8, bie
unfer Verf. wohl falſch auffaßte. Dort heißt es, daß
beide verabredet haben, Sigurd wolle von Hel aus
Gudrun, Gudrun aber ihn von der Welt aus bejuchen.
Dort aljo wird Sigurd von Hel (wie Helge von Wal-
Hall) auf die Erde zurückehrend gedacht. Vgl. die vorige
Anm.* und überhaupt oben ©. 71”.
1) Bgl. ebd. 19,14. — 2) = Ebd. 19,58. — 3) = Ebd. 20, doch
vgl. oben Anm, **%.
217
Bweiundvierzigfteß Kapitel. *)
Es ift nun von den Söhnen Gudrun's zu
jagen, daß 186) fie ihnen die Rüftungen fo ein
gerichtet **) Hatte, daß fein Eiſen fie verlegte 15 doch
hatte‘ fie fte gebeten, den Steinen Teinen Schaden
anzuthun ***) noch andern großen Dingen, und fagte,
daß es ihnen zum Verderben gereichen würde, wenn
ſie nicht alſo thäten.
Und als fie ſich auf den Weg gemacht hatten,
trafen fie ihren Bruder Erpt) und fragten, was er
*) Ueberſchrift: „Von Gudrun's Söhnen“,
**) Durch Zauberkünſte (Zauberlieder); ſo konnten auch
Schwerter durch Beiprechen. ſtumpf gemacht werden,
vgl. Sigdr. 274—6 u. ſ. w.
*2*8) Sie zu verunteinigen, entweihen; ſ. unten ©.. 219 *.
+) D. h. „der Braunhaarige“. Er ift Stiefbruder Hamdi's
und Sorle's, von anderer Mutter. So unjere Quellen.
Doc blickt vielleicht nod) eine ältere Sagenfafjung durd).
Den Grund nämlich), weshalb fie ihn erfchlugen (der
nad) Hmd. 15 ein anderer ift), giebt Sn. E. 122,17 ff.
alfo an: „Sie waren jo aufgebracht über ihre Mutter,
weil fie fie mit Schmähmorten auf den Weg gebracht Hatte,
daß fie ihr das anthun wollten, was ihr am ſchlimmſten
fcheinen würde, und erjchlugen Erp, weil fie ihn am
1) = Sn. E. 129,9 (Hmd. 25,6—8. 11,2, vgl. 3. f. d. Phil. 1,399) ;
vgl. Saxo, S. 414,32 ff., befonder8 415,7.
*
218
ihnen belfen würde! Er antwortete: „Solde
wie eine Hand der andern *) oder ein Zuß dem
andern.” ? Das däuchte ihnen |jo gut wie] nichts?,
und erjchlugen ihn. *
Nun zogen fie ihres Weges, und les währte]
nicht lange, bis Hamdi ftrauchelte, und ftredte die
Hand [vor fi] nieder **); da fprah er: „En
wird wahr gejagt haben. Ich würde nun fallen, wenn
ih mich nicht auf die Hand ftüßte.“ $ Bald darauf
jtrauchelte Sorle, ftüßte ji) aber auf einen Zuß***) und
fonnte fich aufrecht Halten, und ſprach: „Fallen würde
ih, wenn ich mich nicht auf beide Füße ſtützte“
Sie fagten fih nun, daß fie übel gethan hätten an
Erp, ihrem Bruder. ®
Sie fuhren nun, bis fie zu König Jormunrek
meiften liebte.” War alſo urfprünglih Erp ihr eigener
Sohn, die beiden andern aber ihre Stiefföhne? gl.
Simrod, Die Edda®, ©. 461; Meyer, Die Dietrich:
lage, ©. 31.
*) Nach dem Folgenden follte man erwarten: die Hand
dem Fuße (= Sn. E. 122,15 ff.).
**) Um fich darauf zu ftüßen.
***) Das muß bräst & fötinn bedeuten.
1) = Sn. E. 192,13 f.; Hmd. 18. — 2) vgl. Hmd. 14,14; Sn. E
182,15 fe — 3) = Sn. E. 132,16 f.; vgl. Hmd. 14,58. — 4) =
Sn. E. 123,19; vgl. Hmd. 16. — 5) = Sn. E. 133,20-83. —
6) vgl.‘ Sn. E. 122,28.
219
famen, und gingen vor ihn, und überfielen ihn jo-
glei. Hamdi hieb ihm beide Hände ab, Sorle
aber beide Füßee! Da ſprach Hamdi: „Ab würde
nun das Haupt ein, wenn Erp lebte, unfer Bruder,
den wir auf dem Wege erjchlugen ?: zu ſpät jahen
wir das ein;“ wie ed im Liede beißt:
Ab wäre dad Haupt nun,
‚Wenn Erp lebte,
Unfer ftreitfühner Bruder,
Den wir auf der Straße erjchlugen. ° ’
Darin hatten fie dad Gebot ihrer Mutter außer
Acht gelaffen, daß fie Steine bejchädigt *) Hatten.
| Nun drangen die Männer auf fie ein, fie aber
wehrten fich wohl 187) und mannhaft und füg-
ten mandem Manne Schaden zu; fie [jelbit] verlegte
fein Ein? Da kam ein Mann, hhochgewachſen]
und. alt, mit Einem Auge **) 8, und ſprach: „Nicht
*) Die Steine der Straße hatten fie befchädigt, bejudelt
(f. oben S. 217***) mit dem Blute des Bruders (f. 2.
f. d. Phil. 7,383).
**) Es iſt wieder Odin (vgl. oben ©. 15*. 53*. 57*. 66*.
[79**}, 83%. Wie er Sinfjotle ald Todtenfährmann zu
1) = Sn. E. 122,22—24; vgl. Hmd. 24; Saro, ©. 415,9 f. — 2) =
Sn. E. 122,25 f. (nad der bier folgenden Halbftropbe). — 3) Hmd.
37,1-4. — 4) = Sn. E. 122,26 f.; vgl. Hmd. 23 (bei Saxo find
Jormunrek's Goten dur Gudrun’s Bauber geblendet und Tämpfen
gegen einander). — 5) val. Saro, ©. 415,4.
220
gleicht ihr Mugen Leuten*), da ihr die Männer da nidt
zu Tode zu bringen wißt.“ Der König erwiderte: „Gieb
und Rath dazu, wenn du (welchen) weißt.“ Jener
ſprach: „Ihr jollt fie mit Steinen zu Tode werfen.“
So geſchah es auch !: da flogen von allen Seiten
Steine auf fie, und das brachte ihnen den Tod. ?
fi nahm, wie er Sigmund nad) vollbrachter Helden:
laufbahn das Schlachtenglüd wandte und ihn zu ih
entbot, jo rief er auch Hier die lebten Verwandten der
Bolfunge zu fi, indem er felber durch feinen Kath
ihren Tod herbeiführt. Auch bei Saxo ift eg Odin, der
biefen Rath giebt, in Sn. E. (nad) der Ragnarsdrapa?)
und wahrfcheinlich in Hımd. (f. 8. f. d. Phil. 7,383 f.)
aber Jormunrek ſelbſt. Ich glaube, dab letzteres dad
Urfprünglichere ift, weil es fo fich erklärt, weshalb der
Tod Erp’3, der das Haupt hätte abſchlagen follen, den
Brüdern zum Verderben gereichte: fo konnte Kormunrel
noch ſprechen und den Rath ertheilen (vgl. Hmd. 26?).
*) Wörtlich: „Nicht feid ihr weile Männer“.
1) = Saro, ©. 415,6—8; Sn. E. 133,1 f. (bier Jormunrel, nicht
Odin); Hmd. 25. — 2) vgl. Hınd. 30; Sn. E. 123,2.
Bagnar-Lodbroks-Bagn. *)
Uebergangskapitel. ——
Heimi in Hlymdal**) vernahm dieſe Kunde,
daß Sigurd und Brynhild todt wären; Aslaug aber,
*) Die Hoſchr. Hat Hier die Ueberſchrift: Saga Ragnars
Lodhbrökar. Der Name Lodhbrök („zottige Hofe“,
„mit einer Fellhoſe“) — urſprünglich auf die Kleidung
bezüglich, und'zwar ein Frauenname — ift zum ehren-
den und ftändigen Beinamen de3 König Ragnar ge-
worden. (Wie er zu dem Beinamen kam, f. Guftav
Storm, Ragnar Lodbrok, Kriftiania 1877, ©. 67 ff.)
*#) S. oben ©. 128*.
*=*) In den Ausgaben und Veberjeßungen wird dies Kapitel
allgemein zur Boljungafaga gezogen, bei Bugge als
Kap. 43. Indeſſen gehört es inhaltlic) mehr zur Rag⸗
narsfaga, zu welcher ich es ziehe, injofern e8 die Jugend⸗
geihichte Aslaug's berichtet, der fpäteren Gattin Rag⸗
nar’3 — die erſt vom Verf. unferer Saga zur Tochter
Sigurd’3 und der Brynhild gemacht ift (ſ. ob. S. 134**) —
mit der Bolfungafaga aljo eigentlich nichts zu thun
222
ihre Tochter, Heimi's Pflegekind *), war damals
drei Winter alt. Er wußte nun, daß man nad) [ihr]
forfchen würde, da8 Mägdlein und ihr Geſchlecht zu
vertilgen. Er hatte jo große Trauer um Brynhild,
jeine Pflegetochter, daß er nicht feines Reiches achtete
noch feines Gutes. Er erkannte nun, daß er das
Mägdlein dort nicht verbergen könnte; da ließ er
eine Harfe machen, jo groß, daß er das Mägpdlein
Aslaug hinein that nebſt manchen Kleinoden von
Gold und Silber, und ging dann hinweg, weit durd
die Lande, und [fam] endlich hierher in die Nordlande.
So künſtlich war feine Harfe gemacht, daß man fie
außeinander nehmen und zujfammenfügen **) Konnte;
und er pflegte tags, wenn er in der Nähe von
Wafferläufen dahinzog 188) und nirgend ein Gehöft
in der Nähe war, die Harfe auseinander zu nehmen
und dad Mägdlein zu wachen. Er hatte nır Wein
land, und gab ihr [den] zu eſſen. Das aber
ift die Eigenſchaft dieſes Lauchs, daß man lange
bat. Am richtigften ftellt man es alſo als „Ueber:
gangsfapitel“ vor den Anfang der eigentlichen Ragnars⸗
faga; f. übrigens die Einl. und Beitr. 3,201 ff. Denſelben
Gegenstand behandelt die nad unferer Saga gebichtete
färdifche Gestsrima.
*) S. oben ©. 134, 8. 4 f.
*=) Wörtlich: „Nach den Fugen zuſammenſetzen“.
223
leben Tann, wenn man auch feine andre Nahrung
bat. Und wenn dad Mägdlein meinte, jchlug er die
Harfe, und verftummte fie dann; denn Heimi war
ſehr fertig in den Künſten, die damals gebräuchlich
waren. Er hatte auch viel Töftliche Kleider bei ihr
in der Harfe und viel Gold.
Und fo zog er, bis daß er nad) Norwegen ge-
langte und zu einem kleinen Gehöfte kam, das
Spangareid *) heißt: da wohnte ein alter Mann,
der Ale hieß; er Hatte ein Weib, die hieß Grima;
e3 waren nicht mehr Leute dort als fie. An diefem
Tage war der Alte in den Wald gegangen, aber die
Alte war daheim. Sie begrüßte Heimi und fragte,
was für ein Mann ef wäre Er antwortete, er
wäre ein Bettler, und bat die Alte un Aufnahme.
Sie jagte, daß nicht fo viele dahin kämen, daß fie
ihn nicht wohl aufnehmen wollte**), wenn er es
nöthig zu haben glaubte, dort zu bleiben. Nach
*) Eigentlich: „zu Spangareid“ (Höfchr. & Spangarheidhi).
Spangereid Heißt jebt die Landzunge, die dad Vor—
gebirge Lindesnäs (im Südweſten Norwegens) mit dem
Feitlande verbindet. Ueber dieſe Lofalifirung der Sage
wird unten in einer Anmerkung zum vierten Kapitel
gehandelt.
**) Senauer: „nicht mehr als fo, daß fie erklärte, fie wollte
ihn wohl aufnehmen”.
224
Verlauf einiger Zeit uber fagte er, ihm würde
damit der größte Dienft erwieſen, daß ein Feuer
vor ihm angezündet ımd er jodann zu dem Schlaf-
gemache *) geleitet würde, mo er jcdhlafen follte.
Und als das Weib da3 Feuer angezündet Hätte,
feßte er die Harfe auf den Sit neben fi; daß
Weib aber war fehr redjelig; oft fielen ihre Blicke
auf die Harfe, dieweil die Franſen von einem köſt⸗
lihen Seide aus der Harfe hervorgudten. Und als
er (Heimi) ih am Feuer wärmte *), fah fie einen
foftbaren |189) Goldring unter feinen Lumpen her
borfchauen ; denn er war fchlecht gekleidet. Und als
er fih gemwärmt Hatte, wie er darnach Bedürfniß
fühlte, da hielt er jein Nadjtmahl. Darauf aber bat
er die Alte, ihn dahin zu geleiten, wo er die Nacht
ſchlafen follte. Da fagte daS Weib, dab e3 für ihn
draußen befjer jein würde, als drinnen: „denn wir
beide, mein Alter und id, haben oft [noch] zu
ſchwatzen, wenn er heim kömmt.“ Cr ließ ihr den
Willen und ging hinaus, und fie desgleichen; er
*) Eigentlid) „Schlafhaus”; oft diente nämlich) ein befon-
dered Gebäude als Schlafraum; ſ. Weinhold, Altnord.
Leben, ©. 226.
**) hakadhist. Sold) Erwärmen und Reiben des Körpers
an offenem Feuer war (an Stelle eined Bades) vor dem
Schlafengehn beliebt; f. C.-V. 50*.
225
nahm die Harfe und trug fie mit ſich. Das Weib
ging hinaus und begab ſich zu einer Kornfdyeune *),
und geleitete ihn dahin. Sie fagte, er follte ich dort
einrichten, und äußerte, ſie wähne, daß er dort ruhig
ſchlafen **) werde. Und ging nun die Alte hinweg
und bejorgte ihre Obliegenheiten; er aber legte fich
ſchlafen.
Der Alte kam heim, als der Abend zu Ende
ging. Die Alte Hatte [erft] wenig von ihren Obliegen⸗
heiten bejehidt; er aber war müde, als er heimlam, .
und ſchlecht zu fprechen, weil Alles ungethban war,
was fie hätte beforgen ſollen. Der Alte fagte, ſehr
ungleich ſei da8 Glück [unter fie] vertheilt ***), da
er jeden Tag mehr arbeitete, als er vermöchte, fie
aber wollte bei nicht? Hand anlegen, was Nutzen
brächte. „Sei nicht böfe, mein Alter (fagte fie), denn
e3 Tann fein, daß du nun in kurzer Zeit folches er-
reichen könnteſt, daß wir beide all unſere Lebtage
glüdlich wären“ „Was iſt das?“ fragte der Mann.
Das Weib antwortete: „Hier ilt bei und zur Her—
berge }) ein Mann gelommen, und glaube id, daß
*) Wörtlich: „dahin, wo eine Kornjcheune war”.
*) MWörtlich: „feines Schlafes genießen“.
***) Wörtlich: „groß fei der Unterfchied des Glückes“.
+) Eigentlih: „zu unferer Herberge‘.
15
226
er über fehr großes Gut verfügt.*) Er ift [chen]
in höherem Alter, nıuß aber ein gar gewaltiger Held
geweſen fein; doch ift er jeßt fehr müde. Nicht
nıeine ich 190) jeinesgleichen gefehen zu haben; doch
halte ich ihn jest für ermüdet und ſchläfrig.“ Da
fagte der Alte: „Es ſcheint mir unräthlich, gegen
die Wenigen treulod zu fein, die hierher kommen.“
[Sie antwortete :] „Dann wirſt du lange armjelig
[bleiben], wenn **) alle dir zu gefahrvoll fcheint! ***)
Wähle nun: entweder du erjchlägft ihn, oder ich })
nehme ihn zu meinem Manne, und wir beide werden
dich fortjagen. Auch Tann ich dir dag mittheilen, was
er zu mir fprach gejtern Abend — aber wenig er-
heblih wird es dich dünken —: er ſprach ver:
liebt FF) zu mir, und ich werde mich entſchließen,
ihn zu meinem Manne zu nehmen, dic) aber weg—
*) Genauer: „darüber zu fchalter Hat“.
x*x*) Wörtlich: „dadurch . . ., daß“.
***) Wörtlich: „im Auge wächſt“. Es wächſt einem etwas
im Auge (if augu) oder vor Augen (fyrir augum) be⸗
deutet: es erjcheint einem etwas größer (gefährlicher),
ala es it, und flöht ihm daher Furcht ein.
7) Wörtlich: „Thu — — von beiden, u du ihn er⸗
ſchlägſt, oder ich .
rr) Eigentli: „wie ein — Galan“.
227
zujagen oder zu erjchlagen, wenn bu nicht fo *)
thun willſt, wie ich will.“ Es wird nun berichtet,
daß bei dem Alten die Frau das Regiment führte;
md ſie ſprach fo lange davon, bis er auf ihr An-
jtiften feine Art nahm und fcharf ſchliff. Und als
er fertig war, geleitete da3 Weib ihn dahin, wo
Heimi ſchlief; und er ſchnarchte laut. **) Da ſprach
das Weib zum Manne, daß er ihn aufs heftigfte ***)
anfallen jollte, „und Spring [darauf] Hurtig davon,
denn du vermagit den Lärm, den er erheben wird +),
und feine Weherufe nicht zu ertragen FF), wenn er
dich (mit Händen) ergreift.” Sie nahm die Harfe
und eilte fort mit ihr. Nun ging der Mann hinzu,
wo Heimi jchlief; er hieb nad) ihm: da8 ward eine
ſchwere Wunde, und entglitt ihm die Art. Alsbald
fprang er Hinmweg, jo ſchnell er vermodte. Da er-
wachte jener von der Verwundung, und war Diele
durchaus tödtlih Ft). Und es wird gejagt, daß
*) Eigentlih: „demgemäh“.
**) Wörtlich: „und war da lautes Schnarchen“.
***) Sigentlich: „aufs beite”, d. H. mit ganzer Kraft.
+) Wörtlich: „jeinen Lärm“. Der im Folgenden befchriebene
Todeskampf ift gemeint.
+7) Vgl. Ragnarsf., Kap. 7 und 11 dad vom Gebrüll der
Kuh Sibylja Gefagte.
++}) Genauer: „fie war völlig hinreichend“, nämlich zum Tode.
15*
228
bei feinem Todeskampfe fo großes Getöſe ward, daß
die Stüßen de Haufe entzwei gingen, und das
ganze Haug einfiel, und eim großes Erdbeben ward. *)
Und da endete fein Leben. !
Nın kam der Mann dahin, wo das Weib war,
und fagte, daß er ihn erichlagen habe: „doch fand
e3 eine Beit lang jo, daß ich nicht wußte, wie es
ergehn würde: dieſer Mann war erſtaumlich ftarf;
dennoh wähne ih, daß er mun bei Hel**) ift.“
Das Weib fagte, daß er Dank haben follte für die
That: „und wähne ich, daß ||191) wir nun reich
liches Gut haben, und wir wollen verfuchen, ob id)
wahr gejagt habe.“ -
Da zümdeten fie Feuer an; das Weib aber
nahm die Harfe und wollte fie aufmachen, konnte
da8 aber auf feine andere Weife ald, indem fie fie
zerbracdh ***); denn fie hatte nicht Geſchicklichkeit F)
Dazu. Sie befam alfo die Harfe aufgemadht: da
jah fie ein Mägdlein, daß ihr däuchte, fie habe [noch]
*) Dieſe Schilderung ift wohl nur eine ungeſchickte Nach⸗
ahmung des Todeskampfes der Schlange, unten ©. 237 *.
**) S. oben ©. 71*.
***) Wörtlich: „als: fie mußte fie zerbrehen“.
PD». h. fie war nicht geſchickt genug.
1) Bu den beiden leuten Abläten vgl. Gestsr. Str. S-11.
229
fein ſolches gefehen; doch war aud) reiche Gut in
der Harfe. Da fprad der *) Alte: „Es wird num
geichehn, wie oft, daß es übel gedeiht, den zu ver-
rathen, der einem traut: ed fcheint mir, al3 ob
ein ummündig Kind *) und in die Hände gefallen
wäre.“ Die Alte antwortete: „Nicht ift dies’ dem
gemäß, wie ich dachte; doch brauchen wir uns feine
Vorwürfe darüber zu machen.“ Und nun fyagte fie,
welche3 Stammes fie wäre. Aber das junge Müägd-
fein antwortete nicht, als wenn fie noch nicht ſprechen
gelernt Hätte. „Nun ergeht ed, wie ich voraußjah,
daß unfer Anſchlag übel ablaufen würde [jagte der
Mann]: wir haben eine große Thorheit begangen:
wie follen wir nun für died Sind ſorgen?“ ***)
„Da ift leicht Rath zu finden +) (ſprach Grima): fie
fol nad meiner Mutter Krala+r) beißen.“ Da
— —
*) Die Hoſchr. hat Hier fälſchlich die Abkürzung fiir Ker-
ling „die Alte“.
**) imegdh, d. h. eine Bilflofe Perſon überhaupt, die auf
die Unterftügung Anderer angewieſen ift.
x*x*) Diefelbe Frage thut er gleich nachher noch einmal. Hier
follte man (mie ſchon Bugge bemerkte) eriwarten: „Wie
jolfen wir das Kind nennen?"
r) Wörtlich: „Das ift leicht zu wiſſen“.
HD. h. Krähe, ala verächtliche Bezeichnung oben ©. 42*
befprocdhen, Hier Name einer armjeligen Frau.
230
ſprach der Alte: „Wie follen wir für dies Kind
jorgen?” Die Alte ſprach: „Sch fehe dafür guten
Rath: wir wollen fie für unfere Tochter ausgeben
und fie aufziehen.“ „Dad wird Reiner glauben
(fagte der Alte): viel anmuthiger ift dies Kind als
wir, denn wir find jehr häßlich, und es wird nicht
wahrjcheinlich*) gefunden werden, daß wir ein ſolches
Kind Heben mögen, jo außerordentlich häßlich wie
wir beide find.“ Da ſprach dad Weib: „Nicht
weißt du, ob ich nicht irgendwelche Liſten dabei ge-
brauche, [fo] daß dies nicht unglaublich dünken möchte:
ich werde fie Zahl fcheeren lafjen und darauf Theer
fchmieren und andere, wobei am ficherften zu er-
warten jteht, daß am wenigften |192) Haar herbor-
fonıme. **) Einen tief herabreichenden Hut ***) Toll
fie haben; auch foll fie nicht gut gekleidet fein: dann
wird größere Gleichheit zwiſchen unferm Außfehen
— — ——— — —
*) Genauer: „keine Wahrſcheinlichkeit dabei“.
**) D. h. „was den Haarwuchs am ſicherſten hindert“.
*x*) Um das Geſicht zu verdecken und fo unkenntlich zu machen,
wie ſolches mehrfach bei Odin's Erſcheinung hervor⸗
gehoben wird (oben ©. 15*, 67*), desgleichen bei
Helden in Thidr. s. (Rap. 73: I, 215 u. ö.). Bgl.
auch unten Ragnarsſaga, Kap. 20, Abi. 2.
231
hergejtellt werden. *) Kann fein, daß die Leute glau-
ben, ich jei [einmal] jehr ſchön geweſen, da ich jung
war. Sie fol auch die niedrigfte Arbeit **) ver-
richten.” — Es wähnten aber beide, der Mann und
das Weib, daß fie nicht fprechen fünnte, da fie ihnen
niemals antwortete. !
Nun geihah ed, wie die Alte jich vorgenommen
Hatte, und wuchs fie (Aslaug) dort a) in großer
Armuth.
Erftes Kapitel. ***)
Herraud hieß ein mächtiger und berühmter Jarl
in Oautland F); er war bermählt und hatte eine
Tochter Namens Thora, don Ausjehen die aller-
*) D. h. wird der Unterfchied des Ausſehens zwilchen ung
beiden und ihr mehr verwiſcht werden. |
**) Eigentlich: „das, was am jchlimmiten iſt“.
**xx) Der Inhalt der eriten beiden Kapitel iſt, verkürzt und
. entftellt, aber in den Hauptzügen noch kenntlich, in einem
altdäniſchen Volksliede (DGF. I, Nr. 24) behandelt. Viel
genauer mit unferer Saga übereinftimmend ijt die Dar-
ftellung in dem färdifchen BagnarS tättur, Str. 2—15.
+)S. oben S. 13*.
1) Zu dem letzten Abfak vgl. Gestar. Str. 12—14.
232
Ihönfte Sungfrau und gar fein in allen Dingen,
womit man fi) befafjen *) Tann, und was befier ift
zu haben, als zu entbehren.**) Das war ihr Bei-
name, daß ſie Borgarhjort ***) genannt ward, weil
fie an Schönheit ebenfo alle Frauen übertraf, wie
der Hirſch die anderen Thiere.}) ! Der Jarl liebte
feine Tochter ſehr Fr): er ließ ihr ein Gemach bauen,
nicht fern von der Königöhalle, und dies Gemach
war bon einem Zaune umgeben. Ft) Der Sarl
*) er til handa mä bera (er til m& henda, Thidr. s.)
kann bier ſchwerlich die gewöhnliche Bedeutung von bera
til handa haben, jondern es werden Handarbeiten ge:
meint fein; vgl. oben ©. 173 4-5.
**) Wörtlich = Thidr. s. I, ©. 4 (vgl. daſ. Kap. 52:
I, 180 f.) am Unfange, dem überhaupt der ganze Cap
nachgebildet jcheint. — Vgl. aud) unten ©. 263*.
*x*) D. h. „Hirih der Burg“.
7) Vgl. oben ©. 167?, 208%. 2
{r) = Thidr. s. 1, 4 (2. 3).
TTr)Die8 umzäunte Gemach entjpriht dem unnabbaren
Thurm, auf dem in der Hilden und Hugdietrichdfage
der alte König feine Tochter eingejchloffen Hält, um fie
vor Freiern zu hüten. Jedenfalls meinte e8 die Gage
auch hier fo, wenn es auch nicht ausdrücklich gefagt ill.
In der nächſtverwandten Sage von Alf und Alvilda
(Saro, ©. 335) tritt das noch deutlich Hervor [f. d. Nach⸗
träge].
1) gl. Rsth. 345,6—11 [Sago, S. 443, 8. 5 ff.).
233
machte e3 ſich zur Gewohnheit, feiner Tochter jeden
Zag etwas zur Unterhaltung zu fenden, und er ge
lobte folche8 fortwährend zu thun. Es wird nun
davon berichtet, daß | er ihr eined Tages einen Kleinen
Lindwurm bringen ließ, der ausnehmend ſchön war.
Diefer Wurm *) gefiel ihr; jie febte ihn deshalb in
ihre Truhe **) 1 und legte Gold unter ihn. ***) Nicht
lange war er darin, | da wuchs er mächtig, und. ebenfo
-da8 Gold unter ihm; [und] es kam nun dahin,
daß er [fon] nit mehr Raum in der Trube
hatte: da lag er rund herum um die Truhe. Und
zuletzt kam es ſoweit, daß 238) er nicht mehr Platz
im Gemache hatte, und wuchs das Gold unter ihm
in demſelben Maße wie der Wurm ſelbſt. Da lag
er draußen um das Gemach herum, ſo daß Kopf
und Schwanz ſich berührten.? Und es war gefähr-
—
*) orm-r, wörtlich unfer „Wurm“, ift übrigens im Nordi-
Then die allgemeine Bezeichnung für „Schlange“.
+ Wie in einer ſolchen Frigg die von ihr zu verleihenden
Gaben aufbewahren läßt.
***) Horthütende Drachen begegnen jehr häufig in unjeren
Sagen (Simrod, Myth. $. 106,3); wir fahen oben
©. 73? auch Fafni auf dem Golde liegen. ©. d. Nachtr.
1) = Bath. 845,11—13; vgl. Saro 443,9—12. — 2) vgl. Rath. 345,13—15
(viel Fürzer).
234
fh, ihm zu nahen *): niemand wagte, vor Diefem
Wurme zum Gemache zu kommen ** außer dem
Einen, der ihm zu freffen brachte; er bedurfte aber
eined [ganzen] Ochjen zur Mahlzeit. ı
Der Jarl fand darin großen Schaden, und
that ein Gelübde, er wolle dem Manne, wer er auch
immer jei, jeine Tochter geben, der den Wurm todt
fchlüge ?; und das Gold, fo unter ihm läge, follte
ihre Mitgift fein. Diefe Runde vernahm man weit
durch die Lande, dennoch erfühnte fich feiner, den
großen Wurm zu bezwingen.
—
*) Eigentlich: „er ward böfe im Verkehr“, „es ward jchlecht
mit ihm verkehren“. - So wachſen auch im Ortnit
(Str. 515 ff.) die jungen Drachen ſchnell zu gefährlichen
Ungethümen heran, die ebenfall® der Vater der Tochter,
beziv. dem Tochfermann jchenkt, welch letzterer ebenfalls
mit ihnen kämpfen muß.
**) Hier haben wir aljo jene andere Sagengeftalt, in der
die Jungfrau von einem Drachen gefangen gehalten
wird, mit der ©. 232 FF7 beiprochenen verjchmolzen. Eine
entfprechente Berjchmelzung zeigte wohl auch die älteſte
Hartungenjage, indem Ortnit's Schwiegervater, der über
Würmer verfügt, urfprünglich feine Tochter vielleicht
durch einen folcden bewachen ließ. In der Gage von
Alf (f. oben S. 232 FF}) jendet der Vater der eingejchloj-
1) = Rath. 845,15—18; vgl. Saro 448,198—14. — 2) vgl. Rsth. 345,
18—21; Saro 443,15. — 3) — Rath. 345,21—346,25 Saro 443,15 f.
235
Zweites Kapitel. '
.
Bu der Zeit herrichte über Dänemark Sigurd
Hring*); er war ein mädtiger König und be-
rühmt dur die Schladt, in der er gegen Ha⸗
rald Hildetann auf Bravall **) kämpfte und Ga-
rald vor ihm fiel, wie fund geworden ift über Die
ganze Nordhälfte der Welt. ***) z
| Sigurd hatte einen Sohn, der Ragnar hieh ?;
derſelbe war groß von Wuchs, ſchön von Ausfehen
und mit gehörigem Berftande begabt; dabei freigiebig
gegen feine Mannen, aber grimmig gegen feine Feinde.
Sobald er dad Alter dazu hatte, verjchaffte er ſich
Gefolge und Kriegsſchiffe und ward der gemaltigfte
Kriegdmann +), fo daß es Taum feinesgleichen gab.
|Er vernahm davon, was der Jarl Herraud gelobt
hatte ?, gab [aber] darauf feine Acht und that, als
ob er ed nicht wüßte. | Er ließ jich [aber] Kleider von
jenen Tochter Schlangen, damit diefe die Lieb-
haber abhalten follen.
*) S. Nornageftsfaga, Kap. 6, Anfang.
**) Bol. oben ©. 471.
***) Bol. oben ©. 64°.
+) Vgl. oben ©. 6°.
1) Zu diefem Kapitel vgl. Ragn. t. Str. 22—40. 5051. — 2) vgl.
Saro 440,9 (Rsth. 345,1). — 3) = Reth. 346,8 f.; Saro 443,19.
236
wunderlisher Art machen, nämlich Fellhofen *) und
einen Yellmantel, und |239) als fie fertig waren, ließ
er jie in Pech fieden; darauf härtete er fie. !
Es gefchah eined Sommers, daß | er mit feinem
Heere gen Gautland fuhr, und legte fein Schiff in
eine verſteckte Bucht, nicht weit davon, wo der Jarl
herrichte.2 Und als Ragnar dort eine Nacht ver:
weilt hatte, "ward er am folgenden Morgen früh
wad, fand auf, nahm die vorgedachte Rüſtung,
legte fie an **) und nahm einen großen Spieß in
jeine Hand; und ging allein von dem Schiffe? da-
bin wo Sand ***) war, und wälzte ſich im Sande.*
Ehe er aber fortging, zog er die Speer⸗Nägel }) aud
feinen Spieße; dann | fchritt er allein vom Schiffe
*) Bon diejer Kleidung bekam Ragnar der Sage nad) den
Beinamen Lod-brok, d. h. Fellhoie (Saro 444,14 fi).
Wie er wirklich zu dem Beinamen kam, ſ. oben ©. 221*:
G. Storm, Ragnar Lodbrok, ©. 57 ff.
**) Auch Alf (f. oben S.232++7) hüllt fi) vor dem Dru-
chenkampf in eine (blutige) Thierhaut, Saro ©. 335.
*xx) Sandiger Strand ijt gemeint.
T) Die Nägel, welche die eiferne Spike am Schafte feit:
halten, fo daß die Spike nachher vom Schafte Toßgeht.
Ragnar's Zweck dabei wird ©. 240 ff. erſichtlich.
1) ®gl. Rath. 346,68; Saro 448,19 ff. — 2) val. Rath. 346,46
(Saro 443,23). — 3) = Ebd. 346,6. 8—10 (vgl. Saro 444.1).
4) ugl. ebd. 346,8 (Garo 443,24 f.).
237
auf dad Thor der Burg des Jarls zu, und kam fo
früh am Tage dahin, daß alle Leute [noch] im Schlafe
lagen. Da wandte er fi) zu dem Gemache [Thora’3] !,
und al3 er an den Pjahlzaun fam, wo der Wurm
lag, ſtach er fogleich mit feinem Spieß nad ihm
und riß denjelben dann [wieder] an fih. Und zum
zweiten Mal führte er einen Stoß, der traf den
Rüden de Wurms. Der wand fid) dabei jo heftig,
daß die Spike vom Schafte losging; und jo großes
Getöſe entitand bei feinem Todesfampfe, daß das
ganze Gemach erbebte. *) Ragnar wandte fi dann
weg: da traf ihn ein Blutftrahl zwifchen den Schultern,
jedoch fehadete es ihm nicht: fo ſchützten ihn die
leider, die er ſich hatte machen laſſen.?
Aber die in dem Gemache waren, erwachten von
dem Lärm und gingen heraus au dem Gemache. Da
ſah Thora ? einen großen Mann vom Gemache fort:
gehn und fragte ihn nach) dem Namen, ımd zu men -
er wolle.
Er ftand till und ſprach**) diefe Strophe : 240)
*) Vgl. oben ©. 228*,
**) Bon eigentlihen Gejange kann bei der altnordijchen
Dichtung und peciell den filbenzählenden ſtaldiſchen
1) gl. Rsth. 3146,9—11: kürzer; Saro 444,1. — 2) vgl. die fürzere und
abmweidyende Schilderung des Kampfes in Reth. 346,11—16. —
3) vgl. Saro 444,6 f.
238
„Ih wagt’ um Lob mein Leben, 1.
Roſige, ſchöne Jungfrau,
Schlug den Fiſch des Feldes *),
Funfzehn Winter zählend.
Tod wird fchnell mid) treffen,
Dringt nicht tief zum Herzen
Meines Speeres Spibe
Dem Ringellachs der Haide.“ **)
Da ging er hinweg und ſprach nicht mehr zu
ihr. Und blieb die Spitze in der Wunde zurücd, den
Schaft aber nahm er mit ſich.
AB fie nun diefe Strophe gehört hatte, veritand
fie, was er ihr von feinem Vorhaben jagte, des⸗
gleichen, wie alt er war; und bedachte nun bei ſich,
wer er fein möchte: fie war ſich aber nicht gewiß,
ob er ein Menſch wäre oder nicht, Ddieweil ihr fein
Berjen, mit denen wir es bier zu thun Haben, nicht die
Rede fein. Bei der Meberjegung habe ich mich nicht
jtreng an die Sechsſilbigkeit gebunden.
*, D. h. die Schlange, den Wurm.
**) Haidelachs — Schlange, die im Kreife liegt wie ein
Ring, f. oben ©. 233%, Obiges ijt die freie Ueberſetzung
nach Egilsſon's Erklärung. Yolgende Ueberjegung wäre
vielleicht richtiger: „Unheil droht mir, fchneidet | Tod
nit, den ich rieth, dem | Wurm ind Herz verderblich,
Der auf Gold im Kreis Liegt (7)“. Vgl. hierzu d. Nachtr.
239
Wuchs fo groß vorkam, wie die Unholde*) ge-
ſchildert werden in dem Alter, welches er hatte. Und
begab fich wieder in das Gemach und fchlief ein.
AS nun die Leute am Morgen hinaus Tamen,
wurden fie gewahr, daß der Wurm todt war; und
ivar er mit einem großen Spieße erſtochen, welcher
feft in der Wunde ftaf.**) Da ließ der Jarl ihn
daraus entfernen, und er war jo groß, daß er wenigen
handrecht ***) war. Nun gedachte der Jarl daran,
was er dem Maime verheißen hatte, der den Wurm
todt fchlüge, und war ungewiß, ob ein Menſch dies
vollbracht hätte oder nit. Er berieth fich deshalb
mit feinen Freunden 241) und feiner Tochter, wie
er dem nachforjchen jollte, und man fand mahrfchein-
ih, daß der ſſchon von jelber] nach feinem Lohne
trachten werde, der die [erforderliche] That dazu ge-
*) Da Ragnar. ihr befonderd groß erſchien bei funfzehn
Sahren, fürchtete fie einen jungen Rieſen (die zu den
Unholden gerechnet werden) vor ſich zu haben.
**) Der Ragnars tättur Str. 41 ff. hat Hier den urjprüng-
lichen Sagenzug (mie in der Wolfdietrichdfage u. |. w.),
daß ein anderer den Spieß aus der Wunde zieht und
die That fi) anmaßt. Diefer Zug wird auch in unferer
Daritellung einmal vorhanden gewejen fein, weil mır
jo das Folgende fich genügend erklärt.
***) Eigentlich: „als Waffe tragbar“ (vgl. unten ©. 292**).
240
than habe. Ihr Rath war, eine möglichſt zahlreide
Verfammlung berufen zu laffen, „und heiß dann
jagen, daß dahin: alle die Männer kommen follen, die
nicht den Born des Jarls auf fich laden mollen und
nur irgend im Stande find, die Verfammlung zu
befuchen. Und wenn irgend einer da ift, der fich die
Todeswunde des Wurms zueignet, der joll den Speer:
Ihaft mitbringen, der zu der Spitze gehört hat.“
Das ſchien dem Karl gut, und er ließ Darauf eime
Verſammlung berufen. Und als der dazu beftimmte
Tag kam *), erſchien der Jarl und viele andere
Häuptlinge; da verfammelte ſich zahlreiches Boll.
Drittes Kapitel. **)
Diefe Kunde drang zu Ragnar's Schiffen, dab
nicht weit davon eine Berfammlung zufammenberufen
war; da ging Ragnar mit fat feiner ganzen Schaar
von den Schiffen zur Verſammlung. Und als fie
dort ankamen, ftellten fie ſich etwas abgefondert von
*) Eigentlih: „als es zu dem — Tage kam“.
**) Der Hauptinhalt diefes Kapitels ift in Ragnars tätter,
Str. 55 ff. in fehr gefürzter und abweichender Fafſung
wiedergegeben (f: d. Eint.).
241
den anderen Männern auf; denn Ragnar fah num,
daB eine größere Volksmenge ald gewöhnlich dahin
gefommen war.
Da jtand der Jarl auf, gebot Stille und redete:
er jngte den Männern Dank dafür, daß fie feiner
Botſchaft ſo willig Folge geleiſtet hätten, und er⸗
zählte darauf die Begebenheit, die ſich zugetragen:
zuförderſt davon, was er dem Manne verheißen,
der den Wurm erſchlüge; ſodann, daß der Wurm
nun tobt fei, und daß derjenige die Speerſpitze in
der Wunde habe teen lafjen, der diefe Heldenthat
vollbracht habe: „Und wenn nun jemand zu dieſer
Berfammlung bergefommen ift, der den Schaft Hat,
jo zu Diefer Spitze gehört, der bringe ihn zum Bor-
ſchein und bemwähre jo feine Ausfage: jo will id)
alles das erfüllen, was ic) |242) verheißen habe, fei
er nun bon höheren, oder von niederem Stande.“
Und er beſchloß feine Rede damit, daß er den Spieß
vor jedermann, jo in der Verſammlung war, Hin-
tragen ließ, und bieß ihm berichten, wer der wäre,
der fich dies Werk zujchriebe oder den Schaft hätte,
der bierzu paßte. So geſchah ed; [doch] fand ſich
feiner, der den Schaft hatte. Da kam man zu Ragnar
und zeigte ihm den Spieß: und er behauptete, daß
er ihm gehöre; und es paßte eind zum andern, die
Spite und der Schaft. Da war man überzeugt, daß
16
242
er den Wurm getödtet habe. *) Und er ward durch
diefe That gar hoch berühmt in allen Nordlanden. }
Er warb nım um Thora, die Tochter des
Jarls; diefer nahm e8 wohl auf, und ward fie ihm
vermählt; und da ward eine große Hochzeit zuge-
rüftet mit den beften Mitteln,‘ welche das Heid)
dDarbot. **) Das mar Ragnar's Bermählmgzfeier. ?
Und als die Hochzeit zu Ende war, fuhr Rag-
nar nach feinem Reiche und herrſchte über daſſelbe.
Er liebte Thora ſehr; | fie hatten zwei Söhne; der
ältere hieß Eirck, det jüngere aber Agnar.?
) Die Sage von der Befreiung einer von einem Drachen
bewachten Jungfrau iſt bekanntlich ſehr weit und in
vielen Geſtalten verbreitet. Auch daß der Erlöſer zu-
nächſt unbelannt ift, finbet ſich öfter: Wolfdietrich und
andere Sagen- und Märdjenhelden werden an den aus-
- gefehnittenee Zungen der Würme, bei Saxo (S. 50 f.)
Hading an einem in die Wunde gelegten Ringe der
Befreiten als ihr Befreier erfannt u. ſ. w. Was die
Auffindung des Wurmd und fein Wachen betrifft, jo °
bietet die perſiſche Sage (Görres, Heldenbuch von Iran
II, 406 ff.) eine merkwürdige Uebereinſtimmung (f. Orient
und Occident I, 668 ff.).
+4) Wörtlich: „in jenem Neiche“,
1) Bis hierher vgl. die abweichende Darftellang in Hagn. t. 55-59.
2) ®gl. Ragn. t. 60 f. — 8) = Rath. 346,80 f. (bei Saxo heißen
ſie anders).
243
Die waren groß von Wuchs und ſchön von An-
ſehn; viel ftärker waren fie als die meiften anderen
Männer, fo damals lebten, und lernten allerlei Kunſt⸗
fertigfeiten. |
Es gefchah einmal, daß Thora fi Frank
fühlte, und fie ftarb an diefer Krankheit. ! Ragnar
empfand da3 fo jchwer, daß er nicht mehr dad Reich
regieren wollte; und beftellte andere Männer, mit
feinen Söhnen des Reiches zu walten. Er aber
nahm num diejelbe Lebensweiſe wieder auf, bie er
früher || 243) gehabt, und begab fih auf SHeer-
fahrten ?; und überall, wo er fuhr, gewann er
den Gieg.
Bierted Kapitel. *)
Da geſchah es eines Sommerd, daß er mit
feinen Schiffen gen Norwegen fuhr; denn er Hatte
*) Hier ſchließt fich die Geſchichte an das Ende des „Ueber-
gangskapitels“. Außer dem Ragnars tättur 72 ff. und
Gestsrima 17 ff. behandeln auch zwei altdänijche Volks⸗
lieder (DGF. I, Nr. 22 und 23) den Inhalt dieſes Kapitels, .
erſteres in entitellterer Form, aber theilmeife mit ge-
nauerer Bewahrung der Namen (Regnfred, Sigurd
1) Vgl. Rsth. 346,91—23; Ragn. t. 62; Saro 446,24 f. — 2) Bol.
Ragn. t. 64 f., 70 f.; Saro 448,25 — 447,2.
16*
244
da. viele Verwandte und Freunde und wollte die be
ſuchen. Er fam mit feinen Schiffen am Abend in
einen Heinen Hafen; nicht weit davon aber war ein
Gehöft, dad Spangareid *) hieß; und fie lagen in dem
Hafen die Nadıt.
ALS aber der Morgen kam, mußten die Küchen⸗
Tnechte and Land gehn, Brot zu baden. Da fahen
fie, daß ein. Gehöft nicht weit von ihnen jtand, und
dünkte es fie bequemer, zum Kaufe zu gehn md
dort [ihrer Arbeit] obzuliegen. Und als fie zu diefem
Heinen Gehöfte famen, da trafen fie einen Menſchen,
den fie anreden konnten **), und war das ein altes
Weib; und fie fragten, ob fie die Hausfrau wäre,
und wie fie hieße. Sie fagte, fie wäre die Hau
frau: „und mein Name ift ungewöhnlich, ich heiße
Grima: aber wer ſeid ihr?“ Sie fagten, fie
wären Dienftleute Ragnar Lodbrok's, und wollten
ihre Arbeit verrichten, „und wir wollen, daß du
und dabei helfeſt.“ Die Alte antivortete, ihre Hände
wären fehr fteif: „doch war einmal die Zeit, da id
als Pater der Kraka). Jedenfalls fegen Diele
Lieder ſchon die Verbindung der eigentlichen Aslaug-
fage (j. ©. 248**) mit der Sigurdsſage voraus.
*) S. oben ©. 223* und unten ©. 248**,
xx) Wörtlih: „zum Geſpräche“.
245
wohl Arbeit zu verrichten wußte*); übrigens habe ich
eine Zochter, die en) dabei behülflich ſein kann,
und fie muß bald- heim. fommen. Sie beißt Kraka,
- und e8 ift nun dahin gediehen, daß ich fie kaum im
Gehorſam Halten kann.“
Kraka war am Morgen zum Viehhüten **) ge⸗
gangen und ſah, daß 244) viele und große Schiffe
and Land gelommen waren; da begann. fie fich zu
‘waschen: die Alte aber Hatte ihr das verboten, denn
fie wollte nicht, daß man ihre Schänheit fähe; denn
fie war die jchönfte unter allen Frauen, und ihr
Haar war fo lang, daß es ringd um fie die Erde
berührte, und fo ſchön wie die fchönfte Seide.
Nunmehr kam Kraka heim. Die Küchentnechte
hatten euer gemacht; und Kraka erblidte da
Menfchen,. welche fie nie zuvor gejehen hatte. Sie
betrachtete diefelben, und ebenſo jene fie, und fragten
dann Grima: „Sit diefe deine Tochter, die ſchöne
Maid?“ „Das ift ungelogen,“ antivortete Grima,
„daß fie meine Tochter if.” „Gar ungleich feid
ihr einander **) (fagten jene), jo häßlich wie du
*) Die Ueberlieferung jcheint bier in etwas verberbt zu
fein.
**) Eigentlih: „zum Vieh”.
***) Wörtlich: „Eonntet ihr werden“, mit. dem Ausdrucke
246
bift; wir haben niemald eine gleich ſchöne Maid
gejehen, und im nichtS erkennen wir dein Ebenbild
in ihr; denn du bift daß größte Scheuſal.“ Grima
antwortete: „Wan kann e8 mir [freilich] nicht mehr -
anfehen: mein Ausfehen bat ſich nun verändert gegen
früher.“
Hierauf ſprachen fie davon, daß fie (Kraka)
ihnen beffen ſollte. Sie fragte: „Welche Arbeit fol
ich. thun?“ Jene fagten, fie wollten, daß fie Brot
formen *) follte, fie aber würden es dann baden.
Da machte fie ih an ihre Arbeit, und e8 ging ihr
wohl von der Hand; jene aber fahen fie umabläffig
an, fo.daß fie nicht auf ihre Arbeit Acht gaben, und
verbrannten das Brot. !
Nachdem fie ihr Werk vollendet hatten, begaben
fie fih zu den Schiifen AS He aber ihre Speije
(die Brote) hervorholen mußten, da jagten Alle, daß
fie nie fo |245) ſchlecht gebaden Hätten md Züchti⸗
gung Dafür verdienten. Da fragte Ragnar, wie es
der VBerwunderung, alfo: „da konntet ihr ja ſwunder⸗
barerweije] einander (d. h. fie dir) ſehr ungleich werden“.
*) D. 5. den Teig zu Broten formen.
1) Den ganzen Inhalt dieſes Kapitels bis hierher faßt Ragn. t. in der
Str. 72 zufammen. Etwas ausführlicher Gestsr. 17—19 (darnach
in Str. 20—27. 84 Züge, die der Saga und bein Ragn. t. fremd find).
241
läme, Daß fie da3 Brot fo fehlecht gebacken hätten. *)
Sie exflärten, fie hätten eine fo ſchöne Frau gejehen,
daß fie nicht ihres Gefchäftes wahrgenommen hätten,
und meinten, Daß es Leine ſchönere auf der Welt
gübe. Muh als die fo viel "von ihrer Schönheit
machten, jagte Ragnar, er wife, daß ſie nicht fo
ſchön fein werde, wie Thora geweſen fei. „jene
[aber] erklärten fie :für wicht minder ſchön. Da
ſprach Ragnar: „So will ih Mümer Hin enden,
die es genau beurißeilen können **): wenn es fich fo
verhält, wie ihr jagt, jo foll euch die Unachtſamkeit
vergeben fein; wenn die Frau aber irgendworin un-
ſchöner iſt, als ihr von ihr fagt, fo werdet ihr euch
Schwere Strafe zuziehen.“
Alsbald ſandte er feiner Mannen etliche aus
nach diejer ſchönen Maid: jedoch mwehte der Wind
fo ftarf entgegen ***), daß fie an diefem Tage nicht
fahren konnten. Da ſprach Ragnar zu feinen Send-
boten: „Wenn Diefe junge Maid eu jo ſchön er-
Scheint, wie mir gejagt ift, jo Heißt fie zu mir
*) Wörtlich: „weshalb fie fo die Speife bereitet hätten“.
**) Eigentlich: „genau zu ſehen verftehn“.
*x*) Figentlich: „es war fo Starker, widriger Wind“.
1) Klirger Gester. 28-83, nodj kürzer Ragn. t. 73-75.
248
fommen; und will ich fie [dann} jehen*), will, daß
fie mein jei. Sch will aber, daß ſie weder be-
Heidet noch unbefleidet komme, weder ge-
fpeift noch nüchtern; fie fomme auch nicht
allein, und dod” nu = fein sl) fie
begleiten.“ **) .
Darauf ſuhren fie, Dis. daß fie zu dem Hauſe
kamen; ſie betrachteten Kraka aufmerkſam, und däuchte
ihnen dieſes Weib ſo ſchön, daß ſie keine andere
gleich ſchön wähnten. Sie verkündigten nun Ragnar's,
ihres Herrn, Botſchaft und desgleichen, wie ſie aus⸗
gerüſtet ſein ſollte.
Kraka ſann dem nach, was der König geſagt
hatte, und wie ſie ſich ausrüſten ſollte. Aber Grima
meinte, daß ſolches unmöglich wäre, und ſagte, ſie
ſähe wohl, daß der König 246) nicht bei Sinnen
*) Senauer: „fie treffen“, „mit ihr zufammentommen“.
**) Diefe ſchwierigen Aufgaben und ihre. Löjung beruhen
auf alter Sage, wie fie denn in unferm Märchen „Die
Huge Bauerntochter” (Grimm, Nr. 94) 3. Th. wörtlich
wiederfehren. Der Grunditoff der Adlaugjage tft dem⸗
nach ein gemeingermanifcher Sagenftoff, der fid) unter
Anderm zu Spangereid in Norwegen Iofalifict hat und
als dortige Lofaljage genügend bezeugt ift. Dort Tnüpfte
fie fi) an die Ragnarsſaga, worauf Aslaug-Kraka zur
Tochter Sigurd's ward (f. Beitr. 3, 205 f.).
249
wäre. Kraka fprah: „Deshalb wird er jo gefagt
haben, weil e3 möglich fein wird*), wenn wir es
[nur] jo verftehn, wie er e8 meint. Uber teines-
fall3 kann ich heute mit euch ziehen **), ſondern ich
werde morgen früh zu euern Schiffen Tommen.“
Hierauf machten fie fich [wieder] auf den Weg, und
fagten Ragnar, wie es ſich — und daß zu
ihnen kommen per:
Sie blieb nun die Nacht daheim. Aber am
Morgen früh fagte fie zu dem Alten, daß fie num
zu Ragnar gehn wolle: „jedoch werde ich meinen
Anzug etwas verändern müffen: du haft ein Fiſch—
neb ***), das will ich mir umminden, darüber laß’
ih mein Haar fallen, fo bin ich dann nirgends
bloß. Dann will ich einen Lauch koſten: das ift fo
gut mie feine 7) Speije, gleichwohl kann man
merfen +}), daß ich [ihn] gefoftet habe. Endlich ſoll
dein Hund mir folgen, jo gehe ich nicht allein, den-
*) D. h. er wiirde es nicht gefagt haben, wenn es nicht
möglich ‚wäre. .
**) Weil dann die dritte Bedingung nicht erfüllt wäre.
***) Genauer: „Lachsforellennetz“.
+) Eigentlich: „eine kleine, unbedeutende”.
tr) An dem Geruche? (Oder iſt die Meinung: „kann es
bedeuten, daß ich gegejjen habe?“)
&
_ 20 _
noch begleitet mich Fein Menſch.“ Als die Alte ihr
Vorhaben hörte, däuchte ihr, da fie große Anſialten
made, !
Fünftes Kapitel.
Als Kraka nun gerüftet war, ging fie ihre
Weges, bis daß fie zu den Schiffen kam; nad war
fie Schön anzuſehn, denn ihr Haar glänzte, als ob
man auf Gold ſähe. Ba rief Nagnar fie an und
fragte, wer fie wäre und zu wen fie wollte. Sie
antwortete und ſprach die Strophe:
„Dein Gebot und Auftrag 2.
Wag’ ic) nicht zu brechen,
Da du, Ragnar, zu dir ||247)
Her mich kommen hieeft.
[Sieh,) es folgt fein Menſch mir,
Bloß ift meine Haut nicht,
Gut bin ich begleitet,
Komme [doch] alleine.” *)
*) Wenn bie zweite Halbſtrophe richtig überliefert ift, FAN
es auf, daB die zweite Bedingung gar nicht, bie dritte
aber in drei Werfen erwähnt wird. Dos iſt wohl zu
beachten, daß auch Ragn. t. 76--80 nur Die beiben hier
erwähnten Bedingungen tennt.
1) Bon | ab Turz wiedergegeben in Gester. 35—88; ausführlidier Rag®-
t. 76—82.
®
251
Da fandte Ragnar ihr Männer entgegen und
fieß fie auf ſein Schiff holen. Sie aber weigerte
fh zu kommen, es ſei denn, daß ihr umd ihrem
Gefährten fichere® Geleite gegeben *) würde. Da
ward fie auf ded Königs Schiff geführt; und als
fie in den Vorraum **) Tam, ftredte er ihr die Hand
entgegen, aber der Hund biß ihn in Die Hand.
Seine Mannen fprangen Hinzu und jchlugen ben
Hund und warfen ihm eimen Bogenftrang um den
Hol, und Hatte ex davon den Tod: bejjer ward
ihre das fichere Geleit nicht gehalten als fo. Hier:
auf jebte ***) Ragnar fie auf dem Hinterded neben
fih und |fprah mit ihr; fie behagte ihm wohl,
und er war zärtlich gegen fie }) ! und ſprach die
Strophe: |
„ol du würdeſt, gälte 3.
Dir der Lamdeshüter }})
Als ein hehrer König (2),
Sicher mid umarmen.”
*) Eigentlich: „Sicherheit gewährt”.
““) S. oben ©. 61 **.
*=e) leggr („legte”) der Hoſchr. Tann nicht richtig fein, wie
der Zuſammenhang zeigt; vgl. auch oben ©. 211 **,
+) Die ganze Situation iſt ähnlich wie S. 2111-8,
tr) D. h. der Fürſt, ich. Die Ueberjegung der Halbſtrophe
iſt unſicher.
1) = Ragn. t. 88,1 f.
252
[Sie ſprach:)
„Unbefleckt ſollſt, Fürft, du,
Willſt dein Wort du halten,
Mid von binnen lafjeı,
Die ich dich beſuchte.“ *)
"Darauf jagte er, daß fie ihm wohl gefiele, und
ed fei feine feite Abficht, daß fie mit ihm fahren
follte. Da 1248) erfiärte fie, das ginge nicht an.
Er dußerte nun den Wunſch, daß fie die Nacht dort
auf dem Schiffe bliebe. Sie [aber] fagte, daS. follte
nicht gefchehen, bevor er heimgekehrt wäre von
der Fahrt, die er fich vorgenommen hätte: „und
vielleicht feid ihr dann anderes Sinnes*.
| Da vief Ragnar feinen Kämmerer und gebot
ibm, da3 Hemd **), welches Thora getragen hatte
und welches ganz goldbefäumt war, zu nehmen und
ihm zu bringen. Dann bot Ragnar es Kraka dar mit
folgenden Worten ***):
*) Wörtlih: „Heim den Yürften ſucht' ich”; oder „einen
Fürften” (der fein Wort nicht brechen darf)?
*®) serkr (j. Weinhold, Altn. 2.173). — Den Grund, wes⸗
bafb Ragnar ihr fogleich dies Mleid anbietet, hat noch
der Ragnars t. Str. 63 erhalten, wo Thora fterbend
Ragnar empfiehlt, um die Sungfrau zu werben, der
ihre (Thora's) Kleider pafjen würden.
*xx) Wörtlich: „in diefer Weiſe“.
253
„Willſt dies Hemd du nehmen 4.
[Reich] verziert mit Silber —
. Thora Hjort beſaß es *) —
Gar wohl paßt**) das Kleid dir.
Ihre weißen Hände
. Dies Gewand berührten;
Mir, der ich fie liebte ***),
Bar lieb fie big zum Tode.“
Kraka ſprach dagegen:
„Darf dies Hemd nicht nehmen 6.
Reich geziert mit Silber —
Thora Hjort beſaß es —
Mir ziemt ſchlechte Kleidung.
Davon heiß' ich Kraka,
In kohlſchwarzen Kleidern F),
Daß Geröll durchſchreitend
Am Strand ich Ziegen hüte.” ++)
Ich will fürwahr das Hemd nicht annehmen
(ſagte fie): nicht will ih Pub anlegen, jo lange ich
*) Eigentlich: „welches Tora beſaß“.
?*) Bol. ©. 252 **; ober ift „ziemt“ zu überjeßen, wie
gleih unten Strophe 5,4? In beiden Fällen tft sama
gebraucht.
er) MWörtlich: „dem liebevollen Männerfürſten“.
7) Kraka bedeutet „Krähe“, f. oben ©. 229 +7.
tr) Wörtlih: „über Geröll Hingefchritten bin und Ziegen
an der See hin getrieben habe“.
254
bei dem Alten bin. 2 Kann fein, daß ich euch befier
gefalle, wenn ich mich befjer Heide. |249) Und will
it jebt beim fahren. Dann”) aber magſt du
Männer nah mir jhiden, wenn du alsdann nod)
deſſelben Sinnes bift und [nody] willſt, daß ich mit
dir fahre.” Ragnar fagte, daß fein Sinn fich nicht
ändern würde. Gie ging heim; jene aber machten,
fobald der Wind günftig war, ihre Yahrt, wie es
ihre Abſicht geweſen war, und NRagnar vollführte
fein Vorhaben, wie er fich vorgefeßt hatte. Und
auf der Rückkehr legte er in demfelben Hafen an,
wo er zuvor [gelegen] Hatte, als Kraka zu ihm Tam.
Und [noch] denjelben Abend ſandte er Männer zu
ihr, um ihr des Königs Botſchaft zu entbieten, daß
fie nun exrnftlich **) mitkommen ſollte. Sie aber
erflärte, fie werde nicht eher gehn ald am Morgen.
Kraka ftand früh auf, trat and Bette der beiden
Alten und fragte, ob fie machten. Sie bejahten es
und fragten, was fie wollte Sie aber fagte, fie
wolle nun von Hinmen. und nicht Länger dort bleiben:
„Aber ich weiß, daß ihr Heimi, meinen Pflegevater,
erihlagen Habt, und niemand bat von mir böfern
*) Nämlich: wenn du wiederkehrſt.
**) D. h. ohne wieder zurückzukehren, wie das erſte Mal.
1) Zu unferm Text von | ab vgl. die beifere und vollfländigere Dar-
ftellung im Ragn. t. Str. 85—88 und dazu ebd. Str. 68. 66.
255
Lohn verdient *) als ihr; jedoch will ich euch fein
Leid anthun laſſen, weil ich lange bei euch geweſen
bin. Aber den Fluch will ih euch num zurüd-
laſſen **), daß ein Tag, fo über euch kommt, euch
immer noch fchlimmer fei, als der andere, und am
ſchlimmſten der lebte. Und nunmehr wollen wir ſcheiden.“
Damit ging fie ihres Weges zu den Schiffen
und ward dort wohl aufgenommen Sie hatten
günftigen Wind. Dielen felben Abend, als es Zeit war
die Betten herzurichten, ſagte Ragnar, er wolle, daß er
und Kraka bei einander rubten. Sie antivortete, das
könne nicht ||250) gefhehen: „fondern ich will, daß
du erſt Hochzeit mit mir hältft ***), wenn du in
dein Reich kömmſt; das dünkt mich meine Würde
wie auch deine [zu erheifchen], und die unjerer Erben,
wenn wir welche haben.“
Er gewährte ihr diefe Bitte, und ihre Fahrt
ging glüdlih von ftatten. Da Fam Ragnar heim
in jein Land, und ward ihm ein prächtige Feſt be=
reitet 7); Da ward zugleich fein Willfommenstrunf }f)
*) Hehnliche Wendungen oben ©. 143, 3. 7. 2131.
or) örtlich: „Aber das will ich nun erklären“.
***) Eigentlich: „trinkſt“, ſ. oben &. 126*"*, 176*,
) Wie oben ©. 81, 3. 15—18.
+r) = ımten ©. 266*. Ueber diefe Sitte |. Weinhold, Alt.
Leb. 445 (vgl. Akv. 34 u. ſ. w.).
256
und feine Hochzeit gefeiert. Und am exften Abend,
als fie das Lager teilten, ‚wollte er feiner Frau
. ehelich beimohnen, fie aber fuchte es bittend abzu-
wehren *); denn, ſagte fie, e8 würde fehlimme Folgen
haben **), wenn fie nisht ihren. Willen häfte. Ragnar
erwiderte, er möge nicht daran glauben; auch wäre
der Ulte und fein Weib ***) nicht der Zukunft kundig
gewefen; er fragte, mie Junge es denn fo währen
follte. Da ſprach fie:
„Dretmal nad) der Hochzeit 6.
Sell die Nacht im Saul’ uns
Keuſch beifammen finden }), ..
Eh wir ben Göttern opfern. T)
*) Eigentlich: „bat ſich davon frei“.
**) bera nökkut & baki, genauer „etwas (ſchlimmes) nad
ſich ziehen“.
***) Hatten aljo dieſe die Barnung oder den Fluch (vgl.
©. 255**) ausgeſprochen? Gestsr. Str. 15 f. beridtet
es fo.
r) So gebe ich den mahrfcheinlichen Sinn wieder. Die
Lefung der Hofer. fcheint verderbt. Die neugefimdene
Hdſchr. lieſt nach Prof. Bugge’3 gütiger Meitiheilung
Ber? 1: neetr] meetr; hressvar] haus(u)ar; vielleicht
hyjar, ſ. C.-V. 304b. Auf eine ähnliche Forderung
dreier keuſcher Nächte weit Skirn. 428. ©. d. Nadır.
TT) „Die [Ee-]Öottheiten verehren”, muß (im Gegenfag zu
Vers 1—3) dag mirkliche Eingehn der Ehe bezeichnen.
257
nn
Dauernd wird Gebrechen
Meinen Sohn dann treffen:
Vorſchnell willſt du zeugen
Den, der fein Gebein hat.“
Aber obwohl fie dies ſprach, jo achtete doch
Ragnar nit Darauf, ſondern vollbrachte feinen
Willen.
Sechstes Kapitel.
Nun vergingen die Tage, und ihre Ehe war
glüdlih und ihre Liebe groß. Kraka aber fühlte
I 251) Wehen: ſie fam nieder und genad eines
Sohned. Und der Knabe ward mit Wafjer bes
ſprengt *) und ihm ein Name gegeben, und ward er
Spar genannt. Aber diefer Knabe war Inochenlog,
und als ob da Knorpel wären, wo Knochen fein
follten. Als er jung war, war er fo groß von
Wuchs, daß es nicht feineögleichen gab. Er war
von Anſehn der allerihönite Mann und jo flug,
daß es ungewiß (ſchwer zu fagen) ift, wer ein klügerer
Mann gewejen ald er.
Es waren ihnen noch mehrere Kinder befchieden:
ihr zweiter Sohn hieß Bjorn, der dritte Hvitſerk
*) S. oben ©. 64*.
17
258
und der vierte Nognvald 1; fie waren alle gewaltige
Männer und gar kühn. Sobald fie etwas vor-
nehmen fonnten, lernten fie allerhand Kunſtfertig⸗
feiten. Und überall, wohin fie fuhren, ließ Ivar
fih auf Stangen tragen, weil er nicht gehn konnte,
und er mußte ihnen Rath geben, was fie aud) unter:
nahmen.
Damald waren Eirek und Agner, Ragnar's
Söhne, gewaltige Männer, fo daß man kaum ihre
gleihen fand; und fie zogen jeden Sommer mit
Heerſchiffen auß*), und waren berühmt durch ihre
Heerfahrten. Da geſchah es eined Tages, daß Ivar
mit jeinen Brüdern Hpitjerf und Bjorn redete: wie
lange es fo fort gehn follte, daß fie daheim fähen
und ſich feinen Ruhm erwürben. Sie erflärten aber,
fie würden feinem Rathe folgen, hierin wie in ande
rem. „So will ih,“ fagte Ivar, „daß wir bitten,
es möchten und Schiffe nebſt Heervolf gegeben wer:
den, fo daß diefelben wohl bemannt find; demmächft
will ih, daß wir und Gut und Ruhm erwerben,
wenn e3 fich jo fügen will.“
*) Eigentlih: „fie hauſten auf Heerjchiffen“.
1) Bei Saro 450,5 heißen feine Söhne mit Svanlogha: Reqhnald,
Witſerk und Erih, während Syvard, Born, Ivar [und Wagner]
444,24 als natura fratres ber Söhne Thora's bezeichnet werder.
In unferer Saga find Eri und Agnar Söhne der Thora.
259
Nachdem fie diefe8 unter ſich beichloffen hatten,
fagten fie Ragnar, fie wollten, daß er ihnen Schiffe
gäbe umd 252) folche Leute, die ſſchon] in hartem
Kampfe (?) erprobt und mit allen ausgerüſtet wären.
Und er that, wie fie baten.
AB nun dieſe Flotte gerüftet war, Außen fie
vom Lande; überall aber im Männerkampf behielten
fie die Oberhand, und fo erwarben fie fich zahl-
reiches Gefolge jomohl wie Gut.
Da fagte Spar, er wollte, daß fie mehr dort-
hin fteuerten, wo [ihrer] größere Uebermacht warte,
und jo ihre Tapferkeit erprobten; fie aber fragten '
da, wo er dergleichen wüßte Da nannte er eine
Stadt, die Hieß Hvitabö *), da aber war eine
Opferftätte **): „und mancher hat fchon verſucht, fie
zu erobern, aber feiner hat gefiegt. Auch Nagnar
war dorthin gefommen, hat aber unverrichteter
Sache wieder abziehen müſſen.“ „Iſt denn das Volt
dort jo zahlreich (fragten jene) und fo tapfer, oder
finden fi) dort andere Schwierigkeiten?“ var
fagte, dort wäre ſowohl große Volksmenge als auch
eine bedeutende Opferftätte; und das Habe Allen
*) Nach Rafn wäre Withby an ber Oſtküſte von Nord-
bumberland gemeint.
**) Genauer: „da waren Opfer geweſen“.
17*
260
Verderben gebracht und Niemand hätte [dagegen]
Stand gehalten. Da fagten- fie, er möchte entjcheiden,
ob fie dorthin fteuern follten oder nicht. Er aber-
erHlärte, ex fei entichlofien, e& darauf ankommen zu
laſſen, ob ihre Tapferkeit ihnen [nicht] mehr nützen
werde, ald den Snnehnetn, jenes Bandes ihr Opfer-
dienſt. *)
Siebented- Kapitel.
Sie fuhren nun dahin. Und als fie dort and
- Rand kamen, rüfteten fie fi) zum Landen. Es ſchien
ihnen aber nöthig, daß einige Mannſchaft die Schiffe
bewacdhte. hr Bruder Rognvald aber war nod
jung, fo daß er ihnen jo großer Yährlichkeit, als
ihnen wahrſcheinlich hier beborftand, nod nicht ge
wachſen ſchien; |253) und fo ließen fie ifn mit
etliher Mannſchaft die Schiffe bemadıen,
Aber bevor fie and Land gingen, ſagte var,
die Burgmannen hätten zwei Rinder, nämlich zwei
junge Kühe; vor denen wären die Leute entflohen,
indem man ihr Gebrüll und ihren Zauber **) nicht
hätte aushalten können. Weiter fprad) Ivar: „Haltet
*) Wörtlih: „als der Opferdienft der Landsleute“.
**) Bol. unten ©. 263 FT.
261
euch aufs tapferite dabei, objchon eich einige Furcht
anfommen wird; denn es bleibt 2: nicht3 anderes
übrig.“ *)
Sie ſchaarten nun ihr Volk, und als ſie der
Veſte naheten, gewahrten es die Stadtbewohner und
begannen die Rinder, an welche fie glaubten, los—
zumachen. Und fobald die Kühe losgelaſſen waren,
fprangen fie gewaltig und brüllten fürchterlich.
Solches ſah Spar, wie er auf dem Schilde
getragen ward, und gebot, ihm einen Bogen zu
geben, und fo gefhah es. Da ſchoß er dieſe böfen
Kühe, daß beide den Tod davon hatten. **) Und jo
war dieſer Kampf erledigt, der den Männern fo
große Furcht eingeflößt Hatte.
Da nahm Rognvald bei den Schiffen das Wort
and ſprach zu feinen Leuten, wie glücklich die
Männer wären, die ſolche Luft haben dürften, wie
feine Brüder hätten: „und feinen andern Grund
hatten fie dafür, daß ich zurüdbleiben follte, als
daß fie allein den Ruhm davontragen wollten. Jetzt
aber wollen wir allzumal ans Land gehn.” Das
thaten fie; umd als fie dem Heere nachzogen,
*) Bu s& ift kostr zu ergänzen, vgl. unten ©. 265 **.
er) Bol, unten ©. 292*.
262
Drang Rognvald tapfer vorwärts ind Handgemenge;
und da8 Ende war, daß er fiel. *)
Die Brüder aber drangen in die Veſte; da
begann der Kampf aufd neue, und endete damit,
daß die Burgmannen die Flucht ergriffen; jene aber
- verfolgten die |254) Zlüchtigen. Und als fie wieder
zur Veſte fehrten, ſprach Bjorn die Strophe:
„aut ſcholl unſer Heerruf. 7.
Baß denn jener ſchnitten eo.
Unfre Schwerter. — Wahrheit
Sag’ ih — im Gnipafjorde. **) |
Wer. e8 wollte, konnte
Bor Hvitabd draußen
Männer tödten. Spart nicht
Euer Schwert, ihr Helden.”
Als ſie zurüd in die Veſte famen, nahmen fie
alle fahrende Habe, verbrannten dann alle Häufer,
jo in der Burg waren, braden die ganzen Burg:
mauern nieder ***), und fuhren dann mit, ihren
Schiffen von dannen. |
*) Der gleiche Sagenzug (der junge zurücdgelafferte Bruder
zieht heimlich nach in die Schlacht und fällt) findet fid
befanntlich in unferer „Rabenſchlacht“.
**) Der bier aljo bei Hvitabd gedacht wird.
*x*) Bol. unten ©. 300*.
263
Achtes Kapitel.
Eyftein hieß ein König, der über Schweden
herrſchte. Er war vermählt und Hatte eine Tochter
mit Namen Ingibjorg, die war die fchönfte aller
Frauen, und gar lieblih von Mſehn.“) Eyſtein
war ein mächtiger König über zahlreiches Volk, bos⸗
Baft, aber Hug Er Hatte feinen Sitz zu Uppfala
und war ein eifriger Opferer; und zu Uppfala
wurden zu der Zeit jo bedeutende Opferfeite gefeiert,
daß nirgend in den NRordlanden bedeutendere gemejen
find. Sie fehten auf eine Kuh gläubiged Vertrauen
und nannten jie Sibilja **). Derjelben wurden jo
viele Opfer gebracht, daß ***) niemand ihrem ©es
brülle widerftehn fTonnte. +) Und deshalb war es
*) Vgl. oben ©. 232**.
*#) Wird erklärt als die „ſtets brüllende“ (vgl. Sibilja
beljar Fas. I, 271, 17). Doch dürfte die Form Sibylja
neben Sibilja vielleicht auf die prophezeiende „Sibylle“
deuten, woraus man neuerdingd Volva berzuleiten ver-
ſucht Hat (f. d. Nachtr. zu ©. 46**). Vgl. auch die zweit⸗
folgende Anmerkung.
es) Bol. unten ©. 274*.
r) Beifpiele von Verehrung Heiliger Kühe finden ſich
mehrfach bei germanijhen Stämmen (vgl. Simrod,
264
des Königd Gewohnheit, wenn ein feindliche Heer
zu erwarten war, daß diefe Kuh der Schladjtord-
nung boran war. Sole große Teufelskraft *) beſaß
fie [nämlich], daß feine Feinde 1255), fobald fie fie
hörten, jo wahnwitzig wurden, daß fie aufeinander
losſchlugen und ihrer ſelbſt nicht Acht Hatten. **)
Und deshalb war Schweden damals von Teinen
Heerfahrten heimgeſucht, weil niemand ſich getraute,
ed mit folcher Uebermacht aufzunehmen.
König Eyitein lebte in guter Freundjchaft mit
vielen Männern und Häuptlingen. Und es heikt,
daß zu jener Zeit gute Freundſchaft zwifchen Ragnar
und König Eyftein beftand, und fie pflegten jeden
Sommer abmwechjelnd einander zum Gelage zu be
fuchen. Es traf jih nun, daß es an Ragnar war,
den König Eyftein zu beſuchen; und als er nad
Uppjala fam, ward er mit den Seinen wohl em
pfangen. AS fie nun am erften Abend tranten,
ließ der König feine Tochter ihm felber und Ragnar
Myth.*, ©. 18 f., 500 und oben ©. 260%). Zunädt
wurden fie in dieſer Weife doch mohl ala (durch ihr
Gebrüll?) meiflagende, fiegverfündende Thiere eine?
Gottes verehrt.
*) djöfuls kraptr.
“+, D. 5. vor den Feinden ſich nicht wahrten. Bgl. unten
©. 275 **., 292 9%,
.“ 265
einſchenken *): da redeten Ragnar's Mannen unter
einander, daß es nicht anders anginge **), als daß
Ragnar um König Eyſtein's Tochter würbe, und
nit länger die Bauerntochter ***) behielt. Einer
von feinen Mannen übernahm ed, ihm Dies vor—⸗
zuftelen; und daS Ende war, daß ihm die Frau
verheißen ward: jedoch follte fie noch lange Verlobte
bleiben.
Als dieſes Yet zu Ende war, rüftete ſich
Ragnar zur Heimkehr, und die Reife ging ihm glüd-
ih von jtatten, und wird von feiner Fahrt nicht
eher etwas gemeldet, al8 bis er nahe vor der Burg
war, und jein Weg durch einen Wald führte Gie
famen auf ein ©ereute }) in dem Walde: da ließ
Ragnar fein Gefolge jtill Halten, bat ſich Schweigen
aus und gebot allen Männern, die ihn auf ber
Sahrt nad) Schweden begleitet hatten, daß feiner
bon feinem Borhaben jagen follte, fo über die
Heirath mit König Eyſtein's Tochter verabredet war.
Und er jeßte fo ftrenge Strafe |256) darauf, wenn
einer fi) fände, der etwas davon erwähnte, daß er
*) Bol. oben ©. 181*.
**) Bol, oben ©. 261*.
“, karlsdöttur.
r) Ausgerodeter Waldplatz.
266
nicht8 [geringeres] dafiir verlieren jollte als das
Leben.
Nachdem er fo feiner Abficht gemäß gefprochen
hatte, z0g er heim zu feinem Hofe. Da freuten ſich
die Leute feiner Nüdfehr, und ward ihm da Der
Willkommenstrunk zugetrunken.“) Und als Ragnar
ſeinen Hochfitz eingenommen hatte, da währte es nicht
lange, bis **) Kraka zu ihm in die Halle kam. Sie
ſetzte ſich auf ſeine Knie, ſchlang ihre Arme um ſeinen
Hals und fragte, welche Neuigkeiten es gäbe. Er
aber antwortete, er wüßte keine zu ſagen.
Und als der Abend kam, begannen die Männer
zu trinken, und gingen dann ſchlafen. Als nun
Ragnar und Kraka beiſammen im Bette lagen, fragte
fie ihn abermald nach Neuigkeiten; er aber erklärte
[mieder], er wüßte feine. Sie wollte nun [nodj]
mancherlei plaudern; er aber fagte, er wäre ſehr
ſchläfrig und wegemüde. „So will ich dir Neuig-
feiten jagen (ſprach fie), wenn du mir feine jagen
willſt.“ Er fragte, welche da8 wären. „Das nenne
ich Neuigkeiten (jagte fie), wenn einem Könige eine
Frau verlobt wird, und ift doch etlicher Leute Rebe,
*) Bol. oben ©. 255 +}.
x**) Wörtlih: „da hatte er nicht lange gejeflen, bevor...“
Bol. unten S. 281*.
267
daß er ſchon eine andere hat.“ „Wer hat dir daß
gefagt ?“ fragte Ragnar. „Deine Mannen ſollen
Leib und Leben *) behalten, weil feiner von ihnen
es mir gejagt hat,“ antwortete fi. „Ahr müßt
gejehen haben **), daß drei Vögel auf dem Baume
neben euch jaßen: die fagten mir dieſe Märe. ***)
Das erbitte ich [nun] von dir, daß du dieſe Heirath
nicht vollzieheit, wie es beablichtigt iſt. [Denn] jebo
will ich dir jagen, dab ich eined Königs Tochter
bin, und nicht eined Bauern }): mein Vater war
ein jo berühmter Mann, daß man nicht feinesgleichen
fand; und meine Mutter war die ſchönſte und weijefte
aller Grauen, und ihr |257) Name wird dauern, jo
lange die Welt ſteht.“ FF)
'Da fragte er, wer denn ihr ‘Water wäre,
wenn fie nicht die Tochter de armen Bauern wäre,
der auf Spangareid wohnte. Sie erffärte [ihm nun],
fie fei Sigurd’3 des Yafnistödterd Tochter und
*) Eigentlich: „Leben und Glieder“.
*x) Wörtlich: „Ihr merdet jehen“.
*+*) Wie Sigurd, ihr Vater, die Stimmen der Vögel ver-
ftand. Hier it Aslaug's Angabe übrigens doch wohl
als eine Lift aufzufafjen.
r) Oder: „deö Alten‘ (? karls).
rt) Vgl. oben ©. 107. 167".
268
Brynhild's, der Tochter Budle’s.! „Das dünkt
mic) gar unwahrſcheinlich (jagte er), daß deren
Tochter Kraka heißen und ihr Kind in folder
Armuth aufwachien follte, wie auf Spangareid war.“
Da antwortete fie: „Das erklärt fi durch eine
Geichichte* *), und erzählte nun und hub an, wie beide,
Sigurd und Brymhild, auf dem Berge zufammen
famen und fie erzeugt wurde: „und al® Brynhild
entbunden war, gab man mir einen Namen, und
ih mard Aslaug genannt.” Und fo erzüblte. fie
alles, wie es vor ſich me war, bis **) fie zu
dem Alten far.
Darauf entgegnete Hognav: „Weber dieje Phan⸗
tofien der Aslaug ***) muß ich. mich wundern.“ (?)
Sie antwortete: „Du weißt, daß ich ſchwanger bin;
und es wird ein Knabe fein, den ich trage: aber
an diefem Knaben wird das Beichen fein, daß ed
*) Genauer: „Dafür gibt es eine Gejchichte” (saga er til
thess = oben ©. 68, 3. 16, wo — Wendung etwas
anders wiedergegeben iſt).
**) Der Text bietet fr& thvi, „ſeitdent“, was Doch ſchwerlich
richtig fein kann, da es ſich Hier ja gerade darım
handelt, wie fie zu dem Alten gefommen.
) Spöttiich, wenn obige Auffafjung richtig ift (oder: „von
Aslaug“?).
1) Bal. Ragn. t. 90 f. und DGF (Nr. 33 A, Str. 12 f. u. f. w.).
269
ſcheinen wird, al3 wenn eine Schlange (ein Wurm)
ihm ums Auge läge Und wenn di in Er-
füllung geht, fo erbitte ih mir, daß du nicht nad)
Schweden fahreit, um König Eyſtein's Tochter zu
nehmen; wenn e3 jedoch nicht eintrifft, fo verfahr
darin, wie du willſt. Sch will aber, daß der
Knabe nach meinem Vater *) Heiße, wenn in feinem
Auge dieſes Ruhmesmal erfcheint, wie ich glaube,
daß gefchehen wird.“
Die Stunde ihrer Niederkunft *) kam; fie
ward entbunden, und gebar ||258) einen Snaben.
Da nahmen die Dienftfrauen den Knaben und zeigten
ihn ihr; fie gebot, Daß fie ihn zu Ragnar tragen
und ihm zeigen follten. So gefchah es: das junge
Männlein ward in die Halle getragen und auf
Ragnar's Mantelſchooß gelegt. Als er aber den
Knaben anblidte, fragte man ihn, wie er beißen
follte. ***) Er ſprach die Strophe:
2) Der durch Beftegung des Wurms Fafni feinen be⸗
rühmten Beinamen erhielt. (Vol. über Sigurd's
„Schlangenauge“ die abweichende Darſtellung bei Saxo,
446,3— 21.)
*) er hon kennir ser söttar.
*+*) Ueber diefe Vorgänge vgl. ———— Altn. Leb. S.
260. 262.
270
Sigurb Heike der Knabe,
Er wird Schlachten jchlagen,
Wird, wie feiner Mutter,
Auch) dem Vater gleichen. *)
Er wird Odin's Stammes **)
Stolg***) geheißen werden.
- Wurm im Auge trägt nur
Undern Wurmes (?) Tödter.
Da zog er einen Goldring von feiner Hand,
und gab.ihn dem Knaben als Namend-Feftigung. +)
Und als er die Hand mit dem Ringe außitredte,
[wandte fi der Knabe,“ und fo] berührte fie ihm
den Rüden; daS deutete Ragnar, als wenn er das
Gold gering achten FF) — da ſprach er die
Strophe:
„Brynhild's Slanımen-Blide 9.
Und ihr feljenfeftes
Herz Scheint ihrer Tochter
*) Wörtlih: „Gar gleich wird er der Mutter, und (doch)
des Vaters Sohn genannt werden“.
»**) Aus welchem Sigurd entiproffeen war. Vgl. oben
©. 8.
***) Genauer: „vornehmifter, DOrkEen altern:
7) Vgl. oben ©. 40***,
Tr) Genauer: „haſſen“; d. h. als freigiebiger Fürst unter
jeine Mannen vertheilen.
271
Hehrer Sohn zu haben. *)
Diefer Ringverüchter,
Frühreif wird er ragen || 259)
Als ein Held ob allen, |
Budle’3 Sproß, an Stärke.”
Und weiter ſprach er:
„Alfo feine Schlange **) 10.
Sah***) bei andern Knaben
Als allein bei Sigurd
Ich im Auge }) liegen.
Diefem Schwertesfchwinger ++)
Eigen ift die Schlange
Unter Augenliedern:
Reicht ift er dran kenntlich.“
*) So überſetzte v. d. Hagen mit Rafn. Richtiger ift
vielleicht folgende Ueberſetzung: „Brynhild's Tochter⸗
ſprößling Hat, ſo ſcheint's den Helden, Flammenaugen
und ein Treufeſt Herz, der edle.“ So auch Rafn's ſpätere
Ueberſetzung.
**) Wörtlich: „Kranichhalſes Beute“, d. h. eine (vom
Kranich gefreſſene) Schlange.
*®*) gâ ck... lagdha, jo Bugge Z. Zſchr. 7,403. Vielleicht
iſt aber sj& er („iſt zu ſehen“ ftatt sa ek „ſah ich“)
beizubehalten.
+) Eigentli: „in den Brauenfteinen“.
77) D. 5. „zulünftigen Helden“. Sch folge bier der Er-
Härung Egilsſon's, obwohl ich diejelbe nicht in allen
Stüden für richtig halte; denn eine beffere Erklärung
der ſchwierigen Stelle weiß ich nicht.
2712
Darauf gebot er den Knaben wieder Hinaus
in da8 Frauengemad) zu tragen. Da war es Denn
vorbei mit feiner Abſicht nad) Schweden zu fahren.
Und ward nun Aslaug's Abkunft offenkundig, fo
daß jedermann wußte, daß fie die Tochter Sigurd’s
des Fafnistödterd war und Brynhild’3, der Tochter
Budle's.
Neuntes Kapitel.
Als nun die Friſt, ſo für Ragnar's feſtlichen
Beſuch in Uppſala verabredet war, verſtrichen,
und er nicht kam, ſchien es dem Könige Eyſtein
eine Befchimpfung für ihn und für feine Tochter,
und damit war die Freundfchaft der beiden Könige
zu Ende.
Da Eirek und Agnar, Ragnar's Söhne, dies
vernahmen, verabredeten fie unter fi, fie wollten
fih jo viel Mannfchaft verjchaffen, wie fie irgend
vermöchten, und damit eine Heerfahrt nach Schweden
thun. Sie brachten aud) ein großed Heer zuſammen,
und rüfteten ihre Schiffe aus. Man bielt e8 aber
[allgemein] für fehr bedeutung3voll, daß es glüd-
ih von ftatten ginge, wenn die Schiffe ind Meer
geſchoben werden follten. Da geſchah es, daß ||260),
273
als Agnar's Schiff von den Rollen *) [ind Meer]
ſchoß, ein Mann darunter gerieth und den Tod
fand; und das nannte man Nollenröthung. Das
däuchte ihnen fein guter Anfang, doch wollten fie
darum ihre Yahrt nicht aufgeben. **)
AS num ihr Heer bereit war, fuhren He da⸗
mit nach Schweden. Und ſobald fie in König Ey-
ftein’3 Reich kamen, zogen fie mit dem Heerfchilde***)
darüber hin.
Die Bewohner des Lande aber nahmen das
wahr; fie zogen gen Uppfala und fagten den: König
Eyitein, Daß. ein Heer in? Land ‚eingefallen wäre.
Der König ließ alsbald mit dem SHeerpfeil+) ein
Aufgebot FF) durch jein Reich ergehn FF), |und z0g
*) Auf welchen die Schiffe vom Lande ind Meer gerollt
wurden.
**) Eigentlich: „Liegen fie da3 nicht ihrer Fahrt im Wege
ſtehn“.
***) D. h. „feindlich‘“ (= ©. 290*. 296**). Der als Krieg⸗
zeichen erhobene Schild (auch zu Schiffe am Maft-
baum) wer rotb, vgl. oben ©. 45? und dazu H. H. I,
Str. 34.
T) Wodurch die-ftreitbaren Männer zum Kriegsdienft auf-
geboten wurden (vgl. Grimm, Rechtsalt. S. 162).
tr) Eigentlich: „ein Pfeilaufgebot”.
++} Vom Abſatz ab bis hierher = S. 290**, 291 *. 308**,
321°. u. ſ. w.
18
aan
ein jo großes Heer zufammen, daß es eritaunlich
war. ! Died Heer führte er in einen Wald und
ſchlug dort fein Lager auf. Er hatte da auch die Kuh
©ibilja bei fi), und viel Opfer waren ihr gebradt
worden, ehe fie mitziehn wollte. *) Als fie num
im Walde waren, ſprach König Eyſtein aljo: „Ich
habe vernommen (jagte er), daß Ragnar’3 Söhne auf
dem Felde vor dem Walde find; aber es ijt mir
für wahr gejagt worden, daß fie im Vergleich mit
und nicht ein Drittel Heeres haben. Nun wollen
wir unfere Schaaren zur. Schladht aufjtellen, und
ein Drittel unſeres Heeres joll ihnen entgegen ziehn.
Sene find jo ftreitbar, daß fie mähnen werden, die
Gewalt über ung in Händen zu haben: aber alöbald
wollen wir mit der ganzen Macht über fie her—
fallen, und joll die Kuh dem Heere voranlaufen,
und vor ihrem Gebrülle, meine ich, werden fie nicht
Stand halten.“ Und aljo geſchah es.
Sobald die Brüder König Eyftein’3 Heer ſahen,
wähnten fie, e8 mit feiner Mebermacht zu thun zu
haben, und dachten nicht, |261) daß das Heer noch
größer wäre. Uber gleich darauf fam das ganze
Heer aus dem Walde hervor, und die Kuh war
*) Vgl. oben S. 263 ***.
1) Bal. Rsth. 348,1.
losgelaſſen und fprang vor Dem Heere daher und brüllte
fühterid. Da überkam ſolche Aufregung *) Die
Heermannen, fo e8 ‚hörten, daß fie auf einander los⸗
ſchlugen **), nur die beiden Brüder biieben ftand-
daft. Sie aber, daS arge Ungethüm, tödtete den Tag
mit ihren Hörnern manchen Mann; und objehon Die
Söhne Ragnar’d gewaltige Männer waren, fo | ver-
mochten fie doch nicht zugleich der Uebermacht der
Menge ! und der Bauberfraft ***) zu wideritehn.
Sie leifteten aber tapfern Widerftand und wehrten
ſich Fühnlih und mannhaft und gar rühmlidh. Eirek
und Agnar waren den Tag vorn in der Schladhtreihe,
und oft drangen fie durch die Reihen König Ey-
ſtein's. Da fiel Agnar. Eiref ſah es und focht
nun - auf3 allertapferfte, und fümmerte id nit
darum, ob er von dannen käme oder nit. Da
ward er von der Uebermacht bewältigt und gefangen
genommen. 7) ? 2
*) ? gnyr.
**) Bol. oben ©. 264**, unten ©. 292 ***,
***) Eigentlich dem Opferdienit, d. 5. der durch Opfer be-
wirkten Zauberfraft.
T)3. 10 ff: Diefe Schilderung erinnert in ihren ein
zelnen Wendungen ftarf an ähnliche der Volſungaſaga,
3. B. ©. 213, 194 f., 219% u. ſ. w.
1) Bgl. Rath. 348,4. — 2) Ganz furz in Rsth. 348,6. ä
18
276
Da gebot König Eyfteig dem Kampfe Einhalt
zu thun, und bot Eiref Schonung: „und überdies
(jagte er) will id) dir meine Tochter geben.“ *)! Eirel
- antwortete, und ſprach die Strophe:
Bil nicht? von Bruderbuße, 11.
Die du bieteft, hören,
Noch von Brautlauf **): Eyſtein
Nennt man Agnar's Mörder.
Nicht weint um mich die Mutter. ***)
Zu oberjt }) auf dem Schlachtfeld
Sterben will ih: laßt denn
Geere mich durchbohren. * || 262)
Dann fagte er, er mwünfchte, daß die Männer,
die ihm gefolgt wären, Sicherheit erhielten und
führen, wohin fie wollten. |.Sch aber will, daß man
möglichjt viele Spieße nehme und in die Erde ftoße.
Da Hinauf will ich mich heben lafjen und da das Leben
*) „um Die er. früher gebeten Hatte“, -fügt der Rath.
hinzu.
**) Wörtlih: „Noch eine Maid um Ringe faufen”. Der
Brautfchag (f. oben S. 63**) ift gemeint.
+++) Thora, feine Mutter, war jchon todt; |. oben ©. 248.
+) Nämlich auf den Speerjpiben.
1) Ausführlier in Rath. 348,6—10 (vgl. Saro 456,14--17, wo das-
ſelbe von Witſerk berichtet wird, der fi} ebenfalls feine Todesart
felbft wählt: 456,20 ff.). — 2) = Ebd. 348,18—26. Der beffere
Zert der Strophe dort ift bier zu Grunde gelegt.
277
N
laſſen.“ Da ſprach König Eyitein, es follte gefchehen,
“wie er bäte!, obſchon er das ermwählte, was für
fie beide das jchlimmere wäre.
Da wurden die Spieße nieder (in die Erde)
geftoßen, Eirek aber ſprach die Strophe:
„Nie wird, möcht’ ich glauben *), 12.
Eines Königs Erbe
Auf ruhmvollerm Lager
Sterben, ein Mahl dem Naben.
Bald wird auch ob meinem
Blut der Schlachtenvogel
[Laut], der ſchwarze, Frächzen,
Lohnt er mir gleich übel.“ **)
Hierauf ging er dahin, wo die Spieke auf:
gerichtet ftanden ***), zog einen Ring von feiner
Hand, warf ihn denen zu, die ihm gefolgt waren
und nun Frieden erhalten hatten, und fandte fie an
Aslaug, indem er die Strophe ſprach:
„Meldet auf jchnellitem F) Wege 13.
Aslaug — meine Mannen
*) Eigentlih: „ſoweit ic) Beifpiele (ähnliche Fälle) dafür
weiß”, vgl. oben ©. 124*. 204*; unten Kapitel 20,
Abi. 1.
+) Bol. unten Str. 14,7 f.
+++) Eigentlich: „nieder (in die Erde) geſtoßen waren“.
-F) Genauer: „höchſtem“, nämlid auf dem fürzeren Wege
durchs Hochland ſtatt des längeren am Strande entlang.
1) Bgl. Rsth. 348,14 — 17.
278
Selen *) — die Schlante folle
Meine Ringe haben.
Zraurig wird dann, wenn fie
Meinen Tod erfahren, || 263)
Meine Stiefmutter ihren
Söhnen zumeift zureden. **) '
| Nunmehr ward er auf die Spieße gehoben. ?
Da fah er einen Raben fliegen und ſprach ferner:
„Hier krächzt ſchon der Rabe 14.
Hoch ob meinem Haupte;
Meine Augenſterne
Heiſcht der Wundengeier: ***)
Hackt der Rabe mir die
Augen aus dem Kopfe,
Lohnt der Wundenvogel
Schlecht manch' reiche Spende. f)
| So: ließ er fein Leben mit großer Stand-
haftigkeit. 44) ?
*) Rsth. lieſt vieleicht richtiger: „vorbei iſt's mit den Oft⸗
fahrten“.
**) Die Ueberſetzung iſt unſicher. Die Stelle ſcheint ver⸗
derbt überliefert. an) ift wohl die folgende Auf-
reizung zur Rache.
***) Wundengeier — Rabe.
+) Vgl. Str. 12,8.
++) = oben ©. 200 *; unten ©. 3130.
1) Die Strophe = Rath. 348,28—349,6. — 2) = Rsth. 9,7 |. —
8) vgl. Rath. 349,8 f.
279
Seine Boten aber zogen heim und hielten
nicht eher an, als bis fie dorthin kamen *), wo
Ragnar feinen Siß hatte Er war aber damals zu
einer Königsverfammlung gefahren. Auch waren
Ragnar’3 Söhne von der Heerfahrt **) noch nicht
heimgekommen.
Die Boten blieben dort drei Nächte, bevor ſie
vor Aslaug gingen. Als ſie nun vor Aslaug's Hoch—
ſitz kamen, grüßten ſie ſie ehrerbietig, und ſie nahm
ihren Gruß entgegen. Ein linnenes Tuch hatte ſie
über den Schooß gedeckt: ſie war im Begriffe ſich
zu kämmen und hatte ihr Haar aufgelöſt. Da fragte
fie, wer fie wären; denn fie Hatte fie zuvor nie
gefehen. Der unter ihnen da8 Wort führte, fagte,
fie wären Eirek's und Agnar's, der Söhne Nag-
nar's, SHeermannen geweſen. Da ſprach fie Die
Strophe: || 264) |
„Was jagt ihr — iſt euer 15.
Heer im Schwedenlande (?) ***)
*) Eine in Thidr. s. (aber aud) ſonſt) häufige Wendung
(ſ. Germ. 25, 162).
**) Bon der das ſiebente Kapitel Handelt, auf welcher
Rognvald fiel, ſ. S. 281.
**x*) Die Stelle ift gewiß jchlecht überliefert. Ach vermuthe
(an Stelle einer beſſern Erflärung):... er ydharr | herr
i Svia landi.
280
Oder $onftwo draußen? —
(Für) neue Rönigsfunde? *)
Nordwärts fuhren, Hört’ ich,
Die Dänenbelden, es färbte
Blut der Schiffe Rollen **),
Fürder hört’ ich nichts mehr.“
Jener entgegnete die Strophe:
„Schmerzlich ift’3: wir künden 16.
Deiner Söhne Tod dir. ***)
Alter hat dad Scidjal
Verſagt den Söhnen Thora’2. f)
Andere ſchlimme Kunde
Weiß ich nicht, die neuer.
Bollführt Hab’ ich die Botſchaft:
Der Aar flog ob der Leiche.” T})
Sie fragte nun, wie daß ergangen wäre; umd
da ſprach (wiederholte) der Bote die Strophe, welde
Eirek gefprochen Hatte, als er ihr den Wing fandte.
Da ſahen fie, daß fie Thränen vergoß; die aber
*) D. 5. „Was für neue Kunde von den Königen (meine
Söhnen) bringt ihr mir?” ©. d. Nadıtr.
**) Wörtlih: „fie hatten Rollenröthung” ; |. oben ©. 273*.
***) Sch leſe: that er naudh, sona daudha.
T) Die Ueberfeßung von Berd 3 und 4 ift unficher: die
Ueberlieferung fcheint verderbt; f. d. Nachtr.
rr) Eirek's nämlich, vgl. Str. 14, zum letzten Verſe vgl.
Str. 29,8 (S. 315). — Vers 7: fögrum] 1. sögnum.
281
waren wie Blut anzujehen und Hart mie Hagel-
törner; niemand hatte fie weinen gefehen, zuvor nicht
noch auch hernach. Dann fagte fie, fie könnte nicht
eher die Rache unternehmen, al3 bis entweder Ragnar
oder jeine Söhne heim kämen. „hr jollt aber fo
lange bier bleiben; und ich will nicht unterlaffen,
zur Rache aufzufordern, glei) als wenn jene meine
[leiblichen] Söhne [gewejen] wären.“
So blieben fie dort; e3 fügte fi) aber, daß
Spar mit feinen Brüdern | 265) früher heim kam
als Ragnar. Und kaum waren fie angelangt, jo*
begab ſich Aslaug zu ihren Söhnen !; Gigurd
aber war damald drei (?!) Winter alt; er ging
mit feiner Mutter.
Als fie nun in die Halle trat, die den Brüdern
- gehörte, ward ſie wohl empfangen. Sie befragten
einander, was ſich ereignet habe, und jene er-
zählten ihr zuerſt den Fall Rognvald's, ihres
Sohnes, und was ſich dabei zugetragen hatte. Aber -
das machte auf fie feinen großen Eindrud. Sie
ſprach:
*) Wörtlich: „Richt lange waren fie daheim, bevor...“
Vgl. oben ©. 266**, wo diefelbe Wendung etwas anders
wiedergegeben ift.
1) = Rath. 849,10.
282
„Lange ließen meine 11.
Söhne auf Meer *) mich ftarren **):
Wenig häuslich ***) weilt ihr
Draußen [allzu lange })).
Rognvald hat geröthet
Den Schild im Meännerblute,
Kam ſtreitkühn zu Odin Fr)
Als meiner Söhne jüngjter.“ .
Sch ſehe nicht (fügte fie Hinzu), daß er zu
größerem Ruhm hätte leben können.“ +7)
Hierauf fragten jene, | wa8 fie Neued zu er-
zählen hätte. Sie antwortete *}): „Den Fall Eirek's
und Agnar’3?, eurer Brüder und meiner Gtief
jöhne, der Männer, welche meines Erachtens die
*) Eigentlih: „WMövenfeld‘.
*) Sehnfüihtig der Söhne wartend.
*++) ? hüsgafls (?) medhalfeerir.
f) Etwas derartiges ift ftatt de3 entftellten heim af zu er⸗
“ warten.
tf) ©. oben ©. 10 **.
rrr) D. 9. „daß, wenn er am Leben geblieben wäre, er
größeren Ruhm hätte erlangen können“.
*+) Die ganze Art, wie Aslaug ihre Söhne, die zuerft ſich
weigern, zur Rache ihrer Stiefbrüder aufreizt, erinnert
jehr an Gudrun's Aufreizung ihrer Söhne, Svanhil,
deren Stiefſchweſter, zu rächen (oben ©. 213 f.).
1) gl. Rath, 848,11.
|
|
283
tapferften Helden geweſen find. | Und es ift felbft-
verftändlich, daß ihr ſolches nicht duldet fondern es
furchtbar rächt. Und das erbitte ich von euch, und
biete euch alle meine Hülfe dazu*, daß Dies
[eher] zu ſehr als zu wenig gerocdhen werde.” I Da
jagte Spar: „Fürwahr, ich ziehe nimmer nad)
Schweden 266), um gegen König Eyſtein und den
Opferzauber dort zu’ kämpfen.“ Sie drang heftig
in fie; Spar aber führte das Wort für ſie und
verjagte beharrlich die Fahrt. Da ſprach ſie Die
Strophe:
„Ihr, ihr wäret nimmer 18.
- Range ungerodhen,
Ein Halbjahr [nur], wäret
Ihr zuvor gefallen —
Unverhoblen fag’ ich's —
Wenn am Leben wären
Eiref fo wie Agnar,
Die nicht ich geboren.“ ?
Spar erwiderte: „Sch zweifle, daß **) es etwas
hilft, wenn du auch eine Strophe nad) der andern
— ——
*) Wörtlich: „ih will in aller Hülfe mit euch fein“.
**) Eigentlich: „ES iſt ungemwiß, ob...“
1) Bal. die ähnlide Ecene bei Saro 457,10—20: Aslogha beftimmt
Reaner, Witſerk's Tod zu rächen. — 2) Die Etrophe — Rath.
849,13— 21.
284
ſprichſt. Weißt du denn recht, was für ein jtarfes
Hemmniß *) dort im Wege it? „Sch weiß es
nicht gewiß (antwortete fie); „kannſt du denn fagen,
welche Schwierigkeiten e8 dort giebt?“ Spar Sagte
[darauf], dort fei ein jo gewaltiger Opferdienft, daß
man nirgend von feineögleichen vernommen habe **);
„und der König iſt ebenfo mächtig mie boshaft.“
„Was ift es, worauf er bei feinem Opferdienſt
am, meiften vertraut?" Er antwortete: „Das ift
eine große Ruh, die Sibilja genannt wird;- bie
iſt [dur Zauberei] fo ftarf gemacht, daß, fobald
man ihr Gebrüll Hört, feiner von feinen Yeinden
hat Stand halten können ***); und es iſt kaum, als
wenn. man allein mit Männern zu Tämpfen hätte;
vielmehr muß man glauben, daß man eher dem
Bauber zu begegnen habe al3 dem König, und dem
will ich weder mich ausfeßen |267) noch mein Heer.”
[Sie erwiderte:] „Du magſt bedenfen, daß du nicht
zugleich der gewaltigifte Mann heißen kannſt und
Doch nichtd dazu thun.” F)
Da fie aber glaubte, daß ihr Bemühen vergeblich
*) fastgardhr.
“r) Bol. oben S. 263 **.
***) Bol. oben ©. 263 7.
PD. 9 dab du den Namen des gewaltigiten Mannes
durch Heldenthaten verdienen mußt.
280
wäre, wollte fie wieder hinweggehn, [weil] jene auf
ihre Worte nicht fonderlich zu achten ſchienen. Da
ipra Sigurd Schlangenauge *): „Mutter, ich will
dir jagen (ſprach er), was ich im Sinne habe, doch
nicht8 vermag ich über Die Antworten jener.“ **)
„Laß e8 mich hören,“ ſagte fie. Da ſprach er die‘
Strophe:
„In drei Nächten foll die 19.
Ylotte fertig liegen
— Lange Fahrt wir haben —
Haft du Kummer, Mutter:
Nicht fol König Eyftein,
Helfen una die Difen***),
Mag viel Gut er bieten,
Zu Uppfala berrfchen.“ ’
Und als er die Strophe gefprochen hatte, da
änderten die Brüder etwas ihren Sinn. A3laug
aber ſprach: „Du giebjt mir wohl zu erfennen,
mein Sohn, daß du meinen Willen thun willit:
jedoch kann ich nicht abjehen, Daß wir dies zu Wege
*) ormr i augu, d. h. eigentlich „Schlange im Auge“, |.
oben ©. 269”.
=),D, h. „ich kann nicht auf den Entſchluß meiner Brüder
einwirken‘ (über jie verfügen).
er) S. oben ©. 56**. 186%,
1) Die Strophe = Rath. 349,22—850,2.
286
zu bringen vermöchten, wenn wir nicht den Bei—
ftand deiner Brüder Haben. Der aber fönnte jo
ausfallen, daß ich aufs befte damit zufrieden fein
könnte. Wohl gefällt mir dein Benehmen, mein
Sohn.“
| Da ſprach Bjorm die Strophe:
„Herz und Muth dem Manne 20.
Werden jich bewähren
In adlerfühner Bruft, ſpricht
Er gleich davon wenig. || 268)
Uns [zwar] fteht die Schlange
Glänzend *) nit im Auge;
[Doch] erfreuten mich die Brüder:
Deiner Stiefſöhne gedenk' ich.“ **)!
Und nım ſprach Hvitſerk Diefe Strophe:
„Sinnen wir, eh’ wir geloben, 21.
Daß die Rache ausführbar werde. ***)
Laßt ung mandyes Unheil
*, Eigentlich: „ein Wurm noc glänzende Schlangen”.
**) D. h. „I Doch] meine [gefallenen Stief=] Brüder waren
freundlich gegen mich: ich gedenke ihrer”.
***) So nach dem beſſern Tert in Rsth. Gemeint ift wohl:
„wir wollen zunächit darauf denfen, daß wir unien
Schiffe Ioseifen und fo den Rachezug überhaupt ent
möglich machen“.
1) Die Strophe — Resth. 350,3—11.
287
Agnar’3 Mörder anthıun.
„Schiebt ind Meer die Schiffe,
Haut das Ei! vorm Schnabel;
Shaun wir, wie die Schiffe
\ Wir am fchnellften rüsten.“ !
Hvitſerk jagte aber deshalb, daß man das Eis
aufhauen follte, weil ftarfer Froſt war und ihre
Schiffe eingefroren waren.
Hierauf nahm Ivar das Wort und fagte, e8-
wäre nun dahin gefommen, daß er aud) Theil daran
zu nehmen gedäcte, | und ſprach dann die Strophe:
„Hohen Muth und Kühnheit 22.
Laßt ung jebo haben;
Dazu wird und große
Standbaftigkeit *) nöthig.
Mich beinlofen **) follt ihr
Tragen vor den Männern:
[Eine] Hand zur Rache hab ich ***),
Brauch ich [fonft] auch feine.” *]]269)
„And fo Steht die Sache nun (ſagte Ivar), daß
‚ wir allen möglichen Fleiß anzumenden Haben, unfere
Schiffe auszurüften und Mannfchaft zufammenzubrin-
*)thra (Rsth., jtatt thar unjeres Textes).
*)D, h. „knochenloſen“, ſ. oben ©. 257.
*#*) So nad) Rsth.
1) = Rsth. 850,12—2%0. — 2) — Ebd. 350,21—29.
288
gen; denn wir werden es nöthig — nichts zu
ſparen, wenn der Sieg unſer fein foll.“
Hierauf ging Aslaug hinweg.
. Behntes Kapitel. ı
Sigurd hatte einen Pflegevater gehabt *), der
übernahm ed für ihn, ſowohl Schiffe auszurüften
al auch Mannſchaft dazu zu werben, fo daß fie
- alle bemannt wären. Und e3 ging fo fchleunig das
mit, daß die Slotte, welche Sigurd auszurüſten hatte,
nad) Verlauf von drei Nächten fertig war; er hatte
fünf Schiffe, und alle wohlgerüfte. Und nach Ver—⸗
lauf von fünf Nächten hatten Hvitſerk und Born
vierzehn Schiffe gerüftet, Ivar aber zehn Schiffe
(und ABlaug weitere zehn **) nad) Verlauf von
*) Königsfühne wurden oft außerhalb des Hofes von an⸗
gefehenen Dienftmannen des Vaters aufgezogen (Wein-
hold, Altn. Leb. ©. 285 f.).
**) Iſt mohl ein Zuſatz, da gleich nachher die Söhne fie
° nicht auf ihrer Flotte mitfahren laffen wollen, worauf
-fie mit einem Landheer auszuziehn beichliekt. Das hätte
feinen Sinn, wenn ihr jelbft gehn Schiffe zur Verfügung
itanden. ”
1) Der Inhalt dieſes Kapitels ift ganz kurz wiedergegeben in Reth,
351,18.
289
fieben Nächten feit der Zeit, daß fie miternander
geredet und die Heerfahrt gelobt Hatten.
Seo kamen fie alle zufammen, und fagte einer
dem andern, eine wie große Flotte er aufgebracht
hätte. Hierauf fagte Spar, daß er eine Ritterjchaar
auf dem Landivege entfandt habe. Da ſprach As⸗
laug: „Wenn id) gewußt Hätte, Daß ein Seer,
welches zu Lande zöge, in Gang gebracht werden *)
könnte, hätte ich [auch] ein großes Heer fenden Fün-
nen.” „Wir dürfen und nun nicht [mehr] damit aufs
halten (jagte Spar): mit dem Heere, welches wir
zujammengebradht haben, müfjen wir nun die Yahrt
unternehmen.” Da jagte Aslaug, fie wollte mit
ihnen fahren: „fo weiß ich dann am beiten, wie
viel Fleiß darauf verwendet wird, die Brüder zu
rächen.” „Gewiß iſt,“ ſagte Spar, „daß du nicht
auf unfere Schiffe kömmſt: [aber] daS ſoll gejchehen,
wenn du es willit, daß du das Heer anführeit,
welches den Landweg zieht." Sie willigte ein. Da
nahm fie einen andern Namen an 270) und ward
nun Randalin**), genannt.
*)til gangs komast. Vielleicht ift aber gagns zu leſen
(„zu Nutze fommen könnte”). Der Sinn ift jedenfalls:
„daB es möglich wäre, mit einem Heer auf dem Yand-
wege (mit einem Landheer) zum Biel zu gelangen“.
**) Diefer Name, zufammengefegt mit rönd = Schild, ſoll
19
290
Beide Heere machten fi nun auf ben Weg,
und hatte Spar beitimmt, wo fie fich treffen jolkten.
Shre Fahrt ging beiderfeit3 glücklich von ftatten, und
fie trafen fi) an dem verabredeten Orte. Sobald
fie nach Schweden ind Reich König Eyſtein's Tamen,
zogen fie mit dem SHeerichilde darüber hin *), fo
daß fie alles verbrannten, was ihnen vorfam, und
fein Menſchenkind am Leben ließen; ja fie trieben es
jo weit, daß fie alles tödteten, was lebendig war.
Elftes Kapitel.
Da gejhah es einmal, daß Leute zu König
Eyitein entfamen und ihm fagten, wie ein großes
Heer in jein Reich eingefallen wäre **) und fo übel
darin hauſte ***), daß fie nichts verjchonten }) umd
auf ihrem Wege alles verwüftet hätten, jo daß fein
Haus mehr jtände.
Als König Eyſtein diefe Kunde hörte, vermuthete
er wohl, wer diefe Vikinge wären: er ließ al3bald
fie, die wie eine Walkyrje (f. oben S. 46***) in den
Kampf zieht, als Schildmaid, Wallkyrje bezeichnen.
*) Wie oben ©. 273***,
**) Wie oben ©. 273, 8. 12.
»**) ok sv& illr vidhskiptis.
p)? letu eigi (ecki?) ögert.
291
mit dem Seerpfeil ein Aufgebot durch fein ganzes
Reich ergefu*) und berief alle feine Mannen,
welche ihm Beiftand leiften wollten, und die [nur
irgend] einen Schild tragen könnten. *)ı „Wir wollen
ſprach er] die Kuh Sibilja, unfere Gottheit, mit
and nehmen, und fie dem Heere voranſpringen laffen;
fo meine ih, wird ed wieder ergehn wie zuvor,
daß jene vor ihrem Gehrälle nicht Stand halten.
Sch will alle meine Leute dazu ermahnen, daß fie
fi aufs beite bewähren, und ſſo] wollen wir bie
große und verderbliche Heer von und vertreiben.“
So geſchah ed: Sibilja murde losgelaſſen. var
fah fie laufen und hörte das grimmige Gebrüfl, das
fie |271) außftieß; er rief, daß das ganze Heer
lauten Lärm mit Waffen und Kriegdgejchrei erheben
follte, damit fie jo wenig al3 möglich ihr, des auf
fie losſtürzenden Unthierd, Gebrüll hörten, (Zu—
gleich] ſagte Ivar zu ſeinen Trägern, daß ſie ihn
. [der Kuh] entgegen tragen ſollten, fo weit fie ver-
möchten: „und wenn die Kuh zu uns heranfommt,
jo mwerft mich auf fie; jo wird eind von beiden ge-
*) Wie oben S. 273 +7, unten ©. 308 **,
**) Vgl. S.308***. Aehnliche Wendungen finden fich häufig
in Thidr. s.,. vgl. Germ. 25, 163.
1) Bgl. Rsth. 861,8—10.
19*
292
jhehn: entweder ich nerliere das Leben, oder fie
muß fterben. Ihr ſollt nun einen ftarten Baum
nehmen und zu einem Bogen zurechtichneiden und
zugleich zu Geſchoſſen“ Und e8 ward ihm der
ftarfe Bogen und die mächtigen Gefchoffe gebracht *),
die er hatte machen laſſen, und die feinem andern
als Waffe handrecht ſchienen.*) Hierauf ermunterte
Ivar männiglich ſich aufs beſte zu bewähren.
Nun zog ihr Heer mit großer Kampfwuth und
Lärm [vorwärts], Ivar aber ward ihren Schaaren
borangetragen. Als [aber] Sibilja anhub zu brüllen,
ward ein jo großes Getöfe, daß fie e8 eben fo laut
hörten, als wenn fie [jelber] gejchiwiegen oder ftill-
geftanden hätten. Und das Hatte eine folche Wirkung
auf fie, daß daS ganze Heer fi) unter einander
fchlagen wollte, audgenommen die Brüder. **) AL
dies Unerhörte geſchah, ſahen diejenigen, die Ivar
trugen, daß er ſeinen Bogen ſo leicht ſpannte, als
wenn es ein geſchmeidiger Ulmenzweig }) wäre, und
jo jchien es ihnen, als zöge er feine Pfeile über
*) Bgl. oben ©. 261 **.
**) Vgl. oben S. 239***,
***) Bol, oben S. 264**. 275**,
+) Woraus die Bogen gemacht zu werden pflegten; daher
almr = „Ulme“ und = „Bogen“.
293
die Spite hinaus *), [zurüd]: dann hörten fie die
Sehne fo laut erklingen, wie fie nimmer zuvor
gehört hatten, und fahen nun feine Pfeile jo fchnell
dahin fliegen, al3 wenn er mit .der ſtärkſten Arm-
bruft geichoffen hätte; und Die Pfeile trafen fo
gut**), daß jeder der Kuh Sibilja in ein Auge
fuhr. Da kam fie zu Fall 272). Darnad) aber
ftürzte fie mit vorübergebeugtem Kopfe einher ***),
und brüllte nun noch viel fürchterlicher als zuvor.
Und als fie zu ihnen herankam, gebot Spar ihn auf
fie zu werfen. Da ward er ihnen fo leicht, al3 ob
fie ein Heine Kind würfen. (Sie waren nämlich der
Kuh nicht ganz nahe, als fie ihn warfen.) Er fiel
der Kuh auf den Rüden, und ward da fo jchiwer,
als ob ein Berg auf fie niederfiele: ihr brachen alle
Knochen, ımd Hatte fie. den Tod davon. Nun gebot
er den Leuten, ihn jchleunigit wieder aufzuheben; er
ward aufgehoben, und erſcholl nun feine Stimme fo
durchdringend, daß es allen Heermannen war, da er
ſprach, al3 wäre er ihnen ganz nahe, wenn fie auch
*) D. h. fo weit zurüd, daß felbit die Pfeiljpige hinter
dem Bogen (d. h. innerhalb: defielben) fich befand.
**) ok svä gegnt.
*+*) ferr hun höfudhsteypu kann bier ſchwerlich anders ver⸗
ftanden werden, da die Kuh nachher wirklich auf var
zuläuft, aljo wieder aufgeftanden fein muß.
294
weit entfernt waren, und alle ſchwiegen jogleich auf
jeinen Nuf*), und jo endete er feine Rede **,),
daß die ganze Feindſeligkeit ***) von ihnen ges
nommen ward, welche über fie gekommen war,
und fie feinen Schaden ‚nahmen, denn ihr Heer
hatte fich [exft] Kurze Zeit geſchlagen. Min ermahnte
fie Spar, daß fie jenen (den Feinden) jo übel wie
möglich neitjpielen ſollter: „umd feheint mir nun ber
wüthendſte [Gegner] aus dem Wege geräumt, indem
die Kuh getödtet iſt.“
Auf beiden Seiten hatte man nun Die Heere
geſchaart, und mit ihrem Zufammenftoß begann die
Schladt F); und war der Kampf fo Hart!, daß bie
Schweden alle geftanden, fie wären nimmer in fo
hartem Kanıpfe geweſen. Die Brüder Hvitſerk und
Biorn drangen jo gewaltig vor, daß keine Schaar
vor ihnen Stand halten konnte. Es fielen fo viele
von König Eyftein’3 Heere, daß mur der fleinere
Theil noch aufrecht ſtand; einige aber wandten ſich
*) Wörtlih: „das beite Stillſchweigen ward feinem An-
liegen gewährt“.
**) D. h. und das war ber Erfolg jeiner Rede.
er) Daß ſie nämlich in Yolge des Gebrülles der Kuh die
Waffen gegeneinander gelehrt hatten.
r) sigr saman orrostan.
1) = Rsth. 351,10 f.
295
zur Flucht. Die Schlacht endete damit, dag | König
Eyftein fiel, die Brüder aber den Sieg geivannen ’;
und fie gewährten denen, die übrig geblieben waren,
Schonung. 1273)
” Da fagte Ivar, er wollte nicht fürder in dieſem
Lande Krieg führen, weil daffelbe jebt ohne Ober-
haupt fei: „ich will lieber, daß wir dorthin ziehen,
wo mehr Uebermacht und entgegenfteht." Randalin
aber z0g mit einem Theile des Heeres heim.
Bwölftes Kapitel.
Nun beredeten fie unter einander, eine Heer:
fahrt ind Sitdreich *) zu thun; Sigurd Schlange-im-
Auge war aber fortan mit feinen Brüdern auf jeg-
fiher Heerfahrt. Auf diefem Zuge zogen fie vor
eine jede Velte, bie groß (bedeutend) war, und ers
oberten fie, fo daß nichts widerftand.
Da vernahmen fie von einer großen, volfreichen
und feften Stadt, und par erflärte, dorthin wolle
er ziehen. Auch ward gejagt, wie diefe Veſte hieß,
und wer darin herrſchte: diefer Häuptling hieß Vifit,
*) Das deutjch-römijche Reich ift gemeint.
1) = Rath. 351,11 f.
296
und nad feinem Namen war die Burg Vifildburg *)
benannt. Sie zogen nun fo mit dem SHeerfchilde
über [da8 Land] **), daß fie alle Burgen auf ihrem
Wege zerftörten, bis fie nach Vifilsburg famen. Der
Häuptling -war gerade nicht daheim in feiner Burg
und großes Gefolge mit ihm. ***)
Sie ſchlugen ihre Zelte auf dem Gefilde nahe
der Veſte auf, verhielten fich jedoh an dem Tage
ihrer Ankunft vor der Burg ruhig und begannen
Unterhandlungen mit den Burgmännern. Sie boten
ihnen die Wahl, ob fie die Veſte übergeben mollten:
dann jollte allen Männern Yriede gewährt werden ;
oder ob fie ihre Mebermacht und Tapferkeit verſuchen
wollten: dann aber mwiürde niemandem Pardon ges
geben werden.
Jene erflärten kurz umd bündig, daß fie Diele
Veite niemals |274) jo gewinnen Tönnten, Daß fte
(die Burgmannen) fie übergäben: „Und werdet ihr
*) „Wiflisburg (Avenches) liegt wenig öftli vom Neuf⸗
hateller See, nicht weit von Murten“, ſ. ©. Storm,
Ragnar Lodbrok u. j. w. ©. 110 J„Mitth. der Antig.
Gejellichaft zu Zürich, S. 1—24”]. Bgl. Nth. Kap. 8,
vorlegter Abjap.
**) Bol. oben ©. 273***, 290*,
***) D. h. war mit ihm ausgezogen.
297 »
euch zuvor verjuchen müſſen und und eure Kühnheit
und Kampfmuth ſehen laffen.“
Nun verging die Nacht, und am folgenden Tage
verjuchten fie die Veſte zu erobern, richteten aber
nicht? aus. Sie belagerten nun einen halben Monat
diefe Veſte, und verfuchten jeden Tag und mit man-
cherlei Liſten fie einzunehmen: aber es glüdte um fo
weniger, je länger fie e8 verfuchten; und fie gedachten
nun abzuziehen. Als aber die Burgleute dies merften,
da kamen fie heraus. auf die Burgmauern und be=
hängten rings umber die Mauern mit Toftbarem Zeuge
und all den fchönften Gewanden, jo in der Stadt
waren, und legten ihnen Gold zur Schau und Die
koſtbarften Meinodien, jo in der Stadt ſich fanden.
Darauf hub einer aus ihrer Schaar zu reden
an und ſprach: „Wir dachten, daß diefe Männer,
Ragnar's Söhne, und ihr Volk tapfer wären: aber
wir können [wohl] fagen, daß fie nicht mehr aus-
gerichtet haben ald andere Männer.“ Sodann er⸗
hoben fie ein Kriegögefchrei gegen fie, fchlugen auf
die Schilde und forderten fie heraus, fo viel fie
nur konnten.
Als Ivar dieſes hörte, erbojte es ihn fehr, und
er ward jo jehr Trank davon, daß er fein Glied *)
*) Wörtlich: „Mich] nirgends“.
| 298 _
rühren Tonnte; ımd fie mußten abwarten, bis es
entweder mit ihm befjer würde, oder er ftürbe Ex
lag den ganzen Tag bis zum Abend ohne ein Wort
zu ſprechen. Dann befahl er dei Leuten, die um
ihn waren, jenen Brüdern Born, Hoitferf und
Sigurd zu fagen, er winfchte 11275), daß fie ſammt
allen den weiſeſten Männern zu ihm kämen.
AR nun alle’ die vornehmſten Häuptlinge, jo
im Heere waren, verfammelt waren, befragte fie Spar,
ob fie irgend welchen Rath gefunden hätten, Der mit
größerer Wahricheinlichleit zum Siege führen würde,
al8 die früheren ‚[Berfuche. Die aber: antiuors
teten alle, fie vermöchten feine ſolche Lit zu er-
finnen *), die zum Siege führte: „ed ift jeht fo
wie oft, daß uns dein Rath wird zu Hülfe Tommen
müſſen.“
Da erwiderte Ivar: „Mir iſt ein Mittel in den
Sinn gekommen, welches wir bisher noch nicht ver⸗
ſucht haben; unweit von hier ſteht ein großer Wald,
und jetzt, da es Nacht wird, wollen wir heimlich
aus unſerm Lager nach dem Walde ziehen, unſere
Zelte aber ſollen ſtehn bleiben; und wenn wir in
den Wald kommen, fol jeder Mann ſich ein Holz
*) Genauer: „fie hätten nicht [ausreichenden] Berftand dazu,
... zu ſehen (finden)”.
299
bündel machen. Wenn die gejchehen ift, wollen wir
von allen Seiten an die Vefte heranziehen und das
Holz anzünden: das wird ein gewaltiger Brand
werden, und der Mörtel ihrer Burgmauern wird von
diefem Feuer ih Löfen*): alsdann wollen wir die
Burfmafchinen heranbringen und verjuchen, wie feft
fie (die Burg) noch iſt.“ j
Died ward ausgeführt. Sie zogen nad) dem
Walde und blieben da, jo lange es var für. gut
fand. Dann gingen fie nach feiner Anweiſung zu
der Veſte, und als fie das mächtig aufgehäufte
Holz **) anzündeten, entitand ein fo gewaltiger
Brand, daß die Mauern ihn nicht aushalten Tonn-
ten, und ihr Mörtel ſich löſte. Nun brachten die
Belagerer die Wurfmafchinen an die Burg und
legten mehrere Brefchen hinein, und begann dann dag
Handgemenge. Und weil nım der Kampf gleich
war, jo ***) fiel die Schaar der Burgmannen, einige
aber entjlohen. Der Streit endigte damit, daß fie
(die Sieger) jedes |276) Menfchenfind erjchlugen, To
in der Stadt war, alle® Gut [daraus] wegnahmen
*) Eigentlih: „ihre Burgmauern werden ihren Mörtel ver-
lieren“.
*®) vijdhinn inn mikla.
”) Wörtlich: „Und fobald fie gleih im Kampfe ftanden,
da...“
300
und die Veſte niederbrannten,. bevor fie hinweg⸗
zogen. *)
Dreizehntes Kapitel.
Sie zogen von damen fort, bis fie zu der Veſte
famen, die Luna **, hieß; fie hatten da faft im
ganzen Südreiche alle Veiten und Schlöſſer zerftört,
und waren nun in der ganzen Welt jo berühmt, daß
auch das kleinſte Kind ***) ihren Namen wußte. Da
‚gedachten fie nicht eher abzulafien, al3 bis fie Rom
erreicht hätten, weil ihnen fo viel von der Größe
und Volksmenge, der Pracht und dem Neichthum diefer
Stadt gejagt war. Doch wußten ſie nicht genau, wie
weit der Weg dahin wäre; fie hatten aber ein fo
großes Heer bei ſich, daß es ihnen an Lebensmitteln
mangelte. So weilten fie in der Stadt Luna und
beriethen fich über ihre Fahrt.
Da kam ein alter, freundlicher }) Mann dorthin;
*) Vgl. oben ©. 262°,
**) In Zoslana (nahe der Küſte), eine im Alterthum be⸗
fannte Stadt, vom isländischen Abt Nikolaus in jeiner
Reiſebeſchreibung erwähnt als „eine Tagereife vor
Lucca“.
**x*) Wörtlich: „daß es kein fo kleines Kind gab, das nicht...“
r) Eigentlich: „angenehm, einnehmend“: gedhsligr wie oben
©. 230, 8. 5 (Fas. 233,27); hier richtig ?
301
e
[den] fragten fie, wer er wäre. Er aber jagte, er
wäre ein Bettelmann und fei fein Leben lang durchs
Land gewandert. „So wirft du und mandherlei
Kunde davon geben können, was wir willen wollen?“
Der Alte antwortete: „Sch müßte nicht recht,
nach welchem Lande ihr mich jolltet fragen wollen,
von welchem ich euch nicht Beicheid zu geben wüßte.“ *)
„Wir verlangen von dir zu erfahren, wie lang der
Weg von bier nad) Rom ift.“ Er antwortete: „Ich
kann euch etwas zum Merkmal [dafür] angeben: ihr
tönnt bier dieſe Eifenfchuhe ſehen, welche ih an
meinen Füßen babe: fie find abgelaufen **); ferner
die andern, die ich Hier auf dem Rüden trage: fie
find nun auch verkhlifien; als ich aber von dort weg⸗
ging, band ich dieje verjchliffenen, die ich auf dem
Rüden trage, an meine Yüße, |277) und waren da
beide neu; und ſeitdem bin ich ſtets auf dem Wege
von dorther gewejen.“
Als der alte Mann jo geredet, jahen die Brü-
der ein, daß fie ihr Vorhaben, nad) Rom zu ziehen,
nicht ausführen könnten. Sie zogen aljo mit ihrem
*) Diefer alte, weitgewanderte und vielerfahrene Pilger er-
innert jehr an den Pilger (Warmund, Tragemund u. |. w.)
der etwa gleichzeitigen deutſchen Spielmannsdichtung, dem
„zweiundfiebzig Lande Fund‘ find.
*®) Eigentlich: „alt“.
= 302
Heere von dannen, umd eroberten viele Burgen,
welche nie zuvor waren eingenommen worden; und
davon fieht man heute noch die Wahrzeichen.
Bierzehntes Kapitel.
Mittlerweile *) ſaß Ragnar daheim in feinem
Reiche !, und wußte nicht, mo jeine Söhne waren,
noch auch Aslaug, feine Gattin. Er hörte aber alle -
feine Wannen ſagen, daß niemand ſich mit feinen
Söhnen mefjen könnte, und er erfannte, ihr Ruhm
hätte nicht jeinedgleichen. | Da überlegte er bei fidh,
was er [jelber] für einen Ruhm ſuchen könnte, der
nit minder dauernd wäre? Nachdem er jeinen
Entſchluß gefaßt hatte, fieß er Rauleute kommen und
ftarfe Bäume zu zwei großen Schiffen füllen. Und. das -
jah man, daß es zwei | Trandportichiffe **) ? waren,
—
*) Wörtlih: „Nun ift da wieder die Erzählung auf-
zunehmen, wo (dab) R... .”
**) knarrar, |pec. von Handelsſchiffen gebraucht im Gegen⸗
fag zu den Kriegsfchiffen (Langichiffen), waren ihrer
Form wegen befonder3 zum Transport (von Waaren
oder Kriegern) geeignet, Vgl. übrigens — Altn.
Leben 140.
1) Bgl. Rsth. 351,16 f. — 3) vgl. ebd. 851,17—19. — 3) vgl. Rath.
861,21 f.
303
jo groß, wie noch feine in den Nordlanden gebaut
worden. : Zugleich ließ er in feinem ganzen Weiche
viele Waffen bereiten.*) An diefen Wuftalten ſah
man, daß er eine Heerfahrt aus dem Lande vorhätte.
Daß Gerücht Hiervon erfcholl weit und breit in den
Nachbarländern, und die Leute und alle Könige diejer
Länder fürchteten, daß fie nicht in ihren Landen und
Reichen wilrden bleiben können; und ein jeder von
ihnen ließ alſo an feinen Grenzen Wache Halten, ob
1278) ex etwa landen würde. **)
Einmal fragte Rawdalin (Aslaug) Ragnar, was
für eine Geerfahrt er vorhätte. Er jagte ihr, er
wollte nad England, und zwar mit nicht mehr
als zwei (Transport-)Schiffen ! und der Mannfchaft,
welche fie fafjen könnten. ***) | Da erwiderte Randalin:
„Dieſe Fahrt, die du im Sinne haft, jcheint mir
unvorfichtig ?: mi dünkt, es wäre dir rathjamer,
mehr und Heinere Schiffe zu haben.“ „Das iſt
nichts Außerordentliches (verjeßte er), mit vielen
Schiffen ein Land zu erobern: davon aber giebt es
noch fein Beiſpiel, daß mit zwei Schiffen ein folches
*) Wörtlih: „große Waffenbereitung halten‘.
**) Bol. unten ©. 308*.
***) Wörtlich: „die auf ihnen fahren Könnten”.
1) = Rsth. 351,17. 21 f. — 2) vgl. Rath. 351,97 f.
304
Land wie England erobert worden wäre: und wenn
ich etiva befiegt werde, [fo iſt es] um fo befier, je
weniger Schiffe. ich mitgebracht habe.” | Da erwiderte
Randalin: „Die Ausrüftungstoften dieſer beiden Schiffe
fcheinen mir nicht geringer *), als wenn bu viele
Langſchiffe zu diefer Fahrt vermendetefl. Du weißt
aber, daß es fchwierig ift, in England zu landen !;
und wenn ed gefchehen follte, daß deine Schiffe unter-
gingen, die Mannfchaft aber and Land käme, dam
wäret ihr fofort verloren, falls ein Landheer heran-
zöge. Leichter aber iſt es mit Langſchiffen, als mit
Transportſchiffen Häfen anzulaufen.“ Hierauf ſprach
Ragnar die Strophe:
„De Rheine Raub **) nicht ſpare 3.
Der Held, wirbt er Heermannen,
Mehr ziemen Hugem Fürſten
Biel Helden als viel. Ringe.
Weh der Burg, wo Ringe
Mehr ala Kämpfer gelten. ***) ||279)
*) Wörtlih: „Mir jcheinen die Koſten nicht geringer, bevor
(bis daß) diefe Schiffe gerüftet find...”
**) D. h. Gold, weil der Nibelungenhort in den Rhein ver-
ſenkt ward, j. oben ©. 199°. (Ueber rauf — „Raub“
ſ. Bugge, Röksten., ©. 21 f.)
*#*) Genauer: „Schlimm ift e8, daB (wenn) in einer Burg
Gold (bauga lidh) [mehr] gilt, ald das [im Kampf) ge
1) = Rsth. 851,24—26.
305
Manchen König, weiß ich,
Ueberlebte fein Reichthum.” *)
Er ließ nun feine Schiffe rüften und ſammelte
Ah Mannſchaft, fo dab die Schiffe ſtark beſetzt
waren. Es ward nun viel über fein Vorhaben ge-
redet; da ſprach er wieder eine Strophe:
„Was ift das? Ach Höre 24.
Sturm (?) von... . rauschen
Me a re F
Feſtentſchloſſen dennoch
Will ich, wenn's die Götter
röthete Schwert” (brand raudhum; oder „als Schwert⸗
röther“, d. h. Kämpfer: brandrödhum?). Iſt fyr zu
ergänzen: [fyr] brand raudhum? oder jteht lidh fäljch-
li für ein Komparativadv. im Sinne von meirr?
*) Nach Gislaſon (Njala II. 1, ©. 18) wäre der Sinn:
fein Reichthum erhielt fi länger als jein Nachruhm.
**) Die Halbitrophe ift namentlich in ihren legten Werfen
fo entitellt überliefert, daß man nicht einmal den Sinn
erfennen kann. Nach der vorhergehnden Proſa jollte
man eine Beziehung auf die (doch wohl mißbilligenden)
Aeußerungen über feinen Plan vermuthen, etwa: „Was
höre ich für ein Gemurmel (wie einen Sturm) durd)
die Menge braufen, daß meine Yahrtgenoffen vor den
Gefahren meines Planes zurücbeben”?? Vgl. d. Nadtr.
20
306
Wollen, diefen PBfeilfturm *)
Unverzagt erwarten.”
Als die Schiffe und die Mannſchaft, welche ihn
begleiten follte, fertig waren und ſolch Wetter ward,
welches ihm günſtig fchien, jagte Ragnar, daß er
zu Schiffe gehn wollte Und als er gerüftet war,
begleitete jie (Aslaug) ihn zu den Schiffen, und be
vor fie ſich trennten, fagte fie, fie wollte ihm dad
Kleid vergelten, welches er ihr vormals gegeben
hätte. **)
Er fragte, welche Bewandtniß es damit hätte;
und fie fprad) die Strophe:
„Nimm ***) dies lange Hemde, 26.
Nirgend iſt's genähet,
Liebevoll gewoben
Aus Haarfadengarne. ||280) })
"Wunden dir nicht bluten,
Schwerter did nicht ſchneiden
-—_
*) D. h. „Kampf“. Eigentlich „Sturm des Armfeuer?
Egils“ (des Schützen).
**) S. oben ©. 252 f. Sie hatte es alſo doch genommen.
Fr) Wörtlich: „Dir gönn’ ich“.
>. h. aus Garn, defien Fäden aus Haaren gefponnen
find,
307
In dem heiligen Kleide *):
Solchen **) Göttern weiht ich's.
Er ſagte, auf dieſen Vorſchlag ***) wolle er
eingeht. Aber bei ihrem Scheiden fah man mohl,
daß ihr die Trennung ſehr zu Herzen ging.
Sünfzehntes Kapitel.
| Ragnar jteuerte mın mit feinen Schiffen nad)
England, wie ®r ſich vorgefebt hatte; er hatte
heftigen Wind, fo daß ihm feine beiden Schiffe an
der engliihen Küfte fcheiterten. Doch kam fein
ganze Heer and Land! mit allen Kleidern und
Waffen; ımd |alle Dörfer und Städte und Schlöfjer,
die er auf feinem Zuge antraf, nahm er ein. ?
Der König, der damal3 über England herrjchte,
hieß Ella.? Er Hatte ſſchon] Ragnar's Abfahrt aus
5
*) Ebenfo erhält Wolfdietrich bei feinem Auszuge von
feiner Mutter (in B, 349 von Sigminne) ein geweihtes
Seidenhemde, welches ihn vor jeder Art Waffen, Wafjer
und Feuer ſchützt (Wolfd. A, 28—30. 43035). Bl.
auch die Legende vom „ungenähten Rock“ Chriſti.
**) theim godhum „folchen Gottheiten“, die vor Verwun⸗
dung ſchützen können (?).
***) Nämlich, daß er das Hemd im Kampfe anlegen jolle.
1) = Rsth. 351,29—852,3. — 2) vgl. ebd. 351,3 f. — 3) = Ebd. 858,5 f.
20*
308
‘ feinem Lande vernommen, und hatte Männer auf-
geftellt, um es fofort zu erfahren, wenn das Heer
landete. *) Dieje | Männer kamen nun zu König
Ella und braten ihm die Kriegsbotichaft. ! Da
ließ er ein Aufgebot durch fein ganzes Reich er-
gehn **), und ließ jeden Mann aufbieten, der einen
Schild führen und ein Roß reiten fünnte und
Muth hätte zu jtreiten. ***) | Und brachte er ein fo
großes Heer zufammen, daß es eritaunlid war. Da
rüfteten fie fih zur Schladt, Ragnar und König
Ella.? König Ella ſprach fein Heer alſo an: „Wenn
wir in diefer Schlacht fiegen und ihr Ragnar’3 ge-
wahr werdet }), fo follt ihr nicht die Waffen gegen
ihn kehren, denn er hat ſolche Söhne daheim ++),
daß fie nimmer von und ablaſſen werden, wenn er
fällt.“
*) Bel. oben ©. 303**.
**) Wie oben S. 273177. 291*: faſt mörtliche Deberein⸗
ſtimmung.
“Bol, oben S. 291 *. 320** und ähnliche Wendungen
in der Thidr. s. (f. Germ. 25, 153), 3. B. I, 174; II,
221 f. 238. 243.
+) Eigentlih: „deſſen gewahr werdet, dab Ragnar ge:
fommen iſt“.
rr) Eigentlich „nach“, d. 5. „ihn würden ſolche Söhne über:
leben”.
1) 3gl. Rath. 352,6 f. — 2) Bgl. ebd. 352,7 f.
309
Ragnar rüftete fi nun [auch] zur Schladht; |
und 281) trug er da8 Hemde, welches Randalin ihm
Beim Scheiben gegeben hatte, anitatt des Panzers 1,
und hielt den Spieß in der Hand *), mit dem er den
Wurm, der um Thora’3 Saal lag, befiegt hatte, was
fein anderer gewagt hatte. Er trug feine anderen
Schutzwaffen al$ den Helm.
Sobald fie [beide Heere] an einander famen, |
begann die Schladht. *)? Ragnar Hatte ein viel
kleineres Heer. Die Schlacht Hatte noch nicht Lange
gedauert, als ſchon ein großer Theil von Ragnar's
Heer gefallen. war.? Wohin er aber felbit fam, da
war fein Widerftand: er drang den [ganzen] Tag
durch die Schaaren bin und zurüd*, und wo er
gegen Schilde, Harnifche oder Helme hieb oder ſtieß,
da waren jeine Hiebe jo gewaltig, daß nicht3 wider-
ftehn Zonnte. ***) | So viel aber auf ihn gehauen
oder geſchoſſen ward, jo konnte Doch feine +) Waffe
*) Bol. oben ©. 236, 3. 9 f. die ähnliche Schilderung.
**) Wie oben ©. 2947.
Bol. zu diefer Schilderung ähnliche Wendungen oben
©. 21°. 49°, 66, 3.11 ff. 80*** und +. 275, 8. 10—13.
+) Wörtlich: „aber niemals ward jo auf ihn gehauen... .,
daß eine...“
1) = Rath. 859,9—11. — 2) vgl. ebd. 352,9. — 3) — Ebd. 358,
11—13. — 4) = Ebd. 353,18 f.
310
ihm Schaden zufügen, und er empfing feine Wunde. !
Er erichlug eine große Menge von König Ella’3
Leuten: doch aber endete die Schlacht *) damit, daß
Ragnar's Manmen alle fielen, er felber aber mit
Schilden überdrängt **) | und fo gefangen ward. ?
Nun fragte man ihn, wer er wäre; er aber
ſchwieg darauf und antwortete nihtd. Da ſprach
König Ella: „Diefem Manne muß noch härter zu-
gejeßt werden, wenn er und nicht jagen will, wer
er ift ***); er ſoll in eine Schlangengruber) geworfen
werden und recht lange darin verbleiben. Wenn er
aber irgend etwas derartiges fagt, daß wir daraus
*) Gigentlih: „ihr [Ragnar’3 und Ella’3] Kampf“.
**) D. h. von allen Seiten durch vorgebaltene Schilde ein-
geichlofjen.
***) „Wer unter dem Anſcheine feindlicher Gefinnung nad)
Namen und Geichlecht gefragt wurde, dem gebot ritter-
liche Sitte, Antivort zu mweigern, damit es nicht ausſehe,
als wünſche er den Kampf zu vermeiden“ (Grimm,
HS 363). Mit dieſer Sitte, für welche die Thidr. =.
viele Beifpiele bietet, jcheint auch Ragnar's Weigerung,
fih zu nennen, zufammenzubängen, infofern er durch
die Nennung jid) von Tod und Qualen befreit Hätte.
7) Eigentlih: „Schlangenhof“. Die Situation Ragnar's
ijt offenbar der Gunnar’3 (oben ©. 199 f.) nachgebildet
(vgl. G. Storm, Ragn. Wodb., ©. 78).
1) Rsth. 352,15. — 2) = Ebd. 352,15 f.
311
verſtehn können, daß er Ragnar iſt, ſo ſoll er als⸗
bald wieder herausgezogen werden.“
Nun brachte man ihn dorthin, und er ſaß
ſehr lange dort, ohne daß die Schlangen ſich irgend-
wo an ihn gehängt hätten." Da fagten die Leute:
„Das iſt ein gewaltiger Mann: Leine Waffen ver:
jehrten ihn heute, und jeßo thun 282) ihm auch die
Schlangen feinen Schaden.” Da befahl König Ella,
ihm da8 Gewand abzuziehn, melches er zu oberſt trug.
Das geſchah, und [al3bald] hingen die Schlangen von
allen Seiten an ihm. ? Da ſprach Ragnarx „Die
Srifchlinge *) würden grunzen, wenn fie wüßten, was
der Alte leidet.” **) 3 Und obſchon er aljo jpradh,
wußten fie nichtödejtomeniger noch nicht, daß es
Ragnar wäre und nit ein andrer König, Da
ſprach er die Strophe:
„Ein und funfzig Schlachten 26.
Kämpfte ich, die zuhmvoll
Schienen: vielen Männern
Ward mein Schwert zum Schaden. ***)
*) D. h. die jungen Schweine (Eher).
++) Dieſe Worte fehren in Str. 27,1 f. wieder; vgl. dafelbft.
***) Wörtlich: „fügte ich Schaden zu“.
1) Bal. Rath. 352,16 f. — 2) = Ebd. 852,17—23 (meift wörtlich äber-
einftimmend). — 3) Ragnar’8 ganzen Feldzug und feinen Tod durch
die Schlangen faßt Saro 460,17—26 kurz zufammen ; |. zu Etr. 27,11.
—
—
Wähnte nicht, daß Schlangen
Mich ertödten würden.
Manchen trifft, was er am
Wenigſten erwartet.‘ 1
Und weiter ſprach er die Strophe:
. „Srunzen würden die Jungen, 27.
Wüßten des alten Ebers *)
Noth fie: Schlangen mid) ftechen,
Graben ein die Mäuler,
Ziſchen laut und Haben
Mein Blut ausgefogen.
°e Bald bin id) des Todes,
Sterb ich unter Nattern.“ **) * |1288)
*)D. h. die jungen Helden (meine Söhne) würden Rade
ſchnauben, wenn fie ihres Vater! (meine) Noth wüßten.
Auch ſonſt wird der Held mit einem Eber verglichen;
jo 3. B. oben ©. 159°; Thidr. s. II, 314. — Zu den
beiden Berjen vgl. aud) oben ©. 311**,
**) Wörtlih: „Ihieren nahe”. Aber Schlangen heißen fonjt
wohl nirgends dyr. Vielleicht dyrum von dyrr [nänl.
manni oder daudha, hettil: „wie ein Held“ oder
„ruhmvollen Todes" ? Vgl. Rafn, Kämpehistorier
(Ragn. s.), ©. 225.
1) Zu der Strophe vgl. Kräkumal Str. 28. — 2) Theilweiſe wörtlid
überfegt bei Saro 460,25 f.: Si sucule verris supplicium
scirent, haud dubio, irruptis haris afflictum absolvere prope-
rarent. Dem Sinne nad entipriht Kräkm. Str. 26; vgl. Wafı,
Krakas Maal, S. 73—74.
313
So ließ er fein Leben *) ! und [feine Leiche]
ward nun von dort fortgeholt. König Ella aber
war überzeugt, daß [ed] Ragırar Ban: der] fein
Leben gelafien habe. ?
Er überlegte nun bei fi, wie er dad aus—⸗
findig machen und wie er es anjtellen follte, daß
er fein Reich behaupten könnte, und wie er er-
fahren follte, welchen Eindrud die Nachricht auf
Ragnar's Söhne machte. Er faßte den Plan, ein
Schiff ausrüften zu Lafjen und den Befehl deſſelben
einem ebenſo Hugen als tapfern Manne zu übergeben.
Er gab ſoviel Mannfchaft dazu, daß es wohl be-
mannt war, und fagte, er wollte fie zu Ivar und
feinen Brüdern fenden und ihnen den Tod ihres
Baterd kund thun laſſen. Diefe Fahrt aber fchien
den Meiften gefährlich, fo daß wenige fahren wollten.
Da fagte der König: „Ihr ſollt genau darauf Acht
geben, welchen Eindrud diefe Nachricht auf einen
jeden der Brüder madt. Fahrt dann eure Weges,
wenn ihr günftigen Wind befommt.“ Er ließ ihre
Fahrt fo zurüften, daß es ihnen an nichts man
*) ‚mit großem SHeldenmilth“ fügt Rsth. Hinzu, wie es
wörtlich aud) ©. 200** von Gunnar’3 Tode beißt (vgl.
auch oben ©. 27877).
1) = Rsth. 352,22 f. — 2) vgl. Saro 461,14.
314
gelte*); fo fuhren fie ab, und ihre Reife ging
glücklich von ftatten.
Sechszehntes Kapitel.
Ragnar’3 Söhne fehrten, nachdem fie im Sübd-
reich **) geheert Hatten, wieder nach den Nordlanden,
und wollten heim in ihr Reich, über welches Ragnar
herrſchte. Sie wußten aber nichts von feiner Heer:
fahrt, wie e8 mit derfelben geworden, und waren
doch jehr begierig zu erfahren, wie es ergangen wäre.
Sie zogen nun von Süden her durchs Land: aber
überall, wo man den Anzug der Brüder vernahm, ver:
wüfteten die Einwohner jelber ihre Städte, fchafften
ihre Habe fort und flohen von Hinnen, fo Daß jene
faum. Unterhalt für ihre Leute aufbringen konnten
Da gefchah es eined Morgens, daß Bjorn Eifenfeite ***)
beim Erwachen }) folgende Strophe ſprach 284):
Hier fliegt jeden Morgen 28.
Ueber diefen Burgen
*) D. H. er gab ihnen alles Nöthige zur Yahrt, fo dab
fie nicht3 weiter brauchten.
*, &, oben ©. 295*.
***\ Jarnsidha. „Biörnus vero . .. .. tanquam & ferrei
lateris firmitate sempiternum usurpavit agnomen“
Saro 450,12 ff.
r) Eigentlich: „erwachte und ... .“
315
Der Yar*) und klagt, er müſſe
Heil **) Hier Hungers jterben.
Er flieg’ ang Sitdgeftade,
Wo wir mit ſcharfen Hieben
Blut vergoffen. Dort Tann
Todtenblut er finden.”
Und weiter ſprach er:
„Zuerſt war’3, da wir fuhren — 29.
Frey's Spiel ***) da begann id —
Mit nur wenig Mannen (?) f)
Sn dem römiſchen Reiche TY):
Da ſchwang id) mein Schlachtichwert
Durch ergrauter Helden
Bart (?) zum Männermorde:
Der Aar ſchrie über LXeihen. FrY)
Run traf es fi, daß fie früher ind Dänenreid)
famen ald die Abgefandten König Ella's, und faßen
*) Eigentlich der „Habicht des Leichenfeldes“: hraess- (Egils⸗
fon) heidhar-valr.
**) D. h. bei gejunden Xeibe.
“ek, Frey's Spiel” wird hier — „Kampf gedeutet, was
doch ſchwerlich richtig ift (j. auch H. Peterſen, Nord-
boernes gudedyrkelse etc., S. 89). Vgl. d. Nachtr.
y) Genauer: „als wir feine Schaar von 80 Mann (öld)
hatten‘ ?
yr) Daffelbe hieß oben S. 295*, 314 ** Südreich“.
) Sol. Str. 16,8 (©. 280).
316
nun ruhig daheim mit ihrem Heer. Die Sendboten
famen nun mit ihrem Gefolge zu der Burg, mo
Ragnar's Söhne gerade Hof hielten *), und traten
in die Halle, wo fie tranfen, und vor den Hochſitz,
auf welchem Spar lag. Sigurd Schlangenauge und
Hvitſerk der Tapfere faßen beim Brettfpiel, und
Bjorn Eifenfeite ſchnitzte auf dem Eſtrich der Halle
einen Speerſchaft. Und 285) als die Gejandten
König Ella’3 vor Spar traten, begrüßten fie ihn
ehrerbietig. Er nahm ihre Begrüßung entgegen und
fragte fie, woher fie wären**) und was fie Neues
brächten. Ihr Anführer antwortete, fie wären eng-
hide Männer, und König Ella habe fie mit der
Nachricht Hergefandt, daß fie den Tal Ragnar's,
ihres Vaterd, verkünden ſollten. Sigurd und Hvitſerk
hörten fogleih mit dem Brettſpiel auf und gaben
gejpannt Acht auf diefen Bericht. Bjorn hatte ſich
vom Eſtrich der. Halle aufgerichtet ***), und ftüßte
*) Eigentlih: „Bewirthung empfingen“. Die Könige
hielten, wenn fie durchs Land zogen, bald bier, bald dort
in den Belißungen ihrer Unterthanen Hof und mußten
nebft ihrem Gefolge von denfelben — werden.
Bol. Weinhold, Altn. Leben 457 f.
**) Vgl. oben ©. 279, 3.8 ff.
**#) Cigentlih: „er jtand [aufrecht] auf dem Eſtrich“.
317
fih auf feinen Speerſchaft. Spar aber fragte fie
genau, unter welchen Umſtänden fem Tod fich zu-
getragen habe. Jene erzählten alles, wie es fich be-
geben hatte, von feiner Anfımft in England bis zu
feinem Tode; und als fie in ihrer Erzählung dahin
famen *), daß er gefagt hatte, „Grunzen werden Die
Friſchlinge,“ da faßte Bjorn den Speerjchaft anders
an **), und fo feit hatte er [denfelben] gehalten, daß
die Handftelle ***) daran zu ſehen blieb. Und als die
Abgeſandten ihre Erzählung beichlofjen, jchüttelte er
den Speer [dermaßen, daß er] entzwei [ging] und in
zwei Stücke zeriprang. Hvitſerk aber hielt einen
Brettftein, den er geichlagen hatte, [in der Sand] und
preßte den fo feit [in der Sauft], daß ihm das Blut
aus allen Nägeln fpribte +)! Sigurd Schlangen
auge hatte ein Meſſer in der Hand gehalten, als
dieſer Bericht erftattet ward, und fo forgfältig gab
er Acht auf die Nachrichten, daß er ed FF) nicht eher
*) Eigentlich: „als ihre Erzählung dahin kam“.
**x) Wörtlich: „er rüdte die Hände am Speerſchafte“.
e***) D. h. die Stelle, wo er den Speer angefaßt Hatte.
T) Diefelbe Wendung wörtlich zweimal in Thidr. s. I, 43.
263 (ſ. Germ. 25,56 **).
++) Genauer müßte e8 heißen: „daß er [fich in den Finger
fchnitt und] es ...“
1) = Saro 462,8 ff., der dafſelbe von Born erzählt. .
318
inne ward, als bis dag Meffer ihm bis auf den
Knochen gedrungen war, und adjtete des [doch]
nit. *) 2 Ivar aber forjchte nach allem aufs ge
naueite, und jeine Zarbe war bald roth, bald blau,
bald aber 1286) bleich *), und er war fo aufge
ſchwollen, daß feine Haut ganz wie aufgeblafen war,
von dem Ingrimm in feiner Bruft. ? a,
Nunmehr nahm Hvitjerf das Wort und fagte,
„fe könnten damit die Rache am fchleunigften be
ginnen, daß fie König Ella’3 Abgeſandte erjchlügen.“
Spar [aber] ſprach: „Das foll nicht geſchehen: fie
jollen in Frieden ‚fahren, wohin fie wollen; und
wenn es ihnen an irgend etwas gebricht, jo ſollen
fie e8 mir anfagen, und ich will es ihnen geben.“
Als jene nuh ihren Auftrag ausgerichtet hatten,
gingen fie zur Halle hinaus und nach ihrem Schiffe.
Und fobald ihnen der Wind günftig war, ftachen fie
in See, und ihre Reife ging glücklich von ſtatten, bis
*) Obwohl er nicht nur den Nagel, jondern auch das
Fleiſch bi auf den Knochen abgefchabt hatte — weil er
es erjt merkte, al3 er auf den Knochen fam — verzog
er doch feine Miene dabei.
**) Diejelbe Wendung Thidr. s. II, 469 .u. ſ. w.
1) gl. Saro 462,2 ff., der ungefähr daffelbe ebenfalls von Sigurd
(Sivardus) berichtet. — 2) vgl. die abmeidhende, aber ähnliche
Yaflung bei Saro 461,13 ff.
319
fie heim zu König Ella famen umd ihm berichteten,
wie jeder der Brüder fich bei Diefer Botjchaft ge-
berdet hätte. | Als König Ella died vernahm, ſprach
er: »„„Es fteht zu erwarten, daß wir Spar oder
ſonſt feinen zu fürchten haben werden, nad) dem, was
ihr mir von ihm jagt. ! [Mu] jenen würde es
[zwar] nit an Muth fehlen*), doch (?) möchten
wir bor ihnen wohl unfer Reich behalten.“ Cr ließ
nun an allen Grenzen feines Reiches **) Wache
halten, fo daß fein feindliches Heer ihn unverjehends
überfallen Tonnte. ***)
Siebzehntes Kapitel.
Sobald aber die Abgeſandten König Ella’3 weg—
gefahren waren, gingen die Brüder zu Nathe, wie
fie die Rache ihres Vaters Ragnar anitellen follten.
Da Iprah Spar: „Sch werde Teinen Theil daran
nehmen, und feine Mannjchaft dazu hergeben; Denn
ed erging Ragnar, wie ich vorausſah. Er bat feine
Sade übel angefangen, denn er hatte feine Urſache
*) Eigentlich): „ed würde jenen gut [fein] zwijchen den Rip-
pen“, d. 5. in der Bruſt. Vgl. oben Str. 20,4.
*#) Eigentlich: „um fein ganzes Reich”.
6%) Wie oben ©. 308*.
1) Bol. Saxo 462,12—15.
320
zum Streit mit König Ella, und es ift oft gefchehen,
wenn einer übermüthig zu handeln gedenkt mit Un-
bill, daß e8 mit ihm 287) ein um jo ſchmählicheres
Ende nimmt. Und will ih Geldbuße von König
Ella annehmen, wenn er fich mir gegenüber dazu
veritehn will.“ Als aber feine Brüder die hörten,
wurden fie jehr zornig und fagten, fie würden ſich
nimmer folder Schmach ausſetzen, wenn er es aud)
wollte: „mancher wird von uns jagen, daß wir
Ihmählich die Hände in den Schoß legen, wem wir
unfern Vater nicht rächen wollen, und find doch jo
weit durch die Welt mit dem Heerſchilde gefahren *)
und haben manchen Mann ſchuldlos erſchlagen. Das
ſoll nicht geſchehen! Vielmehr wollen wir alle
Schiffe rüſten, die ſeetüchtig ſind im Dänenreiche,
und fo vollzählig die Mannſchaft zuſammenberufen,
daß jeder Mann, der einen Schild gegen König Ella
tragen kann **), mitziehen fol.” Spar aber fagte,
er würde alle die Schiffe zurücdbleiben laſſen ***),
— — —-
*) Vgl. oben S. 273***, 290*. 296.
**) Vol. oben ©. 291**. 308 ***,
er) In Der Hdſchr. Steht at hann mundi eptir sitja ok
thau skip etc. „er würde zurüdbleiben nebft den
Schiffen ...“ Dies fann nicht richtig fein, da Spar
ja nachher mit auf der Fahrt ift und fein eigenes Schiff
mitfahren fol (f. S. 321*). Man erivartet: at hann
—
über die er zu verfügen habe, „außer dem Einen,
welches ich ſelbſt habe.“*) Als man nun vernahm,
daß Ivar ſich die Sache nicht angelegen ſein ließ,
brachten jene (ſeine Brüder) ein viel kleineres Heer
zuſammen, unternahmen jedoch nichtsdeſtoweniger
die Fahrt.
Sobald ſie gen England kamen!, erfuhr es König
Ella und ließ ſogleich ſein Heerhorn erſchallen und
bot alle ſeine Mannen auf, die ihm folgen wollten.
Da bekam er ein fo großes Heer, daß Niemand es
zählen Tonnte**), und 309 den Brüdern entgegen. ALS
fie nun zufammentrafen, da nahm Ivar am Kampfe
nicht Theil, und endete die Schlaht damit, daß
Ragnar’3 Söhne in die Flucht gefchlagen wurden 2;
König Ella aber gewann den Sieg. Und als er nun
dabei war, die Flüchtigen zu verfolgen, ſagte Spar,
er wolle nicht zu feinen Leuten zurüdfehren: „und
will ich verſuchen, ob König Ella mir einige Ehre
ermweifen will oder nidt. Und fcheint es mir
beſſer ***), von ihm eine Buße anzunehmen, als noch
mundi eptir sitja(?) [läta] öll (ſtatt ok) thau
skip... )
x*) D. h. auf dem ich felbit fahre: er ek [fer] &?
**) Vgl. oben ©. 56, 8. 18. 81*.
*4#) Wie oben ©. 261* und 265** ift kostr zu ergänzen.
1) ®gl. Rsth. 352,24 f. — 2) vgl. Rath. 352,25—28.
21
mehr ſolcher Unglüdsfahrten zu unternehmen || 288),
wie wir jebt unternahmen.” Hvitſerk fagte, er fünnte
hierin feinen Theil mit ihm haben; er (var) aber
müſſe in feiner Sache nad feinem Gutdünfen ban-
deln: „wir jedoch [febte er Hinzu] werden nimmer
Geldbuße für unfern Vater nehmen” Ivar fagte,
fo müßte er ſich von ihnen trennen, und empfahl
ihnen die Verwaltung des Reiches, welched ihnen
allen gemeinjam gehörte: „Ihr ſollt mir aber [fo viel]
fahrende Habe jenden, wie ich verlange.” Nachdem
var [diefeg] geſprochen Hatte, | wünfchte er ihnen
glüdliche Reife, er felber aber kehrte um zu König
Ella. '
Und ald er vor den König kam, begrüßte er
ihn ehrerbietig, und Hub alfo feine Rede an:
„Ich bin zu euch gefommen, und will zur Sühne
mit dir reden, und um folde Ehre zu er-
langen, wie du mir gewährt haben willft. Und fehe
ih num, daß ich Hülflod gegen di bin; und es
ſcheint mir beffer, von euch ſolche Ehre anzunehmen,
wie du mir ermeifen willſt?, als dad Leben nod)
mehrerer meiner Mannen oder mein eigened gegen eud)
zu verlieren.“ Da antwortete König Ella: „Manche
1) ®gl. Rsth. 853, 28-30. — 2) vgl. die Fürzere Yaffung Rath.
352,30—853 1.
Leute jagen, es fei nicht räthlich, dir zu trauen, und
du fprecheft oft jchöne Worte, während du auf Böſes
finneft*); und es wird ſchwer für und fein, und vor
dir oder deinen Brüdern zu hüten.“ [Ivar er-
widerte:] „Sch werde wenig von dir beanjpruchen;
und wenn du das zugeftehft, jo werde ich dir da-
gegen ſchwören, daß ich nimmermehr dir feindlich
gegenüberftehn werde.“ Da fragte Ella, was er
als Buße forderte. | „Ich verlange,“ antivortete Ivar,
„daß du mir jo viel von deinem Lande gebeit, fo weit
eine Ochjenhaut reicht**) ?; außen’ umher aber joll
Untergrund [für eine Mauer] abgeſteckt ***) werden.
Und werde ich nicht mehr von dir fordern. Willſt
du aber died nicht, jo jehe ich, daß du mir gar Teine
Ehre gönnen willft.“ | „Ich ſehe nicht ein (jagte der
König), Daß und hieraus ||289) ein Schade erwachfen
fönnte, wenn du auch fo viel von meinem Lande
befißelt: gewiß will ich dir dieß geben, wenn du mir
ſchwören willit, nicht gegen mich zu kämpfen; und
*) Vgl. Häv. 45,4 f.
**) Diejer befannte Zug der Dido-Sage ift in unjerer Saga
aus Gottfried von Monmouth entlehnt; t Storm, Rag⸗
nar Rodbrof, ©. 78 f.
***) Eigentlich „hergeſtellt“; |. S. 325 !.
1) = Rath. 858, 4-7.
21*
k
324
nicht fürchte ich deine Brüder, wenn du mir getreu
bift.“ 1
Sp wurden fie mit einander dahin einig, daß
Spar einen Eid ſchwur, nimmer gegen ihn zu fechten
noh ihm zum Schaden zu rathen, und follte er
[dafür] jo viel von England zu eigen haben, fo weit
eine Ochjenhaut, jo groß er fie ſich dazu verjchaffen
könnte, veiche. ?
Achtzehntes Kapitel.
| Spar verjchaffte ſich nun eine Haut von einem
ausgewachſenen Ochſen, die ließ er einmweichen und
dreimal außreden; dann ließ er fie ganz in möglichſt
feine Riemen ſchneiden *), und Diefe wieder in Die
Haarfeite und Fleifchjeite zeripalten **). 3 Als Dies
alles gefchehen, war es ein fo langer Riemen, daß
es zu verwundern war; und Niemandem war in den
Sinn gefommen, daß jo etwas möglich wäre. | Diejen
ließ er nun auf einem Felde außfpannen ‚* und um-
faßte derjelbe fo viel Land ***), daß da Raum für eine
*) Eigentlih: „möglichſt ſchmal zerfchneiden”.
**) lætr hann renna ser hvärt härram edha holdrosu.
***) Eigentlih: „und es war da8 jo außgebehntes Land“.
1) ®gl. Rsth. 358,14. 8f. — 2) vgl. Rsth. 353,9 f. (furz angedeutet).
— 3) = Rath. 353,10—13. — 4) = Rsth. 358,18 f.
; 325
große Burg war. | Außen umher ließ er Untergrund
wie zu einer großen Burgmauer *) abfteden. ! Da-
rauf verfchaffte er fi) eine Menge Bimmerleute, ließ
auf dieſer Fläche viele Käufer bauen | und dort eine
ftarfe Burg aufführen, die wird Lunduna-Borg
(London) **) geheißen ?; fie ift aller Yurgen (Städte)
größte und berühmtefte in allen Nordlanden.
AB er nun diefe Burg hatte bauen laſſen,
hatte er fein Geld ausgegeben; er war aber (näm-
fi) jo freigebig, daß er mit beiden Händen auß-
theilte. Auch ſtand feine Weisheit in ſolchem An⸗
jehen, daß Alle ihn in ihren Angelegenheiten und
Verlegenheiten Hinzuzogen. Und erledigte er alle
Sachen jo, wie ed Jedem am erwünfchtejten war; |und
290) ward beliebt, jo daß er jedermann zum
Fremde hatte. ? Auch Hatte König Ella große Hülfe
an ihm Hinfichtlich der Landesregierung, fo daB der
König ihn manche Sachen und Angelegenheiten be-
forgen Tieß, ohne daß er ich jelber Damit zu befaffen
brauchte.
*) D. h. den Untergrund zu einer (und zwar einer großen)
Burgmauer. j
**) Dagegen Rath. nach Sighvat's Knütsdräpa richtiger
Jörvik (Hort; |. Storm, Ragnar Lodbrok, ©. 79).
1) = Rsth. 353,14 f. — 2) vgl. ebd. 353,15 f. (Jörvik). — 3) vgl. ebd.
358,17 f.
326
Als Ivar es nun dahin gebracht hatte, daß ihn
bedünfte, er babe fi) dort feiner Zeindfeligfeiten
[mehr] zu verjehen *), da jandte er Boten zu feinen
Brüdern mit dem Auftrage, fie follten ihm jo viel
Gold und Silber fenden, wie er verlangte. Als
aber diefe Märmer zu den Brüdern kamen, fagten
fie, was ihnen aufgetragen, und auch, wie feine
Lage fich geftaltet Habe. Denn man war filh nicht
Har darüber, über welchen Anjchlägen er brütete,
und fo urtheilten die Brüder, daß er nicht mehr die-
ſelbe Sinnedart hätte, wie er früher pflegte. Sie
fandten ihm [indefjen] fo viel des Gutes, als er ver-
langte.
ALS nun die [Boten] zu Spar kamen, verichenfte
er all dieſes Gut an die mächtigſten Männer im
Lande, und entzog dadurch dem König Ella Gefolg3-
leute; und alle verhießen ihm, unthätig zu bleiben,
wenn er auch gegen denjelben **) eine Heerfahrt unter-
nähme. !
Nachdem Spar fich fo Heerfolge verjchafft Hatte,
fandte er [abermal3] Leute zu feinen Brüdern 2, ihnen
*) Wörtlih: „daB er ſich dort vollitändigen Friedens zu
verfehen habe‘.
**) Eigentlich: „dorthin“.
1) Bal. Reth, 358,17—19. — 2) vgl. ebd. 858,19 f.
zu jagen, er wollte, daß fie in allen Landen, über
die ihre Gewalt fich erftredte, ein Aufgebot zu einem
Seezuge ergehn ließen und alle Männer aufböten,
die fie erlangen könnten. Als diefe Botſchaft zu den
Brüdern fam, veritanden fie fie fogleih und merkten,
|daß er num ftark darauf vertraue, daß fie den Sieg
davontragen würden. Sie jammelten aljo Mann-
[haft ? in ganz Dänemarf und Gautland *) und in
allen den Ländern, über welche ihre Gewalt fich er-
ftredfte, und braten ein unwiderjtehliche Heer zu⸗
fammen, |291) fo ſtark fie ed nur aufbieten konnten **).
| Da fteuerten fie mit ihren Schiffen nad) England ?,
unausgefebt Naht und Tag, um aller Kunde von
ihrer Fahrt zuvor zu fommen.***)
Nun ward die Kriegäbotfchaft dem König Ella
gebracht; da fammelte er fi) ein Heer F), | brachte
aber [nur] ein Heined zufammen %, weil | Spar ihm
viele Gefolgsleute entzogen hatte.“ Da z0g Ivar
dem König Ella entgegen und fagte®, er wollte
— —
*) S. oben ©. 137.
“*) Wörtlih: „und hatten das volle Aufgebot draußen“.
*3%) Wörtlich: „und wollten nun möglichft wenig Kunde vor
fih ber fahren laffen“.
+) Vgl. oben ©. 273177. 290**,. 308** u. ſ. w.
1) Bgl. Rsth. 358,20—22. — 2) = Ebd. 358,22 f. — 3) — Ebd. 358,23.
— [4) vgl. ebd. 354,9.] — [5) vgl. ebd. 354,7 f.) — 6) vgl. ebd.
353,34 f. —
328
alles erfüllen, was er gejchworen hätte: „doch vermag
ich nicht da8 Vorhaben meiner Brüder zu beein
tluffen*) 1; daS aber fteht in meiner Macht, fie auf
zufuchen und mich zu erkundigen, ob ſie [nicht] ihrem
Heere Halt gebieten wollen, und nicht mehr Schaden
anrichten, al3 fie ſchon gethan haben. ?
Spar begab fi nun zu feinen Brüdern; er
redete ihnen aber fehr zu, aufs tapferite vorzurüden?
und ed aufd ſchleunigſte zur Schladht Tommen zu
laſſen: „denn der König hat ein viel kleineres Heer.“
Sie aber antworteten, er brauchte fie nicht erſt Dazu
zu ermuntern: fie wären noch ebenjo gejonnen wie
vormals.
Dann begab Ivar ſich [wieder] zu König Ella
und fagte ihm, feine Brüder wären viel zu hitzig
und ergrimmt *, al3 daß fie auf feine Worte hören
wollten: „und als ich Frieden zwifchen euch ftiften
wollte, fchrieen fie dagegen. 5 Jetzt will ich meinen
Eid erfüllen, und nicht gegen dich kämpfen, jondern
‘mit meinen Leuten ruhig zufehen **), die Schladt
aber verlaufe zwiſchen euch, wie jie kann und mag.
— — — ——-
*) Vgl. oben ©. 285**.
**) Eigentlich: „nahe fein“.
353,29—354,1. — 4) = Ebd. 354,1-—3. — 5) vgl. ebd. 354,3 f.
329
Nunmehr erfah König Ella mit den Seinen das
Heer der Brüder; und es fuhr jo ungeftün Daher,
daß es eritaunlic war. Da fprad Spar: „König
Ella, es ift jebt an der Zeit, dein Heer zu fchaaren;
ich wähne aber, du wirft eine Zeit lang einen harten
Angriff von ihnen zu beſtehn haben.“
| Sobald ihre Heere zufammentrafen !, erhub
Jih eine große Schlacht *) ; Ragnar's Söhne aber
drangen gewaltig durch 292) die Schaaren König
Ella’3**), und waren jo ergrimmt, daß fie nur darauf
bedacht waren, jo viel Heldenthaten wie möglich zu
verrichten. ***) Dieje Schlacht war heftig’ und lang und
endigte damit, daß | König Ella mit feinem Heer fi)
zur Flucht wandte, er [jelber] aber ward gefangen. 2
Da war var in der Nähe und fagte, man follte
*) Vgl. oben ©. 2947. 309**,
**) Vgl. oben ©. 192” u, |. w. 275, 3. 13 f.
***) 7 Die Lesart at gera at verkum sem mest wird durch
die neu entdedte Handfchrift bejtätigt.
4) =Risth. 854,6. — 2) vgl. ebd. 354,9 f. — Zu 1) bis 2) vgl. die ab⸗
weichende Yaflung der neugefundenen Handihrift, melde nach dem
von Herrn Prof. Bugge mir gütigft mitgetheilten Texte in deutſcher
Meberfegung jo lautet: „IElla] 30g ihnen (den Brüdern) nun ent
gegen. Auf beiden Seiten orbnete man daß Heer forgfältig zur
Schlacht und entfaltete die Banner. Da begann eine heftige Schladit.
Als aber der Kampf kurze Zeit gewährt hatte, Fam Spar mit großem
Heere dazu, feinen Brüdern entgegen. Da änderte fih die Lage und
fielen nunmehr viele im [sneri na mannfallinu i) Heere König
Ella’s. Ragnar’8 Söhne drangen nun tapfer vorwärts und fo er-
grimmt waren fie, daß fie an nichts Anderes daten, als jo viel
330
ihm in folgender Weife den Tod bereiten: | „Nun ift
es rathſam (fagte er), daran zu gedenken, welche
Todesart er unjerm Vater erfor. So foll denn ein be-
ſonders fchnigfundiger *) Mann ihm den Aar **)
möglicäjt tief in den Rüden fchneiden und denſelben
mit feinem Blute röthen.“ Der Mann aber, der zu
diefer Arbeit berufen ward, that wie Spar ihm ge-
bot. König Ella war ſchwer verwundet, bevor Dieje
Arbeit vollendet war ***); jo ließ ex fein Leben. Die
Brüder aber meinten nun den Tod ihre® Vaters
*) Wörtlich: „ein mit der Spite [de3 Schwertes] bejonders
geſchickter“.
**) D. h. den „Blutaar“ (ſ. unten Anmkg. ). Ebenſo rächt
Sigurd den Tod feines Vaters an Lynge (Regm. 26;
Nth. unten ©. 371). Bgl. Storm, Ragn. Lodbr., ©. 66 f.
**»*) Adhr thessi syslu Iykr. Wohl ein Mißverſtändniß;
nad) dem unten mitgetheilten Text war König Ella
fhon vor dem Schneiden des Blutaars ſchwer
verwundet. Vgl. auch den Tert unten 1). [Naditr.]
Helventhaten wie möglih zu verriäten. Diefe Schlacht war hart
und währte lange. Weil aber die Mebermadt gar groß war und
Ivar dem König Ella fo recht in die offenen Schilde (d. 5. in den
Nüden) Tam, fo endete e8 damit, daß die Landesbewmohner flohen
und eine große Niederlage erlitten. König Ella aber warb vor
Nagnar’3 Söhne geführt. Er war ſchwer verwundet.‘
1) Bgl. Rsth. 354,12—14 (,... fie ließen Ella einen Aar auf ben
Nüden rigen und nachher mit dem Schwerte alle Rippen vom Rüd-
grat losſchneiden, fo daß da die Lunge herangezogen wurde‘). — In
der neuentdedten Handſchrift heißt es: Ivar befahl, nicht vor⸗
ſchnell über feinen Tod zu entſcheiden: „und es geytemt fi num,
331
gerochen zu haben. Ivar fagte [Hierauf], ex wolle
ihnen daS allen gemeinfam gehörige Reich überlaffen,
er ſelber aber wolle über England herrichen.
Neunzehntes Kapitel.
Hierauf fuhren Hvitſerk und Bjorn heim nad)
ihrem Reiche, deögleichen Sigurd; Ivar aber blieb
zurücd und herrjchte über England.! Seitdem hielten
fie weniger zufammen mit ihrem Heere, und | heerten
bald in dieſem, bald in jenem Lande. *? Randalin
aber, ihre Mutter, ward eine alte Frau Ein-
mal hatte ihr Sohn | Hpitjerf eine Heerfahrt gen
Dften unternommen; da fam ihm eine fo große
Mebermadt entgegen, daß er nicht Widerftand leiſten *)
fonnte, und ward er gefangen. Da erwählte er ſich
die Todedart, daß ein Scheiterhaufe von Menfchen-
*) Eigentlich: „den Schild dagegen erheben“.
daran zu gebenten, welde Zodesart er unjerm Vater erfor. Nun
fol ein geſchikter Mann ihm einen Aar auf den Rüden zeichnen
und mit feinem Blute röthen.” Der Mann, welder zu diefer Arbeit
berufen ward, rigte ihm den War auf den Rüden, ſchnitt die Rippen
vom Nüdgrat und 303 ihm die Lunge heraus. Und bevor dieſe
Arbeit vollendet war, ließ König Ella fein Leben.‘
(Hierauf folgt die au im Reth. 354,14—80 erhaltene Strophe
Sighvat’3. Das Yolgende ftimmt, theilmeife wörtlid, zu Resth.
854,20—22. 23—27.) — 1) Bgl. Rsth. 354,20—22. — 2) = Ebr.
354,26 ff.
332
1293) köpfen gemacht und er darauf verbrannt würde;
und fo jtarb er.*)! Als Randalin dies vernahm, ſprach
fie folgende Strophe:
„Einer meiner Söhne 30.
Fand den Tod im Oſten **),
Hvitjerf war fein Name,
Nimmer wollt’ er fliehen;
Berbrannt ward er auf Häuptern
Sm Kampf erfchlagner Helden:
Diejen Tod erfor jid,
Eh’ er fiel, der Kühne ***).“
Und weiter ſprach ſie:
„Zahllos Tieß der Fürſt ſich 31.
Häupter unterlegen,
Auf dem Scheiterhaufen
Hoch die Flamme lodern (?) FT):
Wie möcht’ ein Kämpe beſſ'res
Bett ſich unterbreiten,
— u — —
) Saro 456,14 ff berichtet ausführlicher dafjelbe vom Tode
des Withſerkus. Derjelbe Zug fand fi jchon oben
©. 276! in etwas veränderter Faſſung auf Eirek's Tod
übertragen.
**) Rußland ijt gemeint, vgl. Saxo a. a. O.
***) Scnauer: „der thatkühne Held“.
T) Den offenbar verderbten Tert dieſes Verspaares ficher zu
deuten, ijt mir ebenfo wenig wie meinen Vorgängern
gelungen. "
1) Bgl. Saro 456,14 ff.
333
Als der Held? Der Fürſt ftirbt
Hochberühmt bei allen(?).“ *)
Aber von Sigurd Schlangenauge ift ein großer
Stammbaum entjproffen. | Seine Tochter hieß Ragn-
bild, die Mutter **) Harald Schönhaar’3, welcher
zuerſt Alleinherrſcher von ganz Norwegen war. !
Spar aber herrſchte über England | 294) big
an feinen Tod, und jtarb dur) Siehthum. ***) AL
er auf dem Todbette }) lag, gebot er ihn dort zu
beftatten, wo das Land feindlichen Einfällen aus-
gefeßt wäre; fo, fagte er, würden, wie er wähne,
die dort Landenden nicht den Sieg davon tragen.
ALS er gejtorben war, geihah, was er befohlen, und
ward er dort in einem Grabhügel bejtattet. Und
*) Statt illa leſe ich allra oder alla, d. i. allan; j. übrigens
d. Nachtr.
**) Die jungen Papier = Abjchriften bieten Hier eine ab—
weichende, auch im Rsth. 358—60 und andern Quellen
fih findende Genealogie: „Seine Tochter bie [A3laug
und war die Mutter Sigurd Hjort's. Sigurd Hort
war] Ragnhildſ's Vater, der) Mutter...“ Vgl. Storm,
Ragnar Lodbrok, ©. 102 f.
4), D. h. nicht durch Waffen, vgl. oben ©. 105*.
y) Eigentlich: „in tödtliher Krankheit”.
1) gl. den ausführlien Bericht im Rath. 358—860.
334
viele Männer fagen, daß König Harald, Sigurd's
Sohn, ald er nad) England fam, dort landete, wo
Spar [begraben] lag; und auf diefem Buge fiel er.*)
Und als Wilhelm der Baftard **) ins Land kam, zog
er Hin und erbrach Ivar's Grabhügel, und ſah
Spar no unverweit: da ließ er einen großen
Scheiterhaufen errihten und Ivar Darauf ver-
brennen. Darnach ging er and Land und gewann
den Sieg.
Bjorn Eifenfeite Hatte auch eine zahlreiche Nach—
fommenschaft; von ihm ſtammt ein mächtiges Ge—
ſchlecht: das des Thord, der zu Hofde am Hofdaftrand
wohnte, ein mächtiger Häuptling. ***)
ALS nun Ragnar’3 Söhne alle geftorben waren,
zeritreute fich die Mannfchaft, die ihnen gefolgt war,
nach verfchiedenen Seiten; und Alle, die bei Rage
nar’d Söhnen geivejen waren, achteten die andern
Häuptlinge gering. Es waren [darunter] zwei
Männer, die weit durch die Lande zogen, zu ſuchen,
In der Schlacht bei Standford-Bridge, im 9. 1066.
Harald ift der unter dem Beinamen hardhrädhi be-
fannte norwegifche König.
**) Gemeinlich der Eroberer genannt, weil er in demfelben
Jahre England eroberte, durch die Schlacht bei Haftings.
***) In Nord-Jsland. Vgl. Storm, Ragn. Lodbr., S. 108 f.
———
ob ſie einen Häuptling fänden, dem zu dienen ſie
nicht für Unehre hielten; doch zogen ſie nicht beide
zuſammen.
Zwanzigſtes Kapitel.
Es trug ſich im Auslande zu, daß ein König,
der zwei Söhne hatte, krank warb und ſtarb; feine
Söhne aber wollten ihm die Todtenfeier halten. *)
Sie Indeten in der Weile zu diefer Gafterei ein, daß
alle Männer, die während der 295) nädjiten drei
Winter davon erführen, dazu kommen follten.. Die
Kunde verbreitete ſich weit durch die Lande, und in
diefen drei Wintern rüfteten fie die Gafterei zu. Als
num der Sommer, in welchem die Todtenfeier ge-
halten werden follte, und die beftinmte Zeit kam,
fand fich eine fo große Menge [von Gäſten] ein, daß
niemand ihreögleichen gejehen Hatte **); und wurden
viele große Hallen mit ihnen bejeßt und noch viele
Belte draußen. Da Tam gegen Ende des erften
Abend ein Mann zu diefer Halle, der war fo groß,
daß dort Feiner gleich groß war; und das fah man
— —
*) Eigentlich: „das Erbgelage trinken“; vgl. oben ©. 51*.
**) Wörtlich: „Beiſpiele (ähnliche Fälle) dazu wußte, wie
groß“, vgl. oben S. 277* u. ſ. w.
336
an feiner Ausstattung, daß er bei vornehmen Männern
geweſen war. Als er in die Halle kam, trat er hin
vor die Brüder, begrüßte fie und fragte, wo fie ihm
feinen Siß anwiefen. Er gefiel ihnen wohl, umd
hießen fie ihn fich auf die vornehmere Bank ſetzen.
Er brauchte zweier Männer Raum. Sobald er id
niedergefeßt hatte, wurde ihm zu trinken gebradt
wie den andern Männern: aber da war fein Trink
born fo groß, daß er es nicht auf einen Zug au&
trank. Auch fahen Alle wohl, daß er Andere gering
achtete.
Da geihah es, daß noch ein anderer Mann zu
dem Zelte kam, der war noch größer als der erfle.
(Diefe Männer trugen tiefherabreichende *) Hüte.)
Als nun diefer Mann vor den Hochſitz der jungen
Könige trat, begrüßte er fie höflich und bat fie, ihm
einen Sit anzuweifen. Sie fagten, er jollte mehr
nad) oben**) zu auf der vornehmeren Bank fihen.
Da ging er zu feinem Site, und beide zufammen
nahmen da einen fo großen ;296) Raum ein ***),
— — — —
*) Darum erkennen fie ſich nicht. Vgl. ©. 230%**.
**) Eigentlich: „mehr nach innen zu“, wo die höheren (b. 6.
ehrenvolleren) Pläte waren; vgl. 35177.
**6) Wörtlih: „fie waren beide zufammen fo groß auf dem
Sitze“.
337
daß fünf Männer vor ihnen aufgeftanden waren. *)
Der zuerſt Gekommene Ieiftete [dem Zweiten gegen-
über] doch weniger im Trinken; der jpäter Gekommene
aber trank fo fchnell, daß er fait alle Trinfhörner
[mit Einem Buge] leerte, und doc bemerkte man
nicht, daß er trunfen würde; vielmehr bezeigte er ſich
unverträglich gegen feine Sitznachbarn und drehte
ihnen den Rüden zu. Der zuerit Gekommene forderte
ihn zu einem Wettgefpräche auf **): „und zwar will ich
anheben.” Damit jtredte er die Hand gegen ihn aus
und ſprach diefe Strophe:
„Sag’ von deinen tapfern 32.
Thaten — did nun frag’ ih —:
Bo ſahſt blutgefättigt
Im Gezweig du Raben fchaufeln?
Defter ließeſt auf fremder
Bank du dich bewirthen,
Als du blutige Leichen
Der Walſtatt Vögeln vorwarfſt.“ ***)7
Der höher Sitende fühlte ſich durch diefe An—
ſprache herauögefordert und erwiderte folgende Strophe:
*) D. h. daß 5 Männer ihnen hatten Bla machen müſſen.
**) hadh at their skyldi eiga gaman saman. Worin hier
das gaman beitehn joll, zeigt da8 Yolgende. Nachtr.)
+)? Sit droegfr i dal richtig? — Der Vorwurf fehrt oft
wieder. Vgl. namentlich Fas. 2,271, 3. 25 f.
22
338
„Schweig, du Stubenhoder, 3.
Was iſt dir Elendem?
Haft niemals geleitet,
Was nicht ich auch Könnte.
Halt fraßgierige Wölfe
Nicht im Kampf (?) gemäftet *),
Ließſt nicht Blut das Seeroß **)
Trinken: was denn thatjt du? ***) 207)
Da eriwiderte der zuerft Gekommene:
Wir ließen der Seerofje ftarfen . 34.
Bug durch Brandung laufen, '
Dieweil an den Seiten blanfe
Brünnen Blut beiprißte.
7)
Hierauf ſprach der fpäter Gekommene:
Keinen von euch jah ich, 35.
Als wir offen fanden
*) Die Meberfegung dieſes Verspaares ift unficher.
**) D. h. Schiff.
***) Eigentlich: „was (Thaten welcher Art) liegt dir am
Herzen ?“ d. h. worin beſtehn deine Thaten, wenn Du
weder zu Lande noch zur See Kämpfe beſtanden haſt.
y) Eine genügende Erklärung dieſer Halbſtrophe weiß id)
nicht zu geben. S. übrigens d. Nachtr.
339
Heite's Au”) dem weißen
Roß des Mövenweges **),
Und mit Heerhorns Klange ***)
Wir am Land entfaltet
Die prächtige Rabenwolke F)
Der Halle am rothen Steven.‘
Wiederum fprach der zuerit Gelommene:
„Richt ziemt ung beim Gelage 36.
Auf der Bank zu ftreiten,
Welcher von ung tapfrer
Als der andre kämpfte:
Du ftandit, wo die Woge || 298)
Bur See den Stevenhirih Fr) trug;
*) Ich leſe mit Bugge (Röksten., ©. 53 f.) Heita vang.
Heite war ein Seekönig, „Heite's Au’ ift aljo das Meer.
++), — Meer, wie oben S.282*. Meer-Ro = Schiff, wie oben.
***) ]äti (ftatt lasi)?
7) molla fcheint eine leichte, weiße Wolfe zu bedeuten (vgl.
auch C.-V. 4340). Die „Rabentwolfe der Halle“ oder
„Hallenwolke des Raben” ſcheint die berühmte NRaben-
fahne Ragnar’3 zu meinen, von der Rafn, Kämpehist.
(Ragnarsſ. S. 240) mehr berichtet. „Der Halle”, weil
in der Halle aufbewahrt oder verfertigt(?). — Offenbar
merkt der Andere grade an diefer Anfpielung auf Rag-
nar's Fahne, die nach diefem Bjorn geführt zu Haben
fcheint (vgl. unten S. 390**), daß er es mit einem alten
Sampfgenofien zu thun Bat.
rr) Eigentlih: „Den Hirſch der Steven-Stange”, d. h.
Schiff.
22*
340
Ich jaß, wo die Nahe
Den rothen Steven ind Meer*) trieb **).“
Darauf antwortete der zuleßt Gekommene:
„Beide folgten Bjorn wir 37,
In jedem Schmwertgetöje,
Waren erprobte Reden,
Eine Zeit doc) NRagnar. ***)
Ich war beim Männerlampfe
Im Bulgarenlande.
Dort ward mir wund die Seite:
Sit du über mir, Nachbar!“
Da erkannten fie fich endlich) wieder und blieben
da ferner beim Gajtmahle.
Einundzwanzigftes Kapitel.
Ogmund hieß ein Mann, der Ogmund der
Düne genannt ward. Der war einmal mit fünf
Schiffen auf der Fahrt und lag bei Samdey +) im
*) Oder „zum Safen“? til hafnar.
*)D.H. wir waren an verfchiedenen Stellen auf demfelben
Schiff, wir waren Fahrtgenofien.
+) D. h. „Bor Bjorn folgten wir eine Zeit lang nod)
Ragnar jelbft”.
oe T) Jetzt Samsö.
341
Munarvag *). Nun wird erzählt, daß die Küchen-
fnechte and Land gingen, Speije zu bereiten **); Die
andern Männer aber gingen in den Wald fih zu
vergnügen. Dort fanden fie einen alten Holzmann,
der war vierzig [Ellen?] Hoch ***) und mit Moos
bewachſen. Doc erkannten fie alle feine Züge }), und
redeten unter einander, wer wohl diefem großen
Götzen geopfert haben möchte. Da ſprach der Holz-
mann tr):
[„Vorlängit war es, 38.
Daß zur Heerfahrt
Hekling's Söhne +rt) || 299)
Mit Rudern (?) fuhren,
Weit auf falzigem
Weg der Weißlinge *}):
Da ward ich dieſes
Hügeld Herr. ']
*) Bag (väg-r) ift eine geſchützte Meeresbucht. [Nachtr.]
**) Wie oben ©. 244, 8. 6 f.
***) Wörtlich: „ein Bierziger an Höhe”. Vgl. ©. 82, 3. 9.
+) Eigentlih: „Kennzeichen“.
+r) Bon diefen drei in anderm Versmaße verfaßten Strophen
findet ſich die erjte auch in der Halfsſaga.
+rr) Helling, ein Wiking, hatte nach) der Halfsſaga, Kap. 2,
den König Ogvald gefällt. Aus dem Hügel des letzteren
ward nach der Halfsſaga die folgende Strophe vernommen.
*7) Weißfiſche; aljo: auf dem Meere.
1) Faſt wörtlich diefelbe Etrophe Halfes. 4,23 ff. (Bugge).
342
Und dazu *) ſetzten [mich] 39,
Am Süden an den Strand
Die ſchwertſchwingenden
Söhne Lodbrok's:
Da ward mir geopfert
Männern zum Tode **)
Auf Samsey's
Südküſte.
Hießen hier ſtehn 40.
So lange der Strand trägt,
Den Mann ***) im Gedörn
Und moosbewachſen:
Nun triefen auf mich
Der Wolken Thränen,
Nirgend ſchützt mich
Fleiſch noch Kleider.“
Dies kam den Männern wunderbar vor; und
ſie erzählten nachmals anderen Männern davon.
*) Ok thvi, zum Zwecke der Vers 5-8 erwähnten Opfer.
Urſprünglich mik jtatt ok? Die vorhergehende Strophe
ift wohl irrthümlich mit Str. 39—40 in Verbindung
geſetzt; ſ. S. 341TTF.
**) Siegopfer find gemeint. Dabei Tonnten auch Menfchen-
opfer fallen, was jedoch Hier wohl nicht gemeint ift.
***) D. H mich.
Die Gefchichte
von
Vorna-Geſt.
— — — —
Aorna-Geſts-Saga.“)
Erſtes Kapitel. **)
Es geihah einmal Nachts, daß König Olaf
Tryggvafon ***) beim Gebete in feinem Bette machte !,
alle andern Leute in dem Schlafhaufer) aber fchliefen.
Da ſchien e8 dem Könige, als käme ein Alf oder
Geiſt hinein ind Haus, obwohl die Thüren geſchloſſen
waren. Der trat vor das Bette eines jeden Mannes,
welcher dort jchlief, und zuleßt trat er zu einem
”, Eigentlic) thättr (Epijode, Abjchnitt), weil als Epifode
der’ Saga von König Olaf Tryggpafon überliefert.
**, Her hefr thätt af Nornagesti F', fehlt $.
"+, Der als König von Norwegen (995—1000) ſich bejon-
ders die Ausbreitung des Chriſtenthums angelegen fein
ließ.
+) herbergi, f. unten ©. 351*.
1) Statt befien Heißt e8 in der andern Handidrift (F): „Einmal, fo
wird erzählt, als König Dlaf in Thrandheim (Drontgeim) faß, ge⸗
{hab es, daß ein Mann gegen Ende des Tages zu ibm kam und ihn
ebrerbietig begrüßte. Der König nahm ihn gütig auf und fragte
ihn, wer er wäre. Er erklärte, daß er Geft heiße. Der König er-
widerte: „Gaſt [i. S. 346*)] wirft du bier fein, wie du auch heißeſt.
346
Marne, der nad) dem Ausgange zu lag. Da biieb
er jtehn und ſprach: 48) „Ein gar ftarfes Schloß
iit hier vor leerem Haufe, und iſt der König nicht
jo weile, wie andre Leute jagen, daß er der
allerflügjte jei, da er nun ſchläft.“ Darauf ver-
ſchwand er bei gejchlofjenen Thüren. Des nächſten
Morgend frühe aber fandte der König feinen
Leibfnappen, zu erforjchen | was gefommen wäre.
Der Knappe fam [zurücd] und berichtete, es fei ein
großer, unbefannter Mann angelommen. Der König
ſprach: „Geh nochmals und ruf ihn zu mir.“ So
geichah ed. Sener Mann kam vor den König und be
grüßte ihn artig. I Der König fragte ihn, wer er
wäre. Er erklärte, er heiße Geſt.*) [Darauf] fprach
der König: „Wed Sohn bift du?“ Er antwortete:
„Thord hieß mein Vater und ward Thinghüsbitr ge-
*) Seit (gest-r) bedeutet Gaft. Daher dad Wortjpiel in
dem unten mitgetheilten Texte.
Geft antwortete: „Ich nenne dir meinen wahren Namen, Herr.
Gerne aber möchte ich von eud) gaftlihe Aufnahme gewährt erhalten,
wenn es möglid wäre.’ Der König erklärte, dag ihm das gewährt
werden follte. Weil aber der Tag ſich zu Ende neigte, wollte der
König ſich nicht in ein Gefpräh mit dem Gafte einlaffen, denn er
ging darnad) gleich zum Abendgejang, darauf zu Tiihe und dann zu
Schlaf und Nude. Und in eben diefer Naht wachte König Dlaf
Tryggvaſon in feinem Bette nnd las feine Gebete.“
1) Dafür heißt e8 in F: „zu erforſchen, wer die Nacht in jenem Bette
geihlafen hätte. So fiellte es fi heraus, daß dort der Gaſt ge-
legen hatte. Der König ließ ihn vor ſich entbieten und . . .”
347
nannt; von Geburt war er ein Däne und bewohnte
in Dänemark ein Gehöft Namen? Gröning.“ „Wie
ein tlichtiger Mann ſiehſt du aus,“ ſprach der König.
Diefer Saft war dreift mit Worten, und war er
höher von Wuchs als die meijten andern Männer,
fräftig, Doc ziemlich alt. Er bat den König [um
die Erlaubniß], eine Weile dort zu bleiben. Da
ſprach der König: „biſt du ein Chriſt?“ Geft ant-
wortete, eingefegnet *) wäre er wohl, aber noch nicht
getauft. Der König fagte darauf, es fei ihm ver-
itattet, bei dem Hofgefinde zu bleiben: „Doch nicht
lange wirjt du ungetauft hier bleiben.” — Uber des⸗
halb Hatte der Alf **) fo von dem Schloffe geiprochen,
weil Get fi) am Abend [mit dem Kreuze] gefegnet
hatte wie die andern Männer, und war doch in
Wahrheit ein Heide.
Der König fragte Geft: „Kannſt du irgend
eine Kunſtfertigkeit?“ | 49) Der antwortete, er könne
die Harfe fpielen und Saga erzählen, jo daß man
feine Freude daran hätte.
*) primsigndr, mit dem Kreuze bezeichnet. Viele Ließen
fih fo vorläufig „einfegnen“ ohne wirklich (durch die
Taufe) Chriften zu merden. Auf diefe Weife genofjen
fie den Bortheil, mit Chriften und Heiden verkehren zu
tönnen (ſ. Maurer, Belehr. 2, ©. 333 f.).
**) Bol. oben ©. 871.
348
Darauf fagte der König: „Uebel thut König
Spein *) daran, daß er ungetaufte Leute aus feinem
Neiche von Land zu Lande ziehen läßt.“ Geſt ſprach:
„Nicht ift Solche dem Dänen-Könige anzurechnen,
denn ich 309 aus Dänemark, lange bevor Kaiſer Otto
das Danevirke **) zeritören ***) Tieß, und den König
Harald, Gorm's Sohn, fammt Hafon dem Opfer:
jarl F) das ChriftentHum anzunehmen zwang.
. Der König fragte Geft [noch] allerlei, und dieſer
gab auf alle3Tr) verftändig Beſcheid. Das fagt
man, daß Diefer Geit zu König Olaf im dritten
Sabre feiner Herrichaft TFT) gekommen fei. In dem-
jelben Sabre, heißt es au, Tamen zu ihm die
Männer, welche [die] Grime*r) hießen und vom
*) Svein, de3 weiterhin genannten Hriftlihen Harald
Nachfolger, begünftigte da3 Heidenthum.
») Die befannte Vertheidigungzlinie zwijchen Eider und
Schlei (Fims. 11,28; Flat. 1,108. 110).
***) Gigentlich: „verbrennen“ (f. Flat. 1,112). Otto II iſt
gemeint, vgl. Fms. 11, ©. 35. 179 f.; Flat. 1,107—114.
7) Hafon Sarl (von Norwegen, } 995), Opferjarl benannt
von feinem Eifer für den heidnifchen Opferbienft.
Tr) Eigentlih: „das meiſte“.
Tr) Das wäre 997/98,
*7) D. h. mehrere (doch wohl zwei) Männer, welche (beide)
Grim hießen.
349
König Gudmund von Glafisvoll gefandt waren. Sie
brachten dem König Olaf zwei [Trinf-]Hörner, die
Gudmund dem Könige ſchenkte; die nannten fie auch
Grime. Diefe [Männer] hatten noch mehr Aufträge
an König Dlaf, wie nachher gejagt werden wird. *)
— Jetzt iſt von Geſt zu erzählen, baß er bei dem
Könige blieb. Es ward ihm die lebte Stelle auf
der Gäſtebank **) angemwiefen. Er war ein wohl⸗
gefitteter ***) Mann.
Zweites Kapitel. f)
Kurz vor dem Julfeſte +f) kam Ulf der Rothe
mit feinen Gefährten heim. Er war den Sommer
über in Dienften des Königs [entfernt] geweſen, war
*) Nämlich in einer Epifode der großen Saga von Dlaf
Tryggvaſon, in welche auch unfere Saga als Epifode
eingeſchoben iſt; vgl. ©. 345*.
**) Eigentlich: „mehr nad) außen zu von den Gäften aus.”
+++, D. h. ein Dann von höfifchen Sitten.
F) Ueberfchrift: „Hier mwird von dem Ringe Hnitud er-
zählt“ I; „Geſt's Wette mit den Hofmannen“ F.
TFT) Das Felt der Winterfonnenmwende, etwas fpäter gefeiert
ala unfer Weihnachtzfeit, mit dem e3 ſpäter verſchmolzen
ward. Der Name ift in „Julklapp“ erhalten.
350
jedoch im Herbſt zum Landesfhug in Vif*) gegen
die Einfälle der Dänen beftellt worden. Am Hoch—
winter aber pflegte er jtet3 bei 50) König Dlaf zu
fein. Ulf Hatte dem Könige viele koſtbare Kleinode
zu bringen, welche er im Sommer erworben hatte,
darunter einen Goldring, der Hnitud hieß, weil er aus
fieben Stüden zufammen genietet**) war, und hatte
jede Stüd feine bejondere Farbe. Bon viel befferem
Gold war er als andere Ringe. Diefen Ring hatte
dem Ulf ein Bonde Namens Lodmund gegeben; zu-
vor aber Hatte denjelben König Half, nad) welchen
die Halfs-Recken benannt find, bejeflen, al3 Ddiejelben
dem König Halfdan, dem Ylfing***), Geld ab-
gezwungen hatten. +) Lodmund aber hatte dafür ſich
von Ulf erbeten, daß er mit König Olaf's Hülfe ihm
fein Gehöft beſchützen möchte. Dad hatte ihm Ulf
zugejagt.
Der König feierte fein Julfeſt mit Pracht und
*) Die Landfchaft um den Ehriftiania-jord führte früher
diefen Namen.
**) Das nordiihe Wort bnita, wonach der Ring Hnitud
benannt ist, entjpricht etymologiſch nicht unferm „nieten“.
”**) Die Ylfinge find ein Heldengeſchlecht der nordiichen
Sage (f. Beitr. 4,176 ff.; H. Zichr. 23,170).
7) Die von Half und feinen Reden handelnde Halfsjaga
erwähnt dieſes Zuges nicht. Vgl. übrigens Fas. 1,388.
351
ſaß zu Thrandheim. Am achten Tage des Feſtes
überreichte Ulf der Rothe dem Könige Dlaf jenen
Ring. Der König dankte ihm für dies Gejchent jo
wie für alle die treuen Dienſte, welche er ihn jtet?
‚geleiftet hätte Der Ring ward in der Herberge *),
wo man trank, überall unıhergereicht **); denn Da=
mal3 waren in Norwegen [noch] feine [bejonderen
Trint-]Hallen gebaut. Ein jeder zeigte ihn dem an⸗
dern, und glaubten Die Männer niemald gleichgute3
Gold gejehen zu Haben, wie in dem Ringe fich fand.
Zuletzt fam der Ring zu der Bank der Gäſte umd
fo zu dem unbekannten Gaft. Dieſer jah ihn an
und reichte ihn zurüd auf der Fläche .der Hand ***),
mit der er vorher das Trinkgefäß angefaßt Hatte. })
Er achtete dejjelben wenig und fügte nicht über dies
Kleinod, fondern feßte die Iuftige Unterhaltung mit
feinen | 51) Genoſſen fort. “ Ein Aufwärter, der
unten}+r) an der Bank der. Gälte einfchenfte, fragte:
*) Ein Gebäude, worin man jowohl jchlief als den Tag
über fich aufbielt; vgl. oben ©. 3457.
*) Eigentlich: „er ging (fuhr) weit herum“.
.) Wörtlich: „quer über die Hand“.
7) Und bie er aljo zu reinigen nicht für nöthig erachtete,
che er den koſtbaren Ring darauf legte.
rt) Eigentlich: „nad außen zu, mehr nad) der Thür zu“,
im Gegenfaß zu den Ehrenpläßen, die fich mehr nad)
innen zu befanden; vgl. oben ©. 336**. 849**,
„Gefällt euch der Ring?“ „Gar fehr,* antmworteten
fie, „nur nicht dem [neu] angefommenen Gaſt, der
findet nicht8 daran, und wir glauben, daß er darüber
fein Urtheil hat*), da er folder Dinge nidt
achtet.” Der Schenke ging hinein **) zu dem Könige
und hinterbrachte ihm eben diefe Worte der Gäfte,
und wie der [neu] angefommene Gaft wenig dazu
gefagt hätte, als ihm des Königd Kleinod gezeigt
wurde. Da fagte der König: „Der unbekannte Gaft
weiß vielleicht mehr, als ihr denkt: er joll morgen
zu mir kommen, und mir eine Saga erzählen; denn
das meint er zu verftehn.***)
Inzwiſchen fprachen die Gäfte unten auf der
Bank mit dem [neu] angefommenen Gaſt; fie fragten
ihn, wo er [denn] einen fo guten oder beſſeren Ring
gejehen hätte. Er antwortete: „Weil es euch wunder
ih vorkömmt, daß ich wenig hierüber rede, To
[wifjet:] id habe fürwahr ſolches Gold gefehen, das
in feiner Weife fchlechter ift,. vielmehr befjer fcheint.”
Da lachten die Königsmannen laut, und ſprachen
alfo: „Hier giebt e8 einen großen Spaß. Du wirft
mit und wetten wollen, daß du [Ichon] ebenfo gutes
Lo
*) Bol. S. 247, 3. 10 und d. Nachtr.
*) D. h. nach der Innenſeite der Halle zu; vgl. ©. 35177-
”) Wie er oben ©. 347 erklärt hatte.
353
Gold gefehen haft, wie dieſes hier, fo || 52) daß du es
erweifen fannft. Wir wollen fieben Mark gangbaren
Silbers einfegen, jo daß fie dir zufallen, du aber dein
Meſſer und deinen Gürtel; der König fol enticheiden,
wer von und Recht hat.“ Da ſprach Seit: „Das fei
ferne, daß ich euch zum Geſpötte diene und doch nicht
auf die Verabredungen eingebe, welche ihr mwünfcht:
allerdingd wollen wir bierum wetten und jo viel
einſetzen, wie ihr gejagt habt; der König aber fol
entfcheiden, wer von und Recht hat.” Damit brachen
fie das Geſpräch ab. |
Spät am Abend nahm Geft. feine Harfe umd
ſchlug fie trefflich und lange, fo daß es allen eine Luft
ſchien zuzuhören. Am beiten aber fpielte er , Gunnar's
Harfenjchlag“ *); und zuleßt trug er das alte Lied von
Gudrun's Liften**) vor; da hatten die Leute zubor
"Wohl ein Lied, das Gunnar in der Schlangengrube
gejpielt und gejungen haben follte (wie Ragnar Lodbrok);
vgl. oben ©. 199 f. — Dies Lied ijt verloren. Daß
mit dieſem Gunnars-slagr lediglich) eine Melodie, ein
Lied ohne Worte, gemeint ſei, glaube ich ſchwerlich.
**) Schwerlich eines der erhaltenen Gubrunlieder, fondern
ein Lied, welches Gudrun's Rache für den Tod ihrer
Brüder zum Gegenjtand Hatte. Eigentlich jteht im
Text: die alten „Gudruns-Liſten“.
28
554
nimmer gehört. Darauf fchlief man die Nacht über;
da herrichte Hinfort Ruhe unter den Bankgenoffen.*)
Der König ftand am Morgen früh auf, und
hörte die Frühmefje, und andere Männer mit ihm;
und als fie zu Ende war, ging er mit feinem Hofe
zu Tiſche. Als er fih nun auf feinen Hochjiß geſetzt
Hatte, ging die Schaar der Gäſte hinein**) vor den
König und aud) der [neu] angeflommene Gaft mit
ihnen; fie trugen ihm ihre Wette vor||53) und alle
Verabredungen, die fie vorher getroffen hatten. Der
König fagte: „Wenig gefällt mir eure Wette, wobei
ihr euer Geld auf's Spiel febt; ich glaube, der
Trank war euch zu Kopfe gejtiegen; und fcheint es
mir räthlich, daß ihr [eure Wette] als ungeſchehen
betrachtet, zumal wenn Geſt es fo Lieber will.“
Seit ſprach: „Ich will, daß es bei allen unjern Verab⸗
redungen bleibe.“ Da ſprach der König, es folle
alſo geichehen: „aber einen folden Eindrud machſt
du mir, Geſt, als. ob meine Leute in diefer Sache
ſich mehr feftgeredet***) Haben denn du. Das mag
fih nun alsbald ausweiſen.“
*) D. 5. zwilchen Geft und den andern Gäften.
**) Siehe ©. 352**,
***) D. h. durch vorjchnelle Worte ſich in Verlegenheit ge-
bracht haben.
355
Hierauf gingen fie allefammt nad) den unteren
Plätzen und tranlen, jo lange e8 ihnen gefiel. Dar-
nad) wurden Die Tiihe aufgehoben. Da ließ ber
König Geſt rufen. Dieſer trat vor den König:
„Jetzo biſt du jchuldig, irgend ein Gold vorzuzeigen,
wenn du dergleihen haft (ſprach der König), daß ich
zwijchen euch Die Wette entfcheiden könne.” „Nichts
leichter al3 das!“ ſagte Geſt, und griff in feinen
Sädel, welchen er bei ſich trug, zog daraus ein zu-
ſammengeknotetes Stüd Zeug hervor, Tnüpfte es auf
und gab es (d. h. den Inhalt) dem Könige in bie
Hand. Der ſah, daß e8 ein Bruchſtück von einer
Satteljpange war, und erkannte, Daß es vortreffliches
Gold wäre Er ließ mın den Ring |54) Hnitud
bringen, um feitzuftellen, ob der von befferem Golde
fei*) als das Spangenftüd. Dies geſchah. Der
König hielt Gold gegen Gold und ſprach alfo: „In
der That fjcheint mir dieſes Gold, das Geit bier
vorzeigt, Dbeiler; und fo wird es noch Mehreren
ſcheinen, wenn fie e8 auch prüfen**). Das bejtätigten
auch Andere von des Königs Begleitung. Darauf
erfannte König Dlaf das Wettgeld Geſt zu. ' Die an-
deren Gäjte jahen [num] ein, wie unflug fie in diefer
*) Wörtlih: „und feititellen, ob das befieres Gold fei“.
**) Bol. oben ©. 352* nebſt Nachtr.
23 *
356
Sache gehandelt hätten. Da ſprach Geft: „Behaltet*)
euer Geld, denn ich bedarf defjelben nicht: aber
wettet nicht öfter mit unbelannten Leuten, dem ihr
wißt nicht, ob ihr nicht an einen folchen fommt, ber**)
viel gejehen und gehört Hat; und danke ich dem
Könige für das Urtheil, welches er in unferer Sadıe
abgab.“ Der König fprach hierauf: „Ich wünsche nım,
Seit, daß du fageft, woher du dieſes Gold befamft,
da8 du bei dir trägft.“ Geft antwortete: „Ungern
thue. ich) e8, weil die Meiften unglaublich dünken
wird, was id) in Bezug darauf ſage.“ „Dennod
follft du es fagen (fprach der König), und es trifft
fih damit gut, infofern du mir eine Erzählung von
dir **) verſprochen haft.“ Geſt ſprach: „Wenn id
euch erzähle, welche Bewandtniß es mit dem Golde
hat, ſo, meine ich, werdet ihr zugleich noch weitere
*) Eigentlich: „nehmt euer [eingejeßtes] Geld jelbft [zurüd).”
**) Wörtlich: „Welchen ihr als einen ſolchen trefft, dab
u
xx*) gögu thinni „deine Erzählung, eine Erzählung von
dir“ verjpradjit; kann wohl nur heißen: „du verſprachſt,
daß du mir eine Gejchichte (nicht: daß du deine Ge⸗
ſchichte) erzählen wollteft“, denn nur das Hatte Gelt
oben ©. 347 in Ausficht geftellt. Vgl. gleich unten
adhra sögu „daß ich mehr erzählen foll, weitere Er:
zählung“.
357
Erzählung zu hören wünjchen.“ „Das Tann fein,“
fagte der König. | 55)
Dritted Kapitel.*)
„So will ich davon jagen, wie ich ſüdwärts nach
Frankenland zog und wollte aus eigener Anſchauung
Königsſitten kennen lernen *) und den großen Ruhm,
der von Sigurd, Sigmund’ Sohne, ausging Hinficht-
lich feiner Schönheit und Stärke. Es geſchah da
nichts Bemerkenswerthes, bevor ih ſüdwärts ins
Frankenland kam. Da begab ih mich zu König
Hialpref. Diefer hatte einen großen Hofſtaat um
fih. Da war aud) | Sigurd, der Sohn Sigmund’,
des Voljungsfohnes, und der Hjordis, der Tochter
Eylime’3.1 Sigmund fiel in der Schlacht gegen
Hunding’3 Söhne, Hjordis aber vermählte ſich al3-
bald mit Alf, König Hjalprek's Sohne. Dort wuchs
Sigurd auf in feiner Kindheit.” Alle Söhne König
*) Ueberſchrift: „Hier erzählt Nornagejt von Sigurd den
Fafn[istödter]" S; „Geſt's Erzählung” F.
**) „Aus eigener Anſchauung kennen lernen“: forvitnast um.
Königsſitten, d. h. „Sitten und Braud) an Königshöfen“
(Winfel-Horn).
1) Wörtlid = Sn. E. 117,1 f.; 6 f. — 2) Wortlich = Sinfj.
8. 27—30 (vgl. Vols. S. 64%, 3
358
Sigmund’ überragten alle andern Männer an Stürfe
und Wu !:, Sinfjotle und als zweiter Helge, der
den König Hunding erſchlug, und ward er daher
Hundingstödter benannt; der dritte hieß Hamund.
Sigurd jedoch war unter all’ den Brüdern der vor:
züglichite; auch ift den Leuten nicht unbekannt, daß
er der vornehmite aller Heerfönige geweſen ift? und
der trefflichfte in der Heidenzeit.
| Da war zu König Hjalpref auch Regin, Hreid-
mar's Sohn, gefommen, der war funftfertiger al
irgend ein Mann, von Wuchs ein Zwerg, Hug, zorn⸗
muthig und zauberfundig.® Regin lehrte Sigurd
mancherlei und liebte ihn fehr. Er erzählte ihm von
feinen Vorfahren und von munderfamen Begeben-
heiten. *) * || 56)
Nachdem ich dort Kurze Zeit gewefen war, ward
ih Sigurd's Dienſtmann; e8 dienten ihm auch viele
andere Männer. Alle liebten ihn fehr, weil er freund-
li und leutjelig und mit Geld freigiebig gegen und
war.
*) Die hier Übergangene „Vorgeſchichte des Hortes“ (Vols.
Kap. 14) ift gemeint.
1) Sinfj. 3. 30 f. (vgl. Vols. ©. 641; Sn. E. 117,3). — 2) Tgl. et.
3. 31—83 und Vols. 648. — 3) Wörtlih — Regm. Anfangsproia
3.2—4: vgl. Vols. ©. 651. — 4) Regm. ebd. 8. 5 f.; Vols 61.
4
359
Bierted Kapitel.*)
I Da gefchah e8 eine Tages, daß wir mit Si⸗
gurd zu Regin's Haufe kamen**); Sigurd ward da
freundlich aufgenommen. Da ſprach Regin Diele
Strophe***) !:
„Her gelommen
Sit Sigmund’3 Sproß,
Der thatkühne }) Held,
Zu unfern Sälen.
Kraft hat er mehr
Als ein alter Mann FF),
Kampfes bin ich gemwärtig
Bom gierigen Wolf.“ TrY) >
*) Ueberſchr.: „Hier wird erzählt vom Schwerte Sram, welche
Regin verfertigte” S; „Geſpräch des Königs mit Get” F.
**) Nach einer ältern Faſſung der Sage, die hier zu Grunde
liegt, wächlt Sigurd bei Regin im Walde auf, ohne
feine Eltern zu fennen; ſ. oben ©. 65*. 84 ***,
Fr) Die folgenden 14 Strophen gehören den eigentlichen
Regm. an, die Hier volljtändig erhalten find.
r) Eigentlih: „der ſchnell entſchloſſene“.
+r) Nämlih: „wie ih”. Regin will Sigurd anftatt feiner
zum Kampfe mit Yafni veranlafien.
+rr) „Wolf“ bezeichnet Häufig einen gefährlichen, ftreitgierigen
Menſchen (— Feind); vgl. oben ©. 153 **, Hier ift
Sigurd gemeint, mit dem Kampfe aber der Angriff auf
1) = Regm. Proja nad Str. 12, 3. 3—b. — 2) Regm. Str. 13.
360
„Aufziehen will ich
Den kampffühnen Fürsten:
Nun iſt Yngve's *) Sproß
Bu mir gekommen. || 57)
Der mächtigſte Fürſt wird er
Unter der Sonne:
Sein Lob wird durd) alle
Lande erichallen.” !
Sigurd blieb nun beftändig bei Negin?, und
diefer erzählte ihm viel von Bafni, daß er in Wurmes
Geftalt auf der Gnitahaide**) läge ?), und wie un—
geheuer groß derjelbe wäre. | Regin jchmiedete für
Sigurd dad Schwert, welches Gram hieß *: dies
war fo feharfichneidig, daß, als er e8 in den Rhein—
Strom ***) Hielt und einen FSlod Wolle vom Strome
Fafni. Die ganze Wendung fcheint ſprichwörtlich ge—
braucht worden zu fein, vgl. Flat. 2,132°.
* Yngve (= Frey) ift der Stammpater der Pnglinge.
Auf ihn führten die norwegischen Könige ihren Stammt=
baum zurüd. Daß Sigurd hier „Yngve's Sproß “
beißt, iſt auffallend. °
**) Vgl. oben ©. 67 **. 179***.
***) Die aus Deutjchland eingewanderte Sage hat in der
Lokaliſirung (Srankenland, Rhein u. ſ. w.) noch eine
Erinnerung an ihre urfprüngliche Heimath bewahrt.
1) Regm. Str. 14 (dod Vers 7 f. abweichend). — 2) = Ebd. Profa nad)
Str. 14, 3. 1f. — )= Ebd. 3. 2-4; vgl. Sn. E. 1174. —
4) Wörtlid = Regm. Proja nad Str. 14, 8. 6 f.; vgl. Sn. E.
117,5 f. (Vols. ©. 751 ff. ausführlicher erzählt).
361
dagegen treiben ließ, es den Flock jo wie das Wafler
durchſchnitt. Damm zerfföbte Sigurd mit dem
Schwerte Regin's Ambos.? Hierauf redete Regin
Sigurd zu, feinen Bruder Fafni zu erfchlagen.? Da
fpra Sigurd die Strophe:
„Laut werden Hunding’s
Söhne laden,
Sie, die Eylime's
Tage verkürzten,
Wenn ed mich ſtärker
Gelüftet, zu juchen
Rothe Ringe
Als Vaterrache.” *
Hierauf rüftete fi Sigurd zur Heerfahrt, und
gedachte gegen Hunding's Söhne zu ziehen’; König
Hialpref gab ihm viel Mannſchaft und etliche Kriegs⸗
ſchiffe.“ Auf diefer Fahrt begleiteten Sigurd Ha—
mund, ||58) fein Bruder, und Regin, der Zwerg; id)
war aud) dabei, und man nannte mic) da Norna-Gelt.
König Hjalprek Hatte mich Fennen gelernt, als er bei
Sigmund, Bolfung’3 Sohne, in Dänemark gemwejen war.
— — — — —
1) Wörtlich —= Regm. ebd. Z3. 7—11; Sn. E. 117,6—8; Vols. ©. 758.
— 2) = Regm. ebd. 3. 11—13; Sn. E. 117,8 f.; Vols. ©. 752.
— 5) = Regm. ebd. 8. 13 f., vgl. Sn. E. 117,5; Vols. &. 75%.
762. — 4) Regm. Str. 15 (vgl. Vols. ©. 761 und 9. — 5) Bal.
Vols. S. 77, 3.4 f. — 6) = Regm. Proja nad) Str. 15, B.1 f
(vgl. Vols. S. 771). :
362
ı Dort war Sigmund mit Borghild vermählt in
Bralund; damit aber endete ihre Ehe, daß Borghild
Sinfjotle, Sigmund’3 Sohn, mit Gift tödtete.*) ı
Darnach vermählte ih Sigmund ſüdlich im Franken⸗
lande mit Hjordis, der Tochter Eylime’3 ?, welchen
Hunding’3 Söhne erihlugen ?; Sigurd Hatte aljo
ſowohl feinen Water als auch feinen Mutterpater zu
rächen. * Helge, der Hundingstödter benannt ward,
war Sigmund’8 Sohn und ein Bruder**) Sigurd's,
der nachmals Fafnistödter benannt ward. Helge,
Sigurd's Bruder, hatte den König Hunding und drei
feiner Söhne, Eyjulf, Hiorvard und Herrud***), er-
Ihlagen})°; aber andere drei Brüder, Lyngve, Alf
und Heming, waren entronnen: diefe waren gar be-
rühmte Helden, was jegliche Tüchtigkeit betrifft;
Lyngve aber jtand an der Spite der Brüder. Gar
zauberfundig waren fie: fie hatten viele Kleinkönige
bezwungen, mancden Kämpen erfchlagen und mande
*) Wie oben ©. 50 ff. erzählt ift.
**) Genauer fein Stiefbruder.
*%**) Herrudh wird auß Heru’fdh (= Hervardh) entitellt
fein. Ueber die Namen j. Beitr. 3,218.
+) Ogl. oben ©. 81".
1) gl. Sin). 3. 24 f.; (Vols. ©. 50 f.) 532. — 2) Byl. Sinfj. 3.
25—27 (Vols. ©. 53 ff.) — 3) Byl. Regm. 15,34 (Vols. 57). —
4) Bgl. Grip. 9,1—4. — 5) gl. Helg. Hund. I, 10. 14; Helg-
H. II, Proſa vor Str. 18, 3. 10—14; Vols. ©, 412. 431,
363
Burg verbrannt, und ftifteten arge Verheerung in
Spanien und Frankenland. Es war aber damals
das Kaiſerthum noch nicht über die Alpen hierher
nordwärts gefommen.*) Hunding's Söhne Hatten
fh das Reich unterworfen, welches Gigurd in
Frankenland zu Eigen hatte, und hatten fie ein
zahlreiche Heer.
⸗
Fünftes Kapitel.**)
Nun iſt davon zu berichten, wie Sigurd ſich
zur |59) Schlacht gegen Hunding's Söhne rüſtete.
Er Hatte ein ſtarkes und wohlbewaffnetes Heer. ?
Regin hatte befonderd für die Ausrüftung des Heeres
zu jorgen.***) Er führte ein Schwert Namens
*) D. h. es gab noch Feine römijchen Kaiſer deutjcher
Nation, kein Kaiſerthum in Deutjchland (Landn. ©. 24;
vgl. C.-V. 1568). Dieje Bemerkung joll erklären, wie
die Hundingsjüöhne damals jo in Frankenland Haufen
fonnten. — „Hierher nordwärt3” Heißt: „nördlich in
der Richtung auf und zu” (nicht: bis zu und).
**) Ueberſchrift: „Hier jpricht Odin zahlreiche Strophen” 8;
„Geſt's Erzählung” F.
x**x*) Wörtlich: „Hatte beſonders (mjök) die Sorge für das
Heer (Beforgung ded Heeres)“.
1) ®gl. Vols. ©. 58, 3. 6 f. — 2) Bgl. Vols. ©. 77, 8.9 f.
364
Ridil*, welches er [jelbjt] geſchmiedet Hatte. Si⸗
gurd bat Regin mir dies Schwert zu leihen. Das
that Regin; und jo trug ich Diefed Schwert. | Regin
bat Sigurd, er möge Fafni tödten, wann er von
dDiefer Heerfahrt zurückkäme; [und] Sigurd verhieß
e3 ihm. !
| Hierauf fegelten wir ſüdwärts am Lande hin;
da überfiel ung ein ungeheurer, durch Zauberei er-
regter**) Sturn ?, welhen man Hunding’3 Söhnen
zufchrieb. Nunmehr jegelten wir etwas näher am Lande
hin: da fahen wir einen Mann auf einem Yelövor-
[prunge?, und fchritt von den Klippen heran: er trug
einen grünen Kappenmantel und blaue Hofen, hoch—
hinaufreichende und an den Schenkeln zufammenge-
Inüpfte Schuhe und hielt einen belaubten Zweig in
der Hand.***) Diefer Mann redete und mit einer
Strophe an | und ſprach:
*) Vgl. oben ©. 91* (Naditr.) = Fafn.
**) Die Saga’3 wiljen verjchiedentlich von ſolchem durch
Feinde erregten Unwetter („Zauberwetter‘) zu beriditen.
*#*) Es iſt Odin, deſſen Ausſehen oben ©. 15*. 57* u. ſ. mw.
in äbnliher Weife gefchildert ward [j. übrigens das
PBerjonenregifter].
1) Bgl. Regm. Proſa nad Str. 14, 8.18 f.; Vols. 763. — 2) Vgl. Vols.
©. 772; Regm. Proja nad Str. 15, 3.3. — 3) Bgl. Regm.
ebd. 8. 3-5; Vols. ©. 781,
365
„Wer reitet hier
Auf Rävil's Rofjen*)
Dur hohe Wogen,
Durch’3 braufende Meer?
Die Segel find euch
Schaumbeſpritzt:
Die Seeroffe**) werden
Den Sturm nicht bejteh’n.“ "|| 60
Negin antiwortete darauf:
„Hier find wir mit Sigurd
Auf Meereöwogen***):
Wind ward und gegeben
In den Tod zu fahren F);
Jäh ftürzt ſich die Flut
Auf den Steven Fr) nieder;
Es rafen die Schiffe.” —
Ver ift’3, der fo fragt?" *
*) Rävil war ein Seekönig, daher Rävil’3 Roſſe = Schiffe.
x**) So der Tert der Lieder-Edda, unfer Tert bietet weniger
gut „Die Bewaffneten‘.
***) Wörtlih: „Zur See gegangen”; nad) der Lieder-Edda:
‚auf Seebalten (Schiffen).
r) Genauer: „Der und dem Tode nahe bringt, beinahe
den Tod bringt”. Zu vidh bana sjalfan vgl. var vidh
sjalft, at = es war nahe daran, dab...
+r) Eigentlich ift die Stange am Steven (Bugjpriet) gemeint.
1) Regm. Str. 16 (vgl. Vols. ©. 782). — 2) Regm. 17,1—7 (vgl.
Vols. S. 788). — 83) Regm. 17,8 (vgl. Vols. ©. 784).
366
Der Mann im Mantel ſprach“*):
|„Hnilar hieß man mid),
Da ih Hugin erfreute,
Sunger Boljung!
Und getämpft Hatte.
Nun magft du mid) nennen
Den Alten vom Berge,
Feng oder Fiolnt:
Mit will ich fahren.” !
Da lenkten wir an's Land, und al3bald legte
fi das Unwetter. Sigurd bat den Alten, in's Schiff
zu fteigen. Das that diefer: da ward der günftigite
Sahrmind.**)2 Der Alte ſetzte ſich Sigurd zu Füßen
nieder, und war fehr || 61) freimüthig in feiner Rede.
Er fragte, ob Sigurd etwa Rath von ihm annehmen
wollte. Sigurd erklärte fich bereit und fagte, er
vermuthe, daß er (der Alte) rathtüchtig fein werde,
wenn er Nutzen ftiften wolle. | Sigurd ſprach [nun]
zu dem Manne im Mantel:
„Sag’ du nıir das, Hnilar,
Da du die Vorzeichen kennſt
Für Götter ſowohl wie für Menjchen:
*) Diefe Strophe ift ſchon ©. 78 f. überjegt; vgl. da.
**) Hier zeigt fi Odin ald Sturmgott.
1) Regm. 18 (= Vols. S. 78 f.). — 2) Etwas erweitert gegenliber
Regm. Proja nad Str. 18, 3.1 f. = Vols. ©. 792.
1}
367
Welche Vorzeichen find,
Wenn es zum Streite gebt,
Am beiten beim Schwertfchtwingen.“ '
Hnifar antwortete:
Viele Vorzeichen find,
Wenn die Menſchen jie willen,
Günstig beim Schwertjchwingen.
Für günjtig eracht' ich's,
Wenn der jchwarze
Rabe dem Helden*) folgt.“ *
Das ift das zweite:
Wenn Du hinaus gekommen
Und zur Fahrt bereit bift, | 62)
Siehft du da
Am Wege jtehn
Zwei ruhmbegierige Männer. ®
Das iſt das dritte:
ä Wenn du heulen hörſt
Den Wolf. unter Ejchenzweigen,
Heil ijt dir
An**) Helden bejchieden,
Siehft du fie***) vor dir laufen. *
*) Eigentlich: „Schwertbaum“ = Held, vgl. oben ©. 103**.
**+) Wörtlich: „von“; d. h. Heil (Sieg) ift dir von Kriegern
aus (an Kriegern, im Kampfe) bejchieden.
*=*), Nämlich die Wölfe.
1) Regm. 19. — 2) Regm. 20. — 3) Regm. 21. — 4) Regm. 22.
368
Keiner der Männer
Soll entgegen kümpfen
Der fpät jcheinenden
Schweiter des Mondes *):
Die haben Sieg,
Die jehen können,
Kühn im Kampf,
Und den Schlachtkeil fchaaren. **) ?
Große Gefahr bedeutet’3,
Wenn den Fuß du dir ftößeft,
So zum Kampfe du fchreiteit:
Trug = Difen ***) ftehn dir
Zu beiden Seiten
Und wollen verwundet dich fehen.* || 63)
Gekämmt und gewaſchen
Soll jeder Kluge ſein,
Und [früh fchon] am Morgen geſpeiſt;
*) D. h. mit dem Geſichte der ſinkenden Sonne zugekehrt
kämpfen — weil er ſonſt geblendet wird und nicht ſehen
kann, wie Vers 5 f. zeigen.
**) Die keilförmige Schlachtordnung aufitellen. — Der Sinn
der Halbitrophe ift: „den Kampfeskühnen, welche fehen
fünnen und... . ſchaaren, gehört der Sieg“.
*sx) Ins Berderben führende Schiefal3-Göttinnen (vgl. oben
©. 186* u. ſ. w. 285 ***
369
Diemweil ungewiß ift,
Wohin Abends man kümmt:
Unheil bedeutet’3, zu jtürzen.” *)
Hierauf fegelten wir ſüdlich an Hoffetaland**)
hin und öſtlich“*) von Frisland, und landeten dort?.
Hunding’3. Söhne vernahmen ſogleich von un-
jerem ‚Zuge: fie fammelten ein Heer und hatten bald
zahlreiches Volk um ſich. Als wir zufammenjtießen,
erhob ſich ein harter Kampf *) 3; Lyngve war ber
*) Ich behalte im Wefentlihen v. d. Hagen's MVeber-
jeßung dieſes Berfes bei, obwohl derjelbe fo in den Zu—
jammenhang der Strophe wenig bineinpaßt; denn von
den zahlreichen andern Ueberſetzungen (bezw. Beſſerungs⸗
vorfhlägen) fcheint mir gleichfall3 keiner dem Wort-
laute wie dem Zufammenhange gleichmäßig zu genügen.
„Stürzen” kann Hier ſowohl „hinfallen“ wie „eilen“
= oben ©. 365: „rajen“) bedeuten.
**) Holſtein.
**x) Es iſt nicht recht erſichtlich, wie der Verfaſſer, dem doch
Hjalprek's Reich in Frankenland (Frakkland, ſ. 9.
Zſchr. 23,163 ff.) lag, ſich die Richtung der Fahrt dachte.
Dachte er Hier Hjalprek's Neih in Dänemart? Vgl.
oben ©. 60, 8. 9; 168***, 387+7.
+ In der folgenden Schlachtſchilderung find viele Wen-
dungen formelhaft und finden ſich auch wiederholt in
1) Regm. 25. — 2) Bgl. Vols. ©. 79, 8. 8—10 (mo aber die fpecielleren
Angaben unjeres Textes fehlen). — 3) Vgl. Regm. Proja nad
Etr. 25, 3. 1-3. Die allgemeineren Uebereinftimmungen in der
24
370
tapferite der Gebrüder, doch drangen fie alle tapfer
vor. Sigurd aber drang von der andern Geite fo
gewaltig vor, daß alles vor ihm wid); denn von
dem Schwerte Sram drohten ihnen Wımden, ımd
Sigurd fehlte e8 Teinedwegd an Muth.*) Al nun
er und Lyngve auf einander trafen, wechjelten fie
manchen Hieb und fochten auf's allerfühnfte Da
trat ein Stillftand in der Schlacht ein, weil man
ihrem Zweikampfe zufchaute. Es verging lange Beit,
ohne daß einer den andern’ mit einem Siebe traf:
fo Tampfgeübt waren fie.
Darnad) drangen Lyngve's Brüder tapfer vor
und erſchlugen manchen Mann, etliche aber flohen. **)
Da wandte fih Hamund, Sigurd’8 Bruder, gegen
fie, und id) mit ihm; e8 gab da || 64) nod) beträcdht-
lichen Widerftand. Sigurd’3 Kampf mit Lyngve
endigte aber damit, daß Sigurd ihn zum Gefangenen
machte, und ward er in Eifen gelegt. ***) AS nun
Sigurd zu uns (d.h. und zu Hülfe) fam, war [der
der Bolf.- und Ragn.- Saga; vgl. namentlid) S. 294,
3. 12 fi. 329,
*) Eigentlih: „Sigurd darf man nit Muth abiprechen”.
**) Bol. oben ©. 294, 3. 15 — 295, 2. 1.
***) S. oben S. 310%. 217. 195°,
formelhaften Schilderung mit Vols. S. 802 beruhen wohl auf Zu⸗
fall. — In folgender Schlachtſchilderung Hat unfer Berfafler den
Kampf anders ausgemalt als Vols.
371
Kampf] bald entjchieden: Hunding's Söhne fielen da
mit ihrem ganzen Heere; indeß begann e8 da [fchon]
nächtlich "zu Dunkeln. ‚
Als aber der Morgen anbrad, war Hnifar
verſchwunden, und ward nicht wieder geſehen; ie
glaubten, e8 wäre Odin gewejen.*) E83 ward nun
beiprochen, welches Todes Lyngve jterben ſollte. Regin
gab den Rath, daß man ihm den Blutaar auf den
Rüden rigen **) ſollte. Da nahm Regin fein Schwert
von mir ***) und ritzte damit Lyngve's Rücken, in-
dem er ihm die Rippen von dem Rüdgrat abjchnitt
und die Zunge da herauszog. 7) So jtarb Lyngve
mit großem Heldenmuthe. F}) | Regin ſprach da:
„Run ift der Blutaar
Mit ſcharfem Schwerte
Auf den Rüden dem Tödter
Sigmund’3 gerißt:
*) Der auch fonjt in gleicher Weife verſchwindet, ſ. oben
©. 15*. 53*.
x**) Bol, oben S. 330?, wo diejer At auch) in ganz ähnlicher
Weiſe eingeleitet wird.
***) Das Schwert Ridil, welches er Get geliehen hatte; ſ.
oben ©. 364*,
+) Bgl. oben ©. 330 den Tert in der Anm. !.
+r) Ebenjo heißt es auch von Ragnar ©. 313* und Gunnar
©. 278 +7.
1) Bal. Vols. ©. 79, 3. 10 (ſchon vor dem Kampfe).
24*
372
Keinen kühneren
Königsſohn gieht es,
Der das Schlachtfeld röthet,
Und den Raben”) erfreut? er.“ * 1
Da ward große Beute gemacht ‚und erhielten
Sigurd’3 Gefolgslente daS alles, denn er [felber]
wollte nicht3 davon Haben. Da war ein großer
Schatz an Kleidern || 65) und Waffen.
Darnach erfhlug Sigurd Fafni und ebenfo
Regin, weil dieſer ihm nad) dem Leben trachtete.
Da nahm Sigurd das Gold Fafni's und ritt damit
hinweg ?; feitdem wurde er Fafnistödter benannt. |
Hierauf ritt er hinauf zum Hindarfjall, und dort
fand er Bryuhild ***)3 und erging es zwifchen bei-
den fo, wie in der Saga von Sigurdf) erzählt wird.
— — — —z —
*) Eigentlich „Hugin“, ſ. oben ©. 78”,
xx) Bu ber Ueberſetzung dieſer Halbſtrophe vgl. d. Nachtr.
xxx) Richtiger Sigrdrifa, die die Volſungaſaga mit Brynhild
zuſammenwirft. (Iſt hier die Vermengung durch die
knappe Form der Inhaltsangabe veranlaßt?)
+) Damit iſt nicht, wie vielfach angenommen wird, die
Volſungaſaga gemeint, ſondern der betreffende Abſchnitt
der Lieder⸗Edda (von Sinfj. bis Brynh. helr.), der dem
Haupttheile unjereg Nornageſt's-thatt als (theilmweife
wörtlich "benußte) Duelle diente. Bgl. meine Aus-
führungen Germ. 24301 ff.
1) Regm. 26. — 2) Kurze Inhaltsangabe der Bein: — 3) = In⸗
BRUT 2 Unfangs der Sigar.
‚Ah
373
Sechstes Kapitel.*)
ODarmnach vermählte Sigurd fi mit Gudrun,
Gjuke's Tochter, und blieb eine Zeit Yang dort bei
Teinen Schwägern. N Ich war abwechſelnd bald
bei Sigurd, bald in Dänemark; ich. war auf)
damals dei Sigurd, als König Sigurd Hring**)
die ihm verſchwägerten **) Gandalfsföhne zu den
Gjufungen, Gunnar und Hogue, jandte und forderte,
daß fie ihm Tribut zahlen follten, oder dad Kriegsglück
berfuchen. }) Sie aber wollten ihr Land mehren. +7)
Da begrenzten die Gandalfsföhne den Gjufungen
*) Vcherfchrift: „Hier kämpft Sigurd mit den Gandalfs-
föhnen“ S; „Geſt erzählt von Starkad“ F.
“Bol. oben S. 285*.
***) mäga. Vgl. Fas. 1,380. 388: Gandalfs synir mägar
hans (Sigurd Hring's). Näheres über died Verwandt:
ſchaftsverhältniß willen wir nicht.
r) Wörtlih: „einen Heerzug erdulden“.
+r) Die Hier zu Grunde liegende Sage findet jich wieder
in der Epifode des Sachſen- und Dänentrieges im Nib.-
Liede. Auch dort jagen der Dänen- und Sachſenkönig
den Gjukungen Fehde an, und Sigfrid kämpft auf der
Seite feiner Schwäger gegen jene. Auch Vols. (S. 127,
148***, 206,6-19 — Atlam. 95 f.) weiß von Kriegs⸗
zügen, die Sigurd nad) feiner Bermählung mit Gudrun
in Begleitung feiner Schwäger unternahm, und nennt
1) Bgl. Vols. ©. 126%. 135.
x
374
einen Rampfplaß*) an der Landesmark und fuhren
dann wieder zurüd. Die Ojufunge aber bgten Sigurd
den Safnistödter mit ihnen in die Schlacht zu ziehen;
und das that er. Sch war damals wieder bei Sigurd.
Wir fegelten da nordwärt3 nach Holjetaland**) und
landeten bei einem Orte Namens Sarnamoda. Unmeit
des Hafen? aber waren die SHafelcuthen*) aufge
ftedt, wo der Kampf ftattfinden ſollte. Da fahen
wir viele Schiffe von Norden her fegeln; dieſe be-
fehligten die Gandalfsſöhne. Beide Heere gingen
num an’8 Land. |
Sigurd Hring war nicht dabei, denn er mußte
jein Land | 66) Schweden ***) vertheidigen, weil Die
Kuren.}) und SKyänen Fr) dort eingefallen wareı. '
Sigurd war damals ſchon hochbejahrt.
ald die befiegten Tyeinde einen Dänen- und GHunen-
(d. 5. Sadjen-) König (S. 148), Vgl. Müllenhof,
Nordalb. Stud. 1,191 ff.; Geſch. d. N. NR. ©. 32 f.
HS. 183 f. 256. Raßmann, Helden]. 1,184 f.
*) Eigentlih: „fie jtedten ihn mit Hafelruthen (tie da3
üblich war) ab“.
**) Bol. oben ©. 369*. |
***) Sigurd Hring herrſchte nämlich nach) der Bravallafchladt
über Dänemark und Schweden zugleid).
+) Bewohner von KRurland.
rr) Ein finniider Stamm, der zu beiden Seiten des bott-
nijhen Meerbuſens wohnte.
375
Nun ftießen die beiden Heere aufeinander; da
begann eine heftige und blutige Schlacht. Gandalf's
Söhne drangen tapfer vorwärt3*), dieweil fie größer
und jtärfer als andere Männer waren.
In ihrem Heere jah man einen gewaltigen und
ftarfen Mann, der fchlug alles nieder, Mann und
Roß, jo daß nichts gegen ihn Stand hielt; denn er
glich mehr einem Rieſen ald einem Menſchen. König
Gunnar bat Sigurd, diefem Teufel in Menfchen-
geftalt entgegen zu treten, weil, wie er fagte, es
fonjt nicht gut abgehen würde. Sigurd machte fi
nun gegen den großen Mann auf, und einige Männer
mit ihm; die meilten jedoch hatten nicht Luft dazu.
Wir erreichten bald den ungeheuern Mann (ſprach
Geſt), und fragte Sigurd ihn nad) feinem Namen,
und wo er ber wäre. Er antwortete, er hieße Star-
fad, Storverk's Sohn**), [und ftamme] vom Norden,
von Norwegen her, aus Fenhring.***) Sigurd fagte,
er habe jeiner erwähnen hören, zumeift aber inı
Schlimmen: „jolde Männer fol man nicht mit Leid
verſchonen.“ Starkad ſprach: „Wer iſt diefer Mann,
*) Vgl. oben ©. 369}.
**) Ein berühmter nordiiher Sagenheld.
***) Eine Inſel an der norwegiſchen Küfte, nicht weit von
Bergen.
376
der mi jo fehr mit Worten ſchmäht?“ Sigurd
nannte feinen Namen. Starkad fuhr fort: „Bilt du
Safnistödter benannt?” „So ift’3,“ antwortete
Sigurd. Da wollte Starfad fih davon machen.
Sigurd aber ſetzte ihm nad, züdte dad Schwert
Sram und zerichlug ihm mit dem Gefäß die Kinn-
lade, jo daß ihm zwei Badzähne herausſprangen,
und verftümmelte ihn fo mit dem Hiebe.*) Dann
hieß Sigurd den Hund**) ſich hinweg heben. Da
entwich Starkad. Ich aber nahm den einen Badzahn
auf und trug ihn | 67) bei mir; er hängt nunmehr
zu Lund in Dänemark**) an einem Glodenftrange
und wiegt ſechs Oret), und es fcheint den Leuten
eine Sehenswürdigkeit, ihn dort zu betrachten. Nah
Starkad's Flucht aber flohen Gandalf’8 Söhne.
Wir machten da große Beute. Darnach zogen die
Könige heim in ihr Reich, und jagen num in Ruhe.
*) Eigentlih: „und war das ein Verſtümmelungshieb“.
Eine Berftiimmelung follte er nämlich) nad) Thor’3 Be-
ftimmung (Fas. 3,33) in jeden Kampfe erhalten.
**) Eigentlich: „Hund in Menfchengeftalt“.
+) Schonen gehörte früher zu Dänemark.
+) Dre (Unze) ift der 16. Theil des Pfundes.
877
Siebentes Kapitel.*)
Kurz darauf hörten wir von der Unthat Star-
kad's erzählen, daß er den König Armod im Babe
ermordete. **)
Eined Tages gefchah ed, daß Sigurd zu einer
Verſammlung ritt, da gerieth er in einen Sumpf, und
fein Roß Grane ſprang jehr Ichnell und mit ſolcher
Gewalt heraus, daß der Bruſtgurt zerſprang und die
Spange nieder fiel. Als ich ſie nun im Lehm blinken
ſah, hob ich ſie auf und brachte ſie Sigurd; er aber
ſchenkte ſie mir: eben dies Gold habt ihr vor kurzem
geſehen. Sigurd ſtieg dann ab, und ich ſtriegelte ſein
Roß und wuſch ihm den Lehm ab. [Dabei] zog ich
ihm einen Haarbüfchel aus dem Schweife, zum Zeichen
der Größe des Roſſes.“ Damit zeigte Geſt den Haar:
büfchel, und war derfelbe fieben Ellen lang.***) !
König Dlaf ſprach: „Sch finde großes Ver—
*) Meberichrift: „Hier zeigt (?) der Geft die Sattelfpange“
S; „Seit erzählt von Sigurd” F.
**) Nach andern Quellen hieß der König Ale. Dem Star-
fad war von Thor bejchieben, daß er Drei Frevelthaten
begehn jollte (Fas. 2,32).
x*xæ*) Eigentlich: „hoch“.
1) Bgl. Gestar. Str. 20—28.
378
gnügen an deinen Erzählungen.“ Alle lobten hierauf
feine Geſchichten ſowohl wie feine Unerſchrockenheit.
Der König wollte, daß || 68) er noch viel mehr von
den ‚Begebenheiten erzählen follte, die fi) auf feinen
Fahrten zugetragen. Geſt erzählte ihnen [nun noch]
viele intereffante Dinge bid zum jpäten Abend. Dar-
nad) ging man zu Bette.
Aber am Morgen darauf ließ der König Geft
[wieder] rufen und wollte ſich noch weiter mit ihm
unterhalten. Er ſprach: „Nicht kann ich ganz über
dein Alter mit mir einig werden, wie es glaub»
haft werden könnte*), daß du ein jo alter Mann
feift, daß du bei diefen Begebenheiten zugegen ge:
weſen. Du wirft noch andere erzählen müffen,
jo daß wir über ſolche Begebenheiten befjer unter-
richtet werden.“ Geſt antwortete: „Sch war im
Voraus überzeugt davon, daß ihr noch andere Dinge
würdet von mir hören wollen, wenn ich euch in
Betreff des Goldes fagte, wie es [damit] zugegangen
wäre.“ ** Der König ſprach: „Allerdings ſollſt du
erzählen.“
*) Wörtlih: „welche Wahricheinlichkeitägründe es fein
fönnen“.
*®) Bol. oben S. 356 f.
379
Achtes Kapitel. *)
„Sp ift denn noch zu berichten (ſprach Geſt),
daß ich nordwärtd nach Dänemark zog und mic) dort
auf meinem Vatererbe niederließ, denn er (mtein
Vater) ftarb bald. **) Kurz darauf vernahm ich
den Tod König Sigurd's ſowie der Gjufunge, und
war mir das eine fchwere Kunde“ Der König
fragte: „Wie fam Sigurd zu Tode?“ Geft ant-
wortete: | „So erzählen die meiſten Leute, daß Gut»
thorm, Gjuke's Sohn, ihn im Schlafe neben Gudrun
mit dem Schwerte durchbohrte. Deutjche Männer ***)
dagegen erzählen, Sigurd fei || 69) draußen im Walde
erichlagen worden. In Gudrun’d Klagelieder) aber
heißt e8, daß Sigurd mit Gjufe’3 Söhnen zu einem
*) Meberfchrift: „Brynhild fpricht im Tode Strophen‘ (frei
überjett) S; „Get erzäflt von Brynhild und der
Riefin“ F.
**) skjött, — früh?
*.*) Dieje jpeciell-deutiche Sagengeftalt kam jpäter nad) dem
Norden als die ältere, im Allgemeinen den Eddaliedern .
zu Grunde liegende. Doch findet fich Diefe jüngere
(deutjche) Sagenfafjung fchon in einzelnen der Edda⸗
lieder (Germ. 23,86 f. 335).
y) Eigentlih „Gudrun's Geſpräch (reedha)“, an der ent⸗
ſprechenden Stelle der Liederfammlung „das alte Gu-
drunlied“ genannt, Gudr. II iſt gemeint.
«
380
Thing (VBerfammlung) geritten wäre und fie ihn da
erichlagen hätten. Darin aber ftimmen Alle über-
ein *), daß fie ihn liegend und nicht3 ahnend er-
ſchlugen und ihn in feinem Vertrauen verriethen. ?
Da fragte einer der Hofleute: „Wie benahın
ſich Brynhild da?“ Geſt fprad: | „Brynhild er-
Ihlug da fieben ihrer Knechte und fünf Mägde,
durchbohrte ſich felber mit dem Schwerte? und ge-
bot fie mit jenen Leuten zum Scheiterhaufen zu
fahren und ihre Leiche zu verbrennen. 3? Go gefchah
es, daß ein Scheiterhaufe für fie, ein anderer für
Sigurd errichtet ward, und verbrannte man ihn
zuerſt. Brynhild aber ward auf einem Wagen ge-
fahren, und war darüber ein Belt von koftbarem
Gewebe und Burpur errichtet, und funfelte Alles wie
Gold, und fo warb fie verbrannt.” *
Da fragten fie Geſt: „Sit dad etwa wahr, daß
Brynhild als Todte [noch] Strophen gejprochen, al
fie zum Scheiterhaufen gefahren ward Geſt er-
Härte, daß dies wahr fei. Sie baten ihn, dieſelben
zu wiederholen **), wenn er fie wüßte. Da ſprach Geit:
*) Wörtlih: „Das wird allgemein gejagt“.
2) nm „zu ſprechen, vorzutragen‘, vgl. oben ©. 280,
31
1) Meift — = Brot, Schlußproſa, 3. 3-14. — 2) Meiſt wört⸗
lich = Gudr. I, Schlußprofa, 3. 6-9. — 3) Vgl. Sie. sk. 65—70.
4) = Proſa vor Brynh. helr., 3. 1—6.
%
381
„AS Brynhild auf dem Todtenwege*) zur Berbren-
nung gefahren ward, kam man mit ihr in die Nähe
eiwiger. Felsklippen. Dort wohnte eine Wiefin. !
Diefe ftand draußen vor dem Eingang zur Höhle
und Hatte einen Fellrock an; fie war ſchwarz 70)
von Antlitz.*) In der Hand hielt fie einen bren⸗
nenden Baumaft, und ſprach aljo: „Hiermit will id)
zu deiner Verbrennung beitragen, Brynhild! Und
befjer wäreſt du lebendig verbrannt für deine Un-
thaten, daB du Sigurd den Yafnistödter, einen fo
vortrefflichen Mann, ermorden ließeft. Dft habe ich
*) Genauer der „Helsiveg”, der Weg der in's Todtenreich
der Hel (f. oben ©. 71*) führt. Das Gejpräd ward
urſprünglich (jo aud in der LXieder- Edda) auf dem
unterirdifhen Todtenwege nach der Berbrennung
gedacht; unfer Verfaſſer verlegt es irrthümlich auf die
Fahrt zum Scheiterhaufen.
*®) Bol. Fas. 2,127: „Eine Unholdin im Felltod... und
ſchwarz wie Pech”. Schwarz wurden auch die Dunfel-
Ekfen (unterirdifche Seelen) gedacht, und Hel war als
Todesgöttin ſchwarz; nach der älteren Auffaffung als
Lebens» und Todesgöttin (Hel = Holda = Freyja,
f. oben ©. 186*) iſt fie Halb ſchwarz, halb weiß. Biel-
leicht meinte der Dichter des folgenden Liedes Hel jelbit
mit der redenden Riefin. (Gewöhnlich faßt man- diefelbe
als Brynhild's perjoniflcirtes Gewiſſen auf.)
1) gl. die Profa vor Brynh. helr., 3. 6-9.
382
ihn unterftüßt*), umd deshalb will ich dich "in
Strophen anjpredhen mit ſolchen Zornworten, daß du
allen noch verhaßter werdeſt, die ſolches von dir
fagen hören.“ **)
Hierauf Sprachen fie einander beide in Strophen
an, Brynhild und die Riefin. ***) | Die Riefin ſprach:
„Richt iſt Dir beichieden
Bu durchſchreiten
Die Steingeftügten
Höfe mein.
Es ziemte dir befjer
Anı Webituhl zu ſitzen FT),
Als unjere Häufer
Heimzuſuchen. T7)'
*) Bol. Fas. 3,474 f.
**) Alle diefe pecielleren Ausführungen jcheinen lediglic
Ausſchmückungen unjeres Verfaſſers zu fein.
we) Hier iſt das Lied „Brynhildar helreidh “ vollitändig
eingejchoben.
+) Teppiche zum (Wirken oder Stiden) ausbreiten. Xgl.
oben ©. 111**, 144***, 1687.
Fr) Die Riefin, in der wir vielleicht Hel zu fuchen haben
(f. oben S. 381**), meint, es wäre weiblicher geweſen
nad) Sigurd’3 Tode feine Thaten auf Teppichen darzu-
ftellen (vgl. S. 111; wie ähnlich Gudrun that, |. oben
©. 168 f.) als fi) mit ihm zu tödten umd fo in Hel's
1) Helr, Str. ı.
383
Wie darfit du
Vom Schlachtenlande *),
Wankelmüthig Weib,
Mein Haus beſuchen?
Du Haft den Wölfen,
Willſt du's wien, || 71) R
Schändlich vergofjenes (?) **)
Münnerblut gegeben.“ '
Da ſprach Brynhild:
„Nicht tadle mich drum,
Weib aus der Höhle,
Nahm ſſh auch früher
Am Kampfe Theil:
Bon uns beiden***) werde ich
Als beſſer gelten,
Wo man die Art
Von uns beiden tennt. ?
Todtenreich zu fommen, wo jte ohnehin als Odin's Wal-
kyrje nicht? zu ſuchen babe (f. d. folgende Strophe).
*, af Val-landi „von der Wahlstatt”, die Odin, dem
Herrn Wal-hall's gehört (f. Germ. 23,417). Unfer
Text lieft übrigens v& alandi „Weh-Erzeugerin”.
**) meini -bDlandat. Der Tert der Lieder-Edda lautet:
„Du haft, freigiebige Fürftin, Wilft du es wifjen, Von
den Händen dir Männerblut gewaſchen“.
***) D. h. von dir und mir; oder vielleicht richtiger: von
Gudrun und mir (Holbmann); f. aud) oben ©. 38214.
1) Helr. 2. — 2) Helr. 3.
384
Die Riefin ſprach:
„Du bilt, Brynhild,
Budle's Tochter,
Gar unheilvoll *)
Zur Welt gefommen.
Du haft Gjuke's
Kinder vernichtet
Und ihren glüdlichen
Hofhalt zeritärt.!
Brynhild ſprach:
„Sagen will ich dir
Wahre Rede, || 72)
Argliftig Weib **),
Willſt du es willen,
Wie mich machten
Gjuke's Söhne
Der Liebe verluftig ***)
Und eidbrüdjig.F) ®
*) Wörtlich: „unter ſehr ſchlimmen (unheilvolfen) Vor:
zeichen“.
**) Der Tert in der Lieder⸗Ebda weicht hier etwas ab.
+4) Das von ihr erfehnte und ihr eigentlich befchiedene Ver:
hältniß gegenfeitiger Liebe zwifchen ihr und Sigurd.
+) Vgl. oben ©. 143***, 151°,
1) Helr. 4. zer 2) Helr. 5.
385
Es ließ (bei Heimi?)
Der muthvolle König *)
Mich, Atle's Schweiter,
Unter der Eiche**) wohnen.
Zwölf Winter war ich,
Willſt Du es wiflen,
Als dem jungen Zürften ***)
Ich Eide ſchwor. y)'
(Im Gothenvolfe (?)
Ließ den alten. .
Hialmgunnar id)
Zu Hel ++) wandern;
_— — — — oo
*) Budle (?). — „Bei Heimi“, wie S. 387, 3. 3—7 zeigt.
**) Soll vielleicht heißen: „im Walde“, draußen in dem im
Walde gelegenen Gehöfte Heime’3, im Gegenjaß zu der
Königsburg Budle's (2). Ueber die Auffafjung diefer
Halbftrophe f. d. Nachtr.
x*x*) Sigurd (nicht Agnar, wie gewöhnlich erklärt wird) ift
gemeint (ſ. Germ. 23,414 f.); vgl. oben ©. 116'.
5 In der Lieder-Edda folgt. hier die Halbitrophe: „Mich
hießen Alle In Hlymdal Hild unterm Helme, Wer
mich kannte.” In Hlymdal wohnte Heimi, der Schwager
Brynhild's, bei dem fic fich ne „ vgl. oben ©. 109
bis 111; unten ©. 3877. Die folgenden Drei
Strophen unterbrechen ben —— ‚ſ. unten
S. 387 **.
tr) S. oben ©. 71*.
1) Helr. 7.
25
386
Sieg gab ich dem jungen
Bruder Auda's;
Drob ward mir Odin
Heftig erzürnt. *) !
Er umſchloß mich mit Schilden
In Skatalund || 73),
Mit rothen und weiben,
Schild ſtieß an Schild. **)
Der follte, gebot er,
Bom Schlaf mid erweden,
Der nie und nirgend
Furcht gefannt. *
Um meines Saales
Südliche Seite
Ließ hoch er Flammen
Des Holzes Bertilger. ***)
Dem Einen }) erlaubt’ er
Hinüber zu fprengen,
*) Denn Odin hatte ihm den Sieg verheißen, f. Sigdr.
Proja nad) Str. 2, 3.7 f. Oben ©. 96.
**) So nad) dem beſſeren Text der Lieder-Edda. Nth.
reyndar svxfdha.
***) Das Teuer (dev Waberlohe). .
) Wörtlih: „Dem Helden allein“.
1) Helr. 8. — 2) Helr. 9; Vols. 95*. 966, — Zu 1) umd 2) vgl. Sigdr.
Proja nah Str. 2, 3. 18-21. Fafn. 42,58 (umd dazu Germ.
23,165); 43,5—44,1.
Sn.
Der das Gold mir brädhte,
Drauf Fafni Tag. *) 2) **)
Es ritt der edle
Goldfpender **) auf Grane
Dahin, wo Haufte
Mein Pflegevater P).
Er allein erſchien dert,
Der Dänentämpe tr),
Werther als alle
Sn der Mannenjdiaar. *
— in — —
*) Der alſo Fafni vorher erſchlagen und ſich dadurch als
gänzlich furchtlos erwieſen hätte.
**) Die 3 eingeklammerten Strophen unterbrechen den Zu⸗
fammenhang: fie find fälſchlich Hierher gerathen, aus
einem Liede, deifen Broja-Auflöfung (in etwas ab-
weichender Geftalt) in Sigdr. Proſa nah Str. 2,
3. 3—21 vorliegt. Dort entipridt 3. 3—12 einer,
unfern dreien vorhergehnden Strophe.
***) D. h. Fürſt: Sigurd.
+) Heimi in Hlymdal, |. oben 3884.
+r) vfkingr Dana. Selbſt wenn Danir bier in dem weitern
Sinne = Norbleute („der nordiſche Held?“) gefaßt
wird, bleibt diefe Bezeichnung Sigurd's doch auffallend,
da Sigurd aud) in der nordifhen Sage noch als frän-
kiſcher Held erfcheint. Darf man an Sigmund’3 Aufent-
halt in Dänemark (f. oben ©. 361 f.) denfen, oder daran,
1) Helr. 10. ®gl. Fafn. 42,14; 48,14; 44,58; Vols. &. 142**.
— 2) Helr. 11.
25*
388
Wir jchliefen zufrieden
Auf einem Lager,
Als ob von Geburt || 74)
Er mein Bruder wäre:
Keines von beiden
Durft’ um das andre
In acht Nächten
Den Arm ſchlingen.?
Das warf Gudrun mir vor,
Gjuke's Tochter,
Daß ich in Sigurd's
Armen geſchlafen:
Da ward ich des inne,
Was ich nicht wollte *),
Daß fie mich täufchten
Bei der VBermählung. ?
Es werben mit Sorgen (Hader?)
Allzu lange
Männer und rauen
Das Leben verbringen **):
daß eine Faffung der Sage Hjalprek's Reich in Däne-
mark gedacht zu Haben fcheint (ſ. oben ©. 60. 3. 9. 168.
369%%*)? Oder ift Danir ganz allgemein — „Helden“,
„Krieger“ gebraudit, wie z. B. Herv.s, ©. 255, Bugge
(. d. Anm. ©. 358)?
*) D. h. was ich lieber nicht gewußt hätte.
**) Wie auch wir bisher. Ueber die Auffaſſung biejer
Halbſtrophe |. Germ. 23,416.
1) Helr. 12. — 2) Helr. 13.
389
ii Uns ward. beichieden
en Gemeinjamer Tod,
— Sigurd und mir*):
Bl nun, feige Riefin !!
Da ſtieß das Rieſenweib ein fürchterliches Ge⸗
(re aus, und ſtürzte au in den Berg. e |
Hierauf ſagten die Hofleute des Königs: „Dos
eradbt: und, erzähle noch mehr.“ _ Der König: [aber]
ſprach: „Es iſt nicht nöthig, noch mehr ‚von. folchen
Dingen. zu .erzählen.“ || 75). V
Der König fragte [daraufl: „Warſt du etwa
[auch] bei den Sobbrofsföhnen**)?“ Geſt antwortete:
„Nur kurze ‚Beit war ih bei ihnen, und zwar kam
ig zu ihnen, als ſie im Süden bei den Alpen heer—
fahrteten u und Vifilsburg brachen. — Da war alles i in
Schrecken vor ihnen, weil fie überall; fieghaft waren,
wohin fie nur famen;:| und fie. gedachten damals gen
9 Damit kommt Brynhild auf den Vorwurf der Rieſin
zurück, daß es ihr nicht geziemte, Sigurb in. den Tod
30 folgen; ſ. oben ©. 8824.
ee) Diez ift die gewöhnliche Bezeichnung der Söhne Ragnar
Lodbrok's, ſ. darüber Storm, Ragn. Lodb. S. 67—63.
— Wie oben 299 f. erzählt iſt.
1) Helr. 14.
2
Rom zu ziehen. *)ı Eines Tages geſchah es, daß
ein Mann vor König Born Eifenfeite **) trat und
ihn begrüßte. Diefer nahm ihn freundlich auf und
fragte ihn, von wannen er käme und wie er hieße.?
Jener fagte, er heiße Sones ***) und komme von
Süden her aus Rom. ? Der König fragte: „Wie
weit ilt e8 biß dahin?“ Sones antwortete: „Hier
fannft du, König, die Schuhe jehen, die id) an den
Füßen trage.“ * Damit 30g er Eiſenſchuhe von feinen
Füßen, die waren oben fehr did, aber unten ganz
abgelaufen: „So weit ift der Weg von hier bis
*) Vgl. Ragnarsſaga, Kap. 13. Die folgende Epifode
giebt in knapperer und wie es jcheint urfprünglicherer
Form (f. 3.8. die folgenden Anmerkungen) den Inhalt
dieſes Kapitel3 wieder. Troß mancher wörtlicher Be—
rührungen kann unjere Darjtellung fehr wohl auf
mündlier Xradition beruhen. Sollte indeffen die
Ragnarsfaga die Duelle gemwejen fein, jo müßte eine
ältere, kürzere Gejtalt derjelben vorgelegen haben; f. d.
Einl. (Bgl. auch Storm, Ragn. Lodb. ©. 112.)
xx) Daß Bjorn bier als Leiter des Zuges erfcheint, ift ur⸗
fprünglicher, |. Storm ebd. gl. oben 339}. 340%**,
***) Auch die Erhaltung des Namens beruht auf urfprüng-
ficherer Weberlieferung, |. Storm ebd.; Bugge, ©. 80.
1) Val. Ragn. s. ©. 300, 3. 7—9. — 3) vgl. ebd. ©. 300, 3. 16 biß
301, 3. 1. — 3) vgl. ebd. ©. 301, 3. 1—9 (viel ausführlicher,
dod ohne den Namen). — 4) = Ebd. 3. 8—12.
391
nach Rom, wie ihr hier an meinen Schuhen ſehen
könnt, wie arg fie mitgenommen ſind.“ [Da] ſprach
der König: „Das- ift ein gar fehr weiter Weg
(ihn zu ziehen), und jo wollen wir umfehren und
nit in das Römerreich heerfahrten.“ Das thaten
die Brüder auch, und zogen nidht weiter. * Das
Heer aber fand es verwunderlich, auf Eine Mannes
Wort Hin umzulehren. | Damit zogen die Lodbroks⸗
ſöhne heim ? und heerten nicht fürder im Süden.”
König Dlaf ſprach: „ES ift augenfcheinlich,
daß die heiligen Männer in Rom ihren Uebergang*)
dahin nicht wünfchten, und es wird || 76) jener Geift
von Gottes Macht gejandt worden fein, da fo ihr
Borhaben aufgegeben ward, und fie feine Gewalt-
thaten in der heiligſten Stadt begingen.”
Neunted Kapitel. **)
Weiter befragte der König Geit: „Bei welchem
Könige, zu dem du gefommen, hat e8 dir am beiten
*) Weber die Alpen? Nach Ragnarsſ. waren fie freilich
Schon in Luna. Sit alfo zu überfeßen: „ihren Ueber:
muth [fich] nicht dorthin [menden laſſen] wollten ?“
=) Ueberſchrift: „Erzählungen Nornageſt's“ S; „Bon des
Königs Fragen an Geſt“ F.
1) gl. Ragn. s. S. 301, 3. 12—18 (obiger Tert kürzer und anfcheinend
urfprünglider). — 2) vgl. ebd. 8. 19—21. — 3) vgl. ebd. S. 301,
8. 21 bis 302, 8. 1.
392
gefalleii ?* *) Geſt antwortete: „Am meiften Freude
fand ich bei Sigurd und bei’ den Gjukungen, bei den
Brüdern aber, den Lodbrofsföhnen, konnte Jedermann
am freiften nad) feinem Gefallen Ieben. Aber bei
König Eirek in Upſala **) war das größte Wohlleben;
König Harald Schönhaar ***) aber hielt am ftrengiten
unter allen Königen auf (höftfches) Benehmen und
Hofſitte. Ich war ’aud bei: König Hlodve f) in
Sachſenland ++), und dort ward id) [mit dem Kreuze]
eingejegnet, denn ich durfte ſonſt nicht da bleiben,
weil dort das Chriſtenthum hoch gehalten ward; und
da gefiel e8 mir in jeder ‚Beziehung am beften.“
Der König ſprach: „Mancherlei Kunde wirft
du berichten fönnen, wenn wir: fragen wollen.“ Er
fragte darauf nad) vielem, [und] Geft gab ihm über
*) Wörtlih: „Wo biſt du in der Weife zu Königen ge:
kommen, daß es dir am beiten gefallen. hat?“ .
**) Erich, der Upfala-König (7 885), der Sage nah Born
Eifenfeite’3 Urenkel, jcheint gemeint zu jein.
**x) Der befannte Einlönig von Norwegen, |. oben ©. 333'.
PD. h. Hlodowech (Chlodwig — Ludwig), ſ. H. Zſchr. 23,
167. Einer der Karolingiſchen Ludwige (der Fromme
oder der Deutſche?) ſcheint gemeint? Vgl. übrigens
die folgende Anmerkung.
Tr) Saxland bezeichnet in nordiſ chen Ouellen zunüchſt Sachſen,
wird aber nicht ſelten ungenau auf ganz Bean
übertragen.
393
da3 "alle genau Beſcheid, und zuletzt ſprach er alfo:
„Jetzt fan ich euch erzählen, warum ic) Norna-Geit
benannt bin.“ Der König fagte, er wollte es [gerne]
hören. er
Behntes Kapitel. *)
„Das gefhah damals, als ich bei meinem Water
aufwuchs, in dem Orte, der Gröning **) heißt. Mein
Vater war. rei) an Geld und Gut und führte einen
großartigen Haußhalt. Es zogen | 77) damals dort
Volven ***) durchs Land, welche Wahrfagerinnen ge-
nannt ‘wurden, und: weifjagten den Leuten ihr Scid-
fal. Deshalb Tadeten viele Männer fie zu ſich ins
Haus, bewirtheten fie und gaben ihnen beim Abfchied
werthvolle Mleinodien. Mein Vater machte es auch
fo, und Tamen fie mit großem Gefolge +) zu ihm
29 neberſchrift: „Hier wird davon berichtet, was die Nornen
tiber Lebenszeit und Lebensgeſchick [Geft’3] im Voraus
bejtimmten” S; „Norna-Geft wird auf des Pens Ver⸗
- anlaffung getauft“ F.
**) S. oben ©. 347, 3. 2.
“er S. oben ©. 46**, 263. Hier zu berumgiehenden
Wahrfagerinnen herabgeſunken (wie 3. 8. auch in der
Saga von Eirek dem Rothen).
+) Eigentlich: „mit einer Schaar von Männern Bauten). A
394
und follten mein Schickſal weiffagen. *) Ich lag da⸗
mals in der Wiege **), und al3 fie über meine Sache
(Schidjal) ihren Spruch abgeben follten, brannten
über mir zwei Wachskerzen. Sie ſprachen Günftiges
über mich und jagten, ich würde ein gar glücklicher
Menſch werden, und fo jollte es mir in allen Dingen
ergehn. Die jüngſte Norn ***) fühlte fi) von jenen
beiden zurücgefeßt, weil fie fie nicht befragt hatten. +)
Auch) war da viel rohes Gefindel, welches fie von
ihrem Siße ftieß und zu Boden warf. SHierüber
ward fie entrüftet, rief laut und zornig |drein] und
hieß jene mit jo günjtigen Verheißungen inne halten:
„Denn ich beicheide ihm, daß er nicht länger leben
*) Das ift jüngere Auffafjung. Eigentlih beftimmten
fie das Schidjal. Denn e8 find die Nornen, die hier
fälfchlih Volven genannt werden. Dieje beftimmen auch
ſonſt das Schickſal des Kindes, f. oben ©. 40*. 64*,
87**.
**) Vgl.: „Das ward mir nicht an der Wiege geſungen“.
***) S. oben Anmerlung.*) Es fteht übrigend hin yngsta
nornsn (= „die jüngfte, die Norn 7). Sollen nur bie
beiden ältern als Volven bezeichnet werden? Bgl. unten
©. 395** „die Ältere Volva“.
r) Ebenjo fpricht über Dorn rösſchen die dreizehnte „weile
Frau“ den Fluch, weil fie nicht geladet iſt. Dieſe weifen
Grauen, welche dem Kinde ihre Wundergaben verleihen,
entſprechen natürlich den Rornen.
395
fol, al3 die Kerze brennt, die hier bei dem Knaben
angezündet ift.“ *)
Hierauf ergriff die ältefte **) Volva die Kerze,
löfchte fie aus, und hieß meine Mutter diefelbe auf-
- bewahren und nicht eher anzünden, als in meinen
lebten Vebendtagen. Daun gingen die Wahrjagerinnen
fort, und banden die junge Norn ***) und führten
fie fo hinweg, mein Vater aber gab ihnen reiche || 78)
Geſchenke beim Abſchiede. Als ih num völlig er-
wachjen war, übergab meine Mutter mir dieje Kerze
zur Verwahrung; ich habe fie nun bier bei mir.“
Der König ſprach: „Was führte dich nun zu
und ber?“ Geſt antwortete: „Es kam mir jo in
den Sinn: ich gedachte, daß mir von euch irgend ein
Glück zu Theil werden würde, dieweil ihr von vor⸗
nehmen und weiſen Männern hoch gepriefen werdet.“
*) Dies „Lebenzlicht” ift Symbol des Lebens, wie das noch
heute in mancdherlei Gebräuchen zu Tage tritt. (Roch⸗
Holz, Glaube und Brauch 1,165 ff.) Das Märchen vom
„Gevatter Tod“ (Grimm, Nr. 44) zeigt uns eine große
Höhle, in welcher viele, viele Lichter brennen; jedes iſt
das Lebenslicht eines Menſchen; manche find eben erit
angezündet, manche dem Verlöſchen nahe. — Die Ber
wandtichaft mit der griechiichen Sage von Meleager iſt
unverkennbar.
**) Eigentlich ſteht: „die ältere”; vgl. oben ©. 394***,
ie) Hier fteht norn, nicht nornin.
396 .
Der König fragte: „Willſt du jeßt Bier - ‚bie
Zaufe annehmen?“ Geſt antivortete: „Das will id)
nun nad euerm Rathe thun.“ So geſchah e3 denn;
der König gewann ihn lieb und machte ihn zu einem
feiner Hofleute. Geſt ward ein gläubiger Mann *)
und beobachtete fleißig die vom Könige eingeführten
Sitten. **) = war auch En bei den Leuten.
Eiftes Kapitel, han}
Eines Tages geſchah es, daß der König Se
befragte: „Wie lange möchteft du noch Ieben, wenn
es in deiner Macht ſtände?“ Geſt antwortete: „Nur
noch kurze Zeit, wenn e8 Gott wollte.“ Der König
ſprach: „Wie Yange würde ed währen, wenn du
deine Kerze nähmeft, von der du erzählt haft?“ Ta
nahm Geſt feine Kerze aus feinem Harfenkajten. )
Der König hieß fie anzünden; das gejchah, und als
die Kerze angezündet war, brannte fie ſchnell nieder.
Da fragte der König Geit: „Wie. alt bift du?“
HD. h. guter Chriſt.
**) konungs sidhum; oder iſt allgemein „Hoffitte* gemeint?
ck) Ueberſchrift: „Nornageft ftirbt“ S; „Nornageſt's Tod“ F.
T) Das hölzerne Geſtell der Harfe ſcheint gemeint zu fein,
- worin ja auch Heimi die Fleine Aslaug . f. oben
S. 222 ff.
397
Geſt antwortete: „Ich bin nunmehr dreihundert
Winter alt.“ „Gar fehr alt bift du,“ fagte der König.
Geſt Iegte fih da nieder und bat, ihm die lebte
Delung zu geben. Das ließ der König ſogleich thun;
und als es geſchehen, war nur noch ein wenig von
der Kerze unverbrannt. Da erkannte man, daß 79)
es mit Geſt zu Ende ging; und ſobald als die Kerze
verbrannt war, verſchied auch Geſt); und ſchien Allen
fein Tod merkwürdig; der König legte auch feinen
Erzählungen große Bedeutung bei, und ſchien es fich
hinfichtlich ſeines Lebens zu betätigen **), wie (mas)
er erzählt Hatte.
*) Wörtlich: „Das war auch gleich jchnell, daß bie Kerze
verbrannt mar und Geſt verſchied“.
“*) Weil ſich Die Geſchichte von dem Lebenslichte ja beftätigte.
Aachträge
nebſt einigen Berichtigungen.
©. 13**: bran(d)stokkr ift vielleicht die richtige Leſung,
von brandr (Schwert), = „Schwertbaum“, fo daB der
Baum den Namen erſt davon erhalten Hätte, daß Obin
jein Schwert in denfelben hinein ftieß.
©. 17, 3.18: „die unferm Gefchlechte angeerbt ift,“ ift freie
Ueberfegung von ok kynfylgju värri.
S. 19, 3. 9: „(ihr und) König Siggeir’3 Vornehmen“. Die
beiden erften Worte ftehn befler in Klammern. Sie ent-
Iprechen allerdings dem Originaltert und laſſen ſich allen:
falls dadurd erklären, daß Signy in den Plan ihres Ge
mahls eingeweiht war; doch fehlen fie befier.
©. 21, 8. 3 f.: ®gl. unten ©. 194°,
©. 24, 3. 13: Am Ende des Abſatzes ift hinzuzufügen:
„Da gingen fie heim und fagten Signy, wie es ftände”.
©. 29, 8. 18: „Sigmund fchien [(Sinfjotle]“, bejier: „Er
(Sinfjotle) ſchien Sigmund .. .”
©. 39, 3. 13: „freudig“, beſſer „willig“.
S. 40, 3. 1: lies „der ih nah König Bolfung darein ...“
©. 41, 3. 6: lied „über das Heervolf”.
©. 42, 8. 3: lie „bi8 zu den Bannern der Söhne König
Hunding's“.
——
©. 42*: VBgl. S. 229+}. 2537.
©. 45, 8. 11 f.: Vgl. Fas. 2,273 f.
©. 46**: Neuerdings tft das Wort von Bang und Bugge
(Bang, Völuspaa og de Sibyllinske Orakler, Chriftiania
1879) für ungermaniih und für eime Entſtellung aus
[Si-]Bylla, Sibylle erklärt — eine Erklüͤrung, gegen welche
doch manche Bedenken bleiben.
©. 51, 3.12: „Roft und Wirthſchaft“], föngam, ſonſt liber-
jegt: „nach beiten Kräften” oder „aufs Köſtlichſte“.
©. 55, 3. 6: „übertraf da ein Tag immer noch den andern
in der Bewirthung“], wörtlich: „ward ba an einem Tage
immer noch befier bewirthet als am andern und mit
größerem Eifer”. -
©. 55, 3. 10: Nach „ihm“ ift hinzuzufügen: „und bewachte
nun fein Reich“.
©. 55, 8. 13: Die Ueberfegung ift S. 212** berichtigt.
©. 56, 8. 11 ff.: Bu der Schladtichilderung vgl. ©. 80*
u. ſ. w., ſowie ähnliche Schilderungen in der Ragnarsfage.
©. 58, 3.6 f.: gl. Nth. ©. 863.
©. 58, 3. 11—6©. 59, 8. 15: Bol. das fürdtfche Lied Regin
smidhur, Str. 9—18. 21. 24.
©. 59, 3. 13 f.: Die Worte ek mun nü vitja freenda
vsrra frammgenginna beruhen gewiß auf einem Liede,
wie überhaupt das ganze vorhergehende Geſpräch, was
fhon Müllenhof (H. Zſchr. 23,137) mit echt betonte.
Vgl. Herv. 8. (Bugge) ©. 312: Nu fysir mik, | fostri, at
vitja | framgenginna | frenda minna.
©. 60, 3. 9: „Bon Dänemark“, vgl. ©. 369***, 887.
©. 62, 3. 18: Lied: „lange genug“.
©. 67’: Bgl. das färöifche Lied Regin smidhur, Str. 63—55.
©. 67, 8. 16 ff.: Vgl. Thidr. s. 2,466. 467 f.
nei
©. 69, 3. 9: „Stromfalle“] lieg „Strome“,
©. 74: Zu Kap. 15, Abjag 1—8 vgl. dus fürifge Lied
Regin smidhur, Str. 49—50. 62—88.
S. 75, 3. 16: „und es“] lied „und er“, nämlich der Flock.
©. 76, 8. 14: Lied „Regin. Da“.
©. 78, 3. 6: Lies „Da Führer wäre“.
©. 81, 3. 4: Genauer wäre. folgende Ueberjegung: „.--
mag, 109 das Heer des Landes (te) zuſtrömt, es
doch.
81*: Vies ©. 56, 2. 18. 321®*.
. 82, 8. 8: Nach „pflegte“ ift Singugufügen: „wenn er
— zum Waſſer begab“. _
©. 91, 3. 11: „Sigurd“] jo die Hdſchr. wohl irrthümlich
ſtatt „Regin“ (= Fafn.), wie ſchon Bugge vermuthete.
Ridil iſt Regin's Schwert, vgl. ©. 364*. 371*
©. 93, 3. 4: „ſiebente“] lies „jechfte“.
©. 94, 3. 15: Lies „er vor fich ein großes“.
©. 97, 8.1: „wenn es euer Wille ift, und“ ift zu streichen.
. 107, 3. 10 ff: Vgl. oben ©. 64,8. 7 ff.
.108}}: gl. Rigsth. 35 und unten ©. 111*,
. 116, 3. 8: „Aeußerung“] beſſer
. 1161: Ergänze Helr. 7,7 f. .
. 119, 3.19: Lies „[Hamund’8]“. Der Name. ) Vaters
fehlt in der Höfchr.
122*. Bgl. unten ©. 232***, (167°. 298°).
. 124, 8. 24: „jollt ihr Eide leiſten“) nämlich einander.
. 177, 3. 16: Die Notenziffer * ift in ° zu ändern.
. 181%: Bgl. noch ©. 125, 3. 15; ©. 266*.
‚199%: gl. ©. 304**,
200: Statt ** lieg ***, ftatt “.. fies **,
. 232!: gl. nod) Herr. s. ©. 233, 3. 10—12.
AAAAAANA ARAAARNM (
za,
©. 23244: Saxo ©. 335: Huic (Alvilde, d. i. Alf-
Hilde) pater in arctam admodum custodiam relegats
viperam angvemque educandos commisit, pudicitiam
ejus adultorum tandem reptilium custodia vallaturus
.. . Statuit etiam, ut, si quis ejus aditum frustra ten-
tasset, protinw amputandum caput paloque re-
figendum preberet. Letzterer Zug findet ji) befannt-
ih in verjchiedenen Geftaltungen der deutichen Hildenfage
wieder, aber jo gewandt, dab alle um die Königätochter
mwerbenden Boten dad Haupt verlieren, ſ. Gubrun (ed.
Martin), Str. 202. 228; Ortnit, Str. 19 (86 sich die
zinnen an. zwei und sibenzic houbet hät er gestecket
dran, die er durch der frouwen willen hät boten abe
geslagen) ; Oswald (ed. Ettmüller) 307—12; Rother (ed.
Rüdert) 82 f. Bgl. auh Nib.- Lied (ed. Bartich),
Str. 327. 426.
©. 233***: Vgl. Liebreddt, Germ. 5,49 f. und „Orient
und Dccident‘ 1,566; Mannhardt, Germ. Myth. 149 ff.;
Schwarg, Urfprung der Mythologie, ©. 68 (über das
Wachſen des Goldes); Maurer, Isländiſche Volksſagen,
©. 174 f.
S. 238°: Vgl. Herr. s. ©. 233, 3. 14-17; aud) bier:
„Te ließ Gold unter ihn legen“.
©. 233°: gl. Herr. 3. 233, 17 f.
©. 234!: —= Herr. 5. 283, 18—21, faft wörtlich überein-
ftimmend.
©. 234°: gl. Herr. 8. 233, 22.
©. 234°: Vgl. Herr. s. 233, 22—26.
©. 234, 3. 10 f. (Biffernote 234%): —= Herr. s. 283, 26.
©. 236%: Vgl. Kräkm. Str. 1. Herr. s. ©. 233,
B. 27 ff. ar
402
S. 2367: Die Speernägel] vielmehr „den Speernagel“,
denn es iſt nur einer.
©. 238%: Nach Herrn Profeſſor Bugge's Mittheilung lieſt
die von ihm theilweife entzifferte Handfchrift brädhrädhin/n)
mi’ (d. i. mer) daudi. Alſo ift vielleicht zu conftruiren:
ek skal hafa böl, nema daudhi, WWädhrädhinn mer,
biti til hjarta heidharlax hringlegginn (vgl. Häv. 85,4)
vell-smjügi ?). Dan vermißt eine Anfpielung auf den
Hort, auf dem der Drade liegt: follte aljo vel ftatt vell
stehn und in smjuͤgi [ein Kaſus einer fonft nicht belegten
fubltantiviichen Bildung zu smjüga (?) oder] eine entftellte
Form vorliegen ? ö
® 247, 8. 10: Vgl. ©. 352% und dazu db. Naditr.
©. 2567: Vielleicht iſt zu Iefen: thrjär (d. i. thriar) sku-
lum threyja ok th6ö saman byggja hyjar-nstr { höllu.
©. 269, 3. 4 (= 283, 8. 7): „um“] theirrar tidhar, at
„in der Abficht (dem Beftreben), zu... vgl. tidhr bei
C.-V. 633b unter II, 2.
©. 2761: Bgl. unten ©. 332*,
©. 280*: hvat segi ther allnyltt] konungsspjalli: was
jagt ihr ala neuejte Kunde von den Königen?“ Die An-
rede ther „ihr” Tann im Munde der Königin den Mannen
gegenüber nur mehrere meinen; follte alfo konungs-
spjalli = „Königsgenoß” fein, jo müßte der Plural ftehn.
Ich Halte spjalli für einen (inftrumentalen) Dativ von
spjall „Kunde, Bericht“ [oder ift spjalla (Gen. Plur.) zu
Iejen?]; dann muß nytt ftatt ny gelefen werben. spjalli
als Neutrum Plur. zu faſſen ift wegen der Brechung ja
nicht wohl möglich.
©. 2807: Dem Tert liegt folgende Conftruftion zu Grunde:
ther segju ver thinna sona [jtatt kona; oder thina sonu?)
403
daudha, that’s naudh: örlög einka-t (b. i. einka „ge-
währt”, 3. Plur. und die Negation at) manni „sonum
Thöru, elli. Da man aber sonum Thöru faum ala Appo⸗
fition zu manni faſſen fann, wird in manni ein Fehler
fteden, aber welcher?
©. 282°: Bol. ©. 389%,
S. 295 (Biffernote 295%): Zu Rap. 12, Anfang, vgl. Rsth.
354, 25 ff.; Nth. ©. 359.
©. 295*: Vgl. ©. 314**. 316.
S. 298, 3. 17 ff.: Dieſe Kriegsliſt ward im Jahre 1154/5
von Kreuzfahrern angewandt, |. Storm, Ragn. Lodbr. ©. 112.
©. 300 (Biffernote 8001): Zu Kap. 13, Anfang, vgl. Rsth.
354, 28 f.
©. 300, 3. 7 (Ziffernote 300°): Vgl. Rsth. 355, 1 f.;
Nth. ©. 390".
S. 300, 8. 16-301, 3. 9 (Ziffernote 301”): gl. Nth.
©. 390%, ®,
©. 301, 8. 9—18 (Biffernote 301°); Vgl. Nth ©. 390*.
391" (z. Th. mwörtliche Webereinftimmung).
©. 301, 3. 19-302, 3. 1 (Biffernote 302"): Vgl. Nth.
S. 391*, ®,
©. 305**: Zu conjtruiren fcheint: Hvat er that? heyri ek nü
[baugs(?)brjöt thjöta Hr baugum (?) oder brjöt (?) thjöta
6r baugs-baugum (?). In baugs (baux Hofchr., bör die Ab-
ſchrr.) brjoͤt kann eine entftellte Wind-kenning (Umjchreibung)
fteden, baugum (d. i. bögum wäre dann in brögnum zu
befiern: „Wind aus den Männern” — „Haud), Laut (des
Unwillens), den die Männer ausftoßen“? Oder ift in
baugs baugum (ftatt bödhmum oder dgl.? oder bägum,
vgl. menstridhir) eine Mann-kenning verjtedt? Dann
müßte brjst etwa aus einem Worte für neuem “ ent-
404
ftellt fein. Es folgt nun der Inhalt des Gemurmels:
at menn Mundils mara (oder marar, ftatt mars:
Mundils marr = Schiff), d. 5. „daß die Seehelden“ | svä
mzrdhrofnir hafna? „fo ruhmvergeffen (ruhmlos) ent-
rathen (nämlich meerdh „des Ruhmes“). Oder ift baugs
brjöt (al® Dativ) bierherzuziehen: hafna baugs brjôt
„nen Fürſten“ (mich) verlaffen (vgl. Kormaksſaga ©. 50,
3. 12)? Oder endlich ift hafna abjolut zu faſſen =
„navem in portum appellere“? Die Hoſchr. lieft svamdr!
ofnir. Da die übergejchriebene Wblürzung | = er (ir)
leicht zu weit nach Hinten gerathen fein fann, kann ur=
jprünglich geitanden haben svamldrofnir = sva merd-
rofnir (mit dem GStabreim auf m). Grade die Ber-
ſchiebung des Abkürzungszeichend kann die Beranlafjung
zu der falſchen Worttrennung geworden fein. Vielleicht ift
aljo zu conſtruiren: heyri ek thjöta ôr *brögnum, at menn
Mundils marar sy& *maerdhrofnir hafna baugs brj6t.
©. 315***: Freys leikr (leikar) wird das Julfeſt meinen,
wie deutlih in den Haraldsmal 64 (Möbius, Edda,
S. 228): Es fol als befonderes Zeichen unermüdlichen
Thatendranges gelten, daß Bjorn das Julfeſt nicht in
gemächlicher Ruhe zu Haufe verlebt, fondern in fremdem
Lande mit Heiner Schaar unter beitändigen Kämpfen. Ich
conftruire jeßt: that var fyrst er förum: ek t6k heyja
Freys leika { Römaveldi, thar er ättum einiga öld
(öld = Schaar von 80 Mann? oder ftedt darin ein
Fehler ?). Demgemäß überfege ich nun: Zuerſt auf unfrer
Fahrt war's: Freys Spiel that ich feiern, Wo wir wenig
Mannen Hatten, im Römerreiche.”
©. 316, 8. 7 f.: Vgl. oben ©. 111*. 114, 8. 3.
©. 316, 3. 8—11: Vgl. oben ©. 279, 3. 8—10. 12 f.
„U
405
S. 330***: Obiges ift die wörtliche Ueberſetzung des Tertes
der Hoͤſchr. Nah dem in der Anm. Gefagten wirb aber
richtiger zu lejen fein: .. .. särr; [ok] Adhr..... Iykr,
lsetr hann lif sitt, und demgemäß zu überfegen: „und
bevor biefe Arbeit vollendet war, ließ er fein Leben“.
©. 333*: Die einzige allenfall® mögliche Erklärung von
illa — „taum, ſchwerlich“, ift hier deshalb nicht anwendbar,
weil vidh ordhstir nicht mohl „in Bezug auf Ruhm“
überjegt werden kann, zumal die formelhafte Wendung
deyja vidh ordhstir („mit Ruhm fterben‘) auch bier
jedenfall3 zuſammengefaßt werben muß. Sch verbinde
jöfurs falli („im Vergleich mit der Art, die der Fürft [Hpit-
jerk] fiel“) mit hvat — bedh enn betra — und sik leggja.
‘ alvaldr (Hvitferf) deyr vidh ordhstir allan (oder allra)
faſſe ich als parenthetifchen Satz.
©. 337**: Solche Weitgeſpräche (kappmeli), Mannver⸗
gleichungen in Verbindung mit Wetttrinken (Weinhold,
Altn. Leb. 464), waren eine beliebte Luſtbarkeit; vgl. z. B.
Halfs s. ©. 26 ff. und Fas. 2,271 ff.
©. 3387: Zu conftruiren ſcheint ylgr gein mönnum of
svira blödhi rodhna. aldri Tann nicht richtig fein: ver⸗
muthlich öldri „beim Gelage”; vgl. vitnis öldr, Gera öldr.
Sollte gein öldri verbunden werden können, obgleid) gina
fonft wohl niemal3 mit Dativ, fondern nur mit Prä⸗
pofitionen verbunden wird? Aber eyra grät? Sit e8
eyra grätt? oder eyrar grät „Strand- Thränen“ — Blut,
und etiva eyrar grät[s] zu Öldri? hardhm. bi? hvedhnu
ift wohl parenthetifcher Sag, f. übrigens Egilsſon ©. 301b.
S. 3841*: Der Munarvag wird ſonſt noch mehrfach in Ver-
bindung mit Samsey BR 3.8. Herv. s. ©. 302,8 f.
314,5—11.
406
©. 342, Str. 39,7 f.: = Herv. s. (Bugge) ©. 312, 3. 13 f.
©. 348, 3. 5—8: Die Ereignifje, auf welche hier angejpielt
wird, find ausführlich dargeftellt Flat. 1,110—113.
©. 352*: kunna at 2j& (til „in Bezug darauf”) heißt gerade
wie S. 247,10 (Fas. 1,245, 3. 10): „zu prüfen, zu ur⸗
teilen verjtehn“. Vgl. aud) 365**.
©. 364, 8. 14 f.: Ueber ſolche Schuhe vgl. Weinhold, Altn.
Leb. 164 f., wo auch über die ©. 14, 8. 20 f. —
Hoſen gehandelt iſt.
©. 368**: Bor der Bravallaſchlacht (ſ. S. 235**) lehrt eben⸗
falls Odin Sigurd Hring dieſe Schlachtordnung, wodurch
derſelbe Harald beſiegt (Fas. 1,380).
©. 372, 3.1—4: Es iſt wohl Sigurd, nicht Lyngve, gemeint;
vgl. 3. f. d. Phil. 4446. Daher Habe ich mid) bei der
Ueberfegung an den Text der Lieder- Edda gehalten, ftatt
rydhi (ma3 nur conjunctiv perfecti fein könnte) aber
rydhr gelefen: „Kein Königsſohn, der ftreitbar ift (s& er
fold rydhr), ift (war, Nth.) tapferer, und er (Sigurd) er⸗
- freute den Naben.“ Eine Conftruction nad dem Sinne;
denn der Sinn der erften drei Zeilen ift: „Sigurd ift (war)
tapferer als alle andern jtreitbaren Königzföhne und... .
S.385, 3. 14: Dieſe Halbitrophe, in der Lieder- Edda
und im Nth. fehr abweichend überliefert, bietet für die
Erklärung bedeutende Schwierigkeiten. Sch Habe Germ.
23,413 ff. darüber gehandelt. Ich Halte die Lejung im
Nth. im Ganzen für die beffere und lefe: Let [mik at
Heimis (? mik af harmi Nth, bami vära %.- €.)
hugfullr konungr [Atla (oder Atli?) systur (fo Nth.;
ätta systra %.-E.) undir eik bus (fo Nth.; borit 2.-E.).
— Bu Ber 5 ff. vgl. Sig. sk. 34,5 f.
i ———e ——
Erklärung
der in den Anmerkungen gebraudten Abfürzungen.
ININTTINI N
Akv. = Atlakvidha, wie alle Edda⸗
lieder citirt nad der Ausgabe
bon Hildebrand.
Atlam. (Am.) = Atlamäl.
Beitr. = Beiträge zur Geſchichte der
deutfhen Sprache und Literatur,
bergg. von Paul und Braune.
Brot = Brot (Brudftüd) af Sigur-
dharkvidhu [inni löngu].
Bugge S. = Bugge, Norrene
skrifter etc., ©.
Bugge, Röksten. — Bugge, Tolk-
ning af runeindskriften pa
Rök-stenen i Östergötland,
Stodh. 1878.
Kaſſel (lies vielmehr Taflel), der
Schwan — Paulus Caffel, der
Schwan in Sage und Leben.
Ccod. reg. codex regiun.
C.-V. = Cleasby-Vigfüsson, Ice-
landie-English dictionary.
Däniſche Bolkslieder werben citirt
nad
DGF. = Danmarks gamle folke-
viser, bergg. dv. Sp. Grundtvig.
Dr. Nifl. = Dräp Niflunga.
Egilsfon = Sveinbjörn Egilsson,
Lexicon poetiecum antiquslin-
gus septenirionalis.
Einl. = Einleitung.
F eine Hdiär., ſ. d. Einl.
Fafn. = Fäfnismäl.
Färdifche Bollslieder find citirt nach
der Ausgabe von Hammershainb.
Fas. = Fornaldarsögur, ed. Rafn.
Flat. = Flateyjarbök.
Fms. = Fornmannasöpur,
Fritzner = Fritzner, Ordbok over
det gamle norske sprog (1867).
Gen. = Genitiv.
Germ. = Germania,
Pfeiffer (Bartid).
Gestsr. —= färbiſche Gestsrima.
Ghv. == Gudhrünarhvöt.
Gräg. = Grägäs.
Grettis s. = Grettis saga.
(J.) Grimm, U. Schr. = Meinere
Schriften.
(J.) Grimm, Myth.s = Deutſche
Mythologie, 4. Aufl., beſorgt
von €. H. Meyer, citirt nad
den Seitenzahlen der 8. Auflage.
Grimm, HS f. HS.
Grimn. = Grimnismal.
‚Grip. = Gripisspä.
Gudr. = Gudhrünarkvidha.
Härb. = Härbardhsljödh.
Häv. = Hävamal.
Hdl. = Hyndluljödh.
Hodſchr. = Handſchrift.
H(elg). Hund. (H. H.) = Hel-
gakvidha Hundingsbana.
Helg. Hj(orv). = Helgakvidha
Hjörvardhssonar.
bergg. vou
408
Helr. = Helreidh Brynhildar.
Herr. s. = Herraudhrs sags ok
Böse (Fas. III.)
Herv.s.=Hervarar saga (Bugge).
Hmd. = Hamdhismäl.
Holtzmann — Die Ältere Edda, über⸗
feßt 2c. 2c. von Holtzmann und
Holber.
(Grimm,) HB. = W. Grimm,
Deutſche Heldenfage (nad den
Seitenzahlen ber erften Auflage
citirt).
H. Bir. = Zeitſchrift für deutſches
Altertbum, bergg. dv. Haupt
(Steinmeyer).
Kaflel ſ. Caſſel.
Kräkm. = Kräkumäl. ,
Landn. — Landnämaboök, in Is-
lendinga sögur (1843), Bd. 1.
L.⸗E. — Lieder- Edda.
Lokas. == Lokasenna.
Mannhardt, Germ. Muth. = Ger»
manifhe Mythen.
Maurer, Belehrung) = K. Maurer,
Die Belehrung des norwegifchen
Stammes zum Chriftenthume.
Nib.Llied), Nib(el). = Nibelungen-
lied, ed. Bartih (1870).
Nth. = Nornageststhättr, in ben
Anmerkungen nad) Bugge’8 Terte
citirt; in den Nachträgen und
Negiftern nah obiger Ueber⸗
jegung.
Oddr. = Oddrünar grätr.
Paul. Diet. = Baulus Diakonus,
überf. v. Abel.
Blur. = Plural.
Ragn. s. oder Ragnarsſ. — Wag-
narsſaga.
* Ragn. t. = färbiſcher Ragnars
tättur.
(J. Grimm,) Rechtsalt(erthümer) 8.
Regm. = Reginsmäl.
Rigsth. = Rigsthula (Rigsmäl).
Rsth. = Ragnars sona thättr
(Fas. I).
8, eine Hdiär., f. d. Einl.
Sarı (Gr.), S. = Saro Gramma⸗
ticus, od. Müller-Belidomw, S.
Sigdr. = Sigrärifumäl.
Sig. sk. — Sigurdharkvidha (8.)
in skamma.
Simrod, Mytb.4 = Handbud der
deutſchen Mythologie, 4. Aufl.
Sing. — Singular.
Skm. oder Skirn. — Skirnismäl.
Sn. E. = Snorra Edda, cifirt nad
Willen, die projaifde Edda im
Auszuge.
(G.) Storm, Ragn. Lodb. = Rag-
nar Lodbrok og Lodbrokssön-
nerne (Friftiania 1877).
Tac. Gderm. = Tacitus’ Germania,
Thidr, s. = Thidreks aaga (saga
Tbidreks konungs af Bern),
citirt nad) v. d. Hagen’ Neber-
ſetzung im 1. und 2. Bande
diefer Helbenſagen“.
Vafthr. = Vafthrädhnismäl.
Vols. = Volsunga saga, citirt nad
obiger Ueberjegung.
Vols. rim. (rim.) = Volsungs ri-
mur (ed. Möbius, Edda.)
Vsp. = Völuspä.
Weinh(old), Altu. Lleb). = Altnor⸗
diſches Leben (Berlin 1856).
Wolfd. = Wolfpietrid, ed. Ame⸗
lung und Sänide (Dentidhes
Heldenbuch, BP. 8).
Yngl. s. = Ynglinganaga.
3. f. d. Phil. — Beitfärift für
deutſche Philologie.
Sadjregifter
zu den Sternnoten.*)
We, König 377**.
Alten (Elfen) 87+. 347**. -
Alaniun 101**.
Unbbarasant 714.
Aufel, befruchtender der Yrigg 8t-
10*®4, 11**, 19%,
Asagard 46t.
Aufnahme des Kindes, |. Kind.
bakast (fih wärmen) 224**,
barnstokkr 13** (vgl. den Nach⸗
trag dazu).
Bart, durch den B. trinken 52%.
Beckhilp 109**.
VBeheren, verwüniden in Thier⸗
geftalt 24*. 30*. 3o**,
Befprengen, |. Taufe.
Blatt als Heilmittel gebracht 33*.
Bintaar 330**. STıt*,
Bintsbrüberichaft 88*. 126**.
Brage 101}F.
Bra vallaſchlacht 47}. 235**. Nad-
trag zu 868**,
Brautſchatz 63**. 1134***, 276**.
Brynuhild (Name) 100**.
Bußverfahren, ſ. Otterbuße.
Dauevirke 348**; von Otto zer-
ſtört I4Sr#*,
Danir 8387.
Dichtermeth (1027). 1717.
Diſen 56**. 994. 186*. 235***, (Baꝗl.
148**); Trug⸗Diſen 368*#*,
Dornröschen 96**. 131*. 394}.
degr 31*. 1467.
Dramen, horthütende 233*** nebft
Nachtr.
Draupui (Draupnir) 71 pf.
Dvalin 874f.
Eber als Bild des Helden 312*.
Ehe, Eingebn der E. 25671.
Ehegottheiten 25617.
Etzreuplatz 336**. 3514}.
&inherien (d. h. Einheerd-Mannen,
weil Freund und Feind fih in
dem Einen Heer Odin's zuſam⸗
menfand), Einberjenfampf4ctt.
Eirel in Upſala 392**,
*) Nur die ſachl ichen Erläuterungen find berückſichtigt, Dagegen alle
zur Erflärung und Beyrimbung der Meberfekung dienenden, ſowie die
tertfreitifgen Anmerkungen ausgeſchloffen. Die ſagengeſchichtlichen Bemer-
kungen find unten befonders zuſammengeſtellt.
410
erfi (Erbmahl) 51*. 202%. 215***. | Harald Gormsion 348*.
835, Harala Schönhaar (333**), 3ga**%,
Grinnerungdtrant 97***., Harte, in ber H. tragen 396}.
Feunhriug STör**. Hafelruthen, mit H. abfteden 374**.
Sralllaud 369***. Gedinsen 43*.
Frete 49**. Heervſeil 273}.
Brenin = Holda — Hel 186%. Geerſchild, roth (459%). 273%,
Frey's Spiel (Freys leikr) 315*** 290%. 296**, 320%.
nebft Nachtr. Heid s***,
Friss, Göttin des Eheſegens 8*, | Heilung durd ein Blatt nach dem
ihr befruchtender Apfel (j. Apfel), Beifpiele eines Wieſels 33".
ihre Truhe 238**. Seite 339*.
Fünf, die Zahl fünf formelbaft | Helling 3414Pf.
14gr.*, Hel (Heli), ihre urfprünglide Be⸗
Folsje (56**.) 994. 186* (vgl. auch deutung 71*. 89*#, 177*«, 194}.
hamingja). g81**. 38544; = Holdasfyrenia
Gandalfaſohne 373***. g81*; — ber Rieſin? sHı**.
Gardariki (Rußland) 182*. 38247.
gestr 346*. Selwes 881*.
Geltaltentanidg 26***. 129***. | herbergi (345+). 851*.
148%, Herrudhr = Hervardhr 3623#***,
Glaumpar 180**. Hirſch als Sinnbild des Helden
Guipatiord 269**. 122#, (233r#*),
Guitahaide 67**. 179***. 360**, | Hlodhe (Hlodhver) 392}.
Götterbreipeit 70*. | Hiymdalir 128%. 386%**, 3854. 387}.
Gudrunlieh, das alte = Gudhrün- | hnita 850**.
ar rœdha 979}. Hnitudhr 850**.
„Gudrun’s Liften‘ (Gudhrünar- Hofhalt ber Könige 316*.
brögäh in fornu) 353**. Hogue 49*.
Gungui (Gungnir) 102*. Solm als Rampfftätte 8711}.
Gunnarsslagr 853*. Hoſen: Nachtr. zu 364, 3. 14 f.
Gutthorm 155*. Sring’s Söhne 49*.
Gadbinge 172**. Hrimmi (Miele) 8***.
Hagbard 118*. Hroſfothiof 8***.
Sale 119*. Susin TE***.
Salon Dpferiarl 3487. huniſch 154**. 173**,
hamingja 14844 (vgl. Difen und | Hvitabä 259*. 262**.
Fylgie). Hut, tiefherabreichend 230***, 336*.
hamr (Schwauenhemd u. ſ. w.) | Jarnafdha (Eifenjeite) Bir,
9%, 30%. ZO*##, 184#* (f. au | Jormunrek 209***,
Beberen, Geftaltentaufd). Julfeſt 3497}. Nahtr. zu 3I5***,
Hand mit dem Becher ergriffen 115*. | Kaiſerthum in Deutſchland 368*.
411
Kinder, kommen von Bäumen 18** ;
Aufnahme bes neugebornen Kin-
bes u. dgl. 269***,
Kinderftaum, |. barnstokkr.
knörr 302**.
König, fein Hofhalt 316*.
Königin, waltet des Schenkamts
181* Machtr.). 265* n. ſ. w.
RAräbe 42*. 2294. 255}.
Krienslikt gegen Wifilsburg: Nach⸗
trag zu 298, 8. 17 ff.
" Kühe, heilige 260**. 2634. 274*,
(275***),
Kuren 374}.
Kpänen 3747}.
Lebendligt 395*.
Leichen⸗Ausſetzung, |. Schiff.
Lenorenfage 216*.
Larpe 184**, ſ. hamr.
Lauch, als Sinnbild des Helden40**.
Lodbrof als NRagnar’3 Beiname
221*. 236+.
Lobbrotsſöhne 389**,
Ludwig in Sachsland 392}.
Luna 300%.
Manunpergleihung 357**, Nachtr.
merdhrofinn: Nachtr. zu 305**,
Menſchenopfer 342**.
molla 339 7.
Möpenfeld — Meer 282*. 339**.,
Mungrvag 341*8, Nachtr.
Mündigleitstermin 41*.
Myrinin 188**.
nafnfesti (Namengebung) 40***.
2707.
KRamenänennung weigern 310***,
Nornen 40%. 64%. 87*. 102***,
131”. 394#, 394***, 8944.
Oddrun 164***,
DOpie, feine Geftalt und Kleidung
15*. 57*. 66*. ZI0rME, gEgMiets
Todesgott 96**:; als Todten⸗
fährmann 53*, als Herr Wal⸗
hall's 10**, 57*. 5g*#, 219*®*;
fein Wolf 49** ; fein Nabe 33",
78***; Schlachtengott: verleiht
Sieg 386*, lehrt die Teilfürmige
Schlachtordnung 368** Nachtr.;
Sturmgott: entführt in feinem
Mantel dur die Anft 6*, be⸗
ſchwichtigt den Sturm 866**;
Nunenfinder 100%** ; verſchwindet
plötzlich 371*.
Üpispelm s5**.
Ostald (Ögvaldr) 3414+}.
Dlaf Tryggvaſon 345***,
Öre s76+.
ormr i augu (Schlangenauge) 269%.
285%.
otta 62*%,
Stterbuke 70**.
Otto II., ſ. Danevirte
Batheugeigent 10***.
Pflegevater 65*. 288*.
Pilger (Tragemund) 301*.
primsigndr 347*.
Nabe, Odin's Bogel 33**, Tortt®,
Rabeufabne Ragnar's 339}.
Kan T0**%,
Randalin 289**.
NRäpil 365*.
RNidil (Schwert):
2. il. 87ır**,
Niefen, Unholde 239%. 381**.
Niefin = Hel? 381**. 38244; unters
ftütte Sigurd 3823*.
NRingwechſel 133**.
Aunen 977. 100*. 172*#*; ngl.
auch Odin.
Saxland 3927}.
Schentamt, j. Königin.
Nachtr. zu 91,
412
Schiff, Borraum im Schiff 61**. | Tante, heibniſche 64%. 257*.
261**; Schiff mit Leihen aus- | taättr 3A5*.
gefekt 638*.
Schifforoſlen 2373*.
Schildburg 95*.
Schlachtordunug, keilförmige 368**
Machtr.).
ESchlafdorn 96**.
Schlafhaus 224*. =
Schonen däniſch 376***.
Schuhe 364, 3. 14 f.
Schwanengeſaug 151***.
Schwanenringe 30*.
Schwert, beim Beilager zwiſchen⸗
gelegt 183*8; in Gift gebärtet
162*; beſprochen 217**.
serkr 252**,
Sibilja 263*%.
fiechtodt 105*. 333%***,
@iegopfer 342**,
Siggeir 169*.
Sigurd Hring 235%. 374, Nach⸗
trag zu 368**.
Sigurdslied, das lange = Brot
151#**,
Signurdaſaga 372}.
Sinfjotle, Erklärung des Namens
28%,
. Staldeuftropgen, nicht gejungen
287*
Sleipui 67*. 101}.
Bon 1717.
Spangareid 223*.
Speeruagel 2367.
Staudforähridge (Schlacht) 334*.
Starkad 375**. 376%. 377%**,
Stiderei, |. Weben.
Stud, in den St. ſetzen 21%.
Südreich 296*. (314**). 315.
Surt STH}:
Shalin 100***.,
Svein 348*.
Thiergeftalt, ſ. Beheren.
Thord zu Hofde 3844",
tidh Abſicht, Berlangen: Nachtr.
zu 269, 3. 4.
Todesabotiuuen 186*.
Todesdorn 96**.
Todtenfeier, ſ. orũ.
Todtenroſt 210*.
Ty, Tio 98#*%#,
Wlme = Bogen 2927.
Vag 341*.
Valland 383*.
Bälfe, ſ. Bolfung.
Bauen 10277.
vargr i véum 5**.
VBergefleubeitstranf 171***,
(124 f.).
VBerwüniden, |. Beheren.
Bit 350%.
Biling 56*. 38777.
VBolfiung, Bälfe 11*
Bolba 46** (nebft Nachtr.). 101**}.
268*4, 393** . Bolven mit
Nornen verwechſelt 394*. 394 **%*,
Waberlohe 1297. 131*.
Walhall 10**. 13%**. 95%; vgl. au
Ddin.
Baltyrie S**. 12%. 46***, 46rt.
AIRER, 151##HR, 186#, 2IG**,
Wäringer 107*.
Wehen, Tünftlife Gewebe und
Stidereien al8 Franenarbeit
(111*##), 144®®®, 1684. 8821.
3824}.
Werwolf S0***.
Wettersganber 364**.
Bettseſprãch
Betttrinten Jsorer, Nıätr.
Wiege, an der W. gefungen IM**,
Biſtlaburg 296*.
413
wWilpelm ber Baflard 334**.
Bintommenstrenut 25577. 266*.
Sauntgeiyräde 45*; vgl. Wettge⸗
ſpräch.
Wolf Feind 98*. 153**%. 3594; | Sauber, ſ. Wetterzauber, Runen.
Odin's Thier 49**;
Sprichwort 93*. 3694.
Burm — Schlange 2383*.
HDuglinge, Ingve 360*.
Bikuge 350***,
W. im | Zauberkunſt 187*. .175*.
Zauberlieder 97***. 97+. 102}.
(157*). 1717. 217%,
Zaubertrauf IT7***, 171***,
Sanberwetter 364**.
Anhang:
Bufammenftelung der fagengefhihtlihen Bemerkungen
in den Sternnoten.
Nibelungenfage: Heimath ber
Sage 360***, Aeltere und jüngere
(jpäter auß Deutſchland eingewan⸗
derte) Sagenſchicht 37T9***. Spuren
der älteften Yaflung der Sigfrids-
fage (Sigfrid - Sigurd wächſt im
Walde auf ohne feine (Eltern zu
tennen 65*. g4t#t*, gEg#®*, — Alf
Half? 168***; Hfalpret’s Reich
168*##, gEg9*e*, (887FF). — Sigr-
drifa und Brynhild zu unterſcheiden
92*#, 112%, 114}. 118%%, 128%,
373*2*; Sigurd's Berhältniß zu
Sigrdrifa 106*. 134**. (268, 3.6 ff.).
Bedingungen für Brynhild's Er-
(dfung 142**,. 147}. Brynbild’s
Berbältniß zu Eigurd: Grundge-
danfe der norbiihen Sage 143***.
153**, — Grimbild deutet Gudrun’s
Traum (?) 118%. — Sigurd begleitet
feine Schwäger auf Heerfahrten
(Dänen- [und Sachſen⸗] Krieg)
373 ++. — Jüngere Sagenfaflung, die
eine gewaltſame Werbung um Bryn⸗
bild vorausfegt 141#**. — Beridie-
dene Sagenfaffungen über Sigurd's
Tod 379**#, Hogne= Hagen und Gut⸗
thorm 156%. — Mile erzwingt die
Berlobung mit Gudrun 169**%*,
193**%, — Bruderkrieg zwiſchen
Budle’3 Söhnen 206*. — Verhältniß
des ziweiten Theils der Nibelungen-
fage zur Bolfungenfage (im engern
Sinne) 13*#**, 34*. 35*. 203%, —
Gunnar verlangt Hogne’8 Herz als
Zeichen feines Todes (Berhält-
niß zum Nibelungenliede) 196*.
197er, — Mldrian’S Erzeugung
204 *
Nagnarsſage: Beziehungen zu
verwandten Sagenfreifen 232TT7Y.
234*. DIN, 242%, 807%: Nach⸗
abmungen der Nibelungenjage
200%**, 8107. 313*. 353%. Ent⸗
fpreungen in der perſiſchen Sage
242%, — Bjorn urfprünglid An⸗
414
führer unter den Brüdern 3897. |
SAa0#r*, 8I0##, — Meltere Züge
der Gage im Ragn. t. 239%%, 240%,
(250*); in der Gester. 256***. Im
Nth. 390*, 390*%*, 390@®®, — Blige
von Hritjer’8 Tode auf Eirel’8 Tod
übertragen (2761). 332*.
Aslaugfage: 221***. (325%).
23%, DIER®,
Ermanrids (= Xormunrels-)
Sage: Erp 217}. Sorle und Hamdi
urſpünglich Gudrun's Stieffühne?
32175. — Odin (oder Jormunrek?)
giebt den Rath, die Brüder mit
Steinen zu todten 219**. — Nahe
ahmung in der Ragnarsſage (2) 282*7.
Hug⸗ Dietrihßlage : 119*.
23247}.
Sildenfage: Bedeutung des
ftet8 erneuten Kampfes 4644}. — Ge-
fährlide Werbung :Radtr. zu 23211}.
Eingeilofiene Königstochter 23277}.
Sartungeninge: Berwandt⸗
haft mit der Magnarsfage 234*.
2IAHt,
BolfsDietrihstiage: VBerhält-
niß zu Ragnar’3 Drachenkampf 239**
242#, — Das ſchützende Hemde 307%.
: Rabenihladtiage: 262*.
Gange von HGagbard und
Signy: 119*.
Enge von Alf nun Alvilda:
ihr Berbältnig zur Ragnarsſage
2332747. 234**. 236%*: zur Hilden-
fage: Nachtr. zu 2325.
Sage bon Hadinug: 6*. 242*.
Didoſage: 323**.
Herfonen-Begifter
für
die Bolfungafaga*) und Theile **) der Hornageftsfaga.
A.
Agnar (Agnarr), Aute’3 (oder
der Auda? 96*) Bruder 96, kämpft
gegen Hialmgunnar 96. Brynhild
[-Gigrdrifajgiebt ihm den Sieg 96.886.
Ale (Aki), wohnt zu Spangareid
23235, Daun der Grima 223; von diefer
zum Morde Heimi’s angeftiftet 225 ff.
weigert fi zuerft 226, thut es dann
doch 237 [R 254]; von Kraka verflucht
R3255. Leiht Krala fein Netz RM9.
Alf (Alfr) I, der Alte, von den
Sranmarsjähnen zu Hülfe gernfen 49.
Alf (Alfr) II, König Hialprel’s
(fe daf.) Sohn 60, landet bei dem
Schlachtfelde, wo Sigmund gefallen
60; findet dort Hjordis mit ihrer
Magd 60 und führt beide heim 61;
ertennt Hjordis an ihrer Antwort
als Königin 61 f., verlobt 68. 64
und vermählt fi wit ihr nad
Sigurd’3 Geburt (63.) 64. = Half?
f. Halfı.
Alf (Alfr) III, Sohn Hunding’s,
4. daf.
Alaſiun (Alsvidhr, Gen. Als-
viun-s) I, Sohn Heimi’8 und der
Beckhild 110, ladet Sigurd zu fi
ein 110, wird fein Freund 111, giebt
ihm Auskunft über Brynbild und
will ihm feine Liebe ausreden 112 f.;
ftebt vor der Thür, während Sigurd
Brynbild befucht 114.
Wlssinn (Alsvidhr) II, Nog des
Gonnenwagens 101.
Audvare (Andvari), ein Zwerg
70, weilt in Hedtögeftalt im And-
varafors 705 dort von Role gefangen
70 f. muß ihm feinen Hort nebft dem
Ninge Andvaranaut ausliefern 71 f.,
legt einen Fluch darauf 72.
Ursalr (Arvakr), Roß des
Sonnenwagen? 100.
WSlang (Aslaug), Tochter Si⸗
gurb’8 mit Brynhild [= Sigrodrifa]
134 (f. 134**). R 268; erzeugt, als
beide fih auf dem Berge trafen
R 268. Bon Brynhild Heimi über-
geben 134. 222; ift drei Winter alt,
als Brynhild flirbt 22235 von Heimi
*) Einfliegli des ‚‚Uebergangsfapiteld‘‘.
“*) Aur die Erzählungen Nornageſt's find berüdfiätigt, und auch
piefe nur, ſoweit fie die Bolfungen = Nibelungenfage betreffen. Diele
find mit N, die wenigen einſchlägigen Stellen aus Ragn. s. mit R bezeichnet.
|
416
in einer Harfe verborgen 2223 und
durch die Lande getragen 222 f. Bon
Grima in der Harfe gefunden 238 f.,
iſt ſchweigſam 229, wird Kraka ge=
nannt 229 f., kahlgeſchoren nud häß⸗
li} gekleidet 230, muß die niedrigfte
Arbeit verrichten 231. R 245, Ziegen
büten R 253; darf fi nit waſchen
R245. Findet Ragnar's Diener da⸗
beim R 245, von ihnen bewundert
R 245 f. R 247, hilft ihnen beim Baden
R 246. Bon Ragnar zu ihm ent⸗
boten R 247 f., Idft fie deſſen Auf-
gabe und kommt in der verlangten
Weife R 248 ff., läßt fih von Rag⸗
nar Geleite zufihdern R 251, will
nit bei ibm auf dem Schiffe bleiben
R 252, nimmt Thora’8 Hemd nicht
an R 258; wieder zu Nagnar ent-
boten R 254, ſcheidet mit einem Fluch
von Ale und Grima R 255; fommt
auf Ragnar’s Schiff R 255, will erfi
nach föürmlidher Bermählung Ragnar
das Beilager gewähren R 2655 hält
mit ihn Hodzeit R 256. — (Ihr
weiteres Schickſal gehört ausſchließ⸗
lid der Nagnardfaga an). — Ihrem
Sohne Sigurd Liegt feheinbar eine
Schlange ums Auge R 269. R270f.,
was fie als Sigurb’8 Tochter kenn⸗
zeichnet R 269. R 270 f. R 9372. Ber-
fteht angeblich die Stimme der Vögel
R 2607*#®, — Ihr Haar glänzt wie
Gold R 250, ift ſehr lang uud flieht
aus wie Seide R 245.
Atle (Atli), Sohn Budle’3 (134).
206 und Bruder Brynhildes 117.
193. 385, ift grimm, groß und
ſchwarz, aber ftattlih und fireitbar
117; von Gudrun der Feigheit ge⸗
sieben 2075 2angbart genannt (?)
1707. Seine Larve erjdeint im
Traum als Adler 184. Fürdtet fih
nicht vor Gunuar’3 Drohungen 160,
wird ihn überleben und ftet8 ihm
überlegen fein 160; dünkt fi treff-
licher als alle 176. Sucht Brynhild zur
Bermählung mit dem „Weiter Gra-
ne’3‘‘ zu beftimmen 162 (vgl. Budle).
Klagt die Gjukunge an, Brynhild's
Tod verihuldet zu haben 198, fol
aber jelbft eine Verwandte Hogne’3
aus Habjucht ermordet haben 193***.
194*. [Berlangt Subrun als Buße
für Brynhild's Tod 193**]. Ber:
mählt ſich mit Gudrun (f. daf.), bat
Söhne mit ihr (f. unten „Atle's
Söhne”). Hat drei Brüder, die er
überlebt 192 f.; oft beftand Streit
zwiſchen ihnen 206. Er mißt die
Schuld Gudrun bei 200. Hat böſe
Träume, die Gudrun ihm deuten
muß 176 f. Trägt Verlangen nad)
Sigurb’8 Horte 177 f. 190. 1935 ver⸗
langt denfelben von den Gjukungen
[als Gudrun’s Erbe] 190. 1975 will
Sigurd räden 190. Plant Berrath
gegen die Ginkunge 178, hat ihnen
lange ſchon ans Leben wollen 1%;
läßt Gunnar und Hogne (durch Binge,
f. daf.) zu fih laden 179, bietet
ihnen große Ehren 178. 179, Waffen
und Lohn 179 und Nachfolge in
feinem Neiche 179. 181. Angeblich
ift er ſchon alt und ſchwerfällig 181.
Ordnet fein Heer zur Schlacht 189 f.;
von den Giukungen in die Halle ge⸗
drängt 1944; bellagt den Berluft
feines ftattliden Heeres 192 und von
neunzehn feiner dreißig Helden 192.
Klagt, daß die Zreffliägteit feiner
Schwäger und Frau ihm nicht zu
Bute gefommen 198. Läßt Hogne,
der ihm fo Biele eriälagen, das
417
Herz ausſchneiden 195. (197f.). Ber⸗
langt, dag Gunnar mit dem Horte
fein Leben erfaufe 197, läßt ihn ab⸗
führen [und in einen Schlangenhof
feßen] 199. &oll ebenfo fierben wie
die Sinfunge 198. Meldet Gudrun
prablend ben Tod der Brüder und
mißt ihr felbft die Schuld bei 200;
will ih dann mit ihr verſohnen 201,
traut Gudrun, da fie fi freundlich
flelit 202. Hält die Zodtenfeier für
die Seinen 202. Trintt feiner Söhne
Blut umb ißt ihre Herzen 203, er⸗
fährt e8 208 und bedroht Gudrun mit
dem Tode 204. Im Schlaf von
Gudrun und Riflung ermordet 206,
erfennt die Wunde als tödtli 2086,
Rathſchläge gegeben 211 f. Be—
gleitet Randve bei der Werbung um
Svanhild 209; fagt, Randve paſſe
befſſer für Svanhild als ber alte
König 211, befhuldigt Randve der
Buhlſchaft mit ihr 211. Hat e8 fo
eingeriätet, daß Randve todt ift,
als er begnadigt werben foll 212.
Räth Svanhild ſchmählich zu tödten
165. 213; läßt ihr einen Sad über
den Kopf ziehen 313.
BorgHild (Borghildr), ſerſte)
Gattin Sigmunb’8 40. 50. N 362, Lebt
in Bralund N 563 in Dänemark N
361, ift bie Mutter Helge’3 und
Hamund’8 40. Ihr Bruder von
Sinfjotle erfälagen 50. Sie verlangt
wirft Gudrun ihre Herrſchſucht vor deffen Verbannung von Sigmund
305 f. Auf feinen Wunf von Gu⸗ 50 f., muß aber Buße von Sigmund
drun ehrenvoll beftattet 207. annehmen 51. Reicht Sinfiotle den
Atle’8 Söhne [Erp und Eitil Giftbecher N 369, dreimal, dag dritte
nad Akv.], noch zu jung zum | Mal mit Exfolg 51 f. Bon Eig-
regieren 181, fpielen auf der | mund verftoßen 58. N 362 ftirbt fiebald
Diele 202; von Gudrun ges
tödtet 208, obwohl fie jagen,
daß ihr das eine Schmach fein
werde 203 (f. Gudrun).
Auda oder Aude ſ. Agnar.
B.
Beckhild (Bekkhildr), Bryn⸗
hild’8 Schweſter und Heimi’s Gattin
109, ift häuslichen Sinnes und ver-
ſteht fih auf weibliche Kertigteiten
109 f.
[Beite,] Rathgeber Atle’3 (in
Vols.ungenannt, Name nachAtlam.),
darauf 58.
Brede (Bredhi), gefdidter
| "net Stabes 3 f., jagt beffer als
Sige 4, deshalb von ihm erfäglagen
4. Seine Leie in einer Schneewehe
begraben 4 und darin gefunden 5.
BrunBila (Brynhildr.) I, Bud-
les Toter 112. 134. R 268. N 384 ıc.,
Atle’8 Schwefter 117.198. N 385, Bed»
hild's Schwefter 109, Heimi’s Pflege⸗
tochter 111 [von Budle zu Heime
gefandt (?) N 885]; Hatte bei ihrem
Bater alles, was fie wollte 162.
Wollte ſich Teinen Manne vermählen
räth Hialle das Herz auszufhneiden | 162, läßt keinen Dann neben fi
196.
Bilde (Bikki), Rathgeber Jor⸗
munre!’3 209, bat ihm viele arge
| figen und ſchenkt Teinem den Trunk
Vera (Bera) = Koftbera187. 188. |
(außer Sigurd) 113. 114**; trägt
Helm und Briünne und nimmt an
Kämpfen Theil 110. 113. 132. N 383;
27
war im Kampf mit bem Garda
König 192 und Hat Heldenthaten
vollbradt 1932. IM aller Frauen
trefflichſte 154, ſchonſte und meifefte
108. R 267 ; bat Flammenblicke und
ein felfenfeftes Herz R 370. Iſt ſehr
geſchickt im Sticken und ſtickt Sigurd’3
Thaten 111. 112, dabei von Sigurd
erblidt 111 f.; will nicht mehr fliden
144 und zerreißt ihr Gewebe 144.
Ihre Halle if goldgeſchmückt und
ſteht anf einem Berge [ogl. II =
Sigrdrifa] 118, mit Bildern geſchmückt
und mit Zeppidhen belegt 119 (vgl.
114); von Flammen umlodert 126.
N 886; liegt nahe bei Hlymbal 128.
— Hat Sigurd fig zum Manne erforen
133; nimmt nur den Mann, ben fle
will 128, bat darin freie Wahl 138;
hat gelobt nur den Bortrefflichften gu
nehmen 132. 148. (150*), nur den, der
die Lohe durchreite 198. 132. 142 und
anf Srane mit Yafni’8 Horte Tomme
143. N 386 f. und bie Männer er-
flage, die ſie beflimme 182. 142.
Wird von Sigurd erbiidt 111 f. und
befugt 114, einpfängt und bewirthet
ihn 114 f. Erklärt, nit ihre, ſondern
Gudrun fei die Vermählung mit
Sigurd beftinunt 115, verlobt fidh
doch [,‚ aufs Neue’ 116%) mit ihm
1165 liebt ihn vor jedem Mann
138; bat ſich Sigurd verlobt und
Teinem audern 188. 162; damals erft
zwölf Jahre alt 885; diefe Berlobung
bei Heimi gedacht 116. 385 (?), da⸗
gegen bei Buble 142. 162. — Em-
pfängt [= Sigrdrifa? 118%] Gu⸗
drun 119, nennt ibr berühmte Helden
119 f., beriätet kurz Sigurd’3 Schid-
fal 120 f., deutet Bubrun’s Traum
128 166 — Erbietet fi) Bndle’8 Land
gegen die Siulunge zu vertheidigen
142; von Budle (bezw. Atle) unter
Androhung der Enterbung 142 zur
Bermählung beftimmt 169. 142, ent-
fließt fih deu ,Neiter Sranes ”
zu nehmen 142.162; glaubt Sigurd’3
Augen zu erlennen 147 f. (vgl. 163).
Erkält von Sigurd einen Wing 116
und dafür von Sigurd = Gunnar
beim Ningwechſel einen andern 138.
136. (vgl. 188%**); erleunt den Ring
an Gudrun’s Hand 136. Empfängt
Eigurd-Gunnar er unwillig 131 f.,
dann freunblid 188, fhläft bei ihm
wie bei einem Bruber N 388 mit
zwiſchengelegtem Schwerte 132; fragt
Sigurd nad) bem Grunde 1382. Sagt
nachher Heimi von der Werbung 138,
bem fie Nslaug übergiebt; nennt
Sigurb ihren erften Gatten 1%
(vgl. 136). Geht zu Budle und
kommt mit ihm zur Hochzeit 194,
hält fröglih Hochzeit mit Gunnar
19. Hat beim Abſchiede Diener-
ſchaft 166 und einen Ring von ihrem
Bater erhalten 141, fragt Gunnar
nad letzterem 141. — Bader mit
Gudrun 135, watet weiter binaus
135; rühmt Gunnar auf Sigurd’s
Koften 135, erfährt von Gudrun ben
Betrug 136. N 388, erbleicht und
geht ſchweigend beim 186; nennt fi
eidbrüdig 143; fagt, Daß bie Siu-
Tunge fie eidbrüchig gemadt und um
ihre Liebe gebradt haben N 384,
win fi) rächen 138; ımißgdnnt Gud⸗
run Sigurd und fein Bold 197 f.
144; gebt zornig zu Bett 141, will
Sumnar nicht antworten 141. 145, hat
ibm verboten ihr oder ihrem Gute zu
nahen 145 (vgl. 185), if ihm gram,
obwohl fie es verbeblt 148 f., will
419
ihn töbdten 1445 wird vom Hogne ge⸗
feffelt, 144, auf Gunnar’8 Wunfd
wieder befreit 144; fagt, bag Gunnar
fie nimmer fröhlich feben werde 144;
läßt die Thüren bei ihrer Webllage
Öffnen 144, trinkt Tagelang nicht
Meth no Wein 145, ſchläft fieben
dogr 146. Sagt, daß Sigurd ihr
zu fpät feine Liebe erfläre 1505 will
ihn nit, aber auch Teinen andern
151; will nit zwei Männer in einer
Halle haben 151. 152. — Wunſcht
Sigurd's Tod 149; fügt [fälihlich],
Sigurd babe Gunnar die Irene ge»
brochen 152, verlaugt deshalb (und
weil er alle8 Gudrun geſagt babe
153 f.) von Gunnar feinen (und
feine8 Sohnes 168) Tod 182 f. 1585
droht, da er fonft Reich und Leben
verlieren jolle und fie ihn verlaffen
wolle 158; verbietet ibm vorher ihr
Bett 155. Als Ankifterin von Hogne
155 und von Sigurd 159 erkannt,
Unheisftifterin von Gunnar genannt
160, die verbiene Atle getöbtet zu
fehen 160; bat den Untergang ber
Giukunge veranlaßt N 384; warb
ihnen nimmer zum Heil, no ſonſt
jemand 163; ift zum Uuheil ge-
boren N 884. Lat über Bubrun’s
Schmerzensiärei 159. — Sagt Gun⸗
nar ihren Unglüdstraum 161 und
vertüindet den Giukungen Untergang
1615 nennt fie eibbrädjig 1615 fagt,
daß Sigurd fie nidht beritbrt babe
162; wirft Gunnar vor, daß er feinen
Blutsbruder treuloß getöbtet 161 f.,
und daß er die Bermählung mit ihr
erzwungen 162 (dgl. 141 f.) und fie
eidbrüchig gemacht habe 143. (N 384).
— Sie fol Sigurd nit überleben
149; ihr ift beftimmt, ihm im den
Tod zu folgen N 389; Iäßt ih von
ihrem Entihluß, ihm in den Tod
zu folgen, nicht abbringen 163. Ver⸗
theilt Gold an Ihre Mägde 168. 167;
durchbohrt ſich mit dem Schwerte 164.
N 380. Prophezeit fterbend Gunnar
fein, Hogne’8, Gndrun’s und Svan⸗
bild’8 Geſchick 164 f. Beſtimmt ihre
Beftattung 165 f. N 380 ; läßt Diener
und Thiere tödten N 380 und mit fi
verbrennen 165 f. N 380; will, daß
Hel’8 Gitterthor Sigurd nidt anf
die Ferien falle 166. Befteigt Sigurd’s
flammenden Scheiterhaufen 166 f. und
verbrennt. mit ihm 167; verbrennt
auf einem befondern Scheiterhaufen
und fpäter N 380. Als Leiche auf
yrädtigem Wagen dabin gefahren
N 380, hat dabei ein Gefpräd mit einer
Niefin, die vor ihrer Höhle fie aufhält
N 881 ff.; vertheidigt fi gegen deren
Borwärfe N 888. 384 ff. Ihr Ruhm
wird dauern BR 207.
VOryubila (Brynhilar) II =
Sigrdrifa(uriprünglid von Bryn⸗
Hild verfähieden, in Vols. [und Nth.?
f. 872%##] zuſammengeworfen). [Wal⸗
kyrje)], hat Hialmgunnar gegen Obin’s
Willen gefällt 96. N 385 und dem
Bruder der Auda Sieg verliehen
96. N 386, bafür von Odin mit dem
Sälafborn geflohen 96, in einer
Schildburg eingefchloffen 94 f. N 386,
um welde eine Ylamme lodert 94.
N 386, und zur Ehe beftimmt 96,
aber nur der Furchtloſeſte ſoll fie
erweden N 386, der ihr Fafni⸗s Bold
bringe N 887; bat erflärt, nur bem
Furätlofeften angehören zu wollen
96. Schläft auf Hindarfiall 92. 94 f.
(N 372) in Helm und Brünne 95.
Bon Sigurd erweckt 8, erzählt ihm
27*
420
ihr Schickſal 96, bietet ihm Trank
97, lehrt ihn Munenmweisheit 7—
108 und giebt ihm Lehren 108—
106. Berlobt fi mit ihm 106*
(ogl.116*) 151 ; empfängt von Sigurd
Aslaug R 268. — [Bgl. auch mehr-
fach Brynhild I, wie überhaupt in
unferer Saga beide Perſonen nit
mehr überall ſcharf zu trennen find.)
Bundle (Budhli), ein mächtigerer
König als Gute 117. 185, Bater
des Atle 117. 206 und der Brynbilb
112. 134. R 268; [bat diefe zu Hein
geiandt (?) N 885). Nimmt Gunnar’
Werbung wohl auf 1237 f., macht die
Antwort von ihrer Entfeidung 128
(vom Durchreiten der Waberlohe 181)
abhängig. Giebt ihr beim Abſchiede
einen Ring 141 und Dienerſchaft 166
mit. Bon den Gjulungen mit Krieg
bedroht 141, Läßt Brynhild die Wahl
zwiſchen Bermählung oder Enterbung
142 (vgl. Atle). Nach feinem Tode
Erbftreit um feine Lande 208 f.
Budle’8 Bruder. Ginkunge.
€.
Erp (Erpr) I, Sohn Soralr’s
nit Gudrun 209 [vgl. aber 2177],
von feinen Brüdern unterwegs ge⸗
teoffen und gefragt, was er ihnen
helfen werde 217 f., von ihnen im
Unmuth erſchlagen 218. Hätte Jor⸗
munre!’3 Haupt abgefchlagen, wenn
er gelebt hätte 219.
Er# (Erpr)ll, f. Atle sSohne“.
Eyiolf (Eyjolfr), Sohn Hun-
ding’s, |. daf.
EHylime (Eylimi), ein mädjtiger
König 53, Bater der Hfordis 58,
N 357. Empfängt Sigmund feftlich
54; läßt Hiordis zwiſchen Sigmund
unb Lunge wählen 54 f. Bieht mit
Eigmund nah Humenland 5b;
tämpft mit ihm gegen Hunbding’s
Söhne 56 und fällt 57, von Hun⸗
ding’s Söhnen erichlagen N 361. N
3625 von Sigukd gerädht 120. (N 362).
Fymod (Eymödhr) begleitet Die
Gjiukunge auf ihrer Fahrt zu Gu-
dran 170.
®
Fafni (Fair), Sohn Hreid⸗
mar’8 69, iſt fehr groß und grimmig
69, will alles ſich aneignen 69. Er⸗
thlägt feinen Bater 73, verfagt
Regin fein Erbtbeil 73. 88. Trägt den
Schredenshelm 88; liegt auf ber
Gnitabaide 67. (179). N 360 als
Schlange anf dem Golbe 73. 885
fein Wuchs beichrieben 67. (N 360);
feine Behauſung und fein Hort be=
ſchrieben 93 f. Pflegt zum Waſſer
zu kriechen 82, kriecht über Signrd’s
Grube 83; wird von ihm burdbohrt
83 f.,getöbtet 143. N 372. Fragt Sigurd
nad dem Ramen 84, wirft ihm Un-
freiheit vor, und baß er fern Yon
den Seinen aufgewadhien fei 86,
warnt ihn umfonft vor bem Golbe
86. 89 und vor feiner Nade 88 f.,
erteilt ihm mythologiſche —
87 f. (f. 870); ſtirbt 80.
Feng (Fengr) Namen Obin's
Jiolui jvinirꝰ 79. N 366.
Fiorni (Fjörnir) foll den Gjn⸗
tungen Wein reihen 186.
tele (Freki), einer der Wölfe
Ddin’s (49).
6.
Sandaifs Söhne, mit Sigurd
Hring verſchwägert N 873, forbera
421
’
in defien Auftrage Tribut von den | willfommen 123, behandelt ihn wie
Siutungen N 373, begrenzen ihnen | feinen Sohn 134, läßt ihm auf
einen Kampfplat bei Jarnamoda Grimhild's Rath Gudrun anbieten
N 974. Segeln von Norden her | 125 f.,
Siutuuge (Siutes Söhne, f.
N 374; lämpfen tapfer N 375; haben
Starkad im ihrem Heere N 375,
fliehen nad defien Flucht N 376.
Gere (Geri), einer der Wölfe
Odin’8 (33887 Nachtr).
Geſt (Gestr)*), trägt, ,‚Gunnar’3
Harfenidlag‘ und „„Gnubrun’s Liften‘'
vor N 353. Kommt um Sigurd's
willen nad Frankenland zu Hjalprel
N 357; Hialprek bat ihn in Däne⸗
wart kennen gelernt N 361. Er
wird Sigurb’8 Dienſtmann N 858,
hält fi bald bei Sigurd, bald in
Dänemart auf N 373. Begleitet
Sigurd zu Regin N 359 und gegen
Hunding’8 Söhne N 361; erhält von
Regin dag Schwert Nidil N 364 und
giebt es dieſem zurüd N 371; kämpft
damit gegen Lyngve's Brüder N 370.
Er ift bei Sigurb, als die Gandalfs⸗
fügne Fehde anfagen und zieht mit
ihm gegen fie N 373 f. Hebt Star=
kad's Backzahn auf N 876. Findet
Sigurd’8 Sattelipange und erhält
fie geſchenkt N 377, ftriegelt Grane
und zieht dabei ein Hoar aus dem
Schweif N 377. Yand bei Sigurd
und den Gjukungen die meifte Yreude
N 392, betrauert ihren Tod N 379.
Giute (GJüki), herrſcht ſüdlich
des Rheins 116, ſeine Gattin Grim⸗
hild 117, ſeine Söhne, die Gju⸗
kunge (f. daſ.): Gunnar, Hogne
und Gutthorm (ſ. daſ.) 116, immer
auf Heerfahrten 116 f.; feine Tochter
Gudrun 116. N 973. Heißt Sigurd
ift todt 173.
Gunnar und Hogne) find hoch⸗
berühmt 120, ſtützen die Macht
ihres Baters 117, immer auf
Heerfabrten 116 f., an denen
Sigurd theilnimmt 127. 206,
erſchlagen den Dänenlönig und
den Bruder Budle’8 148; find
felbft gewaltig, aber von Si⸗
gurd übertroffen 124, ehren
diefen höher als fich felbft 124.
Bon den Sandalfsjühnen wird
ihnen Tribut abgefordert N373 ;
fle ziehen Krieg vor N 373, bitten
Sigurd mitzuziehen N 3745
ſiegreich figen ſie ruhig inihrem
Reiche N 376. Bedrohen Budle
mit Krieg und verlangen Bryn⸗
hild 141; haben Brynhild um
ihre Liebe gebracht und eid⸗
brüchig gemacht N 384. Miß⸗
gönnen der Schweſter ben befſern
Mann 167, erſchlagen ihnN379f.
Begeben ſich zu Gudrun 170,
bieten Geſchenke und reden zur
Verſöhnung 171. Rudern heftig
188, befeſtigen ihr Schiff nicht
188; reiten durch dunkeln Wald
188 zu Atle’8 Burg 188 f.,
finden fle zur Vertheidigung
gerüftet 188 f., erſchlagen
Hfalle 189, drängen Atle in
die Halle 194. — Brynhild
bat fie vernichtet und ihren
— Hofhalt zerſtört
N 384.
*) Nur was die von ihm erzählten Sagen betrifft, iſt berüdfichtigt.
422
Glaumbar (Glaumvör), Gnn= | 20 f. R 245, ſchiert fie kahl und
nar’8 (zweite) Gemahlin 180. 185, eine
tüdtige Frau 180 f., ſchenkt in
Sunnar’s Halle 181. Sagt Gunnar
ihre bien Träume 185f., äußert
Berdacht gegen Binge 187.
Gute (Goti), Gunnar Roß
1238, will nit durch bie Waberlohe
fpringen 129.
Graumar (Granmarr), Hod⸗
brobd’8 Vater 42. Führt ein Schelt⸗
geſpräch mit GSinfjotle 45 ff. und
meldet Helge’8 Ankunft an Hobbrodd
48. [In beiden Yällen ſteht Granmar
fälſchlich ſtatt Gudmund (Gudh-
mundr), Granmar’8 Sohu, f.45**].
Grane (Gräni), von Sleipni
erzengt 66 f., if von grauer Farbe
665 ſchwimmt allein nit ans Land
66, deshalb von Sigurd auf Odin’s
Math erwäblt 66. Mit Yafni’s Horte
beladen 94. Geht nur vorwärts unter
Sigurd 94, nit unter Gunnar
128. 139; fpringt durch die Waber-
lobe 129. Schnaubt laut bei Sigurb’8
Tode und Laßt den Kopf hängen
168, weiß, dag Sigurd gefallen 168.
— Springt mit Gewalt aus dem
Sumpfe N 377, wirb von Geft ge⸗
waſchen und geftriegelt N 377. Sein
Schweifhaar ifi fieben Ellen lang N377.
Grimme (Grimsa), Gattin Nle’3
223, nimmt Heimi auf 223, bemerkt
köſtliche Kleider in der Harfe und
einen Goldring an Heimi 224,
weift ibm in der Scheune eine
Ecdlafftelle an 225. Hat ihre Ob-
liegenheiten verabfäumt 225. Sudt
Ale zum Morde Heimi's zu beſtim⸗
men 2235 f., erreicht dies 237. Deffnet
die Harfe 228 f.; nennt Aslaug Kraka
2339, giebt fie für ihre Tochter ans
leidet fie ſchlecht 230, Läßt fie bie
niedrigfte Arbeit verrichten 281, ver⸗
bietet ihr ſich zu waſchen R 245.
Bon Ragnıar’8 Leuten gefunden R 244,
fagt, daß ihre Hände fteif jeien R 244f.,
vertröftet jeme auf Krala’s Hälfe
R 245. Bon Kraka verfindt R 255.
Grimhild (Grimhüldr), Sinte’3
Gattin 117, lebt mit Lob 1445 von
Gunnar Brynhild gegenüber gerähmt
143, tft 3auberfumdig 117. 164, grimm-
finig 117, herzlos und bos 148, au
allem Unheil Schuld [129]. 139.
[> der Iran, die Gudrun’s Traum
deutet und mit ihr zu Brynhild
fährt? 118%. Bemerlt Sigurd's
Liebe zu Brynhild 124, reicht ihm
einen Vergefienbeitstranl 122. 124.
139, ſucht ihn an GSiufe’s Hof zu
fefjeln 124 und räth diefem Gudrun
mit Sigurd zu vermählen 125. Räth
Gunnar zur Werbung un Brynbild
127; lehrt Gunnar und Sigurd bes
Geftaltentauf 12395 dankt Sigurt
für feine Hülfe 134. Soll gegen
Brynhild wie gegen eine Tochter ge⸗
weien fein 139. Berftärtt durch ihr
Zureden die Wirkung der aufreizen-
den Nahrung (Zauberniittel), die
Gutthorm erhält (?) 157*. Erfährt
Gudrun’ Aufenthalt 169; fordert
ihre Söhne auf, Gudrun ihren Mann
und Sohn zu büßen 19, made fi
felbft mit anf die Fahrt 1705 reicht
Gudrun einen Bergeffenheitstrant
171 f.; ſucht fie zu beftimmen, daß fie
Atle nehme, und bietet ihr Gold
und Herrſchaft 173 f., befllmmt fie
endlich (halb mit Zwang, d. h.
Zauber?) dazu 174 f.
Grisi (Grip), Gigurd’s
423
Mutterbruder 76; ein Sehter, pro»
phezeit Sigurd fein Schidfal 76.
Gudrun (Gudhrün), Ginte’3
Tochter 117. 124. 125. N 888 mit
Grimhild 189. 173, eine hochberühmte
Maid 116. Klagt Über unglüdliche
Träume 117, läßt diefelben erft von
einer Yrau [= Grimbild?] deuten
117 f., dann von Brynhild [= ©igr-
drifa?] 121 f., zu der fie anf ver⸗
goldetem Wagen fährt 119; wird von
Brynhild empfangen 119; rühmt ihre
Brüder 120. 214. Sie gefällt Sigurd,
als fie fhentt 135. Bon Giuke und
Gunnar Sigurd angeboten 125 f.
wird fie ihm vermählt 126. N 373;
hat fi dabei mit Sigurd das gegen-
feitige Verſprechen gegeben, nad
Sigurd’8 Tode einander zw befuchen
216. Betheiligt fi an den Kriegs⸗
zägen Sigurd's und ihrer Brüder
(127?). 206. Ißt von Fafni⸗s
Herzen, wodurch fie grimmiger und
Hüger wird 127. Lebt glüuͤcklich mit
Sigurd 167.208, hat mit ihm Kinder *
Sigmund (f. Sigmund II) und
Svandilb (f. daf.) 164. 208. — Wird
beim Baden von Brynhild beleidigt
1358; rühmt Sigurb 135, nennt ibn
Brym hild's erſten Gatten 186. N 388
und enthüllt ihr den Betrug 186.
N 388; zeigt zum Beweiſe den Ning
136. Fragt Sigurd nad Brynhild’s
Harm 136; fucht diefe vergebens zu
beſchwichtigen 187. Fragt ihre
Kammermägbe, warım fie fo bleid
feien 145; bittet eine derjelben ver-
gebend 145, dann Gunnar, Brynhild
ihr Beileid auszudrücken 145; bittet
zulett Sigurd fie gu befänftigem 146.
Erwacht in des flerbenden Sigurd
Armen 168. N 879 in feinem Blute
158. 214, jeufzt tief bei feinem Tode
159; da8 war der größte Kummer
ihres Lebens 215. Klagt, daß ihre
Blutsfreunde ihr ben Mana er⸗
ſchlagen haben (vgl. 214), fie würben
ihn vermiffen 160 f.; klagt in ihrer
Kammer über Sigurd's Berlufl 167;
ferigt mit Srane 168. Entweicht
in den Wald 168 und wünſcht bort zu
flerben 168. Kommt zu König Half
168 f., findet dort freundliche Auf»
nahme und bleibt fieben Halbjahre
da 1685 wird durch Thora (f. daf.),
mit der fie ftidt, in etwas getröftet
168 f. — [Bon Atle als Buße be>
gehrt 169***;) von ihren Brübern,
die Berföhrung wünſchen, aufgeſucht
170 f., traut ihnen nit 1715 erbält
von Grimbild einen Bergefienheits-
traut 171 ff., verſöhnt fi darauf
mit den Brüdern 173. Rühmt gegen
Hamdi ihre Brlider 2145 Hogne war
ihr ein Troſt 201. Kann Sigurd
nit vergeflen 174, will Atle nicht
nehmen 173, beſonders ungern nad
Sigurd 206 f.; propbezeit Unheil
aus diefer Berbindung 174; willigt
wiberfirebend ein 164. 175 und führt
mit Atle8 Sendboten (oder Mile
feld?) nah Humenland 175; wird
dort empfangen 175 und hält Hoch⸗
zeit mit Atle 176. 215; iſt ibm ver»
mählt wit ihrer Blutsfreunde WHath
205. Hegt feine Liebe zu ihm 1765
von ihm als ſchön, Ting, hoch⸗
berzig, beidenmütbig gerlihmt 199 lebt
meift unfreunbli 176. 177 und in
Feindſchaft mit ihm 198. Herrſch⸗
ſüchtig bereitet ſie ihrer Schwieger⸗
mutter Kummer 206*. — Deutet
Atle’s boͤſe Träume 176 f. Ahnt
Atle’3 Berrath an ihren Brüdern 178,
424
fendet diefen mwarnende Runen und
Wolfshaar 178. Erfährt, dag ihre
Brüder mit Atle im Kampfe find
191, geräth außer fich darüber 1915
begrüßt ihre Brüder Liebevoll und
verfucht vergeblih Berſoͤhnung 191,
waffnet fih und Tämpit für ibre
Brüder 191 f. — Droht Atle mit
Mache 200 f., weiſt die angebotene
Berföhnung zurück 2015 erklärt
ſchließlich fih zu fügen 201 und ftellt
fi ruhig 202. Bereitet ihren Brü-
dern die Tobtenfeier 202; finnt dabei
auf Rache 202. 204; töhtet ihre und
Atle3 Söhne 165. (177). 202 f.
214. 215, giebt Atle aus feiner Söhne
Shäbeln ihr Blut zu trinten und
ihre gebratenen Herzen zu eſſen 203
und verfündet es ibm dann 203.
Atle’8 Drohung mit dem Tode weiſt
fie zurüd 204. Belräftigt Niflung’s
Rachegedanken 205 und erichlägt mit
diefem Atle (165). 205. Wirft Atle
Feigheit vor 207; beftattet ihn aber
ehrenvoll 207 f.; zündet feinen Saal
an 207. — Will fich jelbft ertränten,
wirb aber von den Wellen zu Jo⸗
nakr geiragen 165. 209. 215, vers
mäblt fi ihm und gebiert ihm treff-
lie Sögne 165: Hamdi, Sorle und
Erp 209. Warnt vor Spanbild’s
Bermählung mit Jormunrek 210,
giebt fie aber doch zu 211. 2155 er-
fährt Spanhild’8 Tod und fpornt
Hamdi und Sorle zur Rade an
218 f., giebt ihnen Panzer 214, die
gegen Waffen gefeit find 217; warnt
fie, den Steinen Schaden zu thun
217. Klagt ihr Schidfal 215 f.;
fuͤhlt fi) ganz verlaffen (kinderlos)
2165 wünfdt, dag Sigurd fie zu fidh
hole 216.
Gusmund (Gudimundr), ſ.
Granmar. \
Guunar (Gunnar), Sohn
Biute3 und SGrimbild’3 116. 127.
169, von Sigurd in allem übertroffen,
obwohl ſelbſt gewaltig 116. 1924;
reitet den Gote 128. Bietet Sigurd
Herrſchaft und Gudrun an 126,
ſchließt Blutsbrüderſchaft mit ihm
126. Bon Grimhild aufgefordert,
um Brynhild zu werben 127, geht
darauf ein 127, von allen darin be=
ftärtt (au von Sigurd) 127; reitet
auf die Werbung zu Budle 127 T.
und Heimi 128, zu Brynhild's Saal
128, will bie Lohe durchreiten 128 f.
189, leipt fi Grane 129, Tann den⸗
felben nit vorwärts bringen 129.
189, durdreitet die Lohe nit 129.
142. 147; fol dabei bleid) geworden
fein 143; vertauſcht mit Sigurd die
Geftalt 129. 133 (f. Sigurd). Hält
Hodjzeit mit Brynhild 134; von
Brynhild auf Sigurd's Koften ge-
erühmt 135. — Bittet Sigurd Starkad
entgegenzutreten N 375. — Fragt
Brynhild nad ihrem Kummer 1415
wird von ihr nad dem Üinge ge—
fragt 141 und mit Vorwürfen über-
bänft 142 f. und abgewieſen 145;
gebt nochmals erfolglos gu ihr 145 ;
[hit Hogne zu ihr 145 f.; gebt
wieder zu Brynhild 152, wird von
ihr aufgefordert, Sigurd zu todten
152f.; ift rathlos 154: will Broyubild
nicht miſſen 154; zieht Hogne zu Rath
154. 168.179 und fagtihe, daß er Si⸗
gurd töbten wolle 164, giebt beiten
Treubruch als Grund anıd54, erhofft
davon Macht und Sigurd's Gold 184;
ſchlãgt Suttborm als Werkzeug vor 165
und bietet biefem (mit Hogne ?) reichen
425
Lohn und Ehre daflir 156. 157. Nennt
Brunbild eine Wnheilfiifferin 1605
droht ihr Atle zu tödten 160. Hat
mit Hogue Sigurd erſchlagen 214,
wird vor Arymbild eid⸗ und treu⸗
brädig genannt 161 f. Heißt Bryn⸗
bild fröhlich fein 1555 bittet fie zu
Ieben und bietet ihr Buße 163, bittet
Hogne dazu 34 helfen 168. Ihm
wird von Brynhild Anteil verkündet
161, fein Schidfal geweiffagt 164 f.
Befist mit Hogne Sigurd's Hort
177. 179. 190. 197. 198 f., Schatz⸗
kammern voll Gold und Waffen
179 f. Erklärt fi bereit Gndrum
Mann undSohn zu büßen 169 (.G iu -
tunge). — Bei Epel’s Einladung
unentſchloſſen 179, bei Binge’8 Bot⸗
ſchaft trunken 181; ihn lockt die
Ausſficht auf Etzel's Reich 179. 181,
er fagt zu 181. Mit Glaumvar
vermählt 180 f., deutet deren Träume
zum Guten 185 ff.; ahnt baldigen
Tod 186 f., will fi in ſein Schickſal
fügen 186; rüſtet fi zur Neife 186,
läßt vorher reihlih Wein ſchenken
186. Berweigert Atle den Hort 190.
199, der dem Rheine verbleiben folle
199, will Hogne’8 Herz vorher ſehen
197, erkennt Hogne's (und Hialle's)
Herz 198. Durchbricht Atles Schaaren
192, verliert all fein Heer 194, bleibt
nebft Hogme allein übrig 194, wird
gefangen und gefeflelt 196; droht
Utle mit gleihem Tode 198. im
einen Schlangenhof geworfen 165.
199. 215 figlägt er mit den Beben
die Harfe und Ihläfert die Schlangen
ein 199 f., doch eine Natter [Atle's
Mutter 200*] ſticht ihn zu Tode 200;
er ftirbt mit Heldenmuth 200. (j.
no Gjukunge).
GSuttberm (Gutthormr), Sohn
[ridtigr Stiefſohn 1162, 155%]
Giule'$ 116. N 379; von Gunnar
als Werkzeug bed Mordes vorge=
ſchlagen 155, Lohn ihm dafiir ver-
ſprochen 156. 157; künſtlich wild ge=
macht 156 f. erllärt er ſich bereit
157, wagt zweimal vor Sigurb’8
Blick nicht ihn anzufallen 157, durch⸗
bohrt ihn im Sclafe 157. N 379;
enteilend wird er von Sigurd's nach⸗
gemorfenem Schwerte durchſchnitten
158. Seine Leiche mit der Sigurd's
verbrannt 166.
9.
Hagbard (Hagbardhr) I, Sohn
Hunding’3 (f. daf.).
Sagbara (Hagbardhr) II und
Suale(Haki), [Hamund’8 Söhne],
vollbrachten manche Heldenthat 119 f.,
liegen aber Sigar ihre Schwefter
entführen und etlihe [ihrer Man⸗—
uen ?] verbrennen, und waren füumig
in der Nade 120. .
Salon (Häkon), Bater Thora’s
in Dänemarf 168.
Salt (Halfı), [= Ulf? 168***],
König in Dänemark 168; in feiner
Halle wird Gudrun aufgeiudt 170.
Semi (Hamdhir), Sohn Jo⸗
nalr’8 mit Gudrun 209, weift Gu⸗
drun’8 Borwürfe aurlid 914, tadelt,
daß fle Atle'3 Sohne getöbtet habe
214; erklärt, daß fie auf Rimmer-
wieberieben ſcheiden 215. Straudelt
unterweg8 218, ſchlägt Jormunrek
das Haupt ab 919.
Mit Sorle zufammen: fie
wollen Gudruns Shmähungen
nit ertragen 214; werden
von Gudrun mit gefeiten
— _
Panzern ausgerüftet 214. 217,
gewarnt, die Eteine zu ſchä⸗
digen 217; treffen unterwegs
Erp und fragen ihn, was er
ihnen helfen werde 217 f.,
mißmuthig über feine Antwort
erſchlagen fieihn 2185 erfahren
fpäter, daß er Recht Hatte und
bedauern den Mord 218. 219.
Weberfallen Jormunrek 218 f.,
mehren fi) tapfer 219, werden
von Teinem Eifen verletzt 219,
zulett gefteinigt 220.
Samund (Hämundr) I, Sohn
Sigmund's mit Borghild 40. N 858,
Helge’8 Bruder 40, Sigurd's Bruber
N 83705 kämpft gegen Lyngve’s
Brüder N 370.
Samuma (Hämundr) II: Bater
Hale'8 und Hagbard's [119].
Heimi (Heimir), ein mächtiger
Hänptling 109, wohnt in Hlymdal
138. 221, hat mit feiner Frau Bed-
hild einen Sohn Alivinn 110, iſt
Brynhild's 2 Schwager 109 und
Pflegevater 111. (N 885%). N 387.
Begrüßt Gunnar (auf deffen Werbe⸗
fahrt) freundlich 128 ; jagt, Brynhild
babe ihren Gatten felber zu wählen
128; räth Brynhild, fih zu fügen
134; fol ihr Aslaug (f. daf.) auf-
ziehen 134. 3232. Betrauert Brynhild
232. Berbirgt Aslaug in einer Tünft-
lichen Harfe 222 und trägt fie darin
durd) die Lande 222 f. Kommt nad)
Spangareid 223; giebt ſich für einen
Bettler aus, trägt aber einen Golbring
unter feinen Lumpen 224 ; bittet Grima
um Aufnahme 228, trodnet fi und
geht zur Ruhe 224f. Von Ale er-
ſchlagen 237; fein Xodestampf 228.
Selge (Heigl), Son Sig⸗
mund's mit Borgbild 40. N 358.
N 363, Bruder Eigurd’3 N 368.
Nornen beftinnmen fein Schickſal 0,
Sigmund nennt ihn Helge 40. Er
macht früh Heerfahrten 41, erfchlägt
König Hunding 41. N S68. N 362 und
deſſen Ebhne Alf, Eyjolf, Hervard,
Hagbard 42 (Eyjolf, Hiorvard und
Herrud [=Hervard] N 368). Findet
Sigrun 42 und verheift ihr Hälfe
gegen Hodbrodd 43; fammelt ein
Heer nah Raudabjarg 43 und muſtert
baffelbe 43 f., fährt damit mad) dem
Barinsfiord 44; zieht im Sturm die
Segel nit ein 44, wird von Eigrun
zum Hafen geleitet 44. Beendigt
das Scheltgeipräh Sinfiotle's mit
Granmar ſ⸗Gudmund)] 47 f. ; kämpft
bei Tyrelaftein gegen die Granmars-
fühne und erſchlägt Hodbrodd 49;
deswegen von Sigrun beglückwünſcht
49 f., vermählt ih mit Sigrun 0.
Sel (Hol), f. d. Sadıregifter.
Seming (Hemingr), Sohn
Hunbing’8. f. baf.
Serru® (Horrudhr) = Hervarb
N 86349*,
Serbard (Hervardhır), Sohn
Hunding's, ſ. daf.
Sialle (Hjalli), feiger Sklav
196, Atles Schweinehirt 196; ſoll
ſich ſtatt Hogne’S das Herz aus ſchmeiden
laſſen 196. 197 f., will nicht ſterben
196, wehklagt, eh’ er das Meffer
fügt 196; erhält auf Hogne’9 Bitte
da8 Leben geſchenkt 197; ſchließlich
wird body fein Herz ausgeſchnitten und
vor Gunnar gebracht 198, es bebt
und wird daran erkaunt 198.
Sialsrel (Hjalprekr), König
in Frantenland N 357, in Dänemark
60. (168), hat großen Hofftaat um ſich
427
N 857; Bater Alf's 60. N 357, ver-
lobt diefen mit Hiorbis 64. Freut
fi über Eigurb’3 Augen 88 f.,
zieht ihn bei fih auf 64. N 387.5
ſchenkt ihm ein Ref 66, geebt ihm
Schiffe zur Vaterrache 77. N 861.
Wird von Geht aufgefudt N 357,
den er bei Sigmunhd in Däuemart
tennen gelernt bat N 361.
Sinlmsuuner (Hjalmgunn-
arr), ein alter König 96. N 385 um
Gothenvolte N 885; tüchtiger Krieger
96, dem Odin Sieg verliehen hat
9; von Eigrbrifa gefälft 06. N 885.
Sierais (Hjördis), Tochter
Enlime8 58. N 357. Bugleid von
Cigmund und Lynge umworben 54
wählt fie Sigmund und vermählt
ih mit ihm 55. Wird während ber
Schlacht mit einer Dienfimagd im
Walde verftedt 55 f., von Lunge
nit gefunden 58; ſucht Sigmund
auf und will ihn heilen 58. 120,
von ihm auf Eigurd vertröftet 59.
181, foll diefem bie Schmwertftlide
aufbewahren 59 (übergiebt ihm die
Säwertftüde 74 f.). Sitzt über dem
Sterbenden 59. Bertaufcht mit der
Magd die Kleider 60; wird von Alf
(f. daf.) gefunden und heimgeführt
61. 121, als Königin erfannt 62 f.
und hochgeehrt 63; verlobt fi mit
Aulf 63. 64 und vermäblt fih ihm
N 357, nachdem Eigurb geboren 68.
Sijorsara (Hjörvardhr), Lyn⸗
ge8 Bruder, Hunding's Sohn, |.
Hunbing.
Sljod (Hijddh), Hrimni’s
Toter 8. 11, dringt in Kräben-
geſtalt auf Odin's Geheiß den Apfel
an Reri 8 f. Bon Hrimni Bolfung
als Frau zugefandt 11 f., vermählt
fid) ihm und lebt mit ihm in guter
Eintracht 12.
Huillung, 1. Riflung.
Suiler (Hnikarr), Beiname
Odin’ 78. N 366.
Hodbrodd (Hödhbrodär ),
Granmar's Sohn 42; ihm tfi Sigrun
verheißen 42, aber er wirb von ihre
veradhtet 43. Erhilt durch Granmar
l⸗Gudmund)] die Kriegsmeldung und
fammelt ein Heer 48, wird von Hogne
bei Frekaſtein erihlagen 49.
Hobdbrodd’8 Bruder Gud—
mund, ritiger als Granmar,
f. daf.) fieht Helge's Ylotte
fommen 44 und führt ein
Scheltgefpräh mit Sinfiotle
45 ff.: dabei Anipielungen
auf feine Vergangenheit.
Hogne (Högni) I, ein König,
bat feine Tochter Sigrun an Hod⸗
brobb verbeißen 42; wird von Hod⸗
brodd zu Hilfe gerufen 49.
Hogue (Hägni)II, Sohn Giuke's
116 mit Srimbild 169; vermählt mit
Koftbera 180; reitet Holkvi 128.
Schließt Blutsbruderſchaft mitSigurd
126. (154). Begleitet Gunnar bei der
Werbung 128. Von Gunnar wieder⸗
holt um Rath gefragt 154. 168.
179; räth ab von Sigurd’8 Morde
154, nennt benfelben eine unfühn=
bare Uebelthat 160, weift auf die
Treueide und auf Sigurd’8 Beiftand
hin 154, warnt vor den Folgen 155;
erkennt Brynhild als Anflifterin 155.
Sucht Brynhild vergebens zum Heben
zu beivegen 146; will fie nicht vom
Tode zurückhalten 168, weil fie allen
zum Unheil geboren fei 163. — Ahnt
Berrath bei Atleis Einladung 180,
glaubt nicht an Atle's Bexraih 183,
428
185; von Koſtbera gewarnt 182 f.
deutet er ihre Träume berubigend
183 ff. Hat keine Luf zur Fahrt,
fügt A aber in Gunnar’s Willen
181. Brit Atles Burgthor auf
189; erwibert dem Binge uner-
ſchrocken 189. Brit dur Atle's
Reihen 192; bleibt nächſt Buntar
allein übrig 194, Fämpft dann allein
aufs Tapferſte 195, fällt zwanzig
Helden und ſtoßt mande ins Feuer
195; ſchwerverwundet 195 wird er
gefangen und gebunden 195; will
Atles Willen über ſich ergehn Lafien
195 f. Freut ih über Atle'3 Harm
14. Kann Hialles jammern nicht
ertragen 196 f., bittet für deſſen
Leben und läßt fi jelbft das Herz
ausichneiden 197. 1%. 215, lacht
dabei 198; fein Herz bebt nicht 198
und wird von Gunnar erfannt 198.
— Hat oft Proben der Standhaftige
keit abgelegt 195; flieht niemal® 189;
will feinem Manne mit Arg begeg-
nen 183. — Hat mit Gunnar Sigurd
erſchlagen 314. Hat einen Sohn
Niflung binterlaffen 204. Iſt Gud⸗
run’s Troft geweſen 201, von ihr
als Mufter aufgeftellt 214. (ſ. nod
Gjukunge.)
Holtui (Alxvir), Hogne’8 Noß
128 Ilies dort Holtoi].
Söni (Hoenir) iſt unter den drei
wanbernden Göttern 70.
Srelamar (Hreiähmarr), ein
mädtiger und reider Mann 68 f.,
Bater Yafıt’3, Otr’s und Megin’s
69. N 358; verlangt Buße für Otr
70, erhält mitder Buße Andvaramanıt
72; wird von Loke auf den Fluch bin
gewiefen 73, von Yafni erfchlagen 78.
Hrimmi (Hrimnir), ein Riefe 8
(j. 8*°*), ſendet feine Toter Hliod
(f. daf.) VBolfung zur Gemahlin 11.
$ring (Hringr) I, feine Gößne
erwäbnt 49.
$ring (Hringr) II, |. Sigurd
Hring.
Sunbiusg (Hundingr), ein
König, von Helge erſchlagen 41.
N 358. N 363; feine Söhne Eyjolf,
Hervard (Herrud N 862%) von
Helge beflegt und erſchlagen 41 f.
N 962, beögleidden Alf und Hagbard
43 f. und SHjorvard N 362; Wf,
Heming und Lyngve (f. daf.) emt-
rinnen. Dieſe entronnenen Hun⸗
dingsfähne (Lyngve und Hiorvarb
genannt 79-81) von Sigurb ange
griffen 79. N 369, giehn ihm ent⸗
gegen 80. N 369; Lyngve, Hjorvard
und alle überlebenden Hunbings-
fühne von Sigurd erfälagen (ij.
übrigens Lynge).
J.
Jarisleif (Jarisleifr) begleitet
die Gjukunge auf der Fahrt zu Gu⸗
drun 170.
Yonalr (Jönakr), ein König,
vermählt fi mit Gudrun und ers
zeugt mit ihr Hamdi, Sorle und Erp
(185). 209. 6. _
Jermunrel (Jörmunrekr), ein
gewaltiger König 209 und berühmt
210; fon alt 211. Sendet Ranbve,
feinen Sobn 209, und Bide, feinen
Ratbgeber 209, aus, für ibn um
Spanhild zu werben 209 f.; fie
wird ibm gegeben 165. 211. 218.
Holgt Bicke's argen Nathiälägen
2312. 213; läßt Randve hängen 213,
fiebt den von Nandve gerupften
Habicht und will feinen Sohn be
429
gnadigen 312; läßt Svanhild binden
und von -Noffen zerfiampfen 213.
2146. 215. Bon Hambdi und Sorle
überfallen 218 f.; ihm SHänbe und
Füße abgehauen 219; erhält von
Odin den Rath [oder giebt ihn ſelbſt?
219**], die Brüder fleinigen zu
lafſen 220.
8.
Kofltbera (Kostbera), — Bera
187 f., Hogne’8 Gattin 180, Schweſter
des Orkning 187; reigend und klug
180; ſchenkt in der Halle der Gju-
funge 181; Yieft Gudrun’ Runen
und erfennt Binge’s Fälſchung 182,
ſagt es Hogne und warnt ihn 182 f.,
jagt ihm ihre Träume 183 ff. ; wünſcht
glückliche Yahrt 188.
@rala (Kräka),
Aslaug, f. daf.
Name der
2. -
Synge (Lyngl, im Nth Oyngue,
Lyngvi), Eobn Sunding’s (f. daf.)
54. N 862, wirbt mit Sigmund zu⸗
glei um Hfordiß 54, von ihr ver⸗
ſchmäht 55 zieht er mit feinen Brüdern
gegen Sigmund 55; will ihn nicht
binterlifiig überfallen 55, beſiegt
Stgmund und Enlime 57; findet
Hiordis nit 58; nimmt Sigmund’s
Neih im Beſitz und vertheilt es
unter feine Mannen 58, Hat mit
feinen Brüdern fi Sigurd's Erb⸗
land in Frankenland unterworfen
N 863. Im Kampf gegen Helge ent⸗
fommt er mit feinen Brüdern Alf
und Heming N 362, fteht an ber
Spiße diefer Brüder N 862, ift der
tapferſte unter ihnen N 870; ift fehr
Tampfgeübt N 870. Befleht mit
Sigurd einen anfangs reſultatloſen
gweikampf N 370. wird gefangen
nnd gefeſſelt N 370, der Blutaar
ihm geritzt N 871; flirbt mit Helden-
mutb N 371.
Lynge mit feinen Brüdern
(f.Hunding’s&ähne), be⸗
rühmte Helden N 362, zauber⸗
kundig N862 ; haben viele Klein-
konige bezwungen, Kämpen er-
ſchlagen und Burgen verbrannt
in Spanien und Frankenland
N 862f. und Sigurb’8 Erbre ich
in Frankenland in Beſitz ger
nommen N 363. Fallen mit
ihrem ganzen Heere (81). 871.
2ufe (Loki) ift unter den drei
wanbernden Göttern 70, wirft Otr
zu Tode 70, fol daß Bußgeld fchaffen
70 f.; fängt Andvare 70 f. und nimmt
ihm feinen Hort 71 nebft dem Ringe
71 f.; verkündet Hreidmar, dag Un⸗
heil an dem Horte hafte 72.
NR.
Riflung (Niftungr), Sohn Hog⸗
ne’8 204, haft und erihlägt Atle205.
Obärus (Oddrün), Gunnar’s
Geliebte, von Atle ihm verjagt 164,
fommt heimlich mit ihm zufammen
165. [Brynbilv’s Schweſter].
Odin (Odhinn), ſhöchſter Gott]
fommt mit Höni und Loke zum And⸗
varafors 70; giebt Andvaranaut
zur Buße an Hreidbmar 72. Führt
Sige, feinen Sohn, meit fort 5 f.
und giebt ihm Ediffe 6. Sendet
Reri auf deſſen Bitte einen Frucht⸗
barkeitSapfel 8 fe. Bon Neri heim⸗
geſucht 10. Erſcheint als alter, ein⸗
äugiger Mann bei Signy's Hochzeit
und ftößt ein Schwert Gram] in
den „Kinderftamm‘’ 14 f. Sein
430
Ausfegen geidildert 14 f. 57. 88.
N 364. Sendet durch feinen Naben
Sigmund das heilende Blatt 83**,
Nimmt als Fährmann Sinfjotle’s
Leiche zu fih und verſchwindet mit
ihr 52 f. Läßt Sigmund's Schwert
an feinem Speer zerfpringen 57.
Beräth Sigurd bei der Roßwahl 66 f.
und beim Graben der Gruben 83;
läßt fi als Hnifar auf Sigurd's
Schiff aufnehmen 73 f. N B66 und
beihwiätigt den Sturm 79. N 366,
giebt günftigen Fahrwind N 366;
lehrt Sigurd günftige Kampf» Bor-
zeigen N 367 ff.; verſchwindet plbtz⸗
lich N 871. Hat Hjalmgunnar Sieg
beſtimmt 96; zürnt Brynbild [-Sigr-
drifa) wegen ihre Ungehorſams
N 886, ſticht fie mit dem Schlafdorn
3% und beflimmt, daß fie ſich ver⸗
mählen folle 96, fließt fie in eine
von Flammen umloderte N 386
Schildburg ein MN 386; beftimmt,
dag, nur der Furchtlofeſte (96).
N 886, der mit Fafni's Golbe gu
ihr Tomme N 388 f., fle ermweden
folle (vgl. Brynhild, namentlich
%. 143. 1477). Räth Hamdi umd
Sorle zu Reinigen 219 f.
Orfning (Orkningr), !Bruber
Koſtbera's, ein ſtarker Held, zieht
mit zu Atle 187.
Dtr (Otr), Hreidmar’s Sohn
69, hält fih als Dtter im Strom-
falle auf und fängt Fiſche 69 f., von
Loke todt geworfen 70, wird ge=
büßt 72.
N.
Rau (Ran) leiht Loke ihr
Netz 70.
Naudbbe (Randver), Jormun⸗
-
rel’8 Sobn 209, mit Bide entſandt,
um Spanbild zu werben 209 f.,
Tommt zu Jonalr und findet Svan⸗
bild ſchön 210, wirbt für Jormunvel
um fie 210 f. und fährt mit Svan⸗
Bild beim 211; ift auf Bide’8 Kath
freundlich mit ihr 211, von Bide
der Buhlſchaft mit ihr verdächtigt
211, auf Jormunrek's Befehl ge
hängt 212, fendet dieſem feinen ges
rupften Habicht 212; ift durch Bide's
Arglift Thon tobt, als Jormunrel
ihm das Leben ſchenken will 212.
Nesin (Reginn), Hreidmar’s
Sohn 65. 69. N 358, Tann Eiien,
Silber und Gold bearbeiten 69.
(N 358). Bon Yafııi um das Vater:
erbe gebracht 73 kommt er zu König
Hialpret 73. N 358 und wird deſſen
Sämied 73 und Sigurd's Erzieher
(Pflegevater) 65 (vgl. N 359 f.),
lehrt ihn mancherlei Kunftfertigleiten
65. N 858; empfängt Ihn frerndlich
N 859; erzählt ihm die .„Borge
f&ichte des Hortes“ 68 ff. (N 858);
erzählt ihm vos Fafni 67. N 360,
beit ihn auf Fafni 67. T5. 76. 31.
N 361. Scämiebet ihm (mach mei
mißlungenen Berſuchen 74) das
Schwert Gram 75.860 aus den Stüden
vor Sigmund’s Schwerte 74 f.
Sudt Sigurd gegen Hialprek und
Alf mißtrauiſch gu machen 65 f., beit
ihn fi ein Roß erbitten 66. Hat
Sigurd's Meitzeug früher befeflen
130. Zieht mit Sigurd gegen bie
Hundingsfögne N 361. 366 f.; hat
für die Ausrüftung der Ylotte zu
forgen N 363; führt das Schwert
Midil (91, 3. 11, Nadtr.). N 368 f.
(371260); antwortet Huikar N 365;
giebt den Rath, Lyngve den Blut⸗
431
aar zu rigen N 871; rühmt Sigurb's
Tapferkeit (?) 372 (vgl. Nachtr. zu
373*%). Reitet wit Sigurd anf die
Gnitahaide 88, wirft ihm Feigheit
vor 68. 83; entfernt fih während
des Kampfes 88. 90 und verbirgt fi
X. Beglädwünidt Sigurd 90, er-
Härt ihm, daß er feinen Bruder
getödtet MW. 91; verlangt Yafni’s
Herz 9, triutt Fafnis Blut 91;
finnt auf Trug gegen Sigurd 98. N
363; von Sigurberidhlagen 93. N 373.
Neri (Rerir), Sige's Sohn 6,
wächſt bei dieſem auf 6, iſt bei dem
Neberfalle, bei dem derſelbe fällt,
nichht zagegen 7 und wird ſein Nach⸗
folger 7, rächt feinen Bater an den
Matterbrüdern 7 f. und eignet fi
deren Land an 8, Bermählt fi 8,
‚bleibt aber Tinderlos 8; Hebtzu Odin
um SKinderfegen 8 und erhält von
ihm für feine gran einen befruchtenden
Apfel 8f. Stirbt auf einer Heerfahrt
und fucht Ddin heim 10.
®.
@igar (Sigarr) I entführt die
Schweſter Hake's und Hagbard’3 120.
[= Sigar 1?).
@igar (Sigarr) II [derfeibe?)
lämpft mit Siggeir auf Fion 169*.
@ige (Bigi), Odin's Sohn 3,
mädtiger und vornehmer als Stade
3. Ericlägt Brede (ſ. daſ.) 4; wirb
deshalb vargr i vium genannt 5;
von Odin weit fort geführt 5 f.
erhält er von ihm Heerſchiffe 6; ift
fiegreih 6, erobert fi Lande und
Neid 6. Bermählt fi 6 und ift
König in Hunenland 6. Fällt burg
Berrath feiner Schwäger 6 f. Sein
Sohn iſt Reri 6.
Giggeir (Siggeirr) I, Kimig in
Bautland 18; wirbt um GSigny 18,
hält Hochzeit mit ihr 14 f. 17. Bittet
vergebens um Sigmund'8 Schwert
16; finnt auf Made 16. Fährt
nach vollzogenem Beilager mit Sigay
fr&b von der Hochzeit heim 17. 18.
Ladet Bolfung und feine Söhne heim⸗
tückiſch 16 gu ſich 18 und überfällt fie
21. Geht Sigmund und feine Brüder
auf Signy's Wunſch in den Stod
22; glaubt, daß die Bolfunge alle
todt feien 25. Hat zwei Söhne mit
Signy 35. Entdedt Sigmund und
Sinfiotle in feiner Halle 35, läßt
fie ergreifen und in einem Hügel
lebendig begraben 86. Wird von
Siguumd und Sinfjotle mit feinem
ganzen Hofe verbrannt 38. 89.
Siggeir’s Mutter töbtet
als Wölfin die Brüder Sig-
mund’8 23% f., wird von Sig⸗
mund getödtet 24.
Siggeir (Biggeirr) IL[derfelse ?
169*) kämpft mit Sigar ſüdlich auf
Yion 169.
Ciamund (Sigmundr) I, Bol-
fungs ältefter unb trefflichfier Sohn
12 und Zwillingsbruder Gigny's 13;
verträgt Gift von außen und innen
29. Bieht Odin's Schwert auß dem
„Kinderſtamm“ 16, verweigert es
Siggeir 16. Mit feinen Brüdern
von Giggeir gefangen und gefeflelt
21 und in den Stod geſetzt 223; beißt
die Wölfin zu Tode und kommt fo
108 28 f. Baut fi eine Erbhütte
im Walde 24; ſtellt dort Siggeir's
Söhne auf die Probe 25 f., ebenfo
Sinfjotle 38f. Erflägt Signy’sund
Siggeir’8 Söhne auf Signy’s Ge⸗
heiß 36; will dies nit thun 85.
432
Nimmt Signy bei fih auf ohne fie
zu kennen 27 und erzeugt mit ihr
Sinfjotle 237 f.; nimmt Einfjotle
su fi 28, Hält ihn für Siggeir’s
Sohn 29 f., will ihn erproben 29 und
zieht mit ibm anf Raub aus 29.
Findet mit ihm Wolfsbhlge 80 und
wird mit ihm Werwolf 81; warnt
Sinfjotle vor Tollkühnheit 81, ruft
ihn zu Hülfe 81; findet ihn ſchlafend
82, von ihn gefhmäht 82 beißt er
ihn in die Burgel 82 und trägt ihn
beim 32. Sieht ein Wieſel daß
andere heilen 82f., erhält durch einen
Naben ein Blatt und heilt Sinffotle
ebenfo damit 83. KWBerbrennt mit
Sinfiotle die Wolfsbälge 33. Ber-
birgt fi mit ihm in Siggeir's Halle
34, durdd- Siggeir’3 Söhne dort ent⸗
dedt 35 werben fie überwältigt 85
und auf Siggeir's Geheiß lebendig
begraben 36. Durchſägt nebſt Sin⸗
fiotle den Fels mit feinem Schwerte
und entlommt ans dem Hügel 37 f.
Zündet mit Sinffotle Siggeir’s
Halle an38, ruft Signy heraus und
berfpricht ihr hohe Ehren 38. Ver⸗
ſchafft ſich mit Sinfiotle Heerſchiffe
39 (feine Schiffe ſtoßen vom Lande
169), erobert fein Erbland 40. Nimmt
Borghild (zu Bralund in Dänemark
N 861 f.) zur Frau und erzeugt mit
ihr Helge und Hamund 40; ver-
weigert ihr Sinfjotle'S Verbannung
und bietet ihr Buße filr ihren Bruder
51. Trinkt zweimal für Sinfjotle
den Gifttrank 51 f., räth ihm durch
ben Bart zu trinten 52. Härmt fi
um Sinfjotle’8 Tod 62, trägt feine
Leie zu einem Schiffe 52 f.; ver⸗
ftößt Borghild 53 (vgl. N 362) und
beherrſcht fürber (in Dänemark, dort
von Hialprek befugt N 361) fein
Reid 53. Sein Ruhm 55. — Wirbt
am Hjordis 53 f., führt fie al8 Gattin
beim 55. (N 357), bat mit ihr den
Sohn Sigurd 59. 121 f. 78. 85 ıc.
N 857. Kämpft gegen Hunding’s
Söhne 56 f.; fein Schwert gerfpringt
an Odin's Speer 57, er wird beftegt
und fällt 57; will fi nit heilen
Laffen 58. 120, prophegeit, daß in Si⸗
gurd ihm ein Rächer erfiehn werde 59.
121 und vermacht ihm die Stüde feines
Schwertes 59. 74. Stirbt 59. Sein
Hort von Hialpre® und Alf für
-Sigurd verwahrt 65.
@ismund (Sigmundr) II, Sohn
Sigurd's mit Gudrun 127. 174*,
drei Winter alt 166 auf Bryubild’s
Betrieb erſchlagen 153. 166; zu jung,
al8 daß er fi vor feinen Feinden
wehren koͤnnte 158; feine Leiche mit
Sigurd's verbrannt 166.
@igny (Siguy), Bollung's
Tochter 12 und Zwillingsſchweſter
Sigmund’8 12, wird gegen ibre
Neigung mit Siggeir verlobt 14 und
vermäbhlt 17, ahnt Unbeil davon 17,
fährt mit Siggeir nad Gautland 18.
Warnt Bater und Brüber vor
Siggeir’8 Verrath 19; will bei ihnen
bleiben, muß aber anf Sigmumb'3
Geheiß zu Siggeir zurkdlehren 20.
Bittet Siggeir ihre Brüder in ben
Stod zu ſetzen 21 f.; fenbet eimen
Vertrauten zu ihnen 22 f. 24, erfährt
den Tod eined von ihnen 23; läßt
Sigmund mit Honig befireihen 28.
Erfährt Sigmund’8 Befreiung A
(Nachtr.) und Hält mit ihm Rath M.
84; fendet ihm ihre Söhne 35 f.
denen fie vorher zur Mutbprobe den
Aermel an's Fleiſch genäht 28 (am
433
bei Sinfjotle 28), Heißt ihn fie als
zu feige tödten 26. 89 (vgl. 85*).
Bertaufht mit einer Zauberin die
Geftalt 26 f. 27, fuht fo Sigmund
auf 237. 38 und bleibt drei Nächte bei
ibm 27, empfängt fo von ibm Sin⸗
fiotle 27 f. Sendet Sinfiotle zu
Sigmund 28. Räth zur Baterrade
34. (389). Wirft Sinfiotle Sigmund’s
Schwertin den Hügel 36 f. Bon Sig-
mund aus der brennenden Halle ge⸗
rufen 88 erflärt fie Sinfjotle’8 Her-
funft, und wie fie fortwährend bie
Baterradde betrieben babe 395 will
darnach nicht weiter Leben und jucht
freiwillig den Tod mit Siggeir und
verbrennt mit ibm 39.
@igenn (Sigrän), Hogne’s
Tochter 42; von diefem wider Willen
an Hodbrodd verheifen 42, bittet Helge
um Beiftand 42 f., birgt Helge’8 Ylotte
44, beglüdwünidt Helge nad dem
Siege 49 und vermählt fi mit ihm 50.
@igurd (Sigurdhr =Sigverd,
Sigfrid) I, Sohn Sigmund’3 mit
Hiordis 59. 131 f. (63 f.). 78. 86.
95 2c. N 357. Bom fterbenden
Sigmund als Rächer vorhergeiagt 59.
Nah Sigmund’8 Tode bei Hialprel
geboren 59. 63. 120 und dort auf-
gezogen 64. 121. N 357; mit Waffer
begoffen und benannt 64. (121).
Yngve's Sproß genannt N 360.
Sein Wuchs und Ausfehen (Haar
und Bart, Nafe, Augen, Gefit,
Scäultern) beſchrieben 107 ff.: feine
Waffen find goldverziert 106 f. 128,
fein Schildzeihen ein Drache 107;
fein Schwert Sram (fieben Spannen
lang) ftößt unten an ein vollmadhjenes
Achrenfeld, wenn er gebt 108. Er
ſelbſt 134 und fein Roß (vgl. N 377)
ift größer und ftattlier, feine
NRüftung prächtiger als anbere
123. Seine Angen find leuchtend
und fo ſcharf, daß niemand hinein⸗
ſehen kann 108. 157. 68 f. 85 (vgl.
147f.). [Dies Hat fih auf feine Kinder
218* und Enkel R 26872 vererbt.)
Er iſt vorausfiätig 108 f., rede⸗
gewandt 109 und auf das Wohl feiner
Freunde bedacht 1095 hat niemals
Furcht gekannt 109 [vgl. 386, 8.9 ff.
und dazu 95, 3.12—16], ift ohne Feig-
heit geboren 103. (N 870), will den
Tod nicht fliehen 108. Seine Vor⸗
trefflichleit 59. 64. 167. N 357. N
358. N 381: er überragt alle Andern
N 387, aud feine Brüder N 858.
Bei allen beliebt 76. N 888; fein
Ruhm wird ewig dauern 107. 138 f.
167. — Bei Hialprel bat er viele
Dienfimannen, darunter auch Geſt
N 358. Kommt zu Regin, der ihn
freundlid aufnimmt N 359; von
Negin (bei Hjalprel 65*) erzogen
(unterriätet) 65. Giebt ſich für
elterulo8 aus 82 (ſ. d. Anm.); foll
fern von den Seinen aufgewadfen
fein 86; Triegögefangen genannt 86;
Knechtſchaft ihm vorgeworfen 86.
135. Erbittet auf Regin's Auf-
forderung von König Hialprel ein
Noß 6df.,. von Odin bei der Roßwahl
unterftüßt 66 f. wählt er Grane 66.
Zerbricht zwei von Regin gefhmie-
dete Schwerter 74, läßt fi von feiner
Mutter Sigmund’ Schwertftiide
geben 74 f. und von Regin daraus
das Schwert Sram fchmieden 75.
(N 860), mit dem er den Ambos
durchhaut und einen im Rhein treiben=
den Wolflod durchſchneidet 75. N
360 f. Läßt fih von Gripi feine
28
434
Zukunft prophezeien 76. Noch im
Kindesalter 120 (vgl. 68) erbittet
und erhält er von Hjalprek (und Alf)
eine ſtattliche Ylotte zur Baterradhe
77. N 361. (N 368); bat Sturm zu
beſtehn 77. N 364, läßt aber die
Segel nicht einziehen 77 f. Nimmt
Hnikar (Ddin) auf fein Schiff 79.
N 866 und läßt fi von ihm belehren
N 866 ff. Nimmt nad lange unent-
ſchiedenem Bweilampf Lyngve ge⸗
fangen N 370; befiegt die Hundings⸗
fögne und erſchlägt Lunge, Hiorvard
und alle überlebenden Hundingsföhne
81. 120. (N 871); will nichts von
der Beute für fih haben N 372. —
Hört von Negin die „Vorgeſchichte
des Hortes“ 68 ff. und wird von
ihm auf Fafni gebekt 67. 74. 75.
76. 81 f. N 861. N 364, hegt dagegen
Bedenken 68. 82 f., will erft Vaters
trade nehmen 75 f. 76. N 8361.
Neitet mit Regin auf die Gnita-
haide 82, gräbt nad Odin's Mathe
mehrere Gruben auf Yafni’3 Wege
83, jetzt fi in eine und durchbohrt
Fafni von unten 83 f. (107. 111. 138.
142. N 372). Giebt ſich für elternlos
aus 84, nennt fih dann 855 von
Fafni vergeben3 vor dem Horte ge=
warnt 85. 87, erflärt er denſelben
fih aneignen zu wollen 89; läßt ſich
von Fafni mythologiſche Belehrung
ertheilen 87*. Scneidet Fafni das
Herz aus [Hier richtiger Regin flatt
Sigurd, ſ. d. Nachtr.]) 91 und brät
es 91, Toftet das Blut und verfteht
die Spradye der Bögel 92. 109, die
ihn vor Regin warnen 92 f. und
auf den Hort 92 f. fowie auf Bryn-
Hild = Sigrbrifa hinmeifen 92. Ißt
einen Theil des Herzens, einen an-
dern Hebt er auf 93, wovon er fpäter
Gudrun giebt 127. Erſchlägt Regin
93. 142. N 3725 veitet zu Yafni’s
Bebaufung 93, findet dort den Hort
und ladet ihn auf Grane’s Rüden
98 f. N 378. Schlägt den Weg nad)
Frankenland ein 94 und findet unter»
wegs auf Hindarfial Brynhilb
[>Bigrprifa] ſchlafend 94 f. N 372,
zerihneidet ihren Panzer und erweckt
fie 95, läßt fih ihr Schiefal erzählen
96 und fih über Runenweisheit be-
lehren 97—103 und andere Belehrung
ertheilen 108-1055 von ihr gewarnt
vor Frauentrug 104 f., vor Feind»
ſchaft mit Verwandten und Schwägern
104. 106. Berlobt ſich mit Brynhild
[=Sigrdrifa] 106. (116*). 136. 151.
R 268; damals ward Aslaug erzeugt
134. R 268. — Reitet zu Heimi 109.
N 387, wird dort von Alfoinn em⸗
pfangen 110, fließt Freundſchaft mit
ihm 111, bleibt Lange dort 110. Er⸗
blidt von einem Thurme aus Bryn⸗
hild beim Stiden 111 f. und wird
von Liebesweh ergriffen 112. Bon
Alſvinn nah dem Grunde gefragt
113, jagt er es ihm 113 und erfährt,
daß. er Brynhild geſehen babe 112;
will fte befuchen und ihre Xiebe er⸗
werben 113; beſucht fie 114, wird
von ihr empfangen und bemwirthet
114, wünfdt fie zu beflgen 115, ver⸗
lobt fi [‚‚aufs Neue“ 116%) mit ihr
116. [N 385*%*#] und giebt ihr einen
Goldring [Andvaranant ? vgl. 133**]
116. Liebt Brynbild fehr 124. 150
und erwähnt ihrer oft 124. Der
[&alte 117. und] Hirſch in Gudrun⸗s
Traum auf ibn gebeutet 122. Wird
von Brynhild Sigrdrifa?] als
vortrefflicäfter Held bezeichnet 120 f.
IR.
435
— Meitet zu Gjuke's Halle 128, für | in Gunnar's Geſtalt dur die
einen Gott gehalten 195; reitet ohne | Waberlohe 129.186. 147. 148 (ebenfo
Erlaubniß der @fulunge in die Burg
128, von Giuke empfangen 123, über⸗
trifft in Allem Gunnar undHogne1M.
184, läßt aber Gunnar den Vorrang
162, wird von Giule und feinen
Söhnen bad geehrt 194. Erhält
von Grimhild einen Baubertranf,
nad bem er Brynhild vergift 122.
124 f. 139; erft, als Brynhild ver-
mählt ift, Tommt er wieder zur Be=-
finnung und erfennt fie 160. 161;
da härmt es ihn, daß fie nicht feine
Gattin ift 150, bo fügt er fig in
das Unvermeidliche und freut ſich des
Belfammenfeins 150. Als Gudrun
ihm ſchenkt, findet er Wohlgefallen
an ihr 125, meilt fünf Halbjahre
(lange N 378) dort 125, da wird
ihm Gudrun und Herridaft dazu an⸗
geboten 126; er vermählt ſich mit
ihr 126. N 978, bat ihr dabei ver-
ſprochen, fie von Hel aus zu ſich gu
holen 216, flieht Blutsbrüderſchaft
mit Gunnar (und Hogne) 126 (vgl.
124). 154. 161, ziebt mit ihnen anf
Heerfahrten 127. 206; ift ihre Stärfe
161; von ihnen gegen die Gandalfs⸗
fühne um Beiftand gebeten, zieht er
mit N 874, fucht auf Bunnar’8 Wunſch
Started im Kampfe auf N 375,
ſchmäht ihn N 875 f., ſchlägt ihm
zwei Badzähne aus N 376 und heißt
ihn fih binmwegbeben N 376. Er⸗
ſchlägt fünf Könige 143. Geräth mit
Grane in einen Sumpf und ver-
tiert dabei eime Sattelipange, die
er Geſt ſchenkt N 377. — Begleitet
Gunnar bei der Werbung 127 f.,
leiht ihm Grane 129, tauſcht mit
ihm die Geftalt 129. 139, fprengt
zurück 133) und nennt fih Gunnar
181; bält als folder um Brynbild
an 131 und bietet ihr Brautſchatz
181, mahnt fie an ihre Gelübde 132
und bält Beilager mit ihr 192 ohne
fie zu berühren (162). N 388,
wobei er fein Schwert zwiſchen ſich
und fie legt 132. 162. 166; giebt
dafür einen Scheingrund an 132 f.;
hat Gunnar die Zreueide gehalten
159. 162 und mit Brynhild Teine
unerlaubte Bertraulichkeit gehabt
159. Wird Brynhild's erſter Gatte
genannt 184. 136. Nimmt von
Brynhild den Ning Andvaranaut
(f. 188*%) und giebt ihr einen an⸗
dern Wing 183. Hat Alles an Gnd«
run gefagt 152 f. Ahnt feinen
baldigen Tod 149. 150, der ihm
prophezeit iſt 89. (106). (122). 150.
159, woran er früher nicht glauben
wollte 1595 fagt, daß Brynhild ihn
nit überleben werde 149. WIN
alles But biugeben, damit Brynhild
lebe 150; wünſcht, daß fie feine
Gattin wäre 150 f.; will Gudrun
um Bryuhild's willen verlaflen 151.
Kommt von der Yagd 146. Räth
Gudrun davon ab, Brynhild nad
ihrem Borne zu fragen 136. Ger
beten zu Brynhild zu gehen, zeigt
er wenig Luft dazu 146. Erklärt
ſchlimme Folgen von Brynhild's
Born geahnt zu haben: ihren Tod
146 und Nadepläne 146. Anf Gud⸗
run's Bitte geht er zu Brynhild
und fordert fie auf, fröhlich zu fein
146f., erhält Antwort von ihr 147 ff.
Sudt fie mit Gjuke auszufühnen
148 ff. Erflärt ihr feine Liche 150
28*
436
und beibeuert feine Unſchuld, indem
er dem Truge unterlegen 150 f. Geht
teanrig fort 151 f. und fagt Giuke,
daß fie wieder rede 152; jein Panzer
fpringt ibm vor Harm 152. —
Adnungslos glaubt er Teinen Ber-
rath verdient zu haben 157; wäre
fhwer zu tödten geweien, wenn er
Berratb geahnt Hätte 159; kann dem
Geſchick nit entgehn 157. 159. Im
Bette (neben Gubrun 158. N 379)
ſchlafend von Gutthorm durchbohrt
157. N 879, wirft ſeinem Mörder
fein Scäwert nad, welches jenen
durchſchneidet 157 f. Mach deuticher
Sage draußen im Walde erfchlagen
N 379, von Gunnar und Hogne 214,
von Gudrun’s Blutsfreunden 160;
auf dem Ritte zu einem Thing von
@ijute’8 Söhnen erſchlagen N 379 f.).
Richtet fi bei Gudrun's Wehllagen
auf und tröftet fie mit den Brüdern
158; beflagt, daß fein Sohn zu
jung fei, um ben Yeinden zu ent-
gehn 1585 erfennt Brynbild als
Anftifterin 159; ftirbt 159. Sein
Sohn (und Andere?) mit ihm er-
ſchlagen 166. Seine Leiche auf einem
Sheiterhaufen verbrannt 166. N 380.
Sigurd (Sigurdhr) II, Sigurd
Hring (Hringr), läßt durch die ihm
verihmwägerten Gandalfsſohne Tribut
von den Gjukungen fordern N 373;
ift nicht ſelbſt auf deren Heerfahrt,
weil er fein Land Schweden zu ver⸗
theidigen bat N 8745 damals ſchon
hochbejahrt N 374.
Sinfjotle (Sintjöti), Sohn
Sigmund’8 mit feiner Schweſter
Signy 237 f.; feine Herkunft aufge-
klärt 39. Kann Gift nur von aufen
vertragen 29. Befteht die Muthprobe
bei Signy 28 und bei Sigmund
(Inetet eine Schlange in den Xeig)
29. Kommt noch nit völlig zehn
Winter alt zu Sigmund 28 unb
bleibt bei ibm 29 f. Soll noch mehr
erprobt werden 295 für Siggeir’s
Sohn gehalten 29 fe Nimmt an
Sigmund’8 Raubzugen THeil 39 und
wird mit ibm Werwolf 81. 45 f.,
ſteht als folder Sigmund bei Sı;
nimmt e8 allein mit elf Manu auf
82, prablt gegen Sigmund 32; von ihm
in die Gurgel gebifien 323, nad Haufe
getragenund geheilt 33. Sport Sig-
mund zur Baterrade an 30. Mit
Sigmuud in Giggeir’8 Halle entdeckt
53 f.,47 2c.,f. Sigmund. Eridlägt
Signy’s und Siggeir’8 Kinder (feine
Halbbrüder) 35. 46. 47. Grhält im
Hügel durch Signy Sigmund’s
Schwert 36 f.; durchſägt fo mit Sig⸗
mund den Fels und entlommt aus dem
Hügel 87 f. Zündet mit Sigmund‘,
Siggeir’8 Halle an 38. — Fährt mit
Helge gegen die Sranmarsföähne 41;
weiß mohl Rede zu ſtehn 45, führt
ein Scheltgeipräd mit KHobbrobd’8
Bruder ſGudmund] 45 ff., darin
Anuſpielnugen auf feine früheren
Thaten. Wirbt mit Borgbhild’s
Bruder um biefelbe Frau und er-
ſchlägt jenen 50; foll darum Borg-
bild aus den Augen gebu 50 f.;
von Borgbild vergiftet 63. N 362;
lehnt vorher zweimal den Giftbedher
ab 51 f. Seine Leiche von Sigmund zum
Strande getragen52, von einem alten
Fährmann (DOpin) aufgenommen 58.
lade (Skadhi), mädtig und
vornehm, doch weniger als Eige 3.
Herr des Brede 3; hegt Argwohn
gegen Sige 5, läßt Wrede ſuchen 5.
GSuñã var (Sne- Sohne Hog⸗
varr) ne’3 187;
Solar (Sölarr) 7 ziehn mit zu
Ntle 187, bringen im Kampfe vor
wärt3 192.
®orle (Sörli),;, Sohn Yonakı’8
mit Budrun, Bruder Hamdi's 209;
firandelt unterwegs 218; ſchlägt
Jormunrek die Süße ab 219. Bgl.
Hambi.
Starkad (Starkadhr), Stor⸗
verks Sohn N 875, ſtammt aus
Fenhring in Norwegen N 375; gleicht
einem Rieſen N 375. Will vor
Sigurd fliehen N 376, ber ihm aber
zwei Badzähne ausſchlägt N 876;
entweicht darauf N 376. Grmordet
König Armod im Bade N 377.
©pafrlad (Svafrlödh), Gud⸗
run’8 Befolgsfran 145, tft ſchreckens⸗
bleib 145 [mil Brynhild nicht
weden? 145].
Spauhild (Svanhildr), Tochter
Sigurd's mit Gudrun 164. 208, Die
ſchonſte aller Frauen 164. 208. 209 f.;
wächſt bei Jonakr auf 209. 209 f. Mit
Randve aus dem Lande gejendet und
Sormunrel gegeben 165. 211; fällt
dur Bicke's Verrath 165, wird auf
feinen Math von Rofſfſen zertreten
213; bat fo durddringende Augen,
dag die Pferde fie nicht zu treten
wagen, bis ihr da8 Haupt verbillit
wird 213.
Svpeipud (Sveipudhr) Noſſe
©Spesgind (Sveggjudhr)f ber
Granmarsjühne 48.
T.
Thora (Thöra) I, Hakon's
Toter in Dänemark 168 [in ber
9
— — — — — — — — — — — — —
437
Halle Halfs? 168]; ſtickt zu Gud⸗
run's Ergötzung auf ein Gewebe
Kriegsfahrten Sigmumd’8 ꝛc. 168 f.
[There (Thöra) II, Borgar-
hiort R.]
8.
Valdamar (Valdamarr) von
Dänemark begleitet bie Giulunge
auf ber Fahrt zu Gudrun 170.
Vinge (Vingi) überbringt Atle’3
Einladung an die Gjukunge 178. 179.
181, fäligt Gudrun’! Runen 178;
fagt den Siufungen, fie follten fir
Atle’3 Söhne das Neid verwalten
181; ſchwört, daß er nicht Verrath
finne 187 f., entdeckt ben Berrath
189 und wird von den Gjukungen
erſchlagen 189.
VBolfung (Völsungr), Meri’s
Sohn 12, ift ſechs Jahre im Mutter-
leibe und wird zulest beraus-
gefänitten 10 f.; küßt feine Mutter,
ebe fie flirbt 11; legte ungeboren
da8 Gelübde ab, weder Yeuer noch
Eifen zu fliehen 19. Iſt König Über
Hunenland 11; auf Heerfahrten fieg-
baft 11, Hat hundertmal ſtets fieg⸗
rei) gefodhten 20. Vermählt fi
mit Hljod, der Tochter Hrimni’s 11 f.
bat mit ihr zehn Söhne und eine
Tochter (Signy) 12. Baut eine
Halle um den- ‚Kinderftamm‘ 12 f.
Berlobt Signy gegen ihre Neigung
mit Siggeir 14, weigert ſich den
Ehevertrag zu brechen 17 f.; ſchickt
Signy zu Siggeir zurüd 20. Folgt
Siggeir’8 Einladung 18 f.; von
Signy gewarnt 19 will er doch nicht
flieden 20; fällt mit feinem Heer 21.
438
Aachträgliche Berichtigungen.
S. 488 am Ende Tieß: 49, 7-10. — Bu S. 322—24, 327 und 330—81
wäre der Bollftändigleit halber Saro ©. 462 f. zu vergleichen gewefen,
nämlich zu 322%: Saro 462, 15-18; zu 3231: 462, 18 f.; zu 3241: vgl.
462, 20— 22; zu 83494: 462, 22—24 5; zu 3272—8: 468, 575 zu 8801: 463,
7—9; zu 8311: 468, 10 f. — ©. 369, 9 lies: 7)8. — S. 3771 lies: Norna=
gestsrima. — ©. 408 ergänze: Binfj. = Binfjötlalok.
Drud von A. Th. Engelhardt in Leipzig.
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